Es folgt ein Pressestatement von Grasshopper Zürich zur bedrohten Freiheit des FC Basel und zum Zustand seines Bündnispartners, des Schaffhauser Schafs.
Mit großer Verwunderung haben wir zur Kenntnis genommen, dass eine Abstimmung über Herbies Konto die Schweiz in ein totalitäres Abhängigkeitssystem führen soll. Wir waren bislang davon ausgegangen, dass dieses System bereits besteht. Es nennt sich Batman und Robin. Einer erklärt, wer das Böse ist. Der andere soll sich darum kümmern.
Zunächst bestätigen wir ausdrücklich: Basel hat keine Schulden. Herbie hat investiert. Unter anderem fünf Tore in seinen Bündnispartner. Dass dieser anschließend noch zur Verteidigung der Basler Freiheit antritt, spricht für eine bemerkenswerte Kundenbindung.
Das Bündnis selbst müssen wir nicht erfinden. Herbie hat es veröffentlicht.
Am 13. Oktober erklärte er sich und danfire zur guten Seite, beschwor den rheinländischen Zusammenhalt und kündigte gemeinsame Aufkleber gegen den Vampir an. Die Grasshopper wurden im selben Artikel verdächtigt, den dunklen Mächten zuzuarbeiten. Offenbar beginnt das Böse in dieser Liga dort, wo jemand ein Ergebnis erzielt, das Herbie nicht bestellt hat.
Zum beschworenen Zusammenhalt erlauben wir uns eine Ergänzung: Auch Nouri kommt aus dem Rheinland. Herbies Heimatliebe endet offenbar dort, wo ein Landsmann seine Punkte selbst behalten möchte.
Am 16. Oktober gewann Schaffhausen gegen uns mit 1:0. Ärgerlich für Nouri, erfreulich für danfire und im Titelkampf durchaus praktisch für Basel. Wir haben deshalb keine Bürgerrechtsrede gehalten. Wir hatten einfach schlecht Fußball gespielt.
Am 21. Oktober wurde Herbie deutlicher: «Auch Baumeister gilts zu besiegen».
Gemeint war Nouri. Getroffen hat es zwei Tage später zunächst danfire. Dieser hatte null Tore nach Basel mitgebracht. Falls das ein Geschenk an den Bündnispartner sein sollte, um die eigenen Kräfte dafür aufzusparen, Nouri beim nächsten Aufeinandertreffen den Arsch vollzuschießen, wäre die Rollenverteilung klar: Herbie kassiert die Punkte, Batman & Robin sparen die Munition, der Baumeister soll später bezahlen.
Dann wäre Herbie allerdings zu blöd gewesen, das Geschenk zu erkennen. Für die drei Punkte hätte ein Tor gereicht. Vier weitere brauchte er offenbar, um dem Schaf anschließend das Investieren zu erklären. Robin hält ihm die Tür auf, und Batman fährt zur Demonstration seiner Überlegenheit durch die Hauswand.
Basel gegen Schaffhausen: 5:0. Robin war zur Nachbesprechung angekündigt. Batman führte vor, wie man einen Verbündeten so gründlich umarmt, dass anschließend der Mannschaftsarzt nachzählen muss. Nach diesem ZAT lag Schaffhausen zwölf Punkte hinter Basel. Die Allianz hatte einen Tabellenführer und einen ziemlich ramponierten Mitstreiter.
Besonders aufschlussreich wurde es am 28. Oktober. Herbie erklärte über danfire: «Wie man richtig investiert, hat man ihm am Freitag gezeigt.» Unmittelbar danach erinnerte er daran, dass Robin mit dem Baumeister noch eine Rechnung offen habe.
Gemeint war unser 6:1 in Schaffhausen vom 28. August.
Wir halten die zeitliche Abfolge fest: Die alte Rechnung stammt aus Zürich. Die frische Abreibung stammt aus Basel. Der Mann, der sie gerade verteilt hat, zeigt seinem Freund anschließend sehr fürsorglich, auf wen er stattdessen wütend sein könnte.
