Der GröTaZ wäre wohl kaum der GröTaZ, wenn er sich ihm bietende Chancen auf einen erfolgreichen Saisonverlauf einfach so annehmen würde. All seine Analysten hatten ihn gewarnt, dass der Zeitpunkt für eine weitere Auswärtsattacke ungünstig sei und man eine Woche später gegen die Medizinstudenten des französischen Zockers doch viel bessere Aussichten haben würde. In all seinem Größenwahn schlug Markert die Ratschläge in den Wind
– und erntete Sturm. Die Saison ist im Eimer, soviel kann man jetzt schon sagen. Jetzt geht es nur noch darum, sich von den beiden Kellerplätzen fern zu halten. Ein Anwärter auf den Abstieg ist einer zu wenig, pflegt man dieser Tage in Lima zu sagen. Und ja, es gibt sie, diese Tage, an denen man sich auch nach einem Auswärts-6:6 vorstellen kann, zufrieden nach Hause zu fahren – vorausgesetzt, das Gemetzel bricht nicht dem eigenen Team, sondern dem Gegner das Genick.
Alianza ist zurück im Rennen. Der schweinsköpfige Lord kam zwar doch noch zurück an die Trainerbank, nachdem er bereits zweimal unentschuldigt gefehlt hatte. Doch auch sein Erscheinen konnte sein Team nicht vor der ersten Heimpleite der Saison bewahren. Der erste Absteiger steht somit wohl fest, doch wer folgt dem Aufsteiger zurück ins Unterhaus? Wird es erneut einen Doppelabstieg beider Aufsteiger geben, wie im letzten Jahr geschehen? Derzeit sieht es danach aus, doch dem Rekordmeister Sporting Cristal traut man durchaus zu, das Tabellenende schon bald zu verlassen. Unterdessen steigt beim
einstigen Tabellenführer Estudiantes de Medicina die Sorge, ob man mit dem Auftaktsieg bei Alianza nicht doch eine fatale Schicksalsspirale in Gang gesetzt hat, aus der es kein Entkommen mehr gibt. Bei Alianza ist die Gelassenheit indes zurückgekehrt. Die Titelverteidigung erscheint derzeit zwar eher unrealistisch, aber es gibt ja auch noch andere erstrebenswerte Saisonziele, erst recht, wenn man zuvor einen solch katastrophalen Start wegstecken musste. Zur Untermauerung des zurückgewonnen Selbstvertrauens kommt der Tabellenführer gerade recht – ein Sieg, und man darf wieder nach oben schauen.
Was passiert, wenn man mit der B-Mannschaft zum Rekordmeister fährt, der obendrein ums Überleben kämpft? Ganz klar: Man verliert. Dass es „nur“ ein 0:3 geworden ist, war letztlich sogar gnädig. Und so kommt es, dass der kürzlich hart erkämpfte Nichtabstiegsplatz für Alianza schon wieder verloren ist - und das als amtierender Meister. Den Start in einen neuen Maya-Zeitrechnungs-Zyklus hatte man sich eigentlich angenehmer vorgestellt. Erfreulich ist hingegen, dass mit den ereut ohne Trainer zum Spiel angetretenen Sport Boys (wo Lord Phantom aber immer noch im Amt ist) und den Medizinstudenten (wo Jerôme Kerviel aka. mpax inzwischen nicht mehr allzu fest im Sattel sitzt, aber ebenfalls noch amtiert) bereits
zwei aussichtsreiche Bewerbungen auf die beiden Abstiegsplätze eingegangen sind.
Was darf man also neben dem Klassenerhalt als Saisonziel ausgeben? Nun ja, beim Blick auf den Rest Amerikas liegt es eigentlich auf der Hand: Der erste internationale Titel soll her, mal wieder. Runde zwei im Befreierpokal wurde souverän erreicht – dort warten allerding drei extrem harte Brocken. Setzt man sich in der Todesgruppe dennoch erfolgreich durch, ist der Titelgewinn zum Greifen nahe. Solche eine Doppelbelastung geht natürlich auf Kosten der nationalen Performance. Daher wird in diesem Jahr offiziell lediglich Platz vier angepeilt – angesichts der derzeitigen Hypothek bereits eine mehr als mutige Ansage, Señor GröTaZ!
