W. kennt alle Tricks. Doch nicht Talent ist es, sondern knochenharte Arbeit, die auf die Strasse des Sieges führt. Und ein wenig Psychologie.
Wie W. das macht? Ganz einfach: Statt der Setzweisen seiner Gegner, wie viele Copatadores es vielleicht tun, analysiert W. vielmehr deren Zeitungsartikel! Sie meinen, das klingt nach "W.etten Das..?" Vielleicht haben Sie recht:
Und so ackert er sich ZAT für ZAT in akribischer Weise durch die ARtikel der Gegner, diesmal zum Beispiel durch das
vermeintlich nichtssagende Gewäsch des Reverenden, des abgetakelten Grafen und des ehemaligen Superstarts aus den Tropen, vor allem der "Artikel" des letzteren hat es in sich.
Sie meinen, es geht darin um Lamas? Mitnichten! W. liest daraus nicht nur die Absichten am nächsten ZAT gegen die CALA ab, sondern es offenbart sich ihm gleich eine ganze Lebensbeichte über Kindheitstraumata, peinliche Bettgeschichten und sonstige Kennzeichen eines zu schnellen, um nicht zu sagen, kaputten Lebens...
Null Bock auf gar nix? So gehen die Gerüchte über den Capo der Tausendmalrotweissgestreiften. Wahr ist vielmehr, dass der W. unter akuter Zeitknappheit leidet, sodass er die Zeit, die ihm verbleibt, auf die Schwerpunkte legt, die da wären: Analysieren der Gegner, Ausscheiden aus den internationalen Bewerben, und Nichtteilnehmen an der WM. Da bleibt natürlich kaum Zeit, wirklich aktiv am Copa-Leben teilzunehmen und Spiele zu gewinnen. Aber: es kommt wieder ein Sommer
Das muss sich Bernd W., Capo der tausendmalrotweissgestreiften wohl gedacht haben bei diesem Saisonstart: Die ersten Runden verschlafen, keine Zeitung, kein Quiz, und - was das allerschlimmste ist: ein NMR International !
Auch, wenn W. dafür bekannt ist, kein grosser Freund der internationalen Glückspiele zu sein (freundlich ausgedrückt), so ist es ein unverzeihlicher Fauxpas, darauf zu vergessen. Als Versöhnungsgeste gegenüber der AFA hat W. nun versprochen, die Copa America für Argentinien zu gewinnen.
Argentinien war sein Herzblut. Und jenes war tausendmalrotweissgestreift. Die C.A.L.A. war wie ein Kind für ihn, das er in den Niederungen der Nacional B übernommen und stetig nach oben geführt hatte. Und nun stand er mit ihr vor dem grössten Erfolg der Vereinsgeschichte. Das sollte gebührend gefeiert werden: Bei Rotwein und Rindfleisch, so wie es sich gehört in Argentinien.
“Oh Mann, was für eine Saison”, dachte W. bei sich, als er das halbe Kilo Bife de Chorizo vernichtet hatte, um das siebente Viertel Mendoza an seinen Mund zu führen: “Zuhause lupenrein, auswärts 5 Siege, so viele wie nie zuvor.” Nun würde er das ganze heimspielen. Es würde nichtmal notwendig sein, die
ganz tiefe Schublade - die mit der Avellaneda-Geschichte - auszupacken, wenn alles nach Plan läuft.
W. nahm noch einen Schluck, um dem ganzen gewachsen zu sein, was danach auf ihn zukommen würde: Zeitungsfritzen, Schulterklopfer, Frauen…
Die kleinen Unsicherheiten, die es noch gab, waren Erdnüsse: eine Auswärts-Fünf gegen den Hochstapler aus Rosario sollte dieser schon längst vergessen haben. Das Eberle-Theorem, dass Teams wie Boca nicht Meister werden können, ist noch nicht vollständig bewiesen. Und fenris könnte mit seiner Irrenhaus-Strategie auch einmal Glück haben. Aber das war so unwahrscheinlich, als ob ein Ball in einem Schlammloch liegen bliebe.
Er nennt sich nicht Diego, nein, in nobler Zurückhaltung trägt er nur den zweiten Namen des Allergrössten. Und genauso wie der den zweiten Namen trägt, ist er auch in seinem Liga-Dasein zweitklassig.
In seinem grünen Wams wirkt er wie ein Robin Hood der nacional B, der in seiner clubeigenen Eisenbahn Station für Station abklappert, um von den Reichen zu nehmen und den Armen zu geben.
