Was für ein Comeback! Was für eine Tragödie! Don Limòn ist Letzter. Mit einer Eleganz, die man sonst nur von einem Einkaufswagen mit kaputtem Rad kennt, hat er sich auf den letzten Platz zurückfallen lassen – und wirkt dabei erstaunlich entspannt. Eine Spurensuche
Offenbar hat der gute Mann den Kopf nämlich momentan nicht unbedingt beim Fussball. Gerüchten zufolge beschäftigt ihn seine Romanze mit Anna derart intensiv, dass selbst der Spielbetrieb (in der Liga; A.d.R.) plötzlich wie eine lästige Unterbrechung wirkt. Während die Konkurrenz um Punkte kämpft, schaut Don Limòn aus dem Fenster, lächelt verträumt und scheint gedanklich irgendwo zwischen AufStellungen, Champagner und Bitte nicht stören festzuhängen.
Und genau in diesem Moment kommt Maverick um die Ecke und brilliert, als hätte jemand heimlich den Schwierigkeitsgrad auf Weltklassetrainer gestellt. Angriff, Tempo, Glanz – während Don Limòn vermutlich gerade überlegt, ob man eine taktische Auszeit auch für romantische Angelegenheiten beantragen kann.
Noch besser: Roquo hat plötzlich den Weg aus dem Tief gefunden. Eben noch verschollen im fussballerischen Bermuda-Dreieck, jetzt wieder aufgetaucht und mit einem Gesichtsausdruck unterwegs, der sagt Hola chica, bailamos o follamos? Die Konkurrenz bekommt Schnappatmung, Roquo bekommt Punkte.
Und dann ist da noch Herbster. Er grinst. Einfach nur grinst. Dieses Grinsen
eines Menschen, der genau weiss, dass irgendwo gerade jemand anderes ins offene Messer läuft. Und wer könnte dieser jemand sein? Doch nicht etwa Don Limòn, der gerade versucht, seine romantischen Prioritäten mit der Tabellensituation in Einklang zu bringen.
Währenddessen erlebt Pepeke Guevara den vermutlich härtesten Arbeitstag seiner Karriere. Vor lauter Erschöpfung schafft er es nicht einmal mehr, einen Artikel zu veröffentlichen. Der Verleger schaut auf den leeren Bildschirm, Pepeke schaut zurück, und irgendwo im Hintergrund stirbt eine Tastatur leise den Heldentod. Mañana murmelt er. „Ganz bestimmt mañana.“ Dann fällt sein Kopf auf die Schreibtischkante.
Doch das eigentliche Drama kommt erst. Don Limòn steht vor dem Spiegel, betrachtet die Tabelle und erkennt: Letzter Platz. Dann betrachtet er seinen Terminkalender. Zuerst wieder ein verdammter Pate. Dann Santos Laguna. Und danach noch zu Tagträumer El Campeche. Dann schaut er wieder in den Spiegel.
Und plötzlich sitzt die Hose nicht mehr ganz so locker.
Nicht etwa aus taktischen Gründen. Eher aus jener Mischung aus Nervosität, Vorfreude und blankem Respekt, die entsteht, wenn man als Tabellenletzter zu einem Gastspiel reist und gleichzeitig versucht, emotional noch halbwegs auf der Erde zu bleiben.
Die Tabelle ist ein Trümmerfeld. Die Konkurrenz lacht. Die Romanze glüht. Und international läuft es für Mexiko prächtig! Viva México Cabrones!
Der Mörder ist immer der Gärtner, eine etwas in die Jahre gekommener Songtext von Reinhard Mey - die dem Protagonisten des heutigen Artikels noch schnell genug einfiel, bevor irgendjemand die Gartenschere auch nur gesehen hat. Wie reden auch nicht von Mord, sondern eher von Vandalismus. Und wenn in der mexikanischen Liga irgendetwas stirbt, dann die ist es wohl die Wahrheit. Frauengeschichten auf der einen, Voodoo und dunkle Mächte auf der anderen Seite - letztlich eine Menge Hirngespinste die nicht nur unterhalten, sondern zu immer neuen verbalen Ergüssen führen.
Aber kommen wir zurück zum Garten: Wer einst nicht mal Greenkeeper in der Arroganz-Arena in München werden durfte, der muss sich auch in Mexiko vom satten Grün fernhalten. Und Fußballplätze sieht er sowieso nur aus der Ferne. Auch Golf ist jenem untersagt der sprachgewandt in deutschen Landen lange eine Lachnummer, aber inzwischen (und
schon länger international) ein angesehener Experte ist.
Wie schlagen wir also die Brücke zurück nach Mexiko. Ganz einfach: Der hoch geschätzte (und selbst vielleicht überschätzte) Coach von Atlas Guadalajara El Campeche bringt Maverick als Verdächtigen ins Gespräch. Doch welches Motiv sollte der haben? Vielleicht die Hoffnung das er mit seinem kindischen Feuerzauber und Zerstörungsdrang doch noch bei Agent Dana Scully landen könnte? Wohl kaum. Wer mit dem Finger auf andere zeigt, der zeigt mit mindestens vier Fingern auf sich selbst. Doch wohin führen diese Fingerspiele? Am Ende noch zu Roquo auf die Couch (doch die ist aktuell noch anderweitig besetzt).
Vielleicht braucht man doch Hilfe aus good old germany - Anwalt und Streitschlichter Franz Obst soll am Flughafen der mexikanischen Hauptstadt gesehen worden sein. Bringt er El Campeche und Maverick an einen Tisch? Wie werden es erfahren.
