Vier Vereine werden aus italienischen Wohnzimmern trainiert, die Öffentlichkeit erfährt kaum etwas über die Liga. Während Manchester United für Schlagzeilen sorgt, droht die Championship ihre Attraktivität zu verspielen.
Die Championship hat ein Problem. Und es lässt sich nicht allein an Zuschauerzahlen oder Tabellenplätzen festmachen. Es geht um die Frage, wie ernst einige ihrer Vereine den eigenen Wettbewerb überhaupt noch nehmen.
Vier Trainer, vier Homeoffices, eine Liga
Gleich vier Clubs werden derzeit von italienischen Trainern aus der Ferne betreut. Trainingssteuerung per Bildschirm, taktische Anweisungen über digitale Kanäle, Vereinsführung auf Distanz. Vier Jahre nach dem Ende der Corona-Ausnahmesituation drängt sich eine Frage auf: Warum eigentlich?
Besonders ernüchternd ist der Blick ans Tabellenende. Mit Everton und Hull City stehen gleich zwei dieser fernbetreuten Mannschaften ganz unten. Ob das Homeoffice die sportliche Misere verursacht, lässt sich nicht beweisen. Dass es die Identifikation mit Verein und Mannschaft fördert, darf allerdings bezweifelt werden.
Eine Liga ohne Gesichter
Noch schwerer wiegt das öffentliche Schweigen. Wer erzählt die Geschichten dieser Championship? Wer erklärt Niederlagen, schürt Rivalitäten, setzt
Themen?
Bislang sind es vor allem zwei Namen: Uniteds hercegi und Cardiffs bluebiker. Der eine sorgt mit seiner streitbaren Art zuverlässig für Schlagzeilen, der andere bewies lange, dass sich auch abseits des Platzes durch beständige Arbeit Aufmerksamkeit erzeugen lässt.
Doch selbst bluebiker scheint die Lust an der Öffentlichkeitsarbeit allmählich zu verlieren. Und während Manchester United inzwischen fast wie eine Daily Soap erscheint, herrscht bei vielen Konkurrenten kommunikative Funkstille.
Eine Liga kann nicht davon leben, dass ein einzelner Verein jede Woche das nächste Drama liefert.
Dabei hätte die Championship Geschichten genug: Traditionsvereine im Abstiegskampf, ambitionierte Aufstiegskandidaten, persönliche Rivalitäten. Nur müssen diese Geschichten auch erzählt werden.
Die eigentliche Gefahr ist nicht schlechter Fußball. Es ist Gleichgültigkeit.
Wer seine Mannschaft aus hunderten Kilometern Entfernung führt und öffentlich kaum stattfindet, darf sich nicht wundern, wenn irgendwann auch die Zuschauer auf Distanz gehen.
Die Championship braucht wieder Persönlichkeiten, Präsenz und Leidenschaft. Sonst wird aus einer traditionsreichen Liga ein Wettbewerb, dessen Ergebnisse man zwar noch nachschlagen kann, über den aber niemand mehr spricht.
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