Zürich. Dienstagmittag. Der Garten hat sich erholt. Der Rollrasen steht dicht, die Blumen blühen und der e-Mähbie-53 zieht inzwischen gerade Bahnen. Sogar vor einem Schmetterling hält er selbstständig an. Der Nachbar hat ihn gut kalibriert.
Anschliessend kniet er vor dem Blumenbeet und schmiert dicke weisse Sonnencreme auf die Blüten.
«Was machst du da?» «Lichtschutzfaktor 50. Wenn bora damit seine Fussballfeldlinien schützt, kann es für die Geranien nicht schlecht sein.»
«Bei bora ist auch Seifenschaum ein Abwehrkonzept.»
Auch sportlich ist wieder alles ordentlich angewachsen. Auf das 3:0 gegen Sion folgte zwar ein 0:3 im Stadtderby, gegen Aarau reichte es aber zum 1:0. Erneut sechs Punkte. Grasshopper steht inzwischen auf Platz drei.
Der Nachbar betrachtet zufrieden das Grundstück und legt einen Katalog auf den Terrassentisch. «Jetzt fehlt hier eigentlich nur noch ein Swimmingpool.»
Nouri verschluckt sich an seinem Kaffee.
«Nein.» «Warum nicht?»
«Ein Pool zerstört die natürliche Bodenstruktur.» «Er käme neben den Rasen.»
«Vierzigtausend Liter Wasser erzeugen seitlichen Druck. Dann gehen die Nähte des Rollrasens auf.» «Wir könnten einen kleineren nehmen.»
«Die Sonne spiegelt sich im Wasser und verbrennt die Blumen von unten.»
Der Nachbar zeigt auf die eingecremten Geranien. «Problem gelöst.»
«Dann läuft Boras Sonnencreme ins Becken und verwandelt den Garten in eine Schaumparty. Am Ende verirrt sich noch ein Ball darin und Alois Grünhalter muss ihn retten.» «Salzwasserpool.»
«Schlecht für den Mähbie.» «Der soll nicht hineinfahren.»
«Das weiss der Mähbie nicht. Er erkennt zwar inzwischen die Schmetterlinge, aber noch immer nicht zuverlässig die Hecke.»
Der Nachbar blättert weiter. «Ein Naturpool?»
«Dann kommen Frösche.» «Frösche sind nützlich.»
«Nicht während der Nachtruhe.» «3:1? Drei Meter lange Seiten und einen Meter tief?»
«Bei bora wird daraus spätestens am Freitag ein 3:0. Seine Theorie wächst schliesslich auch ohne Bewässerung.» «Ein aufblasbares Becken?»
«Zieht Kinder an. Kinder bringen Schwimmreifen mit. Schwimmreifen werfen Schatten. Dann wächst der Rasen ungleichmässig.»
Der Nachbar legt den Katalog langsam beiseite. «Du willst wirklich kein Wasser im Garten.»
«Das Grundwasser könnte steigen.» «Bis
wohin?»
«Basel.» «Das wäre doch nicht schlimm.»
«Doch. Dann erklärt Herbie es zu Wasserkraft, schaltet einen Gang höher und schreibt acht Seiten über den Chlorgehalt.»
Der Nachbar mustert Nouri lange. «Kannst du überhaupt schwimmen?»
«Natürlich.» «Gut.»
«Theoretisch.» «Was bedeutet theoretisch?»
Nouri schaut zum Rasen. Der e-Mähbie fährt vorbei und stoppt exakt zwei Zentimeter vor der Terrasse.
In der siebten Klasse hatte Nouri mittwochs Schwimmunterricht. Zumindest stand es so auf dem Stundenplan. Tatsächlich verbrachte er diese Stunden hinter der Turnhalle im Geräteschuppen des Hausmeisters.
Zuerst behauptete er, Chlor löse bei ihm vorübergehende Orientierungslosigkeit aus. Danach folgten eine Wasserallergie, ein ärztlich nicht näher beschriebener Druckausgleichsschaden und schliesslich ein Schreiben der kantonalen Gewässeraufsicht, das er selbst auf kariertem Papier verfasst hatte.
Während seine Mitschüler für das Bronzeabzeichen Bahnen schwammen, lernte Nouri, Messerwalzen zu schärfen, Feuchtigkeitsmesser zu bedienen und einen alten Aufsitzmäher zu kalibrieren. Den Schlüssel zum Geräteschuppen hatte er dem Hausmeister für eine grosse Tüte Ricola abgekauft.
Am Ende des Schuljahres waren alle Freischwimmer.
Nouri war Freischneider.
«Du hast den Schwimmunterricht geschwänzt.»
«Ich hatte praktische Landschaftspflege.» «Du bist Nichtschwimmer.»
«Ich bevorzuge Sportarten mit Bodenhaftung.»
Ausgerechnet jetzt kommt bora milutinovic nach Zürich. Der St. Galler Bademeister, dessen Spieler angeblich alle das Bronzeabzeichen besitzen und der die Super League inzwischen als schlecht geführtes Freibad betrachtet.
