Mehr als die Hälfte aller Sportwettensüchtigen des Kontinents - und das sind schon recht viele - sollten Recht behalten und nebenbei ihre Börse wieder ein bisschen aufbessern. Meister Sambias ist zum ersten Mal - ja, verdammt, wirklich wahr, zum ersten Mal! - der Trainermegastar der Power Dynamos, Mister Florian Markert himself. Und natürlich auch sein Team, keine Frage. Was bedeutet das nun für den Verbleib der
lebenden Legende? Mission erfüllt und Abflug? Markert wiegelt ab: "Solange es kein attraktiveres Ziel für mich am Horizont gibt, bleibe ich und erfülle meinen Vertrag. Und soweit ich weiß, plant die CAF aktuell nichts Attraktives!" Stimmt, in der letzten Umfrage, welche neuen Ligen professionalisiert werden sollen, war jedenfalls kein Mauritius dabei. Und keine Seychellen. Nicht einmal Kap Verde. Schade eigentlich...
Die Power Dynamos bleiben als amtierender Meister eine der Top 3 Schießbuden der Liga. "Immer noch besser als Scheißbude der Liga", murmelte ein sichtlich frustrierter Coach Markert, nachdem seine Mannschaft erneut das Auswärtsspiel kläglich vergeigt hatte. Ohne die beachtliche Heimstärke würde man wohl bereits gegen den Abstieg spielen. "Eines Meisters unwürdig" stand dann auch auf den Bannern der mitgereisten Fans. Zur Entschädigung bot der Club pro Kopf drei Liter warmes Bier ohne Kohlensäure an. Die Fans nahmen angesichts der Bullenhitze im Stadion dankbar an. Immerhin, Versöhnung geglückt.
Ein Ball aus Leder, rund und schlicht,
rollt durch die Savanne im Abendlicht.
Goldenes Gras wiegt sich im Wind,
währenddessen weidet ein Rind.
Vorbei an Akazien, schief und alt,
durch trockene Erde, staubig und kalt.
Ein Zebra hebt den Kopf und gähnt,
ein Löwe sich bewundert wähnt.
Der Ball kennt kein Tor, keinen Elfmeterschützen,
kein Pfeifen, kein Jubeln, nur vertrocknete Pfützen.
Nur das Zirpen der Grillen, die flammende Sonne,
den endlosen Horizont, welch eine Wonne.
Er rollt ohne Ziel, doch niemals allein,
trägt still die Träume von seinem Verein.
Bei Power Dynamos, in Freude und Schmerz,
dem besten Club Sambias, dort schlägt sein Herz!
"Das kann ja wohl nicht wahr sein, was für eine beschissen langweilige Taktik!", fluchte der Vorsitzende des (leider einzigen) Power-Dynamos-Fanklubs "Power on!". Grund seiner Tirade war die Devise des alten und neuen Trainerstars auf der Power-Dynamos-Bank, Superlegende Sir Florian Markert (nun ja, das mit dem "Sir" hat die lokale Presse dazu erfunden, aber das soll bitte keiner erfahren...), nur die Heimspiele zu gewinnen und beim Auswärtsspiel ein paar lokale Jugendliche für ein paar Dosen Bier kicken zu lassen. Grund sollen die aufgrund der politischen Lage stark gestiegenen Spritpreise sein, weshalb die
Power Dynamos auf teure und häufig genug sinnlose, kräftezehrende, stundenlange und nicht zuletzt deshalb grottenlangweile Auswärtsfahrten bis auf weiteres verzichten. Jetzt sorgte der Versuch der Vereinsführung, den Spielern Langeweile zu ersparen, also für Langeweile bei den Fans. Wie man's macht, macht man's offenbar verkehrt. Zum nächsten Auswärtsspiel wolle man nun aber mit der eigenen Mannschaft antreten, versprach Markert den Fanvertretern bei einer Aussprache am Abend. Zum Glück gab es Freibier für alle. So war die Stimmung erstmal wieder ins Lot gebracht. Und wie geht's weiter in Kitwe...?
Jetzt ist es passiert, ganz plötzlich sind die Power Dynamos fünf Spiele vor Saisonende Tabellenführer. Meisterschaftschancen hat das Team von Trainerlegende Florian Markert zwar nicht, doch ein Platz unter den Top drei ist nicht völlig unmöglich. Dafür ist allerdings ein perfekter Endspurt Voraussetzung, und die Hürden sind diesmal noch höher als sonst. Schließlich spielen die Dynamos nur noch gegen absolute Spitzenteams.
