Bogotá. Der Praktikant steckt zwei Spielberichte in einen Beweismittelbeutel. Aufschrift: 9 Gegentore. Empfänger: Graf Zahl.
«Fünf aus Cali, vier aus Medellín. barattes Hilfsprogramm für den vernachlässigten Torwart hat funktioniert.»
«Endlich nimmt jemand den armen Grafen ernst.»
Luminos legt Grafs Artikel daneben.
«Die Tabelle lügt, schreibt er. Mit 35,2 TK auf dem Arsch sitzen und das Papier beschuldigen. Adel verpflichtet offenbar zu gar nichts.»
«Wir haben Medellín immerhin 4:3 geschlagen», sagt er und greift zum Stift.
«Und in Pasto 0:3 verloren. Wir sind
Siebter.»
Luminos legt den Stift wieder hin.
«Freitag kommt Envigado. Danach fahren wir zu Once Caldas.»
«Zum Tabellenführer.»
«Eben. Während Graf noch alle auf Tolima und La Equidad hetzt, hat jemand anderes tatsächlich Fußball gespielt.»
Er schiebt den Beutel zum Praktikanten.
«Zu Millonarios. Mit Empfangsbestätigung. Sonst lügt hinterher auch noch die Post.»
«Die aktuelle Tabelle dazu?»
«Unbedingt. Fakten sind wichtig.»
Der Praktikant legt sie hin. Luminos betrachtet die eigene Zeile und greift zur Schere.
Bogotá. Der Praktikant schiebt die Zeitung unter Santa Fes Tor durch. Schlagzeile aus La Equidad: «Graf zahlt?»
Luminos liest. Einmal wörtlich nehmen reicht für eine Saison, hatte er geschrieben. Zwei Tage später fielen sechs Tore bei Flemme. Das war naiv. Er weiß es.
«Flemme fragt, ob Ihr Licht nicht mehr so hell leuchtet.»
«Es leuchtet. Es fällt nur auch auf La Equidad.»
Der Praktikant legt den 7. ZAT daneben. Millonarios gegen Tolima 3:0. Millonarios gegen La Equidad 3:0. Kein einziges Tor. Gegen Graf haben Flemme und jean batterie selbst nicht gesetzt. Sie haben ihn gewinnen lassen, ausgerechnet in dem ZAT, in dem er dazu aufgerufen
hat.
«Und das Geld?»
«Graf zahlt nicht. Graf zählt.» «Flemme sagt, er habe ohne Abwehr gespielt.»
«Das ist kein Komplott. Das ist Statik.»
Inzwischen weiß jeder: Das 6:6 ist Pflicht. In der Schweiz, in Kolumbien, in der Dusche. Gegen batterie sowieso. Graf hat seins für den 14. ZAT schon bestellt.
«Und wo ist eigentlich Karla?»
Zuletzt gesehen am 28. September, mit vertauschtem Namen. Der Praktikant klebt eine Vermisstenanzeige an Grafs Hintertür.
Freitag kommt Medellín. Der neue Beweismittelbeutel bekommt endlich eine Zahl: 11. Am 11. ZAT empfangen Tolima und La Equidad den Grafen. Selbst setzen.
Bogotá. Der Praktikant schiebt die Zeitung unter Santa Fes Tor durch. Diesmal in Gummistiefeln.
«Graf schreibt, er habe Wind gemacht.»
«Gemacht hat er ihn. Abbekommen haben wir ihn.»
Luminos leert den Beweismittelbeutel auf den Tisch. Ein einzelner Punkt rollt heraus. 0:1 in Cali, 1:4 gegen Cartagena und in Tolima ein Unentschieden, bei dem selbst die Anzeigetafel nachfragen musste. Von Platz vier auf sieben.
«baratte sagt, Sie hätten Grafs Aufruf zu wörtlich genommen.»
«Ich habe ihn einmal wörtlich genommen. Das reicht für eine Saison.»
Er hängt den leeren Beutel an den Haken. Daneben die Tabelle. Der Abstand nach unten ist kleiner als der nach oben.
«Und
jetzt?»
«Fenster zu. Heizung an. Unseren Teil Sturm haben wir abgegeben.» «Die Rückrunde beginnt mit zwei Auswärtsspielen.»
