Was soll da noch kommen? Die Luft ist raus nach dem Highlight der Saison und wenn man ehrlich ist, ist die Saison jetzt auch vorbei. Erst recht, nachdem sich die Belle Etage der mechikanischen Primera División am Tag der Rache nochmal ordentlich den Helm verbogen hatte.
Alle waren sie zur großen After-Show-Party gekommen: Dr. Roquo, Don Limòn und natürlich auch Popoke und Pepeke, die nach ihrer Wiedervereinigung endlich wieder Hand in Hand in der Öffentlichkeit auftraten. Herbster trug fubini in der Brusttasche seines Pullovers und auch der sah zufrieden aus. Lediglich Maverick und El Campeche blieben der Veranstaltung fern. Berichten zufolge kochten die beiden ihr eigenes Süppchen, statt sich am reichhaltigen Buffet des Veranstalters zu laben.
Nachdem der offizielle Teil inkl. der Reden vorbei war, ging es endlich zu den Feierlichkeiten über und alle waren sich einig: Heute lassen wir es so richtig krachen! Die Saison ist im Grunde gelaufen: Don Limòn hatte bereits im Forum angekündigt, aufgrund des zu schweren Spielplans keine Ambitionen mehr auf den Titel zu hegen und wenn man mal ehrlich ist, dann hat das trainerlose Team von Estudiantes Tecos die Meisterschaft sowieso am meisten verdient. Kein Heimpunktverlust und bereits 9 Auswärtspunkte - sowas gibt es eben nur in Mechiko!
Hinter den Kulissen wurde es zu vorgerückter Stunde richtig wild:
Herbster lud Popoke auf ein paar lustige Bilder in den Photo-Booth ein und packte ihr dabei an ihre dicken Möpse. Just in dem Moment stolperte auch Pepeke, arg angeschossen von mehreren Tequila, in die Box und konnte sich vor lauter Lachen nicht mehr auf den Beinen halten. Die Folge: Ein flotter
Dreier, bei dem die verrücktesten Bilder entstanden. Pepeke hatte sein Gesicht vor Popoke's Pflaume und sang "Ich hab' ein knallrotes Gummiboot" während der kleine fubini aus Herbster's Pullover ein Schild mit der Aufschrift "Aber bitte mit Sahne" hochhielt. Zu allem überfluss kam auch noch Don Limòn dazu und gröhlte "ICH BIN EINE WELTKLASSE ZITRONE, LASS MICH DA MAL REINSPRITZEN!".
Doch als Pepeke liebes- und erfolgstrunken von seiner Rache zu einem Dreier-Zungenkuss mit Herbster und Popoke ansetzen wollte, war eine Grenze überschritten und Dr. Roquo sah sich gezwungen einzugreifen:
"Ich habe das Geschehen auf dem großen Monitor im Publikum beobachtet. Ich finde es herzerwärmend, dass sie alle Spaß haben, aber ich denke, soweit sind sie alle psychisch noch nicht. So ein Tag wie heute kann viel Liebe verbreiten und uns alle zusammenbringen, doch alte Wunden brauchen Zeit um zu heilen. Auch wenn der Alkohol sie alle zu Höchstleistungen anspornt, sollten sie sich damit vielleicht noch etwas Zeit lassen."
Durch die natürliche Authorität vom Starpsychologen ließen sich die losgelösten, einstigen Rivalen besänftigen, doch ihrer Glücksgefühlen nicht berauben. Gemeinsam schlenderten sie zu viert Arm in Arm, torkelnd in Richtung Hotel, um diesen gelungenen und denkwürdigen Tag zu beenden.
In wieweit sich diese ausschweifende Feier auf die Trainingswoche und die anschließenden Spiele auswirken würde, war zur Stunde noch unklar. Das einzige was den Beteiligten jedoch auch im komplett alkoholisierten Zustand bewusst war, war dass die Saison mit dem heutigen Tag gelaufen war.
Der Trainer unserer Lieblingsmannschaft, der erfolgloseste Erfolgstrainer der Welt, der leicht Hundeäugige fubini konnte gar nicht so viel essen, wie er kotzen wollte. Nach all den Voodoo, Schamanenzaubern, Zitronen und Tequila-Orgien stellen die beiden sich hin und sabbern sich gegenseitig ins Ohr, wie sehr sie sich schätzen, mögen, lieben. Schwarzwaldklinik zwischen Cancun und Kartell.
Gut, dass es noch andere in der Liga gibt, die diese abgeschmackte Inszenierung durchschauen. Es geht nur um ein einlullen der Gegner, nur aus diesem Grund gab es diese infame Komödie. Die beiden Spießgesellen, deren Namen nicht mehr
genannt werden, werden in Zukunft nur noch als A-Hörnchen und B-Hörnchen bezeichnet. Oder nein, Pat und Patachon. Die drei unlustigen Zwei. Hubert und Staller. Fick und Foxi. Schnaps und Cola. Lexi und Fixi. Tee und Rum. Regen und Hagel. Ist aber auch egal, am Ende der Saison wird eh keiner mehr über Klaus und Klaus reden, sondern nur noch über die Spitzenleistung des erfolglosesten Erfolgstreiners der Welt, des freundelosen fubini, der vom Tabellenende bis in die internationalen Leckerli-Töpfe vorstürmt um dann seine Erfolglosigkeit im internationalen Geschäft auszuleben.
Hoffentlich gibt es dann keine Artikel wie diesen mehr...
Im brodelnden Hexenkessel der Liga MX sorgt Don Limòn einmal mehr für Schlagzeilen. Doch diesmal stehen nicht taktische Meisterleistungen oder spektakuläre Tore des Weltklassetrainers im Vordergrund, sondern ein verbaler Schlagabtausch, der selbst die hitzigsten Pressekonferenzen in den Schatten stellt.
Der selbsternannte Druide der höheren Macht - Weltklassetrainer Don Limòn hat gesprochen – und seine Worte treffen wie ein Freistoss aus dreissig Metern mitten ins gegnerische Gemüt. Auslöser der jüngsten Eskalation war eine wenig schmeichelhafte Bemerkung seines Trainerkollegen Herbster. Dieser hatte Don Limòn kurzerhand als arrogante Zitrone betitelt. Eine Bezeichnung, die beim temperamentvollen Weltklassetrainer von Pachuca CF offenbar für ordentlich Säure im ohnehin schon angespannten Verhältnis sorgte. Statt die Kritik mit einem souveränen Lächeln und einem philosophischen Schulterzucken zu quittieren, holte Don Limòn verbal zum Gegenschlag aus.
