Die J-League erlebt nach sechs Spieltagen ein enges Rennen an der Spitze. Tabellenführer Shonan Bellmare führt mit 13 Punkten, dahinter folgen gleich vier Teams mit zwölf Zählern. Mittendrin: Oita Trinita. Trainer Claudion musste nach dem bitteren 0:4 bei Tokushima Vortis zunächst einen Rückschlag verkraften, zeigte mit dem 4:1 beim Schlusslicht Yokohama F. Marinos aber die richtige Reaktion. Rang fünf ist aktuell vor allem der schwächeren Tordifferenz geschuldet.
Doch nun wartet mit Gamba Osaka der nächste Härtetest – und Gamba dürfte seinerseits hochmotiviert nach Oita reisen. Das Team
von Abe Lenstra hat nach drei Siegen aus sechs Spielen neun Punkte gesammelt und steht auf Rang sieben. Vor allem offensiv hat Gamba mit 15 Treffern seine Qualität bereits unter Beweis gestellt. Nach der 0:1-Niederlage im Derby bei Cerezo Osaka gelang am vergangenen Spieltag ein eindrucksvolles 5:0 gegen Tokushima Vortis.
Für Oita bedeutet das: Gegen Gamba geht es nicht nur um drei Punkte, sondern darum, den Anschluss an die Spitzengruppe zu halten. Anschließend wartet auswärts Vegalta Sendai – zwei Spiele, die zeigen werden, ob Claudions Truppe tatsächlich ein ernsthafter Kandidat für die oberen Plätze ist.
Die Champions League-Saison beginnt, doch so richtig Champions League-Flair gibt es nur in der J-League: Am 7. Spieltag kommt es zur Neuauflage des rein japanischen Finals der Champions League aus der Vorsaison. Shinji Onos Tokushima Vortis trifft auf kees van edam und Vegalta Sendai.
In der aktuellen Tabellenrealität der J-League bedeutet das: Neunter gegen Zehnten. Dennoch ist es das Topspiel des Spieltags, das Tokushima um jeden Preis für sich entacheiden will. "Wir wollen zeigen, dass wir nicht aus Versehen die Champions League gewonnen haben – oder weil kees van edam ins falsche Stadion gefahren ist.", so Shinji Ono vor dem Spiel.
Oita Trinita hat sich im oberen Tabellendrittel der J-League festgesetzt. Nach einer krachenden 0:4-Niederlage bei Tokushima Vortis rappelte sich Claudions Mannschaft schnell wieder auf und feierte einen klaren 4:1-Erfolg beim Aufsteiger und Tabellenschlusslicht Yokohama F. Marinos. Nur dank der schlechtesten Tordifferenz der vier punktgleichen Verfolger von Tabellenführer Shonan Bellmare findet sich Oita Trinita auf Rang 5 wieder, bevor es in der kommenden Woche zuhause gegen Gamba Osaka und auswärts zu Vegalta Sendai geht.
Nakata schaut auf die Tabelle und kann es immer noch nicht glauben. Immer noch Tabellenführer. Aber jetzt kommen die harten Brocken auf den Nachfahren stolzer Samurais zu. Der amtierende Meister Avispa Fukuoka kommt nach Shonan und dessen Trainer droht auch noch mit einem Sketch oder einer Gesangseinlage. Hier wird mit aller härtesten Waffen geschossen.
Der Trainer von Avispa Fukuoka – amtierender Meister, Tabellenführer der Herzen, Mann mit einer verdächtigen Vorliebe für Bühnenkunst – hatte in einem Interview angekündigt, er werde nach dem Spiel „eine kleine Überraschung" für die Fans bereithalten. Gerüchte
sprachen von einem Sketch. Andere von einer Gesangseinlage. Ein Insider flüsterte das Wort „Kostüm".
Als Tanaka Nakata davon berichtete, geschah etwas Beispielloses.
Nakata Gutschi bekam Gänsehaut.
Nicht metaphorisch. Nicht philosophisch. Echte, sichtbare, biologisch nachweisbare Gänsehaut. Auf beiden Unterarmen gleichzeitig.
„Er… singt?" fragte Nakata.
„Möglicherweise, Nakata-san."
Nakata schwieg für 47 Sekunden. Tanaka zählte mit.
„Das", sagte Nakata schließlich, „ist eine Form der psychologischen Kriegsführung, gegen die Zen mich nicht vorbereitet hat."
