Die Schwalben fliegen tief. Warum? Weil die Mücken tief fliegen? Warum fliegen die Mücken tief? Na weil sie im Tiefdruckgebiet nach unten gedrückt werden...
So oder so ähnlich hat Schwalbentrainer Bernd W. dem Vorstand der Moroka Swallows versucht, die Flaute in der Meisterschaft zu erklären.
Der Vorstand hält allerdings nichts von meteorologischen oder gar naturwissenschaftlichen Erklärungen seitens des
Trainerstabes. Man wollte andere - bessere - Erklärungen.
Daher ist W. wieder zur Management-Quatscher-Sprache zurückgekehrt und meinte simpel: "Unsere aviatische Performance befindet sich aktuell in einer temporären Konsolidierungsphase. Wir identifizieren nun gezielte Optimierungshebel, um das operative Zusammenspiel effizienter auszurichten."
Und der Vorstand war happy, W. wurde das Vertrauen ausgesprochen.
Südafrika ist ja bekannt als Land des guten Weines. Und so machte sich Schwalbentrainer Bernd W. IV. nach dem letzten Zweier-ZAT auf in die Weinberge, um die Trauben seines Gastlandes durchzuprobieren. Das hätte gleich 2 Vorteile, meinte er: man kann den Sieg feiern und die Niederlage wegsaufen.
Doch als er so durch den Weingarten wanderte und dort auf die Weinleser traf, stellte sich heraus, dass diese
durchgehend Biertrinker waren. Die Leute, die an den Reben arbeiten, meinten zum W.: "Sir, Wein ist für die Reichen in Südafrika ! Wir, die normalen Menschen, und die armen Menschen, wir trinken Bier!"
Der W. dachte über das soeben Gelernte nach und meinte zu sich selbst: "Zum Glück hab ich keine Berührungsängste mit Arm oder Reich - ich trinke Bier UND Wein !"
Da staunten die Schwalben, und erst recht ihr Trainer Bernd W. III.: 3:3 zu Hause? Wus sull dus? Sind die Schwalben etwa so unscheinbar, dass man bei Chippa dachte, hier muss weniger als ein Pate am Werk sein? Hat Bernd W. tatsächlich sowenig Profil, dass man dachte, hier sei ein trainerloses Team im weinroten Dress am Feld? Das fragte man sich auch im Vorstand der Schwalben, und Erklärungsbedarf war also notwendig: "Man will sich besser profilieren in dieser Liga und die Gegner genauer beobachten. Immerhin sei man ja sehr gut aufgestellt (nämlich zu Elft) und man konnte seine Leistung abrufen. Auch wenn ein Heim-3:3 kein Quick-Win ist, so kann man es
doch als Game-Changer sehen für die Ausrichtung auf den Rest der Saison"...Mit diesen und anderen Binsenweisheiten hat W. dem Vorstand der Swallows versucht zu erklären, dass "die letzten Wochen nicht so erfolgreich wie geplant waren, aber die Saison noch viele Chance bietet, und am Ende des Tages wird man sehen, ob die Schwalben nicht nur die Fans mit an Bord holen können, sondern auch den Erfolg bla...bla...bla..." Dieses sinnbefreite Management-Gequatsche von W. ist gut angekommen beim Vorstand, denn diese, aus idiotischen Floskeln und leeren Worthülsen bestehende, Sprache ist zugleich die einzige, die die Leute aus dem Vorstand verstehen.
Bernd W. war im Urlaub und die Schwalben mussten am letzten ZAT ohne ihren Trainer antreten. Die Aufgabe wurde überraschend gut gemeistert und W. weiss nicht, wie er das deuten soll. Er hat nun einen Termin beim Vorstand und es ist ihm ein Rätsel, was es da jetzt eigentlich zu besprechen gäbe... Falls man ihm seine Abwesenheit am Spielfeldrand vorhalten möge, oder ob er nicht vielleicht überfordert wäre mit dem sportlichen Traineramt, dann wird er einfach damit
argumentieren, dass man ja auch die Pressearbeit nicht vergessen sollte: Wer sollte denn diese aussergewöhnlich spannenden, unglaublich geistreichen, und vor allem witzigen Artikel schreiben, wenn nicht der W.? In der heutigen Zeit ist ja PR mindestens so wichtig wie Bürotechnik auf der Tribüne, oder das Geschehen auf dem grünen Rasen (Er wird allerdings verschweigen, dass er letzte Woche gar keinen Artikel geschrieben hat, und die 0.3 TK am Ende der Saison noch fehlen könnten).
Mit diesem ZAT nimmt die südafrikanische Liga langsam an Fahrt auf, denn nach zwei Einzel-ZATs wartet endlich die erste Doppelzugabgabe auf die Schwalben von Moroka (und natürlich auch auf alle anderen). Bernd W., Trainer der Schwalben, bleibt angesichts der Doppelbelastung ruhig, und nimmt erstmal einen Schluck eines schweren Cabernet Sauvignon vom Kap. Dann sieht er sich die Gegner an, analysiert deren Setzverhalten zurück bis circa Saison 29 und errechnet sich dann den
Erwartungswert der gegnerischen Zugabgabe. Danach denkt er über die eigene Taktik nach und wirft ein- bis dreimal alles über den Haufen. Er analysiert den Gegner sicherheitshalber nochmals zurück bis Saison 17. Zum Schluss berücksichtigt er noch, dass diesmal aber auch alles anders sein kann. Nachdem der Cabernet leer ist und die Zugabgabe getan, lehnt er sich zufrieden zurück und denkt: "Wie gut dieser Ort hier doch zum heutigen ZAT passt: das Kap der Guten Hoffnung."