Und dann folgt tatsächlich noch dieser Satz: «Es wird sich jedenfalls noch zeigen, wie dynamisch das Duo aus Batman-Käfer und Robin-Schaf wirklich ist und ob das Gute am Ende in der Schweiz siegen wird.» Herbie sei skeptisch. Das muss man sich leisten können: Erst dem eigenen Partner fünf einschenken, dann dessen alte Wunde gegen Nouri aufkratzen und anschließend besorgt fragen, ob das gemeinsame Gute wohl noch siegen wird.
Aus Zürcher Sicht liest sich das so: Robin soll die Niederlage gegen Batman als Unterricht verstehen, die Niederlage gegen Nouri dagegen als unerledigten Auftrag. Für den einen Gegner gibt es
Verständnis. Für den anderen eine offene Rechnung. Die Unterscheidung übernimmt freundlicherweise der Mann, der gerade selbst zugeschlagen hat.
Herbie nennt das ein dynamisches Duo. Wir erkennen vor allem einen sehr beweglichen Zeigefinger. Er zeigt zuverlässig von Basel weg.
Der Schaffhauser Trainer ist selbstverständlich frei, dieses Bündnis fortzusetzen und gegen die Schuldenbremse zu stimmen, wie am 29. Oktober geschehen. Der Vorstand von Grasshopper Zürich empfiehlt lediglich, sich die Adresse des Schuldigen nicht auch noch von Herbie diktieren zu lassen.
Danfire hat selbst festgestellt, dass Herbie keine Personalhoheit über seine Schafherde besitzt. Es wäre erfreulich, wenn sich diese Erkenntnis gelegentlich auch auf die Entgegennahme öffentlich erteilter Arbeitsaufträge auswirkte.
Wir kommen damit zur eigentlichen Freiheitsfrage.
Herbie möchte seine Reserven ungestört verwenden. Zugleich erklärt er Nouri, weshalb sich ein Angriff in Basel finanziell nicht lohne und erinnert danfire öffentlich daran, wo noch Vergeltungsbedarf bestehe. Die freie Entscheidung der Konkurrenz scheint ihm ausgesprochen wichtig zu sein, solange er vorher die Gebrauchsanweisung liefern darf.
Unsere eigenen Hintergedanken verschweigen wir nicht: Basel hat 51 Punkte, St. Gallen 48, wir 46. Natürlich möchten wir Herbie einbremsen. Wir nennen das Eigeninteresse. Für eine neue Weltordnung fehlt auf der Terrasse ohnehin der Platz.
Vor diesem Hintergrund bietet der Vorstand von Grasshopper Zürich dem FC St. Gallen erneut ausdrücklich eine Zusammenarbeit an. Dieses scheinheilige Bündnis aus Basler Belehrungen und Schaffhauser Gefolgschaft verdient gemeinsamen Widerstand. Wenn sich seine Gegner gegenseitig die Reserven aus dem Leib prügeln, übernehmen sie dessen Drecksarbeit auch noch kostenlos. Baumeister und Bademeister wären dafür eine durchaus geeignete Verbindung. Die Nadel wäre in St. Gallen bereits vorhanden; eine Leiter könnte aus Zürich gestellt werden. Herbies Höhenflug verdient eine gemeinsame Betreuung.
Entsprechende Bündnisgespräche würden am Beckenrand stattfinden. Nouri ist Nichtschwimmer. Sollte ihm dieselbe Behandlung zugedacht werden wie Robin durch Batman, bestünde der Zürcher Vorstand wenigstens auf festem Boden unter den Füßen.
Am kommenden ZAT treffen die drei Titelkonkurrenten unmittelbar aufeinander. Für den anschließenden Besuch der Grasshopper in Basel gilt: Wer dem Baumeister die Plane entreißen möchte, sollte sein eigenes Festgeldkonto gut abdecken. Sollten beide anschließend mit derselben dürftigen Quittung dastehen, könnte der Vampir seine Nadel stecken lassen. Die Löcher hätten die beiden Freiheitskämpfer dann eigenhändig besorgt.
Da Basel unseren Trainer bereits zu Nouri Berlusconi ernannt hat, erlauben auch wir uns abschließend ein politisches Zitat. Silvio Berlusconi erklärte: «Manchmal bedaure ich, dass ich kein Diktator bin, aber leider bin ich es wirklich nicht.»
