Am Ende war es ein tschechischer Lastwagenfahrer, der Avispa-Coach Wolfgang Lippert aus seinem Martyrium in Sachsen-Anhalt erlöst hat und bis nach Berlin mitnahm. Lippi machte sich nach dieser Überdosis Heimat sofort auf den Weg nach Japan, wo er nach Zwischenstopps in Athen und Dubai gerädert eintraf. Doch beim Blick auf die Tabelle der J-League entgleisten dem ehemaligen Showmaster aus der untergegangenen DDR die Gesichtszüge: "Letzter? Wie ist das denn möglich?"
Schließlich hatte er doch Achim Menzel und Walter Freiwald auf die Mailbox gesprochen, dass sie sich während seiner Abwesenheit um den Club kümmern sollten. Aber natürlich hatten sich die beiden Strategen nicht zurückgemeldet. Jetzt blieb also nur noch die Aufgabe, die Saison mit Anstand ins Ziel zu bringen und zumindest den Sprung auf einen Nichtabstiegsplatz zu schaffen. Aber selbst das war alles eine viel angenehmere Herausforderung, als noch eine weitere Minute in Faulenroda verbringen zu müssen.
Die schier endlose Warterei auf den Pannendienst schien für den in Faulenroda an der Kimme in Sachsen-Anhalt gestrandeten Avispa-Übungsleiter Wolfgang Lippert doch noch ein glückliches Ende zu nehmen, als sich ein blauer SUV mit konventionellem Benzinmotor näherte. Doch leider stieg statt eines Gelben Engels so ziemlich das Gegenteil aus dem klobigen Fahrzeug und begann sofort auf Lippi einzureden: "Lieber Bürger von Faulenroda, auf diesem Wege möchte ich mich gerne bei Ihnen für die Unterstützung bedanken. Ich bin ja demnächst der neue Ministerpräsident und freue mich sehr, bei Ihnen in Ihrem feinen Dorf über 70% der
Zweitstimmen geholt zu haben. Und natürlich werden wir uns nach der Machtübernahme endlich um die wirklichen Anliegen der Bürgerinnen und Bürger kümmern: Schluss mit dem Gendern und der Wokeness! Nieder mit den Zwangsgebühren! Weg mit Schulpflicht, Demokratie und gesundem Menschenverstand... Aber Herr Radfahrer, wo wollen Sie denn hin?... Nein, ich kann Ihnen leider nicht sagen, welches der schnellste Weg heraus aus Faulenroda ist." Doch Lippi konnte die Stimme kaum mehr vernehmen und schob sein defektes E-Bike zügig fort aus dem bleiernen Kaff. Irgendein litauischer Lastwagenfahrer würde ihn auf der Reise nach Ost-Berlin sicherlich ein Stück mitnehmen.
Unfassbar. Noch immer musste Avispa-Coach Wolfgang Lippert in Faulenroda an der Kimme im tiefsten Sachsen-Anhalt auf die Reparatur seines defekten E-Bikes warten. Mittlerweile hatten sich etwa ein Dutzend griesgrämige Einheimische um den zunehmend genervten Ost-Entertainer eingefunden. „Früher habe ich den ja ganz gerne geguckt, aber dann hat er sich bei den Wessies angebiedert“, bemerkte eine ältere Dorfbewohnerin. Lippi versuchte, das Gespräch geschickt in eine andere Richtung zu lenken: „Sagen Sie mal, was ist eigentlich die Kimme? Ist das ein Fluss oder eine Landschaft?“ Nach kurzem Schweigen ranzte eine jüngere
Lokalistin mit seltsamem Halstattoo zurück: „Hammse Dir im Westen das Hirn rausgeschraubt? Dreh Dich doch einfach mal um!“ Lippi folgte der freundlichen Aufforderung, konnte aber außer einem Hakenkreuz an einer verfallenen Bushaltestelle nichts Besonderes feststellen. Mit seiner achselzuckenden Antwort, dass er nichts sehen würde, provozierte Lippi allerdings eine Reaktion der Einheimischen, die unmittelbar zu skandieren begannen: „Lü-gen-lip-pi, Lü-gen-Lip-pi!“ Doch der indignierte Gast verlor so langsam die Contenance: „Fresse halten! Wie komme ich möglichst schnell wieder raus aus der Vorhölle von Faulenroda?“