«Vielleicht solltest du vor dem Spiel noch üben.»
«Bora kommt auf meinen Rasen. Wenn hier jemand üben muss, dann er.»
Danach wartet La Chaux-de-Fonds. Zum Abschluss geht es nach Basel zu Herbie. «Herbie hat sich bereits Notizen über Chlor und Heimvorteil gemacht.»
«Nach dem 0:4 in Sion weiss Basel immerhin, wie man baden geht. Für seine achtseitige Analyse fehlt ihm nur noch ein saugfähiges Handtuch.»
Nouri geht zum e-Mähbie. Auf dem Display steht: Schnitthöhe: 1,0 cm. - Eine Einstellung, die Nouri am vergangenen Freitag vornahm.
Nouri dreht den Regler langsam nach rechts. Schnitthöhe: 6,0 cm.
Der Nachbar hebt eine Augenbraue. «Sechs Zentimeter?»
«Ich kann nicht schwimmen. Also müssen die anderen im Gras untergehen.»
Zürich. Mittwochmorgen. Der Regen hat aufgehört. Nouris Rollrasen ist inzwischen so gut angewachsen, dass der Nachbar mit einem neuen Rasenmäher vor der Terrasse steht.
Der Nachbar drückt auf den Startknopf. Der Mähbie schiesst über den Rasen, zieht eine kerzengerade Schneise durch das Gras, rammt die Regentonne und bleibt mit den Vorderrädern in der Hecke hängen.
«Hohes Drehmoment.»
«Keine Bodenhaftung.» «Vielleicht hätten wir Printen unter die Räder legen sollen.»
«Frag danfire. Der hatte welche.»
Schaffhausen wollte am vergangenen Freitag ebenfalls für bessere Bodenhaftung sorgen. Gebracht hatte es wenig. Grasshopper gewann dort 6:1. Zuvor war bereits Young Boys mit 1:0 geschlagen worden.
Sechs Punkte. Genau wie angekündigt.
«Von Platz zehn auf Platz sechs. Du hast wirklich einen Gang höher geschaltet.»
«Das schreibt Herbie auch.» «Dann muss es
stimmen.»
«Herbie schreibt viel...»
Der Mäher piept beleidigt. Auf dem Display erscheint: Bitte Software aktualisieren.
«Siehst du.»
Der nächste ZAT liegt bereits auf dem Terrassentisch. Diesmal warten gleich drei Spiele: Sion, der trainerlose FC Zürich und Aarau.
Oder genauer gesagt: drei Wundertüten.
Weil Zürich keinen Trainer besitzt und die Kollegen aus Sion und Aarau zuletzt nicht gesetzt haben, werden Nouri am Freitag voraussichtlich drei Paten gegenübersitzen. Irgendwelche Trainer aus einer anderen Liga, die fremdes TK verteilen und danach wieder verschwinden.
Der Nachbar überfliegt den Spielplan.
«Du weisst also bei keinem Gegner, wer genau setzt?»
«Richtig. Drei Spiele, drei Aushilfstrainer und keine vernünftige Vorbereitung.» «Das klingt ein wenig weinerlich.»
«Natürlich. Trotzdem brauchen wir unsere Punkte. Wieder mindestens sechs.»
Der Nachbar schaut ihn an. «Ganz schön mutig.»
Der e-Mähbie piept erneut aus der Hecke.
Nouri drückt erneut auf den Startknopf. Der e-Mähbie fährt zwei Meter, dreht sich einmal im Kreis und landet wieder in der Hecke.
«Nein. Mutig wäre es, diesem Ding noch eine dritte Chance zu geben.»
Zürich. Dauerregen. Nouri sitzt unter dem Terrassendach und betrachtet seinen Rollrasen.
Grün ist er wieder. Jedenfalls stellenweise. Zwischen den neuen Halmen liegen noch braune Streifen. Perfekt ist anders. Aber er lebt.
Dabei geht Nouri ein Satz nicht aus dem Kopf. «Nee, 6!»
Irgendwo zwischen Regenrinne und Regentonne öffnet sich eine seit Jahrzehnten verschlossene Schublade in seinem Kopf.
Mathematikunterricht. Nouri, deutlich kleiner und vermutlich ähnlich stur, steht an der Tafel. «Und was kommt heraus?»
«Sechs.» «Sechs was? Äpfel? Birnen? Fahrräder?»
Damals lernte Nouri: Eine Zahl ohne Einheit ist keine Antwort. Jahrzehnte später versucht Herbie dieselbe Methode im Profifussball.
Sechs was also?
Sechs Punkte hat Basel. Fünf Gegentore. Vier Gänge besitzt sein berühmter Namensvetter laut Google. Später erklärte der Trainer, er sei eine «überarbeitete Version».
