In der vergangenen Woche ist in Samarkand nicht viel passiert. Nur zwei Spiele, zwei Siege. Pepeke Khan hat mit blankem Holzschwert klargestellt, wofür er steht: für den SIEG. “Fußball ist KRIEG, nur mit Ball statt Pfeil!", hörte man ihn wiederholt über den Trainingsplatz schreien.
Das Ergebnis ließ ihn triumphieren. Neuer Tabellenplatz der gefällt. Presseanfragen wurden abgeschmettert. "ERST SIEG, DANN REDE! Jetzt NIX Zeit, jetzt NUR SCHWERT!", donnerte er gegen die Presseleute.
Währenddessen glaubt man in der Hauptstadt in Samarkand könnte
ein Posten frei werden, platzte dem Steppenfürst endgültig der Kragen. Mit hochgereckter Faust und knallrotem Gesicht polterte er: "NO, GARDASLAR! KEIN POSTEN FREI! Ich NICHT Damenrad, das jeder mal fahren kann! Ich SATTEL, ich PFERD, ich BLEIB SITZEN.
Hikari findet Elvijra und Oksana in seinem Keller, da wo auch Bernd W. steckt. Doch während bei Elvijra und Oksana hin und wieder das Licht aufgeht, bleibt es bei Bernd W. immer dunkel.
Pepeke Khan jedenfalls steht weiter auf dem Trainingsplatz und schaut sich nach dem Training Oma-Serien an. Auch gute Vorbereitung auf nächsten Gegner.
Mehr als Mittelmaß ist anscheinend nicht drin für Namangan. Letzte Saison gab es nur Platz 6 und wurde nur der Cup der Verlierer gebucht, obwohl bis kurz vor Saisonende sogar noch Chancen auf mehr da waren. Jetzt ist es nach der Hälfte der Spiele wieder nur Platz 6.
Maß und Mitte müssen in der Rückrunde vielleicht einmal zugunsten einer risikofreudigeren Spielweise hintenanstehen. Vielleicht hilft es ja ein wenig und kann auch die Fans wieder begeistern. Denen bleibt als Mittel sonst immerhin die Maß.
International mal kein Spiel. Ausgeschieden? Zum Glück nicht. FK Mashal Muborak wird mit der Doppelbelastung noch eine Weile länger klar kommen müssen - man hat die internationale Gruppenphase wieder einmal überstanden und dürfte damit auch weitere wichtige Punkte für Usbekistan im internationalen Ranking holen können.
Aber am heutigen Freitag darf man sich dennoch auf die Liga konzentrieren, denn international geht es zunächst noch nicht weiter. Die Spieler von Wolfgang See möchten das nutzen, um sich in den Top-6 des Landes weiter festzubeißen.
Park Cafe, Hikaris Frau mit Espresso-Vodka „Irgendwann hätte ich auch wieder mal Appetit auf Fleisch. Immer nur Gemüse und Reis hängen mir langsam zum Hals raus…das hat man davon, wenn man einen Vegetarier heiratet…“
Charoshi-Phiki-Bar, Horst mit schmutzigen Gläsern und einem Wettex “Der Job hinter der Bar wird langsam mühsam. Vielleicht sollte ich mich auch um ein Traineramt
bemühen. Dinamo würde mir gefallen…erinnert mich an meine Kindheit“
Uzbekistan Professional Futbol Ligasi Headquarter, Präsident mit Oma Erni „Charoshi Phiki? Sie wollen da ein bisschen viel auf einmal…“
Trainingsplatz von Lokomotiv, Bernd W. mit Mannschaft von Lokomotiv FC „Lokomotiv play Bundyodkor - this means Sex, and Tracks, and Rock’n Roll!“
Keller in Tashkent. Hikari hält seiner Lokomotivpfeife Bernd die Zeitung hin.
«Sag was. Von den Trainern kommt ja nichts.»
Seine Frau kommt herunter. «Felixus hat geschrieben.»
