Die Nervenheilanstalt Manly Beach Ost beherrscht zur Zeit die Schlagzeilen im australischen Blätterwald. Und das Schlimmste: sinnfreie Gesellschaftsspiele und farbige Medikamente scheinen zu wirken! Acht der neun Trainer der Hyunday A-League, die diesen Zwangsweiterbildungskurs besuchen, belegen die ersten zwei Tabellenränge (A., B., P., Q., L., J., R. Deus und Lobanowski), einzig bei Dr. No scheint die Therapie nicht zu greifen (die Pfleger machen sich da
auch keine grossen Hoffnungen mehr). Einige Trainerkollegen scheinen von dieser Entwicklung unbeeindruckt, andere liebäugeln mit einem Wohnortswechsel an den Sydneyer Strandvierteln, allen voran San Bango, der plötzlich sinnloses Zeug von Gewinnern und Verlierern und einer obskuren Aufzugsfirma schwafelt. In besagtem Establishement nimmt man das kaum zur Kenntniss und spiel weiter munter Igel und Hase. Und für nächste Woche sind auch Kühe geplant.
... auch nicht in der geschlossenen Anstalt.
Der Reihe nach: Unheilvoll hat Rubio Deus diesen Samstag eine Pressekonferenz am Sydneyer Flughafen zusammenberufen. Konsterniert stellte er dort fest, dass sein Team ungewohnterweise am Schluss der Tabelle steht. "So wird es natürlich schwierig, unseren OTIS-Titel zu verteidigen. Da dies ja unser erklärtes Ziel ist, mache ich mir ernsthaft Gedanken um meine Zukunft hier in Australien."
Die anwesenden Journalisten hatten sich darauf noch einen langen Vortrag über Tradition, Erwartungen, Identität und solche Dinge anzuhören und waren ratlos. Bis jemand auf die Idee kam, einen echten Spezialisten herbeizuholen. Nach langer Diskussion schickte man eine Delegation in die
Nervenheilanstalt Manly-Beach Ost. Kurze Zeit später erschien zur allgemeinen Überraschung, begleitet von hochausgerüstetem Pfegepersonal und offenbar unter stärksten Beruhigungsmittel... Lobanowski.
Sofort trat er zum immer noch referierenden Deus ans Rednerpult. Trotz offensichtlicher geistiger Umnachtung erkannte der alte Trainerfuchs sofort, was Sache war: Aus alter Gewohnheit hielt Deus die Tabelle der A-League umgekehrt in der Hand. Als Lobanowski den Kubaner auf den Fehler hinwies, fiel Rubio Deus über seinen Kollegen her, schlug auf ihn ein, umarmte ihn kurz darauf heftigst, worauf beide in Ohnmacht fielen. Das anwesende Pfegepersonal hatte die Situation bald unter Kontrolle und nahm beide Trainer mit in die mittlerweile schon berühmte Anstalt.
Sportlich läuft es rund für die Bankstown City Lions. Zum ersten Mal seit gefühlten 10 Saisons ist man nicht in den Abstiegs- bzw. Aufstiegskampf verwickelt (jedenfalls noch nicht). Also ist beim Trainer Musse zur Genüge vorhanden.
Eigentlich würde sich Rubio Deus gern bei Dr. No als neuer Super-Bond bewerben. Besser Aussehen als Bium tut er ja allemal, Zigarren raucht er um einiges stilvoller, bei den Frauen kommt er sowieso an, schiessen kann er auch um einiges sicherer,
denn bis ädhä brüh bädu bium @ Dolton sich vorgestellt hat, ist er ja schon längst erschossen worden. Aber ein Bond aus Kuba ist ja fast so widersprüchlich wie ein Meistertrainer aus der Irrenanstalt oder eine D-U-S, die jede Woche erscheint.