Überarbeitet im Sinne von verbessert? Vielleicht ist Herbie inzwischen ein E-Auto. Der neue e-Herbie. Modell Basel, Softwarestand 44.2, Almdudler im Kühlkreislauf. Nur besitzen die meisten Elektroautos gar keine vier oder sechs Gänge. Herbie benötigt offenbar zwei zusätzliche, um nach einem 0:4 in Aarau, einem 1:0 gegen St. Gallen und einem 0:1 bei GC wieder auf Betriebstemperatur zu kommen.
Die Reichweite bleibt überschaubar. Bei den Grasshoppers war nach neunzig Minuten nur noch Leerlauf verfügbar.
Herbie hatte angekündigt, in Zürich sei wenig zu holen.
Das stimmte.
Für ihn war nichts zu holen.
Das 1:0 gegen Basel war GCs erstes Tor, erster Sieg und erstes Lebenszeichen der Saison. Der Rollrasen bekam Wasser, die Mannschaft Punkte und Herbie Gelegenheit, seine überarbeitete Version auf dem Heimweg erneut zu überarbeiten.
Dann kam Luzern.
Vor dem Spiel hatte der FC Luzern in drei Partien kein einziges Tor erzielt. Zehn Gegentore, kein Trainer, kaum Puls. Nouri hatte dort auf den
ersten Auswärtssieg gehofft.
Nach neunzig Minuten stand es 3:0.
Für Luzern.
Nouri pflegt also nicht nur angeschlagenen Rasen. Er belebt inzwischen auch tote Vereine. Wer in der Schweiz weder trifft noch gewinnt, braucht keinen neuen Trainer. Ein Heimspiel gegen GC genügt.
Damit steht Grasshopper nach vier Spielen weiterhin auf Platz zehn. Ein Tor erzielt, sieben kassiert, drei Punkte. Gleichzeitig lagern noch 65,1 TK im Keller. Der teuerste Rasensprenger der Liga ist randvoll und hat bisher einen einzigen Grashalm getroffen.
Bora hatte Nouri bereits angeboten, den Rollrasen nach dem 0:3 gemeinsam einzusammeln. Für die nächste Meisterfeier könne St. Gallen ihn gut gebrauchen.
Nach dem eigenen 0:3 bei den Young Boys darf bora ihn gerne behalten. Zum Abdecken von Bremsspuren.
Seine berühmte 3:0-Theorie funktioniert weiterhin. Er hatte lediglich vergessen zu erwähnen, dass St. Gallen gelegentlich auf der falschen Seite steht. Sonnencreme schützt eben vor UV-Strahlung, nicht vor Castaño Deus.
Der kommt nun mit den Young Boys nach Zürich. Castaño spart nach eigener Aussage kein Wasser, weil in seinem Garten ohnehin nur Tabak wächst. Bei YB weiss man nie, ob gerade Cervelat, Rivella oder kubanisches Rollkraut in der Taktiktafel steckt.
Danach geht es nach Schaffhausen. danfire hatte stolz verkündet, er habe bereits Wasser auf den eigenen Rasen bekommen. Daheim gewann Schaffhausen bislang 3:0 und 1:0. Auswärts verlor es 0:2 und 0:3.
Leider findet das Spiel in Schaffhausen statt.
Der Regen wird stärker. Der Nachbar erscheint hinter dem Hag und blickt erst auf den Rasen, dann auf die Tabelle.
«Junge, nach vier Spielen Letzter. Gegen Young Boys und Schaffhausen also wieder null?»
Nouri denkt an Herbie. An den Mathematiklehrer. An Äpfel, Birnen, vier Gänge und eine angeblich überarbeitete Version.
«Nein. Aber sechs.»
Der Lehrer in seinem Kopf hebt mahnend den Finger. «Sechs was?»
«Punkte, Herr Lehrer.»
Die Terrasse, eine Woche später. Der Nachbar drückt einen Feuchtigkeitsmesser in den Rollrasen.
«Trocken.»
«Vier Gegentore. Kein eigenes.» «Ich meinte den Boden.»
Nouri hatte vorsichtig beginnen wollen. Heraus kamen ein 0:3 in St. Gallen und ein 0:1 in La Chaux-de-Fonds. Zwei Auswärtsspiele, zwei verpasste Chancen. Der Meister verlor direkt danach in Basel. Beim neuen Tabellenführer hätte schon ein eigenes Tor gereicht, um etwas mitzunehmen. GC probierte es nicht einmal.
Der Nachbar öffnet die
Regentonne. «Voll.»
Auch das Torkonto ist gut gefüllt. GC ist trotzdem Letzter. Das Wassersparen hat wenigstens funktioniert.
Nun kommt Basel. Herbie begann mit einem 0:4 in Aarau und schlug anschliessend St. Gallen. Nouri wird deshalb nicht gleich den ganzen Vorrat ausschütten. Die Saison ist noch lang.
Wichtiger wird Luzern. Sechs Gegentore, kein eigenes, ein Punkt. Dort soll der erste Auswärtssieg her. Nach letzter Woche klingt selbst das bereits nach Mut.
