„Herzlich Willkommen bei Ruck Zuck! Und hier ist Ihr, na ja, Showmaster… Jochen Bendel!“ (Fades Geklatsche im bereits nahezu weggedösten Publikum.)Moderationsroboter: „So, jetzt geht es für die Jungs um den Einzug in das Finale. Um Claudia Effenberg und die frivolen Frikadellenfreundinnen zu schlagen, müsst Ihr aber jetzt den Durchgang vollständig schaffen. Vinnie, Klaus, Emanuel und Lippi schnell nach hinten und Kopfhörer auf! KiMu, Dein Begriff lautet jetzt Meister, 20 Sekunden Zeit, Ruck Zuck!“ (klopf, klopf), KiMu: „Gamba Osaka ist der aktuelle punkt punkt punkt.“ Vinnie: „Gamba? Ich mag persönlich lieber argentinisches Rindfleisch und kaufe direkt beim Metzger ein… Aua, Was soll das? Ich bin doch nicht der Kadlec! Hör damit
auf, Meister! Wie, Meister? Meister ist richtig?“ (klopf, klopf)Vinnie: „Anderes Wort für Champion!“ Klaus: „Meister.“ (klopf, klopf)Klaus: „Davon ist noch keiner vom Himmel gefallen.“ Emanuel: „Meister.“ (klopf, klopf)Emanuel: „Lippi, was hättest Du beinahe geschafft? Lippi: „Das ZDF! Den Schulabschluss! … Mensch Emanuel, anders, anders anders!“ Emanuel: „Also gut, wer putzt so sauber, dass man sich drin spiegeln kann? Der Glatzkopf!“ Lippi: „Ein Skinhead! Die Bekloppten von der NSU! Bruce Willis! Der Pathologe aus dem Tatort!... Vom Putzen habe ich keine Ahnung, das macht doch bei uns im Treppenhaus des Plattenbaus der (de-dööööp) Hausmeister.“
Wer fährt mit dem Fahrrad im Regen durchs Land?
Es ist der Lippi, er trampelt im Stand;
Der Walter im Prius, hält neben ihm an,
Er tätigt die Hupe und fragt ihn dann:
Hey Lippi, was birgst du so bang dein Gesicht? —
Siehst, Walter, du den Teufel dort nicht?
Den bösen Mann, mit Hörnern und Schwanz? —
Mensch Lippi, es ist doch nur der Markus Lanz. —
„Guten Abend, die Herren, ich freue mich sehr,
Red gern über Fußball und Straßenverkehr;
im Notfall auch über Show und Politik
bekomme von allen nur gute Kritik.“ —
Mensch Walter, Mensch Walter, hörest du nicht,
Was Markus Lanz mir leise verspricht? —
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein bester Lippi;
ich halte kurz an, ich muss nämlich Pippi.
—
„Wirst dümmlicher Lippi, du mein Assistent?
ich hab schöne Frauen und auch eine Band;
trag nur feinste Kleider und nur bestes Tuch;
Und von den Sesterzen krieg ist eh genug.“ —
Mensch Walter, Mensch Walter, und siehst du nicht dort
Wie Lanz finster grinst an dem düsteren Ort? —
Mein Lippi, du Trottel, ich seh’ es genau:
Er bringt doch nur Blumen, für Gottschalkens Frau. —
„Ich vernichte dich, du triste Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“ —
Hey Walter, Hey Walter, jetzt fasst er mich an!
Der Lanz hat mir ein Leid getan! —
Dem Walter graust es; er flüchtet ganz schnell,
im den neuen Prius, zum nächsten Bordell,
Erreicht das Tor mit Mühe und Not; —
Der Lippi, der spinnt ja, der alte Idiot!