Die Schwalben aus Moroka fliegen wieder erstklassig, und das nach 5 langen Saisonen, die bekanntlich mehr als 10 Jahre andauerten. Für Schwalbentrainer Bernd W. III. ist es eine ganz besondere Freude, den Schnitzer aus der 38. Saison nun gleich mit einem roten Stern (nein, nicht dem aus Serbien) wieder ausgemerzt zu haben. W. hat die Schwalben dorthin zurückgebracht wo er sie gerne fliegen sieht - und wo sie nach seiner Ansich auch hingehören.
Die Gegner in der Südafrikanischen ersten Liga sind grosse Namen, die W. auch aus so manch anderer Weltgegend kennt. In Südafrika zeigen alle ihre beste Seite und das gefällt W.: Zum Beispiel Pepeke Lumumba: während seine
asiatische Persönlichkeit in Zentralasien als Persona-non-grata beim dortigen Fussball-Kartell gilt und wegen Falschauftretens gesucht wird, ist er hier überlegener Meister und eine von den anderen Mitspielern respektierte Trainerpersönlichkeit. Oder Banana Joe und qbatsa: während sie in Serbien nur boulevardeske Ramsch-Artikel über Kamele und C-Promis in die Zeitung stellen, frönt Banan-Joe hier offenbar dem Qualitätsjournalismus (nach seinem Standard), und qbatsa schweigt gänzlich - was ihm ebenfalls hoch anzurechnen ist. Ja, diese Liga hat in der Tat Stil.
Die Aufgabe hier wird also schwierig, aber der W. nimmt die Herausforderung gerne an. Come On You Swallows !
Nicht nur die Schäfer, auch die Schwalben lieben Malle-Hits. Oder hat sich noch nie jemand gefragt, warum sie jeden Winter in den Süden fliegen? Genau !
(Von Moroka aus gesehen fliegen sie nach Mallorca natürlich in den Norden, aber so genau wollen wir hier nicht sein)
Die Schwalben sind also im Landeanflug - allerdings nicht auf La Palma sondern zum Saisonende. Und Trainer Bernd W. übernimmt vom Autopiloten lieber selbst, denn wenn er verkackt, dann kann er es wenigstens selbst auf die eigene Kappe nehmen.
In Moroka selbst ist indes Ausgelassenheit angesagt -
vergessen ist das Abschnieden von Südafrika bei der WM in dem seltsamen Land das unseren Sport "Socke" nennt.
Die Fans bereiten sich lieber auf das Copa-Saisonfinale vor: Moroka-Sangria wird hektoliterweise gemischt: das ist ein Kübel Rum mit einer halben Orange. Und der DJ bringt die Leute bereits in Stimmung: Lieder von Bier und, wie es sich für Schwalben-Fans gehört, von Vögeln werden bereits rauf und runter gespielt.
Nur Bernd W. bleibt konzentriert - erst nach dem ZAT heisst es für ihn: "Wo war ich in der Nacht von Freitag auf Sonntag..."
Ja, die Mehrzahl von Finale heisst "Die Finali' - zumindest in Österreich ist das der Fall, wie man im Internet auch nachlesen kann. Die Schweizer sagen angeblich Finals zu Finali und der Duden meint überhaupt es hiesse "die Finale"...
Aber was will Bernd W. abseits der grammatikalischen Feinheiten eigentlich mitteilen: Nämlich, dass sich die fussballerischen
Grossereignisse langsam aber sicher den Grandi Finali (sic!) zuneigen: die Copa WM, dann diese Fake-WM im Land das unseren Sport "Socke" nennt, und die wirklich wichtigen Entscheidungen in den nationalen und internationalen Bewerben von Copamundial sind in der Zielgerade - oder im "Landeanflug" wenn man im Schwalbenjargon bleiben möchte.
Danach freuen wir uns auf die Sommerpause und auf Saison 44 !
Unfassbar spannend ist die Premier Soccer League - Null Punkte Unterschied zwischen dem Drittplatzierten und dem zwölftplatziertem Verein. Kann es eigentlich noch spannender gehen? Beste Werbung für den südafrikanischen Fussball, kann man da nur sagen, und wer wäre nicht enttäuscht, wenn am nächsten Wochenende nicht alle Stadien gerammelt voll sind ! Vorbei die Zeit der weissen Elefanten, die leer in der Gegend rum stehen. Die Ausgeglichenheit und die Stärke der Mannschaften macht die Liga so interessant, dass die Zuschauer in Massen ins Stadion strömen.
Bernd W. ist mit seinen Schwalben mittendrin in dieser aufgeladenen Meisterschaft, und trinkt zur Entspannung der Situation im bekannten Weinland Südafrika erstmal ein Bier.
Prost!
Die Schwalben des Bernd W. fliegen momentan hoch wie noch nie. Der Trainer ist froh, den ungewollten Tiefflug aus der Mitte der Saison überwunden zu haben. Konzentriert und ohne Vogelscheuchen, Kuckuckseier oder Nestbeschmutzer konnte man sich selbst wieder ins Hoch schiessen. Doch wie jeder Hobby-Meteorologe, Freizeit-Thermodynamiker, oder auch Wochenend-Ornithologe weiss, ist die Luft in der Höhe immer etwas dünner als in Erdnähe. Und das weiss auch Bernd W. Die Saison befindet sich in der Zielgeraden und in ein drei Wochen wissen wir auch die zweitwichtigste Sache nach Copa: Wer ist dann neuer Fussballweltmeister.