Der Nachbar zieht das Messgerät heraus. «Der Rasen kommt wieder.»
«Und GC?» «Dafür habe ich kein Messgerät.»
Die neue Terrasse. 34 Grad. Nouri kniet am Rand eines Rollrasens, der langsam die Farbe von Zwieback annimmt. Der Nachbar lehnt über dem Hag.
«Du hast zu wenig gewässert.»
«Ich habe entunkrautet, Rollrasen verlegt und jeden Stein dieser Terrasse ausgerichtet.» «Und trotzdem stirbt alles.»
Nouri nickt. Platz zwei. Plus 18 Tore. Weltmeister mit Marokko. Kein Titel. Kein Europa. Bora hatte minus drei und den Pokal. Nun schmiert er lieber Sonnencreme auf die Trophäe als auf seine Abwehr.
«Das Unkraut kommt übrigens wieder.»
Natürlich.
danfire, Einar, skua811: Die Liga gleicht einem Klassentreffen, bei dem selbst ausgegrabene Wurzeln «Da simmer wieder» murmeln. Nur Luzerns Witzfeld blieb nach dem Einpflanzen elf Tage unsichtbar.
Nouri schaut auf den Spielplan. Erst St. Gallen. Dann La Chaux-de-Fonds. Zweimal auswärts. 64,00 TK, bestes Saatgut, aber das Wetter macht die Aufstellung.
«Und die Cervelat?» «Deus sagt, irgendwann finde einen das Glück.»
«Mich hat es letzte Saison um einen Punkt verfehlt.»
Der Nachbar dreht den Hahn auf. Dieser Artikel bringt noch 0,3 TK.
Der Rest ist Bewässerungszeit.
Zürich HB, kurz vor Betriebsschluss. Nouri steht unter der Anzeigetafel, drei Zeilen leuchten: Winterthur, Basel, Aarau. Der Kondukteur tippt auf die Uhr.
„Zwei Fahrten, ein Heimspiel... und die Meisterschale?"
„Abgefahren. Den Zug haben wir im dritten Satz verpasst, bei jedem Halt zwischen Sion und Basel. Acht Punkte in der Fremde, da winkt einem keine Schale nach. Platz eins ist weg."
„Also aufgegeben?"
„Nein. Umgestiegen. Platz zwei fährt direkt nach Europa und dieser Anschluss steht noch auf der Tafel: Champions League."
„Drei Spiele."
„Winterthur fährt
ohne Lokführer, da steige ich zu. Aarau kämpft ums Bleiben, ein Bahnhof, kein Ziel. Und Basel kommt in den Letzigrund. Beim letzten Halt dort haben sie mich sechs zu null abgestellt. Diesmal steht der Prellbock bei mir."
„Und der Erste? Neunundsiebzig Gegentore und trotzdem Spitze."
„Der soll seine Schale tragen. Wer so oft das eigene Tor öffnet, reist nicht erster Klasse, der hat bloss Glück im Fahrplan. Ich will nicht seinen Titel. Ich will seinen Startplatz in Europa."
Basel meldet Verspätung; Herbie packt seit Wochen den Koffer Richtung Aachen und steigt nie aus.
„Zwei Stationen bis Europa. Ich fahre durch."
Morgens um sieben stand Nouri in Zürich vor dem Toaster, der wieder nur eine Seite röstete. „Typisch Auswärtsspiel“, murmelte er, während der Kaffee tropfte wie Basels Resthoffnung. Auf dem Küchentisch lagen drei Zettel: FCZ daheim, Luzern auswärts, Sion daheim. Daneben ein Einkaufsbon: Brot, Milch, sechs Punkte.
Der Platzwart rief an. „Chef, der Rasen ist nass.“
„Gut“, sagte Nouri, „dann rutscht der FC Zürich wenigstens elegant aus der Stadt.“
Im Büro polierte der Zeugwart die Stollen. Nouri dachte an Sion, an dieses 0:6, diesen Wandertag ohne Rückweg. Nun kommt Sion nach Zürich. Mancher
Nouri schlug die Zeitung von gestern auf: „Das 6:6 war zweimal 3:0!“ - borat bora
Nouri sah aus dem Fenster. „Dann sind 67 Gegentore wohl zwei Meisterschaften und ein Seepferdchen“, sagte Nouri. Reto verschluckte sich.
Herbie schrieb derweil aus Basel etwas von Müdigkeit und Aussichtslosigkeit. Nouri nickte milde. Wer vor dem Endspurt schon Trauerflor bügelt, darf sich über Grasflecken nicht wundern.
Noch sechs Spiele. Luzern muss schwitzen, Basel kommt heim, Aarau wird geknackt. Und falls der Toaster weiter spinnt, weiss Nouri: Eine Seite reicht, solange GC am Ende oben knuspert.
... und das Scheunentor mit Seeblick.
