Das Spiel gegen den Tabellenführer und Titelfavoriten wurde zur Lehrstunde. Im Fernduell mit dem ebenfalls mit 6:0 siegreichen Hauptstadtrivalen Alianzas, Sporting Cristal, wollte sich Hicks keine Blöße geben und ging auf’s Ganze. Der Plan ging auf, Alianza lag nach nur 15 Minuten hoffnungslos hinten und verzichtete fortan auf jede Gegenwehr. Setzt sich dieser Trend auch heute gegen Unión Minas fort, kann man sich in Lima für den Rest der Saison erneut mit
existenziellen Abstiegsnöten beschäftigen. Solange man drin bleibt, ist es aber letztlich wohl egal, welchen Platz das Team am Saisonende belegt – zur die WM-Teilnahme wird es für den GröTaZ wohl erstmals nicht reichen. Zu wenige Erfolge lassen sich in den letzten vier Jahren seit der vierten Meisterschaft erkennen: Platz 7, Platz 5, Platz 8, und zuletzt der katastrophale 10. Platz. Erfolg sieht anders aus, und so muss man dieser Tage sogar vor einem Aufsteiger zittern.
Unfassbar abgebrüht hat der GröTaZ den knappen Sieg gegen CNI gesichert, so dass Alianza dabei wunderbar Kräfte für die kommenden Aufgaben sparen konnte. Butters versuchte es auf dem gleichen Weg und versagte kläglich, was in Lima die Freude über den gelungenen Freitag noch einmal vergrößerte. Schließlich hat man das 5:6 gegen Real Academia noch lange nicht vergessen. Butters hingegen dürfte diese Hauruckaktion längst bereuen. Nicht nur, dass man sich damit einen der einflußreichsten Menschen Perus zum Feind gemacht hat – obendrein gehen der Streichfett-Truppe auch so langsam die Reserven aus, während sich Alianza berappelt hat und dem Rematch
gelassen entgegenblickt. Auf die Frage eines Reporters, ob er Real Academia den Abstieg wünsche, antwortete dieser nur grinsend: „Dem Club eigentlich nicht, aber zur Zeit lässt sich dieser so schlecht getrennt vom Trainer betrachten…“ Den Hut musste Markert allerdings auch noch ziehen: Vor Doltens Anlageberater. Dem scheint es gelungen zu sein, Dalton mit allem auszustatten, was ein Serienmeister in Peru zur Zeit offenbar benötigt, prallgefüllte Umschläge eingeschlossen. Für den Sieg in Lince war Geld aber überflüssig. Die taktische Verzweiflungs-Marschroute des Herrn Butters war so offensichtlich, dass man es sogar Dalton zutrauen könnte, den Braten gerochen zu haben.
Was ist eigentlich schlimmer? Das unsäglich Getöse, was Kleingeist Dalton Woche für Woche von sich gibt, stets von einer mehr erkauften als erkämpften Überlegenheit fabulierend, oder die Kolumne des Margarine-Fetischisten aus Lince, die in dieser Woche nun wirklich alles bisher dagewesenene toppt. Und das alles für 0,3 Mio Nuevo Sol... nun ja, die Ansprüche sinken. Und Alianza hängt weiter unten drin, was wiederum
ebenfalls die Schuld des ebenso gierigen wie faulen Kolumnisten ist. Jetzt könnte man die Frage stellen, ob der GröTaZ wirklich so viel besser ist. Aber da die Antwort ohnehin "ja" lautet, können wir uns diese Frage auch einfach sparen und stattdessen weiter dem Spieltag entgegen fiebern. Und dazu einen Schluck von der norwegischen Bierplörre, gemischt mit lauwarmem Pfefferminztee. Dann schmeckt der Siegerschampus nachher um so besser!
