Man muss weit zurückgehen in der Historie der japanischen J-League. 10 Saisons und vermutlich irgendwas um die 15 Jahre, dann landet man beim letzten Derby zwischen dem Yokohama FC und den F. Marinos. Damals gab es zwei Siege für die Phönixe und das darf gerne so bleiben. Es hätte nicht besser inszeniert sein können, denn das Spiel findet ausgerechnet am letzten Saisonwochende statt. Im besten Fall sichert man sich beim Lokalrivalen dann die Meisterschaft - und wenn es nur die Stadtmeisterschaft ist, sind wir hier auch zufrieden.
Zwischendurch musste man sich dann doch die Augen reiben, als man im Büro mit dieser Aussage konfrontiert wurde: Saisonziel: Meisterschaft!
"Haben Sie sich da verklickt? Oder sprach der Sake aus ihnen? Das können Sie doch nich ernst meinen?"
KiMu nickt die Frage des Journalisten damals nur verschmitzt weg. Seither ist viel passiert. Von den letzten 9 Partien konnte der Yokohama FC 8 für sich entscheiden und das Team liegt auf Platz 2. Leider ist den Spielern die Überbelastung der letzten Wochen anzumerken. Beim Leistungstest von Abe Lenstra landete das Team von KiMu auf dem letzten Platz. Gilt hier also: Wer hoch steigt, der wird tief fallen?
Der ein oder andere mag sich die letzten drei Wochen wie am Murmeltiertag gefühlt so haben, nicht so die Fans des Yokohama FC, die angesichts des raketenhaften Aufstiegs gar nicht mehr hinterherkommen. Von Platz 10 aus legten die Phönixe eine grandiose Serie hin. Von den letzten 7 Spielen konnten 6 gewonnen werden, darunter auch drei Auswärtssiege und nun steht auch noch ein Doppelheim-Spieltag an - beste Voraussetzungen also, um den Höhenflug fortzusetzen. Mit einem ausgeglichenen Torverhältnis von 36:36 liegt man nun auf dem dritten Platz und mit einem weiteren 6er könnte man nach diesem Spieltag sogar ganz oben stehen.
Man muss sich doch etwas verwundert die Augen reiben, wenn man auf die Ziele des Yokohama FC blickt. Doch es steht dort immer noch schwarz auf weiß: "Saisonziel: Meisterschaft". Wie das allerdings klappen soll, bleibt angesichts der aktuellen Lage ein Geheimnis. Nach fünf Spieltagen hat das Team von Trainer KiMu die rote Laterne inne. Ohne einen einzigen Heimsieg liegt man auf dem letzten Platz der Tabelle. Nun kann man entweder dem Wappentier alle Ehre machen, oder im Keller vergammeln. Es ist an der Zeit aufzustehen.
Das war dann wohl ein klassischer Fall von: So schnell kanns gehen!
Es brauchte nicht viel, oder besser gesagt schon viel (6 Tore), aber nicht lange um den scheinbar uneinholbaren Vorsprung von Yokohama zu zerstören. Seit 17 Spieltagen lagen die Mannen auf dem ersten Tabellenplatz. Zuletzt hatte man gemeinsam mit Tokyo sensationelle 7 Punkte Vorsprung. Doch dann kam ein Totalausfall: 6 Gegentore im Heimspiel und nur
1 Punkt aus 3 Spielen lassen KiMu jetzt sogar um die Qualifikation für die internationalen Bewerbe bangen. Trotzdem ist nichts verloren. Man muss weiterhin ruhig agieren, sein Ding durchziehen und am Ende ein bisschen Glück haben. Erfahrungsgemäß sind die letzten Spieltag gespickt mit 6:6 Untentschieden, so dass der ein oder andere sein blaues Wunder erlebt und sicher geglaubte Plätze verloren gehen.
Eigentlich könnte man meinen, dass Weihnachten in Yokohama dieses Jahr ein rauschendes Fest wird. Das Team steht seit Beginn der Saison in der oberen Tabellenhälfte und nun seit geraumer Zeit an der Tabellenspitze, doch Trainer KiMu warnt vor zu viel Euphorie und Vorschusslorbeeren. Immerhin ist der Punkteabstand zu den Plätzen, die nicht mehr international spielen nur zwei Punkte und genau diese zu erreichen sei das Ziel. Er will nicht von
Meisterschaft sprechen, stattdessen ermahnt er seine Spieler dazu über die Festtage maßvoll zu speisen und sich fit zu halten.