"Herbster soll sich lieber um seine eigenen Baustellen kümmern, statt fremde Früchte zu beurteilen. Nicht umsonst ist er das schwarze Schaf seines Clans, der nichts auf die Reihe kriegt. An Erfolglosigkeit nicht zu überbieten!", liess der geheimnisvolle Taktikmagier durchblicken. "Schliesslich ist nicht jede Zitrone sauer, nur weil dem Gegenüber der Geschmack fehlt. Von der Limette ganz zu schweigen", lächelt Padrón Don Limòn.
Ein Satz, der in den Katakomben für Gelächter sorgte, bei Herbster jedoch weniger Begeisterung auslöste. Die Fehde zwischen den beiden Fussballstrategen entwickelt sich damit zunehmend zu einem Nebenwettbewerb, in dem nicht Tore, sondern bissige Sprüche die Tabelle bestimmen. Die pathetische Inszenierung in Monterrey beäugt man im Norden DFs weiterhin mit Argusaugen. "Das geht mir alles zu schnell. Eine echte Schmierenkomödie!", höhnt der
Weltklassetrainer.
Während die verbalen Zweikämpfe weitergehen, gerät beinahe in Vergessenheit, worum es eigentlich geht: el fútbol. Und gerade dort bleibt die Saison äusserst spannend. Woche für Woche verschieben sich die Kräfteverhältnisse, vermeintliche Favoriten stolpern über unerwartete Hindernisse, während Aussenseiter plötzlich zu ernsthaften Anwärtern auf Ruhm und Ehre avancieren. Jeder Punkt zählt, jeder Fehler kann entscheidend sein und jede Partie birgt das Potenzial für eine Überraschung.
"Si, es verdad. Auslöser dieser verrückten Saison bin ich als Weltklassetrainer selbst. Statt mit einem gierigen - und äusserst erfolglosen A2 A2 in die Saison zu starten, hätte ich mit der A4 bei den Studenten aus Tecos für ruhiges Fahrwasser sorgen können" , so der - im Zentrum des Universums kreisende - Weltklassetrainer Don Limòn.
In diesem unberechenbaren Umfeld könnte Don Limòn seine aussergewöhnlichen Fähigkeiten als Druide der höheren Macht tatsächlich noch unter Beweis stellen. Denn grosse Trainer zeichnen sich nicht allein durch markige Worte aus, sondern vor allem durch kluge Entscheidungen, taktische Flexibilität und die Fähigkeit, ihre Mannschaft im entscheidenden Moment über sich hinauswachsen zu lassen. Ob der Fussballalchemist in Pachuca diese Kunst beherrscht, wird sich auf dem Rasen zeigen.
Auf internationalem Parkett hinterliess Don Limòn jedenfalls schon mal eine süssesaure Duftmarke bei den Rowdies. Auch Maverick hat noch alle Chancen, während pepeke guevara zwar im Hintertreffen liegt, doch als angeschossener Tiger am gefährlichsten ist. Allen Mitstreitern hierbei viel Glück! Auf dass Mexiko in der CONMEBOL-Wertung bald dort liegen möge, wo es auch hingehört! Auch Herbster, der aufgrund seiner beschränkten Fähigkeiten noch eine Woche Pause geniessen durfte, wird nächste Woche wieder ins Geschehen eingrifen. Suerte!
Von unserem Korrespondenten, der seit dem 9. Oktober seiner Freundin nichts mehr zu beichten hat
Es gibt Tage, an denen eine Saison ihren Höhepunkt erreicht. Und es gibt den neunten Oktober. Ehrlich gesagt müsste die Spielzeit hier enden: Pokal überreichen, Flutlicht aus, alle nach Hause. Alles danach ist bloß Nachspielzeit.
Der Grund: Pepeke Guevara hat seine Popoke wieder am Frühstückstisch! Die Tacos mit grünscharfer Soße haben endlich wieder einen Abnehmer, die Tequilaflasche darf zurück ins Regal, und die Taschentücher gehen an die Wohlfahrt. CF Monterrey? Abgefrühstückt. Mit Guacamole, ohne Zitrone, dafür mit der viel beliebteren Limette in Mexiko.
Das ganze Land ist außer Rand und Band. Jede Stadt in Mexiko benennt Monumentales nach diesem Tag, in Torreón trägt sogar ein ganzer Platz den Namen: Plaza de nueve de octubre, inklusive Gedenktafel. Alle Hunde der Stadt jaulen „Viva el nueve de octubre“ himmelhoch bis in die Morgenstunden.
In Mexiko-Stadt hat es der Tag bereits in den Studentenslang der Autónoma geschafft: Wenn die Freundin den Seitensprüngen ihres Freundes mit gleicher Münze heimzahlt, heißt es nur noch: „Ich hab diesem Hijo de puta un nueve octubre gemacht.“
Und in Monterrey wurde ein neuer Feiertag ausgerufen: „El Día de la Venganza“. Einmal im Jahr wird nun am 9.10. mit Wohlwollen Gerechtigkeit gesucht, ganz nach dem Motto „wie du mir, so ich dir“. Der Bürgermeister der Stadt lud dazu zwei Männer auf die Plaza de la Justicia: Herbster vom Stadtklub CF Monterrey und Pepeke Guevara aus dem nahe gelegenen Nuevo León. Die Security trug vorsorglich Schutzwesten und Hundekekse. Dann trat der Bürgermeister ans Mikrofon, strahlte in die Menge und bat die beiden Streithähne um ein paar Worte. Herbster räusperte sich als Erster.