Das konnte nicht wahr sein! Der Pannendienst wollte und wollte nicht in Faulenroda an der Kimme eintreffen. Avispa-Coach Wolfgang Lippert klackerte in der Wildnis von Sachsen-Anhalt ungehalten auf sein Handy ein: "Hier gibt es ja so gut wie gar keinen Empfang! Der ganze unterprivilegierte Ort befindet sich in einem Funkloch!" Ein älterer Einheimischer mit Hut nahm den Ball gerne auf: "Seit der Wende kümmern sich die da oben ja doch nur um die Wessis und die Eliten. Aber unser Dorf lässt man schön in Sachen Telekommunikation im Mittelalter zurück." Doch Lippi wusste ausnahmsweise einmal mit Rat und Tat zu
helfen: "Man kann bei der Telekom diese Art von Problemen lösen. Dann stellen sie fix einen Funkmast in das Zentrum von Faulenroda und sämtliche Bürger haben guten Empfang. Dafür haben sie sogar ein eigenes Budget." Doch der ältere Herr zeigte sich nicht überzeugt: "Das könnte Euch so passen. Dann haben wir diese Radiowellen mitten im Ort, mit denen man bei den Leuten eine Gehirnwäsche durchführt. Und die ganze Strahlung! Nä, nä, nä, so etwas wollen wir hier nicht." Lippi zeigte sich resigniert: "Sagen Sie mal, was war nochmal der kürzeste Weg raus aus diesem Kaff?"
Was für ein Pech. Ausgerechnet im tiefsten und blausten Sachsen-Anhalt musste sich das E-Bike von Avispa-Coach Wolfgang Lippert einen technischen Defekt einhandeln. Während die Pannenhilfe sich für den späten Nachmittag avisiert hatte, war in der Zwischenzeit guter Rat teuer für den ostdeutschen Entertainer. So langsam meldete sich sein Magen: "Was habe ich für einen Hunger. Gibt es irgendwo an diesem verwunschenen Ort einen Dönermann oder einen guten Griechen?" Doch Lippi erntete bei einem glatzköpfigen Dorfbewohner nur Unverständnis: "Bei Euch
im links-versifften Berlin mag es solche Lokalitäten geben. Hier mögen wir aber am Liebsten anständige einheimische Küche." Immerhin hatte eine mittelalte Frau mit schlechter Frisur und Adiletten einen Tipp auf Lager: "Gegen Sie doch zu Mike und Ronny in den Mitteldoitschen Krug. Dort kostet das Tagesgericht jeden Werktag nur 8 Euro und 88 Cent. Und manchmal treten auch Kapellen auf. Das sind immer echte Geheimtipps." Doch bei Lippi war der Appetit schnell wieder verflogen: "Sagen Sie bitte, wie kam ich nochmal auf dem schnellsten Weg aus Faulenroda wieder heraus?"
... durch Sachsen-Anhalt. Auf seinem Weg durch die gastfreundlichste Region Deutschland machte er kurz halt in Faulenroda an der Kimme, als er von einem sympathischen Einheimischen mit Glatze und seltsamem T-Shirt angeranzt wurde: "Ach, der feine Herr Lippert fährt E-Bike! Das hätte ich mir ja gleich denken können. Aber bald ist der Spaß vorbei, wenn demnächst beim Öffentlichen Rundfunk ordentlich zusammengekürzt wird." Lippi gab sich arglos: "Dann muss ich aus meinem Schloss ausziehen? Und
statt Schampus gibt es nur noch Rotkäppchensekt?" Doch in der humorbefreiten Zone kamen die lakonischen Bemerkungen nur mittelgut an: "Hier weht demnächst ein anderer Wind! Dann ist das vorbei mit der einseitigen Meinungsmache in den Schulen und im TV!" Doch so langsam hatte der Besucher aus Ost-Berlin genug: "Stimmt, Sie wollen ja hier die Schulpflicht abschaffen, damit die Leute weiter verblöden und die Populisten wählen... Sagen Sie mal, wie komme ich am Schnellsten hier heraus aus Faulenroda?"
