„Ne, dett kennse gleech vergessen, der olle Gauck kommt für dett Amt auf keinen Fall in Frage! Da können wir ja gleich die Katzenberger oder den Wolfgang Lippert nehmen… Hey, Trittin, hammse vielleicht die Nummer vom Lippi? He he!“ „Äh, Frau Kanzlerin, die habe ich in der Tat bei mir hier eingespeichert. Hier, schauen Sie… Der Lippi war bei uns auf dem Parteitag als Pausenunterhalter für die Demenzkranken eingesetzt… Vorsicht, Sie haben jetzt die grüne Wähltaste gedrückt! Na toll, ein Handygespräch nach Japan, da
kriege ich gleich wieder Ärger mit dem Bund der Steuerzahler.“ „Wie bekommt man dett Ding denn wieder aus? Ett klingelt… Hamma aber Glück gehabt, is nur der Anrufbeantworter dran.“ „Vielen Dank für Ihren Anruf. Sie haben leider Pech, ich bin gerade im Baumarkt einkaufen und kann daher Ihren Anruf nicht annehmen. Bitte sprechen Sie Ihre Nachricht nach dem Signalton, ich werde Sie so schnell wie möglich zurückrufen. Für dringende Angelegenheiten wenden Sie sich bitte direkt an Joachim Gauck. Danke und Sayonara, Euer Lippi!“
„Hallo Michael, alte Säge, hier ist der Lippi aus Japan. Na, wie sieht’s bei Euch in der Hauptstadt aus? ... Ja, ich habe auch schon gehört, dass der renitente Markus den Damen bei Euch im Verein gerne mal ein Ständchen bringt. Sag mal, stimmt es eigentlich, dass er über Deine Frau gesagt hat, dass er die Schabracke nicht einmal mit der Kneifzange anfassen würde? … Ach, da hast Du noch nichts von gehört. … Ja, ja, das ist natürlich ein Unding, da solltet Ihr den trinkfesten Nachtschwärmer zügig an die frische Luft setzen. … Sicher, einen Nachfolger aus dem Hut zu zaubern ist nicht so einfach. Ich hätte da aber einen Tipp: Skibby, das Eichhörnchen, hat mir letztens erzählt, dass er keinen türkischen
Honig mehr sehen kann. … Klar hat der noch Vertrag, muss man halt eine kleine Ablösesumme an den Luden zahlen. Aber für Dich ist das doch eine todsichere Nummer: eine fett gedruckte Zahl in die Arbeitspapiere, dazu ein Fotohandy der neuesten Generation und schon zappelt der Fisch im Netz. Und Du stehst in der Presse als fuchsiger Strippenzieher und nicht wie sonst als blutleeres Imitat eines Managers mit Dieter-Komplex. … Ja sicher, natürlich ist das eine geniale Idee, Du wirst mit dem Mike sicher eine neue Ära beginnen. Vielleicht schafft Ihr ja sogar noch den Sprung in den Europapokal. … Nein, keine Ursache, nichts zu danken, man hilft ja immer gerne, wo man kann. Mach’s gut Michael, bis demnächst. Grüße an die werte Gattin.“
Eigentlich hätte es für Avispa-Coach Wolfgang Lippert und Achim Mentzel ein gemütlicher Nachmittag auf der Rennbahn werden sollen, aber das Schicksal hatte seine Gunst mal wieder äußert einseitig verteilt. Während Lippi bereits vor dem Hauptrennen die Hälfte seiner verfügbaren Mittel verzockt hatte, griff der Spreewaldgurkenfreund mit seiner Taktik zur selten daneben. Im letzten Rennen versuchte Lippi seinen ostdeutschen Kollegen zu kopieren und setzte (wie Achim zuvor auch immer) auf den deutlichen
4:1-Favoriten, „Dutch Dynamite“, aus dem holländischen van-Edam-Gestüt. Entgegen aller Voraussagen landete das edle Pferd dann aber hinter dem Gaul „Abdeckers Armageddon“, einem direkten Nachfahren von Alerich und Camilla Parker-Bowles, auf den Achim aufgrund eines Missverständnisses am Schalter aus Versehen gesetzt hatte. Immerhin zeigte sich dieser großzügig und schenkte Lippi von seinem 320:1-Gewinn eine abgestandene Fury-In-The-Slaughterhouse-CD. Manchmal ist dann halt doch die Zeit, sich zu wundern.
