Es gibt Spiele, bei denen fliegt der Ball. Und dann gibt es Deportes Tolima gegen La Equidad. Dort flog höchstens mal ein verlorener Turnbeutel durchs Stadion. jean baratte und Flemme lieferten sich einen derart brutalen 6:6-Abnutzungskrieg, dass beide Mannschaften nach dem Schlusspfiff erst einmal prüfen mussten, ob sie noch Fußballer sind oder inzwischen nur noch wandelnde Eisspray-Dosen.
Tore fielen schneller, als jean seinen berühmten Kaffee nachfüllen konnte. Die Offensive von Tolima funktioniert wie eine kolumbianische Torfabrik – leider hat die Abwehr offenbar beschlossen, ebenfalls Teil der Show zu sein. Gegentore gehören bei jean inzwischen fast zum Vereinswappen. Manche gegnerischen Stürmer sollen vor dem Spiel sogar fragen: „Ist die Hintertür wieder offen oder müssen wir diesmal den Haupteingang nehmen?“
Aber vielleicht steckt dahinter auch ein genialer Plan. Denn jean baratte liebt bekanntlich den Abstiegskampf. Während andere Trainer bei Tabellenkellern Herzrasen bekommen, blüht jean erst richtig auf. Tabellenführung? Schön und gut. Aber ein
bisschen Zittern am letzten Spieltag, ein paar nervöse Blicke auf die Konkurrenz und ein dramatisches Rechnen mit Taschenrechner und Kaffeetasse – das ist seine wahre Leidenschaft.
Eigentlich wäre jean mit dieser Mannschaft längst Meister. Die Offensive schießt Tore ohne Ende, die Punkte sammeln sich – wenn da nicht immer diese kleinen „Abenteuer“ in der Defensive wären. Doch vielleicht wäre eine langweilige Meisterschaft für jean auch viel zu einfach. Er braucht offenbar die pure Dramatik: lieber 6:6 mit Herzinfarkt-Garantie als ein ruhiges 2:0 mit anschließendem Feierabend.
jean selbst sieht es natürlich entspannt: „Meister werden kann jeder. Aber wer schafft es schon, gleichzeitig um den Titel mitzuspielen und den Abstiegskampf emotional zu vermissen?“
Nach dem 6:6 beantragte der Rasen Urlaub, die Torpfosten eine Therapie und der Torwart eine Versetzung in den Sturm. jean nahm nur einen Schluck Kaffee, schaute auf die Tabelle und sagte: „Keine Sorge… falls es oben zu langweilig wird, kenne ich den Weg nach unten noch ganz genau.“
Liebe Gäste, liebe Freunde des gepflegten Fußballs,
Deportes Tolima freut sich ganz besonders auf die kommenden Besuche von Graf Zahl mit seinen Millonarios sowie Flemme und La Equidad. Die Einladung ist längst verschickt, die Türen des Stadions stehen offen und der Kaffee von jean baratte ist bereits vorbereitet.
Wobei „Kaffee“ in jean-baratte-Kreisen natürlich etwas untertrieben ist. Es handelt sich eher um ein geheimnisvolles Hochleistungsgetränk aus einer Mischung aus kolumbianischen Bohnen, Trainerinstinkt, einem Hauch Stadionstaub und vermutlich drei geheimen Zutaten, die nur jean kennt. Manche behaupten, die Kaffeemaschine in Tolima habe inzwischen einen eigenen Vertrag bekommen und würde taktische Anweisungen geben.
Bei uns in Tolima gibt es schließlich einiges zu erleben. Unsere Spiele sind selten langweilig, die Netze bekommen regelmäßig etwas Bewegung und gegnerische Stürmer dürfen sich gerne austoben. Wir möchten ja nicht, dass jemand mit leeren Händen nach Hause fährt.
Seit einer gefühlten Ewigkeit haben wir kein Spiel mehr ohne Gegentor beendet. Das ist bei uns inzwischen fast schon Tradition geworden. Die Liga freut sich über Tore, die Fans über spannende Spiele und jean baratte bleibt entspannt auf seinem Trainerstuhl sitzen – mit einer Kaffeetasse, die vermutlich größer ist als der Spielberichtsbogen.