Endlich wieder ein Clásico! Gegen Sporting Cristal kommt es zum vorläufigen Saisonhöhepunkt. Und das ausgerechnet beim Duell des Letzten gegen den Vorletzten. Manchmal treibt der Fußball schon seltsame Blüten. Dennoch ist beiden Trainern klar: Absteigen werden am Ende andere. Zum Beispiel mpax. Der Überraschungstabellenführer ist mit zuletzt zwei Pleiten tief gefallen, die Reserven sind obendrein schon arg lädiert. Und bekanntlich ist es in Peru immer riskant, zu früh ganz oben zu stehen. Das hat schon ganz anderen das Genick gebrochen. Angesichts solcher Umstände verwundert es nicht, dass mpax psychologische Hilfe in Anspruch genommen haben soll. Dass er dazu jedoch ausgerechnet eine Telefonberatung auswählte, die dafür bekannt
ist, das komplette Gespräch als Radio- und TV-Sendung in alle Welt zu verbreiten, dürfte ihn ebenso überrascht haben wir den Rest der Liga, der staunend zuhörte, während der vermeintlich so souveräne Spitzencoach sein eigenes Denkmal mit jedem Satz ein weiteres Stückchen demontierte. Schließlich waren es keineswegs übliche Probleme, mit denen mpax den armen Moderator belästigte. Es war vielmehr die Sorge, im Falle eines Abstiegs zu einem zweiten Hardkore zu werden, dem Lothar Matthäus Südamerikas, den schon seit zwanzig Jahren niemand mehr für voll nimmt, der noch bei annähernd klarem Verstand ist. Und mit jedem Wort. das aus mpax‘ Mund flutschte, wurde es dem Zuhörer klarer: Weit ist es nicht mehr bis dorthin.
Na was war das denn für ein Saisonstart? In der Redaktionsrunde kam es schon zur (skandalösen und eiskalt abgeschmetterten) Forderung, unser Schmierblatt in ABAJO ALIANZA umzubenennen. So wären wir zumindest stets auf der Siegerseite, glaubte der Schmutzfink (und nunmehr Ex-Redakteur, Anm. des Chefredakteurs) doch allen Ernstes. Dabei sind wir doch das Hausblatt des amtierenden peruanischen Meisters und somit der amtlich bestätigten besten Mannschaft der Welt. Daran ändert auch ein einmaliger Heimausrutscher natürlich nichts. Stattdessen geht es nun wieder aufwärts, der erste Schritt zur
Titelverteidigung wird am Freitag erfolgen – gegen den Tabellennachbarn Universidad César Vallejo. Was das bedeutet? Ganz klar, ein Sieg mit mindestens zwei Toren Differenz muss her, um zumindest nicht als Tabellenletzter in die Weihnachtstage zu gehen. Atahualpa zittert bereits am ganzen Körper vor Angst, seiner Mannschaft könnte auch der letzte Funke Selbstvertrauen aus den Köpfen geballert werden. Recht hat er – Alianza wird sein Team vernichten. Und anschließend mit Pepe auf den Weihnachtsmarkt in Tacna gehen – dort gibt es den besten Glüh-Pfefferminztee des Landes. Feliz Navidad!
Weihnachtszeit, besinnliche Zeit? Nicht so in Peru. In der wohl härtesten Liga der Welt hat ein verrückter Zocker die Liga geschockt. Und nein, die Rede ist nicht vom amtierenden Meister und seinem Startrainer – ausnahmsweise mal nicht.
Stattdessen macht die Nachricht in ungeheurer Geschwindigkeit die Runde, dass es sich bei mpax in Wirklichkeit um Jérôme Kerviel, einen ehemaligen Banker der Société Générale, handeln soll – und das er stattdessen seinen Zwillingsbruder gegen Zahlung einer geradezu unanständig hohen Geldsumme (die letzte Bonuszahlung vor dem großen Knall?) dazu gebracht haben soll, an seiner Stelle den Weg hinter schwedische Gardinen (möglicherweise von IKEA) sowie französische Gefängnismauern (höchstwahrscheinlich Art Déco)
anzutreten. Kerviel, war das nicht der Typ, der ganz allein fünf Millarden verzockt hat? Oh ja, und der Mann war geständig – und wurde unter anderem wegen unberechtigter Computernutzung verurteilt. Dennoch sah er sich nie als Einzeltäter, sondern stets als Teil des Systems.