Avispa-Coach Wolfgang Lippert saß mit Vereinsmaskottchen Achim Mentzel in einer japanischen Eckkneipe und schaute gelangweilt in die Luft. Während der Minipliträger mit der Volksmusikaffinität geduldig Autogrammwünsche erfüllte, hielt sich Lippi an einem merkwürdigen skandinavischen Lagerbier fest. Nachdem die Menschentraube von Ostlegende Mentzel freundlich bedient worden war, fasste sich Showmaster Lippi ein Herz: „Könntest Du Dir diesen Brief mal anschauen, ob ich den so versenden kann?“ Der ehemalige Moderator von Achims Hitparade nahm das Blatt und las es durch: „Also, Lippi, hör
mir mal gut zu: Wenn die Wahrscheinlichkeit eines Menschen vom Blitz getroffen zu werden bei 1:20 Millionen liegt und die Chance auf einen Lottogewinn bei 1:140 Millionen, dann müsste schon ein Lottogewinner vom Blitz getroffen werden, ehe Du wieder die Moderation von „Wetten, dass…?“ übernehmen wirst. Den Brief an das Zentrum der Finsternis kannst Du Dir jedenfalls getrost sparen. He he he.“ Und während ein geknickter Lippi traurig aus dem Fenster schaute, näherte sich am Horizont eine dunkle Gewitterfront: „Mensch, Achim. Wo ist denn hier in der Gegend die nächste Lotto-Annahmestelle?”
Mit gemischten Gefühlen schaut sich Avispa-Coach Wolfgang Lippert derzeit die aktuelle Staffel des RTL-Dschungelcamps an. Zuvor hatte Lippi selbst seine Teilnahme für ein Salär von 40.000 Euro beim Krawallsender aufgedrängt, allerdings nur eine schnöde Absage erhalten bekommen: „Leider haben wir bereits mit Rocco Stark und Daniel Lopes viel beliebtere und bekanntere Namen verpflichten können. Wir bedanken uns aber dennoch für Ihr reges Interesse an einer Teilnahme an unserer Show.“ Die Ex-DDR-Ex-Legende zeigte sich zunächst pikiert: „Ganz
schön frech von einem Sender, der schon ab mittags Sendepause hätte, wenn es eine funktionierende Qualitätskontrolle gäbe!“ Aber als er dann abends Ramona Leiß beim Verzehr von Fischaugen und Schweineanus begutachten durfte, kam Lippi ins Grübeln: Vielleicht war es doch nicht das Schlechteste, in Fukuoka mit einem alten Damenfahrrad durch den morgendlichen Regen zum Training zu strampeln. Im Berufsverkehr würde man immerhin Jazzy von Tic Tac Toe und dem ollen Vincent Raven nur mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit begegnen. Es ist halt auch nicht alles schlecht in Japan.