Trainer Herbster trat ans Rednerpult:
„Liebe Bürgerinnen und Bürger von Monterrey! Ich stehe heute hier, blasser als sonst, aber mit geschwellter Brust. Wir feiern den Tag der Rache, und ich muss gestehen: Ich habe da etwas Erfahrung. Pepeke und ich verbindet eine lange Geschichte aus Flüchen, Hundehaaren und
sehr viel Zitronensaft. Ich habe darüber viel Schlaf verloren, er viel Tequila. Ich gebe zu, einen Hund als Spion einzusetzen, war moralisch fragwürdig. Und die Nackenfalte als Versteck für die Kamera war auch keine Glanzidee. Ich habe gelogen und integriert. Nur eine Sache bereue ich wirklich: dass ich dabei erwischt wurde. Und natürlich ein Gruß an den Starpsychologen Roquo, der bei dieser ganzen Sache zugeschaut, zugehört und zahlreiche Sitzungen mit mir abgehalten hat. Du hast mir stundenlang genickt und ‚Interessant, erzählen Sie mehr‘ gesagt. Ich weiß nicht, ob du mich geheilt hast, Roquo, aber deine Rechnungen waren jedenfalls das Einzige in dieser Saison, das pünktlich eingetroffen ist!“
Herbster neigte seinen Kopf zu Pepeke Guevara, wendete seinen Körper leicht zu ihm, streckte die rechte Hand in seine Richtung und sagte:
Zum Schluss möchte ich sagen, wer einen so würdigen Gegner wie dich hat Pepeke, braucht keine Freunde mehr. Mein lieber Freund und Kollege, ich reiche dir die Hand.
Pepeke ging auf ihn zu, sein Blick inzwischen sehr angetan von der Rede und umarmte ihn. Nahm sein Hand und hielt sie gemeinsam mit seiner in den Himmelhoch. Die Menge jubelt. Dann trat Pepeke ans Rednerpult:
„¡Ay, mis queridos ciudadanos de Monterrey! Ich danke euch, dass ihr mich eingeladen habt. Der Tag der Rache, ¡qué bonito! Ein Tag, an dem man endlich sagen darf: Was du mir antust, tu ich dir auch an. Ich hab geweint wie ein Wasserfall, hab mit der Tequilaflasche gesprochen, und immer mit Bild von meine Frau geredet! Aber jetzt ist meine Popoke wieder da, und ich bin ein glücklicher Mann, un hombre feliz.
Y ahora, mi amigo`erbster, schau mich an. Du hasse meine Abwehr zerlegt, meine Herz wie Nachts zerbrösssselt, und Hund Fubini als Spion eingesetzt, ¡cabrón! Pero, weißt du was? Ohne dich, diesse Derby wäre wie eine lahme Hund. Du bisse mi größter pendejo, pero mi pendejo, ¿entiendes? Komm her!
Sie umarmten sich wieder.
Ein Mariachi spielte, man hörte jemanden singen. Strophen wie aus einem psychologischen Lexikon. Ein Kind weinte, und irgendwo in der Ferne bellte leise, aber hörbar, ein sehr zufriedener Fubini.
Maverick hat es angekündigt: Die Verhältnisse in Guadalajara seien wieder klargestellt, das Gleichgewicht in der Stadt hergestellt. Und tatsächlich konnte CD Guadalajara das zweite Derby der Saison für sich entscheiden. Glückwunsch dazu – Atlas Guadalajara ist schließlich ein großzügiger Verlierer. Zumindest so lange, bis der nächste Spieltag kommt.
Doch kaum war der Derbyjubel verklungen, nahm die Geschichte eine Wendung, die selbst Franz Obst nicht auf dem Zettel gehabt haben dürfte. Ein Glas, eine mysteriöse Flüssigkeit und ein Maverick, dem plötzlich alles andere als zum Grinsen zumute war. Spülmittelgeschmack, Übelkeit und ein schwarzer Schatten unter dem Tisch: Die schwarze Katze scheint ihre eigene Vorstellung davon zu haben, wann in Guadalajara wieder Ruhe einkehren darf.
El Campeche weist vorsorglich jede Beteiligung zurück. Wir hätten zwar durchaus Gründe, Maverick nach seinen großen Worten vor dem Derby ein wenig den Geschmack zu verderben – aber wir sind schließlich Sportsleute. Außerdem wäre es geradezu unsportlich, wenn
der Rivale nach einer Niederlage gegen Atlas auch noch mit seinem Getränk kämpfen müsste. Moment … das Derby hat ja CD Guadalajara gewonnen. Na gut, dann eben aus reiner Höflichkeit.
Besonders bemerkenswert bleibt Mavericks Aussage, man habe dafür gesorgt, dass Atlas nicht weiter beflügelt durch die Saison reite. Offenbar hat man dabei nicht mit der Ausdauer einer schwarzen Katze gerechnet. Die hat sich jedenfalls nicht an die Pressekonferenz gehalten und scheint ihre eigene Nachbesprechung angesetzt zu haben.
Wir hoffen natürlich, dass Maverick rasch wieder vollständig auf die Beine kommt. Die Saison ist noch lang, international geht es weiter, und für weitere Pressekonferenzen sollte er sich seine Getränke künftig vielleicht selbst öffnen.
Das Gleichgewicht in der Stadt mag vorerst wiederhergestellt sein. Aber solange schwarze Schatten unter Tischen auftauchen und Gläser plötzlich verdächtig schmecken, bleibt eine Frage offen:
Hat Maverick das Derby gewonnen – oder nur die nächste Folge einer Geschichte, die er selbst längst für beendet hielt?
Was war das nicht für eine Woche... immer weiter wurde der schräge Bogen aufgespannt. Für sie, für uns, für den Plot.
Und nicht nur das: blicke ich in die Zeitung der Primera División und entdecke, wie meine eigene Projektion zur direkten Wahrnehmung wird: „Roquo, der Starpsychologe von den Pumas, zückt interessiert sein Notizbuch…“
Und was passiert nicht noch alles. Da presst Don Limón seine sauren Pachuca-Limonen in klebrige Limonade für die Massen, während die Fehde zwischen Herbster und Pepeke endgültig in den Bereich der Wahnpathologie abdriftet.
Genauer: Nach dem leicht unterkühlten 5:6 des Hinspiels fliegen hinterher erst einmal gar keine Bälle mehr. Stattdessen bewerfen sich zwei erwachsene Trainer lieber mit parfümierten Briefkuverts, fingierten Liebesbeweisen und verletztem Stolz.
