Man hatte in Alexandria schon befürchtet, dass die Lichter bei Olympic ausgehen, bevor die fünf Ringe überhaupt richtig zu leuchten beginnen. Das einzige, was im Olympic Club Stadium in den vergangenen Wochen leuchtete, war die rote Laterne - und zwar nicht die vom Viertel des horizontalen Gewerbes…
Doch die Beharrlichkeit scheint sich auszuzahlen. Langsam aber stetig brennt das olympische Feuer in der Liga und der
Klassenerhalt ist wieder eine realistische Option. Der Klappspaten fühlt sich dementsprechend bestätigt und bestärkt: „Wir haben die Möglichkeit, uns neben Souha und Al Ittihad als Dritte ernst zu nehmende Kraft in der Liga zu etablieren. Das soll das Ziel sein. In dieser Saison geht es nur darum, drin zu bleiben. Nächste Saison wäre es schön, möglichst früh gesichert zu sein. Weiter schauen wir nicht.“
„Eure Probleme möchte ich haben“, echauffiert sich der Klappspaten vor der Presse. „Da gibt es doch echt Trainer und Mannschaften, die vor lauter Bauchtanz und ekstatischen Partys mit Musik von Kurzhalslaute und Rohrflöte den Sport vernachlässigen. Und wir?! Bei Olympic müssen wir uns jeden einzelnen Punkt mühsam vom Munde absparen, müssen kratzen,
beißen, spucken, Haare ziehen, auf den Fuß treten, Schwiegermütter beleidigen und gegnerische Busfahrer mit gepanschtem Hibiskustee auf die Toilette zwingen. Das ist unschön für alle Beteiligten. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf, dass wir im Verlauf der Saison die Herzen der Fans mit mehr Spielkultur erobern. Doch im Moment können wir uns diese ganz einfach nicht leisten…“
Auch wenn der Vereinsname Olympic Alexandria und auch die olympischen Ringe im Wappen die starke Verbindung zur olympischen Idee anzeigen: Für den Verein aus dem traditionsreichen Olympic Club Stadium geht es um mehr als nur dabei zu sein. "Wir wollen attraktiven Fußball bieten und unsere Tradition wieder aufleben lassen", wird Trainer Klappspaten zitiert."Es war klar, dass es nicht leicht werden würde, aber wir
lassen uns nicht aus der Ruhe bringen. Wir gehen unseren Weg weiter. Mögen andere Vereine mehr Fans, mehr Titel und größere Stadien haben - für Olympic geht es um langfristige Entwicklungen. Nicht wie bei diesen modernen Investorenprojekten wie Pyramids FC oder Ceramica Cleopatra. Und deshalb wird es von unserer Seite aus auch keine Experimente mit dem TK geben. Wir behalten unsere Linie bei, denn am Ende kackt die Ente."
Da beklagte sich Silvan Leibnits vor Wochenfrist darüber, dass u.a. Wadi Degla nach 13 Saisons in der 1. Liga durch Olympic Alaexandria ersetzt wurde. Diese Worte wurden wohl gehört in der alten Hafenstadt und auch der Klappspaten wurde von der Presse sofort dazu befragt. Und da er in Sachen Debattierkultur ein Vorbild sein möchte, stellte er sich der Kritik:
"Wir können gut nachvollziehen, dass wir von Teilen der Liga nicht unbedingt mit offenen Armen empfangen werden oder wir zumindest mit einer hochgezogenen Augenbraue angeschaut werden. Aber für mich als Trainer steht die ägyptische Fußballkultur im Vordergrund. Wadi Degla war in meiner Zeit als Trainer von Zamalek immer ein respektierter und angesehener Gegner. Aber für diesen Verein zu arbeiten, konnte ich mir nicht vorstellen. Da fehlte die Bindung, der Funke sprang einfach nicht über.
Außerdem waren die Fußstapfen des Valerian Petermichl doch sehr groß.
Daher wollte ich ein neues Kapitel aufschlagen und hatte die Wahl: Sollte der Geist von RedBull in Ägypten einziehen? Dann hätte ich Pyramids FC oder Ceramica Cleopatra FC übernehmen können. Das wären zwar top aktuelle Vereine gewesen, aber es wären seelenlose Konstrukte ohne Liebe zum Fußball gewesen. Ich wollte Leidenschaft, Liebe zum Sport, Verbundenheit mit den Menschen einer Stadt oder eines Stadtteils. Ich wollte Identität und Identifizierung. Ich wollte, dass der Verein für etwas steht, worin sich auch in ganz Ägypten die fußballbegeisterten Menschen wiederfinden. Und deshalb bin ich zu Olympic Alexandria gegangen. Ich hoffe, dass wir auch denen, die Wadi Degla vermissen, bald beweisen können, dass wir würdige Nachfolger sind."
