Alianza befindet sich seit Wochen im freien Fall. Nur noch EIN einziger Sieg konnte aus den letzten SIEBEN Spielen geholt werden, und Sport Coopsol ist nun schon acht Punkte entfernt. Um nicht völlig zu verzweifeln, hat sich Alianza-Coach Markert einen neuen Zeitvertreib gesucht. Er sitzt bei unserem Quotennorweger im Lokal und zählt die Bläschen, die der Gärprozess auf der langsam (?) vor sich hin gammelnden Mettwurst hinterlässt. Und natürlich die Bläschen, die auf dem mittlerweile völlig schal gewordenen Bier verschwinden. Allerdings gibt es bei letzterem nicht mehr allzuviel zu zählen, die Bläschen sind eigentlich längst Geschichte. Warum es dennoch
spannend bleibt? Nun ja, durch den Verwesungsgeruch der Mettwurst werden Fliegen angezogen, diese ziehen wiederum Vögel an, und wenn die Vögel sich vollgefressen haben, werfen sie Verdauungsballast ab - und treffen dabei durchaus häufig mitten ins Bierglas. So wird neuer Treibstoff für eine sensationelle biochemische Reaktion erzeugt, der Fidjestöl sicherlich irgendwann einmal den Pullitzer-Preis, den Biologienobelpreis oder die goldene Himbeere für Perus schlechtesten Künstler einbringen wird. Und bis dahin sollte es Alianza auch mal wieder geschafft haben, ein Spiel zu gewinnen - vielleicht schaut der Cheftrainer Markert persönlich dann auch ab und zu wieder beim Training vorbei.
Für Alianza war es ein rabenschwarzer Tag. Die erste Heimpleite seit Jahren war nicht irgendeine, sondern das verlorene Schlüsselspiel einer ganzen Saison. Sport Coopsol hat sich so einen sehr anständigen, aber sicherlich viel zu geringen Vorsprung verschafft. Alianza hat hingegen den Nimbus der Unbesiegbarkeit verloren. Jetzt freut sich natürlich M. Power, denn OSP ist nun der logische Titelkandidat. Aber auch er könnte
sich zu früh gefreut haben, muss er doch gegen die derzeit auf Wolke sieben dahingleitenden Coopsolos ran. Da könnte sich dann wiederum Fernando Zezezaroszezesaros freuen, der eventuell doch vorne bleiben würde. Oder hätte er sein Pulver dann doch noch verschossen? Dies würde dann allerdings doch noch eine Chance für Alianza bedeuten. Wie man es auch dreht und wendet – die Liga ist wieder absolut offen! Gut so!
Bescheidenheit ist eine Zier, doch besser spielt man ohne ihr. Hätten sich Alianzas Kicker diesen leicht abgewandelten Spruch doch bloß (wie sonst eigentlich üblich) zu Herzen genommen. Stattdessen gabs ein 0:4 im Urwald gegen CNI, und so nebenbei ist auch die Tabellenspitze weg. Doch noch kann Alianza aus eigener Kraft den Titel verteidigen: Ein Sieg nächste Woche gegen den neuen Spitzenreiter Coopsol und alles ist wieder im Lot. Die Ausgangslage ist vielversprechend: Alianza hat die
größeren Reserven und tritt zuhause an. Alles andere als ein kräftesparendes Schonprogramm der Gäste wäre daher eine Überraschung – die obendrein beiden wehtäte. Denn dann wäre womöglich M(inimale) Power der lachende Dritte im Bunde. Und das will schließlich keiner. Also übt man in Lima schon fleißig Ehrenrunden, während bei Sport Coopsol die Verwendung von Taschentüchern und das Studium der Beipackzetteln von Antidepressiva ganz hoch im Kurs stehen.
