Die schwedische Gazettenlandschaft verharrt weiterhin im kollektiven Sinnieren über das Altern. Dabei genügt ein nüchterner Blick auf die Monitore der Notaufnahme: Diese Liga leidet nicht an Geriatrie, sondern schlicht an schwerstem Hospitalismus.
Von den bisher absolvierten 140 Partien dieser Spielzeit offenbart die pathologische Befundung eine bizarre Monokultur:
1. Platz: Das 1:0-Koma (41 Fälle / 29,3 % aller Spiele)
Fast ein Drittel aller Begegnungen flacht zur absoluten Nulllinie ab. Das Schreckensszenario: Bei 25 dieser 41 Spiele (satte 61 %) war mindestens ein uruguayischer Patenzug beteiligt. Willenlose Hüllen, gefüttert mit fremden Dosen aus Montevideo.
2. Platz: Die 3:0-Sedierung (21 Fälle / 15,0 % aller Spiele)
Der bequeme Dienst nach Vorschrift. Bei 11 dieser 21 Partien (52 %) wirkte der Schlafwandler-Algorithmus aus Südamerika direkt mit.
3. Platz: Die 5:0-Amputation (14 Fälle / 10,0 % aller Spiele)
Klinischer Kahlschlag ohne Gegenwehr. 6
dieser 14 Abreibungen (43 %) entstammen Duellen mit uruguayischem Pateneinfluss.
Zusammengefasst: Diese drei monotonen Muster ersticken bereits 54,3 % aller Ligaspiele (76 von 140 Begegnungen). Und von genau diesen Partien standen verheerende 55,3 % (42 Fälle) unter direkter Beatmung aus Uruguay. Mehr als die Hälfte der gesamten Liga agiert nicht selbst, sondern lässt sich schlicht fremdverwalten.
Selbst der scheinbare Vulkanausbruch an Spieltag 20, das bizarre 6:6 zwischen AIK Solna und Kalmar FF, entsprang keinem wachen Verstand. Solna agierte auch hier als willenloser Zombie, gelenkt von der uruguayischen Patenhand.
Echtes Leben pulsierte einzig wieder mal bei uns: Bei Åtvidabergs FF haben wir zwei epische 4:4-Schlachten nacheinander auf fremdem Rasen geschlagen. Gegen denkende, menschliche Trainer.
Wir verpulvern unsere Reserven für das Spektakel statt für den Ruhestand. Die Nulllinie kann man schließlich auch bereits vor Spieltag 26 erreichen, ganz ohne Unterstützung aus Uruguay.
Man liest in diesen Tagen viel Schönes in der schwedischen Fachpresse, oder genauer gesagt: Larmoyanz. Es wird tiefschürfend über Reformstaus doziert und die beruhigende, fast schon philosophische Wirkung des absoluten Tabellenmittelfelds gepriesen.
Ein intellektueller Kuschelkurs, den wir hier bei Åtvidabergs FF aus der Ferne durchaus amüsiert, aber unbeteiligt beobachten.
Für derart entspannte Langzeitdiagnosen fehlt uns schlichtweg der Ruhepuls. Wir praktizieren aktuell stattdessen die reinste Form der sportlichen Notfallmedizin.
Unser jüngstes 4:4-Spektakel gegen Djurgårdens IF liefert dafür die perfekte Krankenakte. Defensive Brandrodung, ein offener Schlagabtausch und ein Puls auf der Trainerbank, der den Monitor bedenklich flackern
lässt.
Wer sich im grauen Einheitsbrei wohlfühlt, mag das als leichtsinnig abtun. Wir nennen es die erfolgreiche Reanimation eines Fußballspiels.
Um der naheliegenden Diagnose direkt vorzugreifen: Ja, ich verpulvere bewusst sämtliche noch vorhandenen TK-Reserven. Das ist eine kühle, berechnende Therapie im medizinischen Sanatorium der Allsvenskan.
Denn für mich ist klar und da rede ich mir prophylaktisch schon mal meine Saison schön: Wer im oberen Drittel unerwartet mitoperiert, schont sein Inventar nicht. Er verheizt es mit Stil und denkt nicht an das Alter ... ich meine natürlich: an den Rest der Saison.
