Von unserem Korrespondenten, der jetzt auch schon Zitronen im Schlaf riecht
Das Schweigen hält an. Guevara spricht nicht mehr, nicht mit der Presse, nicht mit seinen Co-Trainern, kaum noch mit sich selbst. Und als wäre das nicht genug, hauen nun auch noch die Peruaner auf ihn ein. Kollektiv, gnadenlos, als hätte sich ganz Südamerika verschworen, ausgerechnet jetzt über ihn herzufallen. Er aber? Lethargisch. Fast schon friedlich in seiner Verzweiflung. Der Tequila schmeckt nach wie vor, doch die Tacos, ihre Tacos, mit der grünen scharfen Sauce, fehlen ihm mehr als jedes Spielergebnis.
Das nächste Spiel kommt da wie gerufen. Ablenkung! Er hat eigens 50 Kilogramm der besten Zitronen aus Pachuca bestellt. Eine Wand aus Säure, hinter der sich die Erinnerung an Popokes Frühstück vielleicht endlich verstecken lässt. Das Spiel selbst? Interessiert ihn nicht die Bohne.
Während er so vor sich hin sinniert, bewegt sich die Klappe an der Tür. Es ist 2:30 Uhr nachts. Eine Hand! Behaart, dick, definitiv nicht Popokes zarte Finger. Schiebt einen weiteren mysteriösen Brief durch, der auf die Fußmatte fällt. Neugier siegt über Lethargie. Er stürzt zur Tür, reißt sie auf – und sieht nur noch einen etwa 1,50 Meter kleinen Mann mit dickem Arsch und Sombrero um die Ecke flitzen. „¡Qué cabrón!“, denkt er.
Der erste Brief liegt noch immer ungeöffnet neben Popokes Bild. Dieser hier riecht anders. Ein Hauch Reue, aber immer noch, unverkennbar, nasser Hund. Diesmal öffnet er
ihn.
„Mein liebster Freund und Weggefährte“, liest er, die Stimme im Kopf schon zitternd. „Ich wollte nicht, dass Popoke dich verlässt. Aber ich hatte keine Wahl. Der Verlust der Meisterschaft hat mich sehr getroffen. Da musste ich mich rächen. Dass sie gleich geht, hätte ich nicht gedacht. Ich möchte dir nur mitteilen: Popoke ist bei mir eingezogen. Ich weiß, du wirst das verstehen. Dein Herbster.“
Beigefügt: ein Foto, Arm in Arm, Popoke und Herbster, lächelnd wie ein Hochglanzpärchen aus einer schlechten Seifenoper.
„¡Hijo de puta!“, brüllt Guevara, so laut, dass sämtliche Hunde des Landes aus dem Schlaf schrecken, die Zitronenbäume in Pachuca erzittern und in jedem Therapieraum der Republik die heilige Stille zwischen Patient und Therapeut zerreißt. Gläser fliegen, Möbel kippen. „¡Ese cabrón, ese traidor! Nach allem – nach ALLEM, was ich für ihn getan habe, nimmt er mir meine Popoke!“
Er tobt durch die Küche, tritt gegen den Kühlschrank, reißt sich das Hemd auf. „Ich werde in seinen fetten Arsch treten. Nein, ich werde ihn töten“, keucht er, außer Atem, außer sich, ein Mann jenseits jeder Vernunft. „Ich schwöre bei meiner Mutter, bei allen Heiligen von Monterrey – dieser Herbster wird bezahlen!“
Und während sich die Wut auslädt, in einem kurzen stillen Moment - wieder da! Dieses Datum: 09.10.26. Er schaut auf seine Handfläche. Da steht es noch. „Mierda, was war da nochmal?“
Wer US Monastir in dieser Saison verstehen möchte, braucht weiterhin starke Nerven. Auf eine knappe 2:3-Niederlage bei Espérance Sportive Zarzis folgte vor eigenem Publikum eine echte Machtdemonstration: Espérance Sportive de Tunis wurde mit 5:0 aus dem Stadion geschossen. Zwei Auftritte, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten.
