Der Yokohama FC legte los wie ein Endgegner aus einem Manga. 1:0. 2:0. 3:0. 4:1. Vegalta Sendai rannte der Führung den gesamten Abend hinterher – und jedes Mal, wenn der Bildschirm bereits „GAME OVER“ einblenden wollte, zog kees van edam den nächsten Spezialangriff aus dem Trikot.
Mit jedem Treffer lud sich seine geheime Edam-Energie weiter auf. Beim 1:1 flogen Sushi-Rollen durch die Luft. Beim 2:2 explodierten die Werbebanden in Kirschblüten. Das 4:3 wurde von einem vorbeifliegenden Samurai auf einem Koi-Karpfen bejubelt. Und als das 4:4 fiel, zerschnitt kees mit einem Fallrückzieher gefühlt Raum und Zeit. Der Ball hinterließ einen feurigen Schweif, das Stadion verwandelte
sich für drei Sekunden in ein Anime-Panel und selbst der Schiedsrichter bekam riesige Manga-Augen.
Mit dem Schlusspfiff zerplatzten allerdings die letzten Meisterschaftsträume von Vegalta Sendai. Der Titelzug fuhr ohne sie ab – vermutlich auf Schienen aus Wasabi und Raketenantrieb.
Doch statt Trübsal zu blasen, stellte sich kees auf den Mittelkreis, streckte die Faust gen Himmel und grinste: „Ein Held misst sich nicht an Pokalen, sondern daran, wie viele Explosionen er überlebt!“
Die Meisterschaft ist verloren. Der Wahnsinn ist gewonnen. Und irgendwo in Yokohama erzählen sich Kinder noch heute von dem Mann, der ein 4:4 wie den finalen Bosskampf einer Manga-Serie gefeiert has
Puh, was musste man alles über sich ergehen lassen, um sich ein paar Kröten hinzuzuverdienen. Ausgerechnet ein Auftritt beim muffigen und spießigen ZDF-Fernsehgarten, wo Andrea Kiewel permanent völlig unberechtigte gute Laune verströmt und drittklassige Schlagerstars sich die Klinke in die Hand geben. Da hatten meine Sendungen in der DDR damals doch ein ganz anderes Niveau, das waren noch richtige Shows mit echten Künstlern. Immerhin hat man den Alkoholausschank am Mainzer Lerchenberg mittlerweile verboten, nachdem Kegelbrüder, Junggesellinnenabschiede
und Besuche von Handballclubs aus dem Ruder gelaufen waren. Obwohl man die Veranstaltung ohne Schnaps natürlich nur schwer ertragen kann. Das war hier in etwa so spaßig wie eine Paradontosebehandlung oder der AFD-Parteitag in Erfurt. So, Lippi... Contenance. Gleich ist es überstanden, die Zicke hat anmoderiert, jetzt bringen wir das Drama hinter uns... "Danke für die herzliche Begrüßung, liebe Kiwi. Es ist immer wieder eine besondere Ehre, bei Dir im Fernsehgarten zu Gast sein zu dürfen. Und ich muss sagen, Ihr habt einfach das beste Publikum hier!"
Existenzielle Widersprüche in Japan, was für ein Kontrast aus purem Glück und totaler Unklarheit. Wir kleben mit 31 Punkten auf Platz zehn dieser unklaren Konstellation, wo man sekündlich in den Abgrund stürzen und verdammt noch mal einfach absteigen kann! Aber halt, dieses unfassbar knappe, dreckige 1:0 gegen den Yokohama FC, das war der doch Rettungsanker trotz der brutalen 0:4-Vernichtung in Osaka. Ein hauchzartes Lebenszeichen, das in dieser Konsequenz womöglich doch plötzlich alles verändert und uns vielleicht doch noch irgendwie den Allerwertesten rettet.
Endlich! Es geht aufwärts. Gamba Osaka ist auf den Vormarsch! Nachdem man wochenlang wie eingemauert im Keller fest hing, machte man nun plötzlich vier Plätze gut und steht nun im Mittelfeld der Tabelle. Der Klassenerhalt rückt in greifbare Nähe. Sogar die internationalen Plätze sind nicht mehr utopisch. Durch das rein japanische Endspiel in der AFC Champions League ist praktisch der siebente Platz auch schon ein Qualiplatz. Sogar unser aktueller Platz, der achte, könnte ebenfalls für den Asiencup reichen, wenn Lokalrivale Cerezo Osaka auch noch den AFC Cup nach Japan mitbringt.
Nakata kann sich einen Sake gönnen. Er kann das Messen zurück in die Scheide schieben. Kein Sepuko mehr nötig. Er hat Tanaka Lügen gestraft. Shonan gewinnt 1-0 zuhause und 2-1 auswärts und Nakata hat die Abstiegsplätze hinter sich gelassen. Jetzt stehen zwei Heimspiele an. Der Weg könnte weiter nach oben gehen.
Der Sake stand noch unberührt auf dem Tisch. Nakata starrte ihn an. Der Sake starrte zurück.
“Noch nicht”, murmelte er. “Erst wenn wir oben sind.”