Überlassen wir das theoretische Sinnieren über die Zukunft also getrost den Kollegen. Wir holen uns den maximalen Adrenalinschub im Hier und Jetzt.
Große Debatte im schwedischen Altenheim: Wer klaut wem die Überschrift, wer hat Demenz und wer backt den besten Apfelkuchen.
Während die Herren Pacult und fubini im Feuilleton noch klären, ob die Liga jenseits der 50 überhaupt noch ohne Zivi antreten darf, werfe ich einen Blick auf das Festgeldkonto der Allsvenskan.
Befund: Kollektive Altersvorsorge.
Man schaue sich diesen TK-Geiz an! Jönköping bunkert knapp 32 TK im Schlafsack, Assyriska hortet über 29 TK unterm Kopfkissen. Jeder Punkt wird mit Sparbuch-Mentalität verwaltet, als gäbe es für ungenutzte Tore am Saisonende eine staatliche
Zusatzrente. Hauptsache, das dicke Polster überlebt bis Spieltag 26.
Und dazwischen Åtvidaberg. Wir mit unseren schmalen 21 TK mittendrin im 27-Punkte-Kuschelkreis auf Rang 5.
Und das Restprogramm liest sich wie die Besuchsliste eines geriatrischen Luxus-Sanatoriums: erst die Kuschelzone, dann ab Spieltag 21 die geballte Vermögensverwaltung von fubini bis Pacult. Wenn ihr euer Festgeld dann endlich auflöst, merkt ihr: Ihr habt vor lauter Altersdiskriminierung und Zinsrechnung vergessen, wie man überhaupt Fußball spielt.
Gut, dass in Schweden die Altersvorsorge eh schon immer auf mehreren Säulen aufgestellt ist.
Große Philosophie in der schwedischen Alles-kann und ich sage: nichts-muss- Orthographie Liga. Kollege loewensteinbloch bezüglich sich selbst oder aber uns allen (?) bilanziert: „ immerhin seinen Namen richtig geschrieben zu haben.“ Nebenan jault der selbst ernannte Höllenkreis-Wächter im Zensurwahn über fehlende Zeichensetzung und Zwei-Zeilen-Artikel.
Ihr Laien durchschaut das Genie dahinter nicht: Wenn bei uns, also mir, rosa Flamingos (Ähnlichkeiten der Tiernamen zu real existierenden
Trainern rein zufällig) durch den Strafraum stolzieren, während die Konkurrenz noch nach dem Duden greift, ist das kein Buchstabendreher.
Es ist die pure, gewollte inhaltliche Zersetzung. Gleichzeitig gilt: Schönschrift ist der letzte Trostpreis für die Bedeutungslosigkeit. Wer nichts gewinnt, klammert sich eben ans Alphabet. Wir löschen Patzer mit unserer erwähnten selektiven Demenz. Pinselt eure Namen weiter fehlerfrei ins Schulheft: Ihr holt euch das Fleißbildchen, wir holen hoffentlich bald wieder mal die Punkte.
Manch wohlgenährter Kollege blickt mir gemütlich von unten hinterher, wie ich ganz vorne in den Wanten hänge, während er mit satten TK seine Altersteilzeit zelebriert und über verbrauchte Rationen doziert. Er hat gut reden: Er sitzt trocken an Deck, während ich mich ganz oben im Rigg verausgabt und mein Pulver verfeuert habe.
Zwei Tore Proviant habe ich jetzt auch noch aus dem Beutel geschüttelt; gereicht hat es für nichts. Zum Ende der Hinrunde klammere ich mich zwar tabellarisch noch auf Platz 3 an die Taue, blicke
aber mit magerem TK in eine gähnend leere Speisekammer.
Und was sieht man von hier oben beim Blick hinab in den schwedischen Keller? Rein gar nichts. Kein Trostpflaster, keine warme Mahlzeit, nur feuchtes Brackwasser und die Gewissheit, dass die Rückrunde ein eisiger Tanz wird.
Aber keine Sorge: Dieser Artikel hat natürlich nur bedingt mit der Allsvenskan zu tun. Reine Schutzbehauptung. Jede Ähnlichkeit mit ausgehungerten Kletterern im Sturm und wohlversorgten Beobachtern an Bord wäre schließlich rein zufällig.