Meister Avispa Fukuoka findet sich nach dem ersten Saisonviertel weiterhin auf einem Abstiegsplatz wieder. Immerhin gelang es am vergangenen ZAT, die Rote Laterne an die Yokohama F. Marinos abzugeben, die ebenfalls einen vermurksten Start in die Spielzeit hingelegt haben. Für Coach Wolfgang Lippert eine nicht ganz unbekannte Situation: "Ich habe schon bei vielen Shows den Anfang verhunzt, um dann im Laufe der Sendung nochmals so richtig aufzudrehen." Optimismus pur
also in Fukuoka, wo das subtropische Klima dem beginnenden Herbst noch immer trotzt. Allerdings bleibt es fraglich, ob Lippi zur Ablenkung ostdeutsche Gesangsnummern wird präsentieren können, um in der J-League eine formvollendete Wende hinzulegen. Schließlich ging der hierfür prädestinierte Achim Mentzel weiterhin frecherweise nicht ans Telefon. Vielleicht sollte man es am Freitag zur Ablenkung einmal mit einem Sketch oder der goldenen Showtreppe versuchen.
Ein Spieltag zum Vergessen für die Urawa Red Diamonds: Mit zwei deutlichen Niederlagen und null Punkten rutscht die Mannschaft von Nigel Clough tief im Tabellenkeller ab. Nach sechs Spieltagen belegt Urawa mit sechs Zählern nur noch den 13. Tabellenplatz.
Besonders schmerzhaft verlief der 5. Spieltag im Saitama Stadium 2002. Urawa kalkulierte gegen Kataller Toyama auf ein sparsames Auftreten der Gäste, die an den vorherigen Spieltagen auswärts jeweils torlos geblieben waren. Die Red Diamonds setzten lediglich ein Heimtor – doch Toyama überraschte mit einer extrem offensiven Marschroute und überrollte die Gastgeber mit
fünf Treffern. Das 1:5 vor heimischem Publikum bedeutete einen unerwarteten Wirkungstreffer.
An Spieltag 6 ging Cloughs Plan beim Auswärtsspiel gegen den Yokohama FC ebenfalls nicht auf. Urawa ging mit null Toren in die Partie, um das Torkonto für die kommenden Aufgaben zu schonen. Yokohama nutzte den Freiraum konsequent und schraubte das Ergebnis ohne großen Widerstand auf 3:0.
Durch die zwei Schlappen verschärft sich die Lage für Urawa im Tabellendrittel deutlich. Mit nun 8:15 Toren und 41,6 Taktikpunkten muss Clough in den kommenden Begegnungen eine Reaktion zeigen, um den Anschluss an das Mittelfeld nicht vollkommen zu verlieren.
Nach der 1:2-Niederlage gegen Cerezo Osaka war Vegalta Sendai ratlos. Spieler schüttelten die Köpfe, Trainer analysierten Videos und Fans diskutierten über Taktik.
Nur einer hatte die Wahrheit längst erkannt: kees!
Mit einem überdimensionalen Stück Gouda unter dem Arm betrat kees den Presseraum, legte eine Serviette auf den Tisch und sagte feierlich:
„Ich habe den Fehler gefunden. Und nein – es war nicht unsere Abwehr. - es war auch nicht unser Sturm“
Alle blickten gespannt zu ihm.
„Es war Tore Bulwa.“
Eine kurze Stille.
„Der Mann trainiert Cerezo Osaka nicht. Er hypnotisiert sie.“
Kees war sich sicher, dass Bulwa längst Methoden entdeckt habe, die der normale Fußball noch gar nicht kenne.
„Während andere Trainer Eckbälle trainieren, übt Bulwa mit seinen Spielern vermutlich, wie man den Ball telepathisch in freie Räume schickt. Deshalb laufen seine Spieler immer dorthin, wo wir erst zehn Sekunden später merken, dass dort Gefahr entsteht.“
Angeblich beginne jedes Training von Cerezo mit einem Ritual.
„Die Spieler stellen sich im Kreis auf, trinken grünen Tee, drehen sich zweimal im Uhrzeigersinn und plötzlich wissen alle ganz genau, wo der nächste Pass hingeht. Das kann man nicht verteidigen!“
kees behauptete sogar, Vegalta habe versucht, das System nachzumachen.