Nachdem die Ausgabe 362 von ARRIBA ALIANZA versehentlich als (bereits zuvor erschienene Ausgabe) 361 und demzufolge Nr. 363 als Nr 362 herausgegeben wurde, kehren wir hiermit ins korrekte Nummernsystem zurück. Alianza Lima ist immer noch Tabellenführer der stärksten Liga Amerikas, und wird dies hoffentlich auch noch eine ganz Weile bleiben. Allerdings haben sich die beiden Nationaltrainerkollegen heimlich, still und leise wieder herangepirscht und sich nach einer kurzen Schwächephase zu ernstzunehmenden Rivalen zurückentwickelt. Bei den
Oddset-Wettern scheint sich diese Aufholjagd jedoch noch nicht herumgesprochen zu haben – dort liegt Alianza mit einer Wettquote von 2 zu 1 (50% der Stimmen) derzeit ganz vorne. Auf dem zweiten Platz liegt natürlich wieder… moment mal! Den zweiten Platz im Oddsetranking hält Virgen de Chapi, gefolgt von Coronel Bolognesi. Coopsol und La Peña folgen erst auf den Rängen vier und fünf. Ja spinnen die denn, die Oddsetter? Eine Woche haben sie noch Zeit, ihre Einschätzung anzupassen. Dann geht’s ans Eingemachte (auch als TK bekannt)!
Ein Name geistert derzeit durch die peruanischen Gazetten, der dem Leser eine völlig neue Welt eröffnet. Denn während Liu Xiaobo, der Influenza-Sybtyp A/H1N1, Modern Talking und der Alkalipegmatit-Komplex Illimaussaq bereits eine gewaltige Kennergemeinde hinter sich versammelt hatten, bevor diese Begriffe durch die Presse geschwemmt wurden, haben die meisten Menschen von einem Land namens „Argentinien“ noch nie etwas gehört (das gilt übrigens auch für die „Argentinier“ selbst, wie eine Umfrage ergab). ARRIBA ALIANZA hat natürlich keine Kosten und Mühen gescheut und einen Reporter in diesen weißen Fleck auf der Landkarte entsandt.
Der Argentinier an sich ist ein eher schweigsamer Geselle, die Eigenbezeichnung der Menschen lautet „Gauchos“, was soviel bedeutet wie „die Gräser kauenden“. Zumindest an dieser Stelle herrscht Gewissheit: Der Name kommt von den vielen Rindern, die dort leben. Sie dienen als hauptsächliche, wenn nicht sogar einzige Nahrungsquelle der Gauchos. Und da sich die Rinder nun einmal bevorzugt von Gras ernähren, wird dieses (im übertragenen Sinne) eben auch von den Gauchos selbst verspeist. Diese einseitige Kost hat natürlich ihre Spuren in der argentinischen Gesellschaft hinterlassen. Moderne Städte sucht man hier vergeblich, die wenigen befestigten Orte tragen seltsame Namen wie „Schöne Lüfte“ (ein Hinweis auf Verdauungsstörungen der Erbauer?), „Córdoba“ (der Begriff bezeichnet ein Cordon Bleu, das aber aus leicht verdorbenem Ochsenschwanz hergestellt wird, wie ein Gaucho stolz erklärte) oder „La Plata“ (argentinisch für „Die Platte“, unsere ostdeutschen Leser wissen sicher, wie die dortige Architektur einzuschätzen ist).
Die Sprache der
Eingeborenen ist ein weiteres Phänomen. Von Linguisten wird gerne die These vorgebracht, es handele sich um eine Mischung aus Spanisch und Italienisch. Woher diese Eingebung kommt, muss aber in Frage gestellt werden. Schließlich spricht der Durchschnittsargentinier nicht mehr als 23,7 Wörter im Jahr. Eine Schriftsprache existiert überhaupt nicht, zumal keinerlei Schulen existieren. Aus einer so kleinen und undokumentierten Stichprobe linguistische Thesen abzuleiten, erscheint zumindest gewagt.