Also sucht sich Deus das nächste Casting. "Australien sucht den besten Aufsteiger!" klingt doch gut. Als OTIS-Rekordpreisträger sollte man ja da eigentlich auch die besten Chancen haben. Aber irgendetwas war doch da?
Wäre Rubio Deus ein Spieler, würde er wetten. Und würde er wetten, würde er sich wahrscheinlich vom erfahrenen San Bango beraten lassen und seinem Rat folgen. Aber andererseits setzt man am anderen Ende der Welt auch nicht gegen einen Mann vom gleichen Kontinent, selbst wenn der von einem Land stammt, das den Kapitalismus immer noch nicht überwunden hat.
Auf jeden Fall sah man den Kubaner so gut
gelaunt wie schon lange nicht mehr: Er scherzte mit den Journalisten, spielte Fussball mit den Junioren, flirtete mit den Flugbegleiterinnen und verteilte kubanische Genusswaren nach Lust und Laune. Hat er die Abstiegssorgen schon vergessen? Lässt er sich blenden von einem einstelligen Tabellenrang, einem positiven Torverhältnis und drei Punkten Vorsprung? Sein einziger Kommentar dazu: "Ich habe alles im Griff!"
Im prekären Abstiegskampf steht Rubio Deus seinem Team im Moment leider nicht zur Verfügung. Stattdessen wurde angeblich sein unbekannter Bruder P. Deus (wofür steht eigentlich das P.?) aus Frankreich gekidnappt und ins Asylum Royale gesteckt. Warum genau weiss keiner so genau. Bei Olympique Marseille weiss man davon auch nichts. P. Deus gilt als schüchterner Mensch und hält sich dort ohnehin stets bedeckt, das Team ist aberauf Erfolgskurs. Rubio Deus selbst lässt aus der Gummizelle nichts von sich hören. Das schürt die Spekulationen. Warum bleibt der lebenslustige Kubaner von seiner geliebten Arbeit, seinen kubanischen Freundinnen, seinem Rum und seinen Zigarren fern? Oder gibt es davon etwa zu Genüge in Manly Beach Ost?
Rubio Deus' unorthodoxe Trainingsmethoden scheinen weiterhin zu wirken. Die Bankstown City Lions machen einen ungewohnt souveränen Eindruck. Während andere sich den Kopf über verschiedenste Taktiken zerbrechen, scheint Deus das Rezept für seine Mannschaft gefunden zu haben. "Nachdem ich mit mehreren Spezialisten die Spiele der letzten Saison analysiert habe, sind wir zum Schluss gekommen, dass uns ganz klar die Kondition fehlt. Unsere körperliche Verfassung war schlicht und einfach mangelhaft." Deshalb verzichtet der Kubaner seit dieser Saison auf Rum und Zigarren als Belohnung für ein gutes Spiel. Nur die Mädchen, die bleiben auf dem Programm.
Die Bewohner des Flughafenviertels staunten diese Woche nicht schlecht, als sie die neuen Trainingsmethoden ihres Lieblingsvereines mitansehen durften. Im Gänsemarsch stolzierten die Mannen von Rubio Deus durch die Strassen. Das wäre ja nichts allzu besonderes, aber die Spieler, und übrigens auch der Trainer, taten dies nicht zu Fuss, sondern auf ihren Händen! Alle paar Meter hielt der Tross an, man stellte sich auf die Füsse, schloss die Augen und
sprang dreimal in die Luft, damit das Blut wieder aus dem Kopf verschwand. Erst als man sich wieder auf den Händen fortbewegte, durften die Augen wieder geöffnet werden. Wie auch immer der sonst recht konventionelle Deus auf diese Idee kam... Den Leistungen nach zu beurteilen funktionieren sie. Der Kubaner selbst kommentierte die Tabellenlage im Gegensatz zu seinen Kollegen nicht auf ironische, sondern ungewohnt nüchterne Art: "Wir sind auf dem richtigen Weg."
