Letzter Doppel-Spieltag, Alianza mit dem Rücken zur Wand, auf einem Abstiegsplatz. Wann, wenn nicht jetzt, sollte sie noch einmal aufblitzen, die Genialität von Trainerlegende Markert, der das gesamte Jahr bis hierher seltsam gehemmt, ja beinahe gealtert gewirkt hatte. 180 Minuten also noch. Und da, was war das!? Ein ganz kurzes Leuchten, aber unfassbar hell. Ein Aufflackern allenfalls, weit entfernt vom Strahlen früherer Tage. Und dennoch: Es reicht. Der Alianza-Express kommt ins Rollen und walzt wie in früheren Tagen einfach über die Gegner hinweg. Gegenwehr:
War sicher erbittert, ist aber selbst mit der Lupe nicht zu erkennen. Am Ende steht Platz sieben. Obere Tabellenhälfte, aber nicht international. Aber auch keine Katastrophe, kein Desaster, kein Offenbarungseid. Stattdessen: Entspannung. Musik. Irgendein hochklassiges Konzert. Live im Stadion. (Nun ja, andere würden Pfeifkonzert dazu sagen). Egal. Saison vorbei. Es kann nur besser werden. Wir gratulieren den Olimpicos zum Titel und nehmen Anlauf für den nächsten großen Erfolg. Einen langen Anlauf - aber eben doch einen Anlauf. Besser als Vollbremsung. ARRIBA ALIANZA!
Es ist schon wieder passiert! Nein, nicht das übliche depressiv-auswanderungssüchtige Waschweibergeschwätz, was der kleine Mann mit Hut mal wieder zu Besten gegeben hat. Viel schlimmer - Alianza hat schon wieder ein Heimspiel vergeigt. Dass man gleichzeitig auswärts einen Sieg holen konnte, relativiert das Desaster auf den ersten Blick ein wenig, aber es bleibt ein Zeichen der Schwäche. M. Power hat jedenfalls eindrucksvoll gezeigt, warum er der amtierende Meister im besten Fußballland der Welt ist. Sein Vorgänger, die großartigste Legende aller Sportarten und Zeiten, muss in diesem Umfeld erstmal wieder kleinere Brötchen backen. Betonung auf "mal wieder"! Bessere Zeiten stehen jedoch unmittelbar bevor. ARRIBA ALIANZA!
Was ist denn da los? Der Schweiger aus La Victoria kann doch noch sprechen? In der Tat - nachdem ihm das ungeschlagene, unverdiente, ungeheuerliche WM-Aus der weltbesten peruanischen Selección vorübergehend sprachlos gemacht hatte, scheint der weltweit einzige Trainer-Gigastar wieder voll da zu sein: „6:1 gegen die Maus gewonnen, den direkten Vergleich für uns gesichtert, da ist die Welt wieder in Ordnung.“ Auf die bissige Anmerkung eines lästerlichen Reporters, das sei doch ewig her, reagierte Florian Markert auf seine Art - mit Schweigen. Zumindest hat Alianza die Abstiegszone verlassen. Für den Titel wird es aber wohl nicht mehr reichen, insofern lässt sich des Trainers Schweigen wohl verstehen.
Die Verunsicherung muss gewaltig gewesen sein, anders lässt es sich wohl kaum erklären, dass aus Limas Fußballmittelpunkt, dem Stadtteil La Victoria, in dem das Estadio Alejandro Villanueva das pochende Herz bildet, auch nach dem Verlassen der Abstiegsplätze keine großspurigen Titelansagen zu vernehmen sind. Im Gegenteil, Alianza konzentriert sich ganz auf sich selbst. Die lange Pause
hat die bekannten Automatismen einrosten lassen, sogar über den Kollegen Speedy Gonzales soll Alianza-Coach Markert in einem schwachen Moment ein paar wertschätzende Sätze verloren haben. Wie konnte das passieren? Die Ultras laufen Sturm gegen die Veröffentlichung, sogar eine Unterlassungsklage steht im Raum. Wir halten uns daher zurück und warten erst einmal ab, wie sich die Dinge entwickeln.
