Dabei hatte der Tag so gut begonnen: Wie so viele Aussies hatte Rubio Deus mit Erleichterung die neuste DUS aus dem Briefkasten gezogen, bzw. online gelesen. Eine neue Kolumne! Von San Bango! Das konnte nur heissen: Er hatte seine Gesangsübungen abgebrochen. Das ominöse Würfelturnier war ein Erfolg!
Die Erleichterung wich der Freude: Qualitativ hochwertig wie immer! Nostalgie total! "Ich komme aus den Ausrufezeichen gar nicht heraus," so der auch hoppelnd gutaussehende Kubaner begeistert. "Gratuliere allen Awardussen!"
Die Begeisterung wich der Ungläubigkeit: Der OTIS Preis ging an Don Hernàn. "Dieses Urteil ist ein Skandal! Nur weil er dank kompetenter
Mithilfe im WM-Finale stand, denkt Don Hernàn jetzt, er sei ein Hengst," sagt Deus sichtlich aufgebracht. "Und dann wird so ein Verhalten noch mit einem Award belohnt! Die Jury hat wohl den Begriff 'Liftmannschaft' nicht verstanden."
Die Aufgebrachtheit wich dem Offensichtlichen: "Ich bin aufgestiegen, ohne irgendetwas dafür getan zu haben. Das soll mir erst mal einer nachmachen!"
Rubio Deus ist tatsächlich auf bestem Weg, den Titel zurückzuholen. Während andere international brillieren, hat er selbst gegen den ärgsten Widersacher taktisch kläglich versagt. Und der nächste hat schon mit Watschn gedroht. Da hilft nur davonhoppeln.
Die anwesende Chronistendenschar traute ihren Augen kaum: Hobbyphilosoph Rubio Deus fuhr nicht etwa in einem südkoreanischen Kraftwagen vor, sondern wurde von einem lokalen Beuteltier sozusagen vorgehoppelt. Man stelle sich den Anblick vor: Der elegante Kubaner entsteigt dem edlen Transportgurt aus K-Leder und setzt sich gutaussehend wie immer hinter's Mikrofon. "Ich komme eben aus der Anstalt. Dort haben sie mir erzählt, dass San Bango am
Baggersee an seiner Gesangskarriere arbeiten will. Nur mit einem Würfelturnier unter allen A-League-Trainierenden sei er von seinem Vorhaben abzubringen. Da muss ich natürlich mobilisieren!"
Die Wahl seines Transportmittels sei übrigens einerseits eine Huldigung an die lokale Kultur, aber ebenso eine praktisch gelebte Klimaanpassung, ein antikapitalistisches Statement und eine modische Ansage. Der Sport sei schliesslich das Wichtigste.
Und das ist nicht Don-HengstHernàn-mässig metaphorisch gemeint, sondern ganz und gar konkret: Singend pullte sich Rubio Deus aus seinem edlen Transportgurt aus K-Leder. Gutaussehend wie immer, machte er sich hinter dem Mikrofon bereit. "Du hast nie gelernt, dich zu artikulieren...", hörte man ihn artikulieren, bevor er sich an die Presse wandte: "Uns wird eine schwere Saison prophezeit. Aber wenn alles schiefläuft, können wir immerhin den OTIS Preis abstauben. Also was soll schon schieflaufen?"
Was für eine Geschichte: Rubio Deus, der die Bankstown City Lions 26 Saison lang gecoacht hat, landet vergangene Saison bei den falschen Löwen. Doch Mahatma Chrille - ein Ehrenmann der seinem Namen Ehre macht! - führt die richtigen zum Aufstieg und übergibt den Verein an die Legende und mehrfachen OTIS Preisträger.
Da musste sich der Kubaner erstmal orientieren. Manly United ist Meister geworden? Da wusste Deus: Lobanowski - seine Benchmark - war verschwunden. Was tun? Sollte er sich am altehrwürdigen Tom Tailor orientieren,
seinem ewigen Kumpanen in Sydney? Für den Weltfrieden würde auch ein Deus Erfolglosigkeit in Kauf nehmen. Aber sieht es danach aus? fubininio - noch erfolgloser als Deus - will den Rasen kaputt treten. Dr No - mit immerhin zwei Meistertiteln mehr als Deus - spricht von Schiebung. Die neuen reden in Zeichen oder gar nicht. Und da ist San Bango - der geistige Zwilling des so legendären wie streitbaren Serse Cosmi - und bereitet den Fehdehandschuh für Don Hernàn vor, den aufbrausenden Quasi-Schwager von Rubio Deus.
