Während die erste Mannschaft weiterhin im Trainingslager in Mexiko Blut und Wasser schwitzt, nehmen die Fanproteste gegen den GröTaZ in Perus Hauptstadt an Schärfe zu. Erste Molotowcocktails sollen die Villa des einstigen Erfolgstrainers getroffen haben, die Brände wurden jedoch rasch von der Feuerwehr unter Kontrolle gebracht. Auslöser war das blamable 0:3 des selbsterklärten Titelfavoriten beim Abstiegskandidaten Alcides Vigo. Dort stand zwar lediglich das Drittligateam Alianza Lima B auf dem Feld - die Profis sollten ja ihre Kondition verbessern und nicht im Flieger vor sich hindösen - doch selbst von der Reserve hatte man sich wesentlich mehr versprochen. Das Präsidium stellt sich nach außen
zwar weiter einig vor den Trainer, doch intern wird bereits gemunkelt, bei einer weiteren Niederlage im Heimspiel gegen den Dichterclub und Liganeuling aus Trujillo könnte die lange Amtszeit des GröTaZ ein jähes und äußerst unglamouröses Ende finden. Denn einen Abstieg des (neben Juan Aurich) letzten Dinos der Liga kann und will sich in Lima niemand wirklich vorstellen. Immerhin: Die Stammformation wird pünktlich zum Anpfiff am Freitag in Peru zurückerwartet.
Bis dahin heißt es nur noch geschätzte 814-mal: Den Popocatépetl (5.462 m) rauf, den Ixtaccíhuatl (5.286 m) runter, rauf, runter, rauf, runter und so weiter, ohne dass auch nur der Gedanke an eine Pause zugelassen wird...
Während die peruanische Liga von einer kolumbianischen Invasion erschüttert wird, ist der heilen Welt von Startrainer Florian Markert in Lima ähnliches widerfahren. Das 2:3 vor heimischem Publikum gegen den demütig in die Erfolgsspur zurückgekehrten Trainer-Grünschnabel Cappe bedeutete den schlechtesten Saisonstart seit einer Ewigkeit. Im Umfeld des Vereins werden die Stimmen immer lauter, die eine Ablösung des Trainers fordern – er sei amtsmüde, die Verbindung zur
Mannschaft sei schwer beschädigt, die letzten Einkäufe seien allesamt Flops gewesen, etc. Markert gibt sich einsichtig, ein weiteres Kurztrainingslager in Mexiko wurde angesetzt, bei dem die Spieler 6 Stunden täglich abwechselnd die Sonnen- und die Mondpyramide von Teotihuacán hochlaufen müssen. Der Rest der Zeit wird dem ausführlichen Studium von Tacos, Tortillas, Tamales und Tequila gewidmet. Und für jeden gelungenen Cappe-Witz wandern 50 Pesos aus des Trainers Tasche in die Mannschaftskasse.
Nach der völlig verkorksten Rückrunde und dem erstmaligen Verpassen eines internationalen Wettbewerbs wurden in der peruanischen Hauptstadt erstmals seit vielen Jahren wieder kritische Stimmen laut, die den Trainer ernsthaft in Frage zu stellen wagten. Und dieser reagierte: Wie schon einmal, vor vielen Jahren, soll ein Auslandstrainingslager die Wende bringen. In der dünnen Höhenluft von Mexico, D.F. bereitet sich Alianza daher derzeit auf die Ablösung der Olímpicos vor – keine schwere Aufgabe, wenn man die Mannschaft beim Training gesehen hat. Sogar der große Pelé, der als Zaungast dabei war, musste am Ende zugeben, dass dieses Alianza-Team der brasilianischen Weltmeistermannschaft von 1958 und 1962 mindestens ebenbürtig sei. Zumindest, wenn man
letzteren ausreichend viele Rollatoren (wie ist davon die Pluralform?) zu Verfügung stellt, könnte das hinkommen… Auf alle Fälle ist die miese Stimmung bereits wieder der üblichen Euphorie gewichen: „Der Titel ist das Ziel. Alles andere ist nur Fasching!“, verkündete der Trainer gut gelaunt, nachdem sein neuer Starverteidiger Pin Gu-In, aktueller Nationalspieler der Antarktis, soeben zum siebten Mal in Folge aus 65 Metern den Torwart des örtlichen Sparringsgegners getunnelt hatte, ohne den Ball vor der Torlinie den Boden berühren zu lassen. Einzig allein der Rückzug von Somos Aduanas führte dann doch noch zu einem kurzen traurigen Gedanken, der aber schnell wieder verschwunden war. Schließlich sind es nur noch 22 Spiele bis zur Meisterschaft!
