Klingelingeling-Klingelingeling, irgendwo im Amazonas-Regenwald klingelte ein rotes Telefon in einer Holzaufsichtsbaracke. Ein Mann in gelben Skistiefeln hob den Hörer von der Gabel und raunzte belanglos in die Sprechmuschel: "Städtisches Hochbauamt Iquitos, Senor Fidjestöl am Apparillo." Ein wahrer Wasserfall an Worten musste wohl über den Mann hereinbrechen, denn sein Gesichtsausdruck veränderte sich von "Was-will-der?" über "Wie-kriege-ich-den-bloß-wieder-los?" bis zu "Das-darf-nicht-wahr-sein-waum-bin-ich-Freitag-nachmittags-der-einzige-im-Büro-und geh-dran?". "Nun Senhor, dass Sie mit dem Schiff kommen ehrt Sie, denn so können Sie sicher das eine oder andere Lastenfahrrad mitnehmen...auf dem Schiff. Die andere Möglichkeit ist ja nur per Flugzeug. Was die Baugenehmigung für das opernähnliche Stadion angeht muss ich Ihnen leider sagen, dass die Prüfung noch nicht abgeschlossen ist." Der nächste Wasserfall in einer Sprache aus berlinerisch-wienerisch gemixtem Kauderwelsch ergoß sich über OGF (Oh-Tschie-Eff oder Ole Gunnar
Fidjestöl). Der versuchte diesmal stoisch die Gesichtszüge neutral zu behalten. "Nun, sehen Sie mein Herr, wenn ihr Name Fitzcarraldo wäre, dann wäre das eine andere Sache aber so heissen Sie nun mal nicht...es fehlen nach wie vor die Auflagen, die wir Ihnen haben zukommen lassen unter anderem das Artenschutzgutachten, welches wir dringend benötigen, sonst könne wir mit der Prüfung gar nicht anfangen." Nebenher streichelte OGF sein Haus- Verzeihung Büro-Capybara, welches eine Kette aus rosa Herzen um den Hals trug, auf denen Einzelbuchstaben und Ziffern abgebildet waren P-E-P-E-3-3, es grunzte vergnügt vor sich hin. Der Wasserfall diesmal war sehr unfreundlich irgendwas von Almdudler-Mafia und hirnfressenden Amöben kam drin vor."Ja, da bringt Ihnen der Anruf nicht viel, wir brauchen diese beglaubigt von einem zertifizierten Gutachter. Ich bitte Sie von weiteren Anrufen Abstand zu nehmen, bis wir das Gutachten erhalten haben. Danke und noch einen schönen Tag." und OGF legte auf. "Was meinst Du pepe wollen wir zusammen schwimmen gehen ?" Ein freudiges Grunzen war die Antwort.
In Tacna, irgendwo zwischen Staub, Stolz und einem Pisco-Sour, sitzt pepe33– der alte Trainerfuchs von Coronel Bolognesi – in seiner Lieblingskneipe Ecke Calle de Afligido Jirón Caylloma 125 Avenida Famagusta und betrachtet die Welt durch ein Teekännchen.
Nicht aus einer Karaffe. Nicht aus einem Glas. Aus einem Teekännchen.
„Ein echter Taktiker trinkt aus einem Teekännchen“, erklärt er jedem, der zuhört – und einigen, die es lieber nicht täten. „Denn der Tee muss atmen können. Genau wie mein Sturm.“
Dann bestellt er einen Pisco Sour, lässt ihn aber in besagtes Teekännchen füllen. Der Barkeeper hat längst aufgehört, Fragen zu stellen. Pepe33 hebt das Kännchen feierlich, prostet dem Spiegel zu, der ihm freundlich zurückprostet, und verkündet:
„Gegen Alianza Lima spielen wir auswärts. Also brauchen wir Mut, Disziplin und mindestens drei Spieler, die wissen, wo der Ball hingehört.“
Er kritzelt auf eine Serviette:
Auswärts bei Alianza Lima:
• Torwart: Der mit den größten Händen. Und den kleinsten Nerven.
• Abwehr: Vier Männer, die sich wie eine Familienfeier verhalten – eng, laut und schwer zu überwinden.
• Mittelfeld: Zwei Kämpfer, ein Denker und einer, der einfach schnell rennt, falls der Plan scheitert.
• Sturm: Ein Stürmer mit Hunger. Der andere bekommt auch einen Teller.