Eines vorweg: Nur Kleingeister feiern bereits fünf Jahre als weltbewegendes Jubiläum. Wahre Größe beweist, wer es gleich im vollen Dutzend krachen lässt. Ungeachtet des sportlichen Niedergangs wurde in Lima richtig groß gefeiert, als der GröTaZ seinen Amtsamttritt am 4. Februar 2000 noch einmal Revue passieren ließ. Größen aus aller Welt waren zugegen, von Barack Obama über John F. Kennedy bis hin zu Mahatma Gandhi war die politische Elite nahezu vollständig vor Ort – sogar dem Tod wurde ausnahmsweise ein Schnippchen geschlagen. Nur den Irren aus Caracas hatte man vorsorglich ausgeladen – und kurzfristig auch den Fünfjahresjubilar aus Lince, der einsam und allein mit ein paar gekauften „Freunden“ feierte, während in Lima die Riesensause ging. Dalton durfte hingegen kommen, auch wenn er sich erneut mit Gerüchten über gekaufte Alianza-Pleiten konfrontiert sah. So soll er seine Hände
auch beim letzten 5:6-Heimdebakel der Blancazules im Spiel gehabt haben. Letztlich überwog aber auf allen Seiten die Feierlaune, und Dalton ist bekanntlich dem Feuerwasser nicht abgeneigt. Letztlich führte ihn seine Feierleidenschaft jedoch in einen benachbarten Ziegenstall, in dem er seinen Rausch genüßlich ausschlief, während anderswo noch das Lama steppte. Juary hingegen – obgleich sportlich nur noch zweitklassig – erwies sich als äußerst trinkfest und gewann das (anlässlich der langjährigen Amtszeit des GröTaZ wegen des passenden Namens angesetzte) Alt-Wetttrinken mit „köstlicher“ Düsseldorfer Dunkelplörre gegen den ebenfalls als Gast angereisten Chrille. Die anderen Gäste hielten sich vorsorglich von dem braunen Süppchen fern und feierten stattdessen mit Champagner, Cerveza Cuzqueña (Cristal kommt uns nicht ins Haus!) und einigen edlen „Feingeistern“ im geeisten Gläschen.
Während die Staatsanwaltschaft in der Bestechungsaffäre um Dalton und Co. jeden überreichten Umschlag doppelt umdreht, versucht sich der Beschuldigte bereits in Sachen Verteidigung. Die 50 Riesen haben er dem Schiedsrichter keineswegs „geschenkt“. Stattdessen sei man schon lange befreundet und Daltons Frau, Señora Dalton (hat die jemals schon mal jemand gesehen?), habe dem Schiedsrichter einen Privatkredit für dessen Reihenhausfinanzierung angeboten. Zum beinahe marktüblichen Zins natürlich, eine Win-win-Situation für beide und in langjährigen Freundschaften völlig normal. Dalton selbst sei zudem nur der Überbringer gewesen.
Unterdessen hatte der Staatsanwalt, ein gewisser Señor Untaxiba (sprich: „Unterschieber“), einen weiteren Umschlag entdeckt, den Dalton dem Schiedsrichter einer anderen Partie übergeben haben soll.
Alles halb so will, auch dieser Unparteiische sei ein langjähriger Freund gewesen, in dessen Wohnung in den Anden Dalton mehrfach auf der Durchreise zum nächsten Spiel übernachtet haben soll. Dafür seien natürlich die üblichen (umgerechnet) 150 Euro fällig geworden, die man auch überall sonst auf der Welt für Übernachtungen bei Freunden berappen muss. Und ganz nebenbei hat Sporting Cristal alle Spiele unter seiner Leitung gewonnen. Aber das kann ja auch Zufall sein.
Und so ganz nebenbei hat Alianza wieder mal auswärts gewonnen. Aber in dem ganzen Wirbel um Dalton und seine Freunde kann so was ja schonmal untergehen. Wird Zeit, dass der Fall zu den Akten gelegt wird. Menschenrechte gelten ja bekanntlich immer noch auch für kleinwüchsige Herren mit verschlagenem Blick. Demnach wird ein anständiger Kerl wie Dalton ja wohl noch gute, alte Freunde haben dürfen...