Völlig fassungslos stand der GröTaZ auf dem holprigen Rasen des nahe gelegenen Brauereiclubs. Da hatte er sein Team wie üblich bei Auftritten gegen den heimstarken Lokalrivalen extrem defensiv eingestellt, um dann feststellen zu müssen, dass Sporting Cristal sich in Abwesenheit seines Trainers nicht einmal um die Nähe zum gegnerischen Tor bemühte. Und die Alianza-Spieler? Noch kurz zuvor hatten die Blau-Weißen aus der Hauptstadt die Studenten aus San Marcos mit 6:0 vom Platz gefegt, doch diesmal hielten sich die Spieler konsequenter an die vorgegebene Taktik, als der eigene Trainer es sich wünschen
konnte. Sollte diese taktische Fehlspekulation der entscheidende Punktverlust auf dem Weg in die (nicht) internationalen Ränge gewesen sein? Unterdessen wird die Meisterschaft wohl zwischen den drei Topplatzierten entschieden werden. Der Tipp der Redaktion lautet nach detaillierter SWOT-Analyse folgendermaßen: Juan Aurich holt sich mit einem Punkt Vorsprung auf die Olimpicos den Titel! Alianza wird demnach nur Fünfter und verpasst die Teilnahme an der Copa Americana.
PS: Wir möchten nicht verschweigen, dass wesentliche Teile der Redaktion nach Bekanntgabe dieser Prognose ihren Rücktritt einreichen mussten.
Weihnachten war dem besten, größten und tollsten Trainer aller Zeiten gehörig verdorben. Seine Mannschaft dümpelt im Mittelmaß vor sich hin, die Euphorie ist mit dem Weihnachtsbaum entsorgt worden, das neue Jahr wird sehnlichst herbeigesehnt. Doch irgendwie hat sich ein Spieltag dazwischen gedrängelt, den keiner so richtig zu würdigen weiß. Zwischen Weihnachtsärger und Silvesterkater muss man
sich nun noch irgendwie Gedanken über Taktik, Rachepläne und Zielanpassungen Gedanken machen. Kein Wunder also, dass Alianza-Trainer Florian Markert uns ein Interview mit leicht gestresstem Unterton verweigerte. Auf alle Fälle müssen nun dringend Siege her, das lässt sich auch ohne Interview eindeutig festhalten. Und an dieser hohen Messlatte wird sich Markert messen lassen, wenn es an die Jahresabschlussbewertung geht...
Schon wieder verloren! Langsam fängt man in Lima an, sich Gedanken zu machen. Der Vorzeigeclub der Hauptstadt taumelt der achten Nicht-Meisterschaft in Folge entgegen. Und ausgerechnet in dieser schweren Zeit kommt der Superstar unter den Weltklassetrainern plötzlich auf eine famose Geschäftsidee: Erste-Hilfe-Kurse für Abstiegskandidaten. Für den Schnäppchenpreis von nur 12.300 Schweizer Franken erhalten die größten Vollpfosten des Landes den weltweit angesehensten Kurs in
Sachen Erfolg – dauerhaftem, nachhaltigem Erfolg: Eine Dauerkarte für Alianza! Lernen von den Besten, so geht das heute.
Die ersten zwei Pakete sind bereits vergriffen. Moment, zwei? Nein, das muss ein Übermittlungsfehler sein, das heißt bestimmt zwei Millionen! Der rasende Hauptreporter berichtet jedenfalls, bei den Kellerkindern Hicks und Cappe hätte der Präsident das einmalige Geschenk seinem jeweiligen Trainer bereits unter den Weihnachtsbaum gelegt! Na dann: Frohe Weihnachten!