Nicht nur die Three Lions kennen das lange Warten auf einen neuen Titel. Auch bei Olympic Alexandria ist die letzte Meisterschaft 60 Jahre her. Also ist es genau die richtige Herausforderung für den Klappspaten, der zwar gerne auch wieder bei Zamalek eingestiegen wäre, aber im Gegensatz zu anderen Trainern auf anderen Kontinenten keine feindliche Übernahme mit Geldkoffern androht, sondern lieber schaut, welchen schlafenden Riesen er wecken kann: „Olympic Alexandria hatte ich vor meiner Rückkehr nach Ägypten nicht auf dem Zettel, ich wollte schon gerne wieder zu Zamalek, das gebe ich zu. Aber ich weiß, wann ich verloren habe. Und
Kunta Kinte hat einfach die bessere Vita vorzuweisen. Da kann ich nachvollziehen, dass sie in Kairo ihm den Vorzug gegeben haben. Ich an ihrer Stelle hätte es genauso gemacht.
Aber hier in Alexandria bei Olympic ist das Arbeiten genauso gut möglich. Es macht Spaß zu sehen, wie alle im Verein mitziehen und den Namen in der Liga wieder etablieren wollen. Von einer Meisterschaft redet hier niemand. Wir müssen uns bei der Konkurrenz und den vielen Top-Trainern erst einmal hinten anstellen. Allerdings wollen wir auch keine Laufkundschaft sein und uns einen neuen Namen machen. Vielleicht gelingt uns ja die eine oder andere Überraschung…!“
Ja, man kennt die üblichen Sprüche bei Olympic Alexandria. Wer den Schaden oder in diesem Fall die rote Laterne hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Und dennoch gibt man an der Mittelmeerküste noch lange nicht auf. Der Trainer Klappspaten kennt sich mit diesen Tabellenregionen gut aus: „Es kann sein, dass ich vielleicht nicht der kompetenteste Trainer bin und andere Kollegen ihre Gegner besser lesen können. Aber was bringt es, sich niederzumachen und Klagelieder anzustimmen? Mit mimimimimi hat noch niemand ein Spiel gewonnen oder den Abstieg verhindert. Ich mache hier weiter und haue jede Woche aufs Neue alles raus, was geht.“
Na, das geht aber mal so gar nicht.
Erst ein Gesicht machen wie die Toilettenreinigungskraft zur Spargelzeit und schön rumheulen: „Mimimi, das Zeitungsneiveau ist hier so niedrig. Keiner will mit mir spielen oder schreiben…“ und dann schön die anderen die Arbeit machen lassen und selber locker durch die Hose atmen.
Das hat auch Dolph Dolphin erkannt und bereits entrüstet. Also bleibt den beiden fürsorglichen Trainern nur noch, auf eine Antwort des stillen Männchens am Spinnrad zu warten. Aber dhalal cortez wäre nicht der erste Trainer, der den Kopf in den Sand steckt. Wir haben auch ohne ihn Spaß…
... nur rot sollte er sein. Das dachten sich drei Weise aus dem Wüstenland am schönen Mittelmeer, auf der Suche nach dem Sinn - oder besser einem Ziel - in der Saison. Dolph Dolhin, der Mann der klaren Worte (Stichwort: Jammerlappen), der in seiner weißen Soutane mit den drei diagonalen schwarzen Streifen nicht lange suchen musste, um einen Ausrüster für seine Mannschaft zu finden, dessen Markenlogo exakt die Motivik des Vereinswappens aufgreift. Da zieht der Klappspaten schon mal die Augenbraue hoch, angesichts solcher Zufälle. Doch den stoischen Fußballphilosophen bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Dafür hat er in der Sonne Nordafrikas schon zu viel
erlebt und vor allem gehört von Leuten, die Leute kennen, deren Cousins wiederum Leute kennen, die dann den Pförtner von einer Firma kennen, bei der ständig Trikots vom Laster fallen usw. Also nimmt man das Outfit des Kollegen eben so hin und stellt keine weiteren Fragen.
