Nachdem die Mannschaft unerwartet doch noch Chancen hat, vielleicht in den Confederation Cup zu kommen, wies uns der Trainer an , einen Artikel zu schreiben, da sie dringend mehr TK brauchen. Wir waren allerdings völlig unvorbereitet und wussten gar nicht, über was wir berichten sollen. Schließlich hieß es ursprünglich, wir sollen diese Saison möglichst gar nicht schreiben. Wir fragten den Trainer heute früh schnell persönlich:„…schreiben Sie einfach
etwas über meine Katzen…cats…Sie verstehen?“
(Angeblich entscheidet der Trainer über seine Taktik neuerdings mithilfe seines Katzen Orakels)
„Zum Beispiel telling the people dass ich analysiert habe meine letzte Gegners mit help von meine Katze. Und nicht nur diese. Braucht man auch gutes Futter dafür, got it? Comment ça marche? Natürlich ich verrate nicht.“
Dann drücken wir ihn mal die Daumen, dass das gute Katzenfutter ihm nicht ausgeht.
Wovon reden die da eigentlich bei ZESCO United? Geht es hier jetzt neuerdings auch nur noch um D.R.R.? Nein, falsch. Es geht um das Bouba-Experiment.
Dieses war angesetzt, um eine Frage zu beantworten, die sich in der Copa-Forschung mutmaßlich bislang niemand zu stellen getraut hatte: Wie erfolgreich ist eine Strategie, bei der man die Taktik für die gesamte Saison bereits im Vorfeld festlegt? Man reagiert also während der laufenden Spielzeit auf nichts und niemanden, sondern vertraut einzig und allein der eigenen taktischen Genialität vom Vorjahresstand. In der Praxis bedeutet das: dreizehn Urlaubszüge, außer nur am letzten Spieltag um nicht einen offensichtlichen Fehler zu machen. Hier muss die
Taktik natürlich an das Rest-TK der Gegner angepasst werden.
Unter genau dieser Bedingung erklärte sich Papa B. bereit, den Verein ein weiteres Jahr zu trainieren. Die Forschungsfrage lautete: Ist ein solches Setzverhalten signifikant schlechter als das Setzen von Spieltag zu Spieltag?
Nun, die gute Nachricht: Diese Frage bleibt auch in der kommenden Saison unbeantwortet. Denn Bouba hat die Urlaubszüge entgegen der Versuchsanordnung nicht von Anfang an für die gesamte Saison abgegeben, sondern immer nur für ein paar Spieltage im Voraus. Damit ist die Studie methodisch nicht gültig und muss wiederholt werden.
Und was hat das alles mit D.R.R. zu tun? Nichts. Ja, tatsächlich: Nichts. Auch das gibt es.
Wenn man in diesen Tagen und Wochen über das Trainingsgelände von ZESCO United spaziert, so trifft man einen sichtbar entspannten Papa Bouba . Der Trainer wirkt deutlich gelöster und ausgelassener seit er sich aus der Öffentlichkeit weitgehend zurückgezogen hat . In der Tabelle steht das Team nach der Hinrunde wieder mal sehr gut da. Doch das gab es auch schon in der letzten Saison. Bouba verweist außerdem auf die Heimtabelle:
„…wir haben jetzt mal in die Hinrunde eine Match mehr at home gehabt. Also sozusagen bekommt man die bereinigte Table nach die nächste Spieltag, wenn wir haben zwei Auswärtsspielen.“
Dennoch gibt es Gerüchte, dass Bouba eine weitere Saison dranhängt und das Experiment sozusagen um ein Jahr verlängert beziehungsweise wiederholt, da es offensichtlich „gravierende Formfehler“ gab. Doch dazu mehr in der nächsten Woche.
Auch wenn es momentan nicht danach aussieht , als würde ZESCO United noch einen der begehrten internationalen Startplätze ergattern, ist der Verein insgesamt mit der Saison und dem Trainer recht zufrieden. Doch das Problem liegt auf der anderen Seite: der Trainer hat beschlossen, aufzuhören.
„Ich habe auch eine eigenen family außer dem Verein und auch eine Hund, ein Katze und zwei Katzen-Mädchen und sieben Antilopes. In eine Verein, wenn man so trainiert wie ich well then alles soll sein wie ein große Family. Dann auch mal treffe mich mit familys von die Spieler und auch look after die Dogs von die Spieler. Man ist ein
groß Equipe. All together.“ Insgesamt sei ihm der Trainerjob deshalb zu zeitaufwändig und zu belastend, wenn er ihn so machen wolle, wie er es für richtig halte. Wenn dann, müsse man es schon ordentlich machen.
Nun hat er sich mit dem Vereinspräsident auf ein Experiment geeinigt: nächste Saison werde er das Team nur noch quasi im Home-Office trainieren; die Taktik für die ganze Saison werde er bereits vor dem ersten Spieltag per Urlaubszug festlegen; das Coaching während der Spiele soll der Mannschaftskapitän übernehmen. Dies sei eine Studie, die auch von der University of Zambia, kurz UNZA begleitet werde.
