Eine Weile war es still um Moreno Deus und die Manning Rangers. Aber eigentlich läuft alles wie gewohnt (ausser natürlich der ersten Heimniederlage seit einer gefühlten Ewigkeit, welche nicht gegen Massai Uno zustande kam, aber ausgerechnet gegen die Free State Stars, welche sich schon einen beachtlichen Vorsprung herausgearbeitet haben): Zur ersten Saisonhälfte tummelt man sich eher am Schluss der Tabelle, in der Champions League ist man eine Runde weiter und nun fängt auch noch der Südafrika-Cup wieder an. "Aber solche Dreifachbelastung ist sich ein Team von unserem Kaliber natürlich gewohnt," glättet Deus schon mal allfällige Wellen.
Aus den kryptischen Dialogen des Serienmeisters und des Möchtegern-Serienmeisters wird Moreno Deus nicht schlau. "Da kann man nichts machen. Vielleicht wird mir das Ganze ja mal erklärt." Im Südafrika-Cup sind seine Manning Rangers sang- und klanglos gegen einen Zweitligaverein ausgeschieden. "Das war eine Mischung aus Unglück, Dämlichkeit und vielen anderen Dingen, sehr ärgerlich. Wer weiss, ob wir je wieder mal so weit kommen werden." In der Champions League ist man auf Kurs. "Ja, schliesslich müssen wir Punkte holen. Ausserdem sind wir da speziell motiviert, da dies der einzige Titel ist, den wir noch nie geholt haben. Aber diese Sechsergruppen sind uns auch schon zum Verhängnis geworden."
Werden die Manning Rangers der erste Pokalsieger Afrikas? Die Chancen sind immer noch intakt, allerdings hat es vor zwei Spielen ein bisschen besser ausgesehen. Immerhin dürfen sich die Fans in der Sommerresidenz Kapstadt noch auf zwei Pokalfeste freuen, wo der zweiterfolgreichste Verein Südafrikas der letzten Jahre auf den aufmüpfigen Aufsteiger trifft. Daneben kriegt man es in der Champions League (übrigens der einzige offizielle Titel, den Moreneo Deus mit den Manning Rangers noch nicht gewonnen hat) mit der Hammergruppe zu tun. Und weiter läuft ja auch noch die nationale Meisterschaft, wo man sich doch tatsächlich vom Abstiegsplatz aufgearbeitet hat.
Bei den Manning Rangers stellt sich, nicht ganz unerwartet, ein Déja-Vu Erlebnis ein. Schon wieder findet man sich am Schluss der Tabelle. "Nun, immerhin haben wir dieses Jahr nicht ganz so viele Tore gekriegt, wie letztes Jahr um diese Zeit," streicht Moreno Deus das Positive an der Situation heraus. "Wie auch letztes Jahr sind wir über unsere Situation im Moment sicher nicht beunruhigt, obwohl es natürlich ärgerlich ist. Immerhin treffen wir als nächstes nicht auf Massai Uno. Das wäre dann doch zuviel des Guten gewesen. Bis zu unserem nächsten Duell werden wir den Mann ordentlich mit Zigarren und Schnappes beliefern, so dass er vielleicht von allzu übertriebener Motivation absieht."
Eine seltsame Saison geht für die Manning Rangers zu Ende. Mehr als die Hälfte der Zeit stand der Traditionsverein auf einem Abstiegsplatz. Der erfahrene Moreno Deus hat sich aber nicht aus der Ruhe bringen lassen und das Team noch nach weit oben geführt und schlussendlich hat nur eine Kette von seltsamen Ereignissen einen weiteren Titel verhindert. Nun kennt man wenigstens den Spielplan.
"So blicken wir mit gemischten Gefühlen zurück und auch vorwärts. Wie sollen wir diese Saison angehen? Müssen wir die Black Leopards schlagen? Sollen wir den Rubikon überschreiten? Sollen wir auch seltsame Deals vorschlagen? Sollen wir uns auf die Champions League konzentrieren, den einzigen Titel, den wir noch nicht gewonnen haben? Oder sollen wir es einfach ruhig angehen?"