Frau Anna war verschwunden, zumindest wusste niemand etwas über ihren Verbleib. Schweigen war oft die Antwort, wenn nach ihr gefragt wurde, Ein Schweigen, welches bei einigen Trainern mit einem wissenden Lächeln verbunden war.
fubini hingegen war die ganze Woche hinweg sehr umtriebig. Irgendwie ahnte der vierbeinige Freund des Fußballs, dass er einer ganz großen Sache auf der Spur war. Diese Sache hatte damit zu tun, dass Salz im Kaffee war und kein Zucker. Seit Tagen dachte er nun darüber nach, wie man Salz aus Kaffee wieder herausbekommen konnte - am Besten, ohne den Kaffee nachhaltig zu verändern.
Umkehrosmose? Verdampfen? Semipermeable Membranen? Endoplasmatische Ritikulen? Er lag auf seiner Decke
und dachte nach derweil auf etwas speckigem, aufgeweichtem kauend. Das speckige, aufgeweichte war wohl die Achillessehne eines Ochsen gewesen, aufgeweicht durch Hundespeichel, der sehr aggressiv ist. Allerdings nicht so aggressiv wie Katzenspeichel, der wirklich bösartige Infektionen hervorrufen kann und auch verantwortlich ist, für die Allergien, die manche Menschen gegen Katzen haben (es sind nicht die Haare, sondern der Speichel auf den Haaren!). Allergien sind ja auch so eine Sache, wenn man als Kind im Dreck gespielt hat, hat man weniger Allergeien und die Forschung hat just herausgefunden, warum das so ist und dementsprechend Dorfkinder weniger Allergien haben. fubinistellte fest, dass er ein wenig abgeschwiffen war. Was war noch die Frage?
Ursprünglich war eine reine Männerrunde mit Pepeke Guevara in Roquo's Praxis geplant, doch der Psychologe lud beide zunächst zu einem virtuellen Meeting ein, um die Spannungen vorab zu reduzieren.
"Herr Herbster, wie geht es Ihnen? Was macht Ihr Hund?"
"Unverändert, Herr Doktor. Die Schuldgefühle halten an. Mein fubini dümpelt wie immer im Untergeschoss herum. Sein Bauch zieht ihn runter, nur sein Pate ist noch schwerer als er."
"Wer ist sein Pate?"
"Ich weiß nicht, wer es ist. Nur, dass es aus Atlante kommt. Damals habe ich für einen guten Preis eine Patenschaft im Netz angeboten. Ich war jung und brauchte das Geld."
"Nun gut", fuhr Dr. Roquo fort "Herr Guevara, wie geht es Ihnen heute?"
Pepeke hatte seine Webcam aus und als er sein Mikrofon auf unmute stellte, war nur Schluchzen zu vernehmen. Keine Reaktion, kein Satz, kein Ton. Nur ein schwarzes Bild.
"OK, lassen wir das. Herr Herbster, ich habe mir überlegt, dass ich Herrn Guevara und Sie aktuell nicht gemeinsam in einem Raum therapieren kann. Er ist psychisch zu instabil. Sie wissen ja, dass ich am Freitag in Monterrey bin. Ich würde Ihnen gerne einen Hausbesuch abstatten."
Herbster beginnt sichtlich überrascht zu zittern. Ein Hausbesuch?!
"Ähm, wenn ich ehrlich bin: Ich habe Angst, dass Sie mir ein Ei ins Nest... ähm ich meine, dass Sie mich auseinandernehmen."
"Aber Herr Herbster, ich bitte Sie! Ich will doch nur Ihr Bestes!"
"Wirklich?"
"Aber natürlich! Ich komme doch nicht zu Ihnen, um bei Ihnen etwas zu
holen!"
"Sondern um mir etwas zu geben?" fragte Herbster.
"Selbstverständlich!" entgegnete Roquo.
Herbster sprach zu sich selbst: "Er will mir doch wohl nicht 3 Punkte schenken? Das kann ich nicht glauben. Warum sollte er das nach all' den Vorlesungen und der Kritik über mich tun?"
"Also gut, ich vertraue ihnen, Herr Doktor" entgegnete Herbster, wohl wissend, dass er innerlich komplett anders fühlte.
"Schön, dann also bis Freitag! Möchten Sie noch etwas sagen, bevor wir uns verabschieden, Herr Guevara?"
Zunächst wieder Stille, doch dann platze es aus Pepeke heraus: "DIESE MUTA PADRE HATTE ZERSTÖRT MEINE LEBE! TITEL WEG, FRAU WEG, ALLESE KAPUTT. NUR MEINE TEQUILA ISSE NOCH DA! ISSE WILL, DASSE SIE IHM AM FREITAG DIE OHRE LANG ZIEHE, HERR DOKTOR!"
Herbster war komplett versteinert und wurde kreidebleich im Gesicht, seine Angst vor Roquo wuchs.
"Beruhigen Sie sich, Herr Guevera. Wir alle haben unsere Päckchen zu tragen und ich werde auch Herrn Herbster seine Grenzen aufzeigen, die er bei Ihnen überschritten hat."
Diese Sätze trugen nicht im Geringsten dazu bei, dass sich Herbster besser fühlte. Im Gegenteil: Seine Schuldgefühle wurden dadurch nur mehr getriggert.
"Also die Herren, wir sehen uns. Bis Freitag, Herr Herbster!"
Ohne ein Wort des Abschieds und völlig paralysiert drückte Herbster auf den roten Knopf, verließ das virtuelle Meeting und sprach erneut mit sich selbst:
"Ich weiß noch nicht mal, ob ich ihn überhaupt reinlassen soll. Ich muss mich irgendwie vor diesem Freak schützen. Der macht mir meine komplette Saison kaputt..."