Immerhin bewegt sich jetzt auch etwas in der Tabelle. Monastir klettert auf Platz 8. Das ist noch lange nicht die Region, in der sich johnfire seine Mannschaft vorgestellt hat, aber nach Wochen des Stillstands zumindest ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.
Nach dem Ausscheiden im internationalen Wettbewerb gibt es
ohnehin keine Ablenkung mehr. Die überraschende Chance im Confederation Cup ist vergeben, nun zählt ausschließlich die Liga. Und gerade das 5:0 zeigt erneut, welches Potenzial eigentlich in dieser Mannschaft steckt.
Doch genau darin liegt weiterhin das große Rätsel dieser Saison. Monastir kann Gegner regelrecht überrollen – und wenige Tage zuvor auswärts wieder alles liegen lassen. Aus einzelnen Ausrufezeichen muss endlich eine Serie werden.
Platz 8 ist ein Anfang, aber noch keine Wende. Nach dem internationalen Aus hat johnfire nur noch eine Bühne, auf der er diese Saison retten kann. Dort muss Monastir jetzt endlich nachlegen.
Nach dem rasanten Aufstieg bis auf Platz 2 hat Chicago Fire erstmals wieder etwas an Tempo verloren. Dabei begann der Spieltag für scottfires Mannschaft noch nach Plan: Gegen Sporting Kansas City reichte ein knappes 1:0, um die Siegesserie zunächst fortzusetzen und die nächsten drei Punkte einzufahren.
Auswärts bekam die Euphorie dann allerdings gleich zwei Dämpfer. Bei Las Vegas Lights FC erwischte Chicago einen gebrauchten Tag und musste sich deutlich mit 0:4 geschlagen geben. Bei den New York Cosmos zeigte sich die Mannschaft anschließend zwar wieder deutlich konkurrenzfähiger, ging beim 2:3 aber erneut leer aus.
Zwei
Niederlagen in Folge kosten die Fire einen Platz – mit Rang 3 bleibt Chicago allerdings weiterhin ganz oben dabei. Und wer sich daran erinnert, dass dieses Team vor gar nicht allzu langer Zeit noch auf Platz 19 stand, dürfte mit der aktuellen Situation trotzdem hervorragend leben können.
Die letzten Partien zeigen aber auch, wo weiterhin die Schwachstelle liegt: Während Chicago zu Hause inzwischen äußerst zuverlässig punktet, bleibt die Mannschaft auswärts anfällig. Gelingt es scottfire, auch dort wieder mehr Stabilität hineinzubringen, könnte aus der unglaublichen Aufholjagd tatsächlich noch eine ganz besondere Saison werden.
Der kurze Aufwärtstrend der Glenfield Rovers hat einen deutlichen Dämpfer bekommen. Nachdem sich das Team von Trainer stevefire zwischenzeitlich bis auf Rang 5 vorgearbeitet hatte, geht es in der Tabelle inzwischen wieder in die andere Richtung. Aus den vergangenen drei Begegnungen holten die Rovers lediglich drei Punkte und fallen dadurch auf den 11. Tabellenplatz zurück.
Bei Hawke’s Bay United gab es zunächst eine klare 0:3-Niederlage. Die Antwort darauf hätte allerdings kaum deutlicher ausfallen können: Gegen Eastern Suburbs AFC meldete sich Glenfield mit einem überzeugenden 5:0 zurück und zeigte eindrucksvoll, welches Potenzial weiterhin in der Mannschaft steckt.
Doch die Hoffnung auf
eine neue Serie hielt nur kurz. Bei Palmerston North Marist setzte es erneut ein 0:3. Damit zeigt sich momentan ein auffälliges Bild: Entweder Glenfield gewinnt deutlich – oder steht am Ende selbst ohne eigenen Treffer da. Konstanz sieht anders aus.
