Ibagué steht Kopf. Nicht wegen einer Krise – sondern weil jean baratte seit Tagen jedem erklärt, dass Tabellenführer zu sein die mit Abstand beste Ausgangslage für den Abstiegskampf sei. „Wer ganz oben steht, hat am meisten Zeit, sich auf unten vorzubereiten“, erklärte der Franzose und malte mit Senf eine taktische Viererkette auf ein Arepa.
Nun kommt ausgerechnet Italicus mit Real Cartagena zu Besuch. jean freut sich wie ein Kleinkind auf einer Hüpfburg mit unbegrenztem Eis. „Italicus ist gefährlich. Der Mann kann ein 0:0 in einen Vulkanausbruch verwandeln. Genau solche Gegner liebe ich.“
Zur Vorbereitung ließ baratte sämtliche Uhren im Stadion rückwärts laufen, damit Cartagena glaubt, die Saison sei
bereits vorbei. Der Bus der Gäste wurde vorsorglich mit einem Navi ausgestattet, das ausschließlich zu Flamingogehegen und einer Waschstraße navigiert. Außerdem hat der Platzwart den Mittelkreis mit unsichtbarem Lavendel eingerieben, weil jean überzeugt ist, dass gegnerische Spielmacher dadurch plötzlich anfangen, über das Leben nachzudenken.
„Wir dürfen jetzt bloß nicht nervös werden“, sagte baratte. „Wenn wir gewinnen, bleiben wir Erster. Wenn wir verlieren, wird der Abstiegskampf spannender. Im Grunde gewinnen wir also immer.“
Selbst Italicus soll bei der Pressekonferenz nur den Kopf geschüttelt und gemurmelt haben: „Gegen Fußball kann man sich vorbereiten. Gegen jean baratte leider nicht.“
Während ganz Kolumbien auf die Tabelle blickt und Deportes Tolima mit 21 Punkten souverän an der Spitze thront, herrscht bei Trainer jean baratte Alarmstufe Rot.
„Es gibt keine bessere Ausgangslage für den Abstiegskampf als unsere“, erklärte der Franzose mit ernster Miene.
Ein Reporter hob vorsichtig den Finger.
„Trainer… Sie sind Tabellenführer.“
baratte nickte.
„Eben. Jeder erwartet jetzt, dass wir oben bleiben. Das ist psychologisch viel belastender als Platz zehn. Dort interessiert sich niemand für dich. Wir kämpfen also gegen den gefährlichsten Gegner überhaupt: unsere eigene gute Form.“
Für besonders große Erleichterung sorgte der Auswärtssieg bei Luminos Santa Fe.
„Ein riesiger Erfolg. Ich hatte große Angst, dass wir versehentlich wieder Punkte liegen lassen. Aber die Mannschaft blieb konzentriert und hat das Schlimmste verhindert.“
Anschließend habe jean die Spieler ausdrücklich gelobt.
„Ich habe gesagt: Männer, bleibt bescheiden. Wer nach neun
Spieltage Tabellenführer ist, darf niemals vergessen, wie schnell man auf Platz eins abrutschen kann.“
Die Presse war kurz still.
„Äh… Trainer… auf Platz eins sind Sie doch bereits.“
„Genau! Und tiefer als Platz eins geht es bekanntlich ständig. Deshalb müssen wir aufpassen.“
baratte präsentierte anschließend seinen neuen Krisenplan. Jeder Spieler müsse künftig nach jedem Sieg zehn Minuten lang enttäuscht schauen.
„Damit wir den Hunger behalten. Wer nach einem 3:0 lächelt, denkt irgendwann, Fußball wäre einfach. Das wäre fatal.“
Zum Abschluss erklärte der Tolima-Coach seine Saisonziele.
„Meister werden? Natürlich nicht. Das wäre viel zu offensichtlich. Wir wollen die Liga so verwirren, dass am Ende niemand mehr weiß, warum wir Tabellenführer sind. Das ist wahre Taktik.“
Anschließend verließ jean baratte den Presseraum – allerdings rückwärts.
„Man muss den Spitzenplatz schließlich immer im Auge behalten.“
Das Interview von Graf Zahl hat inzwischen auch Tolima-Trainer jean baratte erreicht. Nach mehreren Tassen Kaffee und einer kurzen Rücksprache mit einem Puppenspieler entschied sich der Franzose, öffentlich Stellung zu beziehen.
jean baratte: „Ich glaube, wir müssen endlich offen darüber reden.“
Reporter: „Über Kolumbien?“
baratte: „Nein. Über die riesige Öffnung auf der Rückseite von Graf Zahl. Das kann doch nicht länger verschwiegen werden.“
Reporter: „Welche Öffnung?“
baratte: „Na dieselbe, die alle aus der Sesamstraße haben! Irgendjemand steckt da ständig drin und bringt ihn dazu, Interviews zu geben.“
baratte legt ein altes Schwarzweißfoto auf den Tisch.