Nacional B, das ist eine Metapher für die leere Weite Patagoniens. Doch gut ein Viertel aller Ligabeiträge in der Nacional B stammen von ihm. Er ist der Held der Zweitklassigkeit und als solcher war er ganz nahe dran war, in die Erste Klasse einzusteigen. Aber dann schlugen sie zu:
Die Unsäglichen von Belgrano de Cordoba, Union de Santa Fe, Atlético de Rafaela und CA San Martín San Juan schlossen sich zum TKartell zusammen. Und sie verhinderten den Aufstieg des Armando B. mit seiner geliebten Spielzeugeisenbahn Ferrocarril Oeste. Wie auf einem Schlammloch in der Pampa ist er ausgerutscht.
Doch, ganz Robin Hood, hat sich Armando B. wieder aufgerappelt, den Dreck der Betrüger von seinem Wams geklopft und zieht unerschütterlich weiter, kämpft um Gerechtigkeit. Kämpft um die ihm gebührende Anerkennung. Und um den Aufstieg in die Ersten Klasse.
Soviel Beharrlichkeit und Begeisterung für das Spiel verdient unseren Respekt.
Bei der Hinchada der Argentinos-Juniors. Vier Typen in in rot-weiss sitzen im Schanigarten einer Bar im Schatten des "Diego-Armando-Maradona-Stadions". Vor ihnen ungefähr zwanzig leere Dosen Quilmes-Bier.
Fan: So ein geiles Stadion haben wir gebaut, carajo…
Ben: und sogar seinen verdammten Namen haben wir ihm gegeben…
Stan: und der Typ ignoriert es einfach, puta madre!
Ben: Hat vergessen, wo er herkommt, dieser hijo de…
Sten: Tut so, als sei er von einer von diesen verdammten Hafenprolls aus La Boca… pelotas!
Fan: weil bei den Blaugelben das Geld zu Hause ist! Nur deswegen ist er dort… concha de su madre!
Sten: Diese blaugelben Heuchler tun so, als seien sie der sogenannte “arme” Verein, dabei haben sie mittlerweile viel mehr plata als
die Millionarios aus Nuñez…
Ben: verdammte Lügner, genauso wie der kleine fette Unterschichtler aus Villa Fiorito!
Stan: zum ersten Mal am Hafen war er wohl beim Auswärtsspiel von unserem El Bicho, und nun tut er so als sei er ein genuiner blaugelber, carajo…
Fan: Wer hat ihn den aus dem beschissenen Villa Fiorito rausgeholt, wer war’s denn, na…
Ben: Wir, die Argentinos Juniors! Der Verein mit der besten Nachwuchsarbeit Argentiniens…Und sobald diese verdammten Typen bei uns grossgeworden sind, verdünnisieren sie sich…puta madre!
Sten: Maradona, Riquelme, Redondo… Oh Mann, wie ich diese Typen hasse…ohne uns wären sie heute Hartzo-Cuatro-Bezieher !
F. Eberle ist der Herr der Zahlen und Statistiken. Wie ein Autist zählt er permanent alles durch, was die Liga an mathematischen Informationen hergibt: Heimtore, Auswärtstore, Torkontingente, Punkte und ZAT-Statistiken.
Eberle, der Rainman der Primera Division hat auf alles die Antwort parat: An welchem ZAT fallen im Durchschnitt die meisten Auswärtstore?
Wieviele Heimtore schiesst Lanus durchschnittlich in der Hinrunde?
Wie oft pro Saison erwähnt fenris, dass er aus der SM ist?
Wer war Zweitligameister in Saison 25?
Die Antworten kosten Eberle einen Lacher. Seine Gehirnwindungen sind auf Copa programmiert.
Auch in der wissenschaftlichen Welt hat es Eberle mit seinen Lehrsätze zu Berühmtheit gebracht. Als erster formulierte er grundlegende Zusammenhänge, die heutzutage als Copa-Naturgesetze gelten, zum Beispiel
Das Newell’sche Gesetz: “Die Wahrscheinlichkeit, Meister zu werden, ist umgekehrt proportional zur Zahl der Ankündigungen, Meister zu werden.”
Oder Der Satz von Lanus: “Es ist im Bereich des Möglichen, die Rückrunde mit einem
TK von grösser als 50 zu beginnen.”