Fünf Gegentore im Estadio Alejandro Villanueva - eindrucksvoller hätte die Majestätsbeleidigung kaum ausfallen können. Was lag also näher, als den dreisten Verursacher der ersten kleinen Krise der Saison gezielt zu ignorieren? Nicht viel, und dennoch hat man sich auf dem GröTaZ-Thron von Lima für das Gegenteil entschieden. Die Meisterschaft ist eh futsch, da kann eine gewisse Pflege von Rivalitäten vielleicht ein wenig Salz in die gewohnte Suppe aus Delfin-Trockenfleisch („Muchame“, Anm.d.Red.) und exotischen Kräutern bringen.
Pepe heißt er also, der Übeltäter. Ausgesprochen wird das wie PP, also wie persecución peruana, die peruanische Verfolgung. Die Frage ist nur, wer oder was hier verfolgt wird. Kunzi, der Klammeraffe am Kirchturm der FPF Primera División, oder doch der weder friedfertige noch freundliche Waffennarr M.Power, der sich allen Unkenrufen zum Trotz zum Titelanwärter Nummer 1 emporgeschwungen hat? Markert ist das eigentlich völlig egal, seit die Meisterschaft so verloren ist wie die Unschuld von Tiger Woods, macht ihm sowieso nichts mehr richtig Spaß. Außer natürlich, abwechselnd Dartpfeile auf die
schmierigen Visagen von M.Power und Pepe einstechen zu lassen - was diese beiden Unterweltkreature höchstwahrscheinlich noch als höchste Wertschätzung und Motivationsschub auffassen dürften.
Wer könnte noch als künftiger Rivale aufgebaut werden? Hicks und Cappe fallen schonmal raus, die spielen nächste Saison im Kindergarten gegen Hardkore und Co. um die goldene Stachelbeere (die goldene Ananas ist bereits für die graue Maus der Primera reserviert - in diesem Jahr gilt Alianza als heißer Anwärter). Vielleicht kann der Skispringer ja noch Sympathiepunkte sammeln - oder auch der tiefrote Studentenpfarrer Juary, der seine Position unter seinen Zöglingen nicht immer ganz uneigennützig be- bzw. entkleidet. Alles in allem kehrt aber langsam eine beschauliche Weihnachtsstimmung ein, Schnee liegt (immer noch) in den Hochanden, und auf den Feldern rund um Lima wartet der Osterhase schon auf seinen baldigen Einsatz, sofern er nicht durch einen verirrten Dartpfeil zur Strecke gebracht wird.
Eine kurze Nebenbemerkung muss aber noch erlaubt sein: Wir haben zwar wunderschöne Friedhöfe in Peru, aber leider keinen Platz für Urus. Es tut mir schrecklich leid...
Grinsend verfolgte Alianza-Trainer Florian Markert die Presse in dieser Woche. Insbesondere die Aussagen von M. Power (steht das eigentlich für Mangelnde Power?) hatten es der Trainerlegende angetan. „Wusste bis vor kurzem gar nicht, dass der Herr Kollege mal bei einer WM dabei war, ganz im Gegensatz zu dem Herrn Juary, der imme größe Töne spuckt, aber noch nie irgendwas außerhalb der zweiten Liga erreicht hat… aber zurück zur WM, jaaa, Kolumbien haben wir damals ordentlich den Arsch versohlt. War aber auch so was von offensichtlich, mit welcher Taktik die an den Start gehen würden, das war wahrlich kein Kunststück.“ Und trotz der Niederlage vom letzten Spieltag fuhr Markert fröhlich fort: „Ich freue mich ja, dass Herrn Power die Revanche geglückt ist – ich hatte schon