Mit Platz 11 liegt Glenfield nun sogar hinter dem vor der Saison ausgegebenen Ziel, Rang 9 zu erreichen. Noch ist genügend Zeit, das wieder zu korrigieren. Dafür müssen die Rovers allerdings schnell wieder jene Stabilität finden, die sie zuvor vom Tabellenkeller bis auf Platz 5 geführt hatte.
Der Blick nach oben ist weiterhin erlaubt – zunächst heißt die Aufgabe für stevefire und seine Rovers aber wieder: Platz 9 zurückerobern.
Ja es ist wahr, der kleine Käfer hat seinen Mann gestanden bei Al Dafra und man könnte ihn zweifellos ein wenig bewundern. Wenn da nicht dieser aufkeimende Verdacht wäre, dass er all das gar nicht alleine geschafft hat. Eine Quelle, nicht auf dem Boden von Dubai Club, sondern aus dem Internet, besagt:
Namasté! Mit dem Oxymel 'Ayurveda' (das Wissen vom Leben) erhältst Du Deine wohltuende & erfrischende Dosis Wildkräuter, um zurück in Dein Gleichgewicht zu finden, für Deine stärkende Pause zwischendurch oder als spritzig-frisches Feierabend-Elixier. Dein goldenes Ritual mit einer Kombination aus der beliebten Schärfe von Ingwer und Kurkuma mit Kardamom, Safran, Ashwaganda & Scarabaeus nomine Herbie una manu.
Und genau da liegt der arabische Hund im Wüstensand begraben. Für ein kleines Fläschchen Oxymel mit 150 ml Inhalt verlangt man in der
Dubai Mall sage und schreibe 600 Dirham. Und der Hersteller tut da außer Wasser und Hockus Pokus auch noch Teile des armen Scarabaeus nomine Herbie una manu hinein? Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn vor Al-Shabab`s Trainingsgelände (bzw. Testlabor) seit Tagen die Studenten demonstrieren, okay, für 20 Dirham demonstrieren die gegen alles was bestellt wird (gegen Hausaufgaben, gegen Zwangsheirat, gegen rechts, gegen links, gegen oben, gegen die Wehrpflicht usw.), aber die mitgeführten Transparente lassen einen schon nachdenklich werden. Ganz vorn, ganz groß war zu lesen, „Stoppt Tierversuche, nehmt Herbie“.
Die rechte Hand verzichtet vorerst auf jedwede Nahrungsergänzungsmittel aus kleinen Fläschchen aus undefinierter Herkunft und bietet weiterhin nach jedem Training auf der Palminsel das 20-er Gebinde Becks zu je 0,5l an. Es hat sich bewährt. Natürlich erst nach Sonnenuntergang.
Don Hernàn ist längst angekommen. Nicht irgendwo in Australien, sondern bei den wilden Hengsten. Und er reitet selten oben. Doch nun ist Schluss mit lustig. Spätestens mit dem Abschluss der Hinrunde dürfte auch dem letzten Optimisten klar sein: Don Hernàn hat die Hosen voll!
Grosse Ankündigungen, wenig los. Flasche leer oder tote Hose. Einfach ein peinlicher Auftritt, den der Weltklassetrainer in den letzten Woche hingelegt hat. Die Marconi Stallions sind eigentlich kein Wellnessklub. Hier wird gekickt, gerannt und gearbeitet. Eine Attitüde, die für einen Startrainer fremd ist...
Statt Alpenpanorama gibt es australische Hitze. Statt gemütlicher Heimfahrt stehen lange Wege auf dem Programm. Und statt freundlicher Begrüssung durch die Konkurrenz gähnend leere Stadien allenthalben...