Rund 63% der Saison sind gespielt und noch immer stehen Papa Boubas Jungs auf einem beeindruckenden dritten Tabellenplatz. Der viel erwartete Einbruch nach der Hinrunde trat nicht ein, stattdessen liefert das Team auch in der Rückrunde Woche für Woche gute Leistungen ab. Dennoch fragen sich immer mehr Leute: Wann geht United die Puste aus?
Ein internationaler Startplatz wäre ein beachtlicher Erfolg für den
Trainer-Neuling im Haifischbecken Sambia.
Aber können sie das hohe Niveau und diesen temporeichen offensiven Fußball bis zum Ende durchziehen?
Doch der Trainer ist nur in Sambia ein Neuling - nicht bei Copa. Insofern weiß er natürlich auch was zählt: „am Ende wird es abgerechnet, c‘est ça, until then wir feiern große Party halt und freuen uns einfach mal so auf jede Match.“
Es war gar nicht das große Spektakel, sondern eher ein relativ normaler Spieltag mit zwei Standardergebnissen. Souveräner Heimsieg und knappe Auswärtsniederlage , gegen den phasenweise allerdings deutlich überlegenen Titelverteidiger.
Und trotzdem steht man völlig überraschend wieder auf Platz 1 der Tabelle und weiß gar nicht so genau, wie das kommen konnte. Doch das ist allen hier völlig egal . Es bedeutet, dass es wieder eine Woche lang ein
großes Straßenfest gibt mit dem erneuten Motto „Tabellenführerfeier“. Eine Woche lang wird rund um das Stadion getanzt gefeiert gesungen und Fußball gespielt. Zuschauer können mit den Spielern von ZESCO rund um das Stadion Tricks üben.
Dass hinter United gleich zwei ganz dicke TK Monster lauern stört die Menschen hier genauso wenig wie die Tatsache, dass es ab Mitte der Woche durchregnen soll.
Was gefeiert werden muss, wird gefeiert!
Am liebsten wäre es Papa Bouba, die Saison wäre schon zu Ende. Klar. Denn was soll sie schon noch bringen. Sicher keine Verbesserung mehr. Stattdessen wartet eher der freie Fall. Es sieht nicht so aus, als hätte das Team seinen Gegnern in den letzten drei Spieltage noch viel entgegenzusetzen.
Die Tabelle ist sehr eng, da reicht ein schlechter Spieltag und man landet schnell und unsanft wieder ziemlich weit unten. Da kann man nur noch drauf hoffen, dass es eine nach dem freien Fall vielleicht ein kleines bisschen wieder nach oben zieht …so wie beim Bungee Jumping.
Die aktuelle Tabelle der Sambia Premier League hängt nun an jeder Kabinentür, an jedem Handtuchspender rund um das Levy Mwanawasa Stadium und natürlich an Papas Boubas Kühlschrank.
Und wenn man auch heute Abend noch dort oben steht, dann hat die Tabelle gleich wieder einen neuen Termin zum Fotoshooting.
Seit Anfang April hat Papa Bouba, gebürtiger Senegalese und früher aktiv in Ghana und Südafrika, nun den Verein ZESCO United in Sambia übernommen.
Dass der Wiederbeginn von Copa Mundial, quasi mit Ostern zusammenfällt, ist für den gläubigen Christen Papa Bouba dabei kein Zufall: „ …das ist wie Auferstehung, na klar!“
Die Gründe, warum er nach Sambia zu ZESCO United gegangen ist, sind dabei denkbar
unspektakulär: aus Insider-Kreisen heißt es, man sei spät dran gewesen und habe zunächst mal nach einer Liga gesucht, in der überhaupt noch etwas frei war und dann habe sich Bouba für ZESCO United entschieden ,..weil ich mir diese Name halt gut merken kann und mit diese viele Großbuchstabe an Anfang kann ich ihn halt mal in der Tabelle gleich finden, und so. Natürlich auch die Leute alle sind very very nice da wir werden viele Spaßen haben.“
Nach dem anstrengenden Beginn hofft Papa Bouba nun ein wenig Zeit zu haben, um sich besser in seiner neuen Wahlheimat Ndola einzuleben . Er möchte Sightseeing Touren machen und die Familien der Spieler kennen lernen, sowie die Vereinsgeschichte auswendig lernen. All das gehöre für ihn dazu. In den ersten Wochen habe man dafür keine Zeit gehabt da seien andere Dinge wichtiger gewesen vor allem konstantes Training, so Bouba weiter, „Ich wusste nicht mal so bissi, ob wir in eine international Competition überhaupt dabei sind, das wir alles erst mal bissi so rechercher, oder wie sagt man das .“