befürchtet, er hätte sich etwas wirklich dramatisches überlegt. Zum Beispiel, am Saisonende vor Alianza zu stehen. Aber so… ok, landet er halt im Mittelfeld. Ist ja auch was Feines – für manch einen zumindest, habe ich mir sagen lassen.“ Markerts eigene Ansprüche bleiben indes unverändert: „Klar wollen wir weiterhin Meister werden. Nur weil ein gewisser Schreiberling bei EL SAQUE keine Ahnung von Fussball hat, erklären wir Kunzis Heimversager doch nicht plötzlich zu Titelaspiranten.“ Zumindest das von M. Power spendierte Luxushotel hat man dann aber doch dankend angenommen. Und Markert war positiv überrascht: „Man hat den Gestank der Mittelmäßigkeit vom OSP-Vereinsgelände im Hotelzimmer gar nicht mehr so richtig bemerkt, die Fenster waren Gott sei Dank gut abgedichtet.“
Vize-Herbstmeister – auch wieder so ein Titel, mit dem man sich eigentlich nur den Hintern abwischen kann. Und trotzdem ist die Begeisterung unter den Blanquiazules zurückgekehrt, nach langen Jahren des Wartens auf den Neustart des wohl beliebtesten sportlichen Wettstreits der Welt. Bedenkt man diese Begeisterung, sind Wettskandale eigentlich völlig nebensächlich. Was zählt, ist lediglich das, was am Ende der 90 Minuten auf dem Spielberichtsbogen des, je nach Wetteinsatz, mehr oder weniger Parteiischen steht. Zumindest präsentiert sich Hardkore in Liga 2 mittlerweile so armselig, dass man die Vorfreude auf einen angenehmen Punktelieferanten noch ein weniger
vir sich her schieben darf. Derzeit werden beide Aufstiegsplätze von den einzigen Nicht-Traditionsperuanern gehalten, die Liga zwei zu bieten hat. In Liga 1 steht derzeit hingegen nur ein Thema im Vordergrund: Die Copa Maratón de El Saque für den ausdauerndsten Schreiberling der Hinrunde. Und der Sieger ist: El GröTaZ, wer sonst!? Mit dem Pokal unter dem Arm ging es dann für den frischgebackenen Preisträger erst einmal auf die Toilette: Der zu Beginn aufgeführte, unter sensationellen Umständen gewonnene Titel wollte ja ebenfalls genutzt werden!
P.S.: Falls M. Power beim Gedanken an Dienstag schon die Hosen voll hat, helfen wir gerne aus.
Trotz zweier Auswärtsspiele hat Alianza den Marsch auf den Gipfel der Anden (in anderen Worten: die Tabellenspitze der Primera División) fortgesetzt und auf dem Weg dahin so manchen steilen Hang trotz heftigen Gegenwindes gemeistert. Eigentlich müsste also alles eitel Sonnenschein sein, wäre da nicht die Affäre Hardkore, die seit einigen Tagen das Land beschäftigt. Der ganze Skandal nahm seinen Anfang am 19. Oktober, einem wunderschönen Sommertag. Es hatte sich bereits herumgesprochen, dass Hardkore, Ex-Meistertrainer in der besten Liga der Welt, einen Tag später beim FBC Melgar seine Rückkehr in die wohlverdiente Zweitklassigkeit mit der Vertragsunterzeichnung besiegeln würde. Am selben Tag trafen sich Florian Markert und Jorge Tafur, Trainer des ebenfalls zweitklassigen Ex-Meisters Unión Minas, zu einer konspirativen Runde im Keller eines bekannten Weinlokals. Während nach übereinstimmender Aussage der beiden Beteiligten lediglich einige Flaschen Wein über den Tisch gingen, hat eine junge Kellnerin offenbar die Chance ihres Lebens gewittert und die exklusive Story an die größte Boulevardzeitung des Landes verkauft.
Dennoch: Die Inhalte der Vereinbarung waren bislang nicht veröffentlich worden. Ganz Peru hatte fleißig spekuliert und in Teilen der Bevölkerung war die Forderung laut geworden, einfach alle Beteiligten zu entlassen und lebenslang zu sperren. Dies hatte zu einigen unerklärlichen Todesfällen unter den größten jener Mahner und Hetzer geführt, für die bislang kein Verantwortlicher ausgemacht werden konnte - die Polizei musste zwangsläufig von tragischen, wenn auch seltsam gehäuften Unfällen ausgehen.