"Wir müssen uns jetzt weiter voll konzentrieren. Sowas ist schnell verspielt. Umso größer muss die Motivation sein aus der guten Ausgangslage etwas herauszuholen. So gut standen wir lange nicht da. Wir müssen den Fans etwas zurückgeben für die Treue auch in schlechten Zeiten."
Eigentlich spielt es keine Rolle, doch sind die Statistikfüchse, Zahlenfanatiker und Mathematik-Fetischisten bekanntermaßen zahlreich (sic!) unter den Copaspielern. Darum hat sich die Redaktion von Yokohama mit den beiden Gegnern und der Historie beschäftigt und Interessantes gesehen:
Seit nunmehr 10 Spielen hat im Duell Lippi gegen KiMu das Auswärtsteam nicht getroffen. Ist das ein
Zeichen des großen Respekts? Der Uneinschätzbarkeit des Gegners oder doch der Freundschaft? Und wird es sich dieses Mal ändern?
Beim anderen Gegner sieht es anders aus: In den letzten 8 Spielen zwischen Yokohama und Cerezo Osaka traf das Auswärtsteam 4 Mal, wobei nur ein einziges Mal ein Pünktchen für den Gast heraussprang. Bleibt diese Tradition erhalten? Die Alarmglocken sind an.
Keine Angst, der Sieg der vergangenen Woche wird jetzt nicht als einzigartig angepriesen. Stattdessen ereignete sich beim Abschlusstraining folgendes:
Inspiriert von einem Trainer, der einst einen Adler mit in die Kabine brachte, wollte Trainer KiMu, dem Wappen entsprechend, einen Phönix mit in die Kabine bringen. Da dieses Fabelwesen schwer zu bekommen ist, bediente man sich einer handelsüblichen Taube, die in einem
maßgeschneiderten, feuerfesten Anzug, brennend aus einem Aschehaufen in der Ecke steigen sollte. Unglücklicherweise wurde da Tier nervös, flog in diverse Trikotsätze und konnte erst gelöscht werden, als sie in die Duschen flog.
Der FC aus Yokohama wird somit in einem alten Trikotsatz auflaufen müssen. Die Pläne in der kommenden Woche einen Drachen (ein mit Flammenwerfern versehener Varan) mitzubringen, sind erstmal auf Eis gelegt.
Es hat schon beinahe Tradition in Yokohama immer von vergangenen Saisons zu schwärmen. Grund genug gibt es: Zum 15.Mal geht Trainer KiMu mit seinem Team in die Saisonvorbereitung und endliche scheint es wieder bergauf zu gehen. Ein neunter Platz war zwar nicht das, was man sich unbedingt erhofft hatte, 17 Siege und 17 Niederlagen alles andere als hocherfreulich und dennoch gibt es nachdem 15.Platz in der
vorletzten Saison wieder mehr Grund zur Vorfreude.
Der FC wurde schließlich immer dann Meister, wenn ihn niemand auf der Rechnung hatte. Einmal als Aufsteiger, einmal nach zwei schwachen Saisons. Nun drückt die Presse schon wieder auf das Euphorie-Pedal. Die Erwartungen sind wie immer (zu) hoch, doch der Stuhl des Trainer scheint nicht wackeln zu können. Die Wurzeln sind tief in den Yokohamaer Boden geschlagen.
Es war eine dieser Geschichten. KiMu übernahm den Yokohama FC in der 27. Saison und wurde auf Anhieb Meister. In den 15 folgenden Jahren gelang ihm das nur noch ein weiteres Mal. Daneben standen 3 Vizemeistertitel, zuletzt jedoch viele Plätze in der unteren Tabellenhälfte. In Japan wird Treue allerdings großgeschrieben und so ist KiMu auch nach einer Dekade des Dornröschenschlafes weiterhin in Yokohama. Nun möchte er wie der Phönix auf dem Wappen aufsteigen und erneut die Sensation schaffen. Der Yokohama FC wartet sehnlichst auf seinen dritten Titel unter dem aktuellen Trainer (der vierte insgesamt). Der Grundstein soll am heutigen Freitag gelegt werden. Let's GO!