Rum, Zigarren, Mädchen, Maradona, der liebe Gott, Karma, Nimm2 Lachgummi, NMRs, taktische Raffinesse, Kampfwille, Unvermögen der Gegner, Käsebällchen... was auch immer der Grund gewesen sein mag für den unglaublichen Verbleib der Bankstown City Lions in der A-League, Lobanowski hat ihn grosszügigerweise übersehen (dann können es wohl weder die Mädchen noch die Käsebällchen gewesen sein).
Dennoch ist Rubio Deus zu Tränen gerührt über die neuerliche Ehrung mit dem Otis-Spezialpreis, schliesslich ist es ja die einzige Trophäe welche der ehemals äusserst ehrgeizige, kubanische Lebemann je in die Höhe stemmen kann. "Wie läuft das eigentlich? Dreimal in Folge und ich kann den Pokal behalten? Oder krieg ich dann einen Gutschein für eine Business Class Wellness-Aufzugsfahrt in der Sydneyer Oper?"
Dank einer taktischen Meisterleistung stehen die Bankstown City Lions zum ersten Mal in dieser Saison auf einem Nichtabstiegsplatz, allerdings nur aufgrund der besseren Tordifferenz. Was ist passiert? Ein einmaliger Husarenritt? Zufall? Ausgeklügelte Taktik? Will man den Otis-Sonderpreis doch nicht? "Nur weil wir jetzt über dem Strich stehen, heisst das noch lange nicht, dass wir nicht absteigen. Nach oben ist kaum etwas möglich, und von hinten droht E.J. Akulat mit seinen Gullideckeln," analysiert Rubio Deus die Situation. "Ausserdem bleibt es ja äusserst fraglich, ob denn die AwarDUS dieses Jahr auch wirklich vergeben werden." Auf jeden Fall bleibt der Kubaner dem Sydneyer Flughafenviertel auch im Falle des Abstieges erhalten.
Das Saisonende naht: Gratulationen werden gemacht (bravo San Bango), Prophezeiungen erfüllen sich (die City Lions verteidigen den otisspezialpreis), Kräfte werden gebündelt (die Zeitung wird belangloser), die Favoritenrolle wird weitergegeben (also die City Lions haben wirklich nur Aussenseiterchancen) und auch Rubio Deus spaziert des Öfteren durch Sydneys Strassen. Ahnungslose Passanten sehen den Kubaner in Selbstgesprächen vertieft durch die Gassen irren. An die Öffentlichkeit wagt sich der sonst so extrovertierte Latino kaum noch. Die Gründe sind unklar. Von Frauengeschichten bis zu sportlicher Erfolgslosigkeit werden alle Gründe genannt. Dass Rubio Deus in seinem Leben von beidem zur Genüge hatte, wird dabei meist vergessen.
Es sieht mittlerweile etwas besser aus für Rubio Deus' Jungs aus dem Flughafenviertel. Der Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz beträgt nur noch vier Punkte und Deus überlegt sich schon, ob er es San Bango gleichtun soll und auch öffentlich sein Interesse an der Kloschüssel anmelden sollte. "Vermessenheit war allerdings noch nie eine Tugend von mir. Deshalb lasse ich das jetzt mal bleiben und prophezeie den Titel für nächste Saison. Die Frage bleibt halt nur, in welcher Liga das sein wird. Vier Punkte sind natürlich aufholbar, aber wir sind eben auch nicht die einzigen, die lieber doch nicht absteigen würden."
Während sich die meisten Kollegen noch gelegentlich über den Ausfall der D-U-S beklagen, hat sich Rubio Deus damit längst abgefunden. "So sind wir wenigstens nicht in den schlechten Schlagzeilen." Während sich Lobanowski über ein ausgebüxtes Kanguru wundert, sucht Rubio Deus britische Rockbands mit Tiernamen für die Abstiegsparty seiner Bankstown City Lions. "Ich hab da natürlich einen klaren Favoriten." Während sich einige Kollegen wundern, dass sie so gut oder so schlecht klassiert sind, sieht Rubio Deus den Tatsachen in die Augen und sieht das Positive: "Noch ist nichts verloren und wir wissen wenigstens schon wohin mit dem Otisschrottpreis."