Der Vorstand kann hinsichtlich Nouris Machtbefugnissen beruhigen: Selbst der e-Mähbie-53 ignoriert seine Anweisungen. Die Übernahme der Schweiz wurde deshalb bis zum nächsten Softwareupdate vertagt. Eine Volksabstimmung erschien bis dahin als zumutbare Zwischenlösung.
Aus den genannten Gründen stimmen wir weiterhin mit einem deutlichen JA.
Die Ausnahme für die Champions League bleibt bestehen. Gegen Österreich unterstützen wir Herbie ausdrücklich. Wir hoffen lediglich, dass er Unterstützung diesmal nicht wieder mit einer Einladung zur Abreibung verwechselt.
Diese Pressemitteilung ist ohne Unterschrift gültig. Bei der nächsten Bündniserklärung wird Schaffhausen trotzdem die Lektüre des Kleingedruckten empfohlen.
Hochachtungsvoll Nouri Berlusconi
Für den Vorstand von Grasshopper Zürich
Eidgenössische Abstimmung vom ZAT 12
Bundesgesetz über eine Schuldenbremse für den FC Basel
Höchstbetrag je ZAT: 6,0 TK · gültig ab Spieltag 28 · Ausnahme: Champions League
Zürich. Der Nachbar hält sein Handy über den Gartenzaun. «Hat bora geantwortet?»
«Zwei blaue Haken. Seit ZAT 10.» «Auf dein 0:0 statt 6:6?»
«Ein Friedensangebot. Er hat es gelesen, in ein 3:0 umgerechnet und sich zurück in den Sarg gelegt.»
Nouri zieht die Plane über den Gartentisch. «Freitag spielen die ersten drei gegeneinander. Und du fährst nach Basel.»
«Das Spiel ist egal. Herbie hat ausgerechnet, dass es sich nicht lohnt. Für wen, hat er nicht gesagt.» «Und was ist nicht
egal?»
«St. Gallen gegen Basel. Vampir gegen Fledermaus, Halloween, Flutlicht gedimmt. Wer da Blut verliert, darf am Ende den Käfer schieben.» «Und auf wen hoffst du?»
«Ich bin neutral. Wie die Schweiz. Ich halte nur die Plane bereit, falls Batman einen Umhang braucht.» «Du bist Dritter.»
«Eben. Der Dritte lacht zuletzt. Oder gar nicht. Steht so im Bankgeheimnis.» «Und dein Sturm?»
«Tiefschlaf. Reimt sich auf Schaf.»
Der Nachbar tippt auf das Display. «bora ist online.»
Nouri schiebt das Handy unter die Plane.
Zürich. Der Nachbar legt die Zeitung auf den Terrassentisch. «Herbie und danfire spielen jetzt Batman und Robin.»
«Herbie erklärt sein 0:3 zum Softwarefehler, danfire kaut die Ausrede wieder. Ein Schaf im Umhang bleibt ein Schaf.»
«Angeblich hast du dafür beim Vampir angeklopft.»
«Was?» «Du sollst bora einen Vorschlag gemacht haben: Ein 0:0 am 28. Spieltag statt des obligatorischen 6:6?»
Nouri rückt seinen Stuhl zurecht.
«Ein Punkt für jeden. Dasselbe Ergebnis, ohne sich gegenseitig die Reserven aus dem Arsch zu treten, während Herbie
danebensteht und Aufkleber verteilt.» «Sehr selbstlos.»
«Gegen danfire riskiere ich jedenfalls nichts. Ich bin doch nicht sein Geschenk zur Basler Meisterfeier. Vermutlich entscheidet sich der Titel am 30. Spieltag in Basel. Dafür brauche ich noch Kraft.»
Der Nachbar blättert zurück. «Und bora hält sich an deine beiden Nullen?»
«Der wird ja wohl rechnen können.»
Der Nachbar legt boras Erklärung auf den Tisch, weshalb das letzte 6:6 eigentlich ein lupenreines 3:0 gewesen sei.