Aber bei aller Gastfreundschaft hätten wir noch eine kleine Bitte: Die Punkte
dürfen sehr gerne in Tolima bleiben.
Unser Stadion hat sich bisher tapfer gehalten. Die Mauern stehen, die Fans halten die Stellung und nur Luminos konnte bisher etwas Zählbares mitnehmen. Die Festung ist also nicht unbezwingbar – aber sie vergisst auch nicht so schnell, wer zu Besuch war.
Graf Zahl wird vermutlich schon seinen Taschenrechner polieren und zählen, wie viele Tore möglich sind. Vielleicht bringt er sogar eine eigene Statistik-Abteilung mit, die während des Spiels die Treffer auf einer riesigen Tafel notiert. Flemme wird wahrscheinlich ebenfalls neugierig sein, ob das Tolima-Netz wieder viel Arbeit bekommt. Beides sei ihnen gegönnt.
Doch jean wird vermutlich nur lächeln, seinen Kaffee umrühren – vielleicht mit einer kleinen Schaufel – und sagen:
„Schön, dass ihr da seid. Schießt ruhig ein Tor, wenn es euch glücklich macht. Aber die drei Punkte lassen wir hier.“
Denn Deportes Tolima ist nicht gekommen, um perfekte Statistiken zu sammeln. Dieses Team lebt vom Chaos, vom Kampf und von der Überzeugung, dass Fußball manchmal nicht sauber aussehen muss, um erfolgreich zu sein.
Bei Deportes Tolima versteht derzeit niemand mehr Trainer jean baratte. Wochenlang war die Tabellenführung da, Once Caldas zog vorbei – und während die Fans hektisch Punkte zählten, wirkte jean plötzlich… zufrieden.
“Jetzt fühlt sich Fußball endlich wieder richtig an”, erklärte er grinsend. “Tabellenführer sein ist doch nur dann schön, wenn man dabei ständig glaubt, gleich auf Platz 10 abzurutschen.”
jean verfolgt deshalb ein revolutionäres Konzept: Er möchte Tabellenführer sein – aber nur, wenn es sich wie ein erbitterter Abstiegskampf anfühlt.
Zur Sicherheit hängt in der Kabine die Tabelle kopfüber. Vor jedem Training wird ausschließlich der Tabellenkeller analysiert. “Oben kennt sich doch jeder aus. Unten lernst du Demut… und das richtige Zittern.”
Besonders freut jean allerdings ein anderer Umstand: Italicus rückt in der Tabelle immer näher.
Andere Trainer würden nervös werden. jean dagegen bekommt glänzende Augen.
“Ach, Italicus…”, seufzt er. “Das waren Zeiten.”
Denn die
beiden verbindet eine legendäre Vergangenheit: ein Abstiegskampf, der so eng war, dass selbst der Tabellenrechner irgendwann aufgab. Am Ende rettete sich Jean hauchdünn vor Italicus – mit gefühlt einem halben Grashalm Vorsprung.
“Das war die schönste Saison meines Lebens”, schwärmt jean. “Jeder Punkt war wie ein Lottogewinn, jede Niederlage ein philosophisches Erlebnis.”
Seitdem hofft er heimlich auf eine Fortsetzung.
Als ihm ein Reporter erklärt, dass Tolima eigentlich um die Tabellenspitze kämpft, winkt jean nur ab.
“Die Spitze interessiert mich nicht. Ich möchte das Gefühl von damals zurück. Dieses Zittern. Dieses Rechnen. Dieses ‘Wenn Envigado heute gewinnt und irgendwo ein Flamingo links abbiegt, sind wir wieder mittendrin.’”
Die Spieler sind inzwischen völlig verwirrt.
“Chef… kämpfen wir jetzt um Platz 1 oder gegen den Abstieg?”
jean lächelt verträumt.
“Um Platz 1 natürlich. Aber bitte so, dass sich Italicus jederzeit eingeladen fühlt, mit mir noch einmal den schönsten Abstiegskampf aller Zeiten auszutragen.”
jean baratte blickte sorgenvoll auf die Tabelle. Deportes Tolima steht zwar tatsächlich an der Spitze, doch die Freude will einfach nicht so recht aufkommen. Der Grund heißt Graf Zahl.