Angespannte Stimmung in Lima? Ja, natürlich war Trainer-Megastar Florian Markert angespannt. Schließlich war seine Mannschaft soeben maximal unglücklich aus der Copa Libertadores ausgeschieden, bei der man das Weiterkommen eigentlich schon für weitgehend sicher gehalten hatte. Und dann auch noch zugunsten des alten Rivalen Defensor Sporting aus Uruguay, was zweifellos doppelt schmerzhaft war. Doch die seltsame Kamikaze-Taktik von Independiente-Coach VivaAndi machte alles zunichte - nicht zuletzt
für VivaAndi selbst, aber eben auch für Alianza. Hätte Markert das mit einer besseren Taktik verhindern können? Nein, selbst bei Kenntnis der gegnerischen Schachzüge wäre kein besseres Resultat möglich gewesen. Also dann, Schwamm drüber. In der heimischen Liga läuft es dagegen plötzlich wie geschmiert. Ein perfekt austarierter Auswärtssieg bei Defensor Villa del Mar, dann ein ausgefuchstes 1:0 gegen die kleine Alianza aus Sullana. Besser geht nicht! ARRIBA ALIANZA!
Begeisterung in Lima! Der absolute Wahnsinn! Nur leider ist es nicht der sportliche Erfolg von Alianza, der zu diesen Worten geführt hat. Stattdessen wurde in einer Nebenstraße im Zentrum der peruanischen Metropole ein Hund dabei gefilmt, wie er Croissants französischer Machart gefaltet, geformt und gebacken hat, die offenbar besser schmeckten als die des Bäckers selbst, Wie sonst wäre es zu erklären, dass der Hund die selbstgebackenen Croissants offenbar zuerst aufgefressen hatte, bevor er sich über die seines Arbeitgebers hergemacht
hatte. Leider muss der Bäcker nun jedoch auf den eigentlich zu erwartenden Andrang der Instagram-Community auf seine Produkte verzichten. Eine strikte "No Smartphones Policy", bei der Handys an der Tür des Geschäfts abgegeben werden müssen, führte dazu, dass niemand ein Video der Geschehnisse hochladen konnte. Der Hund wurde leider in einem Wutanfall des Bäckers erschlagen, die Bäckerei geschlossen. Wiederholung ist also ausgeschlossen. Somit kann sich das heimische Publikum wieder Wichtigerem zuwenden. Alianza zum Beispiel...
Endlich mal wieder ein Lebenszeichen aus Lima! Die mutige Auswärtstaktik des schwächsten Teams der Liga hatte der zwar legendäre, aber inzwischen offensichtlich etwas aus der Übung gekommene Trainer-Superstar auf Seiten des Rekordmeisters perfekt vorausgesehen. Dennoch hängt Alianza weiterhin auf den Abstiegsrängen fest. Zweifel am besten Trainer der Copa-Geschichte keimen zwar noch keine auf (sie sind in Lima
ohnehin bei Strafe verboten!), aber die Geduld der Fans mit ihrer Mannschaft wirkt ein wenig strapaziert. Nach dem frühen 0:3-Rückstand gegen Deportivo Municipal hallten sogar erstmals seit mehr als 13 Jahren wieder Pfiffe durch das Estadio Alejandro Villanueva - die dann aber schnell verstummten, als Alianza das Spiel drehte und triumphal vom Feld stolzierte. Und schon klang es wieder durch weite Rund: „ARRIBA ALIANZA!“
Es ist wieder einmal die alte Leier: Wer zu hoch fliegt, der stürzt irgendwann ab. Ob nun die (kleine, alte, vergilbte) Legende Ikarus oder die (große, leuchtende, herrliche) Legende Florian Markert, am Ende kommen sie doch alle wieder zurück auf den Boden der Tatsachen. Dabei ist es doch ganz einfach: Meister Lampe weiß zwar nicht, wie man einen Akzent korrekt setzt, aber
dafür weiß er ganz genau, wann man Akzente setzt - nämlich dann, wenn man damit maximalen Schaden beim Gegner verursacht. Und der Schaden - nun ja, der ist jetzt angerichtet. Nur gut, dass am Wochenende mit Speedy Gonzales erstmal ein klassischer Aufbaugegner nach Lima kommt. Noch so einen gewieften Fuchs... ähh, Hasen, hätte man jetzt wirklich nicht gebrauchen können.
4204 Tage. 100.896 Stunden. Eine Ewigkeit schon liegt die Welt unter einem Schleier aus Dunkelheit und Sinnlosigkeit begraben. Die Hoffnung ist längst einem stumpfen Weiterleben ohne tiefere Bedeutung gewichen. Aus Menschen sind Zombies geworden.
