Moreno Deus, wie ist es, als Altmeister betitelt zu werden?
"Man weiss nie so richtig, ob sich das auf die Vergangenheit bezieht."
Was ist denn mit der Gegenwart?
"Da müssen wir den Titel des Meisters erst noch beweisen."
Die Manning Rangers sind sehr überzeugend in die Saison gestartet.
"Das ist korrekt."
Die Leistung am letzten ZAT war beschämend.
"Das ist ebenfalls korrekt."
Was ist Ihre Erklärung?
"Andere Teams kommen mit modernen Konzepten wie 'radikal taktischer Minimalismus', 'Teambuilding', 'Urlaubszug'. Wir besuchen das 'Spotz'. Da müssen wir schon analysieren, ob wir mit der Zeit gehen wollen."
Wie immer?
Dann wird er vielleicht verstehen, was es heisst, ein Neuling zu sein und nüchtern analysieren.
Wie fubinio?
Dann würde er nicht auf dessen stocknüchternen Analysen eingehen, und selber auf die Tabelle schauen.
Wie eine Banane?
Dann würde er sicher auf einen Ausrutscher hoffen. Die Frage ist nur, von wem?"
Moreno Deus lässt sich nicht aus der Reserve locken. "Solche Fragen lassen mich kalt. Wir wissen schon, warum wir dort stehen, wo wir sind. Wir werden auch zeigen, dass wir dort hin gehören."
Die einen sehen ein Kunstwerk beim Betrachten der Tabelle, die anderen beim Anstarren einer Banane. Moreno Deus hingegen sieht selten eins. "Dafür bin ich zu nüchtern. Oder zu betrunken. Je nachdem." Sein Blick auf die Tabelle jedoch dürfte kaum getrübt sein, oder? "Je nachdem," antwortet der Kubaner. Je nach was? "Wenn man Pepekes Rezepte nachkocht oder über die BerndW3sche Doppelzugabgabe nachdenkt, wird einem schon trübe," erklärt Moreno Deus. "Schliesslich kommen noch Zeiten, an denen wir gleich viele Heimspiele ausgeführt haben werden wie die anderen auch."
Die Frage ist nur mit was? Offensichtlich mit der Tabellenspitze. Das ist aber nur metaphorisch. Der kubanische Hedonist steht aber auf Handfestes. Und da gibt es in Südafrika aktuell nur etwas: Bananen. "Aus Bananen kann man nicht nur Bier und Lumumbas machen. Bananen sind ja hier auch ein Symbol der Zuständigkeit und mit Schokolade sind sie besonders beliebt. Zu klären gilt aber einerseits, ob sie sich gut mit Mescal und Kaoliang vertragen und ob sie der Santa in seinem Sack hat." Auf alle Fälle ist auch Kulinariker Deus auf den Geschmack gekommen und tüftelt an Rezepten mit dem gewissen Etwas.
Gut möglich, dass es diese Schlagzeile schon einmal gab: Vor bald siebzehn Jahren verpflichteten die Manning Rangers Moreno Deus. Dekoriert mit mehreren Meistertiteln im Sudan und internationaler Titelträger mit Al-Hilal Hasahisa (Trophäe leider vergraben in den Archiven des dunklen Zeitalters) galt der Kubaner bereits als einer der besten Trainer Afrikas. Fünfzehn Saisons lang führte er die Rangers zu Erfolgen: Aufstieg in der ersten Saison, darauf sofort Meister, im Laufe der Jahre folgten drei Vize- und ein Meistertitel, packende internationale Kampagnen mit einem Gewinn des Confederation Cups und zum Abschluss noch einmal ein Aufstieg, in seiner bisher letzten Saison. Eine Geschichte wie ein Kreis: Moreno Deus kehrt heim. Und es ist klar: Moreno Deus ist einer der
besten Trainer Afrikas. Und deshalb wohl auch ein wenig gekränkt, dass er nicht auf der Liste der bekannten Copa-Persönlichkeiten der Liga gelandet ist. Aber er kennt ja das Niveau in Südafrika.
In der vergangenen Saison ist auch er wieder aufgetaucht, ausgerechnet in Tunesien. Mit AS-Marsa, einem relativ belanglosen Verein (1 Titel) aber immerhin dem vermutlich lustigsten Wappen Afrikas, legte er einen geradewegs peinlichen Punkteschnitt hin: Nicht nur der vielleicht niedrigste des Kontinents, sondern auch mit Abstand der schlechteste seiner langen Karriere. Aber an der Copa-WM agierte er brillant und stand nach einem spektakulären Turnier als Teil des Duo Doppel-D im Finale. Da stellt sich die Frage: Wie gut ist Moreno Deus noch? Es gilt nach wie vor: Nil Desperandum!