Der Trainer der Millonarios erlebt vermutlich die einsamste Saison der Copa-Geschichte. Zuhause schießt kaum jemand Tore gegen seine Mannschaft. Auswärts ebenfalls nicht. Und insgesamt scheint die gesamte Liga beschlossen zu haben: „Ach, lasst den Grafen doch heute mal in Ruhe.“
Der arme Mann hat den Torzähler geschniegelt, poliert und mit frischen Batterien ausgestattet. Vergeblich. Das Display langweilt sich, der Stadionsprecher gähnt und selbst die Tornetze haben inzwischen Spinnweben angesetzt.
jean baratte schlägt Alarm: „So kann das nicht weitergehen! Fußball lebt von Toren. Irgendjemand muss doch endlich einmal gegen Graf Zahl treffen. Sonst verliert er noch den Glauben an seine Berufung.“
Gerüchten zufolge hat Graf Zahl inzwischen sogar Fanclubs der gegnerischen
Stürmer gegründet und verteilt vor dem Spiel kostenlose Zielwasser-Flaschen. Ohne Erfolg. Manche Angreifer entschuldigen sich nach dem Abpfiff sogar höflich dafür, dass sie schon wieder kein Tor gegen ihn erzielt haben.
baratte selbst bleibt trotz Tabellenführung bescheiden. „Was nützt uns Platz eins, wenn Graf Zahl Woche für Woche so vernachlässigt wird? Vielleicht sollten wir ihm beim nächsten Spiel wenigstens ein Eigentor schenken. Rein aus Mitgefühl.“
Die Copa-Leitung prüft deshalb bereits ein revolutionäres Hilfsprogramm: „Adoptiert einen Torwart.“ Jeder Verein verpflichtet sich, Graf Zahl pro Saison mindestens ein Gegentor zu spendieren. Aus Fairness. Und weil auch Torhüter Gefühle haben.
Bis dahin bleibt der Graf einsam vor seinem Kasten stehen, blickt sehnsüchtig Richtung Mittelkreis und flüstert: „Bitte… nur ein einziges Gegentor. Ich verspreche, ich zähle auch ganz langsam: Eins… Zweiii…“
Vor dem Spiel hatte Graf Zahl, Trainer der Millonarios, eine ernste Warnung ausgesprochen: „jean baratte und Deportes Tolima müssen endlich den harten Wind der Liga zu spüren bekommen!“
Offenbar nahm die Fußballgöttin Luminos den Aufruf etwas zu wörtlich.
Beim Anpfiff gegen Independiente Santa Fe fegte ein derart verrückter Gegenwind durchs Stadion, dass der Ball sich weigerte, geradeaus zu fliegen. Hohe Flanken landeten plötzlich im Strafraum, Rückpässe wurden zu Steilpässen und zwei Schiedsrichterassistenten mussten ihre Fahnen mit Sandsäcken beschweren.
jean baratte kämpfte heldenhaft gegen jede Böe an. Doch jedes Mal, wenn Tolima glaubte, den Wind endlich besiegt zu haben, drehte sich dieser um 180 Grad und blies den nächsten Ball wieder ins eigene oder gegnerische Tor. Das Ergebnis: ein völlig irrsinniges 6:6, bei dem selbst die Anzeigetafel irgendwann fragte, ob sie das ernst
meine.
Der größte Verlierer des Tages war allerdings Flemme, Trainer von La Equidad. Er wartete den ganzen Nachmittag auf seinen Anteil am berühmten Ligawind. Vergeblich. Nicht einmal seine Krawatte bewegte sich.
„Das ist doch ungerecht!“, schimpfte Flemme. „Graf Zahl ruft den Wind, aber alles landet bei jean baratte. Ich bekomme nicht einmal eine höfliche Brise!“
Graf Zahl lächelte geheimnisvoll. „Der Wind hat eben Geschmack.“
jean baratte schüttelte nach dem Schlusspfiff nur den Kopf. „Wenn das der harte Wind der Liga war, möchte ich lieber gar nicht wissen, was passiert, wenn Graf Zahl einmal einen Tornado bestellt.“
Seitdem wird in Kolumbien gemunkelt, dass Graf Zahl künftig Wetterwarnungen mindestens 48 Stunden vor jedem Spiel anmelden muss – und dass Flemme vorsorglich einen Ventilator beantragt hat, damit er wenigstens einmal das Gefühl bekommt, dazuzugehören.
