Wie sich die Liga in Südafrika kollektiv verkatert und wir taktisch nüchtern dabei zusehen:
* Pretorias Studenten reisen einen Tag früher an, nur um nach einer 2:0-Führung das Fußballspielen einzustellen.
* Moreno Deus verwechselt Magerkost mit Altmeister-Philosophie.
* Bernd W. preist seinen Urlaubszug als geniale PR-Strategie an (und profitiert glücklich gegen uns).
* Pepeke fleht Sonnengott Helios an, weil die
Bedienungsanleitung für sein Monument unleserlich war.
* Und fubinio starrt nach einer 1:0 Auswärtsniederlage womöglich noch tiefer in sein Glas
Die Mpumalanga Black Aces liefern währenddessen ein eiskaltes 5:0 gegen Spitzenreiter Bloemfontein Celtic. Da verzeiht man doch gerne die oben schon erwähnte Niederlage auswärts. Mit 18 Punkten auf Platz 3 (punktgleich mit Platz 1 und 2) stehen wir als Neuling genau dort, wo wir hingehören: mitten im Titelkampf.
Kaum verbrennt man gemeinsam das Anfänger-Handbuch, bricht in Südafrika das Phantasieren aus: Moreno Deus philosophiert über Nüchternheit, Banana Joe zündelt an seiner Schale und der erstaunliche Liga-Analyst fubinio fing sich nach frechem Zweifel an meinen Fähigkeiten eine saubere 5:0-Abreibung ein. Doch die Krönung liefert mal wieder Griechenland Rückkehrer Pepeke Lumumba will derweil mit dem Koloss von Rhodos zwischen den Beinen bei uns Nervosität erkannt haben während er als amtierendee Champion selbst auf Platz 12 im Keller verstaubt.
Klartext: Bei den Black
Aces passieren niemals taktische Fehler. Sollte doch mal was schiefgehen, lag es gewiss nicht an Nervosität. Eher daran, dass man sich fragt: Braucht es bald auch bei uns so ein monumentales Prachtstück aus Rhodos. Wohl kaum! Auf dem Rasen ist so ein Klotz nur anatomischer Ballast, der Wendigkeit raubt und zur Stolperfalle mutiert. Tabelle lesen genügt, Pepeke.
In meinen Reifejahren setze ich eben lieber auf radikalen taktischen Minimalismus, feines Stellungsspiel und eiskalte Punkte-Effizienz. Man muss schließlich kein antikes Weltwunder zwischen den Oberschenkeln spazieren tragen, wenn man das Spiel einfach mit dem Kopf liest!
Beim der Zeitungslektüre am Kap muss man schmunzeln und nicken: Meistercoach Pepeke Lumumba stellt, während er selbst in Griechenland verweilt, richtigerweise fest, dass Santa und Bernd W. das Handbuch für artige Neulinge wohl nie gelesen haben. Und was muss man da attestieren: Vollkommen korrekt analysiert! Alter Grieche, Meister, du hast das völlig richtig beobachtet während deiner Suche nach dem Koloss von Rhodos 2.0.
Warum auch brav in der Ecke sitzen, wenn man seit ewigen Zeiten weiß, wie dieser Zirkus funktioniert? Und noch viel mehr, ich schieße einfach mal gekonnt die volle Breitseite zurück! Ein Blick in die Runde offenbart nämlich pure Realsatire, vor wem soll man denn da zurücksetzen.
* Pepeke Lumumba sucht auf dem Balkan nach
Verteidigern, während der eigene Meisterladen beim 0:4 gegen die Black Leopards komplett implodiert.
++ Moreno Deus schenkt uns zwar fünf Bananen-Dinger ein, aber wir schlagen zeitgleich die Kaizer Chiefs mit 3:2 und parken mit 12 Punkten und minus 7 Toren stockfrech auf Platz 3!
+++ Und Banana Joe verheddert sich derweil mit fubinio weiter in Chakalaka-Theorien und verwechselten Tunesien-Taktiken.
Mitten in diesem bunten Kabarett thronen die Mpumalanga Black Aces natürlich schon fast oben. Ein stetes Meisterwerk der reinen Effizienz! Wir sind nicht zurückgekehrt, um höflich anzuklopfen oder den Etablierten den Vortritt zu lassen. Wenn die Liga erfahrene Haudegen im Aufsteiger-Gewand unterschätzt, wird sie eben überrollt. Unsere Show läuft erst warm!
Da betrachtet man die ZAT-Ergebnisse und merkt: Die Ansage, dass die Aces den Laden jetzt aufmischen wirkt schon. Die einen trauen sich gar kein Tor mehr gegen uns zu setzen – zack, 1:0-Arbeitssieg. Die nächsten kriegen totale Paranoia und ziehen gleich das Maximum von 6 Toren gegen uns ins Feld. 6:0, reine Nervensache.
Und die Aces: Platz zwei, 9 Punkte, Tordifferenz minus drei. Ein absurdes
Kunstwerk. Es ist wie mit einer frisch geschälten Banane oder einer exotischen Papaya: Wenn die Frucht einmal offen ist, musst du sie sofort verputzen. Lässt du sie liegen, fault der ganze Zirkus weg. Die Aces haben die Saison aufgerissen, also muss jetzt zwingend was passieren. Passiert es? Passiert nichts? Man weiß es nicht. Niemand weiß es. Aber die Aces liefern ihre versprochene Show ab!