Bademeister bora pfeift zur Party. Trillerpfeife, Sonnencreme, Stracciatella, Nixen und die Arschbombe vom Dreimeterbrett. Für Zürich ist der Nichtschwimmerbereich reserviert. Großzügig. Nur den Namen des Gastes bekam er nicht trocken über die Lippen. Aus Nouri machte er Nuri und sich selbst klein. „Gut“, dachte Nouri, „dann bekommt er sein gestohlenes o zurück.“ Seitdem heißt der Mann am Beckenrand bora planschinovic.
Seine ewige 3:0 Theorie besitzt Charme. Vor allem bei einem Tabellenführer mit 56 Gegentoren. Ein Scheunentor mit Seeblick, 50 Punkte davor, Basel mit 47,
Luzern mit 46 und GC mit 43 dahinter. Nouri lächelte. In Sion und Basel setzte es zuletzt auswärts zweimal 0:6. Basel wurde bewusst verschont. Kein Bolzen, kein Risiko. Alles blieb im Köcher für St. Gallen.
Bademeister bora führt die Duelle 2:1. GC gewann 3:0, St. Gallen 1:0 und 5:6. „Die Rechnung kenne ich“, sagte Nouri. „Am Bodensee wird bar bezahlt.“
Am 12. ZAT betritt Nouri das Espenmoos wie Wilhelm Tell das Schützenfest. Die Poolparty findet statt. Doch diesmal springt nicht bora. Sechs Zürcher Arschbomben später liegt der Nichtschwimmerbereich dort, wo planschinovic ihn nie vermutet hätte: im St. Galler Tor.
Schützenstand am Albisgüetli. An der Wand eine alte Armbrust. Der Schützenmeister legt zwölf Scheiben aufs Holz.
"Auswärts: zwölf Reisen, einmal getroffen, zehnmal daneben. In Sion null zu sechs. Daheim zerlegen Sie den Tabellenführer Luzern vier zu eins - in der Fremde liegt der Apfel auf Ihrem eigenen Kopf."
Ich weiss. "Wie viele Bolzen noch?"
Vierunddreissig. Zwei Reisen: Basel, dann der Bodensee. "Sechs Punkte wären die Saison. Doch wer auf beide Scheiben zielt, geht mit leerem Köcher heim. Basel ist ein
Nest, gepanzert, schlechter Tag - halten Sie das Pulver trocken. Keinen Bolzen hergeben, den Sie nicht wiedersehen."
Und St. Gallen? "Der Strandbad-Coach mit der 3:0-Theorie. Sechsundfünfzig Gegentore, ein Scheunentor mit Seeblick. Tauschte den Taktikordner gegen Pommes."
Zwei zu eins führt er im Duell. Im Espenmoos fällt der vierte.
Tell hatte zwei Pfeile. Den zweiten trug er für Gessler.
In Basel bleibt der Köcher zu. Den zweiten hebe ich auf - ZAT 12, Bodensee. Es steht ein Name drauf.
Diesmal wird nicht geschnitten. Diesmal wird getroffen.
Raclette-Stand am Bellevue, der Föhn schiebt Nebel über den See. Der Käser kratzt die Schicht ab.
„Fünf zu null gegen Deus. Der Mann kam mit der Gabel für die Löcher und Sie servieren ihm den ganzen Laib."
„Young Boys. Abgeschmolzen." „Und tags darauf das Derby? Null zu drei beim FCZ."
Nouri schweigt. „Der Meister verliert in
der eigenen Stadt."
„Vierter. Ich weiß."
Der Käser schabt weiter. „Und jetzt? Luzern. Der Erste. Bei Ihnen im Letzigrund."
„Dann kommt der Tabellenführer endlich dorthin, wo die Zeit wieder richtig geht. Sion danach. Eins nach dem anderen."
Er wickelt den Sbrinz ein. „Und diesmal?"
„Diesmal wird geschnitten. Nicht gerührt."
Chäsi im Seefeld, Keller, kühl, der Geruch nach altem Sbrinz und Salzlake. In den Regalen Laibe in Reih und Glied, jeder gestempelt, jeder mit Datum. Der Käser, weisse Schürze, klopft mit dem Knöchel gegen einen Laib und horcht, wie ein Arzt auf eine Brust. Nouri tritt ein.
„Der Meister. Persönlich. Was darf's sein?"
„Etwas für ein Fondue." „Sie? Fondue?" Ein kurzes Lachen. „Eins haben Sie am Sonntag schon gespielt. Fünf zu sechs, daheim, im eigenen Topf."
„Ich war dabei." „Das habe ich gesehen.“
Er zieht einen anderen Laib aus dem Regal, setzt das Messer an, hält die Scheibe gegen die Lampe. Das Gelb leuchtet warm. Die Löcher auch. „Emmentaler. Da zählen die Leute die Löcher und meinen, das sei der Käse. Dabei ist jedes Loch genau die Stelle, wo nichts ist. Je mehr Löcher, desto weniger Laib."
