La Plata. 23 Spieltage, Tabellenletzter, acht Punkte Rückstand auf Platz 19 und zehn auf das rettende Ufer. Bei Gimnasia La Plata riecht es nach Abstieg. Doch statt eines erfahrenen Feuerwehrmanns präsentiert der Traditionsverein einen Mann, dessen Verpflichtung selbst wohlwollende Beobachter als gewagt bezeichnen: Andrés Herrero Campesino, 38 Jahre alt, ohne eine einzige Erstligapartie als Trainer.
Der gebürtige Spanier, Sohn eines argentinischen Vaters, arbeitete zuletzt im Nachwuchsbereich und als Trainer unterklassiger Mannschaften. In der Primera División ist er ein unbeschriebenes Blatt. Sein Ruf allerdings eilt ihm voraus: taktisch besessen, unbequem und mit einer bemerkenswert geringen Bereitschaft, Autoritäten zu respektieren.
„Ich bin nicht hier, um einen würdevollen Abstieg zu organisieren“, erklärte Herrero Campesino bei seiner Vorstellung. „Wer glaubt, dass diese Mannschaft nicht gut genug ist, kann gehen. Das gilt auch für diejenigen auf der Tribüne.“
Ein Satz, der durchaus als Seitenhieb gegen Sportdirektor Ricardo Valdés verstanden werden durfte. Der 57-Jährige hatte noch vor zwei Wochen öffentlich die Qualität des Kaders infrage gestellt. Nun soll ausgerechnet sein
überraschender Trainerkandidat das Unmögliche schaffen.
Vereinspräsident Esteban Ledesma spricht von einem „bewussten Bruch mit der Vergangenheit“. Hinter vorgehaltener Hand heißt es dagegen, dass mehrere erfahrene Trainer abgesagt hätten. Herrero Campesino war offenbar bereit, das Risiko einzugehen, ohne umfangreiche Garantien zu verlangen.
Ein Trainer ohne Sicherheitsnetz
Im Training soll der Neue bereits am ersten Tag für Irritationen gesorgt haben. Kapitän Martín Ferreyra (34) musste seine angestammte Position räumen, mehrere Nachwuchsspieler trainierten plötzlich mit der ersten Elf. „Namen interessieren mich nicht“, soll Herrero Campesino der Mannschaft erklärt haben. „Nur das, was ihr morgen besser macht als gestern.“
Ob hinter der demonstrativen Härte ein ausgeklügelter Plan steckt oder lediglich die Selbstüberschätzung eines unerfahrenen Trainers, werden die kommenden Wochen zeigen.
In La Plata jedenfalls hat man sich entschieden, die letzte Patrone nicht einem alten Haudegen anzuvertrauen, sondern einem Mann, der bislang vor allem eines bewiesen hat: Er hat keine Angst davor, sich Feinde zu machen.
Und davon könnte es bei Gimnasia bald reichlich geben.