Nun stand also das Duell zwischen Unión Minas und dem FBC Melgar auf
das Programm, und die Erwartungen waren groß, wenn auch nicht unbedingt in sportlicher Hinsicht. Doch gerade letzteres trat schließlich ein: Mit 6:0 gewann die Heimmannschaft in Cerro de Pasco gegen die völlig ausgepumpt über den Platz schleichenden Melgar-Kicker. War hier Betrug im Spiel? Keineswegs, jedenfalls nicht so, wie Markert sich das neuesten Meldungen eben jenes Boulevardblattes zufolge vorgestellt hatte. Jene Kellnerin behauptet nämlich offenbar, Markert habe dem finanziell nicht eben auf Rosen gebetteten Zweitligisten eine horrende Geldsumme versprochen, damit dieser alle notwendigen Maßnahmen in die Wege leitet, Hardkore und dessen Team trotz offensichtlicher sportlicher Unzulänglichkeiten nicht nur gewinnen zu lassen, sondern dem FBC Melgar auch - unter Zuhilfenahme jeglicher erlaubter und unerlaubter Methoden - den Weg zurück in die Primera División zu ebnen. Dort, so die Spekulation, solle Hardkore zugleich als Zuschauerattraktion und als zuverlässiger Punktelieferant fungieren. Schließlich könne Alianza in Kenntnis der gegnerischen Schwäche Kräfte sparen und dennoch siegen, während die Konkurrenz aufgrund der Einschätzung, als Aufsteiger müsse der FBC Melgar ja Fussball spielen können, die erste Elf nach Melgar schicken und so wertvolle Reserven vergeuden würde.
Leider stand es jetzt aber 6:0. Wie konnte das sein? Hatte Jorge Tafur den Kollegen Markert eiskalt über den Tisch gezogen, mit dem ergaunerten Geld erstklassige Spieler gekauft und sich selbst in eine optimale Position für einen eigenen Aufstieg gebracht? Oder hatten die beiden ausgefuchsten Schlitzohren gar mit der neugierigen Kellnerin gespielt und absichtlich falsche Informationen gestreut, um die eigentlichen Ziele ihrer Vereinbarung zu vertuschen?
GröTaZ is back! Nachdem man Markert schon abgeschrieben hatte, nachdem er im Koks-Rausch vergessen hatte, einen Zeitungsartikel zu schreiben (obwohl er sich sicher war, dies getan zu haben), hat sich der beste, schönste und vor allem beliebteste Trainer der Welt mit einem wahren Paukenschlag zurückgemeldet. 4:1 auswärts beim Club San Marcos, der wie eine Kobra vor dem Mungo zitterte, dann ein 2:0 daheim gegen den Rekordmeister und Erzfeind aus der direkten Nachbarschaft (Trainer Adam Loser, der kleine Killer mit „a“, war am Boden zerstört, aber so what, shit happens halt…), und dann auch noch ein haushoher Sieg im Schneckenaugenwettessen gegen Butters, Adlem und Kunzi, die allesamt fleißig spachtelten und kauten wie die Weltmeister, während Cleverle Markert aufgrund seines breiten Grinsens nach den beiden Siegen die Schneckenaugen einfach nur ungekaut durch die Luke schmeißen musste.
Anstrengend wurde es erst, als Markert auf der Pressekonferenz nach dem Kollegen Juary gefragt wurde. „Wo stehen die denn in der Tabelle?“, fragte Markert zunächst noch in der Hoffnung, eine baldige Antwort zu bekommen. Doch sämtliche Reporter zuckten nur mit den Schultern. Also ging die Suche los. Angefangen bei
Kunzis Juan Aurich (erst einmal besiegt, keine Frage, von wem!), weiter über die Olimpicos und Alianza, vorbei an Fernando dem Unausprechlichen und Klein-Pepe mit den Hängeohren, ehe es dann richtig tief hinunter in die Niederungen der Tabelle ging. Schließlich kam es doch, das Loch am Boden des Fasses. Adam Loser, der kleine Killer mit „a“, lag mit dem Gesicht in einer feuchten Lache und schlabberte vor sich hin.
„Adlem, was machst du denn hier in der P…?“, fragte der fürsorgliche Hicks noch mit väterlichem Schulterklopfen, doch von Trost wollte der Versager des Spieltags nichts wissen: „Ich muss Buße tun, buahahaha!“, ging das Geschrei los. Schließlich fragende Blicke zwischen den Suchenden: „Juary ist nicht hier. Aber weiter runter geht es doch gar nicht… da gibt’s doch nur noch Hardkore und seine Bande! Und die spielen ja gar nicht bei uns mit. Zu schlecht…“ Ein Grinsen machte sich nun auch auf dem Gesicht von Cappe breit, der zuvor noch von Hicks ordentlich vermöbelt worden war: „Noch schlechter als ich? GEILLL…“
Nur der arme Juary, der blieb verschwunden. Vielleicht taucht er ja nächste Woche wieder auf…
Der beste Trainer der Welt hatte sich wieder einmal selbst übertroffen. Der Tabellenführer diente nur als Sparringspartner für die große blau-weiße Alianza-Elf, die sich nach zwei unbefriedigenden Wochen endlich wieder zu alter Größe aufbäumte und Juan Aurich mit sage und schreibe 3:0 aus dem Stadion fegte. Leider lässt die Tabellenführung noch auf sich warten, aber das kommt schon bald. Und dann ist die vierte Meisterschaft nur noch Formsache.