„Nach fünf Minuten standen unser Linksverteidiger im Mittelkreis, der Mittelstürmer auf der Trainerbank und der Co-Trainer verlangte plötzlich den Ball in die Tiefe. Da haben wir das Experiment sofort abgebrochen.“
Besonders beeindruckt zeigte sich kees von Bulwas Wechseln.
„Wenn
Tore Bulwa einen Spieler auswechselt, wird der Ersatzspieler nicht eingewechselt – der war die ganze Zeit schon da. Man hat ihn nur vorher nicht gesehen.“
Selbst die Niederlage gegen Cerezo sei laut kees von langer Hand geplant gewesen.
„Wir dachten, wir hätten den Ausgleich in der Luft. In Wahrheit wollte Bulwa genau das. Er hat uns Hoffnung gegeben. Hoffnung ist die gefährlichste aller seinerTaktiken.“
Ein Reporter fragte vorsichtig, ob kees das wirklich ernst meine.
kees schaute ihn mitleidig an.
„Haben Sie jemals gesehen, dass Tore Bulwa gleichzeitig einen Kaugummi kaut, Anweisungen gibt und trotzdem jede gegnerische Bewegung vorher kennt? Eben.“
Dann holte kees eine selbst gemalte Grafik hervor.
Sie zeigte einen Kreis, drei Pfeile, einen Käse und eine Giraffe.
„Das ist Cerezos Pressing.“
„Und warum die Giraffe?“, fragte ein Journalist.
„Weil niemand mit einer Giraffe rechnet. Genau deshalb funktioniert sie.“
Zum Abschluss richtete kees noch eine Botschaft an den Trainer von Cerezo Osaka.
„Lieber Tore Bulwa, ich weiß nicht, was du deinen Spielern erzählst. Vielleicht gar nichts. Vielleicht liest du ihnen nur Gute-Nacht-Geschichtlichen vor. Aber irgendetwas passiert dort. Und solange du auf der Bank sitzt, gewinnt Vegalta gegen Cerezo höchstens beim Stein-Schere-Papier.“
Mit diesen Worten verließ kees den Presseraum, stieg versehentlich in den Mannschaftsbus von Tokushima Vortis, winkte freundlich und rief noch:
„Nächste Woche versuchen wir’s mit einer anderen Taktik. Wir gehen einfach dort hin, wo keiner mit uns rechnet. Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, ob es so einen Ort überhaupt gibt!“
Man staunt über das japanische Kuriositätenkabinett, nicht zuletzt in der Zeitung: kees van edam kassiert in Mito neun Dinger im Basketball-Modus, verliert 4:5 und erklärt der staunenden Weltpresse mit ernster Miene, dass der Platz physikalisch schief war, die Gießkanne rebellierte und zwei Schmetterlinge den Ball ins Tor pusteten! Großes Kino! Während in Sendai also Windstöße verwarnt, Torpfosten verhört und Greenkeeper als Taktik-Götter gefeiert werden, bleibt man bei Consadole Sapporo gewohnt pragmatisch. Bei uns im hohen Norden Japans ist der Boden gefroren, der Rasen bretthart – und wenn der Ball ins Netz fliegt, lag es garantiert nicht an der Erdanziehungskraft.
Ein weiterer Blick auf die Mitbewerber unterstreicht zudem den allgemeinen
Wahnsinn:
* Vorjahresmeister Wolfgang Lippert taumelt mit Avispa Fukuoka trotz des ersten Dreiers weiter im Tabellenkeller auf Platz 15 herum
++ Nigel Clough redet bei den Red Diamonds von Heimstärke und Konstanz – und fängt sich prompt eine 1:5-Heimklatsche plus 0:3-Auswärtspleite zum Absturz auf Rang 13 ein.
+++ Und Nakata Gutschi wirft derweil weiter Zen-Kiesel ins Meer und meditiert über die hohe Kunst des Minimalismus.
Lasst die Kollegen ruhig Quantenphysik studieren, mit Grashalmen flüstern oder philosophische Teekränzchen abhalten – Roquatoni schießt Kashiwa Reysol mit 4:0 vom Platz und sammelt die Punkte eiskalt im Windschatten auf Platz 3. Wir brauchen keine Ausreden mit Gießkannen: Wenn Sapporo zuschlägt, fallen die Tore bergab. Immer.