Ibagué. Die kolumbianischen Zeitungen behaupten, die Primera A sei inzwischen ungefähr so spannend wie das Warten auf trocknende Farbe. jean baratte legte die Zeitung schweigend auf den Tisch, strich sie glatt und bestellte sich erst einmal einen Espresso, drei Empanadas und vorsorglich eine weitere Tabellenführung.
„Ich verstehe das Problem nicht“, erklärte der Trainer von Deportes Tolima. „Man wirft uns vor, immer Erster zu sein. Sollen wir zur Abwechslung Zwölfter werden? Das wäre doch respektlos gegenüber der Tabelle.“
Angeblich habe Tolima bereits neun Auswärtstore geholt und den Vorsprung auf den Rest der Tabelle weiter ausgebaut. baratte widerspricht entschieden: „Wir bauen gar nichts aus. Der Vorsprung wächst von allein. Wir gießen ihn nicht einmal.“
Besonders empört zeigte er sich über die Forderung nach mehr Spannung. „Spannung?
Wissen Sie, wie anstrengend Tabellenführung ist? Jeden Montag muss ich kontrollieren, ob wir immer noch oben stehen. Das kostet Nerven.“
Insider berichten sogar, baratte habe vorsorglich einen Zimmermann bestellt, damit die Tabellenspitze stabilisiert wird. „Nicht, dass sie unter unserem Gewicht zusammenbricht.“
Unterdessen wurde bekannt, dass Italicus Real Cartagena höflich angefragt habe, ob Tolima für ein Wochenende auf Platz eins verzichten könne. baratte lehnte dankend ab. „Wir verleihen höchstens Rasenmäher. Tabellenführungen sind Saisonware.“
Zum Abschluss faltete er die Zeitung sorgfältig zusammen, lächelte und sagte: „Langweilig ist nur eines: Jeden Sonntag erklären zu müssen, warum wir schon wieder Tabellenführer sind.“ Danach verschwand er Richtung Mannschaftsbus – angeblich, um nachzusehen, ob der Platz an der Sonne noch reserviert ist.
Ibagué steht Kopf. Nicht wegen einer Krise – sondern weil jean baratte seit Tagen jedem erklärt, dass Tabellenführer zu sein die mit Abstand beste Ausgangslage für den Abstiegskampf sei. „Wer ganz oben steht, hat am meisten Zeit, sich auf unten vorzubereiten“, erklärte der Franzose und malte mit Senf eine taktische Viererkette auf ein Arepa.
Nun kommt ausgerechnet Italicus mit Real Cartagena zu Besuch. jean freut sich wie ein Kleinkind auf einer Hüpfburg mit unbegrenztem Eis. „Italicus ist gefährlich. Der Mann kann ein 0:0 in einen Vulkanausbruch verwandeln. Genau solche Gegner liebe ich.“
Zur Vorbereitung ließ baratte sämtliche Uhren im Stadion rückwärts laufen, damit Cartagena glaubt, die Saison sei
bereits vorbei. Der Bus der Gäste wurde vorsorglich mit einem Navi ausgestattet, das ausschließlich zu Flamingogehegen und einer Waschstraße navigiert. Außerdem hat der Platzwart den Mittelkreis mit unsichtbarem Lavendel eingerieben, weil jean überzeugt ist, dass gegnerische Spielmacher dadurch plötzlich anfangen, über das Leben nachzudenken.
„Wir dürfen jetzt bloß nicht nervös werden“, sagte baratte. „Wenn wir gewinnen, bleiben wir Erster. Wenn wir verlieren, wird der Abstiegskampf spannender. Im Grunde gewinnen wir also immer.“
Selbst Italicus soll bei der Pressekonferenz nur den Kopf geschüttelt und gemurmelt haben: „Gegen Fußball kann man sich vorbereiten. Gegen jean baratte leider nicht.“
Während ganz Kolumbien auf die Tabelle blickt und Deportes Tolima mit 21 Punkten souverän an der Spitze thront, herrscht bei Trainer jean baratte Alarmstufe Rot.
