ein bisschen ruhiger ist es geworden - nicht nur im gesamten Spiel, auch in der Elfenbeinküste. Bei den Awards wurden die Kategorien "beste Kolumne" schon mit "bester Zeitungsartikel" zusammengelegt - das trifft den Nagel auf den Kopf. Während man früher einen Kiosk voller bunter Blätter vorfand, waren die "Kolumnen" der letzten Saison ausnahmslos Pokalinfos.
Der im Forum geäußerte Gedanke, dass das Spiel dahinsiechen wird, bis ein paar letzte Recken in einer Liga gamblen können, missfällt einem irgendwie. Aber augenscheinlich ist diese Phase schon seit ein paar Spielzeiten
eingetreten. Es ist ein bisschen wie bei einer lieb gewonnenen Serie, bei der man wehmütig wird, wenn die letzte Staffel kommt. Die Story hat ausgedient, aber man möchte irgendwie trotzdem nicht dass es vorbei ist.
Auch in der Elfenbeinküste ist eine gewisse Routine eingekehrt. Weiterhin spielt man selbst hier supergerne, auch wenn die Motivation insgesamt einfach nachgelassen hat. Getreu dem Motto´s "alte Liebe rostet nicht" wird man aber hier bleiben, bis irgendeiner das Licht ausmacht.
Auch auf diesem Wege gratulieren wir hier nochmal Mandelator zu dieser, weltweit, absoluten Wahnsinnssaison 42. Ganz großes Kino.
In der kleinen Stadt ist die Laune gut. Beruhigt schaut man dieser Tage auf die Tabelle und kann sich schon jetzt sicher sein: so schlimm wie letztes Jahr wird es nicht - schon jetzt hat man einen Punkt mehr.
Ruhmreich geht allerdings anders. Gerne hätte man die nötigen Auswärtspunkte gegen ein Patenteam geholt - das Bauchgefühl siegte glücklicherweise aber gegen Gagnoa
(man verlor 0:6), und im noch kommenden Match gegen Africa Sports National waren die Vorzeichen einfach nicht eindeutig, wie gut/schlecht es dann um Emanuels alten Verein stehen würde.
So musste man die tödliche 6 gegen den geschätzten Kollegen Broncas ziehen. Man hob nach dem Spiel beschwichtigend die Hände und wünscht dem Routinier alles Gute für die letzten 3 ZAT´s.
Also, dass mit den knappen Ergebnissen hat man in Bouaflé eindeutig nicht raus. Zum dritten Mal endete eine Partie mit 5:2 - das ist zwar nicht schlecht, gerade in Anbetracht der schlechten Auswärtsbilanz, aber eben Verschwendung.
"Das wird uns am Ende wahrscheinlich noch richtig weh tun. Wir haben so wenig Platz nach unten, dass wir mit dem Rücken zur Wand stehen. Durch
diese Dekadenz nehmen wir uns die Möglichkeit, auswärts auch mal "sichere" Punkte mitzunehmen, ohne zu Hause am Ende der Spielzeit zu sehr auf Risiko zu gehen."
Mit Spannung empfängt man nun Crow´s Jungs vom USC, die ihre Beispiellose Effizienz am vergangenen Spieltag bewiesen haben. "Die haben noch Körner, da müssen wir wirklich aufpassen."
Als Ivorer kann man sich in Sachen Fussball ja schon lange nicht mehr beklagen. Die internationale Stärke, die die Zugpferde der Liga nach und nach erarbeitet haben, hat man in der Vergangenheit ja genug beschleimt.
Doch auch national kam wieder Würze in die spannendste Liga Afrikas. Nicht nur, dass der Tabellenführer 2 Auswärtstore ins Gurkenglas legte, zu Hause verlor er auch zu allem Überfluss gegen den krisengeschüttelten Patenverein Africa Sports National. Die Entwicklung ist für den Ureinwohner kandara2 natürlich sehr unschön, alle Anderen Vereine haben wahrscheinlich die Faust geballt.
ASN hat einen tollen Spieltag hingelegt - kann man durch den Erfolg vielleicht doch nochmal Emanuel Aboutrika zurückgewinnen?
Natürlich schaut man immer mal wieder, was die Männers international veranstalten. Dieses Jahr ist sind es die Sahneschnittchen von Stella, Athletic und ASEC. Alle Drei sind im Gruppenmodus des Viertelfinals, alle 3 sind Tabellenführer und sicher im Halbfinale - [daumen hoch Knopf]. Sauber.
Da kribbelts natürlich in den Fingern: das will man in Bouaflé seit Ewigkeiten auch mal wieder haben - und eigentlich war die Chance nie besser. Zieht man die die beiden unbesetzten Vereine noch großzügig ab, dann werden ja nur Fünf Kollegen überhaupt leer ausgehen. Man muss also versuchen, den schwarzen Peter fernzuhalten.
Nichts leichter als das, ginge es nicht gerade gegen Tabellenführer und Tabellenzweiten.
Was soll denn abgeschaaft sein, wenn man nicht gerade Thomas heißt? Vielleicht noch abgestrafft - arbeitet der Berliner Homegrower jetzt auch noch bei McFit? Bauch-Beine-Po, he makes me sexy? 18-6er und 12-12er Trainingsplan, fett fit in 4 Monaten?
Abgeschaft war schon richtig geschrieben, in Bezug auf die Schafliste. Nicht umsonst hab ich doch extra noch gegoogelt, ob Schaf tatsächlich nur mit einem a geschrieben wird."