Nun wird es in Mexiko völlig irre! Wie bereits in Saison 43 von Weltklassetrainer Don Limòn prophezeit, spielt der Fussball nur eine beängstigende Nebenrolle in den Weiten der mexikanischen Steppe. Auch El Campeche - ehemals beflissener Reporter des runden Leders - konnte sich diesem Maelstrom nicht entziehen.
Um Abstand zu gewinnen, fuhr die attraktive Zitrone mit seinem decapotable bestens gelaunt und mit attraktiver Begleitung einfach mal raus aus der Stadt. Die Freude währte kurz, als erstmal eine Tanke angefahren werden musste. Die Freude währte kurz, als hinter der Zapfsäule ein Schrei erklang: "Schein-Student!“. Als hätte die attraktive Zitrone seine Trainerlizenz im Hörsaal gefälscht und die taktische Ausbildung zwischen zwei Prüfungen erfunden. Aber Don
Limòn blieb gelassen. Auf solche Luftnummern von Unwissenden geht er mit seiner herrlichen Frechheit ein: „Roquo nennt mich Schein-Student – und doch besteht seine ganze Fussballweisheit aus Scheingefechten.“
Roquo, steppenfürst Pepeke oder Herbster mögen also weiter ihre Schlachten ausrufen. Sie mögen marschieren, salutieren und den Sieg schon feiern, bevor überhaupt jemand den Ball berührt hat. Don Limòn tanzt derweil lieber aus der Reihe. Er stellt die Mannschaft richtig auf.
Und wenn am Ende einer fragt, wer denn nun eigentlich gewonnen habe, wird Limòn vermutlich nur lächeln. Mit Lachen die Wahrheit zu sagen – das ist eine Kunst. Don Limòn beherrscht sie. Und taktisch, so hört man aus Mexiko, beherrscht er noch eine zweite.Affaire à suivre
Guadalajara kommt nicht zur Ruhe. Nachdem die mysteriösen Verwüstungen auf dem Trainingsgelände von CD Guadalajara inzwischen FBI-Agenten, eine schwarze Katze und sogar einen ehemaligen Chemielehrer aus New Mexico auf den Plan gerufen haben, nimmt die Angelegenheit langsam Züge an, die selbst für die Primera División ungewöhnlich sind.
Atlas Guadalajara zeigt sich derweil erstaunlich kooperativ. El Campeche ließ verlauten, man habe selbstverständlich nichts gegen eine vollständige Aufklärung der Vorgänge. Sollte Walter Black bei seinen Untersuchungen Unterstützung benötigen, stelle man ihm gerne sämtliche verfügbaren Informationen zur Verfügung. Auch Pinky Jessman dürfe sich auf dem Trainingsgelände umsehen. Schließlich sei man bei Atlas an einer schnellen Lösung interessiert.
Allerdings gibt es einen kleinen Haken.
Je länger die Ermittlungen dauern, desto weniger scheint sich die Frage zu stellen, wer das Trainingsgelände verwüstet hat. Viel interessanter wird inzwischen, warum Maverick derart überzeugt davon ist, dass es El Campeche gewesen sein muss.
Mulder soll bei der Sichtung der bisherigen Aussagen bereits mehrere Fragezeichen auf seinem Notizblock hinterlassen haben. Scully hingegen soll darauf bestanden haben, zunächst die Fakten zu betrachten. Das Problem: Die Fakten geben bislang nicht besonders viel her. Ein verbrannter Mittelkreis, ein mysteriöses A, ein zerstörtes Tor, Hundehaare und eine Katze. Dazu Mavericks persönliche Gewissheit.
„Das ist schon interessant“, soll Mulder gesagt haben. „Wir haben einen Tatort ohne Täter, aber einen Zeugen, der den Täter bereits vor Abschluss der Ermittlungen
kennt.“
Scully habe daraufhin nur langsam genickt.
Besonders aufmerksam wurde man, als Maverick seinen Verdacht erneut mit einem „schlechten Verlierer“ begründete. Dummerweise öffnet diese Theorie in der mexikanischen Liga ein ziemlich großes Feld. Nach kurzer Durchsicht der Tabelle und einiger vergangener Ergebnisse dürfte der Kreis der möglichen Verdächtigen inzwischen ungefähr so groß sein wie die Teilnehmerliste der Primera División.
El Campeche jedenfalls bleibt gelassen. Sein Alibi sei weiterhin wasserdicht, heißt es aus dem Umfeld von Atlas. Angeblich habe er zum fraglichen Zeitpunkt nichts Verdächtiges getan, sondern sich lediglich mit Fußball beschäftigt. Ein Umstand, der in Guadalajara mittlerweile fast schon verdächtiger wirkt als die schwarze Katze.
Unterdessen soll Walter Black seine Untersuchungen aufgenommen haben. Pinky Jessman assistiert, Mulder beobachtet und Scully zweifelt. Eine klassische Arbeitsteilung.
Und irgendwo dazwischen sitzt El Campeche, schaut sich das Schauspiel an und fragt sich vermutlich, wann aus einem zerstörten Trainingsplatz eigentlich eine internationale Ermittlungsaffäre geworden ist.
Vielleicht liegt die Lösung am Ende tatsächlich irgendwo auf diesem Gelände.
Vielleicht unter dem Rasen.
Vielleicht im FBI-Wohnmobil.
Oder vielleicht ist der größte Hinweis die Tatsache, dass ein 5:4-Derbysieg offenbar noch Wochen später für mehr Gesprächsstoff sorgt als alles, was auf dem Fußballplatz danach passiert ist.
