Jean Baratte und sein Centro Deportivo Municipal kleben weiter unerbittlich im Tabellensumpf fest. Beim Blick auf die Tabelle kriegt die Konkurrenz chronische Nackenstarre vom Runterschauen.So langsam droht dem Team auch die TK-Kraft – die legendäre Tiefkühl-Energie aus der Mikrowelle – komplett auszugehen. Die Akkus sind leerer als die Vereinskasse.Immerhin gibt es einen winzigen Hoffnungsschimmer für die leidgeprüften Fans: Die Heimstärke ist wieder da! Zuhause wird gerockt, auswärts weiterhin vornehm gehorcht. Wenn jetzt noch jemand den Stecker der Mikrowelle findet, klappt es auch bald mit dem Klassenerhalt!
Noch hält sich Defensor Villa del Mar im oberen Tabellenfeld, noch ist der Mut der Fans ungebrochen, noch stehen sie voller Stolz bei der Vereinsfahne, noch sieht man dem weiteren Verlauf der Saison optimistisch entgegen.
Doch wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe.
Böse Zungen behaupten, dass Defensor am Ende die Luft ausgehen wird, Trainer Italicus will vor dem Spiel gegen Sporting allerdings nichts davon hören: "Die Luft geht erst dann aus, wenn ICH es sage!"
Mal schauen, wie das so die anderen Trainer sehen.
Während es zum Saisonstart noch hieß Party und Wanka Wanka, hat sich die Stimmung in den Anden gedreht und nun gilt eher Wanka wankt als Leitspruch. Zu Beginn der Rückrunde war Wanka das einzige Heimteam in der peruanischen Primera División das Auswärtstore zugelassen hat und dann wurde der Mannschaft auch direkt vier Mal eingeschenkt. Die logische Folge war die einzige Heimniederlage des Spieltags und der Absturz in der Tabelle auf Platz 9. Höhenluft tut nun mal selten lange gut - das gilt offensichtlich auch für mit Höhen an sich gut vertraute Peruaner.
Jean Baratte starrt ungläubig auf die Anzeigetafel: Sein Club Centro Deportivo Municipal hat Club Sportivo Cienciano gerade mit 5:0 rasiert! Ein Schützenfest, doch Jeans Stirnfalten sind tiefer als der Titicacasee. Die nackte Wahrheit: Trotz dieser Gala brennt die Hütte, der Abstieg droht weiterhin. Während seine Spieler mit Cocktails tanzen, rechnet Jean panisch mit dem Taschenrechner die Tabelle durch. Fünf Tore geschossen, aber immer noch mit anderthalb Beinen in der Pleitenliga – das gibt es auch nur hier. Jean kaut nervös an den Fingernägeln und bleibt extrem besorgt!
Zu Beginn der Rückrunde herrscht ein wenig Ratlosigkeit bei USM. Butters weiß selbst nicht so recht, was er nun aus dieser Position machen soll. Einerseits steht man in der oberen Tabellenhälfte, andererseits ist dies die schlechteste Position der Saison und nun dreht sich alles um die 7. Eigentlich doch eine Glückszahl!?
Die Elf steht derzeit auf Platz 7 und konnte dabei 7
Siege und, wie sollte es anders sein, 7 Niederlagen einstecken. Insgesamt wurden also 14 Partien gespielt, oder sollten wir sagen 2x7 Partien? Dabei hat man insgesamt 21 Punkte geholt, oder besser gesagt: 3 x 7 Punkte. Ohne echtes Fazit geht Butters von der Pressekonferenz. Er müsse nun mit seinem Neffen spielen. Was sie nun machen würden? "Im Sandkasten spielen, ein bisschen sieben."
Nach 14 Spieltagen hat sich Estudiantes de Medicina auf Platz vier vorgeschoben. Der Abstand zur Tabellenspitze beträgt lediglich zwei Punkte, dennoch wollte Trainer Micais auf der Pressekonferenz nichts von Euphorie wissen.
