Viel Kraft verbraucht, vier Punkte geholt, und in der Tabelle trotzdem abgerutscht. Ja, die Premier Soccer League ist ein hartes Pflaster. Dies muss zum ersten Mal auch Moreno Deus mit seinen Manning Rangers erfahren. Bisher hatte der Kubaner sein Team immer auf mindestens den fünften Rang geführt. Ausgerechnet dieses Jahr, wo man sich doch so viel vorgenommen hat, droht der grosse Absturz, ja gar der Abstieg. "Mittlerweile ist es vermessen vom internationalen
Geschäft, geschweige denn von der Titelverteidigung, zu sprechen," so Deus. Die Schuld sucht er aber bei den anderen: "Die sind gegen uns immer extra motiviert." Er vermutet sogar faule Tricks: "Ich habe letztens herausgefunden, dass einige meiner Spieler zum Veganismus konvertiert haben. So kann man natürlich keine meisterliche Performance abliefern. Ich kann nur ahnen, woher sie diese Schnapsidee haben. Der Schuldige soll bestraft werden!"
Nach der Zigarre Danach wandert der ständig immer alles geniessende Jäger Moreno Deus ganz untrottelig wieder zurück nach Kapstadt, die Stadt der Geniesser. Leider hat er dabei die Spiele seiner Mannschaft im Confetti Cup verpasst und prompt steht man mehr als nur am Rande des Ausscheidens. "Nun, es war ja klar, dass auch wir diese Saison zum Trottel sinken werden. Nach den Erfolgen der letzten Spielzeit
ist das nur logisch. Wenigstens haben wir letztes Jahr international genug Punkte gesammelt und der Schnitt der miesen Saison 31, an dem wir ganz unschuldig sind, wird ja auch bald weg sein." Wenigstens hat er es rechtzeitig zum spannendsten und wichtigsten Heimspiel der Saison geschafft. Vielleicht wäre er da aber auch besser im Busch geblieben, denn nun droht grosse Gefahr von einer Axt. Gut hat man fleischige Beute.
Crossoveresser Moreno Deus geht auf die Jagd und nimmt mit: Ein paar gute Schuhe, ein Buschmesser, einen Feldstecher, ein Gewehr, ein Feuerzeug, einen Picknickkorb, eine Zigarre und natürlich eine schöne Frau. Dann läuft er mit den guten Schuhen über Stock und Stein. Mit dem Buschmesser schlägt einen Weg frei. Mit dem Feldstecher späht er nach Beute Mit dem Gewehr schiesst er, was ihm eben vor die Flinte
läuft: Springbock, Krokodil, Kudu, Warzenschwein, Elant, Strauss oder Stachelschwein. Die Raupen erschiesst er nicht, sondern sammelt sie mit blossen Händen ein! Mit dem Feuerzeug (und ein bisschen herumliegendem Holz) macht er dann ein Feuer. Mit dem Picknickkorb macht er die Beilagen. Dann wird gegessen. Und wie heisst es so schön: "Nach dem Essen sollst du rauchen oder eine Frau gebrauchen." Deus hat beides dabei.
Was auch immer der Grund sein mag: Fleischwölfe, Fallidioten, Schnapsleichen, Schäferhunde oder Provinzvereine. Irgendetwas hat Moreno Deus gehörig die Laune verdorben. Darauf angesprochen: "Klar, die erste Heimniederlage seit Jahren, die Vorführung in Maritzburg, und das drohende Ausscheiden im Confetticup, das zerrt an den Nerven, wenn man so erfolgsverwöhnt ist wie wir in letzter Zeit. Aber nun kann die
Mannschaft wahre Stärke zeigen." Um diese zu fördern, hat der ansonsten sehr stilvolle Lebemann aus Kuba einige Neuerungen im dieswöchigen Trainingsbetrieb eingeführt: Statt sechs Flaschen Wasser trinken die Rangers Rum, statt gegen Hunde kämpft man gegen Grosswildkatzen, statt Tofu essen sie Antilopen, und statt mit dem Fleischwolf zerkleinern sie diese mit dem Küchenmesser. Ob diese neue Therapie mit Erfolg gekrönt
Moreno Deus will sich ja nicht brüsten, aber nach dem vergangenen ZAT sind seine Manning Rangers schon ganz klar der heisseste Anwärter für den Titel für den Trottel der Runde. Sang- und klangloses Ausscheiden im Confetti Cup (immerhin hat man noch ein paar Pünktchen für die CAF-Wertung geholt, desolater Auswärtsauftritt gegen den Herbstar, der sich nun mehr und mehr zum Titelaspiranten mausert, und zum krönenden Abschluss die mehr als peinliche Heimniederlage gegen den klaren Abstiegskandidaten Nummer zwei. Nun hat man selbst nur noch ein Punkt Vorsprung auf einen Abstiegsplatz und die internationalen Plätze oder gar der Meistertitel liegen in weiter Ferne. Das hat man sich sicherlich anders vorgestellt.