(Laut dröhnend erschallt so etwas ähnliches wie Musik über dem Deck eines merkwürdigen Seelenverkäufers.) „Erna kommt, heut’ ist der Tag an dem Erna kommt / Und wenn sie sagt sie kommt, kommt sie prompt / Erna kommt wieder mal, Erna kommt.“ … „He, Pietro, was isse dasse für eine bekloppte Musike? Da falle mire vor Schrecke die Fußenegele ab! Willeste Du unse alle in die Wahnsinne treibe?“ „Capitano, neine. Wire spiele Titele von Lippi aus die DeDeErre imme gerne, um die Möwe zu vertreibe. Die könne die Lied auche nicht
ertrage und stürze siche freiwillig in die Meer, he he.“ „Kann ich Möwe verstehe. Habe auch schon Kopfewehe, kann die Titele nicht mehr ertrage.“ (Der Capitano geht zum CD-Player und nimmt die CD aus dem Gerät.) „So, jetze isse Ruhe hiere. Ich wille diese Sheisse-Musike hiere nie mehr höre!“ (Ein lauter Krach durchdringt die Stille.) „Porca miseria! Wasse ware dasse für eine Lärme? Habe Kurs verlasse? Verdammtes Lippi! Cornuto! Wenn ich erwische Interprete von diese bekloppte Liede, dann mache Vitello Tonato aus ihm. Alora, nix wie wecke!“
Auch ein positiv denkender Mensch wie Avispa-Coach Wolfgang Lippert erlebt gelegentlich Momente, in denen er mit seiner eigenen Sterblichkeit und der Vergänglichkeit alles Irdischen konfrontiert wird. Zum Beispiel wenn beim Raspeln von Karotten am Ende der Möhre auch ein kleines Stückchen Fingerkuppe ihren Weg mit durch die Reibe findet. Oder wenn man die örtliche Motorradgang freundlich fragt, ob denn der Organspendeausweis vor dem Wochenendausflug auch ganz sicher dabei ist. Oder wenn man Morrissey’s „Everyday is
like Sunday“ im Seniorenstift „Abenddämmerung“ schmettert und dabei noch auf den positiven ökonomischen Beitrag des vorzeitigen Ablebens hinweist. Oder wenn die unglaublich gewiefte Taktik vermeintlich todsicher gewählt ist, beim Realitätscheck dann aber doch gnadenlos durchfällt. Und so schaut Lippi zwar aktuell grinsend von der Spitze der Tabelle herab, aber natürlich im vollen Bewusstsein der Tatsache, dass dies nur ein Moment ist, dessen Sterblichkeit bereits begonnen hat. Die Uhr tickt.
… ist bekanntlich der Undank. Konsterniert schaute Avispa-Coach Wolfgang Lippert im heimischen TV die Abschiedszeremonie für den verschiedenen nordkoreanischen Diktator und die Inthronisierung dessen Sohnes als sein Nachfolger. Völlig umsonst hatte Lippi also seine Bewerbungsunterlagen nach Pjöngjang geschickt und dabei nicht einmal eine Rückmeldung oder gar eine handelsübliche Absage („Wir wünschen Ihnen für Ihren weiteren Lebensweg alles Gute.“) erhalten. Undankbares Pack! Und dann wird auch noch Schweinchen Dick der neue Herr über graue Betonburgen und lustige Armeemützen. Ausgerechnet ein Typ mit Steve-Naghavi-Frisur aus dem Katalog für untergegangene Darkwave-Haarschnitte und einem tumben
Gesichtsausdruck, den man sonst nur aus ostdeutschen Kleinstädten kennt. Dabei hatte Lippi sich schon so auf die Besichtigung nordkoreanischer Fabriken und die Inspektion von Softdrinks, Büroklammern und Cervelatwurst gefreut. Aber augenscheinlich hat man den beliebtesten Ost-Entertainer aller Zeiten in Nordkorea nicht nötig. Und das, obwohl sich gerade ein Lippi bereits in Japan um die Integration von Nordkoreanern bemüht, wie die vor einigen Jahren erfolgte Verpflichtung des Spielers Lum Pen Pak belegt. Wie dem auch sei, sollen die doch weiter in ihrem eigenen (nicht vorhandenen) Saft schmoren, ein Lippi wird sich dort jedenfalls nie wieder bewerben. Man hat ja schließlich seinen Stolz, auch wenn dies bis dato kaum jemand bemerkt hat.