Was bedeutet das nun für Peru? Handelt mpax im Auftrag höherer Mächte? Ist der Auswärtssieg bei Alianza der Auftakt zu einer außerirdischen Invasion oder gar zu dem von den Maya vorhergesagten Weltuntergang?
Das Land ist jedenfalls in heller Aufregung. Und es dauert womöglich noch sieben lange Tage, bis der letzte Vorhang fällt und sich der geheimnisvolle Schleier um den mysteriösen mpax lüftet – sieben Tage voller Ungewissheit, voller Spannung, Hoffnung und, natürlich: mit zwei Copa-ZATs!
„Campeón, Campeón, Alianza CAM-PE-OOON!“ Die Fangesänge wollten die komplette Saisonpause hindurch nicht verstummen, zu lang war die Durststrecke in den Augen der erfolgsverwöhnten Alianza-Fans auch dieses Mal wieder ausgefallen. Den fünften Titel hatte man zwei Wochen vor Saisonende nach dem 6:6 gegen Real Academia eigentlich schon verloren geglaubt, umso größer war dann die Freude, dass es am Ende doch noch geglückt war, den wichtigsten Titel der Fußballwelt in die Arme zu schließen. Die Vereinsführung möchte daher die Gelegenheit nutzen,
sich bei allen Gratulanten für die Glückwünsche zum Titelgewinn Doch das Ende von etwas Altem ist auch stets der Beginn von etwas Neuem – die Mission Titelverteidigung hat begonnen. Noch nie ist es Alianza gelungen, zwei Meistertitel in Folge zu holen. Diese finstere Serie soll nun endlich der Vergangenheit angehören. Da passt es gut, dass man mit Sporting Cristal und den Sport Boys zwei der größten Clubs der peruanischen Geschichte zurück in Liga begrüßen darf. Denn was gibt es schöneres als eine Titelverteidigung gegen das stärkstmögliche Gegnerfeld!
Physik für Fortgeschrittene: Kann man zerplatzte Dinge wieder zusammenfügen? Warum eine solche Frage an einem solchen Ort? Ganz einfach: Alianzas Traum von der fünften Meisterschaft lebt völlig überraschend wieder, nachdem er erst vor einer Woche zu Grabe getragen wurde. Diese Wiederauferstehung dürfte zwar kaum zur Gründung einer neuen Weltreligion genügen, doch die Hoffnungen der Fans sind nach der erneuten Übernahme der Tabellenführung größer denn je. Jetzt müssen nur noch alle Favoriten ihre Heimspiele durchbringen, dann steht dem Triumph nichts mehr im Wege. Dennoch sah sich der GröTaZ angesichts der aufkeimenden Euphorie genötigt, diese ein wenig zu dämpfen:
„Ein einziger überraschendender Ausrutscher eines Ligakonkurrenten würde ausreichen, und alles bricht in sich zusammen. Wir tun gut daran, erst einmal den nächsten Freitag abzuwarten und dann mit einem Saisonfazit zu beginnen.“ Die Antwort auf das physikalische Rätsel lautet in diesem Fall dennoch: Möglich ist so einiges, wenn alle an einem Strang ziehen. Zumindest in einer isolierten Umgebung, in der das Chaos mangels äußerer Einflüsse beherrschbar und berechenbar wird. Ob die Primera División ein solches Testlabor darstellt, muss indes bezweifelt werden. Für Perus (Meta-)Physiker bleibt also noch einiges zu tun - bis dann in sechs Tagen alles vorbei ist und wir endlich wissen, wo wir stehen.
Das drittletzte Ligawochenende wurde zum tragischen Ende zweier großer Träume: Alianzas Traum vom fünften Titel zerplatzte ebenso wie Butters‘ Vision einer zweiten Saison in Liga eins. Na und? Wird halt jemand anderes Meister, und Butters steigt nächstes Jahr wieder auf. Alles halb so schlimm.
