Manchester United führt die Championship nach zwölf Spielen mit 25 Punkten an, drei Zähler vor Crystal Palace. Eigentlich könnte rund um Old Trafford Ruhe herrschen. Doch unter Trainer hercegi scheint Ruhe derzeit Nichts zu sein, was nicht zum Konzept gehört.
Vier Punkte aus den vergangenen drei Partien haben erstmals ernsthafte Zweifel geweckt. Dem wilden 3:3 bei Arsenal folgte ein desaströses 1:4 zu Hause gegen Cardiff City. Das mühsame 1:0 bei Everton verhinderte zumindest, dass aus einer kleinen Ergebniskrise eine große wurde. Nun wartet ausgerechnet Verfolger Crystal Palace, anschließend geht es zum Tabellenachten Southampton, ehe Stoke City nach Manchester kommt.
Für den eigentlichen Aufreger sorgte hercegi allerdings schon vor dem Palace-Spiel. Auf der Pressekonferenz wurde der Trainer auf Berichte angesprochen, wonach seine Art intern zunehmend für Verstimmung sorge. Der Trainer grinste zunächst, lehnte sich zurück und antwortete: „Interessant. Vielleicht sollten die Mitarbeiter, die mit Ihnen sprechen, genauso viel Energie in ihre Arbeit stecken.“
Als ein Journalist nachhakte, ob er damit bestätige, dass es Unzufriedenheit gebe, wurde hercegi scharf: „Nein.
Ich bestätige Ihnen, dass wir Tabellenführer sind. Schreiben Sie das ruhig auch einmal.“ Anschließend stand er auf, obwohl die Pressekonferenz noch nicht beendet war. Auf dem Weg zur Tür soll er einem Mitarbeiter, der ihn zum Bleiben bewegen wollte, hörbar zugerufen haben: „Dann beantwortet ihr doch die Fragen.“ Der Klub brach die Veranstaltung kurz darauf ab.
Intern dürfte Sportdirektor Graham Whitmore wenig begeistert sein. Aus Vereinskreisen ist seit Wochen zu hören, dass hercegi mit seinem Auftreten keineswegs nur Freunde gesammelt hat. Konsequenzen sind dennoch nicht zu erwarten, solange United die Tabelle anführt.
Bemerkenswert ist derweil eine Stimme ausgerechnet aus Cardiff. Dessen Manager bluebiker, selbst ausgesprochen medienfreudig, lobte über die Ligakanäle ausdrücklich die öffentliche Präsenz des Absteigers aus Manchester. Ein Kompliment für United – und womöglich eine kleine Spitze gegen jene Ligakollegen, von denen außerhalb des Spieltags kaum etwas zu hören ist.
Hercegi jedenfalls verschafft der Championship Aufmerksamkeit. Die Frage ist zunehmend, ob er damit Manchester United hilft – oder vor allem seiner eigenen Bekanntheit.
„City muss sich mit uns beschäftigen.“ Das war hercegi vor dem Derby. Nach dem 3:4 dürfte Manchester City die Beschäftigung mit dem Tabellenführer vorerst genügen.
Nach neun Spieltagen steht United tatsächlich noch ganz oben. Das ist allerdings auch schon fast die vollständige Positivbilanz des neuen Managers. In der Liga mit ist gerade einmal die erste von vier Runden absolviert. Wer daraus bereits eine Machtdemonstration ableitet, verwechselt Tabellenführung mit Titelgewinn.
Hercegis Mannschaft wirkt offensiv mutig, defensiv aber viel zu häufig verwundbar. Noch problematischer ist die Außendarstellung des Trainers. Hercegi verkauft Selbstvertrauen als
Überlegenheit und jede kritische Nachfrage als Zumutung. Das kann charmant sein, solange die Ergebnisse seine Sprüche tragen. Nach einem 3:4 beim Stadtrivalen klingt es eher nach Großspurigkeit.
Ausgerechnet bei seinem umstrittensten Transfer allerdings scheint hercegi recht zu behalten. J. Bäumer, für 47 Millionen Pfund plus mögliche 16 Millionen Boni aus Aachen gekommen, beeindruckte mit fünf Toren und einer Vorlage in den letzten drei Spielen. Der 18-Jährige hat seinen holprigen Start bemerkenswert schnell abgeschüttelt.