However - aus den
großen Tönen der Kellermimöschen wurde nix - und das konnte man riechen. Vielleicht zuviel des Guten war das Unentschieden, zu Hause gegen den Patenclub:
"das hat wirklich keiner verdient. Egal wie groß die Konkurrenz hier ist: auf die Abstiegsplätze gehören Gagnoa und ASN!", gab sich Kraut mitfühlend (strich bei diesen Worten aber mit einem süffisanten Grinsen den rechten Zeigefinger über dem Linken hin und her).
Vielleicht war es zu offensichtlich. "Gegen den Paten kann man im Haifischbecken Elfenbeinküste ruhig mal ne 1 wagen - und beim amtierenden Meister und Führer der Schafrangliste versuchste eben mal ne Zwo." In alter Haudegenmarnier konterte Keule den kleinen, kümmerlichen Angriffsversuch.
Nun ja. Der Plan ist zu 50 Prozent aufgegangen. Verschenkte Tore - eine
Gemeinsamkeit mit dem kommenden Gegner was für eine Überleitung , der sich ebenfalls verschätzte, und den liebgewonnenen Verletzten Platz weiterhin hält. "Ein paar Körner hat der Kandidat für die oberen Plätze abgelassen. Im Favouritenschaulaufen um die Meisterschaft kann hier schon eine Vorentscheidung gefallen sein."
"Ja, stimmt eigentlich, warum stehen wir so weit oben?" - nach einem Blick in das aktuelle Tagesgeschehen ist das die Verrücktheit, die im Gedächtnis bleibt. "Ich will die Flegel sofort alle sprechen. Was soll das, das habe ich dem Team SO doch niemals beigebracht?"
Als sich Powerkrauts Zweitaccount eine schöne Wutrede ausgedacht hat, steht er rot angelaufen und
zähnefletschend vor der versammelten Mannschaft. Trainer, guck mal" , erklärt der erblasste Kapitän, "Wir haben da oben alle 4 Heimspiele, deshalb. Sieht nur gut aus, können wir nix von kaufen würden Sie sagen."
Verrückt. Recht hat er, der erfahrene Kapitän, auch wenn man sich an die schöne Situation (vor allem dass die Mimöschen Vorletzter sind) gewöhnen könnte.
Oft beginnt ein innerliches Kopfschütteln, wenn ich Leute "heutzutage" sagen höre. "Heutzutage" kann man ja dies und jenes nicht mehr machen, "Heutzutage" ist ja auch nix mehr sicher, und "Heutzutage" muss man sich auch alles zweimal überlegen - vielleicht typisch deutsch, dass das überhaupt negativ besetzt ist, obwohl heutzutage eigentlich Vieles besser ist als jemals zuvor.
Beim jüngsten Skandal trifft das missverstandene Wort aber den Nagel auf den Kopf. In der Tat fühlt sich der ehrliche Spieler "heutzutage" einfach verarscht, einfach weil man nun weiß, dass manche Kollegen Schundluder getrieben haben... obwohl diese Kenntnis ja erstmal positiv ist. Eigentlich ist die vorige schöne, heile Welt das Lügengerüst. "Heutzutage ist das Spiel so sauber wie nie zuvor" habe ich jüngst gelesen: stimmt eigentlich.
Man muss gegen den eigenen Pessimismus schon angehen. Hinter jedem Trainernamen, der mit Unterstrich und Jahreszahl daherkommt, vermutet man (selbst) ein Gespenst,
das kanns ja auch nicht sein. Das katapultiert die Motivation, die eh im Keller ist, auch nicht mehr ins Dachgeschoss.
"100%-Sicher kann man sich nur bei sich selbst sein". Bei mir kommt da noch Sush mit dazu, und sonst ist gerade die Elfenbeinküste mit "99%-sicher-Kandidaten" gespickt, bei denen man sich ein Fehlverhalten dieser Art einfach nicht vorstellen kann: "Keule" Jähnig zum Beispiel, der sich damals gefreut hat, als man mit Pfiffi und Sush in die Elfenbeinküste gemeinsam immigrierte; Visca (den man wegen des gemeinsamen Nationaltrainerpostens jüngst kennen und schätzen gelernt hat), Aboutrika (den man schmerzlich verabschiedete und später zum Glück wieder herzlich begrüßte), kandara, Paulo, Jaromir, Broncas, Geburtstagskind Eberle - alles Persönlichkeiten, bei denen man getrost abnicken kann, dass es sich um Copatadoren mit A+ Rating handelt :)
"Vielleicht sollte man ne zweite Liga bei uns einführen, die 5 Restspieler rüber, und dann alles dicht machen." (ne ne)
Auf Pessimismus hat man in Bouaflé einfach keine Lust mehr; auf Realismus auch nicht. Wir werden alles wegballern, die Meisterschaft holen, Weltmeister mit Visca werden und im kommenden Jahr dann die CL holen.
"Wat wollen se?" wird jedem noch so seichten Karnevalstruppenkritiker entgegengeschleudert. In Bouaflé wird
man jedenfalls nicht mehr schön spielen. Was Italiener und Spanier jahrelang vorgemacht haben, was Deutschland nun adaptiert hat, das kann für die violetten Ochsen doch nicht falsch sein.
Dass der Verein im 21.Jahrhundert angekommen ist, zeigt auch die neu gestaltete Webseite. Gut, es sieht aus wie ein Arbeitslehre-neunte-Klasse-Projekt, aber wie sagte schon Kolumbus: "Das Internet ist für uns alle Neuland ."