Viel schlimmer ist, dass Pepe und Sushinho unter dem Mantel eines gemeinsamen Forschungsprojekts damit begonnen haben, Tierkadaver in pfefferminz-getränkte Riesen-Fanschals einzuwickeln, um diese damit
für außerirdische Erdbesucher in einer fernen Zukunft zu konservieren. Darf man jetzt etwa nicht mal mehr in Ruhe verwesen? Schlimmer noch: Angeblich soll eine Liste mit Todeskandidaten existieren, mit der der skrupellose Sushinho der in seinen Augen zu niedrigen Sterberate in Perus schöner Tierwelt auf die Sprünge helfen kann. Da kann man nur hoffen, dass auf dieser Liste wirklich nur Tiere zu finden sind. Denn auch Trainerkadaver würde das mysteriöse TK-Kriterium wohl erfüllen…
„Wir sind zurück in der Spur“ jubelte Alianzas ecuadorianische Sturmspitze Derballi S. Drynn nach dem Abpfiff. Tatsächlich hatte der GröTaZ nach einem weniger geglückten Wochenende sein goldenes Händchen für die taktische Marschroute wiedergefunden. Es hatte hinter der Couch gelegen, im Staub des Vergessens. Aber jetzt ist ja alles wieder gut, und einem (natürlich genau so eingeplanten) 0:6 beim Topfavoriten auf den Titel, dem pfefferminzigen Gefreiten Carbonara, ließ Alianza einen weiteren fuxxigen 1:0-Sieg folgen. Olaf Haudruff machte seinem Namen anschließend alle Ehre und zerlegte die
Toilettenbude für die Pressevertreter. Die fanden ihn und das ganze Schauspiel daraufhin ziemlich beschissen – kann man ihnen das verübeln?
Alianzas Studienreise geht indes in die nächste Runde. Als nächste Übung nach dem fachgerechten Erschnüffeln ätherischer Öle in triefender Sahnesoße und dem Ausweichen vor der menschlichen Boxmaschine steht in kommenden Woche eine Obduktion am lebenden Medizinstudenten auf dem Programm. Zudem soll sich die Mannschaft mit Fetten und ihrer Verwendung beschäftigen – schon wieder Chemie? Nun ja, lecker ist anders, aber darum geht es ja auch nicht.
Mit dünner Luft beim Training kommt geringerer Druck beim Wettkampf? Ein klarer Himmel während des Spiels lässt die Stars glänzen? Physikalische Trainingslehre für Esoteriker – bestanden! Was Alianza derzeit bietet, ist Hokuspokus vom Feinsten. Die perfekt-minimalistische Goldader des Rückrundenstarts hat man zwar aus den Augen verloren, da konnte auch die berühmte Wünschelrute „Adlerauge“ nichts mehr retten. Doch auch der neue Plan hat ganz besondere Finessen. Welche das sind, erschließt sich freilich erst auf den zweiten Blick. Die nächsten beiden Gegner mussten indes
mit dem ersten Eindruck vorlieb nehmen. Ob das reicht, um eine angemessene taktische Linie in den peruanischen Küstenschlamm zu ziehen? Ob es am Ende gar genügt, um drei Eimer Heilschlamm für die heimische Badewanne mitzunehmen? Wohl kaum. Aber ein Kännchen Pfefferminztee ist trotzdem drin, zumindest für Pepe33. Der bärbeißige Olaf aus Arequipa, ein berüchtigter Raufbold, läuft hingegen Gefahr, komplett leer auszugehen. Beschwerden werden unter 911 entgegen genommen. Und NEIN, das bedeutet nicht, dass ihr jetzt alle bäuchlings unter meinen Porsche kriechen sollt, ihr kümmerlichen Kokakauer!
Zugegeben, Defensor war ein paar Tage schneller. Dennoch hat die wissenschaftliche Abteilung von Alianza nun ebenfalls bahnbrechende Forschungserfolge errungen, die praktisch sofort in eine Änderung des Trainingsprogramms umgesetzt werden sollen. Grund für die Eile ist der überraschende sportliche Erfolg seit Beginn der Rückrunde. Dieser hat den Druck auf die Spieler und das Trainerteam massiv ansteigen lassen. Um dem entgegenzuwirken, wurde nun festgestellt, dass der Druck in höheren Luftschichten geringer ist. Insbesondere der Sprung eines gewissen
Herrn Baumgartner aus einem Kleinstaat in den östlichen Alpen hat hier zur Erkenntnisbildung beigetragen. Gemeinsam mit einem Brausehersteller aus eben jenem Kleinstaat arbeitet Alianza Lima nun an einem neuen Trainingsplan, der insbesondere eine Aufenthaltshöhe von 39.044 m über Normal Null vorsieht. Der geringere Druck soll es den Spielern ermöglichen, im anstehenden Spitzenspiel trotz der eigenen Nähe zur Tabellenspitze befreit aufzuspielen. Wahnsinn, was mit der Wissenschaft alles möglich ist – dass man da nicht früher drauf gekommen ist!