Stattdessen kümmern sich die beiden um den dritten, der immer etwas weinerlich daherkommt und dabei doch einfach nur etwas mehr Inhalt in der Zeitung oder gar im Leben (?) haben möchte. Und so nehmen sie dhalal cortez in die Mitte, geben ihm ein Stofftaschentuch und das rote Flachs, stellen das Spinnrad auf, Flachzange tritt aufs Pedal, Dolph Dolphin lässt den Faden durch die Finger gleiten - und los geht's.
Bei Esperánce Sportive de Tunis ist gerade etwas Ruhe eingekehrt nach drei ZAT und endlich steht der erste Doppelspieltag der Saison an, da setzt sich der Klappspaten vor das Mikro und haut einen raus: „Wer diesen Verein nicht liebt, der soll gehen, aber nicht über diese Spieler schreiben!
Keiner liebt diese Jungs so wie ich, keiner behandelt sie mit so viel Liebe wie ich. Und wenn ich jetzt sehe, gegen wen wir als nächstes spielen, dann sind es zwei ungeliebte Mannschaften.
Schau mal, AS Ariana hat drei Saisons lang überhaupt keinen Trainer gehabt. Kann man fehlende Liebe zu seinem Verein deutlicher
zum Ausdruck bringen, als so? Und was machen die Bosse dort? Sie bieten Geld für den, der den Job macht. Und Capsoni III hält gleich die Hand auf und schlägt anschließend ein. Wie viel Liebe zum Verein kann da schon sein, eh?!
Und schau nach Monastir. Dort wurde der Verein zwei Saisons im Stich gelassen. Und jetzt haben die mit johnfire einen Wandervogel auf der Trainerbank, der bisher nie länger als sechs Saisons bei einem Verein war. Ist das Liebe, eh?!
Ich liebe meine Jungs, wir haben keine Probleme. Und unsere Taktik für das nächste Wochenende ist ganz einfach: Gewinnen!“
Ja, man freut sich über Lob der Konkurrenz ob der mutigen Auswärts-4, die der Klappspaten rausgeholt hat. Aber im Moment ist der Blick in die Zeitungslandschaft Tunesiens noch etwas diffus, fast vernebelt und mutet „fata morganesk“ an. Bemüht sich die schreibende Zunft um qualitativ hochwertige Texte, oder ist es einfaches Buhlen und Feilschen um Klicks - oder ist es eine krude Mischung aus beidem? Die kommenden
Wochen werden es zeigen.
Fakt ist, dass diese Liga das Potential hat, eine Oase in der Print-Wüste Afrikas zu werden, genügend begabte Trainer und Journalisten sind vorhanden.
Aber: Wer wird als erstes den Mut haben, Wahrheiten zu schreiben, andere Trainer zu pieksen und sich dem Risiko auszusetzen, dafür vom nächsten Gegner mit einer A-6 abgestraft zu werden? Das wird die besonders spannende Frage der nächsten Zeit.
Eine Auswärts-4 gleich im ersten Spiel, das muss man sich auch erst einmal trauen und leisten können, aber der Klappspaten dachte sich: "Ach, sei's drum. Man lebt nur einmal. Wir gehen mal voll auf die 12." Und so hat man die ersten drei Punkte im Sack und kann sihc auf das erste Heimspiel im Stade Hammadi Agrebi freuen. Die 60.000 Fans werden der Mannschaft sicher Rückhalt geben und gegen den Trainer-Dino Christian
S. Schmidt und seinen Club Africain die Hütte in ein Tollhaus verwandeln, um den nächsten Dreier einzufahren. Aber da Hochmut vor dem Fall kommt, gilt es - gerade gegen die Erfahrung des Gegners - eine ausgeklügelte Taktik auszupacken. "Der Schmidt ist keine Laufkundschaft...", wird Klappspaten zitiert. Also die üblichen Worthülsen, bevor dann doch wieder die Sicherheits-Heim-5 ausgepackt wird, oder doch nicht...?!
Ach ja, du armer desillusionierter dhalal cortez, was können wir denn für dich tun? Möchtest du eine Story schreiben? Also irgendeinen roten Faden spinnen, der sich durch die tunesische Zeitungslandschaft zieht, um das Niveau zu heben? Kannst du haben! Ich wäre dabei, aber wer bin ich schon?! Nur ein einsamer Schreiber in der Wüste, dessen Artikel ohnehin niemand liest. Okay, ich bin auch noch aktuell 3. in der Liga und werde am kommenden ZAT die nächsten Gegner auseinandernehmen, aber das ist ja offenbar nicht das, was du lesen möchtest. Trash-Talk soll es auch nicht unbedingt sein, wenn ich dich richtig verstanden habe, also: Was schlägst du vor? Komm raus, ich spinne gern mit...