Oder der Satz von Sarandi, besser bekannt als das sogenannte Eberle-Theorem: “Der Erfolg eines Teams verhält sich reziprok zum Glamour-Faktor des Team-Namens”.
(Anm.d.Red.: In Argentinien wird das Eberle-Theorem jede Saison aufs Neue untermauert von Teams wie Boca Juniors, River Plate, oder auch Arsenal.)
Doch der Rainman kann mehr als nur zählen. Für die Gründung der Copa-Argentina, wurde er jüngst sogar für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Begründung: Die Copa-Argentina sorgt für Stabilität in der argentinischen Gesellschaft, denn sie gibt auch Verlierern die Chance, einmal ganz oben zu stehen.
Den Nobelpreis bekam allerdings ein anderer. Die schwedische Akademie der Wissenschaften vergab den Preis an einen (Überraschung!) Schweden:
Ein gewisser Dr. Peter Pacult bekam den Preis für die Erkenntnis des sogenannten “Allsvenska-Druga-Zusammenhanges”, der da lautet: “Eine Zivilisation ehrlicher Feinde ist überlebensfähiger als eine Zivilisation falscher Freunde.”
M. war ein durch und durch schmieriger Typ:
Am Tag verdingte er sich als Automechaniker und hatte seine fettigen Hände dauernd an öligen Motorenteilen. Er putzte den noblen Autobesitzern die Schläuche, stellte den Vergaser ein, und reinigte sogar die Spuren von den Rücksitzen, die so manche Ehefrauen nicht entdecken sollten. Er war nicht unbedingt der beste Mechaniker, den man sich vorstellen konnte, aber er war billig, und das war das Geheimnis seines Erfolges.
Doch wenn der Abend kam, dann tauschte M. das Motorenöl an den Händen gegen die Pomade, die er sich ins Haar schmierte. Er zog seinen schlecht sitzenden Anzug an und die schnellen Stiefel an und begab sich in die Tango-Bars seiner Heimatstadt, einer kleinen Provinzhauptstadt in der Pampa, in der sogar ein österreichischer Ex-Bundeskanzler einen Autokonzern
lenken durfte.
Mit den dümmsten Anmachsprüchen tanze M. dann Tango mit den Mädchen, die genauso billig waren wir er selbst. Er sah den Mädchen dabei tief in die Augen, so wie er es in den Filmen gesehen hatte.
Die Mädchen waren auch auf der Suche, und so manche fand sich einen Freier fuer eine Nacht, oder auch für ein ganzes Leben. Nur M., der war nie dabei. So sehr er es auch versuchte, aber die Mädchen, so vulgaer sie auch sein mochten, es ging einfach nichts rein. Den schmierigen Typen aus der Werkstatt, der immer irgendwie nach Benzin roch, wollte keine haben.
So fristete M. sein Dasein zwischen Motorenöl tagsüber und Pomade in der Nacht. Und wenn er nicht abgestiegen ist, dann sagt er auch heute noch jeden Abend zu irgendeinem Mädchen: “ Tanze Tango mit mir, Tango Tango die ganze Nacht”
Es ist nun schon einige Monate her. Ich hatte oben in Jujuy zu tun und fand mich um zwei Uhr morgens in irgendeiner Bar wieder. Das Bier hier schmeckte, wie immer in den Tropen, nach bitterem Wasser und war lauwarm. Eine Musicbox kratzte einen Tango in die schwüle Luft, und ein paar verlorene Seelen hingen ihrer Sehnsucht nach einem anderen Leben nach.
Da fiel mein Blick auf ihn. Zuerst dachte ich, es sei mein Freund Zahl, so abgewrackt sah er aus. Ich wollte schon auf ihn zugehen und sagen: „Na, altes Nudelaug, der VfB ist auch ganz schön im Arsch, was...“, da erkannte ich ihn und wollte meinen Augen nicht trauen. Keine Rede von meinem Freund Zahl: Es war tatsächlich sk., der da einsam über einem wackeligen Tisch hing, vor ihm 2 leere Schachteln Zigaretten und ein Kakao mit Rum, angeblich schon der zwanzigste heute abend.
Ich sah in sein aufgedunsenes Gesicht und mir war klar, worüber sk. sinnierte: Er dachte zwei Saisonen zurück. Damals war er der Meister, der Boss, die Nummer 1 von Argentinien und damit von ganz Lateinamerika. Er war
der absolute Superstar und wir alle knieten vor ihm. sk. war Glamour pur. Alle Frauen, alle Männer, und sogar der asexuelle Fenris wollten mit ihm ins Bett.