Willkommen zur Fortsetzung unseres Hauptseminars. Nach den jüngsten Wortmeldungen und Geschichten können wir nicht einfach zum nächsten Thema übergehen, sondern müssen den Diskurs vertiefen und das Phänomen sezieren, das die Fakultät ratlos zurücklässt: Das kollektive Münchhausen-Syndrom der Primera División. Vielmehr denn je reitet die Konkurrenz auf selbst gegossenen Kanonenkugeln durchs Geschichten-Unterholz und stellen sich alle doch irgendwie gleichzeitig die Frage nach der Realität.
Musterstudent Herbster (CF Monterrey): Wälzt sein Voodoo-Gewissen samt Ehe-Zerstörungs-Trauma auf meinen Schreibtisch ab. Doch man muss den Hut ziehen: An ihm erkennt man die wahre Schönheit des Münchhausen-Prinzips. Seine meisterhaften Geschichten machen das Liga-Leben lebenswert. Man verliert sich völlig im Ungewissen: Hat er das wirklich so erlebt, existiert dieser Stuhlkreis oder schwankt alles längst zwischen Wahn und Wirklichkeit? Wenn Fiebertraum, dann so.
Melodramatiker Pepeke Guevara (UANL Tigres): Reitet die größte Münchhausen-Kugel! Statt sein zurück liegendes sportliches Desaster auf Platz 18 einzugestehen, welches aber womöglich doch nur ein bloßes Luftholen ist, inszeniert er am Küchentisch 100 Jahre Einsamkeit und beweint die entflohene „bezaubernde Popoke“. Schuld sind natürlich Tinder und Voodoo-Puppen, bloß niemals taktische Unfähigkeit.
Gasthörer fubini (Santos Laguna): Kaut mit schlechten Zähnen auf der Häkeldecke an meiner Logik herum. Sitzt er wirklich wimmernd im Eckkörbchen, oder flieht er als Vierbeiner vor der Realität des Abstiegskampfes?
Schein-Student Don Limón (Pachuca CF): Presst aus jeder Zitrone eine Meister-Lover-Mär. Gibt es das Penthouse überhaupt, oder tippt sich da bloß einer sein Wunsch-Universum zusammen? Man, man, man…
Sonderfall Maverick (CD Guadalajara): Ein klinisch faszinierender Fall
fortgeschrittener Münchhausen-Paranoia. Um die eigene sportliche Ohnmacht zu verdrängen, flüchtet er kopfüber ins bewusst unbewusst reale und fiktionale Drehbuch: Da werden FBI-Agenten ins Wohnmobil zitiert und mir Schizophrenie attestiert. Bevor er also zugeben muss, auf meinem Platz beim 0:2 schlicht leer ausgegangen zu sein, erfindet er eben lieber ein ganzes US-Kartell. Puh…
Insgesamt folgt daraus aber insbesondere die übergreifende erkenntnistheoretische Kernfrage, die in vielen Artikeln angerissen wird:
Was, wenn hier absolut gar nichts real ist? Vielleicht ist unser Trainer-Nicht-Können immer nur ein kollektives Hirngespinst, die Tabelle eine reine Fata Morgana und selbst Don Limóns Heimsieg gegen uns bloß eine flüchtige Zahlen-Illusion? Denn sollte Don Limón auf eigenem Rasen tatsächlich alle Punkte behalten haben, beweist das nur: Münchhausen-Märchen funktionieren eben manchmal. Aber nur für genau 90 Minuten.Denn damit zur größten Horror-Vorstellung für die geschätzten Kollegen: Was, wenn am Ende weder die bezaubernde Popoke noch die heißblütige Anna Karma Limonetta real sind, sondern nur Trugbilder aus Herbsters Voodoo-Kessel?
Gut, dass hier das Ende des heutigen Seminars erreicht ist und diese existenzielle Frage gleich vor Ort geklärt werden kann. Herbster hat es ja völlig richtig erfasst: Mein Schreibtisch im Institutsbüro bietet reichlich Platz für eine vertiefte Einzelsitzung mit Anna. „Anna, wo bist du? ... Wo ist meine Liga? ... Mexiko, Popoke, Anna, gibt es euch überhaupt? ... Stehen hier echte Ergebnisse, oder liest die Liga einfach nur begierig meinen eigenen Kontrollverlust und verlorenen Realitätsbezug mit? ... Geht das echt so schnell in Mexiko?“
Die schwere Eichentür des Institutsbüros fällt ins Schloss, der Duft von Limetten und Tequila liegt plötzlich im Raum, und mit einem leisen Klacken von Absätzen nimmt die Einzelsitzung ihren Lauf…
Noch immer sind die seltsamen Brandmale auf dem Spielfeld von CD Guadalajara sind weiter Gegenstand wilder Spekulation und ernsthafter Untersuchungen. So haben die FBI-Agenten angeregt einen ehemaligen Chemielehrer aus New Mexiko zu konsultieren. Walter Black soll noch am heutigen Freitag mit einem geräumigen Wohnmobil und seinem ehemaligen Schüler und Assistenten Pinky Jessman in Guadalajara eintreffen. Ein Crossover erfüllt ja selten die Erwartungen aber dennoch erhoffen sich Mulder und Scully weitere Erkenntnisse.
Inzwischen muss sich Maverick auch ernsthafte Fragen gefallen lassen was US-Bundesagenten schon Wochen in seinem Umfeld zu suchen haben. Doch da die hiesigen Behörden genug eigene Probleme zu haben scheinen, lässt man ihn wohl auch weiter gewähren. Immerhin war man bei der Stadtpolizei so gütig und hat dem Lokalrivalen mal einen Besuch abgestattet, doch El Campeche hat wohl ein wasserdichtes Alibi (Taschenbillard?) und langweilte die Beamten mit seiner Schilderung des Derbysiegs vom ersten Spieltag. Seinem Verdacht das ganze Theater sei das Werk eines schlechten Verlierers erweitert den Kreis der Verdächtigen nur unnötig auf nahezu die gesamte Trainerschaft der Primera Division.