Zum Abschluss der Rückrunde will Moreno Deus zur Abwechslung einmal nicht über das Essen reden. "Reden wir also über Sex," schlägt er an der Pressekonferenz vor. Dies wird von der strengen südafrikanischen Zensur allerdings sofort unterbunden. So muss er ein anderes Thema finden. "Reden wir über's Trinken." Auch hier zuckt der Zensurent (Zensator? Zensiriker?) mit Augen und Mund, Deus kommt ihm aber zuvor: "Alle trinken Wasser. Sowohl Tier als auch Menschen, sowohl Fleischfresser als auch Vegetarier, Veganer und Fallidioten. Warum nur? Es gibt doch viel schmackhaftere Flüssigkeiten? Warum trinken alle Wasser? Warum gibt es keine Ant-Wasser-Trinkbewegung?" Der Zensist zuckt mit den Achseln
Dass Deus kein Gemüse mag, steht ja fest. Deshalb wird in dieser Beziehung wohl Vinnie Jones' Metzgerei klar die Nase vorne haben. Allerdings will der Weltenbummler und Gourmet einwerfen, dass noch ganz andere Kriterien für die Wahl eines Establissements zu einer Nummer Eins von grösster Bedeutung sind. Zum ersten wäre da natürlich der Service zu nennen: Wie ist die Fachkompetenz, Freundlichkeit und ästhetische
Erscheinung des Personals (der letzte Punkt ist für den kubanischen Ästheten natürlich besonders wichitg)? Wie ist das Lokal eingerichtet? Was wird zur Unterhaltung des Kunden geboten? Wie steht's mit der Kulanz? Was passiert bei allfälligen Unannehmlichkeiten, z.B. mindere Qualität o.ä.? Und schliesslich: Wie schnell läuft das Ganze ab? Dies ist besonders am Freitagabend kurz vor dem ZAT höchst enttscheidend.
Da wollte Moreno Deus doch diese Woche extensiv Metzgereien testen, bereitete sich intensiv darauf vor, indem er ganze drei Tage lang fastete, sehr gut die Zähne putzte und zum Frisör ging, als doch tatsächlich Jury-Mitglied Herbstar seine Absage verkündete... hatte wichtigeres zu tun. Ob all der Ablenkung vergass der Kubaner tatsächlich seine Manning Rangers zu trainieren, welche dann prompt sang- und klanglos untergingen, und zahlreiche Fettreserven verbrannten. Die Mission Titelverteidigung wird somit immer schwieriger, auch die Gegner schlafen nicht. Und was tut Moreno Deus zur Frustbekämpfung? Er verbringt das Wochenende in Vinnie Jones' Metzgerei natürlich. Das riecht irgendwie käsig...
Was ist schon sicher? Dass man mindestens ein Mal pro Tag auf's Klo muss? Dass Barack Obama wieder gewählt wird? Dass es in Südafrika einmal pro Jahr schneit? Dass man in Sambia guten Fussball spielt? Dass man als Titelverteidiger nichts geschenkt bekommt? Dass Neulinge vorsichtig sind? Dass man nur an der Küste guten Fussball spielen kann? Dass das Zebra vom Löwen verschont bleibt? Dass die Schwalben den Sommer bringen? Dass Jacob Zuma gerne Frauen hat? Dass Fische Wasser trinken? Oder gar dass der Ball rund ist? Sicher ist nur, dass ein Kudusteak nach eineinhalb Stunden auf dem Grill zäh wie eine Schuhsohle sein wird, und dass Moreno Deus niemals in seinem Leben in eine Metzgerei ohne Fleisch und andere Attraktivitäten eintreten wird.
Die diesjährigen Copa Awards haben dem alten Trainerfuchs aus Kuba die Nacht seines Lebens beschert. Und dies ganz ohne Rum, Zigarren und Mädchen (wenigstens nicht während dem offiziellen Teil). Trainer des Jahres in Afrika, und dazu noch Teil der besten Zeitung der Welt (Vinnie Jones' Metzgerei sei Dank). Da hat sogar der Lebemann Moreno Deus den Atem verloren (was vielleicht auch am Mangel an Rum,
Zigarren und Mädchen lag). Auf alle Fälle wird man versuchen, die Leistung des letzten Jahres zu wiederholen. "Ansonsten müssten wir ja nicht antreten," obwohl man natürlich weiss, wie schwierig das wird. Als Nächstes stehen also Leoparden, Entdecker und eine Reise durch Afrika auf dem Programm. Und an Vinnie Jones' Metzgerei schickt man natürlich Rum, Zigarren und Mädchen.