Darauf zu sehen: Graf Zahl, ein Staubsauger und drei erstaunte Lamas.
„Das war
1998. Seitdem glaube ich an alles.“
In diesem Moment kommt Graf Zahl herein.
„jean, hast du zufällig meine Nummer 8 gesehen?“
jean zeigt auf einen Blumentopf.
Graf Zahl hebt ihn an.
„Da ist sie ja! Ich wusste doch, dass sie sich wieder versteckt hat.“
Er bedankt sich freundlich und verschwindet wieder.
Der Reporter starrt ihm hinterher.
„War das… normal?“
baratte nimmt einen letzten Schluck Kaffee.
„Für Graf Zahl? Absolut.“
Kurze Pause.
„Die eigentliche Frage ist nur…“
„…wer heute wieder hinten drinsteckt.“
jean grinst.
„Und ehrlich gesagt hoffe ich, dass er nächste Woche wieder ein Interview gibt. So viel Unterhaltung bekommt man in der Liga schließlich nicht jeden Spieltag.“
Bei Deportes Tolima wird in diesen Tagen nicht mehr verteidigt – dort wird nur noch mit offenem Visier gelebt.
Trainer jean baratte präsentierte seinen Fans innerhalb weniger Tage das komplette Fußballprogramm. Erst ein spektakulärer 4:3-Heimsieg gegen Independiente Medellin, bei dem jeder Angriff nach einem Tor roch. Anschließend folgte bei Once Caldas eine historische 0:6-Klatsche, bei der die Abwehr vermutlich noch heute nach dem Bus sucht.
Nach vier Spieltagen stehen bereits 16 Gegentore zu Buche – Ligaspitze. Leider in der falschen Statistik.
Ein Reporter fragte jean nach dem Spiel vorsichtig, ob ihn die Anzahl der Gegentreffer beunruhige.
jean lächelte entspannt.
„Überhaupt nicht. Wer sechs Tore kassiert, weiß wenigstens, woran er arbeiten muss. Mannschaften, die nur eins kassieren, haben viel mehr Analysearbeit.“
Auf den Einwand, dass Tolima inzwischen eine Tordifferenz von -8 aufweise, wurde jean sogar nostalgisch.
„Ach… das erinnert mich an alte Zeiten.“
Insider wissen sofort, was gemeint ist.
Denn während andere Trainer von Meisterschaften, Pokalen oder internationalen Nächten träumen, fühlt sich jean traditionell dort am wohlsten, wo jeder Punkt doppelt zählt und der Tabellenrechner bereits im August Überstunden macht.
Ein Vereinsmitarbeiter verriet:
„Nach dem 0:6 wirkte der Trainer fast erleichtert. Er murmelte nur: ‘Endlich wieder vertrautes Terrain.’“
Auch die Defensive soll inzwischen neue Trainingsformen ausprobieren. Angeblich übt die
Viererkette mittlerweile mit aufblasbaren Verkehrshütchen – die bewegen sich wenigstens nicht aus der Position.
In der Kabine wurde nach dem Debakel ein großes Schild aufgehängt:
„Wer heute kein Gegentor verursacht hat, darf zuerst duschen.“
Immerhin gibt es auch Positives zu vermelden: Durch die jüngsten Ergebnisse ist Deportes Tolima wieder an Italicus vorbeigezogen. jean ließ es sich nicht nehmen, seinem langjährigen Rivalen ein paar warme Worte mit auf den Weg zu geben.
„Ich schätze die Arbeit von Italicus wirklich sehr. Er ist ein hervorragender Trainer. Deshalb hoffe ich natürlich, dass wir uns in dieser Saison noch ganz oft gegenseitig überholen. Das hält unsere Freundschaft frisch – und den Tabellenrechner beschäftigt.“
Beobachter sind sich sicher, dass jean dabei weniger den Kampf um die internationalen Plätze im Blick hat.
Vielmehr geht es um die prestigeträchtigen Ranglistenplätze zwischen Platz sechs und neun, wo man sich Woche für Woche mit einem einzigen Gegentor oder einem glücklichen 4:3 die Klinke in die Hand gibt.
Sollte die Gegentorflut in diesem Tempo weitergehen, dürfte jean baratte schon bald wieder sein absolutes Lieblingsthema auspacken:
Den gepflegten, traditionsreichen und nervenaufreibenden Abstiegskampf.