Um ganz sicher nicht abzusteigen müssen die Manning Rangers aus den letzten drei Spielen noch vier Punkte holen. Da man gegen drei direkte Konkurrenten spielt, wird das kein einfaches Unterfangen. "Ich habe an anderer Stelle bereits auf die zwei verlorenen Punkte gegen Maritzburg hingewiesen. Wenn da alles glatt gelaufen wäre, könnten wir jetzt ohne Abstiegsangst in die letzten Spiele. Da der Konjunktiv aber nur etwas für Depressive oder
Blödmänner ist, werden wir auch den Black Leopards noch nicht alles Gute für den Titel wünschen. Ein Hattrick verdient ja immer den grössten Respekt, aber den hegen wir gegenüber den meisten unserer Kollegen. Deshalb habe ich auch schon eine Ranger-Truppe zusammengestellt, welche für das Fleisch bei der Meisterfeier besorgt sein wird. Provisorisch habe ich auch schon mal den Vinnie eingeladen. Was wir dann mit ihm anstellen sei jetzt noch dahingestellt."
Weil er sich eine absolute Topplatzierung in der PSL selbst verunmöglicht hat ("nun liegt höchstens eine erneute Champions League Teilnahme im Bereiche des Möglichen") erklärt Moreno Deus seine Manning Rangers kurzerhand zum Pokalsieger. "Da der Veranstalter ausgeschieden ist, müssen wir da auf eine andere Lösung kommen, wie wir den Titel vergeben wollen. Aber egal, auf was wir uns einigen werden: Wir werden sowieso gewinnen, ob wir würfeln oder pokern, ob wir einen Saufwettbewerb oder einen Schwanzvergleich veranstalten, ob wir durch die Wüste rennen oder Bäume hochklettern, ob wir Antilopen jagen oder Sambier entführen, wir sind auf alles vorbereitet und werden keinen Gegner fürchten!"
Wegen eines aeusserst dummen Fehlers haben die Manning Rangers eben zwei wichtige Punkte verspielt. "Ich koennte mich gruen und blau aergern," so ein aeusserst aufgebrachter, wild paffender Moreno Deus, der von vier huebschen Kubanerinnen und ein paar stahlharten suedafrikanischen Polizeibeamten in Schach gehalten werden muss. "Am meisten aergere ich mich natuerlich ueber mich selbst. Diese zwei Punkte werden uns am Ende der Saison fehlen, fuer was auch immer." Die naechsten zwei Spiele werden sich allerdings hervorragend zur Frustbewaeltigung eignen, es geht zum einen zur Bananenwurst der Nation und zum anderen zum ehemaligen Verein des Metzgermeisters der Nation und heute designierter Abstiegskandidat.
Auch bei den Manning Rangers hat die allgemeine Lustlosigkeit Südafrikas ein wenig umgegriffen (auf Fussball, versteht sich, nicht auf Frauen, Alkohol und Zigarren). Woran das liegt ist schwer zu sagen. Moreno Deus ist als exzellenter Motivator bekannt (wenn sonst gar nichts mehr hilft, siehe obige Klammerbemerkung), die aktuelle Tabellenlage sollte ihr weiteres dazu beitragen. Es droht die schlechteste Platzierung seit
dem Wiederaufstieg vor sieben Saisons. "Ja, dieses Jahr ist es besonders einfach sich für die interantionalen Wettbewerbe zu qualifieren, jedenfalls von der Anzahl Plätze her. Wie immer aber, ist es äusserst eng. In anderen Jahren hatten wir jeweils das nötige Glück, wir hoffen, dieses Jahr natürlich auch darauf, können uns aber nicht verlassen, deshalb arbeiten wir hart und essen gut."
Zum ersten Mal in dieser Saison, nach notabene 19 Spieltagen!, stehen die Manning Rangers nicht mehr auf dem letzten Platz. In der Champions League hat man sich etwas überraschend auch für die Viertelfinals qualifiziert, wohingegen die Black Leopards es aus unerfindlichen Gründen vorgezogen haben, diesen lästigen Wettbewerb sausen zu lassen und auf die Titelverteidigung
freiwillig zu verzichten. Ob die Rangers da die südafrikanischen Kohlen aus dem Feuer holen können, bleibt allerdings fraglich. Im südafrikanischen Pokal kann man weiterhin die A-Junioren hinschicken, da die Ausgangslage in der 2. Northeastern oder Southwestern Division weiterhin vorhersehbar ist. Man darf in der Meisterschaft also einiges erwarten vom Team aus dem Südwesten oder Nordosten.
Der erfahrene Beobachter der Premier Soccer League, wird weiterhin glauben, jemand hat die Tabelle umgedreht: Die zwei Topfavoriten stehen tatsächlich auf den zwei Abstiegsrängen. Schuld daran ist vor allem der Massai Uno (und der wird auch noch stolz darauf sein). Die betroffenen Vereine am Tabellenende haben jedoch erfahrene Leute, die für ihre Geschicke zuständig sind. Beide kennen
die Verhältnisse in der First Division bestens und wissen um die erforderlichen Infrastrukturen und sehen keinen Grund, in Panik zu verfallen. "Treppen sind besser als Fahrstühle, die Motivation und der Optimismus hoch, die Saison ist noch lang, der Weinkeller voll, und die juristischen und kulinarischen Nebengeräusche nehmen ab," fasst Moreno Deus seine Sicht der Dinge zusammen.