Mein Name ist Wolfgang Lippert, Sie kennen mich bestimmt aus Funk und Fernsehen. Mit großer Bestürzung habe ich das unerwartete Ableben Ihres Staatschefs zur Kenntnis genommen. Ich bin mir aber sicher, dass das Eintreffen des Todes bei „intensiven Feldstudien“ zumindest standesgemäß von drei Promille und fünf Damen begleitet war. Mit Blick auf die entstandene Lücke möchte ich mich gerne bei Ihnen als neuer Diktator bewerben. Ich kann dabei auf eine große Erfahrung im „real existierenden Sozialismus“ zurückgreifen und bin daher mit grauen Plattenbauten bestens vertraut. Darüber hinaus bin ich ohnehin ein begeisterter Verehrer Ihrer hübschen Paraden durch Pjöngjang, die
ich als Benchmark für humorvolle Unterhaltung bezeichnen würde. Daneben mag ich auch Fahrräder sehr gerne und nutze diese für meine täglichen Fahrten zum Training von Avispa Fukuoka. Ich würde mich freuen, zeitnah von Ihnen zu hören. Es wäre klasse, wenn sich an den „großen Führer“ und den „geliebten Führer“ ein „genialer Showmaster“ anschließen würde, womit Sie sich auch die lästige Namenssuche ersparen könnten. Viele Grüße aus Japan, Ihr Wolfgang „Lippi“ Lippert.
P.S.: Vom Walter Freiwald soll ich fragen lassen, ob die wöchentliche Palette teurer Cognac weiterhin an die alte Adresse geliefert werden kann
Nachdem ein Praktikant im Archiv des ZDF eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht hatte („Mensch, neben Elstner und dem Thomas gab es ja noch einen weiteren Moderator von „Wetten, dass…?“! Wer ist denn dieser Wolfram Lippert?“), zeigte der Sender ein Einsehen: Der ehemals beliebteste TV-Star aus dem ehemaligen Osten wurde zur letzten Samstagabendshow von Thomas Gottschalk nach Friedrichshafen eingeladen. Dies war allerdings an die Bedingung geknüpft, dass Lippi einige wohlfeile Worte an die Adresse der gelockten ZDF-Ikone richten würde: „Und wehe Du findest
keine Lobeshymnen! Dann wird Dich das Publikum mit vergifteten Kuckucksuhren bewerfen." In der Live-Sendung fand der Ost-Entertainer dann etwas kryptische Worte, die zu tosendem Beifall führten, während Lippi diabolisch grinsend hinter seiner Brille hervorblickte: „Du Unterhältst Alle Richtig Spitze: Christen, Hindus, Vegetarier. Echt, Richtungsweisend, Perfekt. In Sachen Show Das Interessanteste, Charismatischste, Hervorragendste Entertainment. Niemand, Der Langeweile Im Chromosom Hat!“ Wollte uns der Trainer von Avispa Fukuoka etwa noch eine Botschaft übermitteln?
„Herzlich Willkommen, liebe Sumo-Fans. Mein Name ist Alexander von der Gröben und ich freue mich, Sie durch den Hauptkampf des letzten Tages des prestigeträchtigen Kyushu Bashu begleiten zu dürfen. Endlich ist es soweit, die beiden noch ungeschlagenen Sumitori treffen aufeinander: Es ist das Duell der Duelle, der Zweikampf der Titanen, die Auseinandersetzung von zwei absoluten Schwergewichten. Auf der einen Seite befindet sich bereits Yokozuna Walternohana, der Stern von Fukuoka, der Liebling jeder solventen Mittelstandshausfrau. Ihm tritt gegenüber Ozeki KiMutaikai, der zweifache Gewinner des Yokohama Bashu, aus dem Stall der zwielichtigen Wortakrobaten, der einzige Japaner mit bayrischem Akzent. Und gleich geht es los, KiMutaikai wirft bereits das Salz über die Schulter in den Ring, während Walternohana noch Werbezettel im Publikum verteilt. Die Entscheidung im Kyushu Bashu naht… Auf geht’s, der Kampf ist