Vielleicht sollte hercegi sich an seinem Stürmer orientieren: weniger reden, mehr liefern. Denn Tabellenführer ist United noch. Mehr aber eben auch nicht.
Sechs Spieltage, Tabellenführer – und jetzt zum Derby beim Zweiten Manchester City. United-Trainer hercegi geht mit bemerkenswertem Selbstbewusstsein in das Duell.
Hercegi, United steht nach sechs Spieltagen an der Spitze. Hätten Sie mit diesem Start gerechnet?
Hercegi: Sie vielleicht nicht. Ich schon. Ich bin nicht hierhergekommen, um in der Championship einen respektablen vierten Platz zu erreichen. Dieser Verein gehört nach oben. Und wenn man mir diese Mannschaft gibt, dann erwarte ich auch, dass wir die Liga anführen.
Nun wartet ausgerechnet Manchester City. Der Tabellenzweite ist nur drei Punkte zurück.
Hercegi: Dann sollten sie sich vermutlich etwas einfallen lassen. Wir spielen in der eigenen Stadt, wir sind Tabellenführer. City muss sich mit uns beschäftigen, nicht umgekehrt.
Von einer Favoritenrolle wollen Sie trotzdem nicht sprechen?
Hercegi: Doch. Warum sollte ich lügen? Wir sind Erster. Wenn City Favorit sein möchte, hätten sie eben mehr Punkte holen müssen.
Für Diskussionen sorgt weiterhin J. Bäumer. 18 Jahre alt, aus der 2. Bundesliga von Aachen gekommen – 47 Millionen Pfund Ablöse, dazu bis zu 16 Millionen an Boni. Bislang steht er bei einem Tor. Zufrieden können Sie damit kaum sein.
Hercegi: Ich finde diese Diskussion
etwas billig. Wir haben keinen 18-Jährigen für sechs Spieltage verpflichtet. Wir haben einen Spieler gekauft, von dem wir glauben, dass er irgendwann deutlich mehr wert sein wird als diese 47 Millionen.
Trotzdem wirkt er bislang unglücklich. Ihm verspringen Bälle, er lässt Chancen liegen. Ist die Summe vielleicht eine Belastung?
Hercegi: Für wen? Für Sie? Jonathan hat den Preis nicht festgelegt. Und ich habe noch keinen Verteidiger gesehen, der schneller läuft, weil unser Stürmer teuer war.
Aber Sie haben für einen Zweitligastürmer möglicherweise 63 Millionen Pfund zugesagt. Da darf man doch Tore erwarten.
Hercegi: Die Boni werden fällig, wenn bestimmte Dinge passieren. Wenn wir am Ende 63 Millionen bezahlen, können Sie ziemlich sicher davon ausgehen, dass der Transfer hervorragend funktioniert hat. Vielleicht sollten Sie sich mehr Sorgen machen, wenn wir nur 47 bezahlen.
Wird Bäumer im Derby beginnen?
Hercegi: Natürlich. Und falls er gegen City zweimal trifft, werden vermutlich dieselben Leute erklären, sie hätten sein außergewöhnliches Talent schon in Aachen erkannt.
Manchester United setzt unter dem neuen Trainer ein frühes Ausrufezeichen in der Championship. Nach dem 2:0-Heimsieg gegen Everton legten die Red Devils im Süden London s bei Crystal Palace nach und siegten knapp mit 1:0. Damit blieb United in beiden Partien ohne Gegentor und steht nach vier Spieltagen bei neun Punkten. Das reicht zur Tabellenführung vor den punktgleichen „Citizens“ von Manchester City. Besonders die Defensive weiß zu überzeugen – und der direkte Wiederaufstieg nimmt früh Konturen an.
Der Start unter dem neuen United-Manager herzogi liefert bereits reichlich Gesprächsstoff. Zum Championship-Auftakt fegte Manchester United Arsenal im Old Trafford überraschend deutlich mit 4:0 vom Platz und sorgte damit für einen Einstand nach Maß. Am zweiten Spieltag folgte jedoch der erste Dämpfer: Bei Cardiff City unterlag United knapp mit 0:1. Trotz der Niederlage ist die erste Bilanz positiv. Hercegi scheint der Mannschaft neues Leben eingehaucht zu haben – nun muss United zeigen, dass der Gala-Auftakt mehr als ein Strohfeuer war.