„Sie reden von St. Gallen." „Ich rede vom Tabellenführer der Schweiz.“
Der Käser legt die Scheibe auf das Brett. „Sechsundvierzig Tore geschossen, fünfzig gefangen. Minus vier und trotzdem Erster. In einer Liga mit zehn Klubs führt ausgerechnet die Mannschaft, in deren Abwehr am meisten Luft ist. Ein Sieb, das die Tabelle anführt."
Er wischt die Klinge ab. „Ihr Ostschweizer Kollege, der mit dem Dauerlächeln.“
„bora." „Genau der. Er nennt sechs Gegentore defensive Flexibilität. In Zürich hat er null zu sechs verloren und es Kräfteschonen genannt. Bei Ihnen daheim fünf gefangen und eine Geschmacksrichtung draus gemacht."
„Er hat trotzdem sechs geschossen. Bei mir. Im Letzigrund." „Hat er. Und Sie fünf. Auch Sie haben hinten nicht gerade den Käsekeller verriegelt, sagen wir es, wie es ist.“
Der Käser beugt sich über den Tresen. „Aber wissen Sie, was ein Fünf zu sechs ist, Herr Trainer? Das ist kein Spiel. Das ist eine Käserunde. Alle stochern im selben Topf, keiner deckt und am Ende zahlt der, dem zuletzt das Brot in die Masse fällt. Diesmal waren Sie das. Eine Gabel zu spät."
„Eine Gabel zu spät." „Immerhin haben Sie es geschmeckt.“
Er legt das Stück auf die Waage. „Aber warten Sie. Eine Woche später, in Aarau. Da hat Ihr Fondue-Mann den Caquelon mit auf die Reise genommen und drüben gemerkt, dass er das Anzünden nie gelernt hat. Null zu drei. Kein Tor. Der Kühlschrank, von dem er dauernd redet, war in Aarau abgeschlossen. So sieht der grosse Titelaspirant aus, sobald er die eigene Stube verlässt.“
„Auswärts ist auch er nur ein Mann mit einer Gabel." „Genau wie Sie." Pause. Der Käser lässt den Satz liegen. Er muss nicht nachwürzen. „Vaduz, nicht wahr. Null zu drei. Bei einer Mannschaft, die nicht einmal einen Trainer hat, der ihr sagt, wohin sie laufen soll."
„Sagen Sie's ruhig." „Ich hab's
gesagt."
Er schlägt das Stück in Papier. „Und der Deutsche? Der heimgekehrte. Basel."
„Herbie. Steht Zweiter." „Zweiter. Seit wann ist er da?"
„Zwei Wochen." „Zwei Wochen und Zweiter." Ein trockenes Lachen. „Wissen Sie, wie man das nennt, Herr Trainer? Sich ins gemachte Nest setzen. Den Tisch hat ein anderer gedeckt. Genauer gesagt eine Hand, die der Verband im Monat darauf am Kragen genommen und hinausgetragen hat. Basel war eines der vier Räder. Man hat das Loch zugelötet, frische Federn ins Nest gelegt, einunddreissig Punkte lagen schon warm darin und der Herr aus Deutschland setzt sich hinein, fragt in der Zeitung laut, ob seine Rückkehr ‚moralisch vertretbar' war, und hofft, dass sich ‚die Wogen wieder glätten'. Erarbeitet hat er an dem zweiten Platz keinen Schritt."
„Sein Heimdebüt hat er gewonnen. Fünf zu drei." „Gegen Vaduz. Die ohne Trainer. Den ersten Gegner, der zurücklaufen konnte, hatte er in Bern. Drei zu null auf die Mütze. Ein gemachtes Nest, Herr Trainer, macht eben noch keinen Vogel, der fliegt."
Der Käser legt das Päckchen auf die Theke, Sbrinz, schwer und ehrlich, dicht bis ins Mark, kein einziges Loch. „Und Sie? Vierter, zwei Niederlagen am Stück. Was machen Sie jetzt?"
Nouri sieht ihn an. Zum ersten Mal liegt kein Niederdorf-Ton mehr in der Stimme.
„Rechnen.“
Der Käser hebt eine Augenbraue.
„Dreimal haben wir gespielt, St. Gallen und ich. Den ersten Spieltag hat er bei mir verloren. Null zu drei. Die zwei danach hat er genommen. Eins zu null bei sich. Jetzt sechs zu fünf in meinem Haus. Zwei zu eins führt er. Im Duell.“ „Und?“
„Man sagt, man sieht sich zweimal im Leben. In dieser Liga sieht man sich viermal.“
Der Käser schweigt.