Doch das ist jetzt vorbei. Dieser Typ, der hier an diesem Tisch seinen einundzwanzigsten Kakao mit Rum bestellte, hatte nichts zu tun mit dem sk., den ich bewundert hatte: Es war ein ganz normaler Hinterwäldler aus Jujuy, der seinen Freitagabend wie üblich im Suff ertränkte.
Ich wollte ihm eine Zigarette anbieten, da sprang er auf und schrie vor einer unsichtbaren Menge:„Was wollt ihr alle noch von mir? Ich habe Euch den Titel gebracht! Versteht ihr: den Meistertitel Argentiniens hab ich in dieses Scheißkaff San Salvador geholt! Ich bin der einzige Superstar, den es in dieser Scheißgegend jemals gegeben hat! Davon wird man noch in hundert Jahren reden! Und nun lasst mich zum Teufel alle in Ruhe!“
Dann schleuderte er seinen Kakao mit Rum gegen die Wand, zeigte mir den Mittelfinger mit den Worten „Ich kenne dich, Arschloch!“, und wankte in die feuchtheisse Tropennacht hinaus.
Eigentlich wollte er Nobelpreisträger werden. Doch als Physiker war er nur Mittelmaß. Also wurde J. Lehrer für Mathematik am Gymnasium von La Plata.
Dort versucht Lehrer Jähnig nun Tag für Tag, den grössten Idioten Argentiniens das Rechnen beizubringen. Als Lehrer ist sein Tag trist und geprägt von der Dummheit seiner Schüler.
Beispiele gefällig?
“W., wenn du ein Trikot der Grösse 52 trägst und tausend rot-weisse Streifen darauf unterrbingen willst, wie breit ist dann ein Streifen?” Antwort: Schweigen, gepaart mit einem stumpfsinnigen Blick.
oder
“Jones, wenn du Herbstmeister bist, aber nur mehr 29.3 TK hast und für deine Rettung pro restlichem Heimspiel 4.8 TK aufbrauchen musst, wieviele Tore kannst du dann noch auswärts schiessen?” Antwort: Schweigen, gepaart mit einem stumpfsinnigen Blick.
oder
“Eigenrauch, wenn du von
jedem deiner Schäfchen 2 Unterhosen bekommst, wieviele Saisonen kommst du aus, ohne Unterhosen waschen zu müssen? Antwort: Schweigen, gepaart mit einem stumpfsinnigen Blick.
oder
“Fenris, leg sofort die Auto-Bild weg und beantworte folgende Frage: Wieviele Punkte gibt es in einem sogenannten Sechs-Punkte-Spiel zu gewinnen bzw. zu verlieren? Antwort: Schweigen, gepaart mit einem stumpfsinnigen Blick.
oder
“Magnum, aufwachen! ! !" Antwort: Schnarchen, gepaart mit einem Schurz.
Ja, Lehrer zu sein ist ein Scheiß-Job und er wird immer schwieriger, denn die Schüler werden immer dümmer: Verblödet vom Fernsehen, vom Internet und von Facebook. Und manchmal sehnt sich Lehrer Jähnig nach den guten alten Zeiten zurück, als es noch ganz normal war, einen Schüler gründlich zu ohrfeigen für eine falsche oder dumme Antwort. Oder auch nur für einen stumpfsinnigen Blick.
Y. liebt das Institutionelle. Und Y. liebt Unterhosen. Deswegen ist er auch ins Priesterseminar gegangen. Religion als Privatsache, das ist seine Sache nicht.Wo kommt man denn da hin, wenn jeder betet, was er will. Y. weiss, wie man richtig betet. Daher geht er auch zu den Menschen raus, um sie zu missionieren. Dem Y. wurde das Missionarische quasi in die Wiege gelegt. Er geht zu den Menschen und die Menschen kommen zu ihm. Er holt die Menschen nach Hause in die Kirche zurück, in seine Kirche: in sein Institut. Dort überlassen die Menschen Y. ihre profanen weltlichen Güter, die sie nicht mehr brauchen, wenn sie einmal im
Institut sind. Zuerst überlassen sie Y. ihre Unterhosen. Und dann alles andere. Im Institut brauchen die Menschen keine Unterhosen mehr. Und auch nicht alles andere. Im Institut leben sie nach Y.’s Leere (sic!).