„Alianza hat
Qualität“, murmelt er in sein Teekännchen. „Aber wir haben Tacna. Und Tacna hat mich.“
Ein Gast am Tresen mit gelben Skistiefeln an nickt ehrfürchtig. Wahrscheinlich, weil er nicht weiß, was sonst tun.
Am nächsten Abend plant pepe33 das Heimspiel gegen Virgen de Chapi FC. Diesmal liegt die Serviette flach, das Teekännchen dampft – oder ist es der Pisco? Niemand wagt zu fragen.
Heimspiel gegen Virgen de Chapi FC:
• Angriff: Breit, mutig, unangenehm wie ein Moskito im Schlafzimmer.
• Mittelfeld: Kontrolle, Geduld, ein bisschen Zauberei.
• Abwehr: Aufmerksam bleiben – auch wenn der Gegner „Virgen de Chapi“ heißt und deshalb vielleicht höflicher spielt als erwartet.
• Einwechselung: Der junge Flügelspieler. Er hat Beine wie ein Gummiband und noch keine Angst vor Trainern.
„Zu Hause“, sagt pepe33 feierlich, „sind wir nicht nur eine Mannschaft. Wir sind ein Erdbeben mit Trikot.“
Dann trinkt er einen Schluck aus dem Teekännchen, schließt seine Augen, öffnet dann eins und fügt hinzu:
„Und wenn wir gewinnen, gibt es Pisco Sour. Wenn wir verlieren … auch. Aber dann trinke ich ihn langsamer.“
Die Kneipe lacht. Der Barkeeper füllt das Teekännchen nach. Und irgendwo in Tacna beginnt Coronel Bolognesi bereits, sich auf zwei Spiele vorzubereiten, die hoffentlich genauso unvergesslich werden wie der Mann mit dem ungewöhnlichsten Taktikzimmer der Stadt.
...genau vier Minuten um uns ein zusätzliches Torkontingent für dieses erlauchte Spiel zu ergaunern. Denn in genau fünf Minuten muss pepee33, der heimlich der grösste Liebhaber eines deutschen Viertligisten aus dem süddeutschen Raum ist und schon das Trikot davon an hat sich auf den Weg ins Stadion machen. Tatsächlich ist es ein Hochrisiko-Spiel den der Gegner der eine gewisse Namnesverwandschaft
aufzeigt kommt mit Mann und Maus und die Spannung ist sehr angespannt, so dass mittlerweile mehrere Polizeifahrzeuge in Kleinbusform die ganze Strasse säumen die pepe33 nachher zu gehen gedenkt entlang stehen. Ok, wir ziehen noch eine dunkelblaue Jacke drüber damit einen die roten nicht gleich mit Schlägen malträtieren. Wir sehen uns nachher nach dem Spiel vielleicht mit blauen Augen oder mit 0,3 TK mehr. So long.
Die versammelte Trainerschaft der primera Division traf sich zu einer außerordentlichen Sitzung in einer kleinen Kneipe in Tacna an der Ecke Calle de Afligido Jirón Caylloma 125 Avenida Famagusta. pepe33 betrat das Pdium und setzte sich mit schwergewichtiger Mine an das Rednerpult, welches in der kleinen Kneipe aufgebaut worden war. pepe33 tippte an das Mikrofon und sprach leise "is da schon Ton drauf ?" eine Rückkopplung holte alle redenden Mittrainer ab und liess sie alle verstummen. "Also, werte Kollegen, als Alterspräsident habe ich folgenden Vorschlag ausgearbeitet. Da die Primera Division die beste Liga Südamerikas, wenn nicht Gesamtamerikas ist, sollten wir es in Betracht ziehen, dass wir eine segunda Divison einrichten. Denn mit der folgenden Idee werden wir die amerikanische Copa-Welt revolutionieren, wenn nicht so gar Copa-Geschichte in unermesslichem
Maße herbeiführen." Er räusperte sich. "Wir werden eine Oper, eine Fußball-Oper, das grösste Stadion Südamerikas, bauen, mitten im Urwald, ich habe mit unserem bärtigen Bonanza-Rad-Fahrer gesprochen, er stellt uns das Grundstück kostenlos zur Verfügung." Ein Raunen ging durch die Beiwohnenden. "Da Iquitos nur mit dem Schiff oder dem FLugzeug zu erreichen ist, müssen wir alle Dinge für die neue Fussbal-Oper über den Luft- und Landweg beibringen. Zum Glück müssen wir kein Schiff über einen Berg ziehen. Die Kosten werden aus den Gewinn-einnahmen der Copa Libertadores und der Copa Sudamericana gegenfinanziert." "Was haltet ihr davon ?" Betretenes Schweigen...macher zutzelte an seinem pisco sour ohne hochzuschauen. Dann eine Handmeldung "Ich könnte ein paar Sachen mit meinem Lastenrad hinbringen...".
