Zwolle ist wieder auf dem ersten Platz und hat die Geistermannschaft von Feyenoord Rotterdam verdrängt. Anders Quälixson, der alte Grummelbart, ist also zufrieden mit dem letzten ZAT. Allerdings ist nach dem ZAT, vor dem ZAT und kommenden Freitag steht das Heimspiel gegen den antierdenden Meister aus Arnheim an, der sich auf Platz 3 in Lauerstellung befindet. „Wir müssen dieses Spiel unbedingt gewinnen, um sie auf Abstand zu halten.“
Allerdings ist das
zweite Spiel, dass, was Anders wesentlich mehr Kopfzerbrechen bereitet. Zuhause gegen Alkmaar, trainerlos, also Patenzug, aber die Patenmannschaft spielt gegen eine trainerlose Mannschaft und so ist Anders völlig verwirrt, was er hier an Taktik vorgeben soll.
Und dann noch das Auswärtsspiel gegen Ajax Amsterdam. Eine der wenigen Mannschaften in Holland, mit Trainer. Die schießen zuhause regelmäßig drei Tore. Vier Auswärtstreffer werden nicht einfach.
Die holländische Liga ist tot. Der Blätterwald zum Erliegen gekommen. Der Liga droht beim FC Utrecht die nächste Trainerentlassung und damit der vierte Geisterverein, bei nur 10 Mannschaften.
„Bert, wir können hier bald die Vorhänge zumachen, die die Holländer sowieso nie vor ihren Fenstern haben.“ Der alte Coach wirkt noch etwas angeschlagen von seiner Geburtstagsfeier am Wochenende.
„Bert, was hilft es mir, wenn hier der Alkohol so billig ist, aber ich mit niemandem gemeinsam trinken
kann. In Holland wird man zum einsamen Alkoholiker.“ Bert schaut seinen Chef an und weiß nicht, was er antworten soll.
„Bert, wir müssen uns neue Ziele suchen. Am Wochenende fahren wir nach Finnland in der Europa League. Vielleicht können sie ja dort einen alten Schweden gebrauchen?“
Ein Blick auf die Tabelle zeigt aber auch dort ein ähnliches Problem. Der Nachwuchs fehlt.
„Bert auch Finnland ruft uns nicht. Dann konzentrieren wir uns halt doch noch einmal auf Holland.“
Ein Geisterteam an der Tabellenspitze und das durch einen 1 – 2 Auswärtssieg bei Zwolle. Anders Quälixson kocht vor Wut. Die Porn Star Martini Vorräte neigen sich dem Ende und der Grummelbart sitzt nicht mehr entspannt auf seiner Terrasse, sondern tigert wie ein wildes Tier von einer Seite zur anderen und das so schwungvoll, dass man am Ende der Terrasse immer Angst haben muss, dass er in die Gracht fällt.
„Bert, das ist unfassbar. Wir verlieren gegen
dieses Geisterteam und dann ziehen die auch noch an uns vorbei. Wir brauchen einen Plan für die Zurückeroberung der Tabellenspitze. „
„Coach, wir spielen zweimal Auswärts. Wir haben keine Change zurück an die Spitze zu kehren. Bei AZ Alkmar einem weiteren Geisterteam und beim amtierenden Meister.“
„Bert, wir feuern aus allen Rohren. Man hätte mich nicht reizen sollen!“
Der Blick auf die Tabelle macht Anders stolz. Immer noch an der Spitze der Liga. Die Gracht plätschert an seinem Haus vorbei, die Sonne scheint auf seine Terrasse und der Porn Star Martini sitzt locker in der Hand. Und auch international läuft es bei dem alten Grummelbart. In der Europa League steht man nach 2 Siegen in der KO-Runde.
„Bert, wir müssen aufpassen, dass uns der Erfolg nicht überheblich werden lässt. Hol die Medizinbälle raus und lass die Spieler richtig schwitzen.“ Anders nimmt einen tiefen
Schluck.
„Was steht als nächstes an?“
„Zwei Auswärtsspiele, Coach. Gegen Tilburg und gegen Sparta. Sparta ist ein Geisterteam ohne Trainer und Tilburg wird von pierluigicollina trainiert. Die sind Sechster. Und zuhause müssen wir gegen Feyenoord ran, auch ein Geisterteam.“
„Na hoffentlich heißt es nach dem Spieltag nicht, die Geister, die ich rief, haben uns überrollt. Bert! Attacke! Ich will nicht am Samstag aufwachen und wir sind eingebrochen. Weiter Vollgas ist angesagt!“
Wie jeden Montagmorgen sitzt Anders Quälixson, der alte Grummelbart, auf seiner Terrasse an der Gracht von Zwolle. Wie jeden Montagmorgen beginnt er den Tag mit einem Porn Star Martini und dieses Mal genießt er ihn besonders.
Zwei knappe Heimsiege, unter anderem gegen den amtierenden Meister aus Arnheim und ein unglückliches 1 – 1 gegen Ajax, die sich doch entschlossen haben, wieder Tore zu schießen. Eigentlich war man in Zwolle der festen
Überzeugung, die Mannschaft aus Amsterdam im Puff von De Walletjes anzutreffen. Aber Schwamm drüber, trotz allem grüßt man von der Tabellenspitze, wenn auch nur einen Punkt vor Willem II Tilburg.