Für Trainer Klappspaten ist die tunesische Liga immer noch gefühltes Neuland. Jahrelange Erfahrung in Ägypten als Trainer von Zamalek verhalf ihm zwar in seinem ersten Jahr bei Espérance Sportive de Tunis gleich zu einem respektablen 3. Platz, doch nach zehn Jahren Pause ist es wie eine Premierensaison mit Hypothek. Doch der Klappspaten macht das Beste daraus: „Wir kennen keinen Druck. Der 3. Platz ist eine Chance. Wir können nur gewinnen. Außerdem müssen wir die anderen Trainer und ihr Setzverhalten erst einmal kennen lernen.“
Daher geht man in der Hauptstadt ganz gelassen in die ersten Spiele und lässt alles auf sich zukommen.
Das Schicksal wollte es so. Klappspaten ist neuer/alter Trainer von ES Tunis. Vor langer Zeit konnte er in Person seines früheren Ichs Marino zwei recht erfolgreiche Jahre in der Hauptstadt verleben, lernte dort das 1x1 der Copa-Welt kennen und wurde durch die Copa-Pause (für die er bis heute immer noch keine Erklärung hat...] jäh in seinem sportlichen Streben unterbrochen.
Nach der Wiederaufnahme/-geburt heuerte er mangels einer tunesischen Alternative in Ägypten beim Zamalek SC an. Dort war er gerade erst heimisch geworden, als die Nationale A wieder eröffnet wurde. Kurz zögerte er, doch ES Tunis war zu schnell vom Eberle besetzt. Also blieb Klappspaten bei Zamalek, machte das Beste aus der
Situation, konnte aber im Land der Pharaonen 12 Saisons lang nie die ganz großen Erfolge feiern.
Nun überkam den Florian der Wunsch, in den Niederungen der Elfenbeinküste neu anzufangen - und Klappspaten aka Marino wird nun mit neuer Motivation seine alte Mannschaft zu alten Ehren zu führen versuchen. Umso schöner ist es, wenn man sieht, dass Marco van Basten als ebenso alter Haudegen aus der Versenkung gekommen ist und sein altes Team vom Zamalek SC übernommen hat. In bessere Hände hätte der Klappspaten die Mannschaft nie geben können. Ich wünsche dem Zamalek SC und seinem alten/neuen Trainer alles Gute! Und noch einmal ein Dankeschön an den Floberle dafür, dass er meine alte Mannschaft frei gegeben hat...
Himmel, so schlecht war Zamalek schon lange nciht mehr. Es gab Zeiten, da schaffte man es bis ins CAF Champions League Endspiel. Lang, lang ist es her... Man war neulich noch Vizemeister und spielte eine gewichtige Rolle in der ägyptischen Liga. Die Zeiten haben sich geändert. Mittlerweile ist man nur noch Kanonenfutter. Die Konkurrenz scheint sich gegen die rot-weißen verschworen zu
haben. Alle holen gegen Zamalek das letzte aus sich heruas udn lassen die Jungs von Trainer Klappspaten eifrig bluten. Kann es eine härtere Strafe geben? Egal, nächste Saison werden wir wieder neu angreifen und das Feld von hinten aufrollen. Irgendwann werdet ihr uns wieder weiter oben in der Tabelle sehen, verlasst euch drauf. Das Land wird wieder Respekt vor uns haben! Ich habe gesprochen.
"Vom Eise befreit sind Sturm und Bäche" - Ha, so ein Stümper! Wer derzeit aus dem Fenster schaut, verliert den Glauben an die Lebensweisheiten eines Dr. Fausts. Was waren das noch schöne Osterspaziergänge, bei denen man in Ruhe das saftig grüne Gras riechen, die Blüten allerorten bewundern und das runde Leder in den Winkel des gegnerischen Tores dremeln konnte.
Einen Spaziergang wird es heuer nicht
geben. Dafür ist die ägyptische Liga zu stark, ausgeglichen und unberechenbar. Der Zamalek SC hat allerdings nach seiner besten Saison seit langer Zeit wieder einmal das Privileg, international antreten zu dürfen. Das will man die Fahne der Heimat lange hochalten. Das letzte Mal hat es bis ins Finale gereicht.
Ansonsten freut man sich auf eine Saison voller Trashtalk in der Zeitung und tolle Spiele gegen motivierte Trainer.