Er schob das Tanto zurück in die Scheide — zweimal, weil er beim ersten Mal
danebenstach — und rief die Mannschaft zusammen.
“Männer!”, rief er, beide Hände auf den Hüften. “Wir haben bewiesen: Wir können gewinnen. Sogar auswärts. Und jetzt…” er machte eine dramatische Pause, “…spielen wir zuhause.”
Yamamoto nickte ehrfürchtig. “Trainer-san, was ist der Plan?”
Nakata rollte eine riesige Taktiktafel herein. Darauf: ein einzelner Pfeil. Nach oben.
“Das ist der Plan.”
Völliges Chaos in der J.League. Consadole Sapporo kämpft verbissen gegen den Abstieg, und das Wunder vom Klassenerhalt ist trotz allem irgendwie noch machbar. Wie das geht? Reine Glückssache, denn ich habe es in dieser Saison ja teilweise nicht mal pünktlich bis zum eigentlichen Spielplatz geschafft. Krisenmanagement auf Japanisch. Einmal hab ich vergessen zu setzen, weshalb das Mittelfeld völlig ohne Absicherung dastand und der Matchplan implodierte. Das alles ergibt absolut keinen Sinn, ergibt aber gleichzeitig den perfekten Sinn. Ich freue mich jetzt einfach nur noch riesig auf das Saisonende bei Consadole Sapporo!
Nach 20 Spielen hat Oita Trinita 10 Siege und 10 Niederlagen auf seinem Konto und bildet auf Rang 7 genau die ausgeglichene Mitte der Tabelle der J-League. Allein 9 ihrer 10 Siege errang Claudions Mannschaft im heimischen Crasus Dome und ist damit das einzige Team der Liga ohne Punktverlust zuhause. Auf der anderen Seite steht der vorletzte Rang in der Auswärtstabelle mit 10 Niederlagen und nur einem Sieg. Luft nach oben gibt es noch durch das Restprogramm mit 4 Heimspielen bei nur 2 Auswärtsspielen. In der kommenden Woche geht es zuhause gegen Avispa Fukuoka und danach zu Shonan Bellmare.
Puh, war das eine Hitze im durch spießige Schwaben gentrifizierten Prenzlauer Berg. Avispa-Coach Wolfgang Lippert schaute neidisch auf die frisch kernsanierten Gebäude, die er sich mit seinem miesen MDR-Gehalt und der knappen Apanage aus Japan niemals würde leisten können. Und da hier im Kiez der Matcha Latte und das koffeinhaltige Kaltgetränk mittlerweile stratosphärische Preise erreicht hatte, suchte Lippi kühlen Unterschlupf in einem Museum. Was für ein glücklicher Zufall, dass es sich dabei um das Museum in der Kulturbrauerei
handelte, wo man sich nicht in erster Linie der landestypische Braukunst widmete, sondern den schnöden Alltag in der DDR mit Ausstellungsstücken für die Nachwelt präsentierte. Für den ehemals besten Entertainer des Arbeiter- und Bauernstaates eine Zeitreise in die verklärte Vergangenheit mit einer Hommage an die Erzeugnisse der Planwirtschaft. Dort ließ es sich bei angenehmen Temperaturen auch an einem heißen Tag bestens aushalten. Nur auf Halloren-Kugeln und Broiler hatte man bei derartigen Witterungsbedingungen beim besten Willen keine Lust.
Die Sirenen heulten über Mito. Irgendwo zwischen Kabine, Getränkekisten und einer herrenlosen Taktiktafel war kees van edams Armbanduhr verschwunden. „Vergesst die Uhr!“, rief der Co-Trainer. „Unmöglich!“, donnerte kees. „Ohne sie weiß ich nicht, wann Nachspielzeit ist!“
Doch plötzlich öffnete sich das Tor zur geheimen Matrix-Arena. Schwarz gekleidete Gegenspieler flüsterten: „Du kannst die Uhr haben… oder die drei Punkte.“
kees grinste. „Beides wäre gierig.“
Es folgte ein Fußballkampf, bei dem Grätschen Funken
schlugen, Einwürfe Schallmauern durchbrachen und jeder Eckball wie eine Explosion aussah. In der 89. Minute sprang kees in Zeitlupe durch die Luft, wich gleichzeitig drei Verteidigern, einem Ordner und einem fliegenden Regenschirm aus – und seine Mannschaft schnappte sich den Sieg.
Als alle jubelten, fragte jemand: „Chef, die Uhr?“
kees zuckte mit den Schultern. „Die zeigt jetzt eben für immer Mito-Zeit. Aber die Tabelle… die zeigt drei Punkte für uns.“
Seitdem erzählt man sich, dass irgendwo in den Katakomben von Mito HollyHock eine Uhr ununterbrochen tickt. Nicht Sekunden. Sondern Punkte.
Carsten Ramelow III hatte die Wochen der Wahrheit ausgerufen und sein Team war auf den Punkt voll da. In der J-League konnte Tokushima Vortis beide Spiele gewinnen: zu Hause souverän mit 2:0 gegen Katalier Toyama und auswärts in einem Fußballspektakel mit 6:4 beim direkten Konkurrenten Cerezo Osaka.