„Die Tabelle sieht heute gut aus. Das ist angenehm. Mehr aber auch nicht.“
Besonders der 3:0-Erfolg gegen Universidad San Martín sorgte für zufriedene Gesichter. Gegen einen direkten Konkurrenten zeigte Estudiantes eine konzentrierte Leistung und belohnte sich mit drei wichtigen Punkten.
„Wir haben unsere Chancen genutzt und defensiv wenig zugelassen. Das war der entscheidende Unterschied.“
Auffällig bleibt
weiterhin die Stabilität der Mannschaft. Mit nur 13 Gegentoren stellt Estudiantes eine der besten Defensiven der Liga, während das Torkonto weiterhin solide aussieht.
Doch auch das wollte Micais nicht überbewerten.
„In dieser Liga kann man innerhalb von zwei Spieltagen mehrere Plätze gewinnen oder verlieren. Deshalb bringt es wenig, sich zu lange mit Tabellenständen zu beschäftigen.“
Zum Abschluss wurde der Trainer gefragt, ob Estudiantes inzwischen zum Kreis der Titelkandidaten gehöre.
„Wenn man ständig über das Ziel spricht, vergisst man manchmal den nächsten Schritt. Und der kommt bekanntlich zuerst.“
Verdutzt schaute CNI-Coach Ole Gunnar Fidjestöl auf seinem Satelliten-TV einen Bericht des norwegischen Fernsehens über die Deutschen und ihren Umgang mit dem (weiblichen) Wal Timmy an. Irgendwie typisch für die etwas seltsamen und leicht dystopischen Mitteleuropäer, dachte der ehemalige Skispringer. Während das Tier in Norwegen zunächst geräuchert und dann den hungrigen Seeleuten in einer Haifischbar zu einem
kleinen Preis kredenzt worden wäre, entwickelte sich das gestrandete Wesen in Deutschland zu einer Metapher für die Willigkeit und gleichzeitige Unfähigkeit zur Lösung von Problemen. Wie gut, dass Dänen und Franzosen augenscheinlich einen etwas pragmatischeren Umgang mit Meeresbewohnern pflegen. Aber genug TV geschaut, jetzt musste sich der Übungsleiter so langsam mit den Gegnern des nächsten Wochenendes beschäftigen.
Pepe33 kommt gar nicht mehr hinterher mit Schreiben. WM-Trainer und dann noch Berater auf anderen Kontinenten. "Ich habe das Gefühl, ich bin mittlerweile Schrifsteller und nicht mehr Trainer von einer Fussball-Mannschaft." Und tatsächlich ist die Doppelbelastung sehr hoch, sowohl national als auch international müssen sich die Punkte erschrieben werden. Ja, spielen Sie denn auch Fusball die Tacnaer von Coronel Bolognesi ? Wie man es nimmt. Pepe33 wandelte auf schmalem Grat hin und her, um seine Mannschat in Peru richtig einzustellen. Und all das, obwohl er im Moment mit der Nationalmannschaft der Elfenbeinküste in Marokko weilt. "Das kriegen wir schon hin!"
Auf jeden Fall tragen die Jungfrauen von Chapi jetzt die Rote Laterne in der Primera División. In der Herbsttabelle haben sie noch den vorletzten Platz gehalten, aber mit Start der Rückrunde wurden sie von Tabellenführer Sporting Cristal ans Tabellenende geschossen.
Geschossen trifft es hier gut, denn Speedy hat seine Mannschaft etwas zu perfekt eingestellt. Sie waren gnadenlos und krachten mit 5:0 über die Jungfrauen. Sie wurden also, wenn man so will, endgültig entjungert.
Am nächsten Spieltag warten mit pepe33 und jean baratte zwei alte Bekannte, die aber beide schwer einzuschätzen sind.