„Es gibt keine bessere Ausgangslage für den Abstiegskampf als unsere“, erklärte der Franzose mit ernster Miene.
Ein Reporter hob vorsichtig den Finger.
„Trainer… Sie sind Tabellenführer.“
baratte nickte.
„Eben. Jeder erwartet jetzt, dass wir oben bleiben. Das ist psychologisch viel belastender als Platz zehn. Dort interessiert sich niemand für dich. Wir kämpfen also gegen den gefährlichsten Gegner überhaupt: unsere eigene gute Form.“
Für besonders große Erleichterung sorgte der Auswärtssieg bei Luminos Santa Fe.
„Ein riesiger Erfolg. Ich hatte große Angst, dass wir versehentlich wieder Punkte liegen lassen. Aber die Mannschaft blieb konzentriert und hat das Schlimmste verhindert.“
Anschließend habe jean die Spieler ausdrücklich gelobt.
„Ich habe gesagt: Männer, bleibt bescheiden. Wer nach neun
Spieltage Tabellenführer ist, darf niemals vergessen, wie schnell man auf Platz eins abrutschen kann.“
Die Presse war kurz still.
„Äh… Trainer… auf Platz eins sind Sie doch bereits.“
„Genau! Und tiefer als Platz eins geht es bekanntlich ständig. Deshalb müssen wir aufpassen.“
baratte präsentierte anschließend seinen neuen Krisenplan. Jeder Spieler müsse künftig nach jedem Sieg zehn Minuten lang enttäuscht schauen.
„Damit wir den Hunger behalten. Wer nach einem 3:0 lächelt, denkt irgendwann, Fußball wäre einfach. Das wäre fatal.“
Zum Abschluss erklärte der Tolima-Coach seine Saisonziele.
„Meister werden? Natürlich nicht. Das wäre viel zu offensichtlich. Wir wollen die Liga so verwirren, dass am Ende niemand mehr weiß, warum wir Tabellenführer sind. Das ist wahre Taktik.“
Anschließend verließ jean baratte den Presseraum – allerdings rückwärts.
„Man muss den Spitzenplatz schließlich immer im Auge behalten.“
Das Interview von Graf Zahl hat inzwischen auch Tolima-Trainer jean baratte erreicht. Nach mehreren Tassen Kaffee und einer kurzen Rücksprache mit einem Puppenspieler entschied sich der Franzose, öffentlich Stellung zu beziehen.
jean baratte: „Ich glaube, wir müssen endlich offen darüber reden.“
Reporter: „Über Kolumbien?“
baratte: „Nein. Über die riesige Öffnung auf der Rückseite von Graf Zahl. Das kann doch nicht länger verschwiegen werden.“
Reporter: „Welche Öffnung?“
baratte: „Na dieselbe, die alle aus der Sesamstraße haben! Irgendjemand steckt da ständig drin und bringt ihn dazu, Interviews zu geben.“
baratte legt ein altes Schwarzweißfoto auf den Tisch.
Darauf zu sehen: Graf Zahl, ein Staubsauger und drei erstaunte Lamas.
„Das war
1998. Seitdem glaube ich an alles.“
In diesem Moment kommt Graf Zahl herein.
„jean, hast du zufällig meine Nummer 8 gesehen?“
jean zeigt auf einen Blumentopf.
Graf Zahl hebt ihn an.
„Da ist sie ja! Ich wusste doch, dass sie sich wieder versteckt hat.“
Er bedankt sich freundlich und verschwindet wieder.
Der Reporter starrt ihm hinterher.
„War das… normal?“
baratte nimmt einen letzten Schluck Kaffee.
„Für Graf Zahl? Absolut.“
Kurze Pause.
„Die eigentliche Frage ist nur…“
„…wer heute wieder hinten drinsteckt.“
jean grinst.
„Und ehrlich gesagt hoffe ich, dass er nächste Woche wieder ein Interview gibt. So viel Unterhaltung bekommt man in der Liga schließlich nicht jeden Spieltag.“
Bei Deportes Tolima wird in diesen Tagen nicht mehr verteidigt – dort wird nur noch mit offenem Visier gelebt.