Verraten und verkauft? Zumindest für den Clásico scheint das neuerdings zu gelten! Langfinger Dalton sieht sich scharfen Vorwürfen der Hauptstadtpresse ausgesetzt. Offenbar haben sich Informanten zu Wort gemeldet, denen zufolge der Heimsieg Sporting Cristals gegen Alianza Lima dreist erkauft wurde. Der Schiedsrichter soll demnach 50.000 Nuevo Sol erhalten haben, um Alianza verlieren zu lassen. Kann es unter diesen Umständen Zufall sein, dass dem Team des GröTaZ alle vier Treffer (drei davon reguläre) aberkannt wurden, Cristals Führungstreffer aber gegeben wurde, obwohl der Torschütze zum Zeitpunkt der Ballabgabe mindestens zehn Meter im Abseits stand und den Ball obendrein mit beiden
Händen angenommen hatte? Besorgte Alianza-Fans fordern nun, die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft auch auf das verlorene Heimspiel gegen den FBC Melgar auszuweiten. Wenn eine so heimstarke Mannschaft wie Alianza im eigenen Stadion überraschend verliert, kann das der Argumentation der Fans zu Folge doch kaum mit rechten Dingen zugegangen sein – und schon gar nicht, wenn zeitgleich ein kleinwüchsiger Streifenfetischist mit allen scheinlegalen und illegalen Mitteln Spielausgänge eben dieses ebenso populären (bei der Mehrheit der Bevölkerung) wie verhassten (bei der neidischen Minderheit) Teams zu manipulieren versucht und dies in mindestens einem Fall (hoffentlich bald) nachweislich getan hat!
Der Ausflug in die eisigen Höhen von Cerro de Pasco ist trotz Nebels und schlechter Sicht beim Anflug auf den gefährlichsten Flughafen der Welt glücklich zu Ende gegangen – ohne Absturz der Vereinsmaschine und mit drei Punkten im Gepäck. Damit geht der überraschende Höhenflug von Alianza auch in Meereshöhe unverändert weiter. Dieses Wochenende hat man glücklicherweise keine Reisestrapazen vor sich, beide Spiele finden in der Hauptstadt des Weltfussballs statt. Das Heimspiel gegen den FBC Melgar findet jedoch nur unter ferner liefen Beachtung, auch wenn Miccele mittlerweile seit fast 18 FIFA-kalendarischen Monaten (in Copa-Zeitrechnung seit mehr als vier Jahren, Anm. d. Red.) das Steuer in der Hand hält und durchaus einen gewissen Respekt verdient hätte. Zu seinem Pech findet am gleichen Wochenende jedoch auch der Clásico gegen Sporting Cristal statt, der ganz Lima seit Wochen elektrisiert. Wenn der Rekordmeister auf den beliebtesten Club des Landes trifft, sind die Straßen der Hauptstadt wie leergefegt. Die Kriminalität ist dann kaum höher als jene in Manila, wenn der dortige Nationalheld Manny Pacquiao
(übrigens ein bekennender Alianza-Fan) im Boxring antritt. Nur das fiese Gesocks von Universitario sorgt dann noch für big trouble in little Lima. Die übrigen Hauptstadt-Clubs haben ohnehin nur sehr wenige bis gar keine Fans, und selbst diese Exoten gucken sich insgeheim lieber den Clásico als das erbärmliche Gekicke des eigenen Teams an. Es gibt jedoch auch einige Experten, die generell bei Spielen vonSporting Cristal eine gesunkene Kriminalitätsrate gemessen haben wollen. In der Regel führen sie diese Tatsache – mit gewisser Berechtigung – darauf zurück, dass ein Dalton, der an der Seitenlinie Anweisungen geben muss, während dieser Zeit nichts schlimmeres anstellen kann. Um so schlimmer stellt sich die Statistik der örtlichen Polizei jedoch nach dem Abpfiff dar, wenn die Anhänger der unterlegenen Teams (in der Regel Sporting Cristal) ihrem Frust durch Randalieren Luft machen. Mehr Clásicos für mehr Sicherheit auf Limas Straßen: Diese oft erhobene Forderung stellt sich unter diesen Umständen als naive Milchmädchenrechnung dar. Vielleicht kommt es ja auch daher, dass ihr Urheber ein gewisser Lutscher ist…