"Ich bedanke mich natürlich bei allen Kollegen für die Glückwünsche und die Mithilfe für eine so erfolgreiche Spielzeit, weiter bedanke ich mich für alle Teilnehmer und Catering-Mitarbeiter für die teilweise immer noch laufende Feier," eröffnete Moreno Deus die Pressekonferenz. Erfolgreich soll die nächste Saison natürlich auch für die Manning Rangers werden, das lässt Deus durchblicken: "Als Meister muss dein Ziel natürlich
die Titelverteidigung sein. Alles andere wäre ein Hohn. International wird es natürlich nicht einfacher, aber wir werden unser Bestes geben, die gute Stellung Südafrikas zu verteidigen." Etwas verärgert ist er natürlich, wie fast alle Meistertrainer, über den Spielplan. "Ich finde es ein wenig unglücklich und unattraktiv gleich zu Beginn gegen Herausforderer Nr. 1 und 2 anzutreten. Ich freue mich aber über die neuen Gesichter in der Premier Soccer League.
Also will er doch an die Meisterparty der Vinnie. Nun, Moreno Deus soll's recht sein, the Axe ist ja als Partybombe berühmt! Und die Party nimmt immer konkretere Formen an, nach Wild à la Deusienne und Herrengedeck von Herrn Jones hat der Kubaner diese Wochen die Weingute im Hinterland von Kapstadt abgeklappert um den Wein für seine Party zu finden. Nachdem Moreno Deus sechs Tage lang acht Stunden am Tag Degustationen
durchgeführt hat, sich von bezauberndem Personal beraten lassen hat, die Aussicht genossen hat und seinen Gaumen abgetötet hat, hat er schlussendlich ein ganzes Weingut gekauft. "Es überrascht wahrscheinlich niemanden, dass ich den Wein als neue Passion entdeckt habe. Kenner dürfen sich schon bald überzeugen. Für alle anderen wird auch der ehemalige Hauptsponsor der Premier Soccer League an Bord sein!"
Es fuchst ganz schön bei Moreno Deus. Vielleicht sollte er mal in die Metzgerei, da gäbe es ein wenig Abwechslung Vielleicht braucht man aber auch einen Herdenschutzhund für Auswärtsaufträge. Auf alle Fälle ist im Nordosten des Landes höchste Vorsicht geboten, nur Schafe wagen sich dorthin. Gefährlich ist aber auch, dass die Füchse wandern. Aber gegen die kann man sich ja wehren. Nun, für Deus sind Antilopen sowieso interessanter und Löwen weniger gefährlich. Krokodile sind interessanterweise sowohl lecker als auch gefährlich. Aber man muss ja weder baden noch waschen. Immerhin, ein paar Punkte sollte es geben, schliesslich hat man ja viel vor.
Nach dem gemütlichen Reischen nach Tunesien, das Moreno Deus mittlerweile ganz gut kennt, fehlte der Kubaner diese Woche an der Seitenlinie seiner Rangers und betätigte sich selbst als Ranger. "Da sich Vinnie standhaft weigert, etwas zu meiner Meisterfeier beizutragen, muss ich mir den Festschmaus halt selbst schiessen gehen. Ob ich den Titelverteidiger angesichts seiner Unkoperation auch einladen werde, muss ich mir noch gut überlegen. Auf jeden Fall dürfen alle Trainer dabei sein, welche netterweise im Auswärtsspiel gegen die Rangers ihre Stürmer auf der Bank gelassen haben." Das klingt nach einem rauschenden Fest. Deus freut sich denn auch schon auf seine nächste Aufgabe: Den passenden Wein.
Da es sportlich so gut läuft und der Titel laut Prognosen von gefühlten hundertzwanzig Prozent der Trainer des Landes zu hundertzwanzig Prozent an die Manning Rangers gehen wird, die zusätzlich ja auch noch den Confederation Cup nach Südafrika holen, kann sich Moreno Deus ein wenig zurücklehnen und seinen nächsten Plänen widmen. "Das Lebensmittelgeschäft in Südafrika
scheint lukrativ und vielversprechend zu sein. Die schierem und einzigartige Vielfalt an Produkten lässt doch eigentlich jeden Gourmet aufhorchen: beruhigender Tee (Rooibos), saure Äpfel (Granny Smith), ausgewogener Wein (von jeder Sorte) und jede Menge Wild (Zebra, Kudu, Springbock, Warzenschwein, Strauss, Krokodil, und so weiter). Die Auswahl wird das Problem sein. Spezialisierung oder All-Inclusive?"
Die Manning Rangers haben noch ein paar schwierige Aufgabn vor sich: Zum einen müssen sie noch den Confederation Cup gewinnen, zum anderen die nationale Meisterschaft, und zwar nicht nur gewinnen, sondern auch gleich mit einem neuen Punkterekord. Was sagt Moreno Deus dazu: "Trauben sind schon etwas Wundervolles! Es gibt sie in verschiedensten Farben, man muss sie hegen und pflegen wie eine schöne Frau, und wenn du es richtig machst, kriegst du etwas Herrliches zurück, dass es ebenfalls in verschiedensten Farben gibt, dass man ebenfalls hegen und pflegen muss, und das wunderbar zu schönen Frauen passt, die es ebenfalls in verschiedensten Farben gibt, und die... nun, Sie wissen schon."