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Unterdessen hat sich Trainer Markert bereits den ersten Titel der Saison gesichert: Ein ungefährdeter Sieg nach knapp 7 Stunden begeisterndem Leistungssport machte ihn zum neuen peruanischen Meister im Stripclub-Pokern (kein Strippokern, sondern Pokern im Stripclub: Die Pausen machen den meisten Spielern ziemlich zu schaffen, da die Konkurrenz flöten geht, Anm. d. Red.). Mit KK war Markert All-in gegangen, während sein Gegner unter dem Druck des kleineren Stacks verzweifelt callte und Q8 aufdeckte. Der Dealer deckte zwar
zunächst Q78 auf, doch nach einem Buben fiel der entscheidende König, und Markert war wieder einmal die Nummer 1. Wer ihn kennt, weiß, dass ihn die knappe Niederlage mit exakt derselben Handverteilung bei den Stripclub-Pokerweltmeisterschaften von 2006 im neuseeländischen Cairns (Nordöstliche Nordwestinsel) noch immer im Traum verfolgt. Nun also die Revanche, und als Lohn gab es das Ticket zur 2009er Weltmeisterschaft gleich dazu. Man darf gespannt sein, ob Markert auch dort der Konkurrenz eine lange Nase drehen kann – auf dem Fußballplatz wird er bis dahin jedenfalls zweifellos wieder die unumstrittene Nummer 1 sein!
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Zum Abschluss aber noch ein paar treffende Worte vom Trainerstar selbst: „Ich glaube nicht, dass Hardkore (Trainer des zweitklassigen FBC Melgar, Anm. d. Red.) noch einmal gegen mich antreten wird. Selbst wenn der komische Kerl nochmal den Aufstieg schafft, wird er spätestens vor dem ersten Spiel gegen Alianza den Schwanz einziehen und zurück nach Hamburg flüchten!“
„Haben wir gewonnen?“, tönte es missmutig aus der Kabine der Gäste – es war die wohlbekannte Stimme des größten Trainers aller Zeiten, dem um die 62. Minute herum von dem uninspirierten Kick seiner Mannschaft übel geworden war. Käsebleich hatte Markert sich in die Katakomben verzogen und ward nicht mehr gesehen. Nun also diese Frage. Doch wie antworten? Der unselige Co-Trainer muss wohl die falsche Antwortmöglichkeit gewählt haben, denn man fand ihn Stunden später mit ausgeschlagenen Zähnen an einem Kleiderhaken zappelnd.
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Alianza bleibt also sieglos und steht nur deshalb nicht auf einem Abstiegsplatz, weil die anderen großen Hauptstadtclubs, allen voran Rekordmeister Sporting Cristal, noch viel schlechter sind. Und nun muss man auch noch gegen das sensationell gestartete Spitzenreiter-Trüppchen von Juan aus dem schleswig-holsteinischen Aurich antreten. Trotz der Tabellensituation wäre alles andere als drei Punkte für Alianza eine geradezu unvorstellbare Sensation. Markert tönte jedenfalls schon wieder gewohnt selbstsicher „Wir gewinnen 6:0“, während er auf einer Schlammcatching-Party mit
ansehen musste, wie der arme Universitario-Trainer Juary von zwei fast nackten, jeweils gut 130 Kilo schweren Bolivianerinnen in die Mangel genommen, zermalmt und wieder ausgeworfen wurde – um mit gequältem Gesichtsausdruck durch den Schlamm geschleift und als Sitzkissen für eben diese beiden Schwergewichte missbraucht zu werden. Angeblich auf eigenen Wunsch. Nun gut, jedem das seine...