Dass Flammenzio mir beipflichtet, dass Paten eine Plage sind ein wunderlicher Burgfrieden! Eigentlich hasse ich tote Geisterzüge auch weiter, eine Liga braucht schließlich Leben. Doch diesmal war der Pate mein persönliches Glück, also verfallen ich gerne der Demenz, weiß er doch gar nicht, wer ich bin oder dass ich da oben mit mickriger TK in den Rest der Saison stolpere, und überlässt mir blind das 1:0 für drei dreckige Heimpunkte.
Noch genialer ist die Altersdemenz der Konkurrenz: Diskutiert bitte eifrig weiter über Pflegestufe 2, Rheumasalbe und
Bio-Vital-Plus. Je tiefer ihr im Rollator-Stau feststeckt, desto sicherer vergesst ihr glatt, wer auf Platz 1 steht. Haltet Åtvidaberg ruhig für einen Rechenfehler der Rentenkasse oder für einen weiteren Tippfehler von mir solange ihr mich da oben schlicht überseht.
Apropos vergessen: Was mache ich hier eigentlich genau? Ich wollte doch immer bur kurz die Aufstellung abgeben, habe mich auf dem Weg zur Trainerbank heillos verlaufen und stehe jetzt plötzlich mit 24 Punkten an der Tabellenspitze. Kollegen, wo ist mein TK? Egal, solange keiner nachfragt, bleibe ich einfach auf dem Thron sitzen.
Kaum führt man das Tableau an, verwandelt sich die Allsvenskan endgültig in eine schwedische Senioren-Residenz. Da wird nicht mehr über Spielzüge debattiert, sondern über Aktivrenten und Altersteilzeit.
Insbesondere Kollege fubini sitzt beleidigt am Vätternsee und bietet ganz uneigennützig an, seine Meinung über die Ligajugend gegen bare Münze per PayPal Friends zu revidieren. Mein Geldbeutel bleibt zu, deine Meinung ist nach meinem unfreundlichen Besuch diese Woche wohl ohnehin klar. Bitte nicht persönlich nehmen.
Zeitgleich bucht Kollege Flammengio in Göteborg Volkshochschul-Lesekurse für mich, weil ich sein Ergebnis angeblich falsch entziffert hätte. Herrje, Flammengio. Wenn Göteborg spielt, verschwimmen bei dieser Rasenschach-Tristesse nun mal die Ziffern vor den Augen. Bitte persönlich nehmen. Vielleicht. Aber nur als freundliches leise
Entschuldigung.
Denn bei Åtvidabergs FF brauchen wir normalerweise weder Gefühle noch Mitleid. Wenn, ja wenn da nicht das unerträgliche Drama auf eigenem Rasen wäre. Eine zutiefst peinliche 1:2-Heimpleite gegen einen seelenlosen Patenzug! Man rackert sich gegen echte Trainer ab, filetiert und missbuchstabiert Kollegen nach Strich und Faden, und dann stolpert man über eine gefühllose Kopie einer Logik. Wie bitter kann ein Spieltag bitte sein?
Aber auch noch mehr an alle: Wie schön ist Schweden? Bitte persönlich sehen. Denn das Absurdeste an dieser Liga? Trotz dieses Patenzug-Traumas thronen wir mit 21 Punkten und satten sechs Zählern Vorsprung über dem Rest der geriatrischen Abteilung. Behaltet aber eure PayPal-Bestechungsversuche und schickt mir lieber Taschentücher für den wohl nicht letzten Paten-Schmerz und Tabellenrückzugsmodus. Ich werd es nicht persönlich nehmen. Vielleicht.
Kaum meldet man in der Allsvenskan ein paar bescheidene Rechtschreib-Patente an, bricht im schwedischen Blätterwald die helle Panik aus! Da wird wild spekuliert, falsch buchstabiert und die eigene Ratlosigkeit hinter kruden Verschwörungstheorien versteckt. Das Patentamt Åtvidabergs FF nimmt zur aktuellen Aktenlage wie folgt Stellung:
Der Göteborger Spionage-Wahn: Kollege Flammencio (oder Flammenzeo? Flammengio? Die Schreibweisen-Patentprüfung läuft noch) witterte Spione im småländischen Unterholz und fragte ängstlich: „Original oder Kopie?“ Die Realität hat das Gerücht pulverisiert: Während Göteborg mit müden 5:0-0:5 Schiebereien auf Rang 5 festhängt, diktieren wir fehlerfrei von Platz 1. Wer abschreiben will, muss eben auch das Tempo halten können!