Und wer jean kennt, weiß: Während andere Trainer vor dem Tabellenkeller davonlaufen, bestellt jean dort schon einmal einen Kaffee und sagt mit einem Grinsen:
„Bis nächste Woche, Italicus – mal sehen, wer dann wieder vor wem steht.“
Vor Saisonbeginn hatte Italicus keine Zweifel: „jean baratte wird in Kolumbien schnell merken, dass dort ein anderer Wind weht.“ Seine Prognosen waren so selbstbewusst, dass manche vermuteten, er habe die Abschlusstabelle bereits fertig geschrieben.
Doch dann kam das erste Heimspiel.
Mit einem spektakulären 4:2 gegen Independiente Medellín schickte jean baratte seine Mannschaft unter dem Jubel der Fans vom Platz. Offensiv, mutig und mit mehr Feuer als ein Grillabend in Ibagué – ein Einstand, der sich sehen lassen kann.
Aktuell steht Tolima auf Platz 8 – nur einen Rang hinter Italicus. Und genau das sorgt inzwischen für reichlich Gesprächsstoff. Denn während Italicus in seinen Artikeln schon vom großen Vorsprung träumte, hat jean die Verfolgung längst aufgenommen.
Aus dem Umfeld von Tolima heißt es sogar, jean
habe schmunzelnd gesagt: „Ein Platz Rückstand? Das ist doch nur der Sicherheitsabstand. Man will den Experten schließlich nicht gleich überholen.“
Italicus gibt sich nach außen noch gelassen, soll aber vorsichtshalber schon damit begonnen haben, seine Tabellenrechner täglich zu aktualisieren. Denn jeder weiß: Gewinnt jean noch ein oder zwei Spiele, könnte aus dem kleinen Abstand ganz schnell ein großes Gesprächsthema werden.
Die Saison ist noch jung – doch das wohl spannendste Duell findet derzeit nicht auf dem Rasen statt, sondern in der Tabelle. jean baratte jagt Italicus. Und wer die beiden kennt, weiß: Der Nächste, der einen Artikel schreiben muss, könnte schon bald Italicus sein – mit der Überschrift: „Wie ich - ohne das ZAT ist - einen Tabellenplatz Vorsprung fast komplett verspielt hätte.“
Jetzt ist es offiziell: jean baratte wechselt zu Deportes Tolima – und die Experten rätseln bereits. Wollte er einmal etwas Neues erleben? Die Anden sehen? Kolumbianischen Kaffee genießen? Alles falsch! jean soll gehört haben, dass es dort ebenfalls regelmäßig um jeden Punkt geht – und beim Wort Abstiegskampf leuchten seine Augen bekanntlich heller als jedes Flutlicht.
In Ibagué wurde der Franzose begeistert empfangen. Die Fans hoffen
auf Tore, Leidenschaft und seine legendäre Fähigkeit, selbst in der 94. Minute noch an den Klassenerhalt zu glauben – egal auf welchem Tabellenplatz. jean selbst blieb bescheiden: „Ich bin hier, um alles zu geben. Und wenn’s eng wird, fühle ich mich sowieso am wohlsten.“
Viel Erfolg, jean – möge Tolima gar nicht erst in den Abstiegskampf geraten. Wobei… ein kleines bisschen würde dich das wahrscheinlich enttäuschen.
Andere Trainer träumen von Meisterschaften, internationalen Nächten und goldenen Pokalen. jean baratte? Der träumt von Tabellenplätzen, bei denen der Puls dauerhaft über 180 liegt.
Denn während andere Vereine langsam anfangen zu rechnen, ob international noch etwas geht, schaut Jean auf die Tabelle und denkt sich nur: “Da geht noch was unten!”
Centro Deportivo Municipal steckt wieder mitten im Abstiegskampf – und niemand wirkt dabei so entspannt wie der französische Fußball-Professor. Für ihn ist der Keller keine Strafe, sondern ein Lebensgefühl. Wo andere kalte Schweißausbrüche bekommen, bestellt Jean noch einen Espresso und erklärt, dass Druck schließlich Diamanten entstehen lässt.
Die Mannschaft weiß inzwischen genau, wie der Chef tickt.
Fällt man auf Rang 14 zurück, gibt’s Lob. Gewinnt man überraschend zwei Spiele am Stück, wird im Training erst einmal gefragt, ob wirklich alle den Matchplan verstanden haben.
Im Vereinsheim wurde bereits vorsorglich ein Schild aufgehängt:
“Achtung! Panik bitte nur in den letzten fünf Spieltagen.”