Unterdessen versucht man sich andernorts mit Küchenpsychologie die Geschmeidigkeit des Pumas zu bewahren. Doch das gelingt bestenfalls so mittelmäßig. Zumal man immer bedenken sollte: Sein Umfeld zu analysieren und zu therapieren könnte ein Indiz für wahre Schizophrenie sein. Und nur weil man unter Verfolgungswahn leidet, heißt es nicht das sie nicht wirklich hinter einem her sind.
Wenn man die Zeitungsberichte aus Torreon aufmerksam liest kommt einem vielleicht der Gedanke das der größte Vorteil des Hundes ist das er sich seine eigene Bälle lecken…..Lassen wir das lieber, viel interessant ist der Geruch von Totem Nager. Nun nicht unbedingt appetitlicher aber ein Indiz auf ein ganz anderes Tier. Wer ist denn der Jäger der Nagetiere? Doch nicht unserer treuer Begleiter der Hund, nein, das deutet doch viel mehr auf eine Katze hin. Womöglich eine schwarze Katze. Gut, in Mexiko gehen die Uhren in vielerlei Hinsicht anders aber das Hunde eigentlich Katzen sind das wäre des Guten dann doch ein wenig zu viel.
Es können unmöglich nur Zitronen sein, die dem Übungsleiter aus Pachuca de Soto
zu Kopf gestiegen sind. Vielmehr muss man davon ausgehen das er zwischen seinen Liebesspielen und der Taktiktafel einen exzessiven Verzehr von Obstsalat betreibt. Vertrauenswürdige Quellen berichten von verschiedenen Sorten von Melonen, Beeren in allen Farben des Regenbogens, Äpfel, Birnen und Kartoffeln. Ja Kartoffeln sollen dem ganzen den letzten Pfiff geben. Die Kombination lässt eher befürchten das man nach dem Verzehr aus dem letzten Loch pfeift und sich dann mangels Sauerstoff im Gehirn für einen Startrainer hält. Gut, dann ist ja alles doch einigermaßen plausibel.
Auf die Couch begeben hat sich Herbster in Monterrey. Er ging wohl davon aus sich in den besten, zumindest aber in guten Händen zu befinden und plapperte munter drauflos. Das die immer wiederkehrende Frage "Und wie fühlen sie sich dabei?" klang als würde sie von einem Tonband abgespielt, fiel ihm überhaupt nicht auf. Im Rückblick ist es seltsam das sich dieses Tonband immer im richtigen Moment zu Wort zu melden schien. Doch Realität, Wunschtraum und Fiktion verschwammen immer mehr und auch hier, wie so vieler Orts war es der Name Anna der der kleinsten gemeinsamen Nenner zu sein scheint. Wie bestellt lief im Autoradio: "Immer wenn es regnet, muss ich an Dich denken, wie wir uns begegnet sind, kann mich nicht ablenken, nass bis auf die Haut, so standst Du da, um uns wurde es laut und wir kamen uns nah…"
Ob der Tiger nach dem Absturz ans Tabellenende zahm geworden ist. Oder lahm oder gar zahnlos? Es wäre einfach auf das Schlusslicht verbal einzuprügeln aber zum einen ist die Saison noch sehr lange und was man leichtsinniger Weise als Regenwolken deuten würde, sind eher die dunklen Mächte die sich beim Tiger erneut sammeln damit dieser einmal mehr wie Phoenix aus der Asche aufsteigen kann um dann nicht nur den Erstsemestern im Psychologie-Studium sondern allen Fußballexperten Mexikos zu erklären: Es war nie Selbstmitleid, es war vielmehr das Sammeln der natürlichen Ressourcen um einen Sturm vom Zaun zu brechen, wie in die Liga noch nie gesehen hat. Hütet Euch vor den Krallen des Tigers, den auch er ist letztlich nur eine überdimensionierte Katze.
Sie halten diese Geschichten für ausgedacht? Da muss ich Sie enttäuschen; so oder so ähnlich haben sie sich in Mexiko Anfang September 2026 zugetragen.
Von unserem Korrespondenten, der Taschentücher jetzt kistenweise ordert ¡Ay, Dios mío! Was ist geschehen mit dem Mann, der noch letzte Woche fluchend und weinend auf dem Beifahrersitz seiner eigenen Tequila-Flasche das Herz ausschüttete? Das Studenten-Derby gegen die UNAM Pumas ist längst Geschichte, doch was zurückblieb, ist schlimmer als jede Niederlage: Schweigen. Pepeke Guevara, der Tiger vom Küchentisch, hat aufgehört zu fluchen, und das, amigos, ist ein schlechteres Omen als jedes Gegentor. Der amtierende Meister dümpelt weiter auf dem letzten Tabellenplatz, während sein Trainer sich in sein Haus zurückgezogen hat wie ein verwundetes Tier in seine Höhle.
Doch während einer schweigt, jubelt ein anderer: Don Limon, dessen Selbstverliebtheit so grenzenlos scheint wie die Weite der Sierra Madre, feiert sich selbst unter dem gnadenlosen Himmel Mexikos. Gut, dass wenigstens für einen die Sonne scheint, während andere
im Schatten verglühen. Und Herbster, dieser puta madre! Der einst so Beschuldigte, der Pepekes Ehe auf dem Gewissen haben soll, beginnt nun selbst eine Psychotherapie. Gewissensbisse, sagt man. Echte Reue oder nur ein weiteres Kapitel seiner Scheinheiligkeit? Das Volk von Monterrey trauert.