Doch das schlimmste von allem, was unser Reporter dort erlebte, war der Geruch. Alles, aber auch wirklich alles in diesem Land riecht nach Kuhfladen: Die Häuser, die Straßen, das Wasser, die Luft, sogar der Atem der Menschen. Und nicht zuletzt auch die Fussbälle. Denn Fussball wird dort auch gespielt. Zwar nicht gut, aber doch mit Begeisterung. Da es für internationale Weihen in der Regel nicht reicht, bestreitet die Nationalmannschaft (nennt sich ebenfalls „Gauchos“ ihre Spiele in der Regel gegen die lokalen Rinder-Auswahl¬mannschaften oder hoffnungslos unterlegene Exoten. Zur Information die letzten drei Ergebnisse:
Gauchos gg. Rinderkoppel „Rosario X/23“ 6:0
Gauchos gg. “Kampfstiere Pérez y Hijos” 1:3
Gauchos gg. Neuseeländische Nordwestinsel 14 :1
Im Gespräch mit dem argentinischen Nationaltrainer Marcel Jähnig führte diese die überraschende Pleite gegen die Kampfstiere darauf zurück, dass die eigenen Spieler zuviel Angst gehabt hätten. Zumindest war unser Reporter geneigt, diese Interpretation vorzunehmen. Mehr als „Pérez? Voll große Hörner, ey Kacke!“ war dem Wortführer der Gauchos nicht zu entlocken. Vor diesem armseligen Haufen muss Perus internationaler Elite jedenfalls nicht Bange sein - die WM im nächsten Jahr ist gerettet!
Irgendwie läuft es derzeit ziemlich rund beim Perus beliebtestem Fußballclub. Sechs Siege und nur eine Niederlage, da ist selbst der GröTaZ sprachlos. Sogar gegen Butters gab es einen kinderleichten Sieg, da hatte man nun wirklich mehr Gegenwehr erwartet. Ist Peru tatsächlich auf dem Weg zur (von vielen gefürchteten) Operettenliga, in der Alianza Woche für Woche eine Show der Superlative bietet und alle anderen als Statisten dienen? Das kann nicht im Interesse der Blau-Weißen aus dem eleganten Stadtteil La Victoria sein. Alianzas Trainerlegende Florian Markert kündigte bereits an, man wolle lediglich 30 Punkte bis zur Winterpause
holen. Anschließend werde man sich darauf beschränken, den Vorsprung nicht kleiner werden zu lassen, um der Konkurrenz einen verzerrungsfreien Kampf um Platz zwei zu ermöglichen. Das folgende Augenzwinkern machte allerdings schnell klar, dass Markert damit nur einen Spaß gemacht hatte. Die Meisterschaft ist noch längst nicht entschieden, in der Vergangenheit ist es Alianza schon einmal gelungen, einen solchen Vorsprung in einer destaströsen Rückrunde noch zu verspielen. Der Trainer - damals wie heute - hieß Markert. An der Erfahrung sollte es also nicht scheitern, wohl aber an der Konkurrenz. Denn die ist in Peru so stark wie sonst kaum irgendwo in der Welt.
Kaum ist der grandiose Florian Markert aus dem Guerrilla-Taktiktraining im Nahen Osten zurückgekehrt, ist der Meister auch schon an die Tabellenspitze zurückgekehrt. Das Hamburger Unikum Hardkore war – im Gegensatz zum letztjährigen 5:5 in Lima – diesmal auf eigenem Platz zu schwach auf der Brust. Und auch gegen PillePalle gab es wieder den fest eingeplanten Sieg. Die neuen Taktiken scheinen also zu fruchten. Noch dazu geht im ganen Land die Stimmungskurve steil nach
oben, und dass, obwohl die WM verschoben wurde. Warum diese Euphorie? Nun, nach Jahren des Darbens scheint es, als sei Peru endlich international wieder in der Spitzengruppe angekommen. Alle vier Pokalteilnehmer werden die erste Runde wohl überstehen, Butters hat sogar noch eine weiße Weste – Glückwunsch dazu! Wenn das mal keine guten Vorzeichen für die WM sind, die Markert natürlich trotz wahrscheinlicher Verschiebung gerne als amtierender Meister angehen möchte…
Noch vor drei Wochen hatte alles auf eine weitere Platzierung im grauen Niemandsland zwischen Platz zwei und drei hingedeutet – und dann tätigte Butters etwas, was man gemeinhin als Griff ins Klo bezeichnet. Eigentlich ist sowas Klempnersache, für Butters war es Ehrensache. Und das gleich sechsfach. Ergebnis des kleinen Griffigkeitstests: Der GröTaZ war plötzlich wieder mittendrin statt nur dabei im Meisterrennen. Weiter vorne gab es nur noch DZR, den 25-PS-Trainerboliden mit dem komischen Namen. Domingo, kein schlechter Vorname für einen Sonntagsfahrer. Denn als solcher entpuppte sich DZR kurz darauf und kollidierte in Führung liegend in der vorletzten Kurve der Schlussrunde mit einer roten Laterne – autsch! Die rote Laterne blieb zunächst stark verbeult stehen, wurde ihren österreichischen Wurzeln (gute alte steirische Eiche) somit zwar vorübergehend gerecht, aber nur Sekunden später vom mit Vollgas vorbeiziehenden GröTaZ aus dem offenen Fenster umgesenst. Aus und vorbei, Licht aus! Zumindest das rote. Der blau-weiße Stern hingegen war soeben im Begriff aufzugehen.