Trainer jean baratte präsentierte seinen Fans innerhalb weniger Tage das komplette Fußballprogramm. Erst ein spektakulärer 4:3-Heimsieg gegen Independiente Medellin, bei dem jeder Angriff nach einem Tor roch. Anschließend folgte bei Once Caldas eine historische 0:6-Klatsche, bei der die Abwehr vermutlich noch heute nach dem Bus sucht.
Nach vier Spieltagen stehen bereits 16 Gegentore zu Buche – Ligaspitze. Leider in der falschen Statistik.
Ein Reporter fragte jean nach dem Spiel vorsichtig, ob ihn die Anzahl der Gegentreffer beunruhige.
jean lächelte entspannt.
„Überhaupt nicht. Wer sechs Tore kassiert, weiß wenigstens, woran er arbeiten muss. Mannschaften, die nur eins kassieren, haben viel mehr Analysearbeit.“
Auf den Einwand, dass Tolima inzwischen eine Tordifferenz von -8 aufweise, wurde jean sogar nostalgisch.
„Ach… das erinnert mich an alte Zeiten.“
Insider wissen sofort, was gemeint ist.
Denn während andere Trainer von Meisterschaften, Pokalen oder internationalen Nächten träumen, fühlt sich jean traditionell dort am wohlsten, wo jeder Punkt doppelt zählt und der Tabellenrechner bereits im August Überstunden macht.
Ein Vereinsmitarbeiter verriet:
„Nach dem 0:6 wirkte der Trainer fast erleichtert. Er murmelte nur: ‘Endlich wieder vertrautes Terrain.’“
Auch die Defensive soll inzwischen neue Trainingsformen ausprobieren. Angeblich übt die
Viererkette mittlerweile mit aufblasbaren Verkehrshütchen – die bewegen sich wenigstens nicht aus der Position.
In der Kabine wurde nach dem Debakel ein großes Schild aufgehängt:
„Wer heute kein Gegentor verursacht hat, darf zuerst duschen.“
Immerhin gibt es auch Positives zu vermelden: Durch die jüngsten Ergebnisse ist Deportes Tolima wieder an Italicus vorbeigezogen. jean ließ es sich nicht nehmen, seinem langjährigen Rivalen ein paar warme Worte mit auf den Weg zu geben.
„Ich schätze die Arbeit von Italicus wirklich sehr. Er ist ein hervorragender Trainer. Deshalb hoffe ich natürlich, dass wir uns in dieser Saison noch ganz oft gegenseitig überholen. Das hält unsere Freundschaft frisch – und den Tabellenrechner beschäftigt.“
Beobachter sind sich sicher, dass jean dabei weniger den Kampf um die internationalen Plätze im Blick hat.
Vielmehr geht es um die prestigeträchtigen Ranglistenplätze zwischen Platz sechs und neun, wo man sich Woche für Woche mit einem einzigen Gegentor oder einem glücklichen 4:3 die Klinke in die Hand gibt.
Sollte die Gegentorflut in diesem Tempo weitergehen, dürfte jean baratte schon bald wieder sein absolutes Lieblingsthema auspacken:
Den gepflegten, traditionsreichen und nervenaufreibenden Abstiegskampf.
Und wer jean kennt, weiß: Während andere Trainer vor dem Tabellenkeller davonlaufen, bestellt jean dort schon einmal einen Kaffee und sagt mit einem Grinsen:
„Bis nächste Woche, Italicus – mal sehen, wer dann wieder vor wem steht.“
Vor Saisonbeginn hatte Italicus keine Zweifel: „jean baratte wird in Kolumbien schnell merken, dass dort ein anderer Wind weht.“ Seine Prognosen waren so selbstbewusst, dass manche vermuteten, er habe die Abschlusstabelle bereits fertig geschrieben.
Doch dann kam das erste Heimspiel.
Mit einem spektakulären 4:2 gegen Independiente Medellín schickte jean baratte seine Mannschaft unter dem Jubel der Fans vom Platz. Offensiv, mutig und mit mehr Feuer als ein Grillabend in Ibagué – ein Einstand, der sich sehen lassen kann.