Es wird nicht leichter, eine Prognose zu geben, wohin welcher Metzgermeister auch immer das Fleisch für die Meisterparty liefern werden muss. Um zu sagen, was alle schon gesagt haben: Die Liga ist sehr eng beisammen. Die mangelnde Risikobereitschaft kann man nicht mit der Natur des Südafrikaners als solches erklärt werden. Prestigebewusstsein dürfte hier eine grössere Rolle spielen. Wie man da allerdings die letzten Auftritte in den internationalen Wettbewerbe interpretieren soll, sei mal dahingestellt. Auf alle Fälle kann man das gleiche Verhalten ja nun auch im Pokal beobachten. Auch hier sind die Manning Rangers, wie viele andere Teams auch, mitgedümpelt, ohne aufzufallen, weder nach oben noch nach unten.
Es will nicht so recht vorwärts gehen mit den Manning Rangers in dieser Saison. Zwar konnte man sich im Cup für die zweite Runde qualifizieren, und das gleiche gilt aller Voraussicht nach auch für die Champions League, doch dies wird im Umfeld des Vereins beides als nicht sonderlich grossartige Leistung eingestuft. Dessen ist sich Moreno Deus auch bewusst: "Das wird erwartet von uns, damit müssen wir leben." Umso besser müsste man sich also im wichtigsten Wettbewerb präsentieren: Der heimischen Liga, doch dort finden sich die Rangers immer noch auf dem letzten Tabellenrang, schon sechs Punkte hinter dem letzten Nichtabstiegsplatz und ganze neun Punkte hinter der Tabellenspitze, wo sich ausgerechnet Erzfeind und Hobby-Jurist Uno befindet.
Noch immer stehen die Manning Rangers ohne Sieg da und finden sich auf dem letzen Tabellenrang wieder. Dass man sich da in guter Gesellschaft befindet ist ein schwacher Trost. "Der eine will Würste mit Bananengeschmack, der andere Schnitzel mit bewusstseinserweiternder Wirkung, und dann kommt der Eigenrauch..." Moreno Deus wirkt bei der Pressekonferenz schon fast verzweifelt.
"Ich kann es nicht glauben, dass wir da unten stehen. Vielleicht sollte ich das Tiereschlachten wirklich sein lassen und mich auf das Wesentliche konzentrieren. Schliesslich stehen mit dem neuen Pokal und der Champions League noch zwei äusserst prestigeträchtige, taktisch herausfordernde, zeitaufwendige und aufregende Aufgaben bevor. Vielleicht helfen ja Bananen? Oder sonst Grünzeug?"
Der schöne Artikel über die Ursachensuche nach der sportlichen Talfahrt der Manning Rangers ist leidereinem Systemfehler zum Opfer gefallen. Es bleibt festzuhalten, dass Moreno Deus nicht an eine zu grosse Belastung glaubt, auch nicht, dass man nach den vergangenen Erfolgen zu wenig hungrig sei. Die Ablenkung infolge seiner Nebenbeschäftigungen sei auch nicht zu spüren ("Die einzige, die das zu spüren bekommt, ist meine Frau"). Ebenso wenig Angst hat Deus vor der Prozesswelle, die ihm droht: "Ich bin im Recht und habe gute Anwälte." Ob die ihm allerdings helfen können, in der Tabelle aufzusteigen darf bezweifelt werden.
Nach dem erwartet mieserablen Saisonstart überlegt sich Moreno Deus, sich ein "viertes Standbein" zuzulegen wie er es formuliert. Als ausgemachter Gourmet ist der Kubaner äussert niedergeschlagen nach dem unerwarteten Wegzug von Vinnie Jones. Wissend um Herbstars eher bescheidene Gaumenqualitäten, will Deus nun versuchen mit dem Serienmeister ein Joint Venture einzugehen. "Im Lebensmittelgeschäft wäre ich sicherlich zumindest ebenso erfolgreich wie als Fussbaltrainer," so Deus bescheiden. "Eine Partnerschaft mit Herbstar hätte den Vorteil, dass man diesen so ein wenig ausspionieren oder ablenken kann. Auf alle Fälle ist das Ganze mehr als eine Überlegung wert."