Unausgeschlafene Arbeitnehmende, Hupkonzerte, Landesflaggen, regelmässige Reisen nach Marokko und Co-Trainer allenthalben. Das kleine Land am Mittelmeer ist im Rausch. Nach der so souveränen wie überraschenden Qualifikation für den Viertelfinal wird man von einigen Schreibenden gar als Favorit gehandelt. Ob es an der cleveren Aussendarstellung des bereits legendären Duo-Doppel-D liegt? An dessen fussballerischen Sachverstand kann es ja nicht liegen.
Die AS Marsa zeigt unter der Interims(!)Leitung vom ehrenwerten cube eher durchzogene Leistungen. Die Tabellenlage ist aussichtslos. "Das ist alles egal," so Moreno Deus. "Ein Abstieg gibt es sowieso nicht. Und im Moment zählt nur ein Ziel: Tunesien soll Weltmeister werden! Dafür sammle ich fleissig kubanische Genusswaren, um alle zu unterstützen, die uns unterstützen. Schreibt in der WM Zeitung! Wir brauchen jedes bisschen TK."
Zur allgemeinen Überraschung hat das infernale Duo Doppel D an der Copa WM mit Tunesien auch noch Favorit und Mitlatino Mexiko rausgefuxt und steht im Halbfinal. Ein gewissenloser Misanthrop, ebenfalls in Tunesien arbeitstätig, wird sich ärgern... Für Tunesien hingegen ist der Himmel die Grenze: "Das Ziel ist und bleibt der Titel," gibt sich Moreno Deus weiterhin optimistisch. "Mit einem Artikel in der WM-Zeitung könnt ihr uns dabei helfen, Tunesien unsterblich zu machen!" Daneben wird auch noch der Confederation Cup ans Mittelmeer kommen. "Gratuliere den Kollegen: Souveräne Leistung," so Deus anerkennend.
Wie so viele andere Vereine in Tunesien (offensichtlich das Land der Nationaltrainer) wird auch die AS Marsa momentan von einem IntimsIntervalls Intelligenz ... von einem anderen Trainer als normalerweise "trainiert": Der göttliche cube steht (manchmal) an der Seitenlinie. Das funktioniert aber scheinbar auch nicht besser: Der Club mit dem besten Wappen Afrikas steht am Tabellenende. Aber das ist alles egal. Schliesslich zählt nur der Weltmeistertitel! Macht's wie cube! Schreibt Artikel in der WM Zeitung und erhaltet Rum und Zigarren!
Konfrontiert mit den Nachrichten aus der Heimat konnten die beiden Nationaltrainer Tunesiens, Don Hernàn und Moreno Deus - mittlerweile als Duo-Doppel-D bekannt -, ihre Emotionen kaum zurückhalten. Der eine hüpfte wild um sich und der andere fing an, Erbsen zu zählen. Braungebrannt und mindestens leicht beschwipst, zieht Moreno Deus an seinem Kubaner. "Bueno, das gute Kraut ist auf dem Weg nach Tunesien. Aus irgend einem Grund habe ich die ominöse Kanutour ja auch unternommen."
Es scheint aber, als müsste das Duo noch länger in Marokko verweilen.
Die Unterstützung aus der Heimat rührt insbesondere den hier tätigen Deus: "Als cube ankündigte, dass er den AS Marsa interimsweise übernehmen würde, fiel mir ein Gewicht von zehn Kamelen von der Schulter. Um Tunesien noch weiter und noch besser zu unterstützen, würden wir uns für Beiträge in der WM-Zeitung mit einer Extraladung kubanischer Genusswaren erkenntlich zeigen."
Die sportliche Talfahrt des AS Marsa geht weiter. Schon wieder wurde man gnadenlos ausgefuchst. Da hat man sich bei der Verpflichtung von Moreno Deus etwas anderes erhofft. "Naja, in einer Liga, in der man über Wursttheken sinniert, habe ich schon etwas anderes erwartet," so der weitgereiste Kubaner. "Und ausserdem arbeite ich ja daran, Tunesien ewigen Ruhm (und Rum) in Form eines Weltmeistertitels zukommen zu lassen. Da muss man Verständnis haben, dass die lokalen Kamele etwas zu kurz kommen können."