„Einer bleibt, bora. Spieltag achtundzwanzig. Bei dir. Im Espenmoos. Zwischen deiner Bratwurst und deinem Kühlschrank. Ich bringe meine eigene Gabel mit. Und die fünfzig Löcher in deinem Laib zähle ich dann selber nach. Von innen. Eines nach dem anderen.“ „Das klingt nicht nach dem Meister, den ich kenne.“
„Den Meister, den Sie kennen, hat man eine halbe Serie lang an gefälschten Uhren gemessen. Der ist vorbei. Der hier geht ins Espenmoos und bringt das Resultat selber mit.“
Draussen liegt der Föhn schwer und blau über dem See. Nouri nimmt den Sbrinz unter den Arm und geht den Hang hinunter. Vierter in seiner eigenen Liga. Zwei Spiele ohne Punkt. Und zum ersten Mal seit Wochen kein bisschen müde dabei.
Hinter ihm bleibt der Keller kühl. Die Laibe reifen leise weiter. Oben im Regal liegt einer mit fünfzig Löchern und einem Datum, das näher ist, als der Stempel verrät.
Denn so ein Laib hält sich eine Woche. Vielleicht zwei.
Dann riecht der Keller.
Und am achtundzwanzigsten Spieltag steht einer im Espenmoos, der genau weiss, wo bei diesem Käse die Luft sitzt.
Fortsetzung folgt. Und diesmal wird nicht gerührt. Diesmal wird geschnitten.
Uhrmacherwerkstatt im Niederdorf. Eng, halbdunkel, der Geruch nach Öl und altem Messing. An der Wand ein gutes Dutzend Pendel, jedes in seinem eigenen Takt, keines im Gleichschritt mit dem anderen. Hinter der Werkbank ein alter Mann, Lupe ins Auge geklemmt. Nouri legt eine Armbanduhr auf den Filz.
„Steht."
„Seit drei Wochen." „Und Sie kommen erst jetzt?"
„Zuhause sagt man dasselbe."
Der Alte hebelt den Deckel ab. Schweigen. Nur das Ticken der anderen wird lauter.
„Schöne Hinrunde gespielt, Herr Trainer. Zweiter. Mit Verlaub — Sie hätten Erster sein müssen."
„St. Gallen hat drei Punkte mehr." „St. Gallen fängt mehr Tore, als es schiesst, und steht trotzdem oben. In dieser Liga geht die Zeit seit Monaten falsch."
Er beugt sich tiefer ins Werk. Pinzette. Hält etwas Winziges gegen die Lampe.
„Sehen Sie das? Vier Zeiger. Aber getrieben hat sie eine einzige Welle. Versteckt, unten im Werk. Wer das einbaut, will, dass die Uhr lügt — und dass man ihr dabei auch noch glaubt."
Nouri sagt nichts. „Auswärts viermal verloren in der Vorrunde, nicht wahr. Basel null zu vier. Dann Vaduz. Bern. Zürich."
„Sie lesen die Tabelle." „Ich lese Werke. Das ist dasselbe, nur ehrlicher." Er legt das Teilchen beiseite. „Vier Niederlagen gegen vier Klubs. Und diese Woche kommt heraus: Es waren nie vier. Es war eine Hand an allen vier Wellen. Daheim haben Sie genau diese Gegner abgefertigt. Fünf zu null. Vier zu zwei. Zweimal drei zu null. Im Letzigrund lief die Zeit richtig. Draussen lief sie, wie's einem passte."
Nouri schaut auf die Pendelreihe.
„Im letzten Heimspiel der Hinrunde habe ich Basel drei zu null geschlagen. Ein paar Tage später gibt es Basel nicht mehr." „Ausgebaut. Vier Räder auf einen Schlag. Der Verband hat sie aus dem Werk genommen und das Loch zugelötet."
„Ein Jahr bin ich gegen etwas angerannt, das es so nie gab." „Schlafen Sie schlecht?"
„Ich rechne nachts die Tabelle nach. Jedes Mal kommt etwas anderes heraus. Ich weiss bis heute nicht, gegen wen ich im Herbst wirklich verloren habe." „Das ist das Hässliche an
gefälschten Werken, Herr Trainer: Man kann sie nicht rückwärtslaufen lassen. Die falsche Zeit bleibt gemessen. Sie steht in Ihrer Bilanz, ob sie stimmt oder nicht."
Eine Pause. Der Alte schraubt zwei neue, blanke Rädchen ins Werk.
„Aber es kommen frische. Hört man im Quartier."
„Zwei. Einer aus Deutschland, übernimmt Basel. Ein alter Hase — trägt vier Mannschaften über vier Erdteile und auf jedem seinen Namen. Monterrey in Mexiko, ein Klub in Sambia, einer in Südkorea, dazu gleich die ganze koreanische Nationalelf. Eines seiner Teams hat er nach einem Rennwagen mit der Nummer 53 getauft." „Ein Käfer."
„Wenn Sie so wollen. Fünfzehn Jahre auf vier Kontinenten — und nie an einer Welle gedreht." „Und der zweite?"
„Kubaner. Bringt eine ganze Sippe mit, alle heissen Deus. Trainiert in Tunesien, in Brasilien, in Australien, jetzt in Bern, und nebenher die Tunesier bei der WM. Vier Brüder, getauft nach Haarfarben. Den letzten nennen sie Calvo." „Calvo. Das heisst Glatze."