„Hallo Michael, alte Säge… Ich bin's, der Lippi! Na, wie isses in der Kapitale? Ich wollte mich nur mal erkundigen, wie es bei Euch so läuft mit Skibby, dem Eichhörnchen … Ach, den habt ihr schon wieder rausgeworfen?! Und wer macht den Krempel jetzt, Ihr habt doch jetzt total den Stempel als orientierungsloser Idiotenclub weg … Was, der Otto? Der lebt noch? Habt Ihr den mit zwei Souflaki mit Metaxasauce und einer Dionysos-Platte geködert? … Wie, es war sonst am Markt niemand verfügbar? Aber dann nimmt man doch trotzdem nicht diesen eitlen Besserwisser aus dem Ersten Weltkrieg. Wenn der mit seinen Goethe oder Heine kommt, die kennt doch bei Euch keiner von den
Spielern. Das sind ja schließlich keine grenzdebilen Gangsta-Rapper. Da hättet Ihr für die Ansprache der Mannschaft besser den Beeker aus der Muppets Show verpflichtet, das wäre dann wenigstens intellektuelle Augenhöhe gewesen. Wo steht Ihr denn eigentlich? … Auf einem Abstiegsplatz? Und für so ein Ergebnis habt Ihr extra einen Rentner aus dem Seniorenstift verschleppt? Also Michael, an Deiner Stelle würde ich mich auch so langsam mal umschauen, was der Markt für Managerimitatoren aktuell so bietet. … Nein, wir können hier leider momentan niemand gebrauchen. ... Im Marketing? Ne, das läuft mit dem Walter Freiwald auch super, derzeit ist echt nichts zu machen.“
Ein merkwürdiges Bild ergab sich in dieser Woche auf dem Trainingsgelände von Avispa Fukuoka: Keine Mannschaft und kein Übungsleiter anwesend, nur Verkaufsmaschine Walter Freiwald mühte sich in bekannter Art und Weise, einigen Kiebitzen im Rentenalter bei Kaiserwetter eifrig modische Sonnenbrillen und sommerliche Avispa-Devotionalien (Tank-Tops, Schweißbänder etc.) anzudrehen. Über den Verblieb von Coach Wolfgang Lippert gab nur ein kleiner Zettel Auskunft, der hastig an die Eingangstür des Vereinszentrum geheftet worden war und mit krakeliger Schrift einen wertvollen Beitrag zur Aufklärung gab: „Leider sehe ich mich aufgrund der aktuellen Entwicklung außerstande, momentan das
Training zu leiten. Wie ich gestern einigen deutschen Gazetten entnehmen musste, hat der Seniorenbeirat vom ZDF sich bei der Nachfolge von Thomas Gottschalk für Markus Lanz entschieden. Ausgerechnet der Lanz! Dieses leicht geräucherte und seelenlose dressierte Hündchen aus Italien! Wenn schon einen Italiener mit hohem Unterhaltungswert, dann hättet ihr doch wenigstens den Berlusconi nehmen können. Aber nein, ausgerechnet den Lanz! Dieser langweilige Moderationsroboter mit akutem Hang zur Belanglosigkeit! Und mir hat er letztens noch erzählt, er würde sich gar nicht für den Job interessieren! Wenn der hier vorbeikommen sollte, gibt es Rabatz! Gut, dass ich im Keller noch eine Kombizange liegen habe…“
Besondere Ehre für Avispa-Coach Wolfgang Lippert: da niemand mehr mit dem ehemaligen Bundespräsidenten etwas zu tun haben möchte oder gar im gleichen Atemzug genannt werden mag, wurde ausgerechnet Lippi gebeten, die Musik für den großen Zapfenstreich von Christian Wulff auszuwählen. Natürlich fühlt sich der ehemalige Showmaster der Ex-DDR entsprechend gebauchpinselt, dass ihm nun dieses einmalige Privileg zustehen soll: „Das ist für mich Ehrensache, dass ich das mache. Für mich ist der olle Wulff wie ein Seelenverwandter, auch ich