Der meteorologische Katzenjammer: Kollege fubinini philosophierte
derweil am Jönköping-Ufer über die vier Jahreszeiten. Kaum ausgesprochen, fegte der Herbststurm durch sein eigenes Wohnzimmer: Während wir Gefle IF mit 1:0 minimalistisch bezwangen, fing sich fubini von ebenjenem Gefle eine saftige 0:4-Klatsche ein!
Befund der jüngsten Reifeprüfung auf dem Platz (ZAT 4): 1:0-Arbeitssieg gegen Gefle, 4:3-Gala bei Umeå FC – mit 18 Punkten und 17:9 Toren steht die Grammatik des Erfolgs wie eine Eins. Und das Beste: Nächste Woche dürfen wir zur Korrekturstunde direkt bei fubinini in Jönköping antreten!
Fazit & Rechtschreib-Hinweis:
Ob Original, Kopie oder der Buchstabendreher: Auf dem Rasen zählt keine Ausrede, sondern nur die nackte Tor-Grammatik. Solange Åtvidabergs FF die Punkte fehlerfrei eintütet, dürft ihr unseren Stil gerne weiter kopieren. Diktat beendet. Rote Tinte nachfüllen
Nach 13 Jahren Abstinenz dämmert es doch: Die Liebe zu Schweden ist eine verdammt komplizierte Angelegenheit. Man kommt mit offenen Armen zurück, schenkt der Liga feinsten Angriffsfußball – und Flemmencio mäkelt beleidigt an meiner Rechtschreibung herum, weil ihm das 2:4-Lehrstück aus vergangener Woche natürlich und völlig zu Recht (!) noch quer im Magen liegt!
Verzeihung, mein Bester! Ob nun Fiemmenclo, Flamenco oder Flemmencio: Wenn der Autopilot namens „Pate“ bald irgendwo und irgendwann wieder in
unsere Liga (leider!) mit maschineller Grausamkeit zuschlägt, und womöglich genau bei dir, fragt am Ende auch kein Duden nach den Toren. Sei also froh, dass wenigstens ich es da war mit zumindest aktuell gemäß Tabellensituation, so frei bin ich mal, dem verbrieften Recht auf solche Dinge.
Oder anders: Ein paar Grammatikfehler hier, ein paar eiskalte Patent-Punkte da, und schon thront Åtvidabergs FF als Tabellenführer eiskalt auf Platz 1! Wer braucht da schon fehlerfreie Orthografie, wenn die Tabelle so wunderschön glänzt?
Da analysiert man die Tabelle und realisiert: Die schwedische Allsvenskan ist eben kein gewöhnlicher Zirkus. Während fubinio in aller Gelehrsamkeit über Mini-Bierdosen philosophiert, Fiemmenclo das ungewöhnlich verhaltene Verhalten der Liga beklagt und claudino schon vor längerem die Aufstockung auf 14 Teams analysiert, bleibt der Rest der Zeitung fast schon gespenstisch leer. Zu wenig Artikel? Zu viel Schweigen? Von wegen. Die Liga sortiert sich gerade selbst und zwar mit eiskalter
Präzision.
Ein paar verwaiste Trainerbänke, ein paar blaue Patentzug-Punkte auf dem Zettel, und schon ballert es für Åtvidabergs ein 0:2 hier und ein wildes 4:2 gegen Fiemmenclo da. Wer braucht schon endlose Pressekonferenzen und menschliches Zaudern, wenn der Autopilot die Spiele mit maschineller Härte veredelt? Genau diese nüchterne Kälte nimmt jeder Ausrede den Wind aus den Segeln und hebt das Niveau erst richtig an. Weniger Gelaber, mehr Fußball. So darf es (nicht) weitergehen!