Nachdem die Lage im Sudan eskaliert ist, hat sich der sensible Kubaner Moreno Deus nach Südafrika zurückgezogen. Etwas traumatisiert fand er hier vollkommen andere Verhältnisse vor. Sein Verein spielte in verschiedenen Städten (Durban im Winter, Kapstadt im Sommer, was dem wärmeliebenden Deus zu Gute kommt), man trainierte sogar auf Rasen und nur die Sicherheitsangestellten trugen ihre Waffen offen zur Schau. "Es dauerte eine Weile, bis ich mich an
die neue Umgebung gewöhnt hatte, darunter litt, wie man unschwer erkennen konnte, auch meine Arbeit. Doch nun sollte alles wieder im Lot sein." Eine Kampfansage wagte der sonst ziemlich stolze Deus allerding (noch) nicht. "Aber wie üblich lade ich zum Saisonauftakt alle meine Trainerkollegen in meine eben erst erstellte Villa in Kapstadt ein um nach kubanischer Art so richtig einen drauf zu geben. Das ist immer noch die beste Art die Kollegen kennenzulernen."
Kapstadts Schwarzmarkt wird derweil überflutet von karibischen "Luxusgütern" zweifelhafter Qualität. Rum, Zigarren, Ziegenfelltrommeln, Rastaperlen und Frauen liegen hoch im Kurs. Die einheimische Mafia zeigt sich gar nicht erfreut: "Diese Billigwaren verunmöglichen seriöses Geschäftetreiben," so ein lokaler Führer, der lieber ungenannt bleiben will. Die Stadtpolizei gibt sich auch einsatzwillig und hat Moreno Deus verhaftet, da sich seine Ankunft ungefähr mit dem Aufkommen der Schwarzgüter deckte. Der
temperamentvolle Kubaner konnte allerdings nur schwer unter Kontrolle gebracht werden und sitzt nun in Einzelhaft (was, so ganz nebenbei bemerkt, äusserst negative Einflüsse auf die sportliche Leistung seiner Rangers hatte). Sein Anwalt spricht für ihn: "Die Vorwürfe sind absurd! Herr Deus' Weise im Import-Export-Bereich Geschäfte zu treiben, sind den hiesigen Behörden vertraut (sie gehören zu seinen besten Kunden). Sein Name steht für höchste Qualität und Transparenz und nicht solchen Ramsch wie er derzeit überall zu finden ist."
Die Start of Season Party hat Spuren hinterlassen in der kapstädtischen Bleibe von Moreno Deus. Die Villa selbst ist ein kleines Problem. "Da habe ich gutes Wartungspersonal," so der Kubaner. Doch was seine Manning Rangers bisher gezeigt haben ist absolut nicht würdig für einen Aufstiegskandidaten. "Und der Aufstieg ist unser erklärtes Ziel," liess Deus weiter verlauten. Aber so wird das wohl nichts. Mit einem Torverhältnis von 0:7 steht man abgeschlagen auf dem letzten Platz. Am nächsten Spieltag gibt es ein erstes Derby (gegen Santos), sowie das Duell gegen die Ledwaba Power Stars, eine schwierige Aufgabe, da letztere zurzeit trainerlos sind.
Tja, tabellenmässig sieht es für die Manning Rangers zwar nicht allzu rosig aus, trotzdem zeigt sich Moreno Deus überraschend relaxt. "Wir haben unser Potenzial aufblitzen lassen, wie man so schön sagt, ich bin überzeugt, dass wir diese Saison mit Erfolg zu Ende bringen können." Was ihm denn am meisten gefalle an seinem neuen Wohnort? "Also Kapstadt ist fantastisch! Der Wein, das Bier, der Brandy, das Meer, die Berge, die Nagelstudios..." Nur eine permanente Wohnstätte fehlt ihm noch. "Die Haussuche gestaltet sich schwieriger als erwartet, aber mir gefällt es in diesem Hotel."
Moreno Deus über Wüste, Bier, Villen und das Alter
Nach langen Jahren in der sudanischen Wüste zieht es den Exil-Kubaner nach Südafrika. "Im Sudan war das Leben nicht allzu einfach. Und da kam dieses Top-Angebot der Manning Rangers gerade recht, ich habe keinen Augenblick gezögert in einer Liga zu spielen, dessen Hauptsponsor eine Biermarke ist. Auch das sollte einfacher werden als im Sudan. Ich erhoffe mir auf meine alten Tage hin etwas mehr Ruhe gönnen zu können. Die Frage ist nur, ob meine Kollegen das zulassen, da sind ja ein paar altbekannte Haudegen dabei."