Moderator: „Herzlich Willkommen zu „Tahuantinsuyo“ (für alle nicht des Quechua Mächtigen: Inka-Reich, Anm. d. Red.), der Spielshow für alle Peruaner mit wilder Gier nach Gold. Nachdem im fernen deutschsprachigen Raum einst die Suche nach dem mysteriösen Zonk für Spaß und Spannung sorgte, hat man hierzulande noch einen draufgesetzt: Statt mit drei Toren spielt man hier mit vieren. Allerdings, dem geringeren Budget zuliebe, in der fiesen Variante: Hinter einem Tor verbirgt sich ein Goldbarren mittlerer Art und Güte, hinter den anderen dreien liegen unsere Trostpreise. Unsere heutige Kandidatin, ähh, wie war noch gleich der Name, … (wartet auf den Tipp aus der Sendezentrale) … richtig, unsere Kandidatin Mama Ocllo ist heute ganz besonders euphorisch, denn zum Jubiläum unserer Sendung gibt es heute statt nur einem gleich zwei Goldbarren zu gewinnen! Allerdings sind auch die Trostpreise von besonderer Art! Mama Ocllo, für welches Tor entscheiden Sie sich?“
Mama Ocllo: „Ich wähle Tor 4!“
Moderator: „Dann öffne ich jetzt erst einmal Tor 3, damit Sie sehen, welchen Preis Sie nicht gewonnen haben.“ Der Moderator öffnet Tor 3, dahinter kommt ein großer, rissiger Plastikfuss zum Vorschein. „Es wäre Fußpilz gewesen! Wollen Sie wirklich bei
Tor 4 bleiben?“
Mama Ocllo: „Da habe ich ja noch einmal Glück gehabt! Aber ja, ich bleibe bei Tor 4!“
Moderator: „Nehmen Sie doch Tor 2! Und ich verspreche Ihnen, in Tor 2 steckt nicht die Garantie für drei Jahre Karies inklusive schlimmer Zahnschmerzen!“
Mama Ocllo: „Was könnte denn dannn drin sein?“
Moderator: „Eigentlich darf ich es ja noch nicht verraten, aber weil Sie so ein nettes Lächeln haben: Die beiden anderen Preise sind die beiden Goldbarren oder aber ein ganz besonderer Preis mit dem vielsagenden Titel: Lutscher bleibt in Peru! Hahaha!“ Ein fieses Grinsen huscht ihm über das feiste, speckig glänzende Gesicht.
Die Kandidatin guckt etwas irritiert: „Lutscher wer? Nein, nein, also ich bleibe dann doch lieber bei Tor 4. Lieber drei Jahre Karies als irgendsoeinen Lutscher an der Backe zu haben.“
Moderator: „Oho, na dann öffnen wir mal Tor 1. Na da sind sie ja, die Zahnschmerzen. Also dann, Lutscher oder Gold?“
Mama Ocllo: „Ich nehme das Gold. Tor 4!“
Der Moderator öffnet Tor 4. Es ist das Gold. Die Kandidatin jubelt, ansonsten hat sich in Peru nichts getan. Tor 1 ist im selben Moment vergessen. Und der Sender ist um zwei Goldbarren ärmer.
Es geht langsam wieder aufwärts für den Dino in Perus Eliteliga. Mit dem Heimsieg gegen Alcides Vigo – ungewohnt ungefährdet noch dazu – hat Alianza das untere Tabellendrittel erstmals seit Monaten wieder verlassen. Außerdem konnte Señor Alvarez Titelhamster-Dalton beim Evening of Champions, einem abendfüllenden Duell aller noch in der Liga aktiven (Ex-)Meistertrainer in Disziplinen abseits des Platzes, sowohl im Darts als auch im Kickern bezwungen werden. Der Gesamtsieg ging damit ebenfalls an den GröTaZ, auch wenn beim Billard der kleine Latino im gestreiften Strampelanzug die Nase vorn hatte. Wenn schon auf der großen Bühne keine großen Erfolge mehr glücken, muss man eben bei den kleinen Dingen für Furore sorgen.
Doch damit noch nicht genug der Höhenflüge. In der nächsten Woche geht es für Alianza nach langen Jahren des Wartens endlich wieder hoch hinaus – ins höchstgelegene Fussballstadion der Welt. Unión Minas, in Cerro de Pasco beheimateter Ex-Meister, musste lange in der Segunda ausharren, erst dem fünften Trainer gelang es, das Traditionsteam zurück an die Fleischtöpfe der (Fussball-) Macht zu führen. Für den vierten Meistertitel der Vereinsgeschichte wird es unter Makaay10 aber vorerst wohl nicht reichen, vorerst hält der Aufsteiger die rote Laterne fest in den Bergbau-erprobten, schwieligen Händen. Im Übrigen: Sporting Cristal befindet sich nur einen Rang darüber. Sollte der Titelhamster etwa zur Eintagsfliege verkommen?
