Meist trägt er eine Sonnenbrille. Sein Haar ist voll und lockig. Eine Schlangelederjacke und Krokodillederschuhe gehören ebenso zu seinem äusseren Inventar wie ein Dingoschwanz. Und seit kurzem raucht er auch des öfteren eine dicke fette Zigarre (kubanischer Herkunft). Die Rede ist natürlich von Reiner Zufall, der neuerdings ein rotes Cabrio fährt und nicht sehr gerne Frauenstimmen hat. Er ist ein Einzelgänger und liebt einsame Strassen und will seine Verbindung zu Rubio Deus nur halbwegs geheim halten.
Mit einem neuartigen und sehr seltsamen roten Cabrio fährt Rubio Deus vor die vereinigte Presse Australiens. Mit Hilfe des kubanischen Geheimdienstes hat er es geschafft, den Wagen nicht nur aufzuspüren (das war ja leicht, da er sowieso seit längerem versucht Wugs Taktiken auszuspionieren), sondern auch zu entern, wenn man das denn so sagen kann. Nun stellt sich natürlich die Frage nach dem Fahrer. Dazu Deus: "Der Fahrer des Wagens befindet sich in meinem Gewahrsam. Er hat nicht nur eine äusserst interessante Identität, welche ich hier nicht preisgeben möchte, sondern auch zahlreiche aufschlussreiche Informationen über alle möglichen Trainer Australiens. Die Frage ist jetzt nur, was ich mit ihm mache. Irgendwelche Vorschläge?"
Dank zwei äusserst ausgefuxxten Siegen haben sich die Bankstown City Lions definitiv aller Abstiegssorgen erledigt, nicht einmal Berufsoptimist Lobanowski glaubt mehr daran. "Ja, wir natürlich sehr erleichtert," so Rubio Deus, "da muss man sich natürlich überlegen, ob es sich lohnt, die Taktik zu ändern. Ich weiss nicht, ob ich vielleicht mal Lobanowski fragen soll..." Dagegen weiss er nun, an wen er fragen soll, um sein nächstes Problem zu lösen: "Ich brauche unbedingt ein neues Auto. Am liebsten wäre mir natürlich ein Cabrio. Lieber Wug, kann ich behalten, was ich finde?"
Rubio Deus ist sehr zufrieden mit dem Verlauf der ersten zwei Spieltage: Man steht sowohl vor Chris als auch vor Lobanowski. Dass man es damit mit dem Abstiegskampf zu tun hat, ist im Prinzip nebensächlich. "Das sind wir uns ja mittlerweile so gewohnt, dass sogar Lobanowski zu mir gekommen ist, um sich Tipps zu holen für seinen persönlichen Abstiegskampf. Wie so oft hat man gesehen, dass die Kopie durchaus besser sein kann als das Original. Dem alten Herrn vom Strand hat es offenbar so gut gefallen, dass er dieses wieder lieber um den Abstieg als um den Titel mitspielen will. Das hingegen können wir nur begrenzt verstehen."
Ein Gestöber durch die Zeitungslandschaft ist auch in seiner 25. Saison in Australien für Rubio Deus immer noch eine Freude, auch wenn es schon länger gedauert hat. Aber nun weiss er, dass man Wertsachen im Klokasten suchen muss, dass es Leute gibt, die nur zwei Anläufe für zwei Meisterschaften brauchen und dass man Lobanowski nie zufrieden stellen kann (gut dass weiss er schon lange) und dass er auch als Benchmark nicht dienen kann, da ihm ja die wertvolle Erfahrung der A2-League fehlt (und da er ein oder zwei Meistertitel mehr hat).
Immerhin: Auf dem Klo sind alle gleich!
Voller Freude, aber auch mit grossem Bangen, hat Rubio Deus die überaus überraschend erschienene D-U-S gelesen. Die Erheiterung und dann auch die Erleichterung beim sensiblen Kubaner war gross. Das Deus-Bashing hielt sich in Grenzen (war aber mit der A6 doch schon sehr eindeutig...) und wohlige Nostalgiegefühle packten auch den alten Rubio. Da kann er sich schon fast damit abfinden, dass der Traum vom Vizemeistertitel begraben werden muss und eine weitere Saison im Mittelmass erfolgt. Immerhin ist er da für einmal in guter Gesellschaft bei seinen ehemaligen besten Freunden von der Redaktion.