Argentinien ist ein gutes Pflaster. Es war immer schon ein gutes Pflaster. Ein gutes Pflaster für Nationalsozialisten, ein gutes Pflaster für Katholiken. In Y.’s Institut gibt es keine Nationalsozialisten. Und keine Katholiken, naturgemäß. Die Menschen, die ins Institut gehen, lieben ihren Reverend. Sie überlassen ihm alle ihre weltlichen Güter. Und ihre Unterhosen.
Dies ist die traurige Geschichte der Stadt Rosario, einstmals eine regionale Macht im argentinischen Fussball. Rosario bildete ein Gegengewicht zu den alles beherrschenden Teams aus dem Wasserkopf Gran Buenos Aires und der Provinz-Metropole Cordoba. Nicht nur die grossen Fünf aus der Hauptstadt zitterten, wenn sie nach Rosario fahren mussten. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Was ist passiert:
Die Blaugelben von Rosario Central, Meister in Saison 12, mittlerweile nicht mehr als eine Fussnote der Liga, krebsen als 14. in der zweiten Liga herum, und es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis sie wieder Erstligaluft schnuppern werden.
Aber noch unglaublicher ist die Geschichte der rotschwarzen von Newell’s Old Boys. Hier werden wir gerade Zeuge der grössten Chuzpe der Vereinsgeschichte:
Denn dort tanzt seit 8 Saisonen ein Hochstapler den Vereinsverantwortlichen auf der Nase herum. Ein Trainer, der gar keiner ist, hat dort nämlich das Sagen
über den traditionsreichen Club. Dieser Scharlatan hat sich beim Verein eingeschlichen, indem er sich als Adeliger ausgab und grossmächtig über seine Erfolge in internationalen Ligen schwadronierte. Das war natürlich alles erfunden, doch dem Preller wurde das Heft in die Hand gegeben und die Newell’s Old Boys damit in die Katastrophe gestossen. Jedes Jahr verspricht der Schwindler nun den gepeinigten Fans den Meistertitel und am Ende schauen sie doch bloss wieder durch die Finger. Als wäre dies nicht genug der Verhöhnung, stellt sich dieser freche Schurke auch noch Woche für Woche vor die Kameras und verspricht den Fans das Blaue vom Himmel.
Man fragt sich, wie diese Farce weitergehen wird, denn angesichts der chronischen Erfolglosigkeit von NOB kann es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Fans der Old Boys das falsche Spiel durchschauen und bemerken werden: „Das ist ja gar nicht der Trainer – das ist Enrico PalaZ.Z.o !“
Ich traf auf N.N. am Flughafen Pistarini. Ich sah ihn schon von weitem am Schalter der First Class warten.
“Claro, er ist Meister, er reist Erste Klasse” dachte ich bei mir, während ich in der Schlange der Clase Economica den smallgetalkten Schwachsinn meiner schweißbadenden Mitreisenden anhören musste. Zwei unterschiedliche Welten, in denen N.N. und ich reisten, und doch hatten wir beide dasselbe Ziel: Cordoba. Ich, um beim billigsten Werkstattmeister Argentiniens meinen VW Gol herrichten zu lassen, N.N. um beim Reverend die neueste Luxus- Unterhosenkollektion zu begutachten.
Ich wusste, dass dies meine einzige Chance war, dass er mir jemals Aufmerksamkeit schenken würde. Ich verliess also die Linea Economica und drängte mich zum Schalter der Premiera Clase. Es war
einfacher, als ich dachte: Nach einer Gefälligkeit für den Schalterbeamten, für die ich mich heute noch schäme, bekam ich das gewünschte Upgrade: Sitz 1B, gleich neben Ihm.
N.N. saß auf 1A und war in seine Strategien vertieft. Zweifellos würde er wieder vorne mitspielen. Ich wollte ihn nicht gleich überfallen, sondern tat so, als ob ich das Club-Magazin der Aerolinas Argentinas studieren würde. Als er schliesslich seine Zugabgaben im Kopf getroffen hatte und tagträumend beim Fenster hinausblickte, nahm ich all meinen Mut zusammen, um ihm die eine Frage zu stellen. Ich fühlte mich wie ein kleiner, mieser Taschendieb auf der Florída, als ich ihn ansprach: “Lo siento…, aber wie zum Teufel wird man Meister in Argentinien, Señor Nil?”