eröffnet, und gleich ein schneller Griff von KiMutaikai, das sieht nicht gut aus für den Yokozuna aus Fukuoka… oh, das kann ein ganz schnelles Ende geben, KiMutaikai scheint das richtige Rezept und ausreichend Magnesium gegen den schmierigen TV-Vertreter zu haben und drängt ihn an den Rand des Rings… nein, welch eine sensationelle Wende: Walternohana zieht aus seinem Mawashi eine nigelnagelneue Bratpfanne aus dem Sonderangebot von Avispa TV und zimmert diese auf das Gemächt des verdutzten Ozekis. Na klar, der Rest ist nur noch Formsache für den alten Fuchs, mit einem Schultergriff aus der Kategorie der Uwatenage bringt Walternohana seinen Rivalen zu Boden und gewinnt das Turnier! Das Publikum steht begeistert auf, wann hat man ein solch packendes Duell zuletzt erlebt? Die gezeigte Pfanne können Sie übrigens selbstverständlich bei Avispa TV bestellen, die ersten 100 Anrufer erhalten gratis ein Suspensorium mit dazu.“
„Sehr schön“, freute sich Avispa-TV-Legende Walter Freiwald, als er sich die American Music Awards anschaute: „Ich hätte nicht gedacht, dass der olle Hasselhoff tatsächlich den Unterhosen-Restposten aus unserem TV-Shop auf der Showbühne spazieren trägt. Da waren die investierten zwei Kisten Aquavit und der Gutschein für den Burger King wirklich sehr gut angelegtes Geld.“ Während sich der schmierige Walter also über einen gelungenen Fernsehabend freuen
konnte, kauerte Avispa-Coach Wolfgang Lippert angespannt wartend an der Telefonleitung: „Ja, Herr Schächter. Endlich hat‘s mal geklappt, Sie sind ja kaum zu erreichen. Ich wollte auch nur nochmals mein Angebot zur Übernahme von „Wetten, dass…?“ erneuern, allerdings wird das für Sie nicht ganz billig… Wie, das entscheidet jetzt der Bellut? Hören Sie mal, Sie stehlen hier meine Zeit und… Hallo, Herr Schächter? Herr Schääächter!“
Am vergangenen Freitag hatte sich Avispa-Coach Wolfgang Lippert mal wieder die Zeit für einen Heimaturlaub genommen und schon musste sich der beliebteste Entertainer der DDR wieder ärgern. Lippi wollte nur fix aus seiner Parklücke fahren, um sich auf den Weg zum Frankfurter Flughafen und dann nach Japan zu machen, da wurde ihm doch glatt von einem sehr hässlichen Wohnmobil den Weg versperrt. Nur mit größter Mühe und dank seiner überragenden Geschicklichkeit gelang es dem kauzigen Brillenträger dann aber doch, sich nach wenigen Minuten aus der misslichen Lage herauszusteuern. Ohne einen Denkzettel für die Falschparker wollte sich Lippi aber nicht aus
Eisenach verabschieden: „So, Familie Flodder wird das eine Lehre sein… Ja, Polizei? Hier in der (piiiiep) steht ein Wohnmobil im Parkverbot. Kommen Sie schnell, die Besitzer haben mir noch zugerufen, dass alle Polizisten faul wären und stinken würden. Da sollten Sie dringend mal die Personalien überprüfen. Danke!... He, he. Die werden sich noch wundern.“ Und während Lippi zwei Männer (vermutlich Jogger) zum Wohnmobil zurückkehren sah, machte er sich auf den langen Weg nach Frankfurt. Etwas später hörte Lippi einen lauten Knall, aber zur großen Erleichterung des Ossis in japanischen Diensten ist es der Auspuff seines Mietwagens nicht gewesen.
