Davin zieht bedächtig die extralange Line vom frisch polierten Taschenspiegel und betrachtet ergriffen sein Gesicht, welches Michelangelos David schamvoll zur Senkung seines mediokren Blickes veranlasst hätte.
In Ermangelung einer Sekretärin - der Verkauf an einen neuseeländischen Schafzüchter ging dann doch überraschend schnell von statten, wohin nur mit der ganzen Wolle - brüllt der frisch gebackene Verbandspräsident seinen neuesten Tagebucheintrag in ein Diktiergerät :
“ Erfolg macht einsam. Schönheit ebenso. Im Westen also nichts neues. Der Torwart ist gut
eingelaufen, beherrscht jetzt nicht nur mehr seinen Strafraum, sondern auch die Straße. Rest der Mannschaft verängstigt und lustlos. Erwäge, die Tiger auf dem Trainingsgelände wieder abzutransportieren. Wenigstens war der Fitnesstest aufschlussreich. Zwei Überlebende. Definitiv mit guter Kondition.
Vorstand fragt erneut nach einem Konzept. Habe ihm bei einem Bier und Nacktfotos seiner Frau mein Konzept erläutert:Maul halten!
Nachher Vortrag bei der örtlichen Vereinigung der neuseeländischen Scrum Master. Titel:
„Agile my ass - Embrace Laziness, obey the Entropy!”
Coach Davin schleudert die Feder mit einer unwirschen Geste in Richtung eines renitenten Verbandsangestellten. “Emperor Michael Davin Football Federation NZL” ist ein ganz und gar formidabler neuer Name für den Verband! Elender Banause! Der heutige Tagebucheintrag wird auf dem Rücken dieses Unglückseligen verfasst!
“Verbandsarbeit ist erstaunlich ergiebig. Habe neue Regeln erlassen. Die Platzierung am Saisonende richtet sich fortan nach der Großzügigkeit der eingezahlten Spenden auf mein Konto. Habe es”Witwen, Waisen und kleine niedliche Tiere” genannt.
Die
Sekretärinnen sind zurück. In Tränen aufgelöst. Scheich Salman hat sie auf dem Boot die Chromumrandungen polieren lassen. Das Auswahlkriterium “starke Unterarme” erscheint plötzlich in einem anderen Licht. Nicht auszudenken, was “kräftiger Kiefer” bedeutet hätte. Ehrliche Arbeit. Aus dem Bentley wird also ein Fahrrad. Werde die Mädels veräußern müssen. Damaged Goods ain’t feed the Hood!
Nachher Vortrag bei Barnes&Noble.
“Die 10 besten Brandbeschleuniger - Wie ich Bücher effektiv verbrenne!”
Der schäbige Resopaltisch im Hauptquartier des Ligaverbandes ist eine ästhetische Zumutung für des Trainers feinsinnige Augen. Indigniert zieht er seinen NWO Midnight Brawl Pink Edition Kugelschreiber aus der Bauchtasche hervor und verewigt sich mit angewiderter Miene in Form eines neuen Tagebucheintrages auf dem Möbelstück der Schande:
Ligaverband hat mich vorgeladen. Veruntreuung, Förderung der Prostitution und Gewalt gegen Spieler, Zuschauer und den Platzwart - der Kerl kann froh sein, dass er das schlampig gestutzte Gras nicht von unten sieht;mähen kann man zum Glück auch mit 9 Fingern - wirft man mir vor.
Prostitution? Habe den Torwart
vorsichtshalber mit einer Familienpackung Tranquilizern und Binden im Vereinsheim eingesperrt. Man fordert meinen Rücktritt. Eine unvorsichtige Bewegung und schon birst man durch ein Fenster im 20. Stock. Ich bin jetzt zusätzlich Vorsitzender des Ligaverbandes. Habe die Untersuchung gegen mich eingestellt. Schönheit ist Reinheit!
Habe die Sekretärinnen antreten lassen. Die werden mindestens einen weiteren Bentley finanzieren. Scheich Salmans Boot liegt im Hafen vor Anker.
Muss weiter. Vortrag bei der ornithologischen Gesellschaft Neuseelands:“Kill them all with one Stone - Flying Rats and their meaningless, annoying existence!“
Es scheint die Sonne.
Davin scheint heller. Seine Erhabenheit und Grandezza, welche selbst unseren großen, heißen Stern zu einem blubbernden Plasmahaufen degradieren, veredeln das Universum.
