Wer schleicht in tiefer, dunkler Nacht
Gar wie ein Dieb umher?
Wenn alles schläft, nur EINER wacht
Natürlich, das ist ER!
Sweeney Todd steht wieder einmal vor dem Altar in der kleinen Kapelle unweit des Trainingsplatzes und geht sinistren Tätigkeiten nach:
Höre, großer Fußballgott
Alt und klug und weise
Führ’ die Gegner aufs Schafott
Unerbittlich, leise!
Unser Mann in schicksalsverneinendem Schwarz fordert wieder einmal die Allmächte heraus, wohl wissend, was ihm das letzte Mal wieder fuhr !
Den Blick gen Himmel gerichtet, genießt er die Leichtigkeit des Seins. Kein Abstiegskampf, keine Aufstiegschance. Seliges Mittelmaß. Der Hunger wurde gestillt, das Messer steckt stumpf und teilnahmslos in der Wiese.
Fast hätte sich ein Lächeln auf das Gesicht unseres tiefen entspannten Barbiers geschlichen, doch nein, eine derart ekstatische Überreaktion würde dem Moment nicht gerecht. So hebt und senkt sich des Menschen Brust im Einklang mit der paradiesischen Mediokrität.
Aufgedunsen, schwer beladen
Kugelrund und gierig starrend
Voller Wein, mit Leberschaden
Lüstern hier am Tisch verharrend
Sweeney Todd wacht schweißgebadet auf, fast hätte er in diesem fürchterlichen Albtraum „tunke“ mit „Punkte“ gereimt und das hätte ihm das nationale Komitee für geistig gesunde und anspruchsvolle Dichtkunst wohl nie verziehen! Der Rest ist ja schon schlimm genug.
Nein, da schwingt Todd seinen durchtrainierten Körper doch lieber in Richtung des Stadions, schließlich gilt es, an diesem Wochenende einen Gegner zu filetieren.
Ein Schiff liegt im Hafen
Ein Schiff mit ‘nem Hai!
Nun geh wieder schlafen
Was ist schon dabei!?
Was macht es dort nur, oh moment mal, ich weiß es
Es wartet gebannt auf Passierschein A 38!
Härter und gnadenloser kann man Rhythmus und Versmaß nicht verprügeln und wenn sich in ferner Zukunft die besten Gelehrten des Landes über dieses epochale Machwerk beugen, so werden sie feststellen:”Das ist richtig Scheiße!”
Sweeney Todd hat jedoch keine Wahl; er braucht TK und das nicht zu knapp!
*Toddunverschämtab
Links herum und Rechts herum
Schwankend auf den Beinen
Dreht der Kerl sich? Sei es drum
Ist’s doch eh zum weinen!
Sweeney Todd kommt nicht recht voran und so nimmt es nicht Wunder, dass such der Umzugswagen nach wie vor demonstrativ vor dem Vereinsgelände steht.
Um seinen Wohnsitz zu erhalten, müssen schon noch einige Siege her und am besten fängt man damit schon in den kommenden beiden Heimspielen an. Ob man wohl 11 Stürmer aufstellen kann? Sweeney Todd wird es auf jeden Fall einmal probieren.
Wieder mal mit harter Hand
Fest entschlossen, tollkühn gar
Ohne Klugheit und Verstand
Boten wir nur Grütze dar!
Wie gehabt stehen Sweeneys’ Mannen im Tabellenkeller. Da hilft kein Fluchen und kein Heulen! Stünde Todd nicht bereits im gewohnten Schwarz an der Seitenlinie, er müsste sich jetzt umziehen!
Umziehen ist im übrigen ein formidables Stichwort: Noch so eine verkorkste Saison und die freundlichen Möbelschlepper stehen vor dem vereinseigenen Trainerdomiziel.
Ob Todd alsbald die Stadt verlassen muss? *Toddhilflosab
Sweeney Todd steht versonnen lächelnd in der prallen Spätsommersonne und es wirkt fast so, als würde unser leichenblasser Freund ein wenig vor sich hinschmoren.
„Ohne Flüche, ohne Listen
Ohne Schläue ohne Ränke
Werden uns die Gegner fisten
Bleiben uns die Hinterbänke!“
Ob es Todd gut geht? Schaut ihn euch an und hört ihm gut zu; wie sieht es aus? Handelt es sich um einen gesunden Menschen, der mit sich und der Welt zufrieden ist? Sofern ihr diese Frage zweifelsfrei mit einem soliden „Ja!“ beantworten könnt, solltet ihr euch dringend Hilfe suchen!
Nach dem legendären Hobbitt/Barber Crossover, was alle brauchten, wollten und herbeigesehnt hatten, steht nun wieder der triste Ligaalltag an.
Dem Anlass angemessen, hat sich Todd in sein schwärzestes Schwarz geworfen, vorbei die Zeit des Frohsinns und der Hawaiihemden; ab jetzt wird wieder ernst und verdrießlich Fußball gespielt! Man ist zu Gast beim Tabellenletzten und wenn Todd sich nicht wieder auf obskure Zaubersprüche und Flüche einlassen möchte, muss er diesmal selbst liefern!
Treten wir nun also dezent zurück und betrachten das sich entfaltende Pandemonium.
Wild fluchend arbeitet sich ein konzentrierter Todd durch das betonharte Gestrüpp, welches sich nach Wochen der totalen Ignoranz, einer Efeu Invasion gleich, auf des Trainerkollegen Chrilles Gesicht breit gemacht hat.
Einen kurzen Moment hatte Todd mit der Versuchung gekämpft, das Rasiermesser zwei Fingerbreit tiefer anzusetzen, schließlich steht eine gewaltige Klatsche beim ersten Auswärtsspiel der Saison an, aber letztendlich hat ihn Chrille von seinem schrecklichen Fluch befreit; da kann man
schon mal vom Morden ablassen.
Sweeney Todd hat ohnehin andere Probleme, das Sommerfest zum Saisonauftakt ist etwas eskaliert. Gemeinsam mit dem gen erster Liga entflogenen Bernd W. auf dem Tisch tanzen und Ryan in the Air singen ist eine Sache, dabei jedoch ein Hawaiihemd zu tragen und es auf die Titelseiten der großen Sportzeitungen zu schaffen, eine ganz andere! Ruf ruiniert. Back in Black ist angesagt und bloß nicht freundlich schauen!
*In Richtung Chrille:Macht dann 27,95! Pflaster kosten extra.
Zähneknirschend akzeptiert Todd die deutliche Niederlage gegen die Pitty Sharks und deren knauseriges Mathegenie Chrille.
„Warte nur auf das Rückspiel, deine 27,95 investiere ich in ein noch viel schärferes Rasiermesser! „
Jetzt ist aber zunächst der Hobbit aus der königlichen Zulu Nation bei den Shepard zu Gast. Wenigstens versteht der gute Mann die eigentliche Bedeutung dieser Liga und wird die anstehende Rasur seiner haarigen Füße mit Würde über sich ergehen lassen.
„This sounds wrong in so many ways“, denkt sich Todd achselzuckend, aber was will man auch von einem Individuum erwarten, welches bis vor kurzem noch Menschen in schmackhafte Pasteten eingebacken hat…