Kein Wunder also, dass das Estadio Alejandro Villanueva bis auf den letzten Platz ausverkauft war, als der letzte, alles entscheidende Punkt her musste. Eine Niederlage gegen die drittplatzierten Pfefferminz-Bonbonlutscher mit Resten von Hackfleischbällchen auf den bekleckerten Trikots hätte den Absturz auf Platz drei bedeutet. Der GröTaZ hatte jedoch andere, standesgemäßere, kurzum: genialere Pläne. Er ließ seine Mannschaft einfach mal munter drauf los stürmen, das sogenannte Markertsche
0-0-10-System entfaltete seine volle Wirkung – da man glücklicherweise den Münzwurf um den Anstoss gewann. Andernfalls hätte das auch böse ins Auge gehen können.
Tat es aber nicht, denn immerhin 60% der Alianza-Angreifer trafen des Gegners Tor, was das Stadion in einen unglaublichen Rausch versetzte. Die besten (und meisten) Fans des Landes stürmten den blau-weißen Rasen, ließen die Spieler hochleben (einer sitzt immer noch auf dem Mond und wartet auf die Schwerkraft, die ihn eigentlich hätte zurückholen sollen) und bereiteten dem Trainer den Boden für einen Triumphzug sondersgleichen. Auf einem gigantischen Streitwagen aus purem Muchame (getrocknetes Delfinfleisch in dünnen Streifen, Anm. d. Red.) rollte er nach dem Abpfiff über die Prachtstraßen der Hauptstadt, während die Fans die Metropole Lima in ein blau-weißes Fahnenmeer verwandelten.
Zehn Jahre des Wartens auf die Meisterschaft sind vorüber. Zehn Jahre, in denen gezweifelt, gebangt und gehofft wurde. Endlich ist Alianza wieder da, wo der Verein hingehört: Ganz oben. An der Spitze der Fußballwelt.
Wie es nun weitergehen soll, da es nicht mehr weiter nach oben geht? Ganz einfach: Die Angst vor der Operettenliga hat einst eine große Tradition entstehen lassen, der man sich bei Alianza verpflichtet fühlt: Keine Titelverteidigung! Nie, unter keinen Umständen! Der Weg führt bei vollem Bewusstsein, mit voller Absicht und voller Bereitschaft zurück an den Ursprung allen Wartens, ins graue Mittelmaß, auf einen Platz irgendwo zwischen zwei und drei. Und in einen neuen Zyklus blau-weißer Herrlichkeit.