Pepe33 stand auf dem Tresen seiner winzigen Lieblingskneipe Ecke Calle de Afligido Jirón Caylloma 125 Avenida Famagusta in Tacna und gab die letzten Anweisungen für das abendliche Kneipenquiz im "Zum goldenen Kännchen" und bimmelte laut mit einer Schweizer Kuhglocke zum Start.
Das Quiz stand im Zeichen des Themas "Wie abstraktionsfähig bin ich in Bezug auf die Primera Division?".
1_Finden Sie die geeignetste Abstraktion für die "unerträgliche Leichtigkeit des Seins":
A-Ich spiele copa
B-always ultra
C-Dei mudder sei G`sicht
2_Von wem stammt folgender Aphorismus: "Ein Kännchen ist ein Kännchen ist ein Kännchen!":
A-Bonanza-Rider
B-Aladins Meister Lampe
C-Nein-Danke-Bleibcool
3_Auf was führen Sie die grossen Eruptionen in der peruanischen Zeitungslandschaft zurück ? :
A-Inkontinenz des grossen
Grabens
B-Sinnentleerung bei den Inkas
C-Erfindung des Vierradantriebs durch Pizarro
4_Ignatius Fidjestöl Backenarsch, Verfasser des "Manifests von Pforzheim" distanzierte sich im Alter von beinahe all seinen veröffentlichten Schriften. Warum ? :
A-Beginn der Impotenz
B-Hochzeit mit Frigida von Zugloch
C-Bekanntschaft mit Siegmund Freud
5_Wodurch erhielt der ohrengeschädigte Joseph Hickersberger den D.J.-Auftrag für die Fiesta abstrakta peruana ? :
A-Durch Zuhälterei
B-Durch Narrenfreiheit
C-Durch Mitleid
6_Was ist ein NMR ? :
A-Nicht-mit-ReneRenno
B-Nach-mir-Rache des Athalupa
C-Noch-mehr-Rechtschreibefehler
7_Wie erklären Sie sich das Phänomen eines ZATs ? :
A-Förderung des Individuums im Manierismus
B-Mondmannschiessen 1968
C-Geburt des Christopher Kolumbus
pepe33 war sichtlich angefresssen vom Spiel seiner Mannschaft. Konnte man daheim sich noch mit 3:0 gegen Deportivo Municipal behaupten, ging es auswärts bei Universidad Cesar Vallejo mit einer Packung von 0:4 nach Hause, dies lies pepe33 zu dem legendären Satz verleiten: "In der ersten Halbzeit haben wir so gespielt, als ob wir Schlaftabletten genommen hätten. In der zweiten Halbzeit haben wir dann gemerkt, dass die Tabletten gar nicht gewirkt haben." Pepe33 versteckte sich darufhin in seiner winzigen Lieblingskneipe Ecke Calle de Afligido Jirón Caylloma 125 Avenida Famagusta in Tacna und scrollte durch die Medienlandschaft: "Wer ist Florian Markert ?" schrie ihn sein Handy an...so dass er schnell weiter scrollte
und bei einer Quiz-Show landete in der folgende Frage gestellt wurde. "Was befindet sich wohl in diesem Körbchen des Lastenfahrrads (an dem offensichtlich Aufkleber von Austira Wien prangerten) ? A - ein paar gelbe Skistiefel, B- ein messingfarbenes Teekännchen oder C-die gebrauchte Unterhose des Uli Stoehness, der sich jetzt schon vor Sorge in die Hosen gemacht hat aufgrund des anstehenenden Duells mit den Coronells" Pepe33 schaltete sein tragbares Zeitklaugerät aus und schlürfte genüsslich aus seinem Teekännchen seinen Pfefferminztee, als er mit dem linken Auge vor der Kneipe ein Lastenfahrrad vorbeisausen sah, gefolgt von einem orangefarbenen Bonanza-Fahrrad und jemand schrie: "Halt an du elender ...".