Es sollte der Auftakt in einer verheißungsvolle Rückrunde werden, doch letztlich wurden nur Magerkost (auf dem Platz) und kalter Pfefferminztee (auf der Ehrentribüne) geboten. Der Champagner war auf seinem Weg vom Hafen in Callao zum Estadio Alejandro Villanueva von einer Horde Anarchisten in Dalton-Kostümen „entführt“ worden, und auf dem Spielfeld genügte ein einziges Tor, um das auswärts gewohnt harmlose Team der Hundefutterjungfrau zu bezwingen. Zur „Strafe“ muss man nun zum üblichen Sauerstoffentzug in die Minen von Cerro de Pasco. Im höchstgelegenen
Fußballstadion der Welt wartet die Fahrstuhlmannschaft schlechthin – Grubenfahrstuhl oder Hightechlift, das scheint dem Schlusslicht völlig egal zu sein. Hauptsache, die rote Laterne ist mit dabei. Mit 38 Gegentoren ist Unión Minas aber auch der totale Gegenentwurf zum letzten Gegner: Virgen de Chapi musste nach 14 Spielen erst rekordverdächtige acht Gegentore hinnehmen – eine irre Bilanz, mit der eigentlich deutlich mehr Punkte zu Buche stehen müssten. Demgegenüber ist Makaay10, gemessen an den Gegentoren, geradezu im Soll. Kaufen kann er sich davon aber auch nichts, der Ärmste.
Nur Platz acht nach dem Ende der Hinrunde – damit ist Alianza deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Aber noch besteht Hoffnung: Die Reserven sind überdurchschnittlich, und es steht noch ein Heimspiel mehr auf dem Programm, als es Auswärtsspiele in der Rückrunde gibt. Warum zu solch nächtlicher Zeit ein solch belangloser Bilanzierungsversuch unternommen wird? Nun ja, wir leben bekanntlich im Kapitalismus, und da kann ein bisschen Kapital aka. TK nicht schaden. Jetzt müsste eigentlich nur noch das obligatorische Herbstmeistermobbing her. Aber das
hat der letzte Gegner von mpax in der Copa Libertadores bereits übernommen. Außerdem war die Taktik völlig ok, schließlich hat Alianza es mit nahezu der gleichen Strategie versucht. Übrigens auch mit dem gleichen – überschaubaren – Erfolg. Aber wenn das Kind schon im Brunnen liegt, macht es wenig Sinn, wenn es nach den Sternen greift. Da macht ein beherzter Griff in den Brunnenrand bisweilen mehr her… oder einfach ein erneuter Versuch im nächsten Jahr. Zumindest mpax als frischgebackener Herbstmeister hat diesbezüglich gute Karten.
Alexandre Sushinho kam erstmals in seiner Trainerkarriere ins Estadio Alejandro Villanueva, das geweihte Rund aller peruanischen Fußballgläubigen, sah sich beeindruckt um und lauerte auf seine Chance. Mit einem Sieg würde seine Mannschaft zum Tabellenführer aufschließen, zudem ist ein Sieg in Lima noch immer die ultimative Krönung für jeden Trainer. Doch nach nur 70 Sekunden hatte Alianza diese Träume einem brutalen Wirklichkeitstest unterzogen. Doppelpass, Übersteiger, Vollspann und rein. 1:0 für die Gastgeber, zumindest für fünf Minuten. Dann stand es 2:0, und Sushinho war leichenblass geworden. Alles riskieren und Gefahr laufen, am Ende trotz vollem Einsatz noch zu verlieren? Oder die Gegebenheit einfach akzeptieren, Alianza davon ziehen lassen und zu einem vielversprechenderen Zeitpunkt nochmal woanders angreifen? Sushinho dachte einen Moment nach… wie würde sein Idol auf der gegenüberliegenden Trainerbank wohl entscheiden? Volles Risiko, klar, nach jedem Strohhalm greifen. Markert war und ist nicht für zögerliches Agieren bekannt. Sushinho dachte nicht mehr nach. Er brannte nunmehr vor Leidenschaft. Und seine Mannschaft stürmte. Stürmte blind an und traf. Drei Stürmer statt einsamer Wölfe, das ist der Weg, den ich gehen muss, dachte Sushinho bei sich und verpasst beinahe den perfekt vorgetragenen Konter der Gastgeber, der das 3:1 nach sich zog. Mist! Stürmer Nummer vier musste her, Wechselkontingent ausgeschöpft. Tod oder Gladiolen, so hatte es einst ein großer Holländer mit noch größerem Ego formuliert. Und Sushinho hatte ein verdammt großes Ego, zumindest in diesem Moment. Und ein goldenes Händchen – nur sechs Minuten nach seiner Einwechslung traf Stürmer Nummer vier zum