Beschwingt verewigt sich seine Majestät in Form eines neuen Tagebucheintrages auf dem Antlitz der Sonne:
“Eine neue Woche, eine neue Herausforderung. So ein Körper ist verdammt schwer, versinkt jedoch kaum. Wenigstens folgt jetzt nie wieder
eine Steuererklärung.
Werde dem Vorstand eine neue Marketingaktion vorschlagen. Sieh ein Spiel und zahle für zwei! Habe mich verliebt. Der Mann im Spiegel antwortet jedoch nicht.
Tabellensituation unbefriedigend. Der Sex meiner Affären auch. Mir egal, ich komme schließlich immer.
Morgen Vortrag im Konvent zu den heiligen Schwestern. Thema:”Nicht schnacken, Kopp in’ Nacken - Just blow it, Baby!”
Davin blickt milde lächelnd auf die Schar hysterisch kreischender Studenten herab, welche seinen Vortrag „Frauenwahlrecht und Emanzipation und warum beides absolut überflüssig ist,“ mit der gebotenen geistigen Reife aufgenommen haben. Beschwingt dreht sich der einzigartig kluge, emphatische und attraktive Coach zur Tafel und verfasst dortselbst seinen neuen Tagebucheintrag:
„Fußball ist ein absurder Sport. Wer nimmt diesen Unfug ernst? Ich nicht, ich kassiere hier nur.
War mit dem Vorstand bei der Spielerbeobachtung. Vielversprechendes Talent gefunden. Sagt zumindest Chat GPT, wir selbst haben uns das Spiel nicht angesehen. Die Talente im örtlichen Nachtclub waren aufschlussreicher. Darleens‘ Spagat kann Weltkriege verursachen.
Ligaverband hat mir geschrieben. Unzucht in der Umkleidekabine sei nicht statthaft. Und? Sex mit einer abhängig Beschäftigten gegen Vergünstigungen im Job auch nicht; ich mache es trotzdem.
Dunkel ist es. Kein Laut durchdringt die Stille.
Davin sitzt zusammengesunken in einer lichtlosen und gut gepolsterten Gummizelle.
Doch in Gedanken wandelt er weit weit weg, inmitten einer Schar bezaubernder Gespielinnen im Land wo Milch und Honig fließen. Majestätisch erhaben, sinniert er einen weiteren Tagebucheintrag herbei:
“Man hat mich eingewiesen. Mit gezogener Waffe in einem Bordell vor dem Spiegel herumzufuchteln und dem Mann gegenüber klar zu machen, dass man noch viel
schöner sei als er, gilt offenbar als verrückt.
Absurde Welt. Ich BIN schöner als er! Wenigstens sind die Drogen hier akzeptabel. Etwas schwach vielleicht. Werde nach meiner Entlassung ein anderer Mensch sein. Meine Mannschaft tut mir leid.
Muss mich auf meinen Vortrag bei der örtlichen Lokführergewerkschaft vorbereiten. Thema:”Move it, Motherfucker -Wieso man für harte Arbeit zum Wohle der Allgemeinheit kein Geld verlangen sollte!”
Millionen und Abermillionen stolz und majestätisch funkelnder Sterne durchziehen unsere Milchstraße, erleuchten das Firmament und weisen uns den Weg.
Doch der hellste Stern, am Himmel wie auf Erden, ist immer noch Davin! Erhaben greift unser kosmisches Wunder nach dem Schweif einer Sternschnuppe und verfasst damit im Delirium einen weiteren Tagebucheintrag in der Galaxie seines Lebens:
„Arzt empfiehlt mir Abstinenz. Habe ihm die Möglichkeit gegeben, seine eigenen Schmerzmittel zu testen. Er wird wieder aufwachen, ganz sicher.
Die Mannschaft ist untrainiert und demotiviert. Ich werde den Schuldigen finden und zur
Rechenschaft ziehen! Der Torwart fordert einen höheren Anteil vom Geld seiner Kunden. Habe ihm unser Geschäftsmodell nochmals ruhig und sachlich erläutert. Erstaunlich, was Nasen - und Jochbein alles aushalten können.
Unsere Sparmaßnahmen tragen erste Früchte. Mein Bentley ist sauberer denn je und ich kann mir wieder Tripple A Escorts leisten. Die knurrenden Mägen unserer Spieler untermalen diesen epochalen Erfolg wie eine triumphale Sinfonie der Liebe!
Ich muss mich auf meinen Vortrag beim feministischen Forum der Stadt vorbereiten:
„Shut The Fuck Up - A Woman’s Place in Modern Society!“
Davin sitzt im örtlichen Yoga Studio vor dem Spiegel und betrachtet andächtig sein ebenso erhabenes wie wunderbares Gesicht.