«Der vergisst seinen Strategen am Strassenrand. Wir gewinnen 5:2. Bei Bernds 4:0 gegen uns fehlte dann meiner.»
«Du hast keinen Strategen.»
«Siehst du.»
Hikari setzt sich an die Schreibmaschine.
Pepeke Khan hat sein Pferd gegen ein Damenrad eingetauscht. Der Korb bleibt seiner Hoheit vorbehalten.
Xelaju trinkt neuerdings alkoholfrei. Nachbarn berichten, er sei
nüchtern noch unangenehmer.
Elvijra und Oksana sind längst zurück. Sie verstecken sich nur vor Bernd.
«Das ist alles erfunden!»
«Dann sollen sie dementieren. Endlich mal wieder Zeitung.»
Am Freitag kommen der trainerlose Tabellenführer und Andijon. Zwei Heimspiele. Hikari unterstreicht die Sechs auf seinem Einkaufszettel.
«Und wer ist deine Quelle?»
Er deutet auf die Lokomotivpfeife.
«Die kannst du doch nicht Bernd nennen und ihm solche Aussagen unterschieben!»
Supermarkt in Tashkent. Hikari schiebt den Wagen. Seine Frau legt Reis, Öl und sechs kleine Brötchen hinein.
«Warum sechs?» «Felixus backt nach zwei Niederlagen kleinere.»
«Ich wäre lieber zu Hause.» «Damit du wieder vier Tore und keine Lebensmittel mitbringst?»
«Bernd muss geölt werden.» «Bernd W.?»
«Nein.»
Im Keller stehen sieben ausrangierte Lokomotivpfeifen. Hikari gibt ihnen Namen, ölt sie donnerstags und misst anschließend mit einem Fieberthermometer ihre Betriebstemperatur. Eine heißt Bernd. Seine Frau weiß weder, woher die Pfeifen stammen, noch warum eine davon nachts manchmal den Bahnhof von Samarkand ansagt.
Am Zeitungsregal erfährt
Hikari, dass Elvijra und Oksana die Einkaufspaläste der Emirate hassen und nach Usbekistan zurückwollen.
«Verständlich.» «Du bist seit zwölf Minuten hier.»
«Elf zu viel.»
Am Freitag kommt Felixus mit Navbahor nach Tashkent. Danach wartet ausgerechnet Lokomotiv. Pakhtakor holte zuletzt wieder nur drei Punkte: 6:0 gegen Samarkand, 0:3 bei Mashal.
An der Kasse verteilt Hikaris Frau die Einkäufe auf sechs Taschen.
«Drei für Felixus, drei für Bernd?» «Das sind Lebensmittel. Die Punkte besorgst diesmal du.»
Aus Hikaris Mantel ertönt eine Lokomotivpfeife. «War das Bernd?»
«Nein. Horst.»
Seine Frau schließt kurz die Augen. «Ich frage nicht.»
Da hatten sie ihren für die Erstellung der Zugabgaben extra verpflichteten Strategen doch tatsächlich auf der Rückfahrt vom vorvergangenen Auswärtsspiel vergessen. Ohne Handy, Fahrzeug oder Geld stand der Arme dann da, mitten im usbekischen Nirgendwo und wartete verzweifelt auf eine Mitfahrgelegenheit.
Pünktlich zum Auswärtsspiel gegen Chefeinkäufer Hikari schaffte er es jedenfalls nicht, zur Delegation aus Namangan dazuzukommen. Prompt ging das Auswärtsspiel mit unnötigem Aufwand verloren. Das nächste mal sollte vor der Abreise nochmal durchgezählt werden.
Verrückt! FK Sho'rtanneftgaz G'uzor ist weiterhin das Maß aller Dinge in Usbekistan. Und das nach wie vor ohne Trainer. Man wurdert sich schon ein bisschen, dass da kein Trainer der Copa-Welt zuschlägt. Immerhin hat man sich schon sehr viele Punkte erarbeitet.