Zusätzlich verwirrt wurde der Lebemann um den Standort seines Klubs. "Es war ja nicht klar, wo wir spielen sollten. In Durban konnte man uns keine Garantie geben, also habe ich meine Beziehungen in Kapstadt
spielen lassen, und es sieht so aus als würden wir uns hier niederlassen können. Ich wollte unbedingt meine Zelte in dieser, der schönsten aller Städte der Welt aufschlagen. Ich werde mir wie in den Zeiten im Sudan eine Riesenvilla zulegen um dort immer mal wieder meine Kollegen einzuladen und sie dann abzufüllen."
Allerdings munkelt man, dass der kapstädtische Winter mit seinem kühlen und nassen Klima zuviel sein könnten für die Gesundheit des verwöhnten Kubaner. Deshalb wird spekuliert, ob die Manning Rangers für die Zeit zwischen April und August jeweils in ihrem ursprünglichen Spielort Durban agieren werden, da dort das Klima für das labile Gemüt von Deus um einiges gesünder sei...
Was haben sie gearbeitet, was haben sie gerackert, was haben sie trainiert, die Jungs von Moreno Deus (er selber liess die Sache ruhiger angehen "Ich muss meinen Körper schonen"). Aber alles hat nichts gebracht! Schon wieder hat man verloren, auch wenn es diesmal knapp ausging.
"Es ist mir ein Rätsel, was da los war!" so ein sichtlich verunsicherter Deus. "Ich weiss, was meine Jungs können, sie müssen es nur mal umsetzen und dann auch konstant bleiben, was ja schon immer unser grösstes Problem war!"
Auf die grossen Worte der letzten Woche liessen die Jungs aus Hasahisa noch keine Taten folgen. Mit Null Punkten steht man abgeschlagen am Tabellenende.
"Das ist natürlich alles andere als optimal, vor allem wenn man sieht, dass andere Titelanwärter besser gestartet sind, als in anderen Saisons. Aber wir haben eben erst begonnen, es kann noch viel passieren, wir arbeiten an uns!"
Man könnte zum Beispiel Kollege "Keule", der sich Insiderberichten zur Folge irgendwo in der Wüste einem Selbstfindungstrip unterzieht versuchen aufzuspüren..
Etwas verspätet hat Moreno Deus nun auch dieses Jahr den illustren Trainerkreis des Sudan Cups zum traditionellen Saisonauftaktsessen eingeladen ("Ich wollte erst mal die Sylvester und dessen Nachwirkungen ausklingen lassen, sonst hätte man mein Mahl und alles was dazu gehört nicht geniessen können!").
Leider waren Regenbogenpressejournalisten zu dieser Party nicht eingeladen. ("Für viele der beteiligten Kollegen war das auch dieses Jahr wieder das beste so, das kann ich ihnen versichern!")
Bei der Anfangs-Saison-Pressekonferenz verspricht Deus mit Hasahisa nun endlich mal wieder voll anzugreifen ("Wir peilen den Titel an!").
Kurz vor Ende Saison meldet sich auch dieses Jahr Moreno Deus wieder. Aber nicht, weil er, wie sonst eigentlich immer, wieder einen Wechsel/Rücktritt oder was auch immer ankündigen will, sondern weill er merkt "dass da noch etwas drin liegt." In der Tat könnte für Al-Hilal Hasahisa am Ende das beste Resultat seit langem heraus schauen, der Abstand auf Rang 4 ist mit 4 Punkten sehr gering. Anllass zur Sorge könnte allerdings das äusserst schwierige Restprogramm geben: Schon am nächsten Spieltag warten die beiden top-platzierten der Tabelle und danach muss man noch gegen Al-Hilal Omdurman ran, die sicherlich um jeden Preis den Abstieg verhindern wollen.
Dass es sportlich anfangs Saison in Hasahisa nicht läuft ist ja nun wirklich zur Tradition geworden. "Aber diese Saison werden wir uns früher fangen" verspricht Moreno Deus.
Doch zum ersten Mal gab es auch privat Probleme. Beim berühmten Anfangssaisontrainertreffen störte ein maskierter Typ die gemütliche Atmosphäre, wie ja Kollege Jähnig bereits berichtete.Er wollte aus mehreren Trainern taktische Hinweise mit Hilfe übermässiger Alkoholzufuhr
herausbekommen.
"Das mit dem Alkohol ist für uns ja eigentlich nix Neues. Aber wir reden dann höchst selten ernsthaft über unsere Taktiken!" erklärt Deus, der den Störefried dann auch eigenhändig in seinen Pitbullzwinger beförderte. Doch komischerweise war er am nächsten Tag spurlos verschwunden.
"Im Interesse aller Trainer bitte ich, jegliche Hinweise zu melden!" ruft Deus auf.
Vielleicht besteht ja ein Zusammenhang zwischen ihm und dem Unter- und Auftauchen von Volonta..
Wie es bereits Tradition geworden ist, hat Moreno Deus kurz vor Saisonbeginn alle seine Trainerkollegen in seine Villa eingeladen. Die hat er übrigens weiter ausgebaut. Es scheint also, dass er noch länger im Sudan verweilen will.