F. kam wie immer pünktlich. Die Empanadas waren noch im Ofen und die Parrilla gerade mal angeheizt. Das Rind hatte ich gerade geschlachtet und ausgenommen und wollte später die Steaks mit dem Ausbeinmesser herausschälen. Mit blutigen Händen stand ich also da, als F. läutete.
“Nimm erst mal ein Glas Mendoza” meinte ich - wissend, was mich an diesem letzten Sommerabend erwartete: F. ergoß sich wie immer in den ewig selben Geschichten über sein Auto und vom Balkan und darüber, was für eine grosse Nummer er dort angeblich mal war. Ich hatte diese Chose schon tausend Mal gehört und langweilte mich.
“Er hat sonst nicht viel” dachte ich, als F. an immer denselben Stellen immer dieselben Witzchen anbrachte und dabei selbst am lautesten lachte. Ich brauchte einen doppelten Mendoza, um das eintönige Geschwafel F.’s zu ertragen, und um ihm nicht die Fresse zu polieren.
Nur als er sich die
Empanadas in seinen langsam fett werdenden Leib hineinstopfte, war F. für kurze Zeit gusch. Was für eine angenehme Stille das war. Für einen kurzen Moment war es ein richtig guter Abend.
Doch als ob ihm die Stille unangenehm wäre, begann F. mit der letzten Empanada wieder loszuschwafeln, und mit jedem Glas Mendoza sprach er schneller “BLA BLA BLA…und das grösste Tier mit SM-Banden bin nun mal…” -
“Alter Freund,”, unterbrach ich ihn: "das hier ist Argentinien, KOMM ENDLICH HIER AN !” .
F. setzte einen fragenden, leicht idiotischen Blick auf, was ich damit wohl meinte, und ich wusste: ein Teil von ihm hatte es begriffen, doch ein anderer Teil von ihm würde es niemals verstehen. F. senkte seinen Blick, nahm einen kräftigen Schluck Mendoza, und dann schwafelte er weiter, als gäbe es kein Morgen mehr.
Ich nahm das Ausbeinmesser und entschloss mich, nun das Fleisch vorzubereiten...
„Sieh nur, W., was ich heute morgen erworben habe“ sagte P. zu mir, während ich in meine Empanada biß. Carne y queso, dazu eine Dose Quilmes-Bier, Freitag morgen irgendwo in einem Café im Schatten des Obelisken. P. hielt mir stolz einen Stadtplan von Gran Buenoes Aires unter die Nase. „Mh hm“ meinte ich, nicht ohne einen kurzen Blick auf das in wasserabweisender Folie gehaltene Stück Papier zu werfen. Schien ein ganz normaler Stadtplan zu sein, all die Bezirke waren da: die Capital Federal, Boca, die gefährlichen Vororte Quilmes, Lanus, Banfield, und natürlich auch Lomas de Zamora, das heisse Pflaster, das meine Heimat geworden war. Als ob es die
natürlichste Sache der Welt wäre, suchte ich automatisch das Oval des Eduardo Gallardon, und als ich es fand biss ich zufrieden in meine Empanada. „Guter Plan“ meinte ich zu P., doch dieser liess eine gewisse Unzufriedenheit mit seinem Kauf erahnen. Ohne nachzufragen, was der Grund seiner Unausgeglichenheit sei, begann er von selbst: „Sieh doch mal: alles da: Ezeiza, Almirante Brown, Lanus, sogar dein unsägliches Lomas...aber Avallaneda? Carajo, ich kann meinen verdammten Haselnusshain nicht finden!“ Ich wollte ihn nach so vielen gemeinsamen Saisons nicht so direkt mit der Nase drauf stoßen, also meinte ich nur: „Wird wohl ein Druckfehler im Plan sein...“
Der Trainer der Tausendmalrotweissgestreiften von Los Andes sieht dem Saisonstart gelassen entgegen: "Einfacher hätte es gar nicht kommen können! - der NMR-Fenris hat sich sicherlich noch nicht von seinem Schock erholt und wird seine Taktik vom letzten Spieltag gleich fortsetzen - er will doch das Eberle-THeorem nicht brechen wollen, oder? Und was meinen besonderen Freund Pfo-Sten betrifft: da ist noch eine Rechnung offen, denn mit seiner unnötigen Auswärts-6 gegen die CALA hat er unsere Meisterschaft auf dem Gewissen... da werden Köpfe rollen und einen guten Rutsch kann ich den Juniors auch schon versprechen hehe...
In diesem Sinne allen Copatadores Argentinos ein gutes und erfolgreiches Neues Jahr !