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Während Markert noch nach dem Kellner suchte, um einen weiteren Drink zu ordnern, schlich Cappe fast ebenso mißgelaunt wie sein Kollege Juary von dannen – dem armen IMI-Trainer war soeben seitens der fetten Bolivianerinnen ein Autogramm an intimer Stelle auf die Haut – Cappes langjähriger Herzenswunsch – verweigert worden. Stattdessen hatte ausgerechnet Adlem aka. „tHa K!ll@“ (Perus häßlichster An-der-Seitenauslinie-Steher seit Nightwalker anno dazumal) die begehrte Trophäe abgesahnt – IGITT! Hoffentlich wird das Niveau nächste Woche endlich wieder besser, den auch dem bemitleidenswerten Redakteur der ARRIBA ALIANZA, nämlich mir, ist allein vom Aufschreiben kotzübel geworden… eine Runde Mitleid wäre jetzt angesagt.
Klirr! Schepper! Krkkkss… so manch eine Champagnerflasche hauchte an diesem legendären Tag, dem Tag von Copas Wiedergeburt, mit reichlich Lärm ungeöffnet ihr Leben und ihren Inhalt aus – an der Wand der Trainerkabine von Florian Markert, dem wohl besten Trainer aller Zeiten. Diesmal war seine Strategie nicht aufgegangen, und das führte zu einem spontanen Wutausbruch, wie ihn Peru lange nicht erlebt hatte. Die Wut hielt jedoch nicht lange an – das Publikum hatte Markerts Verärgerung beim Verlassen des Stadioninnenraumes offenbar gespürt und übernahm nun eindrucksvoll die Initiative: „GröTaZ! GröTaZ! GröTaZ!“ erschall es im weiten Rund des altehrwürdigen Estadio Alejandro Villanueva, wieder und wieder. Bald schlossen sich auch die Hunderttausende Fans vor dem Stadion an, die mangels Eintrittskarten am Radio und auf Leinwänden das Spiel verfolgt hatten. Schließlich konnte auch der Trainerstar seine Rührung angesichts dieser spontanen Rückendeckung nicht mehr zurückhalten. Die Wut war verflogen, die in der ersten Enttäuschung tatkräftig abgeblasene Copa-Comeback-Party kam nun ebenso spektakulär zurück wie Copa selbst gut 90 Minuten zuvor.
Minutenlang wurde der Trainer trotz des unglücklichen Punktverlustes seines Teams von den Fans gefeiert und Bier und Champagner gab es auf den Rängen en masse – auf Vereinskosten, versteht sich. Selbst Gästecoach M.Power musste seinem Gegenüber beeindruckt zu den besten Fans der Welt gratulieren. Übermütige Schlachtenbummler entwarfen währenddessen immer neue Schlachtgesänge angesichts der kollektiven
Glückseligkeit, und so ertönten neben dem klassischen „Alianza Olé“ und dem Hit aus dem letzten Meisterjahr „Campeón, Campeón, para siempre Campéon“ auch gänzlich unbekannte Gassenhauser. Besonders einprägsam schien der folgende Text zu sein: „Cappe, Cappe, Cappe, wir Ritter, ihr nur Knappe!“ Dämlich, keine Frage, aber der Stimmung durchaus zuträglich. So schallte es dann auch noch die ganze Nacht hindurch auf Limas Straßen, die Euphorie hat Perus Hauptstadt zurückerobert.
Ein ganz anderes Bild bot sich hingegen in Talara. Die ärmliche Landsiedlung, viele Hundert Kilometer vom Glanz der Hauptstadt entfährt, but ein Bild der Ruhe. Eselskarren fuhren ungehindert am örtlichen Sportplatz vorbei, auf dem der lokale Fussballclub IMI soeben vor zum Schluss nur noch 62 Zuschauern einen Auftaktsieg geholt hatte. Die mitgereisten Supporter des Gästeteams hatten angesichts der miesen Leistung ihrer Mannschaft längst verlassen, so dass in den zweiten Halbzeit das ohnehin triste Bild des alten Aschenplatzes noch eine Spur trister wirkte – und vor allem leer. Wo sonst 1.500 begeisterte Gästefans „Auswärtssieg, Auswärtssieg“ skandieren, herrschte gähnende Leere. Cappe, der neue Trainer der Heimmannschaft, wirkte leicht enttäuscht – da konnte auch der aufmunternde Klaps von IMI‘s Chancentod namens Marini nichts mehr retten. Und zu allem Überfluss begann es auch noch zu regnen – während in Lima die gleißende Sonne langsam dem Horizont entgegen zog und eine traumhafte Partynacht auf die überglücklichen Hauptstädter zukam.