Nouri liest. Dann nimmt er sein Handy.
«Ich formuliere das noch mal.»
Zürich. Montagabend. Nouri zieht die Abdeckplane über die Terrasse. Sie sitzt straff. Kein Tropfen kommt durch. Seit August auch kein Gegentor.
«Herbie schreibt, sein Mähbie sei in Aarau und gegen St. Gallen mit neuer Software gefahren.» «Der Mähbie steht ausgesteckt in meiner Garage.» «Dann ist er nachts gefahren.» Der Nachbar betrachtet das Ladekabel. Nouri betrachtet den Nachbarn.
«Herbie sagt auch, in der bereinigten Tabelle seid ihr Erster.» «In der Schweiz bereinigt man Konten, keine Tabellen.» «Und das Bankgeheimnis? Du sollst es am Freitag gelüftet haben.» «Ich
habe eine Terrasse gebaut. Die Schweiz schreibt selbst.»
«bora sagt, euer 6:6 sei ein lupenreines 3:0.» «danfire hat recht. Man muss vorher festlegen, für wen die Sechs gilt. Ich lege das nie fest.»
Am Freitag kommt Basel. Herbie will den Mähbie abholen, Nouri hat die Quittung vorbereitet. Auf diesem Rasen hat seit August niemand etwas abgeholt. Danach geht es nach Luzern. Die Füsse bleiben oben.
Der Nachbar hält ihm den Stimmzettel hin. Volksinitiative, Österreich, stärkste Liga Europas. Nouri kreuzt an: [X] NEIN. «War das jetzt deine Stimme oder die der Schweiz?» «Das hängt davon ab, wer fragt.»
Zürich. Mittwochabend. Die letzte WPC-Diele ist verschraubt. Der 1,47er dient als Blumenbank, die 83 Zentimeter halten den Grill gerade. Nouri sitzt auf dem Gartenstuhl, auf dem Kissen, das der Nachbar vorsorglich hingelegt hatte.
«Du sitzt», stellt der Nachbar fest. «Ich sitze.» «bora hat geschrieben, das schaffst du frühestens am letzten Spieltag.» «bora schreibt auch, Ende September sei noch Badesaison.»
Der Nachbar blättert im Spielplan. «Die Rückrunde beginnt mit zwei Auswärtsspielen.» «Auswärts hat Grasshopper diese Saison siebenmal
die Füsse hochgelegt. Ich sehe keinen Grund, ausgerechnet jetzt aufzustehen.» «Und der Bademeister?» «Soll seine Liegewiese geniessen. Wer im Oktober noch Sonnencreme verteilt, braucht jeden Sonnenstrahl. Ich brauche eine Abdeckplane.»
Der e-Mähbie steht in der Garage, das Ladekabel ist ausgesteckt. «Und wenn Herbie ihn zurückhaben will?» «Soll er ihn holen. Am 21. Spieltag ist er ohnehin in Zürich.»
Die Terrasse knarrt nicht. Zum ersten Mal in dieser Saison passt alles auf den Millimeter. «Und das restliche Material?» «Bleibt liegen. Ich sitze.»
Zürich. Zwei Drittel der Terrasse liegen. Nouri zieht eine Schraube an und niest in den Karton.
«Boras Quecksilberbad?»
«Grippe. Drei Tage flachgelegen.» «Und jetzt?»
«Hab den Bogen raus. Am Wochenende wird sie fertig.»
Der Nachbar liest die Zeitung. «Champions League vorbei.»
«Dann habe ich wenigstens Zeit.» «Teurer Weg, sich die Champions League-Nächte freizunehmen.»
Der Nachbar greift nach dem 1,47er.
«Nicht anfassen. Brauche ich noch.» «Du klingst wie die ganze Liga. Herbie sitzt auf 48,6 TK. danfire auf 48,3.»
«Wollen die das
vererben?» «Du hast 47,4.»
Nouri schaltet die Säge ein.
Gegen Luzern und Schaffhausen gab es jeweils ein 5:0, dazwischen fünf Gegentore in Bern. Platz zwei, einen Punkt hinter bora.
«danfire schreibt noch über deine fehlenden dreizehn Zentimeter.»