Dann, wie aus dem Nichts, wie ein Wirbelwind aus vergangenen Sünden: Señora Limonetta betritt die Bühne und wirbelt alles durcheinander. Kehrt die bezaubernde, Popoke denn noch zurück? Nach diesen Gerüchten? Gerufen von diesem Aufruhr? Deren Lachen einst die Regenzeit von Monterrey um Wochen verzögert haben soll, der die Männer auf der Straße innehalten ließ, als hätte die Stadt selbst für einen Atemzug den Verstand verloren. Und Roquo, dessen Therapiestunde sich füllen wie die Regenwolken vor dem großen Unwetter – gibt er sein Trainerdasein endlich auf? Monterrey weint und Pepeke Guevara schwört sich 100 Jahre Einsamkeit.
In Guadalajara gab es vier Gegentore und reichlich Anlass für schlechte Laune. Gegen Monterrey tat Tlaxcala danach etwas überraschend unmexikanisches: kein Drama.
Ein Tor reichte. 1:0. Fertig.
Keine grosse Wiedergutmachungsshow, kein wildes Antwortspiel, kein „Jetzt erst recht“ für die Galerie. Tlaxcala behandelte die 0:4-Klatsche einfach wie einen schlechten Restaurantbesuch: bezahlen, gehen, nicht wieder darüber reden.
Das Resultat ist deutlich angenehmer als jede Pressekonferenz: drei Punkte, zu null, Wochenende gerettet.
Manchmal ist Fussball eben erstaunlich unkompliziert.
Beim Schlusslicht Tigres blieb die Offensivküche komplett kalt: 0:1. Eine Runde später wurde offenbar nachgekocht – Pachuca bekam beim 5:0 gleich fünf Gänge serviert.
Wer nach dem Tigres-Spiel schon den Feuerlöscher holen wollte, durfte ihn gegen Pachuca wieder einpacken. Plötzlich lief alles: vorne fünf Treffer, hinten nichts – und aus Frust wurde binnen einer Woche ein kleines Fußballfest.
Mit zwölf Punkten bleibt Tlaxcala mitten im Gedränge um die Spitze. Viel Luft nach oben, gewiss. Aber nach diesem 5:0 gilt vorerst: Die Küche ist wieder offen.
Noch immer hat Herbster mit den psychischen Folgen seiner Voodoo Attacke auf Pepeke Guevara zu tun. Neben dem schlechten Gewissen, ihm sportlich geschadet zu haben, plagen ihn weiterhin Schuldgefühle, für das Eheaus im Hause Guevara/Guevarez verantwortlich zu sein. As diesem Grund nahm er kürzlich den ersten Termin in der Psychotherapie-Gruppensitzung wahr.
"Was ist das denn für ein Feini?" fragte der Psychologe.
"Das ist mein fubini. Er bekommt von mir seit einem Jahr nur Erdbeerkuchen und Milch. Seitdem haben sich seine Zähne jedoch arg verschlechtert. Stumpf sind sie geworden, leicht verfault und er hat einen Kugelbauch bekommen." erzählte Herbster leicht depressiv aber mit einem Lächeln.
"Vielleicht sollten Sie darüber nachdenken, seine Ernährung umzustellen. Von dem, was Sie erzählen, scheinen die negativen Folgen offensichtlich." entgegnet der Psychologe.
Im Stuhlkreis sitzen auch noch andere Teilnehmer:
- Ein Mann der aussieht wie eine Zitrone
- ein älterer Herr namens claudinos
- eine Frau Anfang 30 mit aufgespritzten Lippen und Silikonbrüsten
"Also: Mein Name ist Roquo. Warum sind Sie heute hier?" begann der Psychologe die Vorstellungsrunde.
claudinos: "Ich habe letzten Freitag 4:5 verloren und jetzt bin ich depressiv."
Zitrone: "Mein Name ist Don Limòn. Ich bin der beste Trainer der Welt, aber irgendwie stellt sich der Erfolg nicht ein."
Herbster: "Ich habe jemanden verflucht und habe jetzt ein schlechtes Gewissen."
Roquo hakt ein: "Herr claudinos und Herr Limòn, das tut mir leid. Wir sind hier aber nicht beim Sportpsychologen. Bitte machen Sie ihre Probleme mit sich selber aus oder suchen Sie einen Kollegen auf. Schönen Tag noch."
Er notiert in seiner Akte:
- claudinos ist eine Heulsuse
- Don Limòn ist ein Großmaul
"Herr Herbster, was ist genau passiert?" will Roquo wissen, bevor er sich der Frau mit den aufgespritzten Lippen und den Silikontitten widmet.
"Ich habe eine
Voodoo-Puppe von jemandem anfertigen lassen. Danach kam Unheil über ihn und seine Frau hat ihn verlassen. Ich habe immer noch Schuldgefühle." entgegnet Herbster.
Plötzlich äußert sich die Dame: "Mein Name ist Anna Karma Limonetta de la Tequila. Habe ich eine Mann kennengelernt, auf die treffe zu wasse Du sage!"
Roquo entgegnet: "Danke für den Einwurf, Madame Limonetta. Worum geht es bei Ihnen?"
"Diese Mann. Hatte er mich gefunde bei Tinder und habe wir gehabte wilde Sex auf Fruhstucks-Tische in die Küch. Habe iche mich verliebt in die Mann aber er lasse mich immer wieder falle und behandele mich wie eine Stuck Dreck. Und immer wenn er mich hatte gefickt, fange er an su heule."
Herbster hat ein ungutes Gefühl in der Magengrube. Zu sehr hört sich diese Story bekannt an. Er hat eine Vermutung. Nicht nur wird ihm ein kleines bisschen übel, auch seine Schuldgefühle verstärken sich.