Woran liegt es? Trauen die Coaches von Copa Mundial den Spielern es nicht zu, dass sie diese Performance über das ganze Jahr durchhalten können? Oder liegt es vielleicht daran, dass man beim Einstellungstest als Trainer den Klubnamen drei Mal schnell und sauber nacheinander aufsagen muss? Daran scheiterten vielleicht schon viele.
Elvijra: “I hate sand!”
Oksana: “I hate camels!”
Elvijra: “I hate shopping malls!”
Oksana: “I hate praying rooms!”
Elvijra: “I hate Alkoholverbot!”
Oksana: “I fucking HATE Alkoholverbot”
Elvijra: “I miss Tashkent!”
Oksana: “I miss Samarkand!”
Elvijra: “I miss Silk Street!”
Oksana: “I miss Vodka-Redbullshit!”
Elvijra: “I miss Vodka!”
Oksana: “I miss Charoshi-Phiki Bar!”
Elvijra: “I miss Bundyodkor!”
Oksana: “Really? HAHAHA !”
Elvijra: “So, what are we doing here?”
Oksana: “Let’s fuck off from this shit-hole!”
Da lief das vorvergangene Wochenende derart gut, dass sich Trainer Felixus schon auf dem Weg zur Meisterschaft sah und der Konkurrenz großspurig einen vorrechnete und dann das: Zwei Heimspiele, beste Voraussetzungen für einen weiteren Sprung in der Tabelle, doch statt der nächsten beiden Siege hagelte es Gegentore und musste eine Niederlage gegen den führungslosen Tabellenführer hingenommen werden.
Die Brötchen werden wieder kleiner, die Ankündigungen weniger und das Training härter. Wenns hilft!?
Nicht nur Lokomotiv Tashkent befindet sich im Nirgendwo der Tabelle. Auch zwei Nebendarsteller der Professional Futbol Ligasi treffen sich kurz vor dem dieswöchigen ZAT im Nirgendwo.
Wer nun bei "Nebendarsteller" gleich mal an Hikaris Frau oder gar Pepeke Khan gedacht hat, liegt falsch: Vielmehr sind es Jamal Bond und Horst, die man Shisha rauchend in einem ansonsten leeren Lokal namens 'Pepis Xschnitz’l-House', irgendwo an der Seidenstrasse, antrifft.
Jamal Bond: „Samarkand? Warum treffen wir uns ausgerechnet HIER – in diesem Kaff?“
Horst: „Hier kennt uns niemand. Hier hat keiner Ahnung von Fussball. Hier gibt es einfach Nichts. Hier gibt es nur Seidenstrassenköter und Sexarbeit, nichtmal RocknRoll.“
Jamal Bond: „Und was willst du?”
Horst: „Elvijra. Oksana. Du darfst die beiden auf keinen Fall finden! Denn sonst bin ich meinen
Job in der Charoshi Phiki wieder los“
Jamal Bond: „Was kannst du bieten?“
Horst: „Geld.“
Jamal Bond: „Interessiert mich nicht.“
Horst: „Gemüse.“
Jamal Bond: „Nicht schlecht. Hast du was anderes?“
Horst: „Ich kenn da einen Schachgrossmeister, der könnte…“
Jamal Bond: „Ich überlegs mir…“
Horst: „Und dann wär da noch was…“
Jamal Bond: „Hä ?“
Horst: „Tashkent darf nicht Jizzax werden….“
Jamal Bond macht er einen letzten Zug von der billigen Shisha, steht auf, geht langsam weg, und denkt „Ich hasse dieses Shisha-Zeugs, und der Typ aus der DDR geht mir auch auf den Sack. Überhaupt, ganz Samarkand ist für die Fisch! Die können mich alle mal - Ich werde einfach W.‘s Auftrag erledigen“
Dachten sich Felixus und sein Team aus Namangan und kamen mit der maximalen Punkteausbeute vom vergangenen Spieltag zurück. Hoffentlich werden die Konkurrenten da nicht neidisch. Und während sich anderswo über zu viele Auswärtsreisen beklagt wird, spielt Navbahor beide kommende Spiele zuhause. Das riecht doch nach einem weiteren Sechs-Punkte-Einkaufsbummel. Dafür geht es aber gegen den untrainierbaren Spitzenreiter mit dem unaussprechlichen Namen. Also wäre man vielleicht auch mit vier Punkten aus dem kommenden Wochenende ganz zufrieden…
"Die Katastrophe", so titelte das meist gelesene Blatt des Landes nach den zwei Niederlagen am vergangenen Freitag. Nach dem zunächst gelungenen Start in die Saison hagelte es nun zwei knappe Niederlagen am Stück für FK Mashal Muborak. Und beide Spiele gingen denkbar knapp aus.