Anschlusstreffer. Halbzeit. Gelegenheit, die nach Toren lechzenden Spieler wieder in die taktische Marschroute zurückzuführen. Doch Sushinho dachte schon längst nicht mehr, er brannte lichterloh. Anders die Gegenseite. Markert wartete ab. Keine Wechsel zur Halbzeit. Alianza stellte sich hinten rein, bloß nicht zuviel riskieren. Schließlich war man noch immer in Führung. Bis zur 71. Minute. Stürmer Nummer drei passte auf Stürmer Nummer zwei, der mit einem Doppelpass mit Stürmer Nummer vier die Abwehr von Alianza aushebelte, auf Stürmer Nummer drei zurücklegte und diesen nach gelungenem Abschluss gleich wieder mitriss. Ausgleich, na schön, aber jetzt bitte: Wir wollen schließlich gewinnen. Sushinhos Gehirn war zu diesem Zeitpunkt längst einem Feuerwerk der Synapsen gewichen. Gewinnen, gewinnen, gewinnen! Stürmen, stürmen, stürmen! Zurück ins hier und jetzt. Anstoß. Und Tor. Vom Mittelkreis – immerhin 52 Meter vom Gästetor entfernt – senkt sich der Ball in bester Alex-Alves-Manier über den ahnungslosen Schlussmann, der seinen Torschützen noch immer beim Jubeln einzufangen versucht, während das Spiel längst wieder läuft. Die Synapsen in Sushinhos Kopf tanzen seinen Namen, während Markert einen weiteren Sechser bringt. Sicherheit statt Harakiri. Drei Minuten vor Schluss macht Alianza den Sack zu. Und gefühlte Wimperschläge später: Der Schiedsrichter pfeift ab. Bei den Wanka-Fans bleibt nur ein dumpfes, völlig funkenloses Gefühl tief unten im Magen zurück: Die Angst vor dem, was nach diesem Spiel kommt. Sushinhos Geist hingegen macht sich auf und davon, hinterlässt lediglich ein Häufchen Elend, um das eine Menge wirrer Gedanken kreisen wie die Israeliten um das goldene Kalb.
Wieder einmal hat Butters in Lima eine lehrreiche Erfahrung gemacht. Bei letzten Mal musste er noch lernen, dass auch ein Sieg (in diesem Fall ein 6:5, Anm.d.Red.) zur vernichtenden Niederlage werden kann. Damals feierte Butters zunächst den Sieg, wenn auch etwas zu heftig, und verbrachte die Nacht – glücklich gröhlend – in seinem Erbrochenen. Mit dem Aufstieg schien die Welt in Lince wieder heil geworden zu sein, die Geschichte würde sich schließlich nicht wiederholen. Doch obwohl Butters eine gänzlich andere Taktik als beim letzten Mal wählte, wurde der Gastauftritt erneut zur lehrreichen Erfahrung. Diesmal war die Lektion zwar weniger strikt in der Welt des Sports anzusiedeln, doch nicht weniger deutlich: Die Zeit heilt keineswegs alle
Wunden, schon gar nicht die des Verlierers. Und der war diesmal wieder Butters – und dieses Mal nicht nur in der mittleren Frist, sondern bereits nach 90 Minuten. Es gibt eben wahrhaft große (und sogar größte) Trainer, und solche, die es nie werden. Und der Gästecoach vom Wochenende, das konnte jeder Zuschauer im Estadio Alejandro Villanueva spüren, ließ sich zweifelfrei in letztere Kategorie einteilen. Ein schlecht gecoverter Song, der schon im Original vor Neid und Mißgunst nur so triefte, war letztlich auch kein gelungenes Mittel, um den Frust zu bewältigen. Und so landete der traurige Mann mit den fettigen Haaren auch nach dem diesjährigen Besuch der Hauptstadt wieder mit 3 Promille im Graben. Geschichte wiederholt sich eben doch!