Für Don Hernàn heisst das: Augen auf, Hosen festhalten und bloss nicht den Überblick verlieren. Die grosse Frage lautet längst nicht mehr, ob die
australische Liga hart ist. Sie lautet: Kann Don Hernàn diesen Wahnsinn überstehen, ohne dass am Ende die Unterhose zum taktischen Hauptproblem wird? Selbst die gewieftesten Trainerkollegen verstehen das hirnverbranntehochstehende Geschreibsel nicht. Und die sportliche Konkurrenz macht sich geradezu hämisch über den Übungsleiter lustig. "Puh, also das die D-U-S noch kaiserlichen Support aus Japan erhält, lässt mich mit einem flauen Gefühl im Magen zurück. Ich glaube, dass ich noch schnell meinen Oddset-Tip ändern muss!", so ein sichtlich irritierter Weltklassetrainer.
Mit den Marconi Stallions wird jedenfalls in der Rückrunde niemand Mitleid haben. Die Konkurrenz riecht Lunte vor dem Bluffer. Die Zweikämpfe werden härter. Das Tempo steigt. Und irgendwo in Sydney sitzt vermutlich schon einer und sagt:
„Don Hernàn? Der hat noch gar nicht verstanden, was hier gleich passiert.“
Nach der 0:3-Niederlage in Valencia schien Real Madrid endgültig in der Komfortzone zwischen Mittelmaß und Mittagsschlaf angekommen zu sein. Platz 6, sieben Siege, vier Unentschieden und sieben Niederlagen – bei 27:26 Toren und 25 Punkten. Immerhin: Der Abstand zur Spitze ist noch nicht völlig außer Sichtweite. Dino müsste dafür allerdings gelegentlich auch auf die Tabelle schauen.
Dann folgte der Heimauftritt gegen Real Racing Club Santander. Und plötzlich war wieder Leben im Bernabéu: 4:0 für Real Madrid! Lambretta ließ seine Mannschaft offenbar nicht nur nach vorne spielen, sondern fand sogar die richtige Kabine. Vier Treffer, kein Gegentor – ein Abend, an dem selbst der Trainer kurzzeitig seine Brille nicht vermisste.
Auswärts bei Deportivo Alavés gab es anschließend ein 2:2. Ein Punkt, der die Madrilenen auf Rang 6 hält. Lambretta soll nach dem Spiel erklärt haben: „Wir wollten gewinnen. Aber zwei Tore sind auch eine schöne gerade Zahl.“ Auf die Frage, warum seine Mannschaft nicht noch ein drittes Tor nachlegte, habe er geantwortet: „Ich dachte, das Spiel sei schon vorbei. Die
Anzeigetafel war so hell.“
Am kommenden ZAT wartet zunächst Espanyol Barcelona auswärts. Für Lambretta ist das eine Gelegenheit, die jüngste Aufholjagd fortzusetzen – und für die Fans die Hoffnung, dass die Mannschaft diesmal nicht erst nach dem Pausentee aufwacht.
Doch danach wird es ernst: Am 20. Spieltag empfängt Real Madrid den FC Barcelona. Das Clásico steht vor der Tür, und Dino soll bereits angekündigt haben, sich diesmal besonders gut vorzubereiten. Er wolle „alle wichtigen Informationen sammeln“ – angefangen beim Anstoßzeitpunkt bis hin zur Frage, ob Barcelona tatsächlich in Blau-Rot spielt.
In Madrid hofft man auf weitere Punkte und eine Rückkehr in die Spitzengruppe. Lambretta selbst bleibt gelassen: „Die Saison ist lang. Und wenn sie nicht lang genug ist, verlängern wir sie eben.“
Ob Real Madrid nun tatsächlich Fahrt aufnimmt oder Dino erneut in die Nacht abbiegt, entscheidet sich am nächsten ZAT. Sicher ist nur: Nach dem 4:0 gegen Santander ist die Hoffnung zurück – und Lambrettas Taxifahrer hat vorsorglich schon einmal den Motor gestartet.
Was für ein Wochenende! Don Limòn, seines Zeichens Trainer von Pachuca CF und bislang überzeugter Spezialist für erotische Liebesspieletaktische Lösungen, musste am eigenen Leib erfahren: Es gibt Tage, an denen alles funktioniert. Auf dem Fussballplatz. Und offenbar auch daneben. Die Gegner zittern bereits, und Don Limòn will die Rückrunde mit Dos Cojones in Angriff nehmen.