«Dann reisen wir mit Regenjacke, nicht mit Windmaschine. Die Punkte gegen den Keller holen wir in Bogotá. Medellín und Envigado kommen früh genug.»
Der Praktikant zögert. «Karla Krause geborene Kolumna fragt, ob Graf sich fürchten muss. Er sei gewappnet, sagt er.»
«Gewappnet wofür? Ich komme mit Schirm. Er kann seine Windmaschine ruhig anlassen und seinem eigenen TK beim Davonfliegen zusehen.»
Luminos nimmt einen neuen Beutel. Diesmal schreibt er keine Zahl darauf. «Kein Ziel?»
«Doch. Klassenerhalt. Das passt nur nicht auf einen Beutel.»
Bogotá. Der Praktikant schiebt die Zeitung unter Santa Fes Tor durch.
«Graf schreibt jetzt ohne Karla Krause geborene Kolumna.»
«Hat sie endlich auch dort Hausverbot?» «Angeblich eine Ausnahme.»
«Sagen wir ihr hier auch. Seit Wochen.»
Luminos hängt den zweiten Beutel mit der Neun auf. Wieder neun Punkte. Von Platz acht auf vier.
«Graf will Ihnen neue Zahlen beibringen.»
«Vier steht vor sechs. Kann er damit anfangen.»
Der Praktikant entfaltet Grafs Aufruf gegen die Spitzenreiter.
«Wir sollen unser TK verpulvern. Er behält seine 46,6 und greift hinterher den Titel ab.»
«Du hast es
verstanden.» «Flemme auch.»
Er zeigt auf Tolima im Spielplan.
«Wir passen als Bauernopfer.»
«Achtzehn Punkte aus sechs Spielen. Ich krieche doch nicht aus dem Keller, um Graf anschliessend den Arsch zur Sonne zu drehen.»
Luminos kreist Cali, Cartagena und Tolima ein.
«Unsere 42 TK sind für Santa Fe. Wenn sich einer für Millonarios verbrennen will, soll Karla Krause geborene Kolumna ihm ein Streichholz halten.»
«Was schreiben wir zurück?»
Luminos prüft Grafs Spielplan.
«Drei Heimspiele. Tolima und La Equidad kommen beide zu ihm. 46,6 TK hat er auch. Dann pack mal aus, Graf. Oder brauchst du dafür ebenfalls einen Praktikanten?»
Bogotá. Der Beweismittelbeutel mit der Acht ist leer. „Gestohlen?“
„Nein. Ein Tor gegen La Equidad, drei gegen Millonarios, vier in Medellín. Wir haben sie auf dem Platz gefunden.“
Acht Tore, neun Punkte. Santa Fe springt von Platz zehn auf acht. Graf Zahl durfte beim 3:0 aus nächster Nähe zusehen.
Der Karla-Krause-geborene-Kolumna-Praktikant schiebt einen Zettel unter dem Tor durch. Graf behauptet, sein Latexhandschuh sei verschmutzt und stinkend zurückgekommen.
Luminos liest ihn zweimal.
„Wir haben das Ding unbenutzt zurückgeschickt. Wenn es
jetzt stinkt, hat Graf es nach Erhalt offenbar wieder dort verstaut, wo er es vorher herausgezogen hat.“
„Soll ich das Karla ausrichten?“, antwortet der Praktikant hinter dem Tor mit vorsichtiger Stimme.
„Nicht nötig. Sie hat Grafs nächste Antwort bestimmt schon geschrieben.“
Nun warten Pasto, Envigado und Once Caldas. Luminos nimmt einen neuen Beutel und schreibt eine 9 darauf. „Neun Tore?“
„Neun Punkte.“ „Bescheiden ist das nicht.“
„Bescheiden waren wir lange genug. Jetzt dürfen die anderen den Arsch hinhalten.“
Bogotá. Mittwochmorgen. Die Spieler von Independiente Santa Fe betreten den Trainingsplatz rückwärts.
Der Kapitän stolpert über einen Ball.
„Müssen wir das wirklich machen?“
„jean baratte hat den Presseraum rückwärts verlassen und ist jetzt Tabellenführer.“ „Das kann Zufall sein.“
„Wir sind Letzter. Zufall wäre eine Verbesserung.“
Luminos hat mehrere außergewöhnliche Maßnahmen angeordnet. Der eigene Strafraum ist mit Absperrband versiegelt. Davor stehen zwei Sicherheitsleute, ein Metalldetektor und ein Schild:
Zutritt nur mit Termin. Gegnerische Stürmer unerwünscht. Latexhandschuhe sind anzumelden.