Dazu: Monterrey schickt geruchsintensive Botschaften mit Jasminnote, die Tigres wetzen die Krallen im Tequila-Dunst, und zwischen Chivas-Hörnern und Atlas-Schultern trägt jemand schwer an seinen eigenen Neurosen.
Ein fantastisches Schauspiel.
„Doch was bringt uns dies, wenn doch das alles nur eine fantastische Scheinwelt in der Zeitung ist?“
Ich wende den Blick auf den Bildschirm, um das
vermeintlich objektive Urteil der Realität einzuholen: Ein 6:6. Beide versenken sich im kollektiven Rausch, und am Ende stehen sie punktgleich im grauen Mittelfeld, vereint im selben Wahnsinn.
Scheinbar geht es hier in Mexiko wirklich nicht um Ergebnisse, sondern nur um die Show. Loco. Lucha Libre Mexicana.
Also schnell zurück zum eigentlichen Tagewerk: der gar nicht mal so unwichtigen Psychologie. Denn was, wenn am Ende nur herauskommt: „Starpsychologe Roquo vernichtet die Akten und starrt ungläubig auf das Tableau.“
Und während ich so in mich gehe, dämmert es mir: Am Ende sind die Tabellenpunkte womöglich gar nicht die nackten Ergebnisse, sondern das dahinter.
Deshalb, und hier spricht der Psychologe: El nueve de octubre ist kein profanes Datum, sondern ein Bewusstseinszustand. Der nächste Termin wird im Kalender vielleicht anders beziffert sein, doch in Wahrheit wird er wieder und wieder el nueve de octubre sein. Ende der Diagnose: Wir sind alle gleich.
„Ein 6:6 nach einem 5:6? Völlig unauffällig. Natürlich brauchte es erst meine analytische Brillanz, um zu erkennen, dass die Herren hier dezent übertreiben“, murmelte Roquo, klappte mit einem trockenen Schnappen seine Notizen zu und goss sich langsam ein Glas Tequila ein.
fubini wachte auf. Nach dem, was in seiner Erinnerung wie echtes Erleben wirkte, traute er sich kaum, die Augen aufzumachen. So lebensnah, so real war das, was er gefühlt hatte. Er meinte noch, den Geschmack von totem Nagetier, Eigen- sowie Fremdurin, Tequila und zu lange in der Sonne gelegenen Zitronen oder Limonen oder Limetten oder ähnlichem Zeugs auf der Zunge zu haben.
Schlussendlich öffnete er dann doch die Auge, nahm seine Brille vom Nachttisch, setzte sie auf, lüpfte die Bettdecke und sah: einen Kugelbauch. Nackt, von einigen widerspenstigen Haaren belegt, aber eindeutig ein menschlicher Kugelbauch.
Es war alles nur ein Traum. Vielleicht ein Trauma. Aber
ein Traum.
(Die Älteren werden jetzt einwenden, dass man aus einem so langen und dämlichen Traum aufwacht um dann festzustellen, dass es nur ein Traum war, wenn man Bobby in der Dusche in Dallas sieht, aber das wäre wirklich ein Problem mit dem Urheberrecht.)
Er zog sich an und schlenderte für ein ausgiebiges Frühstück zum Plaza del Nueve de Octubre, bestellte ein Croissant und einen grand crème, und vertiefte sich in die neuste Ausgabe der "Parship News". Als er kurz den Kopf hochnahm um umzublättern sah er am anderen Ende des Platzes... Anna
"Nicht schon wieder!", dachte er und beschloss, die Dame zu ignorieren.
Das Gleichgewicht in der Stadt ist wieder hergestellt, das zweite Derby der Saison wurde souverän gewonnen und damit alles wieder in bester Ordnung. Maverick und El Campeche haben eine kurzes Sechs-Augen-Gespräch mit Franz Obst vor dem Spiel geführt, nach dem Spiel gab es das obligatorische Shakehands und auch die Pressekonferenz lief ohne besondere Vorkommnisse ab.
Viel Lärm um nichts? "Poltern gehört zum Geschäft, gibt Maverick Anfang der Woche grinsend zu Protokoll, wir haben die Verhältnisse klargerückt und dafür gesorgt, dass unsere Lokalrivale nicht weiter beflügelt durch die Saison reitet. Jetzt gilt es weiter konzentriert in der Liga zu arbeiten und auch international geht es in die nächste Runde." Beherzt greift Maverick zu seinem Getränk und verzieht, kaum ist die Flüssigkeit seinen Schlund hinuntergelaufen das Gesicht. Mit hochrotem Kopf spuckt er die klare Flüssigkeit aus, ein Hauch von Zitrone liegt in
der Luft.
"Bääh, das schmeckt wie Spülmittel, ereifert er sich, wer hat sich da einen Scherz erlaubt?"
Normalerweise wird auf der Pressekonferenz immer nur Wasser gereicht. Als man sich später den Vorfall in der Aufzeichnung der PK ansieht, staunt man nicht schlecht. Die Flüssigkeit wird aus der Wasserflasche in Mavericks Glas eingeschenkt, danach macht niemand mehr etwas an dem Glas. Doch schaut man genau hin ist ein schwarzer Schatten unterhalb des Tisches erkennbar. Ist sie etwa zurück? Die schwarze Katze?
Maverick hatte den Rest des Tages mit Übelkeit zu kämpfen, musste häufiger als normal die sanitären Anlagen aufsuchen und verabschiedete sich frühzeitig nach Hause.
Der Vorfall sorgt für Unbehagen, zur Sicherheit hat man die Behörden informiert. Die mysteriöse Flüssigkeit wird untersucht. Maverick ist es noch etwas flau im Magen, aber heute Abend wird er auf der Trainerbank sitzen.
Von unserem Korrespondenten, dem die Möbeltrümmer zählt und seit 45 Stunden die Uhr anstarrt und nicht mehr blinzelt
Der 9. Oktober ist in aller Munde. Jeder Sender, jede Zeitung, jeder Taxifahrer von Monterrey bis Mexiko City spricht davon. Nur einer hat keine Ahnung: Pepeke Guevara. „9.10.? Qué chingados ist am neunte Oktober?“, murmelt er und starrt auf seinen Handrücken, wo die Tinte schon verschmiert ist. Die Ungewissheit macht ihn nervös, so nervös, dass er das Tequilaglas zum ersten Mal seit Wochen länger anschaut, als er es leert.
