Es gab mal einen Fernsehsender, der hielt es für schlau, mit dem Slogan "mittendrin statt nur dabei" Werbung zu machen. Dieser Slogan gilt nun auch für GAIS, allerdings ist es höchst zweifelhaft, ob dies ein erstrebenswerter Zustand ist: Schließlich gilt er vor allem in Bezug auf das graue Mittelfeld der Tabelle. Dort hat sich der Ex-Meister bis auf weiteres eingenistet, und die Mannschaft macht keine Anstalten, daran etwas zu ändern. Vielleicht braucht es ja einfach nur ein bisschen mehr Druck seitens der Schmierpresse - und damit fangen wir jetzt an: Arsch hoch und rennen, ihr Versager!
Neulich in der Dorfdisco von Jonköping: ein mittelmäßig gut aussehender Einheimischer mit einem Faible für langweiligen Fußball hüpft taktvergessen über den bierversifften Linoleumboden der Tanzfläche. Da wird auf der Leinwand das Konterfei des wohl größten Fußballtrainers Schwedens angezeigt . Die Damen kreischen und bewerfen die Leinwand mit Unterwäsche. Die Herren recken stolz ihre GAIS-Fanschals in die Höhe (die einmal JIF-Schals waren, die aber über die Jahre überklebt und neu beschriftet wurden. Und Fubinini beginnt zu leuchten wie ein havariertes Atomkraftwerk. Gefährlich? Weit gefehlt. Da ist lediglich einer unter der Schwarzlichtlampe vor Neid erblasst.
Vor wenigen Tagen, in einer stürmischen Nacht, geschah im Stadion von Göteborgs AIS Unfassbares: Eine Herde offensichtlich schwer alkoholisierter Elche brach durch ein Seitentor ein und verwandelte den heiligen Rasen in ein chaotisches Schlachtfeld. Mit schwankenden Schritten, wildem Geweih-Schwingen und lautem Röhren stolperten sie über Werbebanden, zertrampelten Ersatzbänke und lieferten sich scheinbar sogar kurze „Sprints“, die eher an Slalomläufe erinnerten. Leere Bierdosen klirrten über den Beton, während ein besonders übermütiger Elch versuchte, einen Eckfahnenpfosten zu besteigen.
Die alarmierte Polizei rückte mit mehreren Einsatzwagen an und
brauchte erhebliche Mühe, die randalierende Gruppe unter Kontrolle zu bringen. Erst nach und nach ließ sich das Chaos beruhigen. Doch dann die überraschende Wendung: Der Leitelch, größer, lauter und auffällig zielstrebig, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als verkleideter Mensch.
Unter dem Fell kam niemand Geringerer als Dr. P. Pacult zum Vorschein.
Sichtlich zerzaust, aber keineswegs reumütig, wurde er abgeführt und verbrachte die Nacht im Gewahrsam. Der Verein kündigte bereits an, ihm die Kosten für Reinigung und Reparaturen in Rechnung zu stellen – eine Summe, die wohl selbst für einen „Leitelch“ schwer zu verdauen sein dürfte.
Eine juristische Feinheit beschäftigt die Göteborger Elite in diesen Tagen über alle Maßen: Kann man einen bereits abgeschriebenen Meistertitel noch beanspruchen, ihn also gewissermaßen wiedcer zuschreiben? Oder muss man sich an das geschriebene Wort halten und einem anderen den Vortritt lassen? Oder gibt es vielleicht gar keine klare Regelung, sondern man hat sich an ein „ungeschriebenes Gesetz“ in Form eines
Gentlemen’s Agreement zu halten? Und wenn ja, gilt das auch, wenn Hunde an der Meisterfindung beteiligt sind? Lange Rede, kurze Antwort: Man weiß es nicht, die Lage ist unklar. Vermutlich wird wieder einmal die Zeit zeigen müssen, wer neuer schwedischer Meister wird. Klar ist in dieser unübersichtlichen Lage nur eines: Der Maulwurf wird es nicht, und – hört, hört! – auch der moppelige Dr. Pacult wird es nicht!
Zwei Spiele, zwei Pleiten. Logische Folge: GAIS grüßt vom Tabellenende. Autsch! Das war nicht der Start nach Maß, den Trainerlegende Markert vor dem Wiederbeginn von Copa Mundial nach langen 11,5 Jahren ausgegeben hatte. Das war sogar richtiggehend schlecht, wenn man die Pfiffe der enttäuschten Fans zum Maßstab nimmt. Aber gut Ding will eben Weile haben. Am Wochenende wird ein neuer Anlauf genommen, und spätestens dann sollte der erste Saisonsieg unter Dach und Fach sein. Am besten sogar gleich zwei von der Sorte. Sonst kann das Fußballwetter in Schweden ganz schnell ungemütlich werden.