Ein bisschen Leidenschaft, ein bisschen Romantik, ein bisschen körperliche Kommunikation. Auch dort zeigte sich: Die Formkurve von Don Limòn zeigt phallusgleich nach oben! Oye como va todo eso cabrón? winselten ein paar versprenkelte Übungsleiter. (Gerüchten zufolge handelte es sich um Herbster, immer noch mit Schuldgefühlen kämpfend, der
hinter einer Guave mit El Campeche Händchen hielt; A.d.R.). Estaba con la alumna de Roquo pendejo! Vaya vida, vaya huevos!. Innert einer Woche vom ratlosen Fussballlehrer zum Mann der endlich weiss, wo vorne und wo hinten steht. Manchmal benötigt auch ein Weltklassetrainer einen Profi, der einem erklärt wie das Spiel funktioniert.
Pepeke Guevara muss bei seinem Aufgalopp in Pachuca wohl vor allem seinen Blutdruck coachen. "Die Reise kannst Du die sparen amigo!", so Don Limòn im Vorfeld des verkappten Spitzenspiels.
Bleibt zu hoffen, dass es derfröhlichen Zitrone nicht wie der Eintagsfliege ergeht. Kaum korpuliert, am Höhepunkt des Seins, geht sie ein und hinterlässt nichts als einen feuchten Abdruck an unnötiger Stelle. Affaire à suivre...
Xerez, Weltklassetainer, Tunichtgut und Minzteetrinker in Personalunion staunte nicht schlecht, als er nach dem Spieltag den Blätterwald Ägyptens durchforstete. Auf den ersten Blick unscheinbar, kommt es zu weltbewegenden Offenbarungen. Nicht nur die Brasilianer Ägyptens stehen abseits, auch die Gizeh Gazette scheint vergessen.
"Bueno, eine Headline jagt die nächste. Vor lauter Taktikgebrüte kam ich in den letzten Wochen kaum zum lesen. Der hektische Büroalltag gab mir dazu noch fast den Rest." resümiert ein nun sichtlich entspannterer Weltklassetrainer. Neben dem grossen Staunen über den lebenslangen Vertrag einer Basketballlegende als Fussballtrainer (WTF; A.d.R.), gibt vor allem die Bromance zwischen dem Tabellenführer und dem mittlerweile auf Indonesien gestrandeten ewigen Radlers zu Reden.
"Bueno, ich bleibe locker. Aber dieses Eingeseife auf höchster Stufe ist doch ein wenig merkwürdig. Kaum wird die Qualität der Liga gelobt, wird eine Woche später fabuliert, dass die Gurkentruppe vom Hafen der Konkurrenz bereits enteilt sei. Noch besser die Replik darauf, dass sich El Mansoura und Port Said nun mittels Titeltausch die Lorbeeren der Saison brüderlich teilen wollen.", redet sich Weltklassetrainer Xerez in Rage.
"Vaya locura. So nicht! Ich werde alles dafür tun, mit maximalem Einsatz den Hafenkickern von Port Said Ihre Grenzen aufzuzeigen. Ehrlich gesagt, können die sich die Reise nächste Woche sparen. Wenn Sie dennoch auftauchen, ballern wir sie einfach aus dem Stadion. Ganz einfach!" Das ist mal eine Ansage von Xerez! Hoffen wir, dass auch die Gegner aufmerksam die Zeitung mitverfolgen...
Die Hinrunde ist vorbei, verbrannte Erde allenthalben. In der Champions League kläglich gescheitert, in der heimischen Liga an möglichst vielen Ecken hingepinkelt. Nun trotzdem Herbstmeister - der unnützeste Titel überhaupt - mit einer völlig irren Volte zum Abschluss. Willkommen in der Welt des einzig wahren Mad Man!