Mission „Top Kill“ war erfolgreich. Die Tabellenspitze liegt in Trümmern, während Alianza frohlockt. 6:1 beim Tabellenszeiten, 5:0 gegen den Spitzenreiter – kein Zweifel, es war ein besonderer Feiertag für die zahlreichen Fans des Traditionsclubs aus Limas Vorzeigestadtteil La Victoria, doch die Krönung wird ihm wohl verwehrt bleiben. Denn der neue Topfavorit, und das ist die eigentliche Überraschung des letzten Doppelspieltages, ist der Aufsteiger, der von dem Trainer mit dem komischen Namen trainiert wird. Doch während domingo zhait raez vom baldigen Meisterempfang träumt und ein am Boden zerstörter Butters seine klaffenden Wunden leckt, steht Florian Markert vor einer weitaus größeren Bewährungsprobe. Nämlich einer der menschlichen Art. Lange grübelt er, den Kopf in Dokumenten aus aller Welt verborgen, kritzelt
Zahlen auf Zettel, die er bald darauf zerreißt und erneut von vorne beginnt. Es nützt alles nichts, Perus Eliteklasse wird sich wieder einmal von zwei engagierten, motivierten und hoch geschätzten Kollegen verabschieden müssen. Das eigentliche Desaster ist ja, dass mit Universidad César Vallejo ein trainerloses Team in der Liga verbleiben wird. Lange sitzt Markert schweigend an seinem Schreibtisch. Schließlich fällt sein Blick auf die Ergebnisse des letzten Wochenendes. Doch es ist nicht die peruanische Liga, auf die sein Blick fällt. Ganz im Gegenteil, seine Gedanken wandern an einen weit, weit entfernten Ort. „Interessant, sehr interessant“, murmelt der GröTaZ, während er eine große 6 auf das vor ihm liegende Stück Papier malt, rot umkringelt und an die Pinnwand heftet. Und irgendwo in Peru springen in diesem Moment die Alarmlämpchen auf Rot.
Da hat man doch glatt gedacht, Platz drei wäre schon ganz gut. Und dann der Schock beim Blick auf den Spielplan: Beide Gegner am kommenden Wochenende sind besser platziert als Alianza. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird man in einem der beiden Spiele auf den nächsten peruanischen Meister treffen – Sport Coopsol dürfte sich schwer tun, den Titel noch zu verteidigen. Da man aber ganz offensichtlich das Zünglein an der Waage spielen darf, kommt der strategischen Entscheidung des GröTaZ diesmal eine wirkliche Bedeutung zu – weit entfernt von der üblichen Selbstberauschung (klar, ist halt ein geiles Gefühl) oder Frusterzeugung (um die Folgen der Selbstberauschung wieder abzumildern). Beide Kollegen sind in der Vergangenheit nicht gerade Engel gewesen –
Butters hat ohne echten Grund die grandiose „El Saque 2.0“-Audiokolumne in der Versenkung verschwinden lassen, und domingo zhait raez hat nicht nur einen komischen Namen, sondern auch die Frechheit besessen, sich als Aufsteiger einfach so an die Tabellenspitze zu begeben. Vielleicht muss man aber auch einfach eine strategische Entscheidung treffen, z.B. um sich 45 zusätzliche Punkte in einer gewissen Wertung zu sichern. Punkte, die man dringend braucht, um dem eigenen Selbstverständnis eine nachweisbare Grundlage zu verschaffen und so jedem Aspiranten auf den GröTaZ-Titel eine lange Nase zu drehen. Paul der Oktopus hat jedenfalls vorhergesagt, dass der neue peruanische Meister einer in Peru diskriminierten Minderheit angehört. Sollte das Weichtier etwa erneut Recht behalten?
Das kommende Fußballwochenende ist zum Einschlafen. Gegen den „Reserve“-Flo (der wahre trainiert ja bekanntlich Alianza) und den namenlosen, unsichtbaren Startrainer von der Uni César Vallejo muss man ran - nicht gerade große Fußballkunst. Aber was soll’s, man kann ja auch in der Vergangenheit schwelgen. Moment, Niederlage gegen Hardkore!? Und der Oktopus wusste es vorher - aaargh! Immerhin, das Besäufnis mit dem König von St. Pauli war
offenbar super, auch wenn Markert den Straßennamen am Ende wieder vergessen hatte. Filmriss sei Dank. Vielleicht schafft es Hardkore ja irgendwann auch noch mal, einen Zeitungsartikel zu schreiben. Ansonsten bereiten wir schonmal die Gratulation an den neuen peruanischen Meister vor. Und einen Brief an Butters.