fahre gerne auf Kosten Dritter in den Urlaub und freue mich über gewährte Sonderkonditionen. Ich denke, dass ich einige schöne Songs für ihn und seine Gattin ausgewählt habe.“ Die Titelauswahl steht schon fest, insgesamt fünf Lieder hat Lippi für die Verabschiedung von Christian Wulff vorbereitet: 1. Metallica: “Of Wolf And Men“ / 2. Kylie Minogue: “Step Back In Time“ / 3. Pet Shop Boys: “Being Boring” / 4. Alanis Morrisette: “Hand In My Pocket” / 5. Fettes Brot: „Bettina, zieh dir bitte etwas an”
Lange nichts gehört von Walter Freiwald, dem Co-Trainer von Avispa Fukuoka und gleichzeitig Vorstandsvorsitzenden von Avispa TV, dem Shopping-Kanal für das Vereinsmerchandising und überflüssige Weltneuheiten. Nun, der schmierige Walter arbeitete zuletzt akribisch an der Marktreife einer Produktinnovation im Nahrungsmittelbereich. Um das viel zu teure heimische Rindfleisch zu substituieren, wurde dabei auf den schier unendlichen Reichtum der Weltmeere gesetzt. Mit Burgern aus Seetang-Ersatzprodukten sollte ein Imperium im Fast-Food-Bereich gestartet
werden, dass den einschlägigen Marken gehörig Feuer unter dem Hintern machen sollte: „Zuerst Fukuoka, dann Japan und am Ende die ganze Welt!“, erläuterte Walter Freiwald und ergänzte ein schallendes Lachen, dass selbst Graf Zahl die Kehle zugeschnürt hätte. Glücklicherweise ist der perfide Plan aber vorzeitig aufgeflogen, ein beratungsresistenter Rentner mit starker Tsatsiki-Affinität hat in einem Berliner Seniorenstift beim Kaffeekränzchen wohl aus dem Nähkästchen geplaudert und die Seetang-Weltherrschaft verhindert.
„Ne, dett kennse gleech vergessen, der olle Gauck kommt für dett Amt auf keinen Fall in Frage! Da können wir ja gleich die Katzenberger oder den Wolfgang Lippert nehmen… Hey, Trittin, hammse vielleicht die Nummer vom Lippi? He he!“ „Äh, Frau Kanzlerin, die habe ich in der Tat bei mir hier eingespeichert. Hier, schauen Sie… Der Lippi war bei uns auf dem Parteitag als Pausenunterhalter für die Demenzkranken eingesetzt… Vorsicht, Sie haben jetzt die grüne Wähltaste gedrückt! Na toll, ein Handygespräch nach Japan, da
kriege ich gleich wieder Ärger mit dem Bund der Steuerzahler.“ „Wie bekommt man dett Ding denn wieder aus? Ett klingelt… Hamma aber Glück gehabt, is nur der Anrufbeantworter dran.“ „Vielen Dank für Ihren Anruf. Sie haben leider Pech, ich bin gerade im Baumarkt einkaufen und kann daher Ihren Anruf nicht annehmen. Bitte sprechen Sie Ihre Nachricht nach dem Signalton, ich werde Sie so schnell wie möglich zurückrufen. Für dringende Angelegenheiten wenden Sie sich bitte direkt an Joachim Gauck. Danke und Sayonara, Euer Lippi!“
„Hallo Michael, alte Säge, hier ist der Lippi aus Japan. Na, wie sieht’s bei Euch in der Hauptstadt aus? ... Ja, ich habe auch schon gehört, dass der renitente Markus den Damen bei Euch im Verein gerne mal ein Ständchen bringt. Sag mal, stimmt es eigentlich, dass er über Deine Frau gesagt hat, dass er die Schabracke nicht einmal mit der Kneifzange anfassen würde? … Ach, da hast Du noch nichts von gehört. … Ja, ja, das ist natürlich ein Unding, da solltet Ihr den trinkfesten Nachtschwärmer zügig an die frische Luft setzen. … Sicher, einen Nachfolger aus dem Hut zu zaubern ist nicht so einfach. Ich hätte da aber einen Tipp: Skibby, das Eichhörnchen, hat mir letztens erzählt, dass er keinen türkischen
