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Copa Mundial · Weltmeisterschaft
8. Copa Weltmeisterschaft Abgeschlossen
Saison 43 · Modus direkt_endrunde · 32 Endrunden-Slots
Serbien und MontenegroSerbien und MontenegroDie Null steht
Über Casablanca steht der Mond. Über dem Grand Stade Hassan II steht eine Zahl, die in diesen Tagen lauter spricht als jede Hymne: die Null.

Zwei Spiele. Kein Gegentor. Schottland 3:0, Vietnam 0:0. Vier Punkte, ein Bein im Achtelfinale, das andere putzt in der Kabine schon die Schuhe für die nächste Runde. Gewinnt Marokko am letzten Spieltag, schließt der Gastgeber die Gruppe mit sieben Punkten ab. Vermutlich ohne ein einziges Gegentor. Eine ganze Vorrunde und der marokkanische Torwart hat noch keinen Grund gefunden, sich die Handschuhe schmutzig zu machen.

Natürlich reden jetzt alle von dieser Defensive. Von der roten Wand. Von jener Ordnung, an der sich erst die Schotten und dann die Vietnamesen die Zähne ausbissen. Und ja, sie steht. Doch die ehrlichere Antwort ist unbequemer: Man kann nur halten, was geschossen wird. Auf das marokkanische Tor wurde nicht geschossen. Gar nicht. Über neunzig Minuten brachte keiner der beiden Gäste eine ernsthafte Offensivaktion zustande. Marokko bot Räume an, fast schon fahrlässig. Es lud zum Konter, ließ Lücken offen, stellte den Gegnern die Tür einen Spalt breit auf. Und sie? Sie blockten ab, brachen ab, zogen sich zurück. Als hätten sie nicht den Auftrag, ein Tor zu erzielen, sondern eines zu verhindern: ihr eigenes.
Besonders Schottland gab ein Rätsel auf. Gegen Marokko 0:3, gegen Mexico 0:4, und in beiden Spielen wirkten sie, als habe jemand den Strom abgestellt. Was dort gespielt wurde, möge jeder für sich beurteilen. In Marokko hat man nur registriert, dass der Gegner auf dem Platz stand und stehen blieb.

Und so kommt, was immer kommt, wenn ein Gastgeber zu mühelos marschiert: das Geraune. Der Ausrichter habe sich seinen Erfolg gekauft, heißt es hier und da. Alles abgesprochen. Eine abgekartete Sache.
Aus marokkanischer Sicht ist das völliger Unsinn. Wer so redet, verwechselt einen Plan mit einem Komplott.
Denn gegen Vietnam ging Marokko bewusst auf Sparflamme. Kein unnötiges Risiko, keine vergeudete Kraft, ein 0:0 mit angezogener Handbremse. Während draußen manche schon Mutlosigkeit witterten, saß drinnen ein anderer Gedanke: Die anderen sollen rennen. Mexico spielte am selben Spieltag gegen Schottland. Und Mexico rannte. Vier Tore, viel Applaus und vor allem viel verbrannte Kraft. Genau darauf hatte Marokko gehofft: dass sich die einen verausgaben, während der Gastgeber die Beine schont, bis der Sieg am letzten Spieltag nur noch Formsache sein soll.
Dass der Plan derart sauber aufgeht, konnte niemand wissen. Dass Schottland gleich zweimal das Toreschießen vergisst und Mexico sich an einem längst entschiedenen Abend leerläuft, war nur eine Hoffnung. Manchmal hat am Ende der am meisten getan, der am wenigsten tat.

Womit die Herren aus Mexico auf die Bühne treten. Carlos Finisterre, Mann der großen Worte und der noch größeren Refrains aus den achtziger Jahren, hat Marokko bereits eingeordnet. „Johann Lafer und Tim Mälzer aus Marokko“ nennt er die Gastgeber. Das letzte Spiel sei ihm „völlig egal“, die Mannschaft habe er bis zum Wochenende freigegeben.
In Casablanca nahm man das mit Dankbarkeit zur Kenntnis. Ein Gegner, der das entscheidende Spiel für belanglos erklärt und seine Spieler in den Feierabend schickt, ist genau jener Gegner, den ein Koch sich wünscht. Sollen sie tanzen. Sollen sie singen. Marokko lässt die Pfanne heiß.
Und wer glaubt, dieser Gastgeber könne nur kochen, der möge sich erinnern: Auch ein Menü lässt sich verlieren. Man muss nur am Tisch erscheinen.

Bleibt das letzte Gruppenspiel. Offiziell ist Marokko wieder zu Gast. Bei Mexico. Mitten in Marokko. Eine schöne Formalie. Elf Männer in Rot werden erscheinen, ausgeruht und kühlen Kopfes, um aus vier Punkten sieben zu machen und aus einem Bein zwei.

Das Ziel? Bescheiden wie immer: erst das Achtelfinale, dann der Titel. Zuhause. Vor 115.000 Zeugen.

Gekauft hat hier niemand etwas. Gerechnet schon.


Nouri 18.06.2026 11:30 (Bonus erhalten)
 


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