Auch nach der wundersamen Rettung bleibt Alianza ein Fall für den Psycho-Doc. Ein 0:4 gegen CNI, so etwas erbärmliches hätte es früher nicht gegeben. Nun ja, damals existierte CNI ja auch noch nicht als Profiverein. Glücklicherweise gelang es aber auch keinem der Konkurrenten, sich mit einem Auswärtssieg ein frühes Polster zu erarbeiten. Gegen den ersten Tabellenführer der neuen Saison, Alcides
Vigo, hat der GröTaZ nun alle Chancen, sich trotz Fehlstarts als ernstzunehmer Mitstreiter um die internationalen Plätze zu profilieren. Und die wird er nutzen, da sind sich die Experten einig. Denn schon in Kürze will Alianza wieder den Pokal des peruanischen Champions in die Luft recken können. Denn nur das kann der Anspruch des weltbesten Fussballvereins sein, und der ist Alianza nunmehr in der 32. Saison in Folge.
Das Wunder von La Victoria hat alle Planungen über den Haufen geworfen. Ein Leben im Untergrund (aka. Segunda División), wie es von einem weniger glücklichen Kontrahenten ins Spiel gebracht wurde, wird es für den GröTaZ vorerst nicht werden. Alianza wird stattdessen mindestens ein weiteres Jahr die beste Fussballliga der Welt herausfordern, sehr zum Leidwesen der Zweitligateams, denen nun üppige Zuschauer- und TV-Einnahmen entgehen. Die Chancen auf einen erneuten Klassenerhalt stehen zudem gut, da die beiden Aufsteiger ihre Erstligatauglichkeit in früheren Jahren nicht unter Beweis stellen konnten. Weder Makaay10 (Ex-Deutschland) noch Pedding Lutscher (Ex-Brasilien) können auch nur einen einzigen Titel ihr Eigen nennen. Hinzu kommt ein um 4,5% kleinerer Etat als bei allen etablierten Erstligateams, ein nict zu unterschätzendes Handicap. Dennoch: Traut man der Statistik, muss nur einer der beiden zurück in das Loch, aus dem er
gekrochen kam. Der zweite Platz auf der Abschussrampe dürfte sich bei den NMRs entscheiden. Der erste, der zuckt, fliegt. So sollte es zumindest in der Theorie sein, auch wenn die letzte Saison diesbezüglich eine Ausnahme darstellte. Butters, ebenfalls noch titellos, könnte ein Wackelkandidat sein. Der Trend zeigt bei ihm mindestens so steil nach unten wie bei Alianza. Überhaupt gilt: Der Anteil der titellosen Trainer ist so groß wie nie. Lediglich Markert, Dalton, Fidjestöl (alle in Peru) und mpax (Costa Rica) konnten bereits eine Meisterschaft holen. Schlechtes Omen für die Titellosen, oder erst recht eine besondere Motivation? Die Zeit wird es zeigen – doch das erste Duell zweier Ex-Meister steht schon deutlich früher an, wenn Markert auf den norwegischen Über(Ski-)flieger trifft. Ein Sieg ist für CNI Pflicht, während Alianza befreit aufspielen kann. Verkehrte Welt im guten, alten Peru, dem Mutterland des Fussballs…
4326 Tage ununterbrochene Erstklassigkeit, 690 Spiele in der Primera División und 413 Ausgaben ARRIBA ALIANZA, alles unter dem gleichen Trainer – und jetzt: Alles aus? Gott sei Dank nicht, Alianza bleibt erstklassig.
Trainer Florian Markert, der wohl abgebrühteste Hund unter den Trainern dieser Welt, hatte Tränen in den Augen, der König seiner Zunft wurde von nie gesehenen Emotionen übermannt, als seine Mannschaft am letzten Spieltag eines unfassbar nervenaufreibenden Jahres gegen Estudiantes de Medicina das 6:0 erzielte und damit den endgültigen Schlusspunkt unter eine Saison setzte, die durchschnittlich begann, katastrophal ihren Verlauf nahm und am Ende in einem der größten Momente der Vereinsgeschichte endete. Alianza Lima steht, entgegen aller Wetten und gegen jede Vernunft, auch in der 34. Copa-Saison im Teilnehmerfeld der F.P.F. Primera División.