Aktuell steht Tolima auf Platz 8 – nur einen Rang hinter Italicus. Und genau das sorgt inzwischen für reichlich Gesprächsstoff. Denn während Italicus in seinen Artikeln schon vom großen Vorsprung träumte, hat jean die Verfolgung längst aufgenommen.
Aus dem Umfeld von Tolima heißt es sogar, jean
habe schmunzelnd gesagt: „Ein Platz Rückstand? Das ist doch nur der Sicherheitsabstand. Man will den Experten schließlich nicht gleich überholen.“
Italicus gibt sich nach außen noch gelassen, soll aber vorsichtshalber schon damit begonnen haben, seine Tabellenrechner täglich zu aktualisieren. Denn jeder weiß: Gewinnt jean noch ein oder zwei Spiele, könnte aus dem kleinen Abstand ganz schnell ein großes Gesprächsthema werden.
Die Saison ist noch jung – doch das wohl spannendste Duell findet derzeit nicht auf dem Rasen statt, sondern in der Tabelle. jean baratte jagt Italicus. Und wer die beiden kennt, weiß: Der Nächste, der einen Artikel schreiben muss, könnte schon bald Italicus sein – mit der Überschrift: „Wie ich - ohne das ZAT ist - einen Tabellenplatz Vorsprung fast komplett verspielt hätte.“
Jetzt ist es offiziell: jean baratte wechselt zu Deportes Tolima – und die Experten rätseln bereits. Wollte er einmal etwas Neues erleben? Die Anden sehen? Kolumbianischen Kaffee genießen? Alles falsch! jean soll gehört haben, dass es dort ebenfalls regelmäßig um jeden Punkt geht – und beim Wort Abstiegskampf leuchten seine Augen bekanntlich heller als jedes Flutlicht.
In Ibagué wurde der Franzose begeistert empfangen. Die Fans hoffen
auf Tore, Leidenschaft und seine legendäre Fähigkeit, selbst in der 94. Minute noch an den Klassenerhalt zu glauben – egal auf welchem Tabellenplatz. jean selbst blieb bescheiden: „Ich bin hier, um alles zu geben. Und wenn’s eng wird, fühle ich mich sowieso am wohlsten.“
Viel Erfolg, jean – möge Tolima gar nicht erst in den Abstiegskampf geraten. Wobei… ein kleines bisschen würde dich das wahrscheinlich enttäuschen.
Andere Trainer träumen von Meisterschaften, internationalen Nächten und goldenen Pokalen. jean baratte? Der träumt von Tabellenplätzen, bei denen der Puls dauerhaft über 180 liegt.
Denn während andere Vereine langsam anfangen zu rechnen, ob international noch etwas geht, schaut Jean auf die Tabelle und denkt sich nur: “Da geht noch was unten!”
Centro Deportivo Municipal steckt wieder mitten im Abstiegskampf – und niemand wirkt dabei so entspannt wie der französische Fußball-Professor. Für ihn ist der Keller keine Strafe, sondern ein Lebensgefühl. Wo andere kalte Schweißausbrüche bekommen, bestellt Jean noch einen Espresso und erklärt, dass Druck schließlich Diamanten entstehen lässt.
Die Mannschaft weiß inzwischen genau, wie der Chef tickt.
Fällt man auf Rang 14 zurück, gibt’s Lob. Gewinnt man überraschend zwei Spiele am Stück, wird im Training erst einmal gefragt, ob wirklich alle den Matchplan verstanden haben.
Im Vereinsheim wurde bereits vorsorglich ein Schild aufgehängt:
“Achtung! Panik bitte nur in den letzten fünf Spieltagen.”
Fans sprechen inzwischen vom berühmten Baratte-Prinzip:
Warum frühzeitig den Klassenerhalt sichern, wenn man ihn auch in der 94. Minute des letzten Spieltags perfekt dramatisch feiern kann?
Und so marschiert Centro Deportivo Municipal unbeirrt weiter durch die gefährlichste Tabellenregion – mit jean baratte vorneweg, als wäre der Abstiegskampf ein Wellnessurlaub.