Inzwischen sind mehr Spiele gespielt als noch ausstehen. Und die Zwischenbilanz liest sich ja ganz ordentlich. Platz 2, die Rest-Reserven sind oberer Ligadurchschnitt und im Großen und Ganzen liegt man über den Erwartungen. Doch genau das ist es was man oft hört vor dem großen Absturz. Ging man vielleicht in der Hinrunde noch irgendwie als Underdog bei den allermeisten
durch, dürfte sich das wohl inzwischen geändert haben. Und daraus resultieren meistens mehr Gegentore, weniger Punkte und der Absturz ins Mittelfeld. Ob das Bewusstsein dieser Tatsache das Bevorstehende verhindern kann werden die kommenden Wochen wohl erst zeigen. Klar ist aber auch, im Umfeld von José Gálvez rechnet niemand wirklich mit einem Verbleib im oberen Tabellendrittel.
#935, Primera Division, temporada 43.1 – ZAT 9 Speedy Gonzales, Rímac/Lima
Periodista: „Wir begrüßen Señor Gonzales zur heutigen Pressekonferenz. Mach mal den Mund auf!“ Gonzales: „Normalerweise brauche ich dazu keine Anweisung, eine Frage reicht schon aus...” Periodista: „Bueno, könntest du dich geneigt fühlen auf diese meine Frage hin deinen Mund auszumachen?“ Gonzales: „Könnte ich , aber wozu diese Form der Frage? Wollen wir nicht beim Thema bleiben? Fußball?” Periodista: „Ich will deine Zähne
seh‘n, will deine Zähne seh‘n …“ Gonzales: „Dann sag das doch gleich! Warum eigentlich?” Periodista: „Ob sie scharf genug sind, sich in der Tabellenführung zu verbeißen …“ Gonzales: „Sind sie, darauf kannst du dich verlassen!“ Periodista: „Darf ich sie trotzdem mal sehen?“ Gonzales (gewährt einen kurzen, aber beeindruckenden Blick): „...” Periodista: „Ooooha, mit diesen Beißern könnte man den gesamten Planeten aus der Rotation bringen, und mit dieser Furcht erregenden Erkenntnis beschließen wir die heutige Pressekonferenz.“
jean baratte stand an der Seitenlinie von Centro Deportivo Municipal und kaute nervös auf seinem Kuli herum. Wieder 0:5, wieder Tabellenletzter. „Kein Problem“, rief er, „wir haben noch einen Plan B!“ Die Spieler schauten gespannt. „Und was ist Plan B?“ fragte der Kapitän. jeanseufzte: „Den suche ich noch.“
Nach der nächsten Niederlage versuchte er es mit Glücksbringern, Motivationsreden und sogar einem Vereinsmaskottchen – einem Lama namens Diego. Doch selbst Diego schien irgendwann den Glauben zu verlieren und stellte sich lieber zum Gegner. Während Municipal weiter am Tabellenende festklebte, meinte Baratte nur: „Gut, dann überraschen wir die Liga eben von unten!“
Tja, wo gehts hin? Die erste Hälfte der Saison ist gespielt und so langsam ist das erste Geplänkel vorbei. Jetzt heißt es eher Butter bei die Fische! Jetzt wird sich die Spreu vom Weizen trennen (noch kleben die Clubs fast aneinander).
Über diese erste Haälfte spannend zu beobachten war der stetige Aufstieg des Nagers aus Mexiko. Mit einer klitzekleinen Delle am Anfang hat dieser bemerkenswerte Trainer sich Schritt für Schritt an die Tabellenspitze gearbeitet und man kann sicher sein, dass er diese Position mit seinen heftigen Zähnen verteidigen wird. Mal sehen, wo es langgeht.
Peru nach der Hinrunde: "Offen wie ein Scheunentor - oder so." Den Tabellenzehnten trennen vom Spitzenreiter nur drei Punkte. Selbst die Mannschaften auf den Abstiegsrängen haben nur fünf bzw. sechs Punkte Rückstand nach ganz oben. Optimale Voraussetzungen also für eine extrem spannende Rückrunde. Auch Wanka aus den Anden ist wortwörtlich mittendrin. Weiter geht es! (Für Wanka irgendwann auch noch in der Copa Americana. Aber da scheint die Auslosung des Halbfinales wohl noch ein bisschen auf sich warten.)
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