Don Crespo lässt nichts aus; soweit so klar. Neben seinen Vorlieben als vividor mit viel buena onda verbringt er auch ab und zu Zeit mit taktischen Analysen. "Bueno, los péricos waren meine grösste Sorge. Ich mag sie sehr. Besonders mit roten Federn und blauen Sprenkeln. Als soziale Wesen treten sie ja jeweils in Gruppen auf und
spielen gern.", so der - offenbar nun auch ornithologisch bewanderte - Weltklassetrainer Don Crespo. Vor lauter Nächstenliebe liess man dann die Vögelchen gewähren; weshalb sich Don Crespo jedoch zum unnötigsten Tor der Copa Geschichte hinreissen liess, lässt der Startrainer weiter offen. "Claro, ich bleibe unberechenbar!", so die lakonische Antwort. Das ist vermutlich genau der Ansatz, den es vor dem 3 Gipfeltreffen beim FC Barcelona benötigt. Obwohl man sich die Reise wohl sparen könnte. "Jede Woche nach Catalunya zu reisen? Das gibt noch mehr Kopfschmerzen, als der Besuch meiner Schwiegermutter, die mich ständig verführen will..." Affaire à suivre
(322) Genau FÜNFZEHN Minuten dauert bekanntermaßen eine Halbzeitpause, doch wer schonmal im Stadion war, weiß genau, dass man es vom Stehplatz zur Wurstbude, zum Bierstand und zurück auf den Stehplatz in dieser Zeit meist nicht schafft. Trainer Pippo wird dies am 24. Oktober in einem mittel-westdeutschen Erstligastadion erneut ausprobieren, um sich beim Spiel auch neue Ideen für den Ligaendspurt zu holen… Halbzeit ist dann auch das Stichwort: die Hälfte der Spielzeit ist
auch in der finnischen Liga schon wieder rum, ein trainerloser Verein ist Herbstmeister, und Allianssi steht auf einem passablem 5. Platz mit SECHZEHN Gegentoren und SIEBZEHN Punkten. Und beim nächsten Mal fällt uns sicher auch etwas Besseres ein zu M-V-G-A,
die Liga ist der Star,
Make Veikkauli(i)ga great again
Als Fußball-, Elch- und Saunafan
Komm‘ in die Kälte, schieß dich heiß,
sag’s jedem, der’s bis jetzt nicht weiß!
Normalerweise erfordert die japanische Etikette vornehme Zurückhaltung gegenüber fernen Nebenschauplätzen. Doch wenn ein Kollege im australischen Busch ein derart messerscharfes Werk abliefert, gebietet es der Ehrenkodex, die Teeschale beiseitezustellen und sich tief zu verbeugen.
Mit der unbarmherzigen Präzision eines meisterlich geschmiedeten Katanas seziert der Kolumnist hier das versammelte Teilnehmerfeld bis auf die Knochen. Jeder verbrannte TK-Punkt wird vorgerechnet, jedes vorzeitige
Petting gnadenlos entlarvt und der Liga die nackte Fratze ihrer eigenen Unfähigkeit vorgehalten. Das ist keine bloße Berichterstattung mehr, das ist publizistische Hinrichtungskunst auf kaiserlichem Niveau.
Große Verbeugung vor dieser Kolumne, werter Kollege. Ergänzend ein alter Lehrsatz: Wer mit Worten so treffsicher schneidet wie mit geschliffenem Stahl, hat den Pfad gemeistert; wer jedoch auf dem Spielfeld blindlings seine Pfeile verschießt, verhungert noch vor Einbruch des Winters.
Für Nigel Clough und die Urawa Red Diamonds verliefen der jüngste Spieltags-Block nach Maß. Die Rot-Schwarzen untermauern ihre Heimstärke und schieben sich bis auf Platz acht vor.
Am 13. Spieltag legten die Red Diamonds im Saitama Stadium den Grundstein. Gegen die Yokohama F. Marinos kontrollierte die Clough-Elf das Geschehen von Beginn an. In der 26. Spielminute belohnte sich das Team für einen druckvollen Beginn mit der verdienten 1:0-Führung.