«Nach elf Gegentoren in zwei Spielen gegen uns würde ich auch lieber über fremde Dielen reden.»
Als Nächstes: Sion, Stadtderby, Aarau.
Der Nachbar zeigt auf die offene Fläche. «Dafür reicht das Material?»
«Ja.» «Dann verbau es.»
«Alles?» «Scheisse. Du bist wirklich Schweizer geworden.»
Zürich. Donnerstagmorgen. Der Poolkatalog ist vom Terrassentisch verschwunden. An seiner Stelle liegen 28 dunkelgraue WPC-Dielen, zwölf Unterkonstruktionen, mehrere Kartons Small Foots und sieben verschiedene Sorten Schrauben.
Der Nachbar betrachtet den Stapel. «Was wird das?»
«Eine Terrasse.» «Du hast bereits eine Terrasse.»
«Eine gepflasterte. Ich möchte WPC.» «Wer baut sie?»
«Ich selbst.»
Der e-Mähbie fährt rückwärts in die Hecke.
Der Nachbar nickt langsam. «Das wird grossartig.»
Die Fläche ist 4,13 Meter lang. Die Dielen sind vier Meter lang. Es fehlen also dreizehn Zentimeter.
In der Tabelle fehlt Nouri ebenfalls nicht viel. Grasshopper steht nach dem sechsten ZAT auf Platz zwei. Ein Punkt hinter St. Gallen.
«Dreizehn Zentimeter bis zur fertigen Terrasse und ein Punkt bis zur Spitze», stellt der Nachbar fest. «Beides fast geschafft.»
«Du hast von Bauprojekten ungefähr so viel Ahnung wie bora von einem trockenen Fussballplatz.»
Zunächst legt Nouri die Unterkonstruktionen aus. Dann stellt er fest, dass eine WPC-Diele genau über einem Kopfstoss enden würde. Also verschiebt er die Unterkonstruktion. Nun passt das Raster nicht mehr. Er ergänzt eine zweite Unterkonstruktion. Darunter stehen sich zwei Small Foots im Weg.
Nouri verschiebt den ersten Fuss.
Jetzt hängt die andere Unterkonstruktion in der Luft.
Er verschiebt den zweiten.
Nun fehlt am Rand die Auflage für die Abschlussblende.
Der Nachbar beobachtet ihn seit zwanzig Minuten schweigend. «Wie weit bist du?»
«Konzeptionell Tabellenführer.»
Sportlich war das Wochenende ähnlich übersichtlich. Zuerst schlug Grasshopper den Bademeister aus St. Gallen mit 6:0. Danach reichte ein einzelnes Tor gegen La Chaux-de-Fonds. In Basel verlor Nouri schliesslich 0:2.
Der Nachbar faltet die Zeitung zusammen. «Du gibst bora sechs Tore. bora gibt Herbie sechs Tore. Herbie gibt dir nur zwei zurück.»
«Schlechte Resteverwertung.»
Herbie erklärte die eigene 0:6-Niederlage inzwischen mit geometrischen Ungereimtheiten auf Boras Platz. Sein Mähbie bekomme deshalb ein Software-Update und werde erneut zum Testen nach Zürich geschickt.
Pünktlich am Mittag hält ein Lieferwagen vor dem Haus. Neben dem neuen Testgerät liegen Kreide, Sonnencreme und Kokosöl.
Nouri verwendet die Kreide, um die Sieben-Millimeter-Fugen anzuzeichnen. Der Nachbar schmiert die Sonnencreme auf die Geranien. Das Kokosöl stellen beide unangetastet neben die Hecke. «Wofür ist das?»
«Damit der Mähbie lernt, auf Boras Rasen nicht wieder zum Parkplatz abzubiegen.»
Dann startet der Nachbar den aktualisierten e-Mähbie. Das
Gerät scannt die Terrasse, piept dreimal und zeigt eine Warnung an: Optische Ungereimtheit in der Geometrie des Terrains erkannt. Bereich wird umfahren.
Der Mähbie wendet und mäht den Gehweg.
«Das Update funktioniert», sagt Nouri. «Er erkennt inzwischen, wenn ein Projekt nicht mehr zu retten ist.»