Honig mehr sehen kann. … Klar hat der noch Vertrag, muss man halt eine kleine Ablösesumme an den Luden zahlen. Aber für Dich ist das doch eine todsichere Nummer: eine fett gedruckte Zahl in die Arbeitspapiere, dazu ein Fotohandy der neuesten Generation und schon zappelt der Fisch im Netz. Und Du stehst in der Presse als fuchsiger Strippenzieher und nicht wie sonst als blutleeres Imitat eines Managers mit Dieter-Komplex. … Ja sicher, natürlich ist das eine geniale Idee, Du wirst mit dem Mike sicher eine neue Ära beginnen. Vielleicht schafft Ihr ja sogar noch den Sprung in den Europapokal. … Nein, keine Ursache, nichts zu danken, man hilft ja immer gerne, wo man kann. Mach’s gut Michael, bis demnächst. Grüße an die werte Gattin.“
Eigentlich hätte es für Avispa-Coach Wolfgang Lippert und Achim Mentzel ein gemütlicher Nachmittag auf der Rennbahn werden sollen, aber das Schicksal hatte seine Gunst mal wieder äußert einseitig verteilt. Während Lippi bereits vor dem Hauptrennen die Hälfte seiner verfügbaren Mittel verzockt hatte, griff der Spreewaldgurkenfreund mit seiner Taktik zur selten daneben. Im letzten Rennen versuchte Lippi seinen ostdeutschen Kollegen zu kopieren und setzte (wie Achim zuvor auch immer) auf den deutlichen
4:1-Favoriten, „Dutch Dynamite“, aus dem holländischen van-Edam-Gestüt. Entgegen aller Voraussagen landete das edle Pferd dann aber hinter dem Gaul „Abdeckers Armageddon“, einem direkten Nachfahren von Alerich und Camilla Parker-Bowles, auf den Achim aufgrund eines Missverständnisses am Schalter aus Versehen gesetzt hatte. Immerhin zeigte sich dieser großzügig und schenkte Lippi von seinem 320:1-Gewinn eine abgestandene Fury-In-The-Slaughterhouse-CD. Manchmal ist dann halt doch die Zeit, sich zu wundern.
Avispa-Coach Wolfgang Lippert saß mit Vereinsmaskottchen Achim Mentzel in einer japanischen Eckkneipe und schaute gelangweilt in die Luft. Während der Minipliträger mit der Volksmusikaffinität geduldig Autogrammwünsche erfüllte, hielt sich Lippi an einem merkwürdigen skandinavischen Lagerbier fest. Nachdem die Menschentraube von Ostlegende Mentzel freundlich bedient worden war, fasste sich Showmaster Lippi ein Herz: „Könntest Du Dir diesen Brief mal anschauen, ob ich den so versenden kann?“ Der ehemalige Moderator von Achims Hitparade nahm das Blatt und las es durch: „Also, Lippi, hör
mir mal gut zu: Wenn die Wahrscheinlichkeit eines Menschen vom Blitz getroffen zu werden bei 1:20 Millionen liegt und die Chance auf einen Lottogewinn bei 1:140 Millionen, dann müsste schon ein Lottogewinner vom Blitz getroffen werden, ehe Du wieder die Moderation von „Wetten, dass…?“ übernehmen wirst. Den Brief an das Zentrum der Finsternis kannst Du Dir jedenfalls getrost sparen. He he he.“ Und während ein geknickter Lippi traurig aus dem Fenster schaute, näherte sich am Horizont eine dunkle Gewitterfront: „Mensch, Achim. Wo ist denn hier in der Gegend die nächste Lotto-Annahmestelle?”