Seit Graf Zahl öffentlich erklärt hat, bei Luminos gerne gut geölte Latexhandschuhe zu tragen, spricht ganz Bogotá vom Handschuh-Gate. Niemand weiß genau, was passiert sein soll. Das hält allerdings niemanden davon ab, Einzelheiten zu erfinden.
Am Eingang des Trainingsgeländes hängt deshalb inzwischen ein zweites Schild:
Hausverbot für Karla Krause geborene Kolumna sowie für Werkzeugkoffer, Puppenspielerhände, warme Mikrofone und vorformulierte Antworten.
Auf dem Platz übernehmen die Verteidiger derweil den Sicherheitsdienst. Mehrere Jugendspieler sollen versuchen, in den Strafraum einzudringen. Sobald einer das Absperrband überquert, ertönt eine Sirene. Anschließend wird über die Lautsprecheranlage Grafs letztes Interview abgespielt.
„Haben Sie Lust auf ein Spiel? Zehn schnelle Fragen?“
Beim dritten Durchbruch werfen sich die Verteidiger bereits freiwillig in jeden Zweikampf. Niemand möchte noch einmal erfahren, welche Farbe Grafs liebster Blumentopf hat. Besonders wirksam ist, dass das Interview nach der achten Frage wieder von vorne beginnt.
„Psychologische Defensivarbeit“, erklärt Luminos. „Entweder ihr haltet den Gegner auf oder ihr hört das noch einmal.“
Am anderen Ende des Platzes steht das Mittagessen hinter dem Tor. Für jeden Treffer öffnet der Koch eine Schüssel. Wer vorbeischießt, bekommt nur die Broschüre über Balkonkraftwerke.
Dann ruft der Sicherheitschef Luminos zu den Überwachungsmonitoren. Vor dem Eingang steht ein junger Mann in einem viel zu großen Anzug. Um seinen Hals hängt ein selbst
gebastelter Presseausweis:
Unabhängiger Praktikant – garantiert nicht Karla.
Hinter der Mauer kauert Karla Krause geborene Kolumna. Sie schiebt dem Praktikanten einen Notizblock durch den Zaun und steckt ihm ein Kabel ins Jackett. Das andere Ende führt zu ihrem Mikrofon.
„Sie versucht offenbar, über den Praktikanten an Sie heranzukommen.“
„Das ist kein Praktikant. Das ist ein menschlicher Mikrofonständer.“ „Sollen wir ihn wegschicken?“
„Nein. Für Praktikanten gilt das Hausverbot noch nicht.“
Wenig später steht der junge Mann neben Luminos. Aus seinem Ohr dringt ein leises Flüstern.
„Herr Luminos, haben Sie Lust auf zehn schnelle Fragen?“
„Nein.“ „Erste Frage: Leder oder Latex?“
Der Metalldetektor schlägt an. Ein Sicherheitsmann zieht einen gut geölten Latexhandschuh, ein Smart Meter und mehrere vorformulierte Antworten aus dem Jackett des Praktikanten.
„Karla?“
Aus dem Ohrhörer ertönt ihre Stimme.
„Das ist eine haltlose Unterstellung.“
„Ich habe den Praktikanten gefragt.“
Der Sicherheitsdienst begleitet den jungen Mann zurück zum Ausgang. Karla rollt bereits das Kabel ein.
„Ein ziemlich kurzes Interview“, bemerkt der Kapitän.
„Eine Frage. Damit war es wenigstens vollständig.“
Zurück auf dem Platz liegt bereits der Spielplan bereit. Santa Fe empfängt zunächst La Equidad, danach kommt Millonarios. Zum Abschluss geht es nach Medellín.
Ausgerechnet Graf Zahl reist also nach Bogotá. Der hatte zuletzt die Schonzeit für beendet erklärt und anschließend drei Spiele verloren. Null Punkte, null eigene Tore, acht Gegentore.
Luminos nimmt einen Beweismittelbeutel aus dem Handschuh-Gate und schreibt eine große 8 darauf.
Der Kapitän betrachtet ihn.
