Ursprünglich war eine reine Männerrunde mit Pepeke Guevara in Roquo's Praxis geplant, doch der Psychologe lud beide zunächst zu einem virtuellen Meeting ein, um die Spannungen vorab zu reduzieren.
"Herr Herbster, wie geht es Ihnen? Was macht Ihr Hund?"
"Unverändert, Herr Doktor. Die Schuldgefühle halten an. Mein fubini dümpelt wie immer im Untergeschoss herum. Sein Bauch zieht ihn runter, nur sein Pate ist noch schwerer als er."
"Wer ist sein Pate?"
"Ich weiß nicht, wer es ist. Nur, dass es aus Atlante kommt. Damals habe ich für einen guten Preis eine Patenschaft im Netz angeboten. Ich war jung und brauchte das Geld."
"Nun gut", fuhr Dr. Roquo fort "Herr Guevara, wie geht es Ihnen heute?"
Pepeke hatte seine Webcam aus und als er sein Mikrofon auf unmute stellte, war nur Schluchzen zu vernehmen. Keine Reaktion, kein Satz, kein Ton. Nur ein schwarzes Bild.
"OK, lassen wir das. Herr Herbster, ich habe mir überlegt, dass ich Herrn Guevara und Sie aktuell nicht gemeinsam in einem Raum therapieren kann. Er ist psychisch zu instabil. Sie wissen ja, dass ich am Freitag in Monterrey bin. Ich würde Ihnen gerne einen Hausbesuch abstatten."
Herbster beginnt sichtlich überrascht zu zittern. Ein Hausbesuch?!
"Ähm, wenn ich ehrlich bin: Ich habe Angst, dass Sie mir ein Ei ins Nest... ähm ich meine, dass Sie mich auseinandernehmen."
"Aber Herr Herbster, ich bitte Sie! Ich will doch nur Ihr Bestes!"
"Wirklich?"
"Aber natürlich! Ich komme doch nicht zu Ihnen, um bei Ihnen etwas zu
holen!"
"Sondern um mir etwas zu geben?" fragte Herbster.
"Selbstverständlich!" entgegnete Roquo.
Herbster sprach zu sich selbst: "Er will mir doch wohl nicht 3 Punkte schenken? Das kann ich nicht glauben. Warum sollte er das nach all' den Vorlesungen und der Kritik über mich tun?"
"Also gut, ich vertraue ihnen, Herr Doktor" entgegnete Herbster, wohl wissend, dass er innerlich komplett anders fühlte.
"Schön, dann also bis Freitag! Möchten Sie noch etwas sagen, bevor wir uns verabschieden, Herr Guevara?"
Zunächst wieder Stille, doch dann platze es aus Pepeke heraus: "DIESE MUTA PADRE HATTE ZERSTÖRT MEINE LEBE! TITEL WEG, FRAU WEG, ALLESE KAPUTT. NUR MEINE TEQUILA ISSE NOCH DA! ISSE WILL, DASSE SIE IHM AM FREITAG DIE OHRE LANG ZIEHE, HERR DOKTOR!"
Herbster war komplett versteinert und wurde kreidebleich im Gesicht, seine Angst vor Roquo wuchs.
"Beruhigen Sie sich, Herr Guevera. Wir alle haben unsere Päckchen zu tragen und ich werde auch Herrn Herbster seine Grenzen aufzeigen, die er bei Ihnen überschritten hat."
Diese Sätze trugen nicht im Geringsten dazu bei, dass sich Herbster besser fühlte. Im Gegenteil: Seine Schuldgefühle wurden dadurch nur mehr getriggert.
"Also die Herren, wir sehen uns. Bis Freitag, Herr Herbster!"
Ohne ein Wort des Abschieds und völlig paralysiert drückte Herbster auf den roten Knopf, verließ das virtuelle Meeting und sprach erneut mit sich selbst:
"Ich weiß noch nicht mal, ob ich ihn überhaupt reinlassen soll. Ich muss mich irgendwie vor diesem Freak schützen. Der macht mir meine komplette Saison kaputt..."
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