Da klopft es. Guevara erstarrt. „Wer kann das sein? Seit Popoke weg ist, kommt niemand mehr. Nicht mal der Pizzabote traut sich.“ Er schleicht zur Tür, und dann steigt ihm ein Duft in die Nase. Vertraut. Und diesmal tatsächlich: Jasmin. Morgentau. Und etwas, das sich verdächtig nach Liebe anfühlt. Er zittert. Langsam öffnet er die Tür einen Spalt und blinzelt hinaus. Seine Augen werden so groß wie die Zitronen aus Pachuca.
„POPOOOOOKEEEEE!“
Er reißt die Tür auf, presst sie an sich, wirbelt sie durch die Wohnung. Die wenigen Möbel, die seinem letzten Wutanfall noch standgehalten hatten, geben nun unter der Last der Freude nach. Der Tisch kracht. Der Stuhl seufzt und stirbt. Don Julio duckt sich.
Dann stoppt er. Das Foto! Er setzt sie sanft, aber erstaunlich zügig ab und weicht einen Schritt zurück. „Popoke, du ware bei diesse ’erbster? Wass ssolle das? Du biss mi amor des Lebens, mi vida! Un ausgerechnet diesse pendejo?!“ Dem angeblich KI-generierten Bild glaubt er sowieso nicht. Er verschränkt die Arme. „Rede, mujer!“
„Du Dummerche“, sagt Popoke und streicht ihm über die Wange. „Ich ware doch nur da, um diese Widerling auszuspioniere. Ich habe ihn verführt, Nähe gezeigt, so getan als ob. Diesse notgeile, sssabbernde Kerl konnte natürlich nicht widerssstehe. Haare, Fingernägel, ein bisschen Sssabber, alles habe ich mitgenomme.“
„Du hast ihm die Fingernägel geschnitten?“
„No mi amor, diesse Idiot hat sich beim Aufknöpfen seiner pantalones vor Aufregung selbst eine abgebroche.“
Jetzt haben wir genug für eine neue Fluch. Un glaub mir, diesse wird gigante!
Orale, jetzt ich verstehe, warum
du bist gegange. „Siii´mon, ich musste gehen, sonst hättest du nie geglaub was für Heuchler diesse ´erbster is,“ erwidert sie. „Hier, ich 'abe noch eine Brief von ihm dabei. Er 'at ihn in meine Name geschrieben.
Guevara nimmt den Umschlag, hält ihn unter die Nase und rümpft sie sofort. Er riecht nach diesse ‚erbster. Ohne ihn zu öffnen, legt er ihn beiseite, wie einen nassen Hund.
Langsam beruhigt er sich, ganz glauben kann er es aber noch nicht. „Dieser ’erbster redet schon von Frauenhaus und Fakebilder, diesse nasse `und.“
Und plötzlich, mitten im Jasmin. Das Datum. Der 9. Oktober!
„¡Ay, Dios mío!“, ruft er laut. „Jetzt fällt mir ein.“
Er schiebt das Tequilaglas beiseite. Langsam, feierlich, wie ein Mann, der einem alten Freund auf dem Sterbebett die Hand drückt. Zum ersten Mal seit Wochen bleibt sein Blick klar. In seinen Augen, eben noch glasig vom Don Julio, lodert etwas, das man in Monterrey schon für ausgestorben hielt: der Tiger.
„Das Derby, mi amor“, ruft er, und seine Stimme bebt wie die Erde vor dem großen Beben. „Es komme. Und diesmal Pepeke Guevara nicht kämpfe für Punkte, nicht für Tabelle. Er kämpfe für Ehre, für Liebe, für Popoke!“
Die Motivation steigt in ihm auf wie Lava, heiß, gewaltig, unaufhaltsam. Die Adern an seinem Hals pochen, die Fäuste ballen sich, und irgendwo im Hintergrund, so schwört der Korrespondent, setzt unsichtbar ein Mariachi-Orchester ein.
Ganz Mexiko hält den Atem an. Roquo, der Starpsychologe von den Pumas, zückt interessiert sein Notizbuch, denn so ein Fall sprengt jedes Lehrbuch. Fubini, der noch immer seine Anna sucht, wischt sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel. Und die Guadalajara-Gang, Maverick und El Campeche, starren auf den Bildschirm wie auf das Finale einer Telenovela, die Hände vor dem Mund, die Popcorntüten längst vergessen.
Juan Ladron hält es nicht mehr aus. Die Spannung, die Wucht dieses Aufeinandertreffens, das Zittern in der Luft: zu viel für sein Nervenkostüm. Mit bleichem Gesicht winselt er: „Das ist mir zu heftig“, und verzieht sich.
Nachdem Pepeke Guevera jemand ein mit KI gefaketes Bild von seiner (Ex-)Frau und Herbster untergejubelt hatte und Herbster sich deswegen gar einem Glaubwürdigkeitstest bei Mechiko's Starpsychologen Roquo unterziehen musste, schwanden seine Hoffnungen auf eine Schlichtung der Differenzen mit Pepeke vor dem direkten Duell weiter, nachdem dieser die gemeinsame Männersitzung abgesagt hatte.
Herbster ist weiterhin von schweren Schuldgefühlen geplagt. Eigentlich hätte er um ein Medikament bei Dr. Roquo bitten müssen, doch die Schwere seiner Melancholie verschwieg er dem Seelenklempner. Wenigstens dessen Urin hatte gewirkt, als er seinem kugelbäuchigen fubini eine Pipette davon ins Maul tröpfelte, bevor sie am Freitag spazieren gingen. Sein bester Freund war wie betäubt und vergaß sogar zu bellen, als sie zum versprochenen Spaziergang aufbrachen.
Noch immer ist der Übeltäter, der einen Keil zwischen Herbster und Guevara treiben will, unbekannt. Und da es fubini nicht gewesen sein kann, bleibt fast nur noch der arrogante Don Limòn übrig, der sich zuletzt als Wohltäter inszenierte, um einer ganzen Liga Limonade zu spendieren, wo doch jeder weiß, dass in Mechiko alle auf Limetten abfahren. Ist das wieder mal einer seiner Spielchen, mit denen er die anderen Coaches vergiften will oder steckt einfach gar nicht so viel Kalkül dahinter, wie es bei dem KI-generierten Foto von Herbster und Popoke vermutet wird?