Trotz einer erfolgreichen Woche ist die Titelverteidigung in Göteborg engültig zu den Akten gelegt worden, es geht nun nur noch darum, einen Startplatz für einen internationalen Wettbewerb zu sichern. Meister könnte erstmals der hündische Mathematiker aus Jonköping werden - es sei ihm gegönnt, er hat lange genug warten müssen. Aber auch da sind noch längst nicht alle Messen gelegen, auch Kalmar und die Mannschaft von Dr. Doppel-P haben noch intakte Chancen. Der Schlossherr kann sich also, mangels echter Ziele, ganz entspannt zurücklehnen und auf Platz fünf hoffen - auch ein netter Platz, um im baldigen Winter das Polarlicht zu bewundern. Auch wenn man dazu höchstwahrscheinlich ein paar Stunden gen Norden fahren muss.
Ganz Schweden ist entsetzt: Die große internationale Hoffnung, der amtierende Meister aus Göteborg, hat das Champions-League-Halbfinale, den größten internationalen Erfolg der Vereinsgeschichte, kampflos abgeschenkt. Was war passiert? Eine Spurensuche: Trainersuperstar Markert, Schlossherr und Frauenheld, entschloss sich, einer spontanen Eingebung folgend, das Land gen Süden zu verlassen und einige Wochen durch die Wüste zu cruisen. Co-Trainer Urs Laubszug hatte klare Anweisungen bekommen, um das Team in der Liga und im CL-Viertelfinale in der Erfolgsspur zu halten. Doch dummerweise war der mögliche Halbfinalgegner noch nicht bekannt, so dass Markert keine Strategie
für den Fall des Weiterkommens im Viertelfinale an seinen Assistenten weiterreichen konnte. Durch die schlechte Netzabdeckung in der weiten Wüste war ein späteres Nachreichen der taktischen Vorgaben leider auch nicht möglich, so dass der Co-Trainer selbst entscheiden musste, wie vorzugehen war. Völlig allein auf weiter Flur erwies Laubszug sich als überfordert, so dass der FC Sion leichtes Spiel hatte. Nun ist Markert zurück, zu spät, um noch die Kohlen aus dem Feuer zu holen. "Liebe Schweden, liebste Schwedinnen, ich bitte euch um Verzeihung, dass wir eure Hoffnungen so schnöde enttäuscht haben. Ich gelobe Besserung und verspreche euch goldene Zeiten!"
Was der Fubini kann, kann der Markert schon lange. Nein, die Rede ist (diesmal) nicht vom Reiten, sondern vom TK ergaunern. Mit einem ganz miesen Zeitungsartikel. Und wenn man genau ist, ist der Artikel vom Markert noch viel mieser als der vom Fubini. Aber andererseits hat der geneigte Leser natürlich nichts anderes erwartet. Also sollte sich die Enttäuschung in Grenzen halten.
PS: Lieber Leser, sollten Sie dennoch enttäuscht/wütend/traurig sein, richten Sie ihren Protestbrief bitte an:
Göteborgs AIS hat endlich den zweiten Meistertitel gewonnen, im wohl dramatischsten Titelrennen der besten Liga Europas musste die Tordifferenz entscheiden - nicht nur zwischen zwei, sondern gleich zwischen drei Teams! Glücklicherweise hatten die Makrillarna hier die Nase vorn, so dass man nun die Krone Schwedens trägt. Bis zum "Tre Kronor"-Status ist aber noch ein Titel zu gewinnen, so dass man diesmal bereits frühzeitig mit Punktesammeln angefangen und den ersten Auswärtssieg der Saison eingetütet hat. Sorry, Wendy, aber Erfolg macht nun einmal süchtig. Oder, um die ganze Situation noch einmal für alle Mathematiker (fubini) und Nicht-Mathematiker (Rest der Liga) zusammenzufassen: Bester Trainer + beste Mannschaft = Titelverteidigung!
Man muss es einfach mal so klar zur Sprache bringen: Die Schließung der Superettan war ein schwerer Fehler. Statt eines spannenden Auf- und Abstiegskampfes sowie eines packenden Endspurts um die Meisterschaft ist ersteres komplett Geschichte und letzteres durch die vielen trainerlosen Teams am Tabellenende zu einer Lotterie verkommen. So kann man eine Liga auch mit Ansage unattraktiv machen! Warnende Stimmen aus der schwedischen Trainerschaft
wurden ignoriert, eine Umfrage bewusst zu einem Zeitpunkt mit minimaler Wahlbeteiligung angesetzt. Und jetzt - fühlt sich niemand mehr für das Schweden-Desaster verantwortlich. Früher oder später werden die Trainer in Schweden ihre Konsequenzen daraus ziehen. Und mindestens einer der Mitspieler vor Ort wird dann nicht den Verein wechseln, sondern Copa-Europa komplett sich selbst überlassen. Wohlgemerkt: Mindestens einer!