Das werfen nun die Journalisten dem ungeliebten Trainer vor, denn seine Taktik sei entscheidend dafür gewesen, dass die letzten Prozente fehlten und keine Punkte geholt wurden.
Da kommen die Taylor Swift-Gerüchte aus Japan nun zur Unzeit und sorgen für noch mehr Wirbel in Muborak. Man kann nur hoffen, dass die Schreiberlinge in Japan nach den Duellen in der Champions League nicht weiteres Öl ins Feuer gießen.
Sieben Spieltage, neun Punkte, zwei verlorene Heimspiele. Die Meisterschaft ist offiziell dahin, und mit ihr die letzten Reste von Pepeke Khans Engelsgeduld. Wer dachte, ein Steppenfürst führe seine Truppen ausschließlich mit weiser Ruhe, wurde diese Woche auf dem Trainingsplatz eines Besseren belehrt: Khan erschien hoch zu Ross, Schwert geschwungen, und scheuchte seine Mannschaft über den Platz, als gelte es, eine feindliche Karawane abzufangen. Die Balltechnik blieb dabei zweitrangig.
Beobachter berichten, selbst der Zeugwart habe
sicherheitshalber Deckung gesucht. Khan selbst blieb unbeeindruckt: „Wer nicht rennt, wird geritten. So war es immer, so wird es bleiben.“
Für Ablenkung sorgen unterdessen neue, reichlich suspekte Nachrichten: Aus den Emiraten mehren sich Lebenszeichen von Elvijra und Oksana. Details bleiben vage, Gerüchte üppig. Die Rede ist von Sonnenbrand, Shisha-Bars und einem gewissen Tor-Stan, der zufällig ebenfalls dort weilt. Bernd W. wurde zu den Vorgängen nicht erreicht; man munkelt, er packe bereits den Koffer.
Usbekistan bleibt gespannt.
Quo vadis? Erstmal ins Krankenhaus, den immer noch unter der Vergiftung leidenden Trainer Xelaju besuchen. Während der Mannschaftskapitän noch mühselig versuchte, mit dem Handy die Pressekonferenz zu starten, blickte Xelaju versonnen ins Abendlicht: „Wir hatten zwei Auswärtsspiele hintereinander! Bei den Distanzen in Usbekistan, den schlechten Straßen und den, äh, Sicherheitskontrollen durch patrollierende Fußballfans, die jeweils Schlagbäume in den eigenen Vereinsfarben über die
Straße legen, ist das keine Zumutung mehr, das ist Wettbewerbsverzerrung. Kein Wunder, dass wir ohne eigenen Treffer wieder zurückgekommen sind. Und wen schicken sie uns jetzt zum Heimspiel? Den unangefochtenen, den ungeschlagenen Tabellenführer! Wie sollen wir denn in unserem Zustand überhaupt 11 Leute zusammentrommeln? Gut, wir haben unsere B-Jugend, die waren nicht unterwegs. Das wäre eine Option, aber ich de-“ jäh durchzuckt einer Schmerz Xelaju. Als verlorener und vergifteter Sohn leider er viel - wie lang noch?
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