Monterrey's Coach bleibt verzweifelt und je näher der 09.10. rückt, desto öfter rennt er am Tag zur Toilette. Nicht nur Guevera's, sondern auch noch Montezuma's Rache sucht ihn heim. Das Adrenalin fließt, es vergeht keine Minute, in der sein Unterbewusstsein nicht an das Spiel gegen die Tigres denkt. Wenn er sich seinem Schicksal jetzt tatenlos ergibt, wird's nicht mehr besser. Darum entschließt er sich kurzfristig, nochmal einen letzten Brief an Pepeke Guevera zu verfassen, der ihn hoffentlich noch zum Einlenken bringt.
Handschriftlich natürlich, fälschungssicher. Er muss überzeugend wirken - und riechen. Darum schreibt er ihn aus Popoke's Perspektive, damit er ihn nicht beiseite legt. Und richtig riechen muss er - nach etwas Vertrautem und Popoke. Er legt sich Stift und Papier zurecht, träufelt ein paar Tropfen Tequila auf die leeren Blätter, die vor ihm liegen, damit er Guevera mit dem Geruch anlockt. Und da er gerade nichts von Popoke zur Hand hat, jedoch weiß, wie und wonach die fette Tonne riecht, greift er zum Briefumschlag, hält ihn mit einer Hand an den Seiten fest, drückt sie zusammen, sodass die Mitte sich öffnet und furzt rein. Glücklicherweise hatte er gerade erst einen frischen Obstsalat gegessen, garniert mit einer Wassermelone. Die lag im Verdauungstrakt nun oben auf und verweste - er war sich sicher:
Das war er, der perfekte
vermisse isse Disse sehr. Hoffe ich, bisse Du mir niss böse, dass isse bin gegange. Brauchte isse bischen ßeit. Doch bin isse jetz an die Punkt, wo sage: Wir musse rede! Desterhalbe ßreibe isse diese Brief.
Habe isse gehört, dass Du haste bekomme eine Fake Bild von mir und die 'erbster. PEPI, DAS ISSE NISSE ECHTE! Bin isse in die Frauenhaus. Mir gehte gut, die Umstände entspreche.
Was isse Dir wollte sage: Die Wut, die Du hasse in Dire, die komme von die Teufel! Isse nisse die Pepi, die isse kenne! Und auch wenn wir 'abe nixe Kontakte actualmente, sehe isse meine Aufgabe, disse abßuhalte von mache Quatsche, wenn Du spiele gegen die 'erbster!
Pepi, hasse Du mal auffe die TK geguckte? Hasse Du schon gemakte genug Fehler in die Saison! Heute, wo isse gucke die Tabell, Du 'asse 31,1. Nur 22 Punkte, Pepi! Wollte isse Dir nur kurz rechne vor: Wenn Du hole raus die A6 für die 'erbster Du bisse ARM! Guckste Du hier: 31,1 - 7,2 = 23,9. VIEL MEHR ARM ALSSE JETZE! UND NUR EINE PUNKTE MEHRE MITTE DIE 6:6! 23 Punkte und gewonne nixe! So viele TK wie die Reitere von die Spitz, aber 8 Punkte wenigere. Dasse nixe die Anspruch von die Mann, die isse kenne!
Wenn Du Disse lasse provoßiere von die 'erbster, gibte nur eine Verlierer - DU! Habe isse gesehe, dass Du haste gesparte Deine Krafte gegen die Zitron, damit Du kannste spiele die 6 bei die 'erbster. Lasse misse sage Dir: Die richtige Spiele von die Zug wäre gewese genau die umgekehrte. Die 'erbster isse nisse die Bedrohung. Hatte noch nie gerisse etwas in Sud-Amerika. Die wahre Feind isse die Limòn! DER KLAUE DIR DEINE TITEL, PEPI!
Isse weiß, das isse liege correcto. Wille isse nur Deine Beste und Du weißte ganze genau. Überlege Dir sehre gut, wasse Du mach. Möchte isse Disse bald wiedersehen, wenn etwas ßeit isse vergange. Hoffe isse nix, dass Du dann bereue, was isse Dir 'abe gesagt.
Habe isse etwas zugenomme die letzte Woche. Hier in die Frauenhaus Essen nixe gut. Aber isse weiße doch, dass Du liebe meine Kurve. Hoffe isse, dass isse kann bald wieder sein Deine Tonne.
Herbster stand der Schweiß auf der Stirn. Er zitterte am ganzen Körper, als er fertig war. Dennoch wusste er, dass er jetzt alles versucht hatte, um die Wogen zu glätten. Jetzt lag es an Pepeke, ob er sich überzeugen ließ - und am lieben Gott.
Briefmarke drauf, zugeklebt und als Einschreiben mit Rückschein brachte er den Brief zur Post. Nur so konnte er sicher sein, dass Pepeke den Brief erhalten hatte.
Während andere noch überlegen, wie sie ihre Saison retten, zeigt Don Limòn, wie wahre Grosszügigkeit aussieht: Limonade für alle! Niemand muss durstig bleiben, niemand muss zahlen – heute geht die Rechnung auf den grossherzigen Zitrus-Magnaten.
Ob Spieler, Trainer, Edelfan oder neugieriger Zaungast: Ein Glas für jeden! Und Gerüchten zufolge soll sogar das zweite Glas bereits kaltgestellt sein. Die Frage ist nur: Was hat Don Limòn vor?
Eines ist sicher: Wenn ein Mann wie Don Limòn plötzlich die gesamte Liga mit Limonade versorgt, steckt dahinter garantiert mehr als nur Nächstenliebe. Hat es etwas damit zu tun, dass für den vielsagenden 9. Oktober der Kelch an der fröhlichen Zitrone vorbeigegangen ist? Oder
liegt es vielmehr daran, dass in Mexiko die Limetteviel beliebter als die ordinäre Zitrone ist? Dies jedoch dem gängigen Alpenhorst oder Copatador bis anhin einfach nie aufgefallen ist? Oder ist es die klassische Verwirrungstaktik, die Don Limòn seit jeher zu einem ausgebufften Weltklassetrainer macht?
