Kevin Phillips trinkt seinen Kaffee neuerdings offenbar schwarz – ohne Zucker, ohne Milch und vor allem ohne allzu viele Fragen. Die vergangenen drei Spieltage dürften selbst den sonst so besonnenen Engländer ins Grübeln gebracht haben. Auf ein bitteres 0:5 bei River Plate folgte eine wilde 4:5-Niederlage bei CA Tigre, ehe Newell’s Old Boys mit einem knappen 1:0 gegen CA Lanús endlich wieder ein Erfolgserlebnis feiern konnte. Ein kleiner Lichtblick nach zwei schmerzhaften Rückschlägen, doch von Entwarnung kann in Rosario noch lange keine Rede sein.
In der Tabelle steht Newell’s nach 29 Spielen mit 47 Punkten auf Rang sechs. Vor einer Woche war es noch Platz fünf, davor sogar Platz zwei. Die Mannschaft ist also nicht aus dem Rennen, hat aber wertvollen Boden verloren. An der Spitze stehen CA Chacarita Juniors und Quilmes AC mit jeweils 51 Punkten, dahinter folgen CA Tigre, CA Lanús und CA Huracán Buenos Aires mit jeweils 48 Zählern. Newell’s liegt nur einen Sieg hinter dieser Gruppe – doch die jüngsten Ergebnisse zeigen, wie schnell aus einem aussichtsreichen Saisonverlauf ein nervöser Endspurt werden kann.
Und nun kommen die Wochen der Wahrheit. Die nächsten drei Spieltage werden ganz
entscheidend: Zunächst empfängt Newell’s den Tabellenführer CA Chacarita Juniors, anschließend geht es auswärts zum punktgleichen Spitzenreiter Quilmes AC. Danach wartet mit CA Huracán Buenos Aires der Tabellenfünfte. Drei direkte Duelle mit Mannschaften, die ebenfalls um die vorderen Plätze kämpfen. Wer hier Punkte liegen lässt, muss womöglich endgültig nach unten schauen; wer dagegen eine Serie startet, kann sich mitten in den Kampf um die Spitze zurückmelden. Für Phillips ist das keine gewöhnliche englische Woche – es ist eine Prüfung, bei der jeder Fehler doppelt wehtun könnte.
Der Trainer selbst soll die Lage gewohnt sachlich beurteilt haben. „Wir müssen konzentriert bleiben, unsere Chancen nutzen und defensiv stabiler stehen“, erklärte er angeblich – ein Satz, den er inzwischen vermutlich auch auf Spanisch beherrscht. Ob sein Sprachkurs allerdings bereits die passende Vokabel für eine 0:5-Niederlage vermittelt hat, ist nicht überliefert. Vielleicht lautet sie desastre. Phillips wird sich davon kaum aus der Ruhe bringen lassen. Er weiß, dass seine Mannschaft Tore schießen kann, aber eben auch, dass sie sich keine weiteren Aussetzer erlauben darf.
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