Es hat nicht sollen sein. Die maximale Punkteausbeute aus zwei Spieltagen blieb den City Lions auch diesmal versagt, obwohl man es versucht hat. "Nun, wenn ich mir unser Restprogramm so ansehe, glaube ich nicht, dass sich daran in dieser Saison etwas ändern wird," so die Analyse von Rubio Deus. "Im Gegenteil, vielleicht müssen wir in die saure Wurst beissen und uns schon wieder mit einem lausigen Mittelfeldplatz begnügen. Immerhin sind unsere Abstiegssorgen nicht allzu akut. Des weiteren warten wir natürlich gespannt, ob sich Bimbambum einmal mehr in extremis vom Abstieg retten kann (bei Lobanowski sind wir überzeugt davon!). Ob wir uns auf die Neulinge dann freuen sollen, haben wir noch nicht entschieden."
In den letzten zwei Spieltagen wurde die Tabelle der A-League ein bisschen durcheinander gewirbelt. Ob dies allerdings nur ein kurzes Intermezzo oder eine nachhaltige Entwicklung ist, bleibt abzuwarten. Für die Bankstown City Lions sieht es eigentlich aus wie immer: Alles ist möglich. Nur, das Restprogramm hat es mehr als in sich. Früher wurde die Analyse desselben noch von kompetenten Sportjournalisten eines Fachblattes vorgenommen. A propos: Mit Freude hat Rubio Deus die Gründung der Untergrundorganisation "Heisser Stift" zur Kenntnis genommen (Mit Freude nicht nur, weil er gerne die DUS liest, sondern auch, weil er gegen Gründer Wug, der auch schon kreative Aktionen angedroht hat, bereits gespielt hat.)
Es scheint fast so, also ob in Australien wieder einmal ein Titel verteidigt werden kann (Rubio Deus gelang das leider nicht). Warum dies so oft geschehen kann, haben verschiedene Experte versucht zu analysieren (siehe deren Artikel). Rubio Deus sieht sich nicht als solchen und will deshalb nicht seinen Senf dazu geben. Ausserdem muss er sich noch eine ueberaus ausgekluegelte Taktik fuer den naechsten Spieltag ueberlegen. Denn auch wenn das manche wundern mag, so macht sich doch selbst Deus ab und zu Gedanken, nicht nur
philosophischer, sondern auch taktischer Art. "Dieses Mal ist es wieder aeusserst schwierig, da ich gegen Lobanowski spiele. Da gibt es immer so viele Moeglichkeiten. Mindestens 3. Nur welche kann die richtige sein? Irgendwie wuerde man seine Benchmark auch gerne mal in der zweiten Liga sehen. Aber vermissen wuerde man ihn wohl trotzdem. Das muss ich zugeben, auch wenn er jetzt nicht mehr an der DUS schreibt." Dass nebenbei noch der ehemalige und zukuenftige Meister vorbeischaut hat man in der ganzen Aufregung fast vergessen.
Wie kommt es zu dieser seltsamen Schlagzeile, wo doch ein Erscheinen der D-U-S immer unwahrscheinlicher wird, und ein Arschkriechen immer unnötiger? Die Antwort ist ganz einfach: Aus bisher ungeklärten Gründen haben sich die Bankstown City Lions zum Verfolger Nummer Eins des Titelverteidigers aus der Hauptstadt gemausert. Druck ist man sich aber in Sydneys Flughafenviertel schon lange
nicht mehr gewohnt. Deshalb versucht nun Rubio Deus die Verantwortung abzuschieben: "Also wenn jemand den Höheflug von Wug und seinen wulgären Mannen stoppen kann, dann wird das San Bango sein. Für ihn sprechen die Konstanz, die Reserven und die frische Erfahrung in Titelrennen. Natürlich gibt es auch noch andere Kandidaten. Wir selbst sind aber froh, wenn wir nicht absteigen."
Ja, Rubio Deus gibt es zu: "Das Sandwich ist eine meiner Leibspeisen. Vor allem jetzt, wo nach dem ganzen High-End-Gefresserwerk über die Festtage wieder etwas bewährtere Kost gefragt ist. Das Sandwich ist perfekt dazu. Es beinhaltet alles, was man braucht, bietet jede Menge Abwechslung und fördert die Kreativität.
Das liebste Sandwich ist mir aber natürlich, jenes, in dem wir uns momentan befinden: Ganz kuschelig eingequetscht zwischen San Bango und Lobanowski."
Die Frage ist jetzt nur, was der Brühwürfel damit zu tun hat, ein weiterer ehemaliger Kolumnist, den Deus nun verägert haben dürfte. Die nächste Frage ist dann, ob und wie Deus den altehrwürdigen OTIS-Preis kriegen wird.