„Er hat Humor. Den wird er brauchen. Bern hat zuletzt null zu sechs verloren und steht in Trümmern."
Der Alte setzt den Deckel auf, zieht die Krone, hält das Werk ans Ohr. „Läuft. Aber die ersten Tage geht sie nach. Jede Uhr, die lange stillstand, geht erst nach, bevor sie wieder stimmt. Das ist keine Schande. Das ist Mechanik."
Nouri legt das Geld hin, streift die Uhr übers Handgelenk. „Noch etwas, Herr Trainer. Die ganze Saison kein einziges Remis. Nicht eins. Und dann, am letzten Spieltag, null zu null in Aarau."
„Ich weiss." „Das war kein schwaches Spiel. Das war ein Mann, der für einen Nachmittag aufgehört hat zu glauben, dass die Zeit, die er abliest, überhaupt die richtige ist."
Nouri tritt hinaus ins Niederdorf, die Uhr am Handgelenk geht nach, ein paar Minuten, ehrlich verspätet. Hinter ihm ticken die Pendel weiter, jedes für sich, keines im Takt — und zum ersten Mal seit Wochen weiss der Meister von Zürich nicht, ob er der Zeit trauen soll, die ihn auf Platz zwei stehen lässt, oder ob morgen, zum Rückrundenstart, einfach eine Liga wieder zu ticken beginnt, in der die Räder endlich nur noch sich selber gehorchen.
Wartezimmer der Hausarztpraxis. Trainer Nouri kommt zurück. Der Arzt schaut über die Brille. "Schon wieder? So schnell?"
"Triple ZAT war." "St. Gallen?"
"Null zu eins." "Vaduz?"
"Vier zu zwei." "YB?"
"Zwei zu vier."
Der Arzt legt den Stift weg. "Sechs Siege, sechs Niederlagen, null Unentschieden. Sie haben sich nicht gebessert. Sie haben sich symmetrisiert."
"Ich bin Schweizer
Trainer." "Eben."
Pause. "Das Rezept letzte Woche... haben Sie es eingelöst?"
"Apotheker meinte, Mittelmass sei seit Wochen ausverkauft." "Hm. Soll ich Sie krankschreiben?"
"Nicht nötig. Ich habe noch was anderes im Schrank." "Was denn?"
"Die Champions League."
Der Arzt zuckt zusammen. "Dann doch lieber krank."
Beim Meister wechselt diese Woche die Diagnose, aber die Symptome bleiben sich treu wie der Wechselkurs des Frankens.
Tram Linie 4. Nouri steigt zu. Eine ältere Frau, Einkaufstasche zwischen den Knien.
"Sie sehen wie ein Trainer aus."
"An schlechten Tagen." "Mein Mann war Schaffner. Er sagte: Wer in der Schweiz Trainer wird, muss die Berge mögen."
"Wegen der Aussicht?" "Wegen des Wegs zurück."
Tram bremst. "Niederhasli, Trainingsanlage." Nouri steht auf.
"Endstation schon?"
"Für heute."
Sie lächelt. "Bei einem Trainer ist sie das jeden Tag. Steigen Sie morgen einfach wieder ein."
Wartezimmer der Hausarztpraxis. Fischsalat-Plakat, alte Magazine. Trainer Nouri wird aufgerufen. "Was führt Sie her?"
"Tabellenstand."
Der Arzt blättert. "Fünf Siege, vier Niederlagen, null Unentschieden. Sehr auffällig. Sie kennen kein Mittelmass."
"Ich bin Schweizer Trainer." "Eben."
Pause. "Ein Remis hin und wieder wäre gesund. So wie Mittagsschlaf."
"Mittagsschlaf gibt's diese Woche nicht. St. Gallen, Vaduz, YB. Alle an einem Tage." "Ah. Dreifachschicht. Ich schreibe Ihnen was auf."
Vor dem Triple-ZAT beim Meister ist beim Grasshopper offenbar auch das Rezept ausverkauft.
Trainer Nouri starrt auf die Tabelle. Platz 5. Der Meister, drei Punkte hinter Tabellenführer Vaduz, gerade in Sion versenkt. „Wir müssen umschalten," murmelt er. Sein Sohn ruft aus der Küche: „Papa, was machen wir mit der Spülmaschine?" Nouri nickt: „Ja, dreifach Kette gegen Winterthur, hohe Linie." Greift zum Telefon: „Co, ich
hab's. Die Acht fällt zurück, der Sechser presst bis zur Eckfahne."
Pause. „Trainer, das war ein U13-Trainingsspiel. Sie waren gar nicht da."
Nouri legt auf. Auf der Spülmaschine blinkt rot das Licht. „Salzfehler, wie immer," seufzt der Sohn.
Vor dem Heim gegen Winterthur ist beim amtierenden Meister wohl nicht nur der Spülgang gestört.