Parallel spielte Ramelow IIIs Truppe auch in der Champions League und überzeugte dort gleichermaßen. In den ersten beiden Halbfinalpartien schaffte Tokushima sich mit zwei Siegen eine glänzende Ausgangsposition für die verbleibenden
maximal drei Spiele. Nur eine davon müssen die Japaner gewinnen, um ins Finale einzuziehen. Dort könnte es dann zum japanischen Duell mit Vegalta Sendai kommen, das ebenfalls noch alle Chancen auf den Finaleinzug hat.
"Diese Wochenende war die beste Werrbung für den japanischen Fußball. Wir setzen jetzt alles daran, die Champions League zu holen und gleichzeitig die erneute Qualifikation für die Champions League auch über die Liga sicherzustellen", so Carsten Ramelow III nach einer der erfolgreichsten Wochen der Vereinsgeschichte.
Nö nö, Yokohama, nö nö! Einen auf die Tränendrüse drücken, ach wie schlecht man drauf ist und kaum noch laufen kann und dann gegen Gamba Osaka doch noch einmal die zweite Luft bekommen. Aber nicht mit Abe Lenstra! Klar, kontrollierte Offensive war gegen dein formschwachen Gegner zu Hause schon angesagt, um die eigenen gute Form noch eine Weile aufrecht erhalten zu können. Aber zu einem 1:0 zu schaukeln, dass war dem Gamba-Trainer im Abstiegskampf dann doch zu heikel. Ein bisschen muss man schon selbst investieren, wenn man unten noch raus will. Und das könnte nach schweren Wochen nun tatsächlich auch noch klappen.
Zwischendurch musste man sich dann doch die Augen reiben, als man im Büro mit dieser Aussage konfrontiert wurde: Saisonziel: Meisterschaft!
"Haben Sie sich da verklickt? Oder sprach der Sake aus ihnen? Das können Sie doch nich ernst meinen?"
KiMu nickt die Frage des Journalisten damals nur verschmitzt weg. Seither ist viel passiert. Von den letzten 9 Partien konnte der Yokohama FC 8 für sich entscheiden und das Team liegt auf Platz 2. Leider ist den Spielern die Überbelastung der letzten Wochen anzumerken. Beim Leistungstest von Abe Lenstra landete das Team von KiMu auf dem letzten Platz. Gilt hier also: Wer hoch steigt, der wird tief fallen?
Keine Bewegung bei Gamba Osaka. Das gilt jedenfalls für die Tabelle. Gamba bleibt auf Rang 12 stehen. Aber ansonsten hat sich die Situation doch leicht verbessert. Neben dem Pflichtsieg zu Hause gab es einen überraschenden Auswärtspunkt. Außerdem ist Gamba konditionell sehr gut in Form. Ein Leistungstest erbrachte, dass Gamba mit 22,0 den besten Wert der Liga verzeichnen kann. Somit könnte man vielleicht noch ein, zwei Plätze in der Tabelle hochklettern. Was absolut notwendig ist, will man auch in der nächsten Saison sicher Erstligafußball sehen. Sonst müsste man zu Cerezo Osaka gehen. Wer will das schon?
Die Fans von Oita Trinita haben eine ruhige Saison. Bis auf den kleinen Absacker zum Ende der Hinrunde hält sich ihre Mannschaft konstant ausgeglichen im Mittelfeld auf. Ihre Heimspiele hat sie alle gewonnen, ihre Auswärtsspiele – bis auf eine Ausnahme bei Mito HollyHock – fast alle verloren. So scheint das ausgerufene Saisonziel „Solides Mittelfeld“ auch nicht allzu schwer erreichbar, doch bleibt dadurch auch der Eindruck des Aufsteigers als graue Maus vorherrschend. Doch der Klassenerhalt ist nur durch 5 Punkte abgesichert, also sollte das erste Ziel sein in der J-League zu bleiben.
Ausgerechnet in mitten einer Hitzewelle hatte es Avispa-Coach Wolfgang Lippert wieder einmal nach Deutschland verschlagen. Sein Standort wurde ihm spätestens in dem Moment klar, als er in einem ICE hockte und sich plötzlich nichts mehr tat. Ein klitzekleines Problem mit dem Funksystem, so berichtete die Deutsche Bahn am Folgetag. Für Lippi bedeutete dies, dass er irgendwo zwischen Neuruppin und Pritzwalk auf offener Strecke zum Stehen kam und zwei Stunden Zeit geschenkt bekam, um über den Sinn des Lebens nachzudenken.
In Japan wäre das niemals passiert. Dort entschuldigt sich der Schaffner per Bückling, wenn der Shinkansen auch nur mit einer Minute Verspätung in den Zielbahnhof einfuhr. Aber man befand sich leider in der ostdeutschen Provinz, wo man allenfalls das Genörgel der Mitreisenden wahrnahm, für die in der realsozialistischen Vergangenheit ohnehin alles besser gewesen war. Ein bisschen seltsam war diese Wahrnehmung schon. Wie gut, dass schon bald der nächste Flieger in Richtung Nippon inklusive Lippi abheben würde.
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