PS: Für den schlechten Fitness-Test kann Fjodor Markov nix. Das lag am Meßverfahren. Das ist definitiv von vorgestern. Und aus dem Westen. Das konnte ja nix werden...
Platz zwei ist nicht das, was Alianza will. Nämlich zu schlecht. Und Platz zwei ist nicht das, was Alianza derzeit verdient. Nämlich zu gut. Also irgendwie nicht Fisch, nicht Fleisch, nicht einmal Butters. Und jetzt kommt auch noch das Spiel gegen Hardkore, den König von St. Pauli, gegen den man schon im Heimspiel nur einen Punkt holen konnte. Auswärts mehr erreichen? Ausgeschlossen! Es sei denn, Alianza schießt sechs Tore. Das allerdings, so ließ GröTaZ Markert auf der Pressekonferenz verlautet, sei ebensowenig seine Absicht. Schließlich sei das Ziel ja ein Platz im internationalen Geschäft, und nicht die Meisterschaft oder Hardkores Skalp. Oder PillePalle vom Platz fegen –
auch wenn das zuletzt erstaunlich viel Spaß gemacht hat. Vielleicht sollte man das doch öfter mal machen…
Statt sich also gegen Hardkore über die als sicher geltende Niederlage zu ärgern, die übrigens auch von Paul dem Oktopus vorhergesagt wurde, wird der gute Herr Markert sich durch seinen Co-Trainer vertreten lassen und stattdessen mit Hardkore in der Kneipe um die Ecke* verschwinden. Jaaa, auch Hardkore hat einen Co-Trainer. Sonst würde er wohl kaum so weit oben stehen. Das nennt man dann auch Maradona-Phänomen! *: Die Straßennamen hatte Markert leider gerade nicht parat. Aber er glaubt aussagegemäß nicht, dass das Wort Famagusta drin vorkommt.
Nun gut, der Trick mit dem Doppelschlag in der Anfangsphase ist gegen den Skisprung-König von Peru leider in die Hose gegangen. Zu zwei Treffern hat es zwar dennoch gereicht, vom Sieg war man aber ähnlich weit entfernt wie Eddie the Eagle von einer Olympiamedaille von der Großschanze. Es war aber auch clever gemacht von Fidjestöl. Statt, wie sonst bei Alianzas Gegnern üblich, die Räume in der Mitte eng zu machen, wählte er das klassische „V“ - vom Torwart aus nach außen und noch weiter nach außen, während die Mitte völlig verwaist war und Alianzas Spieler ihre Überlegenheit im Zentrum nicht zur Entfaltung bringen konnten. Der Ball bewegte sich nämlich stets entlang der Seitenlinien, um dann überfallartig in Richtung Tor gezogen zu werden. Zu dem Zeitpunkt hatten sich die blauweißen Verteidiger aber längst entlang der Eckfahnen positioniert, um die Flanken von der Grundlinie zu verhindern, die zu keinem Zeitpunkt von Fidjestöl geplant waren. Klassischer Fall von dumm gelaufen…
Der nächste Gegner kommt daher keineswegs zum richtigen Zeitpunkt: Während es in der Offensive ohnehin momentan nicht so
läuft wie gewünscht, kommt nun ausgerechnet die defensivstärkste Mannschaft der Liga ins Estadio Alejandro Villanueva. Union Huaral ist zwar „nur“ Aufsteiger, steht aber dennoch auf einem sensationellen dritten Platz. PillePalle scheint gute Arbeit geleistet zu haben, auch wenn er allgemein eher als Genußmensch denn als seriöser Arbeiter gilt. Daher kommt auch sein Name: Völlig zugedröhnt soll er in den Diskotheken der Hauptstadt etliche Exzesse auf und mit Barhockern erlebt haben, teils blutüberströmt inmitten von Scherben, ohne die Schmerzen zu spüren. Verglichen mit ihm wirkt Mike Tyson wie ein Stubentiger. Diesen Gegner gilt es zu stoppen, wenn möglich mit fairen Mitteln. Variante 1 darf man bereits als gescheitert betrachten: Der geplante akustische Höllentrip beim Einmarsch hatte eine funktionierende Silberscheibe vorausgesetzt, doch die Best-of-Modern-Talking-CD ist offenbar so verkratzt, dass man ebenso gut Markert selbst ans Mikro stellen könnte. Das ist dann zwar nicht minder grauenerregend, aber mit ziemlicher Sicherheit ein Fall für den Gerichtshof: Verstöße gegen die Menschenwürde sind selbst in Peru mittlerweile verboten.