"Haben Sie zufällig ein Bild von ihm?" will Roquo wissen.
Anna Karma Limonetta zögert.
"Nennte er sich ViagraTigre bei die Tinder." sagt sie und hält dem Psychologen zögerlich das Profilbild ins Gesicht.
Weil Herbster direkt neben Roquo sitzt, sieht er das Bild und hat nun Gewissheit: Es ist Pepeke Guevara! Wieder Stiche in der Magengrube und ein Würgereiz machen sich breit. Der Psychologe spürt, was bei Herbster los ist und unterbricht die Sitzung:
"Wissen Sie, Madame Anna Karma Limonetta de la Tequila. Mit Ihnen ist nichts falsch. Sie sind eine wunderschöne, attraktive Frau, die es verdient, geliebt zu werden."
Limonetta fühlt sich von Roquo's Worten geschmeichelt und beruhigt sich, während der Psychologe fortfährt:
"Ich denke, es wäre am besten, wenn Sie Herrn ViagraTigre sagen, dass er bitte in unsere nächste Gruppensitzung kommen soll. Wir führen das hier als Männergruppe weiter. Sie notieren mir bitte ihre Nummer auf dem Patientenbogen. Wir führen Ihr Anliegen als Einzeltherapie weiter. Ich habe übrigens einen großen Schreibtisch in meinem Büro."
Absolutes Trainerass, begnadeter Egozentriker, wissbegieriger Philanthrop, potenter Lover. Don Limòn lässt einfach nichts aus. Und nebenbei managt er auch noch einen Fussballverein aus Pachuca de Soto, während er in seinem Penthouse Besuch von Anna erhält...
Don Limòn, der heissblütige Weltklassetrainer in Mexiko, sorgt derzeit gleich auf mehreren Spielfeldern für Schlagzeilen! Auf dem Platz zeichnet er sich wieder als Taktikgenie aus: Mit mutigen Pressingfallen, klugen Wechseln und einem System, das selbst seine Gegner ratlos macht, bringt er die Fans zum Toben.
Abseits des Rasens wird es allerdings komplizierter. Zwischen Training, Pressekonferenzen und nächtlichen Taktikbesprechungen beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit der charismatischen Anna, deren Begehren pepeke guevara schlicht nicht zu befriedigen wusste. Beide wissen, dass
ihre Romanze besser geheim bleiben sollte – was sie natürlich nur spannender macht. Don Limòn geniesst derweil seinen Erfolg und kann sich kleine Spitzen gegen seine Trainerkollegen nicht verkneifen. "Manche brauchen neunzig Minuten, um einen Plan zu finden", spottet er, "andere schaffen es immerhin bis zur Halbzeit."
Seine Schnippigkeit sorgt für Schlagzeilen und hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Allen voran vor dem Schlagerspiel beim Studentenverein von Roquos Gnaden. Anna sorgt sich bereits, dass Don Limòn bereits Ausschau nach jüngeren Studentinnen hält. "Dos tetas tiran más que dos carretas!", grinst der Weltklassetrainer. Ist Anna Don Limòns heimliche Glücksbringerin – oder wird diese heisse Romanze am Ende zum grössten Eigentor seiner Karriere? Affaire à suivre...
Wenn man alleine auf seiner Hundedecke liegt und seinen Gedanken freien Lauf lässt und dabei nicht von Bällen, geworfenen oder am Körper hängenden, abgelenkt wird, kommt es dazu, dass man die Vergangenheit analysieren, die Gegenwart betrachten und das ganze Gemisch dann in die Zukunft fortsetzen kann.
Genau dieser Dreiklang wurde aktuell von zwei Lebewesen in Mexiko durchgeführt.
Anna, zugegeben nicht auf ihrer Hundedecke, sondern auf der Decke, die sie für die Verlängerung ihres Abonnements der "Häckelrevue" erhalten hatte, sinnierte über ihr Abenteuer mit Pepeke, intensiv, abwechslungsreich aber trotzdem langweilig. Als ob man einen leckeren Gin-Tonic vor sich hat, hergestellt aus einem guten Gin, wilde, aufregende Botanicals im Geschmack, dazu ein sehr passendes Tonicwasser, vielleicht mit herben Kräutern, zwei Eiswürfel und eine kleine Gurkenscheibe - und dann hat das Tonicwasser keine Kohlensäure mehr. Die Gegenwart war auch nicht besser, sie lag schließlich alleine auf einer Decke, die mehr Löcher hatte, als Garnstreifen, aber was sollte man von einer Decke der Häckelrevue auch erwarten, hatte keinen Gin-Tonic und nicht mal einen Pepeke, oder wen auch immer. Projektion für die Zukunft? "Scheissland, diese Voodoo-Suppe mit all den Flüchen, Zitronen, Schamanen kann mir mal gestohlen bleiben, ich wander aus. Irgendwohin, wo es weniger mumpitzig zugeht."
fubini lag tatsächlich auf einer Hundedecke, der säuerliche Geruch eines
verwesenden Nagetiers lag lecker in der Luft, zufrieden zuckten die Mundwinkel. Aber irgendwie war es nicht wie immer. Was war anders? Santos am Tabellenende, wie gewohnt. Kugelbauch, auch noch da. Graue Haare, die inzwischen die Mehrzahl bildeten, auch hier keine Veränderung.
Philosophie von Rocky, ja gut, das ist schon schräg, zumal nicht nur lieblos zusammengeschustert, sondern auch von falschen Voraussetzungen ausgehende mit ziemlich hanebüchener Pseudologik zu erschütternd unwertvollen Phrasen kommend. Akte X in Guadeladingsbums. Das war natürlich auch eine Geschichte, geheimnisvoll, aufregend, schöne Frauen, männliche Typen, Rätsel ohne Auflösung, Cliffhanger at it's best. Vielleicht lag es daran, vielleicht kam das komische Gefühl hierher.
