Langsam aber sicher kommt Avispa Fukuoka ins Rollen. So zumindest die Meinung von Übungsleiter und Ost-Ikone Wolfgang Lippert: "Wir haben mittlerweile wieder Tuchfühlung zur Spitze aufgenommen und befinden uns ins aussichtsreicher Lauerstellung. Sollen die Hobbyphilosophen doch abschweifen, der Wolf freut sich besonders über abgelenkte Schafe." Scheinbar hatte Lippi für teures Geld einen Crashkurs an der Donald-Trump-Academy für Demagogie und unbegrenzte Dreistigkeit belegt. "Man könnte am Ende
der Saison doch einfach den Tabellenführer in Avispa Fukuoka umbenennen. Auf diese Weise würden wir die Titelverteidigung mit ganz simplen Mitteln in trockene Tücher bringen." Aber wie sollte man diesen kühnen Plan in die Tat umsetzen, Herr Lippert? "Das kann ich nicht sagen. An der virtuellen Akademie wurden die Module zu Problemlösung und Krisenmanagement nicht mehr angeboten. Angeblich würden diese Themen überbewertet sein." Wieso löst dies beim Chronisten keinerlei Überraschung aus?
Meister Avispa Fukuoka findet sich nach dem ersten Saisonviertel weiterhin auf einem Abstiegsplatz wieder. Immerhin gelang es am vergangenen ZAT, die Rote Laterne an die Yokohama F. Marinos abzugeben, die ebenfalls einen vermurksten Start in die Spielzeit hingelegt haben. Für Coach Wolfgang Lippert eine nicht ganz unbekannte Situation: "Ich habe schon bei vielen Shows den Anfang verhunzt, um dann im Laufe der Sendung nochmals so richtig aufzudrehen." Optimismus pur
also in Fukuoka, wo das subtropische Klima dem beginnenden Herbst noch immer trotzt. Allerdings bleibt es fraglich, ob Lippi zur Ablenkung ostdeutsche Gesangsnummern wird präsentieren können, um in der J-League eine formvollendete Wende hinzulegen. Schließlich ging der hierfür prädestinierte Achim Mentzel weiterhin frecherweise nicht ans Telefon. Vielleicht sollte man es am Freitag zur Ablenkung einmal mit einem Sketch oder der goldenen Showtreppe versuchen.
"Da ist man mal zwei Wochen im Urlaub, und schon richtet der kurz eingewiesene Praktikant ein mittelschweres Desaster an", so Avispa-Coach Wolfgang Lippert nach seiner Rückkehr aus Ost-Berlin zum aktuellen Tabellenstand der Mannschaft aus Fukuoka. Mit Blick auf den Fehlstart ist nunmehr eine Umstellung der Taktik dringend erforderlich, damit man den Kontakt zum Peloton nicht abreißen lässt. Bemerkenswert allerdings, dass die bis dato ziemlich erfolglose Konkurrenz mehr mit Lippi
beschäftigt zu sein scheint als mit dem jeweils eigenen Club. Sollen sie alle nur machen, irgendein Trittbrettfahrer wird dann am Ende grinsend den Meisterpokal in den Händen halten. Für Avispa Fukuoka gibt es zumindest den Trost, dass die AFC Champions League in der kommenden Woche startet und man dort eine Chance erhält, sich im Vergleich mit den asiatischen Top-Teams zu zeigen. Am Freitag steht geht es aber zunächst im Butter- und Brotgeschäft der J-League mit dem passenden Käsebelag weiter.
Die Meisterschaft war am Ende für den bekennenden Brillenträger aus Ost-Berlin nur noch Formsache, aber die Erinnerungen an den bunten Umzug durch Fukuoka nach dem Titelgewinn haben sich auf der Festplatte des ehemaligen Entertainers Wolfgang Lippert tief eingebrannt. Was war das für eine ausgelassene Stimmung bei den ansonsten doch eher reservierten Japanern? Der Buskorso durch die Stadt, flankiert von einer tosenden Menschenmenge, hat sich auf ewig in die Seelen der Avispa-Fans eingebrannt. Doch so langsam ist der Champagner ausgetrunken und das
Feuerwerk verklungen, denn die neue Spielzeit wartet vor den Toren. In Japan wurde dabei die Liga auf 16 Vereine vergrößert, was die Statik einer Saison naturgemäß etwas verändert. Begeistert zeigt sich Lippi in diesem Kontext von der Tatsache, dass bereits alle Clubs der J-League einen Trainer gefunden haben und Japan somit aktuell das einzige Land in Asien darstellt, welches mit Vollbeschäftigung hausieren gehen kann. Wer hätte gedacht, dass von Nippon eine derart erfreuliche Strahlkraft ausgeht. Möge die neue Spielzeit gut gelingen.