Auch nach dem Seitenwechsel geriet der Erfolg nie ernsthaft in Gefahr. Als in der 57. Minute das 2:0 fiel, war der Deckel vorzeitig drauf – Urawa spielte die Restzeit souverän und abgeklärt herunter.
Blitzstart und Spätlese gegen den Meister
Nur einen Spieltag später wartete mit dem amtierenden Meister Avispa Fukuoka eine echte Reifeprüfung. Doch Urawa erwischte einen Start nach Maß: Bereits in der 9. Minute zappelte das Leder zum 1:0 im Netz.
In der Folge entwickelte sich eine intensive Partie, in der Urawas Defensivverbund extrem kompakt stand und dem
Meister kaum Räume bot. Die endgültige Entscheidung fiel in der Schlussphase: Ein blitzsauberer Spielzug in der 80. Spielminute schraubte das Ergebnis auf 2:0 – der zweite Zu-Null-Heimsieg war perfekt.
Zum Abschluss des Blocks reisten die Red Diamonds am 15. Spieltag zu Cerezo Osaka. In einer zähen Begegnung konzentrierten sich die Gäste vorrangig darauf, defensiv sicher zu stehen und Reserven zu schpnen. Ein einziger Treffer der Hausherren in der 52. Minute entschied die Partie zum knappen 0:1 aus Sicht Urawas – ein Verschmerzbarer Dämpfer nach der Heim-Gala.
Und auf einmal sind es plötzlich nur noch sechs Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Tokushima Vortis. Davon will Nigel Clough selbst allerdings rein gar nichts wissen:
„Vor wenigen Wochen haben mich die Medien noch komplett infrage gestellt und wir wurden schon in den Abstiegskampf geschrieben – und plötzlich sollen wir von Platz eins träumen? Uff... das ist schon ziemlich harter Tobak. Wir bleiben schön auf dem Teppich und machen Schritt für Schritt weiter.“
Pepeke Lumumba doziert salbungsvoll über Etikette, Manieren und das korrekte Verbeugen vor seiner meisterlichen Besonderheit. Wie rührend. Gegen die Mpumalanga Black Aces reichte dem feinen Herrn bekanntlich, und von ihm auch groß doziert, ein einziges, mühsam ergaunertes Törchen. Klar. Aber: Nein, nein, das geschah keineswegs aus Respekt, sondern schlicht aus ökonomischem Kalkül. Warum wertvolles Pulver an einen amtierenden Meister verschwenden, der sich an einem geschenkten 1:0 berauscht wie an billigem Fusel?
Denn schaut ihn euch an: Kaum biegt der wehrlose Aufsteiger Chippa United mit kapitulierendem Trainer um die Ecke, ist die viktorianische Zurückhaltung plötzlich wie weggeblasen. Da rückt der feine Schlossherr
mit der schweren Kavallerie an und verballert gleich drei Tore gegen einen klinisch Toten. Große Fechtkunst, gegen leblose Konstrukte loszuziehen, um das eigene Ego aufzupolieren.
Und insgesamt? Während die versammelte Establishment-Runde, von Maritzburg bis Pretoria, mit fetten Vorratskammern jenseits der 32 TK noch über das passende Besteck debattiert, blicken wir trocken von oben herab: Herbstmeister. Mit schmalen 27,5 TK haben wir euch die Vorrunde geklaut. Doch klar, Pepeke und alle, auch bei mir herrscht die nüchterne Einsicht:
In der Rückrunde entscheidet nicht der Knigge, sondern wer am Ende die Punkte holt, mit oder ohne Manieren, mit oder ohne Selbstbewusstsein, einfach auf Basis des Faktischen. As bad as it gets.
Das hat gesessen. Drei Spiele, nur ein Sieg und gleich neun Gegentore: Für Heart of Midlothian verlief der jüngste Spieltags-Block (Spieltage 16 bis 18) richtig schmerzhaft. Die Mannschaft verlor vorübergehend den Platz an der Sonne und musste die Konkurrenz ziehen lassen.