Denn eines ist sicher:
Andere können Titel gewinnen - Jean kann sich unten festbeißen!
Centro Deportivo Municipal liefert gegen Estudiantes de Medicina ein spektakuläres 6:6 ab. Für Trainer jean baratte ein herber Rückschlag – schließlich wollte er drei Punkte und bekam stattdessen sechs Gegentore, sechs eigene Treffer und akuten Puls.
Zum Glück war mit Estudiantes de Medicina gleich eine komplette medizinische Fakultät angereist. Noch während des Abpfiffs wurde baratte routinemäßig untersucht. Diagnose: akute Tabellenplatzprellung, leichter Taktikschwindel und eine allergische Reaktion auf Gegentore in der Nachspielzeit.
Empfohlen wurden drei Tage Bettruhe, zwei Eimer Eis und vorerst kein Blick auf die Tabelle.
Währenddessen diskutierten die Zuschauer, ob sie gerade ein Fußballspiel oder eine Notaufnahme besucht hatten. Der Ball wechselte häufiger den Besitzer als das Stethoskop. baratte selbst nahm’s mit Humor: „Immerhin musste heute niemand einen Krankenwagen rufen – der Gegner hatte genug Ärzte dabei.“
In der Copa gilt deshalb ab sofort: Wer gegen Centro spielt, bringt besser nicht nur Fußballschuhe, sondern auch Verbandskasten und Blutdruckmessgerät mit.
jean baratte hat es geschafft: Centro Deportivo Municipal holt tatsächlich den ersten Auswärtspunkt der Saison. Das 2-2 bei Universidad San Martin wurde in Lima sofort zum nationalen Feiertag erklärt – zumindest in der Kabine. Augenzeugen berichten, dass Jean nach dem Schlusspfiff einen Konfettikanonen-Notfallkoffer öffnete, ein Blasorchester aus drei Taxifahrern engagierte und den Mannschaftsbus zur rollenden Disco umfunktionierte.
Die Spieler tanzten eine Ehrenrunde um den Mittelkreis, obwohl der Platzwart schon längst
das Licht ausgeschaltet hatte. Selbst der Gegner applaudierte – allerdings hauptsächlich, weil die Party endlich aus dem Stadion abzog. Inzwischen gilt der eine Auswärtspunkt offiziell als “wertvollstes Unentschieden Südamerikas”. Gerüchten zufolge ließ Jean bereits T-Shirts mit der Aufschrift „Unbesiegt… auswärts! (Seit genau einem Spiel)“ drucken. Das nächste Ziel? Vielleicht sogar zwei Auswärtspunkte. Aber bitte langsam – man will die Feierlichkeiten ja nicht übertreiben.
Bei Centro Deportivo Municipal erlebt Trainer jean baratte derzeit eine Situation, die selbst erfahrene Fußballlehrer nur selten sehen: Er steckt in einem Alianza-Sandwich. Vergangene Woche gegen Alianza, diese Woche wieder gegen Alianza – und als wäre das nicht genug, sind die beiden Gegner auch noch direkte Tabellennachbarn von Municipal.
Jean soll die Tabelle inzwischen nur noch mit Sicherheitsabstand betrachten. „Wenn wir einen Platz nach oben klettern, stoßen wir gegen Alianza. Wenn wir einen Platz nach unten rutschen, stoßen wir auch gegen Alianza“, klagte er angeblich beim Abschlusstraining.
Die
Spieler sind ebenfalls verwirrt. Einige glaubten zunächst, es handle sich um Hin- und Rückspiel am selben Wochenende. Andere vermuten, die Liga habe einfach die Kopierfunktion entdeckt. Selbst der Mannschaftsbusfahrer fragte vorsichtshalber: „Fahren wir wieder zu Alianza oder schon wieder zu Alianza?“
Trotzdem bleibt Jean optimistisch. Schließlich bietet das Duell eine einmalige Chance: Mit einem Sieg könnte Municipal an einem Alianza vorbeiziehen. Mit einer Niederlage landet man hinter dem anderen. Die Tabelle gleicht derzeit einem Hochhaus – und jean baratte steckt irgendwo zwischen zwei Alianza-Etagen im Keller fest.