Verwundert rieb sich Avispa-Coach Wolfgang Lippert nach seinem längeren Deutschlandaufenthalt die Augen. Seine Mannschaft hatte sich doch glatt an der Spitze festgesetzt und ging mit einem ziemlich satten Vorsprung von vier Punkten in die letzten zwei Begegnungen. Das bedeutete nach Adam Riese, dass seine Mannschaft nur noch einen Sieg von der Meisterschaft entfernt war. Und da am Freitag ein machbares Auswärtsspiel beim verletzungsgeplagten Yokohama FC auf dem Programm stand, konnte der ostdeutsche Entertainer den
Rotkäppchen-Sekt so langsam kaltstellen. Irgendwie war das gerade für Lippi eine komische Saison, denn schließlich war er früher immer gemeinsam mit Walter Freiwald und Achim Mentzel in der J-League angetreten. Aber die Zeit war halt ein gnadenloser Gegner. Doch die Wiederauferstehung von Copa Mundial war dennoch eine fabelhafte Sache. Pünktlich zum Ende der Spielzeit gilt daher ein aufrichtiger Dank an den Spielleiter SamiNo, der einen Toten wieder zum Leben erwecken konnte und eine wunderbar reibungslose neue Saison gestaltet hat. Chapeau!
Puh, was musste man alles über sich ergehen lassen, um sich ein paar Kröten hinzuzuverdienen. Ausgerechnet ein Auftritt beim muffigen und spießigen ZDF-Fernsehgarten, wo Andrea Kiewel permanent völlig unberechtigte gute Laune verströmt und drittklassige Schlagerstars sich die Klinke in die Hand geben. Da hatten meine Sendungen in der DDR damals doch ein ganz anderes Niveau, das waren noch richtige Shows mit echten Künstlern. Immerhin hat man den Alkoholausschank am Mainzer Lerchenberg mittlerweile verboten, nachdem Kegelbrüder, Junggesellinnenabschiede
und Besuche von Handballclubs aus dem Ruder gelaufen waren. Obwohl man die Veranstaltung ohne Schnaps natürlich nur schwer ertragen kann. Das war hier in etwa so spaßig wie eine Paradontosebehandlung oder der AFD-Parteitag in Erfurt. So, Lippi... Contenance. Gleich ist es überstanden, die Zicke hat anmoderiert, jetzt bringen wir das Drama hinter uns... "Danke für die herzliche Begrüßung, liebe Kiwi. Es ist immer wieder eine besondere Ehre, bei Dir im Fernsehgarten zu Gast sein zu dürfen. Und ich muss sagen, Ihr habt einfach das beste Publikum hier!"
Puh, war das eine Hitze im durch spießige Schwaben gentrifizierten Prenzlauer Berg. Avispa-Coach Wolfgang Lippert schaute neidisch auf die frisch kernsanierten Gebäude, die er sich mit seinem miesen MDR-Gehalt und der knappen Apanage aus Japan niemals würde leisten können. Und da hier im Kiez der Matcha Latte und das koffeinhaltige Kaltgetränk mittlerweile stratosphärische Preise erreicht hatte, suchte Lippi kühlen Unterschlupf in einem Museum. Was für ein glücklicher Zufall, dass es sich dabei um das Museum in der Kulturbrauerei
handelte, wo man sich nicht in erster Linie der landestypische Braukunst widmete, sondern den schnöden Alltag in der DDR mit Ausstellungsstücken für die Nachwelt präsentierte. Für den ehemals besten Entertainer des Arbeiter- und Bauernstaates eine Zeitreise in die verklärte Vergangenheit mit einer Hommage an die Erzeugnisse der Planwirtschaft. Dort ließ es sich bei angenehmen Temperaturen auch an einem heißen Tag bestens aushalten. Nur auf Halloren-Kugeln und Broiler hatte man bei derartigen Witterungsbedingungen beim besten Willen keine Lust.
