"Man muss sich doch nur mal vorstellen wie es ist, eine ganze Flasche sidra trinken zu müssen, die einfach nur erbärmlich schmeckt. Schaler Geschmack, dann noch direkt und bis zum Rand in ein Plastikglas eingeschenkt, dazu dann noch schlechte Apfelqualität - das kann nichts werden." Als Guatemalaria die Pressekonferenz mit diesen Worten eröffnete, rieben sich die anwesenden Reporter die Augen und putzten sich die Ohren, die meisten heulten bei der Aufzählung an Verbrechen am Nationalgetränk Asturiens laut auf. Der Blick auf den Spielplan Real Oviedos ließ es bereits erahnen - der asturianista-Trainer echauffierte sich
über die trainer- und seelenlosen Gegner. "Es wird Zeit, dass mal jemand sauber macht. Aber genug dieser Worte, lasst uns auf uns selbst schauen. Wir sind noch in Schlagdistanz zu den internationalen Plätzen, aber unser Kader ist durch einige Verletzungen gefährlich geschrumpft und unsere A-Jugend ist ja bekanntlich noch bei der Apfelernte. Das wird eine knappe Kiste, zumal es jetzt nicht nur gegen seelenlose Mannschaften geht, die spätestens nächste Woche ohne TK dastehen werden, sondern weil wir mal wieder das Barcelona-Double vor der Brust haben. Puxa Asturies, damit die heldenhafte Stadt der Helden ihre Helden auch nach Saisonende feiern darf!"
Es waren die erwarteten zwei Niederlagen in Madrid, denen Trainer Guatemalaria auch nicht viel Positives abgewinnen konnte: "Bei den wenig Königlichen haben wir uns ausspielen und übertölpen lassen, als wenn wir eine Woche lang den chigre selbst geöffnet und geschlossen hätten. So viel resaca kann man gar nicht haben. Ob Dino Lambretta mich auf ein Getränk eingeladen hat, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht mehr. Da ist eine Lücke von drei oder vier Stunden nach dem Spiel, die ich noch nicht habe ausfüllen können, aber ich arbeite dran. Zu dem Spiel bei dem
seelen- und trainerlosen Vorstadttreter-Club möchte ich mich nicht äußern. Das war so unterirdisch wie der Gastgeber, auf so ein niedriges Niveau lasse ich mich nicht herunter."
Ein Lächeln wurde Don Guate erst auf die Lippen gezaubert, als er bekanntgab, dass die vor kurzem geernteten Äpfel bereits zu Sidra verarbeitet worden seien und im Anschluss an das Heimspiel gegen Terrassa probiert werden könne. "Wenn Puddel4 Interesse an einer sidrería-Führung hat, nehme ich ihn gern mit. Die Punkte behalten wir gern hier, ein, zwei Flaschen Sidra darf er aber mitnehmen."
Die Konkurrenz der wahren Königlichen aus der heroischen Stadt schläft nicht, sie scheint eher auf die kleinsten Anzeichen von Schwäche oder Fehlern Real Oviedos zu lauern und nun stehen zwei Auswärtsspiele in Madrid an: "Diese Möchtegern-Königlichen ziehen nachts in der neuen Hauptstadt um die Häuser, haben aber auch einen deutlich größeren Kader als wir und können sich
das erlauben. Anschließend geht es noch zu dem kleinen Vorstadtclub, dessen Namen ich vergessen habe. Eklig zu spielen, die trainieren das Simulieren von Kopfverletzungen im Training. Die Regeln geben es her, aber das ist nicht mein Spiel. Kurzum: Zwei Auswärtsspiele in Madrid. Das wird ein schwieriges Unterfangen, dort was zu holen. Es sei denn, Dino Lambretta lädt uns auf ein paar cañas oder tintos ein."
Die erste Apfelernte von Vetustas, äh Oviedos innerstädtischen öffentlichen Apfelplantage wird traditionell von der A-Jugend der wahren Königlichen vorgenommen. Guatemalarias persönlichen Chroniken ist zu entnehmen, dass bereits zu Zeiten der Reconquista die A-Jugendlichen die ersten Äpfel ernteten, um sich so im Laufe der Jahre das Geld für neue Trikots zu erarbeiten. Dass ausgerechnet nun der heroische
Chronist Don Guate höchstpersönlich mit dieser Tradition bricht und die A-Jugend unterstützt, spricht Bände. "Es war Zeit für ein Zeichen des Zusammenhalt, dass ich große Hoffnung in unsere Jugendarbeit stecke und von unserem Weg überzeugt bin, auf die asturische Jugend zu setzen. Und die gemeinsame Apfelernte für unsere Erstabfüllung des "Sidra real" steht für diesen Zusammenhalt."
"Es ist zum Verzweifeln - diese trainerlosen Mannschaft sind doch ein Graus. Keinerlei Taktik, auf die man sich verlassen kann (bis auf "alle hinterm Ball her" oder "alle Manndeckung" oder "alle Raumdeckung" oder "Anarchie - spielt wo und wie ihr wollt"), keinerlei Verlässlichkeit. Da schmeckt mir die sidra nicht. Me cago en la hos-" Trainerlegende und Coach der wahren Königlichen, Guatemalaria, war gar nicht mehr zu beruhigen. Ein 3:3 gegen ein Getafe, wie es ekliger nicht spielen
konnte, war der Anlass für den aktuellen Zweiten der spanischen Liga herumzuheulen, dass die Trainerkonkurrenz schon die Bleistifte leckte und in die Tasten haute.