Die 350. Ausgabe von ARRIBA ALIANZA musste unter denkbar schwierigen Vorzeichen geschrieben werden. Der Chefredakteur sitzt derzeit in einem nicht näher benannten Ex-Mitgliedsstaat des Warschauer Paktes in vorübergehender Einzelhaft wegen revolutionärer Umtriebe und konnte sich daher die dieswöchige Audiokolumne bislang nicht zu Gemüte führen. Daher muss auf eine unmittelbare Reaktion auf die dort mit ziemlicher Sicherheit geäußerten Anfeindungen verzichtet werden. Dies wird aber nachgeholt werden.
Nun zum Sportlichen: Alianza kann offenbar doch noch auswärts gewinnen. Mit einem erstaunlich lockeren 4:1 bei Coronel Bolognesi und den ersten überhaupt erzielten Toren auf des Gegners Platz hat sich Alianza mittlerweile auf Tuchfühlung an die Tabellenspitze herangeschlichen. Das Saisonziel bleibt dennoch „nur“ die Teilnahme am internationalen Geschäft, auch und vor allem weil La Peña eine in dieser Form lange nicht beobachtete Klasse bei
Effizienz und Effektivität verkörpert. Erschwerend kommt hinzu, dass das jungfräuliche Hundefutter, auch als Virgen de Chapi bekannt, an der Tabellenspitze einfach keine Fehler macht, zudem über eine bombensichere Defensive verfügt - und somit völlig verdient erstmals Herbstmeister geworden ist.
Im Anschluss an die schmerzhafte Heimpleite gegen Perus beliebesten Fußballclub hat pepe33 bereits einen halbdutzendfachen Racheakt am Saisonende versprochen, was in Lima ein teils besorgtes (v. a. Anwohner mit einwurfgefährdeten Schaufenstern), mehrheitlich jedoch eher höhnisches Presseecho hervorrief. „Soll er doch kommen und alles nach vorne werfen, er wird schon sehen, was er davon hat“, kündigte ein Fan lachend an.
Bis zur nächsten Woche soll dann auch der Genuss der Kolumne nachgeholt worden sein, und dann gibt es hoffentlich wieder echte journalistische Brisanz in der besten Liga der neuen Welt - und noch 350 weitere Ausgaben von ARRIBA ALIANZA!
Lediglich bei der Anzahl der Gegentore ist Alianza Spitze, ansonsten steht lediglich graues Mittelmaß zu Buche. Immerhin, mit dem 3:0 gegen den amtierenden Meister konnte man den eigenen Fans wieder einmal eine recht erquickliche Partie bieten, ehe man sich dann auswärts beim Ex-Meister OSP wieder die übliche hohe Klatsche abholen musste. Es ist ein ewiges Aus und Ab - tolle Spiele zuhause, während die Mannschaft auswärts die Hosen voll hat. Nun ist Markert gefordert, spätestens zur Saisonhalbzeit müssen ein paar kantige Typen her, die etwas Charakter in die Truppe bringen. Sonst dürfte wohl selbst das Erreichen der Copa Americana in diesem Jahr schon eine Herausforderung darstellen.
Leider kommen diesmal keine News aus Lima. Der Prozess bzw. das außergerichtliche, bislang noch stockende Vorgehen gegen die Kolumbianer fordert derzeit alle verfügbaren Ressourcen. Nächste Woche gibt es dann hoffentlich wieder neues vom GröTaZ und den Koksern, bis dahin: Noch ein schönes Wochenende, ein bißchen leckeres sonnengetrocknetes Delfinfleisch oder Meerschweinchen vom Grill, und gemeinsam mit guten Freunden Fussball genießen... was will man mehr!?