"Mir gefällt es hier ausgezeichnet" bestätigte er uns dann auch irgendwann im Verlaufe des (langen) Abends, der wieder ein voller Erfolg war.
"Es ist natürlich immer wieder eine Freude mit langjährigen Weggefährten wie Ulla oder Keule zu fachsimpeln, mit altgedienten wie Roberto Carlos über die guten alten Zeiten zu nostalgieren, neue Kollegen kennenzulernen, oder alte Bekannte wiederzusehen." so Deus, der mit dem Verlauf des Abends vollauf zufrieden zu sein schien.
Nach einer mässig erfolgreichen Saison von Al Hilal Hasahisa tritt deren kubansicher Trainer noch einmal (zum letzten Mal?) vors Mikrofon:
"Dem Abstieg dürften wir entronnen sein. Aber es wird verdammt schwierig, die angepeilten internationalen Plätze zu erreichen!" so die Prognose von Moreno Deus. "Folglich bleibt meine Zukunft hier im Sudan ungewiss. Aber wir werden jetzt natürlich alles daran geben, den Sudan international vetreten zu dürfen!
Dann werde ich eine ganz grosse Party in meiner Villa geben und danach werde ich über meine Zukunft nachdenken."
Wie immer gegen Ende Saison gibt es in Hasahisa Gerüchte. Nie ist man sich so ganz sicher, ob Moreno Deus das Land verlässt, oder ob er seine Villa die nächste Saison weiter ausbauen wird. Dieses Jahr macht er klaren Tisch:
"Bei einem Abstieg werde ich gehen. Bei einer Qualifikation für die internationalen Plätze bleibe ich!"
Dazwischen allerdings sei alles offen "je nach Angebot."
Höchst erfreut zeigt sich der Kubaner allerdings
über den grossen Zuwachs im Sudan Cup. "Es scheint, als hätte unsere Liga, obwohl sie auf der Afrikarangliste kaum zu finden ist, doch auch eine gewisse Attraktivität hat. Ein herzliches Willkommen an unsere neuen Trainerkollegen!
Gut möglich, dass dieser Ansturm auf das gute Abschneiden unserer Nationalelf an der WM zurückzuführen ist.
Da möchte ich übrigens unserem Trainergespann herzlich gratulieren. Ihr habt hervorragende Arbeit geleistet!"
Al-Hilal Hasahisa konnte in der Tabelle einen beachtlichen Sprung nach vorne machen und untermauerte so seine Absichten zum zweiten Titelgewinn unter Trainer Moreno Deus. Wir fanden ihn vor seiner Villa (wo sich die ganze Mannschaft aufgehalten haben soll, wo er, leich angetrunken, ein paar Worte an die Presse richtete.
"Wir zeigten sehr solide Leistungen, vor allem in der Defensive. Ich wusste schon immer, dass wir dazu fähig sind, doch wir dürfen jetzt nicht nachlassen und wir müssen, verdammt nochmal KONSTANT bleiben. Das predige ich hier schon seit Jahren. Aber dieses Jahr werden wir endlich wieder Meister!!"
Es ist Sand im Getriebe von Al Hilal Hasahisa.
Alle sind sauer, niemand weiss warum, denn die Niederlage ware knapp und das Unentschieden sinnlos.
"Gegenüber dem ersten Spiel haben wir uns klar gesteigert," so ein ungewohnt verschlossener Moreno Deus. "Aber es reicht natürlich immer noch nicht, um vorne mitzuhalten, dafür müssten wir eben weniger Chancen versieben."
Um die Mannschaft wieder in Form zu bringen ordnete er für nächste Woche schon mal sein bewährtes (und gefürchtetes) Wüstentraining an.
"Es sei denn sie überzeugen mich rundum in den nächsten Spielen."
Ein Antrieb wird´s sein..
Relaxt wie üblich erschien Moreno Deus zu seiner traditionellen Anfangssaisonpressekonferenz.
Trotz der 4:0 Niederlage ("wir haben uns im Datum geirrt. Wir waren noch in den Ferien. So musste eben unser Reinigungspersonal antreten")n schnorrte er zufrieden an seiner Zigarre und verteilte Rummüsterchen unter die Journalisten.
Allen Wechselgerüchten (die schon seit mehrerern Saisons verbreitet werden) zum Trotz wird der Kubaner
den sudanesischen Traditionsverein noch mindestens eine weitere Saison lange betreuen:
"Mir gefällt es in meiner Oase einfach zu gut. Ich habe mich so richtig in meine Villa eingelebt. Nur wäre es gut, wenn wir auch mal einen Grund zum Feiern hätten."
Dann die üblichen Versprechen:
"Dieses Jahr werden wir konstant sein und endlich wieder mal Meister werden! Ansonsten habe ich meine Villa umsonst gebaut."