So oder ähnlich könnten bald die Schlagzeilen im Yokohamanischen Tageblatt und anderen Medien lauten. Denn auch zur letzten Spielrunde hat es der neue Trainer nicht geschafft, das Ruder rumzureißen und erneut gingen die Marinos punktlos aus dem ZAT. Das 0:3 bei Kyoto Sanga FC ist ja noch irgendwie erklärbar, schließlich muss sich der Liganeuling erstmal an die 1. Liga gewöhnen. Doch die 1:4-Heimpleite gegen Oita Trinita lässt wenig Fragen offen, außer eienr: ist der Trainer der richtige Mann für die Aufgabe? Schon zum zweiten Mal in Folge wurde ein Heimspiel mit vier Gegentoren verloren. So geht es nicht weiter.
Die Yokohama F. Marinos müssen sich leistungstechnisch steigern, wollen sie in dieser Liga bestehen. Am letzten ZAT gab es gegen Consadole Sapporo eine bittere 3:4-Heimpleite. Auch auswärts ging nichts und bei Tokushima Vortis gingen die Marinos sang- und klanglos mit 0:4 unter. Nun geht es gegen den Kyoto Sanga FC und Oita Trinita. Irgendwie müssen ein bis zwei Punkte eigeholt werden. Sonst haben die Marinos einen Kellerplatz fest gebucht. Auch wenn der Verein lediglich den Klassenerhalt als Ziel hat, sind die Fans nach dem schwachen Saisonauftakt enttäuscht.
Der Abend über Shonan war ungewöhnlich laut. Nicht wegen der Wellen. Nicht wegen der Bambuswälder. Sondern wegen Nakata Gutschi, der auf dem Trainingsgelände stand und – und das muss man sich vorstellen – einmal kurz genickt hatte. Zweimal sogar. Hintereinander. Seine Assistenten tauschten verstörte Blicke aus.
Es hatte mit dem Kyoto-Spiel begonnen. Ein Unentschieden. Null zu Null. Nakata hatte nicht gesetzt, weil er in tiefer Meditation über die Frage nachgedacht hatte, ob ein Tor, das man nicht erzielt, nicht doch das schönste aller Tore sei. Philosophisch gesehen ein Meisterwerk. Sportlich gesehen: ein Punkt.
„Ein Punkt", hatte er hinterher am Strand gesagt und einen Kieselstein ins Wasser geworfen, „ist wie das halbe Schweigen. Vollständiger als eine Niederlage. Leerer als ein Sieg."
Sein Assistent Tanaka hatte genickt und insgeheim überlegt, ob er sich einen neuen Job suchen sollte.
Aber dann. Tokyo Verde. Zuhause. 5:0.
Fünf Tore. Fünf. Eine Zahl, die Nakata bislang nur aus der
Philosophie kannte – die fünf Elemente, die fünf Weisheiten des Zen, die fünf Male, die er pro Woche Tofu aß. Nicht als Fußballergebnis.
Als der Schlusspfiff ertönte, geschah etwas Historisches. Nakata Gutschi ballte die rechte Hand zur Faust. Nicht weit. Vielleicht drei Zentimeter. Aber es war eindeutig eine Faust. Zeugen bestätigten es später schriftlich. „Gut", sagte er. Tanaka fiel fast in Ohnmacht.
In der Kabine hielt Nakata eine Ansprache, die in die Vereinsgeschichte eingehen sollte: „Fünf Tore", begann er, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, den Blick ruhig wie ein Bergsee. „Das ist…" – er pausierte, suchte nach Worten, die seiner Würde entsprachen – „…statistisch gesehen eine Abweichung vom bisherigen Mittelwert."
Die Spieler jubelten.
„Ich bin…" – wieder eine Pause, diesmal länger, fast beängstigend – „…nicht unzufrieden."
Wilder Jubel. Ein Spieler weinte vor Rührung.
In der Liga liefert Shinji Onos Tokushima Vortis derzeit solide, aber nicht herausragend ab. Mit sechs Punkten aus vier Spielen liegt man punktetechnisch zwar im Soll, tabellarisch ist von Platz 12 aus aber noch deutlich Luft nach oben.
Doch die sportliche Situation in der J-League spielt in Tokushima aktuell nur eine Nebenrolle. Denn der Blick richtet sich bereits voll auf den Auftakt der AFC Champions League, in der die Mission Titelverteidigung gelingen soll. "Für uns liegt der volle Fokus in dieser Saison auf der Champions League, die Liga ist die Kür", so Chefcoach Ono.