...mit diesem verheissungsvollen eye-catcher, damit auch die anderen peruanischen Trainer wissen, dass pepe33 wieder am Start ist, meldet sich pepe33 zurück von zwei sehr anstrengenden Urlaubswochen in dänsichen Gefielden. Rückbesinnung auf das Eigentliche ist nun angesagt, ausspionieren der Setztaktiken der Kollegen und natürlich was man nicht vergessen darf, ein gutes Kännchen Pfefferminztee. Wo fangen wir an, wo
hören wir auf, Bolo muss besser werden, nicht nur sich auf dem mit dänsichen Köstlichkeiten vollgefressenen Bauch von links nach rechts räkeln, nein vielleicht auch mal auswärts ein Tor schiessen oder zumindest auswärts mal einen Angriff wagen. Ja, das sind die heheren Dinge, die anzustreben sind. In Gedanken versunken lehnte pepe33 am Tresen der Bar und versuchte sich zu konzentrieren, als ein Bonanzafahrrad vorbei fuhr...
...oder her eines muss man der peruanischen Liga lassen. Es wird nicht langweilig. pepe33 freut sich auch, wenn man einen oder eines eingeschenkt bekommt, dass doch die anderen Trainer alle am Ball sind und es zu keinen NMRs kommt. Na ja, freuen ist zu viel gesagt, sagen wir mal, wir nehmen es positiv auf. Tatsächlich wollte man selber mit seinen Bolgnesis doch eher im oberen Drittel sich tummeln, aber das wird
wohl nichts. Aber die Saison dauert noch ein bisschen und geht langsam der entscheidenden Phase. Nämlich die sich an den Tresen zu begeben und das nächste Kännchen zu ordern. Denn bald ist WOchenende, hoch die Hände. Ja, ich schlafe schlecht, trotz offener Fenster haben wir in unserem dichtbesiedelten Wohnviertel doch sehr hohe Temperaturen, warm genug ist es ja, da muss man sich nichts mehr anziehen...
...Kännchen getrunken ?" Tatsächlich fragte sich das pepe33 in seiner Lieblingskneipe an der Ecke der Calle de Afligido Jirón Caylloma 125 Ecke Avenida Famagusta und schaute bedröppelt in sein Kännchen, das nicht mehr ganz so voll zu sein schien. Hinter dem Tresen stand ein Mann, der pepe33 wohl schon länger kannte und ihn versuchte aufzuklären. "Senor Pepe, aber erinnern Sie sich nicht mehr an letzte Woche ?" "Nein, helfen Sie mir an was ?" "Nun seit geraumer Zeit dürfen wir Ihnen nur noch ein Kännchen ausschenken. Das haben Sie uns selber so angeordnet ?" "Ich ?" "Ja, seit Sie hier zu uns kommen hatten Sie immer zwei Kännchen gleichzeitig bestellt und getrunken. Als wir Sie eines Tages fragten warum Sie zwei
Kännchen immer bestellen, meinten Sie, "nun ich bin sehr mit meinem Bruder verbunden und um ein Zeichen des gegenseiteigen Denkens zu pflegen trinken wir immer zwei Kännchen, um für den anderen mitzutrinken." "Aha." "Als Sie aber anfangs des Jahres kamen bestellten Sie nur noch ein Kännchen. Wir wollten nicht unhöflich sein und erkundigten uns nach dem Befinden Ihres Bruders, ob ihm wohl etwas passiert sei. Darauf antworteten Sie: Nein, ich habe nur aufgehört Kännchen zu trinken. Seit dem bekommen Sie nur noch eines." pepe33 schaute traurig und verlegen auf den Boden, ja das war so. Manche gemeinen Zungen behaupten, dass gar kein Pfefferminztee in den Kännchen drin ist, sondern pisco sour...aber das sagen nur die, die noch nie Kännchen getrunken haben.
Pepe33 kommt gar nicht mehr hinterher mit Schreiben. WM-Trainer und dann noch Berater auf anderen Kontinenten. "Ich habe das Gefühl, ich bin mittlerweile Schrifsteller und nicht mehr Trainer von einer Fussball-Mannschaft." Und tatsächlich ist die Doppelbelastung sehr hoch, sowohl national als auch international müssen sich die Punkte erschrieben werden. Ja, spielen Sie denn auch Fusball die Tacnaer von Coronel Bolognesi ? Wie man es nimmt. Pepe33 wandelte auf schmalem Grat hin und her, um seine Mannschat in Peru richtig einzustellen. Und all das, obwohl er im Moment mit der Nationalmannschaft der Elfenbeinküste in Marokko weilt. "Das kriegen wir schon hin!"