3…2…1… meins! Peru ist zurück, das wichtigste, schönste, beste und beliebteste Fußballland der Welt feiert sein schillerndes Comeback auf der großen Copa-Bühne! Fans aus ganz Lateinamerika strömen bereits seit Tagen in Richtung des Estadio Alejandro Villanueva, wo am 13. Oktober 2009 die Wiederauferstehung der ganz großen Fußballkunst ihren Anfang nehmen wird. Sogar aus dem fernen Tadschikistan soll sich ein im positiven Sinne Verrückter mit einem selbstgebastelten Fluggerät auf den Weg über den Himalaya, die chinesische Luftüberwachung und den Pazifischen Ozean gemacht haben, nur um am Ende dabei zu sein. Die überwiegende Mehrheit der Fans ist jedoch bereits vor Ort, die Menschen campieren vor dem Stadion, die Hotels der peruanischen Hauptstadt verzeichnen Rekordzahlen. Nur der Gast, auch als Olímpico Somos Perú bekannt, hat den Braten nicht rechtzeitig gerochen. In der Erwartung eines ganz normalen
Auftaktspieles ist die Hotelbuchung durch den neuen OSP-Trainer M.Empty-Battery viel zu spät erfolgt (kein Wunder, den kolumbianischen Grottenkick, den er gewöhnt ist, will ja auch keiner sehen) und so haben die OSP-Kicker „leider“ keine Unterkunft mehr bekommen.
Aber weil Lima ja auch die Hauptstadt der großen Herzen ist, hat sich Alianza-Coach Markert, der GröTaZ mit dem unvergänglichen Ruhm, seines Rivalen erbarmt und einen Wohnwagen vor dem Stadion abgestellt, in dem die Spieler und der Trainer von OSP nun - völlig kostenlos - in der schönsten Stadt jenseits wie diesseits der Anden nächtigen können, ohne einen Einbruch der Leistungsfähigkeit vor dem großen Spiel befürchten zu müssen. Denn nichts befürchtet man bei Alianza mehr, als einen Gegner, der sich ohne Gegenwehr abschießen lässt und den Fans statt des erhofften Spektakels lediglich 90 Minuten Selbstbeweihräucherung im Gefühl des sicheren Sieges ermöglicht!
Wütende Fanproteste begleiteten am Wochenende das 0:1 von Alianza Lima bei Juan Aurich. Nicht nur der Sturz auf die Abstiegsränge hatte den Limaer Fans die Laune verhagelt, auch das Ende der Meisterschaftshoffnungen wurde sehr bedauert, zumal man bis dahin trotz der schlechten Tabellensituation noch Hoffnung gehegt hatte. Sogar Wurfgeschosse schlugen neben der Trainerbank ein. Florian Markert war anschließend stinksauer: „Ich kann ja verstehen, dass die Fans unzufrieden sind, aber solche Reaktionen sind dumm und kriminell, sowas ist man ja sonst nur von den Cristal-Fans gewöhnt..“ Nun ja, wer weiß, wen die Konkurrenz da eingeschleust hatte, vielleicht lag Markert mit seiner unterschwelligen Vermutung gar nicht so falsch.
Jedenfalls konnte der sonst so beherrschte Trainer – wohl auch aufgrund des extrem einschläfernden Spiels seiner Mannschaft – nicht widerstehen, die Wurfgeschosse auch seinerseits zu nutzen und besonders langsamen Spielern auf diese Weise „Feuer unterm Arsch“ zu machen! Gegen den Nachtwächter soll am Freitag die Wiedergutmachung folgen, doch die bisherige Überraschungsmannschaft der Liga gilt auch auswärts als extrem gefährlich. Hier wird sich zeigen, was Markert als Motivator noch wert ist. Denn bei einer Pleite dürfte die ohnehin schon problematische Stimmung in Lima in gewaltige Flächenbrände umschwenken, dann wird es auch für den an Anerkennung und Respekt gewöhnten Trainerstar kritisch.