Mit gemischten Gefühlen schaut sich Avispa-Coach Wolfgang Lippert derzeit die aktuelle Staffel des RTL-Dschungelcamps an. Zuvor hatte Lippi selbst seine Teilnahme für ein Salär von 40.000 Euro beim Krawallsender aufgedrängt, allerdings nur eine schnöde Absage erhalten bekommen: „Leider haben wir bereits mit Rocco Stark und Daniel Lopes viel beliebtere und bekanntere Namen verpflichten können. Wir bedanken uns aber dennoch für Ihr reges Interesse an einer Teilnahme an unserer Show.“ Die Ex-DDR-Ex-Legende zeigte sich zunächst pikiert: „Ganz
schön frech von einem Sender, der schon ab mittags Sendepause hätte, wenn es eine funktionierende Qualitätskontrolle gäbe!“ Aber als er dann abends Ramona Leiß beim Verzehr von Fischaugen und Schweineanus begutachten durfte, kam Lippi ins Grübeln: Vielleicht war es doch nicht das Schlechteste, in Fukuoka mit einem alten Damenfahrrad durch den morgendlichen Regen zum Training zu strampeln. Im Berufsverkehr würde man immerhin Jazzy von Tic Tac Toe und dem ollen Vincent Raven nur mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit begegnen. Es ist halt auch nicht alles schlecht in Japan.
(Laut dröhnend erschallt so etwas ähnliches wie Musik über dem Deck eines merkwürdigen Seelenverkäufers.) „Erna kommt, heut’ ist der Tag an dem Erna kommt / Und wenn sie sagt sie kommt, kommt sie prompt / Erna kommt wieder mal, Erna kommt.“ … „He, Pietro, was isse dasse für eine bekloppte Musike? Da falle mire vor Schrecke die Fußenegele ab! Willeste Du unse alle in die Wahnsinne treibe?“ „Capitano, neine. Wire spiele Titele von Lippi aus die DeDeErre imme gerne, um die Möwe zu vertreibe. Die könne die Lied auche nicht
ertrage und stürze siche freiwillig in die Meer, he he.“ „Kann ich Möwe verstehe. Habe auch schon Kopfewehe, kann die Titele nicht mehr ertrage.“ (Der Capitano geht zum CD-Player und nimmt die CD aus dem Gerät.) „So, jetze isse Ruhe hiere. Ich wille diese Sheisse-Musike hiere nie mehr höre!“ (Ein lauter Krach durchdringt die Stille.) „Porca miseria! Wasse ware dasse für eine Lärme? Habe Kurs verlasse? Verdammtes Lippi! Cornuto! Wenn ich erwische Interprete von diese bekloppte Liede, dann mache Vitello Tonato aus ihm. Alora, nix wie wecke!“
Auch ein positiv denkender Mensch wie Avispa-Coach Wolfgang Lippert erlebt gelegentlich Momente, in denen er mit seiner eigenen Sterblichkeit und der Vergänglichkeit alles Irdischen konfrontiert wird. Zum Beispiel wenn beim Raspeln von Karotten am Ende der Möhre auch ein kleines Stückchen Fingerkuppe ihren Weg mit durch die Reibe findet. Oder wenn man die örtliche Motorradgang freundlich fragt, ob denn der Organspendeausweis vor dem Wochenendausflug auch ganz sicher dabei ist. Oder wenn man Morrissey’s „Everyday is
like Sunday“ im Seniorenstift „Abenddämmerung“ schmettert und dabei noch auf den positiven ökonomischen Beitrag des vorzeitigen Ablebens hinweist. Oder wenn die unglaublich gewiefte Taktik vermeintlich todsicher gewählt ist, beim Realitätscheck dann aber doch gnadenlos durchfällt. Und so schaut Lippi zwar aktuell grinsend von der Spitze der Tabelle herab, aber natürlich im vollen Bewusstsein der Tatsache, dass dies nur ein Moment ist, dessen Sterblichkeit bereits begonnen hat. Die Uhr tickt.