Langsam aber sicher klingen doch die Alarmglocken in Sydneys Flughafenviertel Bankstown. Die City Lions reihen einen desolaten Auftritt an den anderen. Dementsprechend durfte man denn auch die rote Laterne entgegennehmen. Mit neun Punkten Rückstand glauben nur noch die grössten Optimisten an den Aufstieg. Gewisse Personen nehmen Rubio Deus' Aussagen über die Verteidigung des OTIS' Spezialpreises schon als
bare Münze. Der Kubaner war einmal mehr nicht aufzufinden. Und als ob das nicht noch genug wäre, folgen nun die Zweikämpfe mit Nationaltrainerkollege Dr. No und Benchmark Lobanowski, der ebenfalls, wie es mittlerweile auch bei ihm schon fast zum guten Ton gehört, im Abstiegskampf verwickelt ist. Trotz dieser Ausgangslage lohnt sich übrigens ab morgen ein Blick in die Wiki-Rubrik "Verein des Monats".
In der A-League kommen momentan alle ins Schwitzen. Die Gründe bleiben ein wenig unklar. Ist es wirklich das Wetter? Für Rubio Deus, der hartgesottene Kubaner, ist das natürlich kein Problem. "Ich geniesse jede Temperatur," so seine Lebensmotte, äh, sein Lebensmotto. Hitzewallungen könnten ihm eher die momentane Tabellenlage seiner Schützlinge bereiten. "Ja, ich
muss zugeben, wir haben uns das ein wenig anders vorgestellt zu Beginn der Saison. Aber leider kann ich ja jetzt auch sagen, dass wir uns immerhin nicht zum ersten Mal in dieser Situation befinden und uns deshalb auch weniger aus der Ruhe bringen lassen als noch letztes Jahr. Trotzdem ist der 15. Rang natürlich eine Position, aus der man sich so schnell wie möglich wieder herausbringen will."
Währenddem sich andere wundern, warum sie so weit oben stehen, wundern sich andere, warum sie so weit unten stehen. "Solides Mittelfeld, dass ich nicht lache." Rubio Deus gibt sich ungewöhnlich zynisch. "Wir peilen schon mal den Titel für nächste Saison an. In der zweiten Liga selbstredend." Nach Gründen suchen mag der Kubaner eigentlich gar nicht. "Der Vorstand wollte unbedingt wieder den OTIS-Preis," erklärt er lapidar. Die Aussicht wieder in der zweiten Liga zu spielen findet Deus verständlicherweise nicht so rosig. "Das Niveau dort hat ziemlich nachgelassen, es ist bedenklich, wie viele Vereine ohne Trainer sind. Es macht das Ganze allerdings auch nicht einfacher, wie man sieht."
Gut ein Viertel der Saison ist gespielt und die Bankstown City Lions stehen genau da, wo sie nicht stehen wollten: Auf einem Abstiegsplatz. Rubio Deus dazu etwas lapidar: "Wir arbeiten an unserem Ruf." Tatsächlich ist das Team innerhalb weniger Saisons vom stetigen Titelkandidaten (der dann in den internationalen Wettbewerben grandios scheitert) zur Fahrstuhlmannschaft mutiert. "Das beschäftigt uns selber am meisten," versicherte uns ein seltsam wortkarger Deus. Ob er wohl andere Dinge im Kopf hat? Auf dem Flughafen erscheinen in letzter Zeit merkwürdig viele hübsche Frauen, die alle in eine riesige Limousine verschwinden, deren Ziel meist das Anwesen des Kubaners ist. Viel eindeutiger geht es eigentlich kaum.