„Was wird das?“
„Grafs vermisste Nummer.“ „Wo wurde sie gefunden?“
„In den Tornetzen von Tolima, Envigado und La Equidad.“
Luminos hängt den Beutel neben den Gästeeingang.
„Und der Handschuh?“
„Den darf Graf mitbringen. Er braucht schließlich etwas, womit er seine Acht wieder herausziehen kann.“
Bogotá. Karla Krause geborene Kolumna erscheint erneut bei Independiente Santa Fe. Diesmal trägt sie keinen Werkzeugkoffer, sondern eine längliche Plastikkiste mit der Aufschrift:
Fundstücke aus Graf Zahl – rückseitige Öffnung.
Luminos hebt vorsichtig den Deckel an.
Darin liegen eine Puppenspielerhand, ein Unterarm aus Schaumstoff, zwei Meter Verlängerungskabel, ein Smart Meter, Grafs vermisste Nummer 8, eine zusammengerollte Zeitung und ein verdächtig warmes Mikrofon.
„Was ist mit dem Balkonkraftwerk?“ „Hat nicht mehr reingepasst.“
„Hinten ist tatsächlich mehr los als vorne.“ „Das klingt vulgär.“
„Nur wenn man weiss, wo der Stromzähler montiert war.“
Karla nimmt die Puppenspielerhand aus der Kiste. „jean baratte möchte wissen, wer bei Graf ständig hinten drinsteckt.“
„Das erklärt einiges. Vorne spricht Graf, hinten erledigt jemand die eigentliche Arbeit.“
Ganz abwegig ist die Diskussion über vorne und hinten auch
bei Santa Fe nicht. Vorne gelangen in sechs Spielen erst fünf Tore hinein, hinten bereits neun. Platz neun. Selbst der Tabellenstand besteht inzwischen fast vollständig aus Hinterteilen.
Karla blättert durch ihre Notizen.
„Graf Zahl steht dagegen an der Spitze und hat erst ein Gegentor kassiert.“
„Kein Wunder. Bei ihm ist hinten ja ständig besetzt.“
Am Freitag warten Deportivo Cali, Real Cartagena und ausgerechnet jean barattes Deportes Tolima. Drei Gelegenheiten, endlich wieder etwas nach vorne zu bewegen und die Konkurrenz hinter sich zu lassen.
Karla verstaut den Unterarm und das Mikrofon.
„Was soll ich Graf ausrichten?“
„Nichts. Karla Krause geborene Kolumna sollte ihr Arbeitsgerät besser nicht unbeaufsichtigt in seiner Nähe liegen lassen.“ „Und was ist der Plan für den nächsten ZAT?“
„Drei Gegner hinter uns.“
Karla blickt auf die Kiste. „Nur im übertragenen Sinne?“
Luminos betrachtet die lange Gummihandschuhkonstruktion.
„Frag Graf Zahl.“
Bogotá. Als Karla Krause geborene Kolumna am Trainingsgelände von Independiente Santa Fe erscheint, trägt sie in der einen Hand ihr Mikrofon und in der anderen einen Werkzeugkoffer. Luminos betrachtet erst sie, dann den Koffer.
„Ist das Interview kaputt?“ „Graf Zahl schickt mich.“
„Dann vermutlich.“
Karla stellt den Koffer ab. Darin liegen ein Stromprüfer, zwei Sicherungen, ein Smart Meter und eine Broschüre über Balkonkraftwerke.
„Graf wollte wissen, ob Sie sich mit so etwas auskennen.“
„Graf Zahl? Der Trainerliebling der breiten Massen?“ „So bezeichnet er sich.“
„Wie breit sind diese Massen?“
Karla blättert durch ihre Unterlagen. „Diese Frage steht nicht auf meiner Liste.“
„Schade. Das wäre erstmals interessant geworden.“
Luminos führt sie zur Trainerbank. Karla schlägt ihren Notizblock auf. Die erste Frage lautet tatsächlich: Kennt Luminos Smart Meter?