Die Urinal Tigres immer noch auf ihrem Feldzug gegen herbster, nur weil dem Trainer jetzt mal kurz die Frau weggelaufen ist. So hübsch oder jung oder willig oder gut kochend oder aufräumend oder gute Schamanin war die jetzt auch nicht.
Moment: Schamanin! fubini fiel vor lauter Aufregung die Rute in den Wassernapf. Da war etwas, eine dunkle Erinnerung, die sich durch seine caninen Gehirnwindungen wucherte, ein Gefühl, dass es früher einmal anders war, weniger.. ja was eigentlich? Weniger unten, mehr oben, aufrecht, auf zwei Beinen.
Na klar, früher war ich gar kein Hund!
Aber es ist eine Sache, zu wissen, dass man Salz statt Zucker im Kaffee hat. Das Salz wieder rauszubekommen ist eine ganz andere Geschichte.
Schluss mit der grauen Theorie des Grundstudiums. Ab heute wird im angewandten Hauptseminar der UNAM scharf geschossen! Wer braucht verstaubte Lehrbücher, wenn die geschätzte Primera División ihre pathologischen Gutachten im Wochenblatt frei Haus liefert? Unsere klinische Bestandsaufnahme nach den jüngsten Ausbrüchen offenbart den puren Irrsinn:
Patient Guevara (UANL Tigres): Weint sich im Tequila-Delirium die Augen aus dem Kopf, verflucht Herbster, trauert der entlaufenen Popoke hinterher und taumelte mit einer zerschossenen Abwehr zu uns ins Studenten-Derby. Diagnose: Akute Belastungsstörung mit hysterischer Realitätsflucht
CSI Guadalajara – Maverick (Chivas) & El Campeche (Atlas):Maverick ruft nach Agent Mulder und Scully, weil verbrannter Rasen und eingestürzte Tore sein Trainingsgelände zieren. El Campeche schiebt alles trocken auf schwarze Katzen und schlechte Verlierer. Diagnose: Manischer Verfolgungswahn mit akuter X-Akten-Neurose
Patient Herbster & Spürhund fubini:Herbster bekam von seinem eigenen Vierbeiner die Karma-Quittung in die Hand, schwört dem Friedhofs-Voodoo ab und verteilt Küsse. Währenddessen verwechselt fubini weiter Bälle mit Knochen und leckt sich ratlos durchs Tabellenende. Diagnose: Schuldwahn-Psychose mit manifester
Hunde-Abhängigkeit.
Patient Don Limón (Pachuca CF): Verwechselt Fußball mit einem düsteren Science-Fiction-Kammerspiel. Ausgerechnet der, dessen saure Säfte das Chaos angerührt haben, wundert sich über die „abstoßende Brühe“ der Liga! Diagnose: Narzisstische Persönlichkeitsstörung l
Befund der jüngsten Therapiesitzung auf dem Platz (ZAT 4):
Die Radikalkur im Studenten-Derby war ein voller Erfolg! Wir haben Guevaras Tigres mit einer satten 5:0-Schocktherapie bedacht und den amtierenden Meister damit direkt auf den letzten Tabellenplatz befördert. Und das vorherige 0:5 bei Atlas Guadalajara? Ein reines methodisches Experiment zur Erforschung von Frustrationstoleranz
Selbsterfahrungs-Protokoll: Was wäre ein echtes Psycho-Seminar ohne die finale, schonungslose Selbsterkenntnis? Der Dozent blickt in den Spiegel und muss zerknirscht feststellen: Am Ende sitzt Roquo doch im exakt selben mexikanischen Gummizellen-Karussell! Und sollte die therapeutische Erfahrung hier auf dem Platz wider Erwarten doch mal nach hinten losgehen? Dann war's selbstverständlich kein sportlicher Einbruch, sondern eine rein präventive, pädagogische Intervention zur gezielten Stärkung eures Selbstwertgefühls. Man tut eben, was man kann für die Liga-Hygiene! Bis zur nächsten Sprechstunde ... äh Vorlesung!
Die Aufregung in Guadalajara scheint noch immer groß zu sein. Nach dem jüngsten Bericht von CD Guadalajara über mysteriöse Verwüstungen auf dem Trainingsgelände wird nun offenbar fieberhaft nach dem Schuldigen gesucht. Und natürlich fiel dabei erneut der Name El Campeche. Ein Schelm, wer dabei an das verlorene Derby denkt.
Atlas Guadalajara weist sämtliche Anschuldigungen selbstverständlich zurück. Weder Feuer im Mittelkreis noch aufgespießte Früchte oder das mysteriöse „A“ am Elfmeterpunkt seien Bestandteil einer offiziellen Vereinsfeier gewesen. Auch mit dem Zusammenbruch des Tores habe man nichts zu tun. Man sei
schließlich Fußballverein und keine mexikanische Abteilung von „CSI: Guadalajara“.
Interessant bleibt allerdings die rabenschwarze Katze auf der Trainerbank. Sie soll laut Augenzeugen äußerst selbstbewusst aufgetreten sein und anschließend spurlos verschwunden sein. Bei Atlas kennt man das Tier ebenfalls nicht. El Campeche wollte sich dazu nicht äußern. Nur ein Mitarbeiter soll trocken bemerkt haben: „Nach einem 5:4-Derbysieg laufen in Guadalajara eben manchmal die Katzen herum.“
Die Ermittlungen laufen. Beweise gibt es bislang keine. Aber einen Verdächtigen haben sie immerhin schon gefunden: den schlechten Verlierer.
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