Oita Trinita hat nach dem verpatzten Saisonstart mit der krachenden 0:5-Pleite bei Mito HollyHock den Schalter offenbar schnell wieder umgelegt und seine nächsten drei Spiele gewonnen. Nach Heimsiegen gegen die Urawa Red Diamonds mit 4:2 und Cerezo Osaka mit 1:0, sowie einem fulminanten Auswärtssieg beim Meister Avispa Fukuoka mit 4:1 ging es für Claudions Mannschaft vom vorletzten Rang hoch auf Platz 4. Die Leistungssteigerung kommt genau zur rechten Zeit eine Woche vor dem Einstieg in die Gruppenphase der AFC Champions League und macht auch Hoffnung auf ein erneut gutes Abschneiden in der J-League.
"Da ist man mal zwei Wochen im Urlaub, und schon richtet der kurz eingewiesene Praktikant ein mittelschweres Desaster an", so Avispa-Coach Wolfgang Lippert nach seiner Rückkehr aus Ost-Berlin zum aktuellen Tabellenstand der Mannschaft aus Fukuoka. Mit Blick auf den Fehlstart ist nunmehr eine Umstellung der Taktik dringend erforderlich, damit man den Kontakt zum Peloton nicht abreißen lässt. Bemerkenswert allerdings, dass die bis dato ziemlich erfolglose Konkurrenz mehr mit Lippi
beschäftigt zu sein scheint als mit dem jeweils eigenen Club. Sollen sie alle nur machen, irgendein Trittbrettfahrer wird dann am Ende grinsend den Meisterpokal in den Händen halten. Für Avispa Fukuoka gibt es zumindest den Trost, dass die AFC Champions League in der kommenden Woche startet und man dort eine Chance erhält, sich im Vergleich mit den asiatischen Top-Teams zu zeigen. Am Freitag steht geht es aber zunächst im Butter- und Brotgeschäft der J-League mit dem passenden Käsebelag weiter.
Vier Tore auswärts schießen – und trotzdem verlieren. Das schaffen nur zwei Arten von Menschen: Genies. Und Vegalta Sendai.
Beim wilden 4:5 bei Mito HollyHock erlebten die Zuschauer 90 Minuten, die selbst die japanische Wetterbehörde später als „schwer erklärbares Naturereignis“ einstufte. kees van edam dagegen hatte sofort eine Erklärung.
„Der Platz war heute eindeutig schief.“
Journalisten blickten sich irritiert um. Der Platz war nachweislich eben.
„Ja“, nickte kees. „Aber nur optisch. Physikalisch war er schief. Unsere Angriffe liefen bergauf, ihre bergab. Das merkt man nicht mit den Augen – nur mit Fußballgefühl.“
Angeblich hatte der Greenkeeper von Mito bereits vor dem Spiel verdächtig oft mit seiner Gießkanne gelächelt. Augenzeugen berichten sogar, dass er vor Anpfiff leise mit dem Rasen gesprochen habe. Die Antworten des Rasens seien allerdings nicht zu verstehen gewesen.
Dabei begann alles ganz normal. Vegalta spielte nach vorne, traf viermal und hatte zwischenzeitlich sogar das Gefühl, alles im Griff zu haben.
Leider hatte Mito dieselbe Idee.
So entwickelte sich ein Spiel, bei dem die Anzeigetafel regelmäßig überprüfen musste, ob sie nicht versehentlich auf Basketball umgestellt worden war. Nach jedem Treffer schien das nächste Tor bereits in der Warteschleife zu stehen.
Besonders kurios: Beim fünften
Gegentor wollte der Ball laut mehreren Spielern eigentlich ins Toraus. Doch ein Windstoß, zwei Schmetterlinge und vermutlich ein leicht übermotivierter Grashalm überzeugten ihn in letzter Sekunde zum Richtungswechsel.
„Kann passieren“, meinte kees philosophisch. „Der Ball ist schließlich auch nur ein Mensch.“
Dass Vegalta trotz der Niederlage mit neun Punkten aus vier Spielen weiterhin ganz oben mitmischt, beruhigt den Niederländer. Platz zwei – nur einen Punkt hinter Shonan Bellmare – klingt schließlich deutlich besser als das Ergebnis vermuten lässt.