Die kreischende Gruppe älterer Veteranenwitwen, welche ihre Übungen seit nunmehr 30 Jahren in diesem Studio abhält und gerade von Davins Leibwächtern per Dropkick auf die Straße befördert wird, ignorierend, haucht er einen neuen Tagebucheintrag auf das von seiner Schönheit beschlagene Glas:
Unsere finanzielle Situation hat sich merklich entspannt. Die Spieler werden nach Leistung bezahlt, erhalten also nichts. Die Stadt zahlt uns jetzt
Stadionmiete. Was eine Runde spielerisches Waterboarding doch bewirken kann. Wir brauchen einen neuen Bürgermeister. Schade, der nasse Lappen vor seinem Gesicht stand ihm gut. Ein bisschen Schwund ist ja immer.
Unser Keeper macht sich mittlerweile gut als Hure. Hat nach dem Job sogar noch Zeit, unsere Bentleys zu waschen. Guter Mann. Läuft allerdings ein bisschen komisch.
Muss mich auf meinen Vortrag bei den örtlichen Pfadfindern vorbereiten. „Nimm was du kriegen kannst und gib nichts wieder zurück! - The utterly stupid bullshit of service to the community!“
*davinselbstverliebtab
Davin wacht in den Armen einer wunderschönen Frau auf.
Konzentriert schweift sein Blick auf der Suche nach seinem formidablen Selbst durch den Raum und bleibt schließlich am großen Deckenspiegel hängen. Er bewundert sich gebührend und zückt dann den Lippenstift seiner schlafenden Gespielin, um direkt auf ihrem Körper einen neuen Tagebucheintrag zu verfassen:
„Torwart weigert sich, anschaffen zu gehen. Haben ihm sensibel und voller Empathie die Vorteile unserer Idee erläutert. Die Schusswunde im Oberschenkel heilt gut, er wird nächste Woche endlich Geld für uns verdienen können.
Mannschaft kickt lustlos vor sich hin. Vielleicht sollten wir ihnen doch wieder erlauben,
Fußbälle zu nutzen, gehärteter Beton greift die Fußgelenke doch stärker an als gedacht.
Streit mit dem neuseeländischen Verband bezüglich unseres kompromisslosen Spielstils. Wir nennen es „robuste Körperlichkeit“, sie zitieren Gesetzestexte. „Vorsätzlicher Totschlag“ scheint mir etwas übertrieben zu sein. Werden den Verbandspräsidenten an seine uneheliche Tochter erinnern…seine Frau auch. Problem gelöst.
Bereite mich auf einen Vortrag im Rahmen des Big Brother Programmes an der örtlichen Highschool vor: Love is the answer….as long as it’s delivered with a 45!“
Ich bin ein Mann des Friedens und ich sehe verdammt gut aus!
Davin betrachtet unverwandt die kleine Pillendose auf dem Tisch. Ohne Inhalt. Ganz so wie seine Seele, jedweder Substanz beraubt. Er zuckt mit den Schultern, taucht seinen Finger in das kleine Rinnsal Blut, welches ihm aus der Nase über die Lippen läuft und verfasst einen neuen Tagebucheintrag direkt auf dem Tisch:
„Krisensitzung mit dem Vorstand beim Nobelitaliener in der Stadt. Wir bewundern den auf Vereinskosten erworbenen Bentley des jeweils anderen, bevor wir dem Valet Service beide einen Tausender aus der Clubkasse zustecken.
Hawke’s Bay ist pleite! Wir können nicht verstehen, wie das geschehen konnte. Die Schuldigen sind schnell ausgemacht. Es sind die Spieler! Undankbare Hurensöhne! Wollen Geld für ihre Dienste. Doch damit ist Schluss. Fortan
werden die Herrschaften für das Privileg bezahlen, unser Trikot tragen zu dürfen.
Schlug vor, die Spielerfrauen anschaffen zu schicken. Vorstand zeigte mir ihre Fotos. Habe den Vorschlag umgehend zurückgezogen. Stattdessen läuft jetzt unser Goalkeeper für uns. Der hat letzte Saison soviel Tore geschluckt , er dürfte auf der Straße kein Problem haben!
Zum Abschluss vom Transferbudget einige Escorts für mich und den Vorstand bezahlt. Müssen die Jungs nächste Saison halt zu neunt spielen.
Finanzielle Probleme gelöst und dabei sauber geblieben; wir sind Genies. Muss weiter, halte einen Vortrag an der Uni für die Leader of Tomorrow. Thema:Integrität und Moral im Bussiness:Gelebte Verantwortung.“
*davinselbstzufriedenab