Nach zwei doch sehr ärgerlichen (oder gar vorhersehbaren?) Niederlagen sind die Bankstown City Lions in der Tabelle massiv abgerutscht und Rubio Deus steht nun da, wo er immer sehr gerne steht: Im Abstiegskampf. "Nur hier gibt es den wahren Nervenkitzel! Nur hier schmecken die Siege so schön! Nur hier schmerzen Niederlagen lebensgefährlich! Nur hier kommt es auf jedes Tor an! Nur hier lohnt es sich, Rum zu haben!" Und so weiter. Es scheint, der Kubaner habe vergessen, wie es war, um den Titel zu kämpfen. Oder aber er sieht ein, dass der OTIS-Preis ein um einiges realistischeres Ziel ist, als die hässlichste Trophäe Asiens.
Rubio Deus war, wie alle anderen Bewohner und Bewunderer Australiens positiv überrascht, als er diese Woche in seinen Briefkasten blickte. Trotzdem bleibt nur wieder Unwissenheit: Man weiss nicht, was Lobanowski will, man weiss nicht, wer Meister wird, man weiss nicht, wer der nächste Interviewpartner sein wird, man weiss nicht, was San Bango glücklich macht, man weiss nicht, mit welcher Taktik man in die nächsten Spiele steigen soll. Und man weiss nicht, was für eine Körbchengrösse Dr Nos Ehefrau hat. Nur eins weiss Deus
mit Sicherheit: Falls er diese Saison Meister wird (was nicht mal die gutgläubigen Kontinentalasiaten wirklich glauben, im Gegensatz zum letzten Jahr), so wird er nicht das Goldene Känguru erhalten, sondern den OTIS-Preis. Das ist eine Motivation, welche San Bango besser nicht erwähnt hätte, denn man weiss wie sehr dieser Preis dem Ästheten Deus am Herzen liegt (und genau deswegen stört es ihn so sehr, dass ausgerechnet der van Kruyden dieses Jahr den Preis erhalten hat, da bei dem nicht nur der Name eher unästhetisch ist).
Mit einem Gemisch aus Erstaunen, Amüsement und auch Befremden hat Rubio Deus die letztwöchigen Ergüsse in der australischen Zeitung gelesen. Kaum einer weiss es besser als der Kubaner: In der Kürze liegt die Würze. Doch das Ganze war ihm doch zu rätselhaft. Deshalb erachtet er es als notwendig, alle Konfliktparteien an einen Tisch zu laden, Rum und Zigarren zu spendieren.
Bei Bedarf sind die Mädchen ja immer in der Nähe.
Zur sportlichen Situation will sich der erfahrene Coach nicht weiter äussern. "Es ist klar, dass noch alles offen ist. Das zeigt schon nur die Tatsache, dass der Brühwürfel auf der Eins hockt. Letztes Jahr waren wir ja noch auf der Oddset-Liste. Den Fehler haben die Trainer dieses Jahr offensichtlich nicht mehr gemacht."
Guter Journalismus ist das Thema vieler wissenschaftlichen Abhandlungen und eher feuilletonistischen Essays. Auch in Australien, wo das Sportliche schon immer nebensächlich war, ist das Thema nun wieder am Kommen. Ausgerechnet in Australien. Jahrelang galt dieses Land als Synonym für seriösen Hurra-Journalismus, die perfekte Mischung sozusagen. Nun, Rubio Deus will sich dazu nicht äussern. Schliesslich ist der Kubaner bekannt für seine Objektivität und Passivität: "Ich habe es nicht nötig mich mit irgendwelchen Kommentaren oder anderen Dingen anzubiedern. Ich muss einfach nur die 500 Zeilen vollmachen und mir irgendeine kluge Taktik gegen alberne und goldene Gegenspieler ausdenken."
Auch wenn Rubio Deus in letzter Zeit (besonders gegen Ende der vergangenen Saison) mit sinnlosen taktischen Aktionen nicht nur seine Gegner, sondern auch seine einzigen Verbündeten in der A-League erzürnt hat, die ihm immerhin jede Menge positive Publicity verschafft haben, so kann er es auch diese Saison nicht lassen. Ist das ein Zeichen des fortgeschrittenen Alters? Oder findet die kubanische Trainerlegende mit hohem Alter seinen jugendlichen Übermut wieder, wenn er es entgegen allen Taktik-Tipps, welche er vom berühmtesten Trainergreis und gefühlten Rekordmeister der Liga erhalten hat, doch wieder mit einer A2 statt A6 versucht? Auf diese Fragen kann er die Spekulationen nur weiter anheizen mit seiner simplen Antwort: "Ein Versuch war es Wert!"