Kommenden Spieltag stehen wieder drei Spiele an. Wieder zwei Heimspiele und sogar dreimal gegen reale Trainer. Da möchte Anders auf jeden Fall weiter in Feierlaune bleiben und Bert muss für ordentlich Nachschub an Zutaten für den perfekten Porn Star Martini sorgen.
Nach unzähligen Taktikbesprechungen, Videoanalysen und Trainingssessions rief Anders seine Mannschaft zusammen.
Die Stimmung war gut. Die Sonne war raus. Irgendwo zwitscherte wieder dieser Vogel.
„Jungs", rief Anders, die Mannschaft um sich geschart. „Morgen spielen wir gegen den Ersten der Tabelle. Gegen einen Trainer, dessen Name länger ist als unsere Taktikbesprechung."
Gelächter.
„pierluigicolina", murmelte er, den Namen rollend wie ein
schwieriges Wort auf einer Speisekarte, die er nicht bestellen wollte. „Pier-lui-gi-co-li-na."
„Wir sind Dritter. Wir haben Ajax geschlagen. Wir haben Groningen geschlagen. Wir haben gegen Utrecht…" — kurze Pause — „…wertvolle Erkenntnisse gewonnen."
Mehr Gelächter.
„Und gegen Willem II Tilburg?" Er hob den Finger. „Einfach kicken."
Bert, am Rand stehend, schloss kurz die Augen.
Aber er lächelte dabei.
Die Terrasse des Anders Quälixson. Spätnachmittag. Ein leichter Wind. Irgendwo zwitschert ein Vogel, der offensichtlich keine Ahnung hat, wie nah er dem Abgrund war.
Anders lehnt sich zurück, das kühle Glas in der Hand, der goldene Schaum des Porn Star Martini fängt das Sonnenlicht ein wie ein kleines, alkoholisches Wunder.
„Bert."
Bert, der Co-Trainer, sitzt ihm gegenüber und nickt vorsichtig. Er hat gelernt: Wenn Anders ruhig ist, kann das alles bedeuten.
„Wir haben Ajax
geschlagen."
„Ja, Anders."
„Mit 1-0."
„Ja, Anders."
„Und dann Groningen. 4-3. Auswärts."
„Dramatisch, aber ja."
Anders nimmt einen langen Schluck. Schliesst die Augen. Atmet durch die Nase.
„Bert, ich bin ein Genie."
Bert öffnet den Mund. Schliesst ihn wieder. Dann:
„Du hast die ganze Woche gesagt, wir sollen einfach… kicken."
„Genau." Anders tippt sich an die Schläfe. „Taktische Tiefe, die du noch nicht verstehst."
Was für ein Start. Zwei Spiele, 0-7 Tore, völlig verstörte Fans, ein ewig vor sich hin grummelnder Anders Quälixson und ein neuer Porn Star Martini Verbrauchs-Rekord an einem Wochenende.
So hatte sich das der Trainer von PEC nicht vorgestellt. „Ich dachte vor einem Vizemeister hat man Respekt und schießt uns hier nicht aus dem Stadion.“
An der Spitze der holländischen Liga steht jetzt ein
trainerloser Verein. Dabei ist Alkmaar doch so eine schöne Stadt. Sollte sich hier nicht ein neuer Trainer finden?
Anders nimmt seinen Co-Trainer Bert zur Seite. „Bert, jetzt geht es gegen diesen Putzverein Ajax. Gegen die müssen wir gewinnen. Falls nicht, stock schon mal die Porn Star Vorräte auf.“ Nachdem es auch in der Championsleague Qualifikation nicht besonders lief, ist trinken vielleicht die beste Alternative.
Der ewige Zweite, Anders Quälison, ist diesmal zufrieden. Der fünfte Vizemeistertitel in Anders Copa Historie, fühlt sich für ihn trotzdem gut an.
Pfeife rauchend und seinen zweiten Porn Star Martini in der Hand, sitzt er auf der Terrasse seines Hauses an der Gracht von Zwolle und schaut den vorbeischwimmenden Enten zu. Sein Co-Trainer Bert hat ebenfalls gute Arbeit geleistet und den Zutaten Vorrat für seine Drinks großzügig
aufgestockt.
Für alle, die Anders Leidenschaft teilen wollen, hier das Rezept für seinen berühmten Pornstar Martini: Wodka (4 cl), Passoa (4 cl), Vanillesirup (1 cl), Champagner oder Prosecco (4 cl) (bei Anders immer nur billiger Prosecco von Aldi für 1,99 Euro), Limettensaft (halbe Limette), Passionsfrucht (2 Stück), Eiswürfel.
In diesem Sinne, Prost! Auf eine spannende Saison, voller Skandale, Intrigen, Freundschaften und Feiern.
Zwei Heimsiege und ein unnötiges 0 – 1 gegen das trainerlose Feyenoord sind die Ausbeute von Zwolle im letzten ZAT. Damit liegt man immer noch auf Platz 3 nach der hälfte der Hinrunde.
Nun stehen wieder zwei Heimspiele auf dem Programm. Unter anderem gegen den amtierenden Meister aus Arnheim, der nur einen Punkt hinter Quälixsons Zwolle liegt.
Ansonsten scheint die Eredivisie einen stillen Tod zu sterben. Drei Vereine ohne Trainer. Keiner der „noch“ vorhandenen Trainer schreibt in der niederländischen Zeitung. Es herrscht Stille im Blätterwald und Resignation in der Liga.