Der Dank der Fans gilt dem Kollegen mpax, der sich von der Gelegenheit, mit einer einzigen brutalen Zerstörungsmaßnahme auf Kosten des eigenen Erfolges Geschichte zu
schreiben, nicht beeinflussen ließ und am Ende hochverdient ins internationale Geschäft einzieht. Unsere Tränen und unser Mitgefühl gelten Andi von Hideta, der nach großem Kampf am Ende vier Treffer zu wenig erzielt hat und den schmerzlichen Gang in die beste zweite Liga der Welt antreten muss. Unsere Glückwünsche hingegen gelten unserem Lokalrivalen, dem Rekordmeister Sporting Cristal, der mit der achten Meisterschaft ein weiteres Kapitel Fussballgeschichte schreibt. Meistertrainer Señor Alvarez Dalton jedoch, und das ist vielleicht noch ein Stückchen grandioser, schafft im vierten Erstligajahr in Peru die vierte Meisterschaft (!) und zieht somit nach Titeln mit dem GröTaZ gleich. Markert nahm es gelassen: „Nächste Saison ist es an uns und dem Rest der Liga, den Beweis zu erbringen, dass auch eine Meisterschaft ohne jubelnden Dalton möglich ist. Bis dahin werden wir allerdings erstmal den Klassenerhalt feiern.“ Im Hintergrund erklingen alkoholgechwängerte Partyschlager, das Wort „Wunder“ taucht immer wieder auf. Kein Wunder, bei dem Saisonverlauf.
Der Patient war ganz offensichtlich mausetot, die Wiederbelebungsmaßnahmen liefen zwar noch, versprachen aber kaum noch Erfolg. Eine Überraschung war das nicht, dieser Ausgang war bereits vor einer Woche mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,9% beziffert worden. Doch dann gab es plötzlich einen Ausschlag auf dem EKG. Aus dem Nichts stand der Patient wieder auf der Schwelle zwischen Leben und Tod. Nur ein letztes Aufbäumen oder doch der berühmte seidene Faden? Für die Fans von Alianza Lima stellt sich diese Frage nun auf einmal wieder, nachdem alles schon verloren schien. Der Klassenerhalt ist zwar noch lange nicht erreicht, aber die Chancen stehen nun wieder bei fifty-fifty. Entscheidender über Leben und Tod ist indes weder Alianza-Coach Markert noch sein Amtskollege Andi von Hideta auf Seiten von Unión Huaral, sondern (zumindest in erster Linie) mpax, Aufstiegsheld von Estudiantes de Medicina. Und ein ganz erfahrener Trainer obendrein. Während man bei Unión Huaral eigenen Angaben zufolge noch auf vier Punkte aus den letzten beiden Spielen hofft, legt sich Markert auf das Gegenteil fest: „Beide Teams holen drei Punkte, nicht mehr und nicht weniger. Am Ende wird die Tordifferenz über Aufstieg und Klassenerhalt entscheiden
müssen.“ Von Hidetas Einschätzung spekuliert offenbar darauf, dass mpax es in Lima mit einer offensiven Aufstellung versuchen wird. Tatsächlich hält Markert das aber für ausgeschlossen: „Mpax ist erfahren genug, um zu wissen, dass bei uns nichts zu holen ist. Letztlich muss er aber ganz allein entscheiden, welche Strategie er für die richtige hält. Erfahren genug ist er allemal.“
Lediglich ganz besonders risikobereite Zocker setzen unterdessen auf eine dritte Variante: Gelingt es sowohl Alianza als auch Huaral, vier Punkte mit nach Hause zu nehmen, könnte Virgen de Chapi der weinende Dritte sein. Der dortige Trainer ist bereits in Panik verfallen und kündigt den eigenen Abstieg mit Gewissheit an. Weiß er mehr als die Konkurrenz? Sollte man auf den dritten Weg wetten und so über Nacht zum Multimillionär werden? Den Alianza-Fans ist das derzeit reichlich egal. Sie hoffen lediglich, dass ihre Mannschaft am Ende des morgigen Tages noch immer Zehnter ist. Es wäre die schlechteste Platzierung der Vereinsgeschichte. Und zugleich ein grandioser Erfolg eines Totgesagten. Nur noch wenige Stunden Zittern, dann herrscht Gewissheit. Ob grausam oder strahlend, kann derzeit wohl nur mpax beantworten. Es sei ihm gegönnt.