Fans sprechen inzwischen vom berühmten Baratte-Prinzip:
Warum frühzeitig den Klassenerhalt sichern, wenn man ihn auch in der 94. Minute des letzten Spieltags perfekt dramatisch feiern kann?
Und so marschiert Centro Deportivo Municipal unbeirrt weiter durch die gefährlichste Tabellenregion – mit jean baratte vorneweg, als wäre der Abstiegskampf ein Wellnessurlaub.
Denn eines ist sicher:
Andere können Titel gewinnen - Jean kann sich unten festbeißen!
Centro Deportivo Municipal liefert gegen Estudiantes de Medicina ein spektakuläres 6:6 ab. Für Trainer jean baratte ein herber Rückschlag – schließlich wollte er drei Punkte und bekam stattdessen sechs Gegentore, sechs eigene Treffer und akuten Puls.
Zum Glück war mit Estudiantes de Medicina gleich eine komplette medizinische Fakultät angereist. Noch während des Abpfiffs wurde baratte routinemäßig untersucht. Diagnose: akute Tabellenplatzprellung, leichter Taktikschwindel und eine allergische Reaktion auf Gegentore in der Nachspielzeit.
Empfohlen wurden drei Tage Bettruhe, zwei Eimer Eis und vorerst kein Blick auf die Tabelle.
Währenddessen diskutierten die Zuschauer, ob sie gerade ein Fußballspiel oder eine Notaufnahme besucht hatten. Der Ball wechselte häufiger den Besitzer als das Stethoskop. baratte selbst nahm’s mit Humor: „Immerhin musste heute niemand einen Krankenwagen rufen – der Gegner hatte genug Ärzte dabei.“
In der Copa gilt deshalb ab sofort: Wer gegen Centro spielt, bringt besser nicht nur Fußballschuhe, sondern auch Verbandskasten und Blutdruckmessgerät mit.
jean baratte hat es geschafft: Centro Deportivo Municipal holt tatsächlich den ersten Auswärtspunkt der Saison. Das 2-2 bei Universidad San Martin wurde in Lima sofort zum nationalen Feiertag erklärt – zumindest in der Kabine. Augenzeugen berichten, dass Jean nach dem Schlusspfiff einen Konfettikanonen-Notfallkoffer öffnete, ein Blasorchester aus drei Taxifahrern engagierte und den Mannschaftsbus zur rollenden Disco umfunktionierte.
Die Spieler tanzten eine Ehrenrunde um den Mittelkreis, obwohl der Platzwart schon längst
das Licht ausgeschaltet hatte. Selbst der Gegner applaudierte – allerdings hauptsächlich, weil die Party endlich aus dem Stadion abzog. Inzwischen gilt der eine Auswärtspunkt offiziell als “wertvollstes Unentschieden Südamerikas”. Gerüchten zufolge ließ Jean bereits T-Shirts mit der Aufschrift „Unbesiegt… auswärts! (Seit genau einem Spiel)“ drucken. Das nächste Ziel? Vielleicht sogar zwei Auswärtspunkte. Aber bitte langsam – man will die Feierlichkeiten ja nicht übertreiben.
Bei Centro Deportivo Municipal erlebt Trainer jean baratte derzeit eine Situation, die selbst erfahrene Fußballlehrer nur selten sehen: Er steckt in einem Alianza-Sandwich. Vergangene Woche gegen Alianza, diese Woche wieder gegen Alianza – und als wäre das nicht genug, sind die beiden Gegner auch noch direkte Tabellennachbarn von Municipal.
Jean soll die Tabelle inzwischen nur noch mit Sicherheitsabstand betrachten. „Wenn wir einen Platz nach oben klettern, stoßen wir gegen Alianza. Wenn wir einen Platz nach unten rutschen, stoßen wir auch gegen Alianza“, klagte er angeblich beim Abschlusstraining.
Die
Spieler sind ebenfalls verwirrt. Einige glaubten zunächst, es handle sich um Hin- und Rückspiel am selben Wochenende. Andere vermuten, die Liga habe einfach die Kopierfunktion entdeckt. Selbst der Mannschaftsbusfahrer fragte vorsichtshalber: „Fahren wir wieder zu Alianza oder schon wieder zu Alianza?“
Trotzdem bleibt Jean optimistisch. Schließlich bietet das Duell eine einmalige Chance: Mit einem Sieg könnte Municipal an einem Alianza vorbeiziehen. Mit einer Niederlage landet man hinter dem anderen. Die Tabelle gleicht derzeit einem Hochhaus – und jean baratte steckt irgendwo zwischen zwei Alianza-Etagen im Keller fest.