Schon steht der zweitletzte ZAT an, und bei den Preston Lions stellt man sich die Frage: Wie weit nach hinten reicht das noch? "Currys sollte man nicht vergleichen, aber für den Sydney Olympic FC sollte es schon reichen," beruhigt Rubio Deus die Lage mit einer dampfenden Schüssel in der Hand. Also gemäss eigener Prognose immerhin nicht letzter. Allerdings soll der kubanische Übungsleiter in letzter Zeit ein eigenartiges Interesse an fossilen Brennstoffen entwickelt haben. "Willst du warm halten den Reis, so ist Kohle besser als Eis," so seine Erklärung.
Es ist passiert! Kaum ist Rubio Deus aus den Tiefen der indischen Gastronomie wieder aufgetaucht, haben die Preston City Lions ihre ersten Tore unter der Löwenlegende geschossen. Die waren allerdings schlecht getimt: Der Gegner hatte die gleiche Idee. Rubio Deus mischt derweil weiter Fussball und Kulinarik: "Willst du das Curry wirklich geniessen, darfst du auswärts nur gerade schiessen." Wie man sich nicht an alte Weisheiten halten kann, wird der traditionsbewusste Kubaner nie verstehen können.
In Preston kam es zu Protestaktionen, als Rubio Deus zu verstehen gab, dass er nur aus Versehen dort gelandet ist. Verständlich, so eine grosse Nummer hat man dort noch nie an der Seitenlinie stehen gehabt. Nachdem die Fans kubanische Genusswaren zur Spende organisiert hatten, nahm sich Deus vor, seinen Job an der Seitenlinie der (falschen) Löwen Ernst zu nehmen. Das hat auch erstaunlich gut funktioniert: Trotz keinem Tor gab es einen Punkt. Das entlockt selbst dem
Chrille Respektbekundungen.
Weil Rubio Deus erkannt hat, was für gute Arbeit der ehrenwerte Mahatma leistet, hat er ihn inkognito auf seiner Küchenrunde durch Altona begleitet. "Es war eine extrem bereichernde Erfahrung," so der Kubaner. "Allerdings hatte ich schon etwas mehr Offenheit gegenüber Fusion-Cuisine erwartet." Von den angedrohten Stadionprotesten hält er nichts: "Man soll Fussball und Kulinarik nicht vermischen!"
Seitdem Rubio Deus seinen Posten bei den einen Löwen Ernst nimmt, haben diese kein einziges Tor mehr geschossen. Aber immerhin einen Punkt gewonnen. Weil man sich immer noch an der Spitze der Tabelle findet, halten sich die Sorgen in Grenzen. Die Fans überlegen, ob sie protestieren oder kochen sollen. Aber man soll ja Fussball und Kulinarik nicht vermischen.
Rubio Deus hingegen ist seit Tagen nicht mehr an den Trainings erschienen. Weil die Mannschaft aber kaum schlechter performen kann, halten sich auch dort die Sorgen in Grenzen. Über seinen Aufenthaltsort wird demnach kaum spekuliert. Klar ist nur, dass er von seinem kulinarischen Ausflug in indische Richtung bisher nicht zurück gekehrt ist.
Zwar kann Rubio Deus nicht mehr Löwen voneinander unterscheiden oder Weltmeere richtig platzieren. Aber er erkennt einen Ehrenmann, wenn er einen sieht: Dem Gandhi sein Pendant macht seinem Name alle Ehre!
Der Kubaner war sowieso gerührt, ob all den herzlichen Willkommensgrüssen in Down Under. Aber er konnte kaum glauben, dass es nicht seine Bankstown City Lions waren, die da auf Platz 1 der australischen Liga standen. Er hat sich von blinden Agenten schön erpressen lassen. Aber Löwen sind Löwen und Vertrag ist Vertrag. Also braucht der Deus einen Plan... Er könnte ja den berühmtesten aller Inder, ein Weltmeister!, die Arbeit machen lassen. Profitieren werden sowieso die Löwen.