Auch ein Lippi hat mal Glück, dachte sich Avispa-Coach Wolfgang Lippert, als er auf seinem Zubringerflug nach Frankfurt neben einer nicht gänzlich unattraktiven Blondine platziert wurde. Und sogar eine Lektüre hatte der ostdeutsche Entertainer am Samstag noch erhalten, obwohl er als Letzter den Flieger betreten hatte. Mit der aufgeschlagenen Bild-Zeitung in der Hand drängte Lippi seiner Sitznachbarin sogleich ein Gespräch auf: „Oh nein, diese blöde Werbung für die Tournee von Otto Waalkes. So ein peinlicher Typ! Mit dem möchte man echt nicht in einem Atemzug genannt werden, he he. Seit
dreißig Jahren über dem Zenit und noch immer als unlustiger Götterbote mit den miesen Ottifanten unterwegs. Bin gespannt, wann man den endlich einschläfert.“ Trotz des Monologs des Brillenträgers aus Berlin kam die Konversation aber nicht in Fahrt, es war nur ewige Stille von der Seite zu vernehmen. In Tokio angekommen konnte Lippi dann online auf seinem Blackberry auf die Bild am Sonntag zurückgreifen und wurde mit erstaunlichen Neuigkeiten konfrontiert: „He, he! Kein Wunder, dem ollen Otto ist die Frau weggelaufen. Mal schauen, wie die alte Schachtel aussieht… Upps?!?“
Auch nach vielen Spieljahren bei Avispa Fukuoka ist Trainer Wolfgang Lippert noch immer nicht so richtig in Japan angekommen. Immerhin hat der – nach eigener Auskunft – beliebteste Showmaster der DDR mittlerweile den Hauptgrund für die permanente Misere ausgemacht: die Sprache. Trotz fast sieben Spielzeiten beschränken sich Lippis Japanisch-Kenntnisse weiterhin auf nur wenige Ausdrücke und erreichen nicht einmal das Spanisch-Niveau von Ballermanntouristen. Um endlich Abhilfe zu schaffen und sich in die Herzen der Japaner zu mogeln, wird der Berliner jetzt aber in Kürze mit Einzelunterricht in japanischer Sprache beginnen. Lippi ist bereits hoch motiviert: „Der Walter [sic: Freiwald] hat mir bereits telefonisch zugesichert, dass von bei einer „geilen
Ische“ unterrichtet würde. Leider war die Leitung etwas schlecht, aber das klingt schon einmal super.“ Während der Coach von Avispa also bereits davon träumte, Hand in Hand mit Scarlett Johansson den königlichen Schrein zu besuchen, klingelte es kurz vor Beginn der ersten Unterrichtseinheit an der heimischen Haustür. Das Gesicht von Lippi verdunkelte sich, als er die schwere Eichenpforte beiseiteschob: „Um Himmels Willen, das ist ja Takeo Ischi, der jodelnde Japaner!“ „Hallo Lippi, ganz genau. Nix Ische, nur Ischi, he he. Fangen wir gleich an: Lektion 1… der Regenschirm. He he, he he he.“ Irgendwie schien es, als ob Japan für Lippi für immer eine kaltherzige Göttin mit eigenartigem Sinn für Humor bleiben würde.
Seit vielen Jahren frustriert Avispa-Coach Wolfgang Lippert das ständig schlechte Wetter, das ihn bei seinen Abenteuern in Japan begleitet. Ein besonderes Ärgernis ist ihm dabei, dass Vereinsmaskottchen Achim Mentzel stets vom krassen Gegenteil berichtet: „Was, Lippi? Bei Dir war das Wetter schlecht? Ne, bei mir im Osten von Fukuoka ist alles super... Wolkenlos!“ War es also wie im schlechten Comic und begleitete den ostdeutschen Baumarktfreund eine große graue Wolke über dem bebrillten Kopf? An diesem Morgen beschloss Lippi, dem absurd-fröhlichen Schnauzbartträger genauer auf den Zahn zu fühlen und machte sich im strömenden Regen im Westen Fukuokas auf den Weg in den Ostteil der Stadt, wo Achim
Mentzel eine Autogrammstunde angesetzt hatte. Im Osten der Metropole eingetroffen freute sich Lippi diebisch: „So, Du altes Frettchen, hier regnet es also auch. Habe ich mir doch gleich gedacht.“ Er trat an die mittelgroße Veranstaltungshalle und stieß auf einen Zettel: „Aufgrund des großen Andrangs wurde die Autogrammstunde mit Achim Mentzel kurzfristig in die Fukuoka Arena im Westen der Stadt verlegt. Wir bitten um Ihr Verständnis.“ Und während ein völlig indignierter Wolfgang Lippert über dem Westteil der Stadt die orangefarbene Sonne und einen gleißenden Regenbogen vernehmen konnte, peitsche das Wasser weiterhin nahezu horizontal gegen seine durchtränkte Baumwolljacke.