Bis zu diesem Tag: Wir schreiben den 18. April 2026, als an einem etwas verstaubten, jahrelange kaum noch gewürdigten Bauwerk in Lateinamerika plötzlich das Licht angeht – im Estadio Alejandro Villanueva, dem historischen Herz des globalen Fußballs, mitten in Lima. Alianza Lima schaltet das Flutlicht endlich wieder an, um nach 11,5 Jahren erstmals wieder ein Pflichtspiel zu bestreiten, und mit Florian Markert steht seine Legendarität höchstpersönlich an der Seitenlinie! Und plötzlich
beginnt sich der Schleier zu legen, die Sonne geht wieder auf. Zuerst über Lima, dann auch über der ganzen Welt.
Das Stadion ist natürlich ausverkauft bis auf den letzten Platz, die Fans sind bester Laune. Und dann der Anpfiff... Dass der Gegner, Olímpico Somos Perú, nicht mithalten konnte, war letztlich erwartungsgemäß, und auch die Höhe des Sieges mit 5:1 keine Überraschung. Spätestens beim Interview des Trainers nach Spielende waren auch die letzten Fans wieder auf Ballhöhe. „Die geringste Arroganz ist die größte Arroganz, hat mal jemand gesagt. Wenn dem so sein sollte, gibt es wohl keinen weniger arroganten Menschen als mich“, gab Markert zu Protokoll und marschierte grinsend in die Kabine.
Gut Ding will Weile haben. Und in Peru ganz besonders, in diesem Fall aber noch ein bißchen mehr. Keine Frage, wovon hier die Rede ist: Es hat sage und schreibe 40 Saisons gedauert, aber letzten Ende ist es doch noch geglückt – Alianza Lima ist es erstmals in der Vereinsgeschichte gelungen, den Meistertitel zu verteidigen. Mit diesem Erfolg übernimmt der Club (gemeinsam mit seinem Trainer, dem „ewigen“ Florian Markert) neben der Spitze der Trainer-Hall-of-Fame auch die Führung in der Vereins-Hall-of-Fame und wird so endlich zur unumstrittenen Nummer eins der Copa-Welt.
Bei aller Freude bleibt dennoch ein Wermutstropfen: Die Markert’sche Lobbyarbeit hat einen schweren Rückschlag erlitten, die Segunda División wurde trotz aller Bemühungen um den Fortbestand geschlossen. Lediglich die völlig kontraproduktive Aufstockung der Primera División konnte mit viel Mühe noch knapp verhindert werden. Zudem musste sich die Liga von Domingo Zhait Raez, der sein Amt ersatzlos niedergelegt hat und sich lieber mit venezolanischen Bordsteinschwalben vom Schlag „Ex-Miss World von 2011“ statt mit seiner stark abstiegsgefährdeten Mannschaft vergnügt. Es sei ihm gegönnt, doch beinahe ebenso schwer
wiegt der Aufstieg eines trainerlosen Zweitligisten anstelle von Alcides Vigo oder Real Academia. Der geschätzte Kollege Hosef Hickersberger hat sich für Dauerkiffen unter der jamaikanischen Sonne entschieden, während der ehemalige Kolumnist und Dauerzweitligist Butters nach wie vor auf seinem nunmehr ligalosen Posten verharrt und auf den Aufstieg am grünen Tisch hofft – ein Thema, dass übrigens auch Markert als Ligaverantwortlicher noch einmal aufs Tapet gebracht hat. Nun muss das Copa-Team entscheiden, wie es mit einem der prominentesten Misserfolgsgaranten des südamerikanischen Fußballs weitergeht. Aber ein Peru ohne Butters wäre sicherlich ein weiterer Rückschlag für das von Skandalen gebeutelte Copa.
Zum Schluss wollen wir aber auch eine weitere gute Nachricht nicht für uns behalten, sondern mit ausgebreiteten Armen unter die Leute bringen: Mit Udo Röbenack, Frank Dill und Speedy Gonzales haben es drei ruhmreiche Copa-Urgesteine wieder zurück in die uns so bekannte Welt geschafft – letzterer ist sogar dreimaliger Meister in Peru, auch wenn man das eigentlich gar nicht erwähnen müssen sollte. Willkommen zurück, und auf ein baldiges Wiedersehen beim internationalen Klingenkreuzen!