Da wird man also freundlich von der Meisteretage ermahnt, sich als Neuling gefälligst brav wie ein Aufsteiger zu verhalten. Demut zeigen, Respekt heucheln, die Hackordnung wahren. Ein netter Ratschlag für das Poesiealbum, aber sicher nicht für die Realität der Mpumalanga Black Aces. Wer bin ich überhaupt in diesem Konstrukt? Santa, ich, wieder bei den Black Aces und eben nicht bei meiner Kurzzeitheimat Chippa United. Das klingt doch schon mal wie früher - ja, ich bin zurück in alter Heimat - nicht nach defensiver Vorsicht, sondern nach einem brennenden
Adventskranz mitten im (afrikanischen) Hochsommer.
Wir, die Black Aces und ich, sind nicht hochgespült worden, um den Hofknicks vor den Etablierten zu üben oder artig Beifall zu klatschen. Die arrivierten Größen fordern Zurückhaltung, wir bringen Unruhe. Wenn die Liga brave Aufsteiger will, hat sie die falsche Mannschaft erwischt. Ergibt das alles Sinn, wenn man eigentlich vor allem erstmal froh ist endlich wieder in der alten sportlichen Heimat angekommen zu sein. Überhaupt nicht. Aber genau darin liegt die Methode. Die Aces mischen den Laden jetzt auf!
Es ist kein bloßer Fußball, es ist eine existenzielle Fügung. Wer bin ich, wenn nicht die Manifestation dieses Vereins? In meinem eigenen Namen spiegelt sich bereits das gesamte Universum von Chippa United wider, eine unausweichliche Verankerung zwischen absolutem Genie und reinem Wahnsinn. Wir lauern mit 29 Punkten auf Platz fünf, gefangen in einer seltsamen Geometrie der Tabelle, wo die Orlando Pirates uns erst ins Nichts stürzten, nur damit wir die Sundowns kurz darauf wieder bezwingen konnten. Auf in die letzten Spiele, im welchen ich drei Heimspielen begegne welche mich vor die großen Fragen der Copa Mathematik wenn nicht sogar des Universums stellen. Was und wie viele Tore bleiben mir noch, wenn ich das eine oder das andere mache…
Was für ein Irrsinn in der zweiten Liga Südafrikas. Da lauert diese Mannschaft tatsächlich immer noch in Schlagdistanz direkt hinter den Aufstiegsplätzen, obwohl ich es in dieser Saison teilweise nicht mal rechtzeitig auf den eigentlichen Spielplatz geschafft habe. Große Sensation oder rechnerisch eigentlich unmöglich? Niemand weiß es. Einmal hab ich vergessen zu setzen, also die entscheidende Klammer für die Taktik, wodurch alles komplett durcheinandergeriet. Das alles ergibt absolut keinen Sinn, ergibt aber gleichzeitig den perfekten Sinn. Ich freue mich jetzt einfach nur noch riesig auf das Saisonende bei Chippa United!
Am 12. Spieltag haben wir ein absolutes Ausrufezeichen gesetzt und den Gegner mit einem deutlichen Vier-Tore-Erfolg vom Platz gefegt. Hier zahlt sich die Geduld endlich aus, und der Blick wandert in der Tabelle ganz klar nach oben. Die Tabellenspitze ist nach diesem Sahnetag wieder in absoluter Schlagdistanz.
Gerade nach so einem Erfolgsschub tut die feinsinnige Einordnung der Ereignisse richtig gut. Man will die Euphorie schließlich reflektieren und in die richtige Form gießen, damit die mühsam erarbeitete Basis im Aufstiegsrennen nicht einfach verpufft.
Mein Team wirft in dieser Saison wirklich alles in die Waagschale in Südafrika. Wir erleben eine absolute Achterbahnfahrt: Von bitteren Rückschlägen und torlosen Remis auf fremdem Platz bis hin zu grandiosen Kantersiegen vor den eigenen Fans ist in diesem Saisonverlauf einfach alles dabei.
Aber genau darum geht es jetzt: Ich muss diesen Artikel über unsere sportliche Berg- und Talfahrt schreiben, damit die gesammelten Punkte überhaupt zu Papier gebracht werden. Man muss eben Artikel schreiben, um aus Erlebnissen echte Artikel zu machen.
Heute abend kann es soweit sein, dass die Black Aces zurückkehren in die Zweitklassigkeit. Dann heißt es Abschied nehmen vom erträumten gelben Stern, Abschied nehmen von einer der härtesten Ligen copa-weit, Abschied nehmen von den eigenen Ambitionen. Doch der Weg zurück ist dann nicht nur selbstverschuldet, sondern scheinbar auch erwünscht. Zwei 5:6 sprechen eine
deutliche Sprache. Und diese Flut an Gegentoren hagelte es nicht mal gegen Konkurrenten um den Abstieg, sondern vielmehr gegen Titelaspiranten. Scheinbar war dort noch nicht angekommen, dass es bei Santa und seiner Truppe diese Saison so gar nicht laufen mochte. Mindestens 4 Heimniederlagen stehen am Ende der Saison zu Buche. Da wäre ein Nichtabstieg tatsächlich schon ein großer Glücksfall.