"Bueno, wichtig ist, dass wir den Schwung mitnehmen. Die Tabelle lügt nämlich. Wir haben ein Heimspiel mehr absolviert und in der Rückrunde zahlreiche grosse Brocken zu Gast.", so Don Limòn. Mit den Limetten hat Limòn seine Gegner im Griff. Grün statt Gelb. Vital statt sauer. Und die Sprechstunden bei Roquo überlässt er künftig wieder den Heulsusen. ¡Vámonos! 🍋🟩
Das Derby ist gespielt. CD Guadalajara gewinnt 3:0 gegen Atlas Guadalajara. Ein Ergebnis, das auf den ersten Blick ziemlich eindeutig aussieht. Aber wir wollen Maverick ja nicht den Gefallen tun, daraus gleich eine historische Machtdemonstration zu machen.
Vor dem Spiel hatte der Chivas-Coach schließlich noch erklärt, Atlas lebe vom Derby, während Guadalajara „ganz andere Ambitionen“ habe. Große Worte für einen Trainer, der anschließend 90 Minuten lang genau das Spiel mit größter Hingabe gewinnen wollte, das angeblich nur für den Gegner so wichtig war.
Atlas hat also 3:0 verloren. Maverick hat gewonnen. Und wenn man seinen Worten vor dem Spiel glauben darf, dürfte er jetzt eigentlich schnell wieder zur Tagesordnung übergehen. Schließlich war es ja nur dieses eine Spiel.
Wir gönnen ihm die drei Punkte selbstverständlich. Ebenso den kleinen Moment der Genugtuung. Nach all den Horrofilmen, schwarzen Katzen, Puma-Spionage und Franz Obst war es vermutlich auch für Maverick angenehm, wenn ausnahmsweise einmal etwas ganz Normales passierte: Er stellte
eine Mannschaft auf, ließ sie Fußball spielen und gewann ein Derby.
Die große 0 auf Atlas’ Seite war übrigens tatsächlich Teil des Plans. El Campeche hatte sie höchstpersönlich gesetzt. Nur eben nicht ganz dort, wo sie am Ende stand. Manchmal muss man eben Opfer bringen, damit ein größerer Plan funktioniert. Welcher Plan das war, wird zu gegebener Zeit bekanntgegeben.
Und Franz Obst? Der dürfte sich ebenfalls gefragt haben, ob er eigentlich als Streitschlichter oder als Zeuge eines mexikanischen Trainer-Egos eingeflogen wurde. Vermitteln musste er jedenfalls nichts mehr. Maverick hatte seine drei Tore und damit offenbar auch gleich die passende Antwort auf sämtliche vorherigen Diskussionen gefunden.
Chivas darf feiern. Maverick darf sich für einen Abend als großer Derbyheld fühlen. Und Atlas nimmt die 3:0-Niederlage mit nach Hause.
Aber Vorsicht, Maverick: Wer vor dem Spiel erklärt, dass der Gegner von einem Derby lebt, sollte nach einem Derbysieg vielleicht nicht selbst anfangen, davon zu zehren.
Das Summen des Lügendetektors schwillt an, übertönt Fubinis Schnarchen unter meinem Schreibtisch und bricht jäh ab.
Wir kurieren Phantome. Kollege Herbster heult mir auf der Couch die Ohren voll, schwört auf gefälschte KI-Dokumente und verfällt in Schockstarre, während Pepeke im Schlafrock den Verstand verliert und den Gestank von feuchtem Hund inhaliert. Doch wer hier an banale Seelenkrisen glaubt, verkennt die Matrix.
Ich beugte mich über den Schreibtisch, packte Herbster am Revers und schrie ihm direkt ins Gesicht:
„Siehst du es denn nicht?! Blick auf den Termin: 09.10.2026 um Punkt 19:00 Uhr! Neun plus zehn ist neunzehn! Die Stunde des Gerichts! Die Quersumme aus 2026 ist zehn. Subtrahieren wir das von neunzehn, landen wir bei der Neun! Multipliziere Tag und Monat: Neun mal zehn ergibt neunzig Minuten seelenlose Bot-Kontrolle durch Cruz Azul. Teile die neunzig durch die über allem schwebende und von mir dieses Mal nicht gezogene Copa sechs: Fünfzehn! Fubinis Tabellenplatz! Fubinis IP-Adresse für psychotherapieUndWieIchDenTherapeutenReinlege.si: Quersumme fünfzehn! Zieh seine zwei
Schlappohren ab: Dreizehn, Pepekes Platzierung! Nichts ist Zufall! Der Hund tippt Prompts mit den Hinterläufen, während du hier heulst!“
Herbster starrte mich mit weit aufgerissenen Augen an, unfähig zu atmen. In diesem Moment riss Anna die Tür auf und kippte ihren Matcha mitten in mein Glas Eigenurin.
„Bist du völlig übergeschnappt, Roquo?“, brüllte sie, stopfte Fubini Schamanen-Kekse ins Maul und knallte Rechnungen auf den Tisch. „Es gibt keinen mysteriösen Komplott! Herbster jammert, Pepeke säuft, und ich wickle seit Wochen die Buchhaltung über Fubinis Laptop ab! Die Domain rent-a-anna.geil ist meine Absicherung, um dein Institut an Pachuca zu verscherbeln, wenn du die Miete nicht zahlst!“
Ihr Blick wich nach links aus: Feindliche Agentin, im Bunde mit dem Kläffer.
Anna wirft mir eine leere Flasche vor die Füße und knallt die Tür zu. Fubini hebt das Bein an meiner Aktentasche, grinst und leckt sich die Pfoten. Am 09. Oktober um 19:00 Uhr fällt die Matrix: Entweder Herbster und Pepeke spielen Fußball, oder der Hund übernimmt endgültig den Laden.
Ein schwüler Nachmittag in der Geschäftsstelle von CD Guadalajara, der Ventilator verteilt die Hitze nur, er lindert sie nicht. Das Telefon klingelt, Sekretärin Juanita lässt es ein paarmal klingeln, dann nimmt sie den Hörer ab. "Bist Du alleine im Büro?, krächzt eine Stimme. "Nein, erwidert Juanita, es sind alle da. An wen darf ich verbinden?" Statt einer Antwort kommt die nächste Frage. "Magst Du Horrofilme?" Lachend erwidert Juanita: "Mögen? Ich komme mir vor, als arbeite ich in einem… Moment ich verbinde Sie mit unserem Cheftrainer."