Am Nachmittag beginnt die eigentliche Verlegung. Die erste Diele wird auf 1,99 Meter gekürzt. Übrig bleiben 2,01 Meter. «Das passt doch fast genau für die nächste Reihe.»
«Fast ist auf einer Terrasse nur ein anderes Wort für Verschnitt.»
Nach zwei Stunden besitzt Nouri Reststücke in 1,62 Meter, 1,47 Meter und 83 Zentimeter. Wegwerfen darf niemand etwas.
Auf dem 1,47er steht inzwischen mit schwarzem Filzstift: NICHT ANFASSEN – eventuell Spieltag 15.
Seine Frau öffnet die Terrassentür. «Wie weit seid ihr?»
Nouri zeigt auf sechs Quadratmeter sorgfältig sortiertes Plastik, drei lose Dielen und eine Unterkonstruktion, die inzwischen von acht Small Foots umzingelt ist.
«Wir betreiben gerade Bestandsmanagement.»
Der nächste ZAT liegt zwischen den Abstandshaltern. Zuerst kommt der trainerlose FC Luzern nach Zürich. Schlusslicht, aber zuletzt mit vier Toren gegen den Tabellenführer. Danach geht es zu den Young Boys, die beim 3:4 gegen Aarau ebenfalls gezeigt haben, dass bei ihnen vorne wie hinten jederzeit etwas passieren kann. Zum Abschluss kommt Schaffhausen.
Ausgerechnet danfire behauptet inzwischen, seine Mannschaft habe die Geometrie des gegnerischen Tores verstanden.
Nouri betrachtet den doppelten Unterbau an einem Dielenstoss.
«Sehr gut. Dann kann er am Freitag erklären, wie zwei Unterkonstruktionen, zwei Dielenenden und vier Small Foots auf dreissig Zentimetern Platz finden sollen.»
Der Nachbar liest weiter. «Aarau sagt, eine gute Defensive sei das Fundament des Erfolgs.»
«Endlich jemand in dieser Liga, der Unterkonstruktionen versteht.» «Und Schaffhausen bringt vielleicht Öcher Printen mit.»
«Perfekt. Die können wir unter die wackelnden Füsse legen.»
Langsam wird es dunkel. Von der Terrasse ist weiterhin kaum etwas verlegt. Dafür kennt Nouri inzwischen jede Schraube persönlich. Die 4 × 30 mit Linsenkopf liegt links. Die A2-Torx für die Abschlussblenden rechts. Eine phosphatierte Schraube für den Innenbereich wurde vom Grundstück verwiesen.
Der Nachbar nimmt eine der ungeschnittenen Dielen. «Was passiert am Freitag gegen Luzern, Young Boys und Schaffhausen?»
Nouri legt die Diele zurück auf den Stapel.
«Keine Experimente. Keine unnötigen Schnitte. Möglichst wenig Verschnitt.» «Du redest noch über die Terrasse?»
Nouri hebt den Sieben-Millimeter-Abstandshalter auf.
«Das hängt davon ab, wer fragt.»
Zürich. Dienstagmittag. Der Garten hat sich erholt. Der Rollrasen steht dicht, die Blumen blühen und der e-Mähbie-53 zieht inzwischen gerade Bahnen. Sogar vor einem Schmetterling hält er selbstständig an. Der Nachbar hat ihn gut kalibriert.
Anschliessend kniet er vor dem Blumenbeet und schmiert dicke weisse Sonnencreme auf die Blüten.
«Was machst du da?» «Lichtschutzfaktor 50. Wenn bora damit seine Fussballfeldlinien schützt, kann es für die Geranien nicht schlecht sein.»
«Bei bora ist auch Seifenschaum ein Abwehrkonzept.»
Auch sportlich ist wieder alles ordentlich angewachsen. Auf das 3:0 gegen Sion folgte zwar ein 0:3 im Stadtderby, gegen Aarau reichte es aber zum 1:0. Erneut sechs Punkte. Grasshopper steht inzwischen auf Platz drei.