Markert sieht sich daher auch in der Pflicht, die Erwartungen ertwas zu dämpfen: "Wenn es gut läuft, spielen wir um Platz vier und fünf mit, bei dieser engen Konstellation kann es aber auch noch weiter runter gehen." Nur gut, dass bei 18 Punkten Vorsprung auf Platz 14 zumindest der Klassenerhalt gesichert ist. Schießlich wird die Division One nächste Saison nicht mehr weitergeführt, und da wäre ein Abstieg ganz schön ungünstig.
Die Power Dynamos haben sich tatsächlich noch eine weitere Woche an der Spitze halten können - selbst die eigenen Fans sind verwundert. Meister wird wohl Zanaco, aber dahinter ist alles möglich. Und wir reden hier nicht von irgendeinem Titelanwärter, sondern von den Power Dynamos - dem zweimaligen Absteiger, der noch nie irgendeinen Titel gewonnen hat. Drei Spiele sind es noch, möglicherweise steht am Ende der Einzug ins internationale Geschäft. Es wäre zumindest ein kleines Fussballwunder. Für das große Wunder braucht es indes mehr: Mindestens einen NMR an der richtigen Stelle! ;)
Tja, was soll man machen... die Auslosung des Spielplans, so stellt sich nun heraus, war nicht gerade zum Vorteil der Power Dynamos. Der Aufsteiger, der eine grandiose Saison gespielt hat, wird wohl am Ende mit nahezu leeren Händen da stehen, das internationale Geschäft dürfte man kaum noch erreichen können - und von der Meisterschaft brauchen wir gar nicht erst zu reden. Die wird dann wohl erst im nächsten Jahr auf dem Wunschzettel stehen - dann hat man aber auch deutlich mehr Budget zur Verfügung, so dass sich die sambische Altherrenriege warm anziehen muss, und das bei 33 Grad im Schatten.
Drei Artikel sind bereits verfasst, nur das Geschreibsel für Sambia will nicht so recht von der Feder flutschen. Dabei sind die Erwartungen hoch, die rechte Hand hat sich bereits in Position gebracht, um das Erscheinen des Artikels mit Standing Ovations zu feiern und ein wahres Feuerwerk der guten Laune zu zünden. Der Rest der Liga ist leider nicht so enthusiastisch. Und die meisten sind auch nicht so schön wie der schöne Florian. Aber einer, dort hinten, hinter den pinken Bergen, der ist noch tausendmal schöner und tausendmal schlüpfriger - und das verheißt in Sambia bekanntlich Meisterehren.
In diesem Land ist einfach nichts unmöglich. Hier wird der Präsident am Zambezi-Tresen gekürt, hier werden Abstimmungen krasser manipuliert als auf der Krim, und hier wird der schönste Mann des Landes zugleich sambischer Fußballmeister. Oder war es andersrum...? Egal, denn Sambia ist einfach unglaublich. Und die rechte Hand ist unglaublich schön. Wenn er sich den Titel dennoch noch nehmen lassen sollte, darf man sich bereits einmal eine Vorstellung davon machen, wie unglaublich schön die Konkurrenz sein muss. STOPP! Besser nicht vorstellen! Die Folgen könnten unüberschaubar sein...
Die Welt muss verrückt geworden sein, auf alle Fälle steht sie Kopf. Der kleine Aufsteiger aus Kitwe macht doch glatt da weiter, wo die Mannschaft nach dem ersten Wiederaufstieg aufgehört hat - mit Platz 2 in der ersten Saison nach der Rückkehr. Klar, der Markert ist ein absoluter Supertrainer. Eine Wiederholung des damaligen Erfolges wäre dennoch eine faustdicke Überraschung, denn auch der beste
Trainer ist nur so gut wie die Mannschaft, die er herumkommandiert und unter seinen Launen leiden, wenn nicht gar erzittern lässt. Doch selbst wenn die Luft aus der derzeitigen Seifenblase schon bald wieder herausplatzt, dürften die Power Dynamos den Klassenerhalt nahezu sicher haben, womit die Planungen der neuen Saison und die Inangriffnahme der ersten Meisterschaft der Vereinsgeschichte so langsam anlaufen dürfen.