Am nächsten Tag erschien ein wieder gut gelaunter Don Guate auf dem Trainingsgelände. "Ich habe die heimische Presse gelesen, über und mit Don Crespo gelitten und gelacht, ein pa amb tomaquet gegessen und eine neue Sidrasorte ausprobiert - so lässt es sich doch gut in den Tag starten!" Ob dies in der heißen Ligaphase hilft? Man darf gespannt sein.
3:1 gegen ein trainerloses Alavés - eine kleine Randnotiz in Oviedos Kampf um die Krone in Nordspanien. Den nordspanischen Titel scheint den wahren Königlichen niemand streitig machen zu können.
Eine krachende 0:5 Schlappe bei Espanyol Barcelona - ein Armutszeugnis für Guatemalarias Fabada-Ansatz. "Uns fehlten zwei Zutaten, hostíes, eine fabada ohne Sidra und ohne die Geheimzutat meiner Oma ist wie ein Himmel ohne Sterne, Oviedo ohne Real, den Jakobsweg pilgern ohne beim Salvador gewesen zu
sein."
Ein 6:0 über den amtierenden Meister Barca - ein Feuerwerk der asturischen Fußballkunst. "Kaum haben wir Sidra und meine Oma in der Küche, bekommen wir auch die fabada hin. Dann kann uns niemand bezwingen" erläuterte ein zufrieden, leicht angetüdelter Guatemalaria. "Wir haben Spanien bewiesen, dass man uns nicht abschreiben sollte. Vielleicht von uns abschreiben, aber ohne meine güela und ihre kulinarischen Kenntnisse hilft das auch nicht, lo siento, Don Crespo."
Den enttäuschenden Nullnummern bei den Madrider Gastspielen hatte Trainer Guatemalaria versucht, noch etwas positives abzugewinnen, doch die zwischenzeitlich fast schon von ihm gelobte Abwehrleistung bei den Auswärtsspielen in der Hauptstadt war beim folgenden Auftritt in Valencia schon wieder weg. "Wer auswärts vier Tore kassiert und selbst keines schießt, kann das Spiel nicht gewinnen", sprach der Trainer
und warf sofort einen 20er in das Phrasenschwein. "Die nächsten Spiele sind entscheidend dafür, wie es weitergeht. Wir brauchen mehr Druck auf den Kessel und das geht derzeit daheim, mit Sidra und Fabada, einfach am besten. Es wird Zeit, dass wir diese Klassiker unserer ruhmreichen Küche nun auch wieder auswärts präsentieren". Sprach`s, nahm noch eine Flasche Sidra und schlenderte Richtung Trainingsplatz.
Vollmundig hatte Guatemalaria angekündigt, sein Team wisse nach dem Erfolg über Espanyol, wie man Mannschaften aus Barcelona zu schlagen vermöge. Dass es den wahren Königlichen dann tatsächlich gelang, den amtierenden Meister mit 5:1 im Camp Nou zu besiegen, sorgte selbst bei eingefleischten Asturianistas für ungläubiges Kopfschütteln. „Pos, ye que, ye que…“ Am Tag nach dem Spiel sprach man
in der heroischen Stadt der Helden plötzlich nur noch mit stotternden Satzanfängen, die dann von Handzeichen (links die 5 Finger, rechts ein einzelner Finger) vollendet wurden. Dass es im Anschluss auch noch ein 4:0 über Atlético Madrid gab, war da kaum noch der Rede wert. Spitzenreiter, 16:3 Tore, ein völlig ekstatischer Anhang - wie lang kann das noch gut gehen? „So lange wir Sidra haben, ist alles möglich!“
Die erste Heim-PL bei Real Oviedo begann mit dem traditionellen Abspielen der Hymnen für Asturias und für Real. Anschließend stellte sich Trainer Guatemalaria der versammelten Pressen: "Buenu, am Spieltag 1 ein 2-2 bei Alavés, einer trainerlosen Mannschaft. Was soll ich da noch sagen? Zu wenig für den Sieg, zu viel für die Erholung. Wir sind gestolpert, aber nicht gefallen. Immerhin konnten wir beim 5:0 gegen Espanyol Barcelona schon mal
zeigen, dass wir hungrig sind und wissen, wie man gegen eine Mannschaft aus Barcelona gewinnt. Das war quasi die Vorspeise für Barça!" Angesprochen auf vollmundige Versprechen und am Ende gnadenlose Unfähigkeit, diese auch zu halten, grinste Don Guate, schenkte er seinem Co, dann sich selbst einen Schluck Sidra in das mit dem königlichen Vereinswappen verzierte Sidraglas und verließ, die asturische Hymne pfeifend, die PK. Was für ein Saisonauftakt!
Es war eine ernüchternde Woche für die wahren Königlichen aus dem Königreich Asturien. Erst verlor man denkbar knapp bei den nun von Dino Lambretta trainierten falschen Königlichen mit 0:1, dann gab es im nächsten Auswärtsspiel in Madrid ein 0:0 bei Getafe. „Das war leider fußballerische Magerkost. Wir hatten gesagt, dass die 0 stehen müsse, aber anscheinend haben da nicht nur die Abwehrspieler, sondern auch unsere Stürmer zu gut zugehört. Wir werden das bei Sidra und einer leckeren fabada asturiana nochmal aufarbeiten. Die nächsten Spiele stehen und wir brauchen wieder etwas mehr Dampf unter dem Kessel!“ Sprach Guatemalaria, öffnete noch eine Flasche Sidra und verschwand in Richtung Trainingsplatz.