Das sieht nicht gut aus. Der Vizemeister steht auf dem vorletzten Platz. Doch das wirkt alles schlechter als es real ist. Der Rückstand nach Punkten ist gering und das Form-TK noch reichlich gefüllt. Irgendwann wird Etoile noch marschieren und die Sterne vom Himmel spielen. Wortwitz verstanden? Dazu müsste man natürlich Französisch können. Der neue Trainer steht dagegen erst einmal ganz vorn. Das ist eine Herausforderung für Wiel Coerver, die der erfahrene Mann allerdings mit dem größten Vergnügen annimmt.
Figaro kommt - Tunesien jubelt. Nach Wochen des Aderlasses gibt es einen Silberstreif am Horizont. Endlich wandert mal nicht wieder ein weiterer Trainer ab, sondern es kommt einer in unsere schöne Liga. Mit Figaro handelt es sich um einen Neuling. Man wird sehen, was er drauf hat. Aber wir geben ihm gerne ein paar Vorschusslorbeeren.
Dieses Thema soll als Headliner wohl davon ablenken, dass Etoile Beni Khalled auf den letzten Platz abgerutscht ist. Aber es ist ein wichtiges Thema. Denn unsere Liga lebt von den Trainern.
"War die Aufstockung der Nationale A ein Fehler?" Die Frage brachte der Trainerkollege Dolph Dolphin in der Presse kürzlich auf. Man kann sie aus dem Status Quo oder aus dem Status Quo Ante beantworten. Stand jetzt kann man das natürlich so sehen. Denn wenn fünf von 14 Clubs bereits am Saisonanfang keinen Trainer haben, spricht das auch für sich. Hätten wir nicht noch zwei Trainer gewinnen bzw. zurückgewinnen können, dann wäre die halbe Liga trainerlos. Blickt man zurück, dann war die Aufstockung aus damaliger Sicht kein Fehler. Wir
hatten alle Trainerbänke besetzt. Platz für zwei weitere Trainer zu schaffen war aus gewerkschaftlicher Sicht komplett richtig. Leider wurde nicht vorhergesehen, dass andere Ligen - aufgestockt oder neu gegründet - uns so viele Trainer abziehen würden. Ein klares Zeichen, dass die tunesischen Trainer viel Qualität haben. Leider auch ein Zeichen, dass Tunesien nur eine Zwischenlösung für viele Trainer ist, deren alte Clubs oder Liga inaktiv sind? Wiel Coerver kam schließlich auch hier her, weil in Annaba aktuell gar kein Fußball gespielt wird.
Nach einer starken Saison 43, die Etoile Beni Khalled mit 40 Punkten auf Platz zwei abschloss, wartet zum Auftakt der neuen Spielzeit gleich ein echter Härtetest. Am 14. August gastiert die Mannschaft beim amtierenden Meister Stade Tunisien. Die Voraussetzungen sind dabei besonders interessant: Beide Teams gehören nach den aktuellen Einschätzungen zum engsten Kreis der Titelanwärter und werden mit einer Quote von jeweils 28,6 Prozent als Mitfavoriten
geführt.
Etoile Beni Khalled geht mit Trainer Wiel Coerver in die neue Saison. In der vergangenen Spielzeit überzeugte die Mannschaft vor allem durch ihre Konstanz und musste sich am Ende nur dem Meister geschlagen geben. Nun bietet sich direkt die Gelegenheit, ein Ausrufezeichen zu setzen. Ein Erfolg in Tunis wäre nicht nur ein perfekter Saisonstart, sondern könnte bereits früh zeigen, dass Etoile Beni Khalled erneut ganz oben angreifen will.
Erstes Heimspiel und auch erster Saisonsieg für den Vizemeister Etoile Beni Khalled. Nach dem schweren Start auswärts beim Meister stand man nach der ersten Woche ohne Punkte da. Das hat sich nun zum Glück geändert. Im eigenen Stadion gab es den ersten Dreier für die Mannschaft von Wiel Coerver. Der kann damit etwas entspannter in die weiteren Spiele gehen. Noch eine Nullrunde und der Coach wäre schon etwas unter Druck gewesen. So ist erst einmal business as usual angesagt, bis dann in der nächsten Woche die Doppelbelastung mit der CAF Champions League beginnt.
Als es richtig ernst wurde, drehte Etoile Beni Khalled voll auf. 4:0 zu Hause gegen Club Africain und dann der sensationelle 6:5-Auswärtssieg bei US Monastir. Diese sechs Punkte brachten uns auf Rang zwei und mit nun sieben Punkten Vorsprung auf Rang sechs ist der internationale Wettbewerb für die nächste Saison gesichert. Noch ist nicht ganz klar, ob es der Confederation Cup sein wird oder gar die CAF Champions League und dann ob direkt oder über die Qualifikation. Der Meistertitel ist theoretisch auch noch drin, aber das wird wohl pure Theorie bleiben.
Ausnahmsweise soll hier mal nicht die Nationale A die Schlagzeile bestimmen. Eine absolute Sensation gab es nämlich international! Der Confederation Cup ist im Finale zu einer nationalen Angelegenheit geworden. Zu einer tunesischen! Entweder CO Transports oder Espérance Sportive de Tunis werden den Cup für ein Jahr in unsere Liga holen. Ein Mega-Erfolg! Von dem sogar noch andere Mannschaften profitieren könnten, denn es gibt einen zusätzlichen Startplatz zu unseren fünf bereits bestehenden. Ob Etoile Beni Khalled davon profitieren wird? Im Moment ist man auf Kurs, es aus eigener Kraft zu schaffen.
Das ist die große Frage, die man sich bei Etoile Beni Khalled stellt. Eigentlich hat man offiziell das Ziel "Solides Mittelfeld" ausgegeben. Das ist aber ein reine Floskel, um die Presse ruhig zu halten. Aber natürlich soll und muss man nächste Saison auf zwei Hochzeiten tanzen. Ansonsten hätte man kaum den sehr teueren algerischen Meistertrainer Wiel Coerver eingekauft. "Eine Saison können wir uns das ohne zusätzliche Spiele leisten. Sollte eine weitere dazu kommen, müssten wir schon mit gespitztem Bleistift rechnen", so der Präsident.
Da wäre mehr drin gewesen! Etoile Beni Khalled hat denkbar knapp sein Auswärtsspiel bei Club Sportif Sfaxien verloren. Beim 0:1 wäre mit etwas mehr Mut auch der Sieg drin gewesen. Dann wäre man jetzt Zweiter, so ist man Sechster. Das lässt aber nach wie vor alle Chancen offen, nächste Saison die Nationale A in Afrika international zu vertreten. Jetzt geht es wieder in die Phase, in der zwei Spiele pro Wochenende absolviert werden. Das ist natürlich deutlich interessanter. Noch sind acht Spiele zu spielen.