… ist bekanntlich der Undank. Konsterniert schaute Avispa-Coach Wolfgang Lippert im heimischen TV die Abschiedszeremonie für den verschiedenen nordkoreanischen Diktator und die Inthronisierung dessen Sohnes als sein Nachfolger. Völlig umsonst hatte Lippi also seine Bewerbungsunterlagen nach Pjöngjang geschickt und dabei nicht einmal eine Rückmeldung oder gar eine handelsübliche Absage („Wir wünschen Ihnen für Ihren weiteren Lebensweg alles Gute.“) erhalten. Undankbares Pack! Und dann wird auch noch Schweinchen Dick der neue Herr über graue Betonburgen und lustige Armeemützen. Ausgerechnet ein Typ mit Steve-Naghavi-Frisur aus dem Katalog für untergegangene Darkwave-Haarschnitte und einem tumben
Gesichtsausdruck, den man sonst nur aus ostdeutschen Kleinstädten kennt. Dabei hatte Lippi sich schon so auf die Besichtigung nordkoreanischer Fabriken und die Inspektion von Softdrinks, Büroklammern und Cervelatwurst gefreut. Aber augenscheinlich hat man den beliebtesten Ost-Entertainer aller Zeiten in Nordkorea nicht nötig. Und das, obwohl sich gerade ein Lippi bereits in Japan um die Integration von Nordkoreanern bemüht, wie die vor einigen Jahren erfolgte Verpflichtung des Spielers Lum Pen Pak belegt. Wie dem auch sei, sollen die doch weiter in ihrem eigenen (nicht vorhandenen) Saft schmoren, ein Lippi wird sich dort jedenfalls nie wieder bewerben. Man hat ja schließlich seinen Stolz, auch wenn dies bis dato kaum jemand bemerkt hat.
Mein Name ist Wolfgang Lippert, Sie kennen mich bestimmt aus Funk und Fernsehen. Mit großer Bestürzung habe ich das unerwartete Ableben Ihres Staatschefs zur Kenntnis genommen. Ich bin mir aber sicher, dass das Eintreffen des Todes bei „intensiven Feldstudien“ zumindest standesgemäß von drei Promille und fünf Damen begleitet war. Mit Blick auf die entstandene Lücke möchte ich mich gerne bei Ihnen als neuer Diktator bewerben. Ich kann dabei auf eine große Erfahrung im „real existierenden Sozialismus“ zurückgreifen und bin daher mit grauen Plattenbauten bestens vertraut. Darüber hinaus bin ich ohnehin ein begeisterter Verehrer Ihrer hübschen Paraden durch Pjöngjang, die
ich als Benchmark für humorvolle Unterhaltung bezeichnen würde. Daneben mag ich auch Fahrräder sehr gerne und nutze diese für meine täglichen Fahrten zum Training von Avispa Fukuoka. Ich würde mich freuen, zeitnah von Ihnen zu hören. Es wäre klasse, wenn sich an den „großen Führer“ und den „geliebten Führer“ ein „genialer Showmaster“ anschließen würde, womit Sie sich auch die lästige Namenssuche ersparen könnten. Viele Grüße aus Japan, Ihr Wolfgang „Lippi“ Lippert.
P.S.: Vom Walter Freiwald soll ich fragen lassen, ob die wöchentliche Palette teurer Cognac weiterhin an die alte Adresse geliefert werden kann
Nachdem ein Praktikant im Archiv des ZDF eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht hatte („Mensch, neben Elstner und dem Thomas gab es ja noch einen weiteren Moderator von „Wetten, dass…?“! Wer ist denn dieser Wolfram Lippert?“), zeigte der Sender ein Einsehen: Der ehemals beliebteste TV-Star aus dem ehemaligen Osten wurde zur letzten Samstagabendshow von Thomas Gottschalk nach Friedrichshafen eingeladen. Dies war allerdings an die Bedingung geknüpft, dass Lippi einige wohlfeile Worte an die Adresse der gelockten ZDF-Ikone richten würde: „Und wehe Du findest
keine Lobeshymnen! Dann wird Dich das Publikum mit vergifteten Kuckucksuhren bewerfen." In der Live-Sendung fand der Ost-Entertainer dann etwas kryptische Worte, die zu tosendem Beifall führten, während Lippi diabolisch grinsend hinter seiner Brille hervorblickte: „Du Unterhältst Alle Richtig Spitze: Christen, Hindus, Vegetarier. Echt, Richtungsweisend, Perfekt. In Sachen Show Das Interessanteste, Charismatischste, Hervorragendste Entertainment. Niemand, Der Langeweile Im Chromosom Hat!“ Wollte uns der Trainer von Avispa Fukuoka etwa noch eine Botschaft übermitteln?