Der Nachbar betrachtet zufrieden das Grundstück und legt einen Katalog auf den Terrassentisch. «Jetzt fehlt hier eigentlich nur noch ein Swimmingpool.»
Nouri verschluckt sich an seinem Kaffee.
«Nein.» «Warum nicht?»
«Ein Pool zerstört die natürliche Bodenstruktur.» «Er käme neben den Rasen.»
«Vierzigtausend Liter Wasser erzeugen seitlichen Druck. Dann gehen die Nähte des Rollrasens auf.» «Wir könnten einen kleineren nehmen.»
«Die Sonne spiegelt sich im Wasser und verbrennt die Blumen von unten.»
Der Nachbar zeigt auf die eingecremten Geranien. «Problem gelöst.»
«Dann läuft Boras Sonnencreme ins Becken und verwandelt den Garten in eine Schaumparty. Am Ende verirrt sich noch ein Ball darin und Alois Grünhalter muss ihn retten.» «Salzwasserpool.»
«Schlecht für den Mähbie.» «Der soll nicht hineinfahren.»
«Das weiss der Mähbie nicht. Er erkennt zwar inzwischen die Schmetterlinge, aber noch immer nicht zuverlässig die Hecke.»
Der Nachbar blättert weiter. «Ein Naturpool?»
«Dann kommen Frösche.» «Frösche sind nützlich.»
«Nicht während der Nachtruhe.» «3:1? Drei Meter lange Seiten und einen Meter tief?»
«Bei bora wird daraus spätestens am Freitag ein 3:0. Seine Theorie wächst schliesslich auch ohne Bewässerung.» «Ein aufblasbares Becken?»
«Zieht Kinder an. Kinder bringen Schwimmreifen mit. Schwimmreifen werfen Schatten. Dann wächst der Rasen ungleichmässig.»
Der Nachbar legt den Katalog langsam beiseite. «Du willst wirklich kein Wasser im Garten.»
«Das Grundwasser könnte steigen.» «Bis
wohin?»
«Basel.» «Das wäre doch nicht schlimm.»
«Doch. Dann erklärt Herbie es zu Wasserkraft, schaltet einen Gang höher und schreibt acht Seiten über den Chlorgehalt.»
Der Nachbar mustert Nouri lange. «Kannst du überhaupt schwimmen?»
«Natürlich.» «Gut.»
«Theoretisch.» «Was bedeutet theoretisch?»
Nouri schaut zum Rasen. Der e-Mähbie fährt vorbei und stoppt exakt zwei Zentimeter vor der Terrasse.
In der siebten Klasse hatte Nouri mittwochs Schwimmunterricht. Zumindest stand es so auf dem Stundenplan. Tatsächlich verbrachte er diese Stunden hinter der Turnhalle im Geräteschuppen des Hausmeisters.
Zuerst behauptete er, Chlor löse bei ihm vorübergehende Orientierungslosigkeit aus. Danach folgten eine Wasserallergie, ein ärztlich nicht näher beschriebener Druckausgleichsschaden und schliesslich ein Schreiben der kantonalen Gewässeraufsicht, das er selbst auf kariertem Papier verfasst hatte.
Während seine Mitschüler für das Bronzeabzeichen Bahnen schwammen, lernte Nouri, Messerwalzen zu schärfen, Feuchtigkeitsmesser zu bedienen und einen alten Aufsitzmäher zu kalibrieren. Den Schlüssel zum Geräteschuppen hatte er dem Hausmeister für eine grosse Tüte Ricola abgekauft.
Am Ende des Schuljahres waren alle Freischwimmer.
Nouri war Freischneider.
«Du hast den Schwimmunterricht geschwänzt.»
«Ich hatte praktische Landschaftspflege.» «Du bist Nichtschwimmer.»
«Ich bevorzuge Sportarten mit Bodenhaftung.»
Ausgerechnet jetzt kommt bora milutinovic nach Zürich. Der St. Galler Bademeister, dessen Spieler angeblich alle das Bronzeabzeichen besitzen und der die Super League inzwischen als schlecht geführtes Freibad betrachtet.
«Vielleicht solltest du vor dem Spiel noch üben.»