Ausgerechnet in mitten einer Hitzewelle hatte es Avispa-Coach Wolfgang Lippert wieder einmal nach Deutschland verschlagen. Sein Standort wurde ihm spätestens in dem Moment klar, als er in einem ICE hockte und sich plötzlich nichts mehr tat. Ein klitzekleines Problem mit dem Funksystem, so berichtete die Deutsche Bahn am Folgetag. Für Lippi bedeutete dies, dass er irgendwo zwischen Neuruppin und Pritzwalk auf offener Strecke zum Stehen kam und zwei Stunden Zeit geschenkt bekam, um über den Sinn des Lebens nachzudenken.
In Japan wäre das niemals passiert. Dort entschuldigt sich der Schaffner per Bückling, wenn der Shinkansen auch nur mit einer Minute Verspätung in den Zielbahnhof einfuhr. Aber man befand sich leider in der ostdeutschen Provinz, wo man allenfalls das Genörgel der Mitreisenden wahrnahm, für die in der realsozialistischen Vergangenheit ohnehin alles besser gewesen war. Ein bisschen seltsam war diese Wahrnehmung schon. Wie gut, dass schon bald der nächste Flieger in Richtung Nippon inklusive Lippi abheben würde.
Da hockte Avispa-Coach Wolfgang Lippert also wieder in Ostdeutschland auf einem schwedischen Möbelstück und fristete sein Dasein in einem viel zu warmen Studio des MDR. Er konnte die quäkige Frauenstimme an seiner Seite nur mit viel Mühe ertragen. Hatte die Dame eigentlich noch nicht gemerkt, dass sie keine 35 mehr war und sich peinlich wie ein Teenager gerierte? All das blöde Gelaber von Selbstbestimmtheit und Body Positivity, aber sich dann sofort die Augenlider und das Kinn straffen lassen, wenn die eingeladenen weiblichen Gäste mehr sprudelnde Vitalität ausstrahlten. Überhaupt diese öden Selbstdarsteller: überschätzte Schauspieler mit übergroßem Ego in der
Abwärtssspirale, drittklasse Schlagersängerinnen, sterbenslangweilige sächsische Ministerpräsidenten und dann diese gottverdammten Influencer! Weshalb musste die Redaktion immer irgendwelche Halbgebildeten mit Podcast, Live-Stream oder Selbsthilfegruppe einladen? Wenn man nicht die verdammte Kohle brauchen würde, könnte man hier gepflegt auf den Tisch kacken und dann nach Oklahoma reiten... So, die alte Schlampe ist mit ihrem Part fertig: "Danke für die Vorstellung, liebe Kim. Kommen wir nun zu unserem ersten Gast: Sie kennen sie alle aus zahlreichen Krimis und dem RTL-Vorabendprogramm, einer der beliebtesten Darstellerinnen aus Thüringen, Herzlich Willkommen an Bord, liebe Yvonne."
So lange war Avispa-Coach Wolfgang Lippert nun schon in Japan, doch unter touristischen Aspekten hatte er jenseits von Fukuoka noch nicht viel von Land und Leuten kennengelernt. Dieser Tatsache wollte der ehemalige Entertainer aus dem Osten aktiv entgegenwirken, weshalb er sich bei Avis einen Toyota Corolla als Mietwagen bestellt hatte. Doch Lippi zeigte sich bei der Begutachtung des Fahrzeugs konsterniert: "Ich dachte immer, dass Japan so ein sicheres Land wäre. Aber man hat aus dem Auto das Lenkrad gestohlen!" Wie
gut, dass in Nippon die Menschen auch bei einfältigen Einwänden die Beherrschung bewahren und mit freundlicher Stimme antworten: "Herr Lippert, Sie finden bei uns immer Lenkrad auf rechtes Seite. Nicht vergessen, hier Linksverkehr." Ach so. Das war Lippi in all den Jahren noch gar nicht aufgefallen, hatte er sich doch in erster Linie im Shinkansen oder im Nightliner durch den Inselstaat bewegt. Vielleicht sollte er aber doch auf ein simples Fahrrad umsteigen. Das würde für den Anfang mit Sicherheit ausreichen.