Im Training wurden bereits Konsequenzen gezogen. kees ließ:
den Ball entschuldigen,
den Wind verwarnen,
den Schiedsrichter freundlich grüßen,
und den eigenen Torpfosten vorsorglich unter Beobachtung stellen.
Außerdem soll künftig ein Platzwart aus Sendai mitreisen, um vor jedem Auswärtsspiel nachzumessen, ob das Spielfeld heimlich wieder schief geworden ist.
Die Mannschaft nahm das Spektakel ohnehin mit Humor.
„Lieber einmal 4:5 verlieren als langweilig 0:0 spielen“, grinste kees. „Unsere Fans bekommen schließlich Unterhaltung. Andere Vereine verkaufen Fußball – wir verkaufen Abenteuer.“
Und so bleibt nach diesem verrückten Nachmittag vor allem eine Erkenntnis:
Licht und Schatten wechseln sich bei den Urawa Red Diamonds unter der Regie von Nigel Clough weiterhin ab. Nach vier absolvierten Spieltagen steht die Bilanz des englischen Cheftrainers bei exakt zwei Siegen und zwei Niederlagen. Mit sechs Punkten und einer ausgeglichenen Torbilanz von 7:7 ordnen sich die Red Diamonds aktuell auf dem neunten Tabellenplatz ein.
Der dritte Spieltag unterstrich zunächst die neu gewonnene Heimstärke im Saitama Stadium. Im Prestige-Duell gegen Gamba Osaka zeigte Urawa eine taktisch disziplinierte Leistung. In einer zähen, defensiv geprägten Partie behielt Cloughs Mannschaft die Nerven, arbeitete defensiv extrem diszipliniert und belohnte sich mit einem hart erarbeiteten 1:0-Erfolg. Ein Auftritt ganz im Stile des Trainers: bodenständig, leidenschaftlich und extrem effizient.
Die Ernüchterung folgte jedoch auf dem Fuß beim anschließenden Auswärtsspiel gegen Vegalta Sendai. Bis zur Halbzeit hielt die Urawa-Defensive dem
Druck der Gastgeber stand, ehe Sendai in der 53. Minute den Dosenöffner fand.
Als Clough in der Schlussphase das Risiko erhöhen musste, schlug der Tabellenzweite eiskalt zu: Ein Doppelschlag in der 77. und 78. Minute besiegelte die deutliche 0:3-Niederlage für Saitama.
Nigel Clough zeigte sich nach dem zweiten Doppelspieltag gewohnt sachlich in seiner Analyse:
„Die Disziplin beim Heimsieg gegen Osaka war genau das, was ich sehen will. Aber auswärts lassen wir uns noch zu leicht aus dem Konzept bringen, sobald wir in Rückstand geraten. Wenn du innerhalb von zwei Minuten zwei Gegentore frisst, hast du auf diesem Niveau keine Chance. Wir müssen lernen, auch in fremden Stadien über 90 Minuten kühlen Kopf zu bewahren.“
Während die Abwehr im eigenen Stadion bislang die weiße Weste wahrt, bleibt die fehlende Stabilität auf fremdem Platz die größte Baustelle für Clough vor den kommenden Aufgaben.
Jeder Spieler hat die Möglichkeit Berichte für die Zeitung zu verfassen. Für jeden Bericht gibt es bis zu 0,3 Punkte auf das TK deiner Mannschaft.
Bonusstaffel:
ab 150 Zeichen + 0,1 Punkte
ab 250 Zeichen + 0,2 Punkte
ab 500 Zeichen + 0,3 Punkte
Werden pro Runde mehrere Berichte verfasst, wird nur der Erste vergütet.
Für jede Liga ist ein Kolumnist möglich, der regelmäßig Berichte zur Lage der Liga verfasst. Wenn Du Interesse daran hast, schicke eine kurze Mail ans CopaTeam.
Achtung:
Bitte beachte, dass nur ein Bericht pro Spielrunde vergütet wird.
Kopierte oder unsinnige Artikel werden kommentarlos von der Redaktion zensiert.
Im Wiederholungsfall behält sich der Spielleiter strengere Maßnahmen vor, die im individuellen Fall auch bis zur Entlassung führen können!
Gleiches gilt für das Veröffentlichen von selben Berichten für mehrere Accounts oder in der Liga und dem Pokal.