«Bora kommt auf meinen Rasen. Wenn hier jemand üben muss, dann er.»
Danach wartet La Chaux-de-Fonds. Zum Abschluss geht es nach Basel zu Herbie. «Herbie hat sich bereits Notizen über Chlor und Heimvorteil gemacht.»
«Nach dem 0:4 in Sion weiss Basel immerhin, wie man baden geht. Für seine achtseitige Analyse fehlt ihm nur noch ein saugfähiges Handtuch.»
Nouri geht zum e-Mähbie. Auf dem Display steht: Schnitthöhe: 1,0 cm. - Eine Einstellung, die Nouri am vergangenen Freitag vornahm.
Nouri dreht den Regler langsam nach rechts. Schnitthöhe: 6,0 cm.
Der Nachbar hebt eine Augenbraue. «Sechs Zentimeter?»
«Ich kann nicht schwimmen. Also müssen die anderen im Gras untergehen.»
Zürich. Mittwochmorgen. Der Regen hat aufgehört. Nouris Rollrasen ist inzwischen so gut angewachsen, dass der Nachbar mit einem neuen Rasenmäher vor der Terrasse steht.
Der Nachbar drückt auf den Startknopf. Der Mähbie schiesst über den Rasen, zieht eine kerzengerade Schneise durch das Gras, rammt die Regentonne und bleibt mit den Vorderrädern in der Hecke hängen.
«Hohes Drehmoment.»
«Keine Bodenhaftung.» «Vielleicht hätten wir Printen unter die Räder legen sollen.»
«Frag danfire. Der hatte welche.»
Schaffhausen wollte am vergangenen Freitag ebenfalls für bessere Bodenhaftung sorgen. Gebracht hatte es wenig. Grasshopper gewann dort 6:1. Zuvor war bereits Young Boys mit 1:0 geschlagen worden.
Sechs Punkte. Genau wie angekündigt.
«Von Platz zehn auf Platz sechs. Du hast wirklich einen Gang höher geschaltet.»
«Das schreibt Herbie auch.» «Dann muss es
stimmen.»
«Herbie schreibt viel...»
Der Mäher piept beleidigt. Auf dem Display erscheint: Bitte Software aktualisieren.
«Siehst du.»
Der nächste ZAT liegt bereits auf dem Terrassentisch. Diesmal warten gleich drei Spiele: Sion, der trainerlose FC Zürich und Aarau.
Oder genauer gesagt: drei Wundertüten.
Weil Zürich keinen Trainer besitzt und die Kollegen aus Sion und Aarau zuletzt nicht gesetzt haben, werden Nouri am Freitag voraussichtlich drei Paten gegenübersitzen. Irgendwelche Trainer aus einer anderen Liga, die fremdes TK verteilen und danach wieder verschwinden.
Der Nachbar überfliegt den Spielplan.
«Du weisst also bei keinem Gegner, wer genau setzt?»
«Richtig. Drei Spiele, drei Aushilfstrainer und keine vernünftige Vorbereitung.» «Das klingt ein wenig weinerlich.»
«Natürlich. Trotzdem brauchen wir unsere Punkte. Wieder mindestens sechs.»
Der Nachbar schaut ihn an. «Ganz schön mutig.»
Der e-Mähbie piept erneut aus der Hecke.
Nouri drückt erneut auf den Startknopf. Der e-Mähbie fährt zwei Meter, dreht sich einmal im Kreis und landet wieder in der Hecke.
«Nein. Mutig wäre es, diesem Ding noch eine dritte Chance zu geben.»
Nouri schiebt dem Nachbarn Herbies Gedicht hin.
«Unser 3:0 war ein Softwarefehler. Sein 3:0 gegen Luzern ein von bora eingefädeltes Eigentor. Der Käfer hat für jeden Scheiß einen Schuldigen.»
«Und für die fünf Dinger in Bern?»
«Da fehlt noch der Reim.»
Nouri zieht ein Blatt heran. «Ich antworte in Versen.»
«Du hast gegen danfire 0:1 verloren.»
«Na und? Was reimt sich auf Schaf?»
«Tiefschlaf. Frag deinen Sturm.»
Nouri legt den Stift weg.