Erst Klatsche im Celtic Park, dann Heim-Debakel
Schon der Auftakt an Spieltag 16 geriet zum Debakel. Beim Celtic FC kamen die Hearts gewaltig unter die Räder und kassierten eine saftige 0:4-Abreibung.
Wer auf eine Reaktion im darauffolgenden Heimspiel gegen Inverness Caledonian Thistle gehofft hatte, wurde bitter enttäuscht. Dabei erwischten die Hearts eigentlich einen Start nach Maß: Bereits in der 2. Spielminute lag der Ball im Netz der Gäste – die frühe 1:0-Führung! Wer jedoch dachte, das Tor würde Sicherheit geben, sah sich gewaltig getäuscht. Inverness schlug postwendend zurück (9.) und drehte die Partie noch vor dem Pausenpfiff auf 1:2 (45.).
Auch nach dem Seitenwechsel lief bei den Hausherren defensiv wie offensiv kaum noch etwas zusammen: Zwei weitere Gegentreffer (52., 72.) besiegelten die krasse 1:4-Pleite im eigenen Stadion.
Erst am 18. Spieltag gelang die erhoffte Schadensbegrenzung: Bei Aberdeen FC behielt das Team kühlen Kopf und sicherte sich mit einem 3:1-Arbeitssieg zumindest drei wichtige Zähler fürs Selbstvertrauen.
Wenn die Hearts ganz oben noch ein Wort mitreden wollen, muss das Trainerteam dringend Ursachenforschung betreiben: Warum bricht das Team nach Rückschlägen so extrem ein? Vier Punkte Rückstand auf Motherwell sind absolut machbar – aber weitere Aussetzer wie in Glasgow oder gegen Inverness darf man sich im Titelkampf schlichtweg nicht mehr erlauben.
Brian Clough nach dem 3:1 Sieg gegen Aberdeen: „Wir haben richtig viel Prügel kassiert. Dann sind wir wieder aufgestanden, haben uns geschüttelt und haben uns wieder darauf besonnen, was wir wollen: Gewinnen.“
„Anständig." Mehr wollte Pepeke Lumumba zum Spiel gegen die Black Aces zunächst nicht sagen. Auf Nachfrage packte er dann doch aus: „Der Gegner hat uns den Ball immer wieder zugespielt, mit einer kleinen Verbeugung und einem höflichen ‚Bitte, Sir', wenn meine Jungs mal wieder ihr Unvermögen gezeigt haben. So erzieht man Gäste.“
So und nicht anders hat scheinbar auch Trainer Santa seine Spieler. „Ich möchte hier ein Kompliment aussprechen“, fügte Lumumba hinzu. „Er hat zwar etwas gebraucht, aber so zeigen sich gut erzogene Menschen. Ehrfürchtig und respektvoll. Bravo!“
Dank dieser Gastfreundschaft klettern die Arrows auf Platz drei und schnuppern Champions-League-Luft. Wobei: Schnuppern ist das richtige Wort. Titelverteidigung ist zwar
immer ein Thema, doch in diesem Jahr will das Feeling im Team partout nicht aufkommen.
Deutlich überzeugender verlief das Spiel gegen Schlusslicht Chippa United. Auch hier zeigte sich der Aufsteiger von seiner besten Seite: brav, zurückhaltend und offenbar fest entschlossen, gleich wieder abzusteigen. Trainer Micbasti musste wegen der schlechten Ergebnisse gehen, seither steht das Team ohne Coach da. Im Umfeld heißt es, man plane bereits fleißig für Liga 2. Vorausschauend, das muss man ihnen lassen.
Und Bernd W.? Der säuft sich derweil fröhlich durch die Saison und lenkt so charmant von den schlechten Ergebnissen ab. Ob das Taktik ist oder Verzweiflung, weiß nur er selbst.
Lumumba blickt jedenfalls gelassen voraus: „Hauptsache, alle bleiben anständig. Dann klappt das auch mit dem Ball."