Doch als dieser den Hörer abnimmt, ist die Leitung bereits tot.
Ja, das zweite Derby steht an und es scheint, als würde El Campeche kein Mittel der psychologischen Kriegsführung auslassen. Maverick blickt gelassen auf das morgige Spiel: "Ich verstehe ja das es für Atlas das größte Spiel des Jahres ist, was haben die auch sonst? Aber wir haben ganz andere Ambitionen, wir können nicht eine ganze Saison nur von einem Spiel zehren!"
Im Estadio Akron wird morgen auch Streitschlichter Franz Obst erwartet, es kommt also endlich zum Zusammentreffen zwischen Maverick und El Campeche, moderiert von eben jenem deutschen Anwalt. "Ich freue mich auf das Gespräch und bin sehr gespannt, wie es verlaufen wird. Auf Wunsch von Herrn Obst werden wir sowohl auf Früchte als auch auf Hochprozentiges verzichten. Schließlich haben wir beide danach ein Fußballspiel zu coachen!"
Die mysteriösen Ereignisse auf dem Trainingsgelände warten unterdessen immenroch auf vollständige
Aufklärung. Auch wenn man längst alles Spuren beseitigt hat. Die mysteriöse schwarze Katze wurde zuletzt nicht mehr gesehen. Ungewöhnlich häufig wurde die Marke Puma im Umfeld des Trainingsgeländes gesichtet. Spionage? Doch wer sich vom Trainingsbetrieb Erkenntnisse für die Spiele erwartet der wird enttäuscht. Das Training dürfte maximal als gedrosselt bezeichnet werden. Eine logische Konsequenz der bevorstehenden Aufgaben.
Doch bevor es hier zu sportlich wird, wird es Zeit auf die zwischenmenschlichen Geschehnisse in der Primera Division zu schauen.
Die Liga ist nicht nur weit weg von Tiki-Taka, sie entwickelt ein seltsames Pippi-Kaka Niveau. Von Eigenurin und Würstchen musste man lesen. Der Würgereflex hat sich noch immer nicht beruhigt. Da hilft auch der Ausflug in die Welt der KI nichts. Würde dieser vielleicht eine Erklärung für die ausufernde Hobbypsychologie der Trainerkollegen liefern? Wohl kaum, statt Psychologie oder womöglich noch fußballrelevante Themen wird mit der KI wohl allerhand Sauereien angestellt. Der Konsum diverser Alkoholika und bewusstseinserweiternder Drogen tut sein Übriges.
Mindestens zwei Trainerkollegen mussten vergangene Woche wegen des Verzehrs von Zwergenwein in den örtlichen Notaufnahmen behandelt werden. Gute Nachricht alle sind über den Berg. Einer über den Mount St. Helens, ein anderer über den Fuji in Japan. Ob und wann sie wieder coachen können, steht in den Sternen. Oder in diversen Voodoo-Utensilien einschlägig bekannter Übungsleiter.
Sollte jetzt noch Sidney Prescott auftauchen wird es endgültig Zeit für einen Entzug!
Unser kleiner, knuddeliger Kugelbauch lag wieder einmal auf seiner Decke, eingehüllt in eine Wolke aus Tequila, Zitrone und Fremdurin, in der Ecke ein Fotodrucker, ein kleiner, aber leistungsstarker Laptop und die Bücher "Photoretusche, ein Einführung", "KI - und was sie für Dich leisten kann" und "Prompterstellung für Dummies", daneben ein Wassernapf und harte, aber geschmackvolle Hundeleckerlies in Form von kleinen, aber sehr runden Schamaninen.
Auf dem aufgedunsenen und vor Fett glänzendem Gesicht ein zufriedenes Lächeln träumte der kleine Racker einmal mehr seinen Lieblingstraum: Es ist ein lauer Oktoberfreitag, die Kollegen aus der oberen Tabellenhälfte hauen sich gegenseitig ein 6:6 um die Ohren, der November naht und alle stellen plötzlich fest, dass der Underdog Platz um Platz nach oben klettert um am Ende die Tabellenspitze zu erobern.
Im Grunde seines Herzens weiß das
lustige Zeckenhotel natürlich, dass es ein Traum ist, aber in den diabolischen Ecken seines, zugegeben recht kleinen, Gehirns schleichen sich gelegentlich Zweifel, ob es wirklich ein Zwang ist, dass der Lieblingsclub immer am Tabellenende stehen muss. Dem Schicksal kann ja nachgeholfen werden.
Kann es sein, dass dieses Hundegehirn, welches im Kopf des niedlichen Krätzebergs vor sich hin dämmert, eine Intrige solchen Ausmasses...?
Eine Hinterpfote schnellt hoch, kratzt sich zwischen dem linken Ohr und der linken Lefze, der schmunzelnde Hundemund leckt einmal kurz sauber und die Pfoe verschwindet wieder unter dem Knüppelbauch.
Ein genauer Blick auf den kleinen, aber leistungsstarken Laptop offenbart den Browserverlauf:
www.wieFälscheIchEinFoto.org
www.psychotherapieUndWieIchDenTherapeutenReinlege.si
www.rent-a-anna.geil
www.kackbeutel-en-gros.co.uk
www.voo.doo
Kann man mit Hundepfoten eigentlich zehnfingerschreiben?
Nach dem nächsten ZAT kommt etwas Großes. Sehr Großes.
Diesmal zu Gast: SamiNo – der Mann, der Copa nach zwölf Jahren zurückgebracht hat.
Im bisher wohl längsten Interview von „Frühstück bei mir“ erzählt er, warum er Copa nie losgelassen hat, was hinter den Kulissen wirklich passiert ist und warum Saison 50 längst nicht das Ende der Reise sein soll.
Und weil so ein Gespräch nicht nur gelesen werden will, gibt es neben der Textversion auch eine gesprochene Video-Version.
Nach dem nächsten ZAT: Kaffee einschenken und Zeit mitbringen.
Wo? In der Kolumne von Österreich - den ÖsTORreich News.
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