„Der Mann ist gerade erst aus dem Urlaub zurück und kontrolliert schon die Stromrechnungen anderer Leute? War das eine Reise oder ein Praktikum bei den Stadtwerken?“ „Er sagt, sein Herz sei noch nicht in Kolumbien angekommen.“
„Dann sollte er zum Fundbüro. Vielleicht liegt es noch auf dem Gepäckband.“ „Das klingt
gehässig.“
„Dafür sind Sie doch hier.“
Karla tippt mit dem Stromprüfer gegen die Broschüre. „Graf wundert sich außerdem, ob Sie schon einmal etwas von Balkonkraftwerken oder der EEG-Umlage gehört haben.“
„Kaum zurück, spricht er über mein Balkonkraftwerk, die Kollegen und seine eigene Gefühlswelt. War im Urlaub niemand da, der ihm zugehört hat?“ „Ich führe hier das Interview.“
„Sehr gut. Beim letzten Mal hatte man zwischendurch den Eindruck, Graf führe es mit seinem Spiegelbild.“
Karla senkt kurz das Mikrofon.
„Soll ich ihm etwas ausrichten?“
„Nicht nötig.“ „Und was passiert am Freitag?“
„Fußball. Ein Format, bei dem wenigstens nicht einer gleichzeitig Reporter, Gesprächspartner und begeistertes Publikum spielt.“
Karla klappt den Notizblock zu und geht Richtung Ausgang. Neben der Trainerbank bleibt die Broschüre über Balkonkraftwerke liegen. Luminos hebt sie auf und schreibt auf das Titelblatt:
Am Freitag geht Santa Fe ans Netz. Die Liga sollte ihre Sicherungen prüfen und Graf Zahl darf schon einmal zählen.
Dann reicht er Karla die Broschüre hinterher.
„Für Graf?“
„Für die ganze Liga. Aber er wird sich ohnehin angesprochen fühlen.“
Das alte Haus in Bogotá. Ein Elektriker kniet vor dem Sicherungskasten.
«Die Leitungen sind in Ordnung. Der Strom war nur nie angemeldet.»
«Das erklärt einiges.»
Zwei Reisen, zwei Niederlagen, beide 0:1. La Equidad und Millonarios stehen nun ganz oben. Ein eigenes Tor hätte bei beiden für Punkte gereicht. Santa Fes Offensive stand noch zwischen den Umzugskisten.
Flemme vermutete daraufhin Misswirtschaft und fehlende Grundlagen. Nach seinem 1:0 durfte er das. Graf Zahl schrieb hastig 0,3 TK zusammen, entschuldigte sich dafür und führt jetzt mit sechs Punkten sowie 6:0 Toren die Tabelle an. Der Text war ihm
peinlich. Die Tabelle vermutlich nicht.
Luminos hat es umgekehrt versucht. Sein Torkonto steht bei 60, sein Punktekonto bei null.
«Welche Räume brauchen Sie zuerst?»
«Alle.»
Zum Heimdebüt kommt Independiente Medellín. Acht Gegentore, ebenfalls null Punkte. Spätestens dort muss Santa Fe auspacken. Danach wartet Pasto, das bereits fünfmal getroffen hat. Auch unterwegs wird also Licht benötigt.
Der Elektriker setzt die Sicherung ein. Im Flur gehen sämtliche Lampen an. «Ab jetzt läuft der Zähler.»
Luminos schaut auf die geschlossenen Kisten.
«Wurde Zeit.»
Bogotá. Der Portero mustert Luminos, dann den Schlüsselbund.
«Señor, ich dachte nicht, dass Sie den noch einmal brauchen.»
«Ich auch nicht.»
Der Schlüssel passt. Im Flur liegt die Post aus vier Saisons. Der Strom ist abgestellt. An der Wand hängt noch der Kalender von damals.
«Wieder aus Morelia?»
«Sí.» «Wie damals?»
«Sí.»
Der Portero hebt eine Zeitung auf. Graf Zahl meldet sich nach
zwölf Jahren aus dem Exil zurück.
Auf der nächsten Seite erklärt Flemme den Saisonstart für gleich und gerecht. Praktisch. Er empfängt Santa Fe heute selbst.
«Soll ich die Kisten hochbringen?»
«Lassen Sie sie stehen.»
Danach wartet Millonarios. Zwei Auswärtsspiele zum Einzug. In Mexiko brauchte Luminos neun Anläufe, bis unterwegs erstmals etwas gelang. Die Offensive bleibt deshalb verpackt.
Der Portero drückt auf den Lichtschalter.
Nichts.
«Wie früher.»