Nachdem der Abstieg mittlerweile zu 99,9% feststeht, ist die Laune in Lima auf dem Tiefpunkt. Trainerlegende und Bald-Absteiger Markert zeigte sich demonstrativ unkooperativ, wenn er um Einschätzungen zur Lage gebeten wurde. Alles in allem bekommt man den Eindruck, die Vorbereitungen auf die Segunda Division hätten schon begonnen. Zumindest wurde angesichts der unpopulären Teams in der zweiten Liga damit begonnen, die
Gästeblocks im Stadion durch Heimblocks zu ersetzen. "Die Luschenteams da unten drin haben ohnehin keine Fans, da brauchen wir auch keine Plätze freihalten", murmelte der Vereinspräsident als knappe Begründung für diese sicherlich nicht überall positiv aufgefasste Entscheidung. Als lockeren Abschiedv on der Liga (denn heute wird der Abstieg wohl amtlich) hat man für heute allerdings zwei klare Heimsiege eingeplant.
Alianza hat gewonnen – im bis dato wichtigsten Spiel der Saison wurde Sporting Cristal mit 3:0 nach Hause geschickt. Von diesem Sieg muss (und wird) man in La Victoria lange zehren, das nächste Duell wird wohl erst in ferner Zukunft stattfinden. Doch um dem Schicksal nicht tatenlos in die Arme zu fallen, hat man in Lima bereits mit den Vorbereitungen für die erste Segunda-Saison der Vereinsgeschichte begonnen. Für die Traditionsauswärtsduelle gegen Juary (Universitario), Mrs. Paige Philips (Cienciano) und M. Power (Olímpico Somos los Otros) wurden den gastgebenden Teams bereits große Teile ihrer Kartenkontingente im Voraus abgekauft, damit die vielen mitgereisten Alianza-Fans (die ins
Monumental U nicht gerade die weiteste Anreise haben) diesen historischen Momenten beiwohnen können und nicht alles von dort heimischen Zweitligafans überschwemmt wird, die endlich wieder ein gefühltes Erstligaspiel ihrer Mannschaft sehen wollen. Alles in allem scheint es zumindest, als habe man sich in Lima bereits mit der Segunda arrangiert.
PS: Manniii 0703 scheint die Flucht vor der FARC gut überstanden zu haben. Wir haben mit den dortigen Führern lange diskutiert und sie am Ende davon überzeugen können, Manniii wieder von der Schwarzen Liste zu streichen. Stattdessen wurde Hardkore auf diese Liste gesetzt. Kein Wunder also, dass er CD Municipal bereits wieder fluchtartig verlassen hat.
Nach langer Wartezeit kommt es am Wochenende im Estadio Alejandro Villanuea endlich wieder zu einem Aufeinandertreffen mit Señor Alvarez Dalton und dessen Club Sporting Cristal – und der ist immer noch der Rekordmeister der FPF Primera División. Lange musste man darauf warten, und, Ironie der Geschichte, auch auf das nächste Heimspiel gegen den Lokalrivalen wird man lange warten müssen. Diesmal ist es allerdings nicht der Gegner, der durch einen Abstieg die Wartezeit auf den nächsen Clásico erheblich verlängert, sondern Alianza selbst macht sich – erstmals in der Vereinsgeschichte, auf die Reise ins Ungewisse, im Volksmund auch Segunda División genannt. Doch so riskant diese Reise auch ist – immerhin rechnet der
GröTaZ mit mindestens fünf Jahren Verweildauer im Unterhaus – schlimmer kann es immer noch kommen. Niemand beweist das besser als der arme Manniii 0703, der nach dem 6:5-Auswärtssieg gegen Alianza um sein Leben fürchten muss und erst einmal untertauchte, mitsamt der ganzen Mannschaft. Mit der organisierten Kriminalität des gesamten Planeten ist eben nicht zu spaßen, und ein Großteil dieser Herren (und Damen?) scheint es derzeit insbesondere auf den Defensor-Trainer abgesehen zu haben. Gerüchte, wonach der Alianza-Präsident bereits lautstark gefordert habe, man möge ihm doch bitte noch in dieser Woche Manniiis Kopf auf einem Silbertablett servieren, gehören nach Aussagen des Alianza-Pressesprechers jedoch ins Reich der Fabel.