Es ist ja nun grundsätzlich nicht so, dass man sich bei La Equidad beschweren würde. Tatsächlich gehört es dazu, im Laufe einer Saison auch mal Gegenwind abzubekommen. Irritierend ist die Genese. So hatte doch ausgerechnet derjenige Übungsleiter den allzu plumpen Versuch der Millonarios als solchen enttarnt, der jetzt doch darauf reingefallen zu sein scheint. Leuchtet das
Licht nicht mehr so hell? Oder ist es doch komplexer und die zuvor geäußerte öffentliche Empörung ist Teil eines länger verfolgten Plans, in dem Geld eine gewisse Rolle spielt?
Schluss mit den Verschwörungserzählungen. Am Ende haben wir ohne Abwehr gespielt und gegen ein Mittelfeldteam verloren. Ab auf den Trainingsplatz und nächste Woche besser machen.
Nett, dass es ihm noch einmal erklärt wurde. Bevor man sich über andere beschwert, solle man doch selbst Tore schießen, hieß es sinngemäß. Mit Rotstift wurde Flemme auch der passende Anlass markiert. Und dann? Fallen gleich am nächsten Spieltag 6 Tore für La Equidad. Völlig sinnfrei und viel zu früh. Und so sehr es dem Gerechtigkeitsempfinden des Trainers widerspricht - das kann beim Blick auf das TK nicht jeden Spieltag so weitergehen. Wann genau ist jetzt nochmal der Graf zu Gast? Nächsten Spieltag?
Was haben die denn alle? In den vergangenen Tagen konnte man den Eindruck gewinnen, als sei ein Wettrennen entbrannt, um ja der nächste zu sein, dem der kolumbianische Starkwind mitten ins Gesicht bläst. Erfolgstrainer Flemme wurden sogar völlig frei erfundene Zitate in den Mund gelegt.
Womit noch-Tabellenführer jean baratte allerdings Recht hat: Ungerechtigkeit kann der Übungsleiter des Gerechtigkeitsteams überhaupt nicht ertragen. Daher wird davon ausgegangen, dass der Wind am kommenden Spieltag in Richtung desjenigen zurückbläst, der das Wetterphänomen hervorgerufen hat. Das wäre doch mal gerecht. Und La Equidad selbst sonnt sich in der Hängematte, die allenfalls von einer sanften Brise leicht geschaukelt wird.
Sind da etwa Trainer in Kolumbien nervös? Anders lässt sich der öffentliche Aufruf zur Gegenwehr gegen die beiden aktuell stärksten Trams der Liga kaum erklären. Und wenn die eigenen Spieler es schon nicht bringen, scheinen als letztes Mittel nun die anderen Teams vorgeschickt zu werden. Leicht durchschaubar, aber dadurch nicht weniger mies.
Grund zur Sorge dürfte dabei eigentlich überhaupt nicht bestehen. Der Tabellenführer sammelt lediglich fleißig Punkte gegen den Abstieg und bei La Equidad ist man bestrebt, im Sinne der Gerechtigkeit, am Ende einen Mittelfeldplatz mit ausgeglichenem Torverhältnis zu erreichen.
Zuhause trifft es sich am Schönsten. Wie passend, dass am kommenden Freitag gleich zwei Heimspiele anstehen. Zwei Spiele voller Chancen. Zwei Siege bedeuteten zweimal Punkte. Vielleicht Platz zwei am Ende der zwei Spiele. Womöglich mit einem Einsatz von nicht einmal zwei TK.
Die zwei ist eine schöne Zahl. Doch in der Primera A muss größer gedacht werden, um am Ende ganz oben zu stehen. Denn insgesamt bietet auch der kommende Spieltag nicht nur zwei, sondern drei Spiele und Punkte werden sogar neun vergeben.
Einmal nicht aufgepasst und verrechnet und schon sind die Punkte weg. Und / oder das TK. Oder, noch schlimmer: Merkwürdige Gestalten aus dem Umfeld der kolumbianischen Liga bitten zum Interview und stellen rückwärtsgewandt(e) Fragen.
Flemme hat den Taschenrechner gezückt und natürlich auch vor dem kommenden Spieltag seine Hausaufgaben gemacht. „Wenn andere überhaupt nicht an der Tabellenspitze stehen möchten wären wir jederzeit bereit, diesen Platz einzunehmen!“ gibt sich der Übungsleiter hilfsbereit.
Die aktuellen mehr oder weniger hübsch verpackten Andeutungen in der kolumbianischen Presselandschaft lassen Flemme erstaunt zurück. Daran wird er sich nicht beteiligen. Muss ja jeder selber wissen, was er so von sich gibt. „Bis auf weiteres werde ich auch keine Interviews mehr geben. Weder Journalistinnen aus Neustadt, noch ansonsten. Klappe zu, Elefant im Raum tot. Licht und Stromzähler aus!“
Flemme sitzt nicht bei den coolen Kids, er hört auch keinen Deutschrap. Er hat eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Flemme sitzt vorne im Bus. Er ist Busfahrer.
Mit ein wenig mehr Mut vor dem gegnerischen Tor könnte La Equidad jetzt von der Tabellenspitze grüßen. Leider agierte das Team bei Envigado zu mutlos und musste somit die erste Saisonniederlage hinnehmen. Am kommenden Spieltag kommt es nun zum bisherigen Spitzenspiel, wenn Once Caldas zu Gast ist. Ein klarer Heimsieg wird erwartet, um hinterher vielleicht selbst vom Platz an der Sonne grüßen zu können. Und dann noch vielleichter - in einer fernen Zukunft - ab dem vierten Freitag einer Saison nicht nur einen nationalen Zug abgeben zu dürfen.
Gleich zu Beginn steht La Equidad dort, wo sich Trainer Flemme stets verordnet, auch wenn die Vita anderes vermuten lässt: Oben.
Während anderswo - vermutlich aus Gründen der Misswirtschaft - die vorhandenen Gelder versickern und schon die Grundlagen fehlen, laufen die Flutlichtmasten in der Hauptstadt auf höchster Stufe. Das Team brennt und steht unter Strom. Auch auswärts konnte die Spannung gehalten werden. Bleibt zu hoffen, dass die bestechende Frühform nicht schon bald von der harten Realität und einer satten Nachzahlung eingeholt wird.
Nicht nur steht der Saisonauftakt unmittelbar bevor, auch steht mit der kolumbianischen eine neue Liga in den Startlöchern. Was lag da näher für Trainer Flemme, als dorthin zu wechseln und mit La Equidad das Team zu übernehmen, welches schon dem Namen nach die absolut faire Ausgangslage einer neuen Liga begrüßt?
Jetzt gilt es, gleich ein Zeichen zu setzen und den Auftakt so zu gestalten, dass der Abstiegskampf von Beginn an den Trainern vorbehalten bleibt, die sich einschlägigen Presseberichten zufolge ohnehin darauf einstellen.