Langsam aber sicher kommt Avispa Fukuoka ins Rollen. So zumindest die Meinung von Übungsleiter und Ost-Ikone Wolfgang Lippert: "Wir haben mittlerweile wieder Tuchfühlung zur Spitze aufgenommen und befinden uns ins aussichtsreicher Lauerstellung. Sollen die Hobbyphilosophen doch abschweifen, der Wolf freut sich besonders über abgelenkte Schafe." Scheinbar hatte Lippi für teures Geld einen Crashkurs an der Donald-Trump-Academy für Demagogie und unbegrenzte Dreistigkeit belegt. "Man könnte am Ende
der Saison doch einfach den Tabellenführer in Avispa Fukuoka umbenennen. Auf diese Weise würden wir die Titelverteidigung mit ganz simplen Mitteln in trockene Tücher bringen." Aber wie sollte man diesen kühnen Plan in die Tat umsetzen, Herr Lippert? "Das kann ich nicht sagen. An der virtuellen Akademie wurden die Module zu Problemlösung und Krisenmanagement nicht mehr angeboten. Angeblich würden diese Themen überbewertet sein." Wieso löst dies beim Chronisten keinerlei Überraschung aus?
Meister Avispa Fukuoka findet sich nach dem ersten Saisonviertel weiterhin auf einem Abstiegsplatz wieder. Immerhin gelang es am vergangenen ZAT, die Rote Laterne an die Yokohama F. Marinos abzugeben, die ebenfalls einen vermurksten Start in die Spielzeit hingelegt haben. Für Coach Wolfgang Lippert eine nicht ganz unbekannte Situation: "Ich habe schon bei vielen Shows den Anfang verhunzt, um dann im Laufe der Sendung nochmals so richtig aufzudrehen." Optimismus pur
also in Fukuoka, wo das subtropische Klima dem beginnenden Herbst noch immer trotzt. Allerdings bleibt es fraglich, ob Lippi zur Ablenkung ostdeutsche Gesangsnummern wird präsentieren können, um in der J-League eine formvollendete Wende hinzulegen. Schließlich ging der hierfür prädestinierte Achim Mentzel weiterhin frecherweise nicht ans Telefon. Vielleicht sollte man es am Freitag zur Ablenkung einmal mit einem Sketch oder der goldenen Showtreppe versuchen.
"Da ist man mal zwei Wochen im Urlaub, und schon richtet der kurz eingewiesene Praktikant ein mittelschweres Desaster an", so Avispa-Coach Wolfgang Lippert nach seiner Rückkehr aus Ost-Berlin zum aktuellen Tabellenstand der Mannschaft aus Fukuoka. Mit Blick auf den Fehlstart ist nunmehr eine Umstellung der Taktik dringend erforderlich, damit man den Kontakt zum Peloton nicht abreißen lässt. Bemerkenswert allerdings, dass die bis dato ziemlich erfolglose Konkurrenz mehr mit Lippi
beschäftigt zu sein scheint als mit dem jeweils eigenen Club. Sollen sie alle nur machen, irgendein Trittbrettfahrer wird dann am Ende grinsend den Meisterpokal in den Händen halten. Für Avispa Fukuoka gibt es zumindest den Trost, dass die AFC Champions League in der kommenden Woche startet und man dort eine Chance erhält, sich im Vergleich mit den asiatischen Top-Teams zu zeigen. Am Freitag steht geht es aber zunächst im Butter- und Brotgeschäft der J-League mit dem passenden Käsebelag weiter.
Die Meisterschaft war am Ende für den bekennenden Brillenträger aus Ost-Berlin nur noch Formsache, aber die Erinnerungen an den bunten Umzug durch Fukuoka nach dem Titelgewinn haben sich auf der Festplatte des ehemaligen Entertainers Wolfgang Lippert tief eingebrannt. Was war das für eine ausgelassene Stimmung bei den ansonsten doch eher reservierten Japanern? Der Buskorso durch die Stadt, flankiert von einer tosenden Menschenmenge, hat sich auf ewig in die Seelen der Avispa-Fans eingebrannt. Doch so langsam ist der Champagner ausgetrunken und das
Feuerwerk verklungen, denn die neue Spielzeit wartet vor den Toren. In Japan wurde dabei die Liga auf 16 Vereine vergrößert, was die Statik einer Saison naturgemäß etwas verändert. Begeistert zeigt sich Lippi in diesem Kontext von der Tatsache, dass bereits alle Clubs der J-League einen Trainer gefunden haben und Japan somit aktuell das einzige Land in Asien darstellt, welches mit Vollbeschäftigung hausieren gehen kann. Wer hätte gedacht, dass von Nippon eine derart erfreuliche Strahlkraft ausgeht. Möge die neue Spielzeit gut gelingen.